Tagesblick, 4.4.2022, Montag

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CORONA – MEDIZIN – Negative Folgen überwogen positive Effekte der Lockdowns – NACHTRAG: 1.4.2022
CORONA – MEDIZIN – Covid-19 greift auch die Leber an – 4.4.2022
CORONA – USA – COVID-19: Novavax beantragt Zulassung seines Impfstoffs für Jugendliche – 4.4.2022
CORONA – DEUTSCHLAND – Ärzte erwarten deutliche Zunahme von Long-COVID-Fällen – 4.4.2022
CORONA – DEUTSCHLAND – ROUNDUP 2: Shopping ohne Maske – noch überwiegt die Vorsicht – 4.4.2022
CORONA – DEUTSCHLAND – Ethikrat veröffentlicht neue Pandemie-Empfehlungen – 4.4.2022
CORONA – DEUTSCHLAND – Vorstoß für Corona-Impfpflicht ab 18 Jahren gescheitert – Ab Oktober: Impfpflicht für Menschen ab 50 Jahren – Kontrollierte Umsetzung mittels Impfregister – 4.4.2022
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VERMÖGENSAUFBAU – Geldanlagen in der Krise – 4.4.2022
MEDIZIN – Ursache für Metastasierung bei Prostatakrebs entdeckt – 4.4.2022
CANABISKONSUM – US-Repräsentan­tenhaus stimmt erneut für Legalisierung von Cannabis – 4.4.2022
KLIMAWANDEL – GESAMT-ROUNDUP 2: Weltklimarat drängt auf mehr Klimaschutz-Tempo – 4.4.2022
KLIMAWANDEL – „Jetzt oder nie“: Klimabericht mahnt radikale Emissionsreduktion ein – „Stehen an einem Scheideweg“ – UN-Generalsekretär sieht „Dokument der Schande“ – 4.4.2022
KLIMAWANDEL – CO2-Budget für 1,5-Grad-Ziel droht bald zu erschöpfen – inkl. Graphik – 4.4.2022
KLIMAWANDEL – Klimabericht – Forderung nach grundlegendem Wandel im Energiesektor – 4.4.2022
KLIMAWANDEL – Klima-Glossar: Pariser Klimaabkommen – 4.4.2022
KLIMAWANDEL – Empfehlung für einheitliche Benennung von Klima-Szenarien – 4.4.2022
KLIMAWANDEL – Folge des Klimawandels: Deutschlands Alpen wachsen mit Wäldern zu – 4.4.2022
KLIMASCHONUNG – Studie: Zierbanane als klimafittes Superfood – 4.4.2022
UMWELTVERSCHMUTZUNG – Oberhalb der WHO-Grenzwerte: 99 Prozent aller Menschen atmen schmutzige Luft – 4.4.2022
ERDAUSBEUTUNG – Kohleabbau in D: Letzter Bauer in Lützerath verkauft – 4.4.2022
ENERGIEVERSORGUNG – Studie: Blackout in Texas zeigt offene Hausaufgaben im Energiesystem – 4.4.2022
DIGITALE KOMMUNIKATION – Chatbot, Schlüssel, Ausweis: Handy als neuer Allrounder im Uni-Alltag – WU; „Mobile First for Students“ speziellen Möglichkeiten von Smartphones nutzen – Pilotprojekt läuft noch bis 2023 – Fragen am Samstagabend vom Sofa aus – „E-ID“ am Prüfstand – 4.4.2022
UMWELTGESETZGEBUNG – Irischer „See, der verschwindet“ verschwindet nicht mehr – Arbeiten an Entlastungsrohr gestoppt: Einwohner suchen Schutz vor drohenden Wasserschäden – Ungeschützte Einwohner und ungeschützte Natur: County-Verwaltung muss EU-Umweltschutzvorgaben einhalten – 4.4.2022
COMMENT: Man lese dazu den Morgensternschen Palmström: es kann nicht sein, was nicht sein darf.

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INTERNATIONAL – Start von erster privater Mission zur ISS weiter verschoben – 4.4.2022
BÖRSEN – Ölpreise legen deutlich zu – Brent 107,53, WTI 102,67 USD je Fass – 4.4.2022, 17:35
BÖRSEN – US-Anleihen drehen in Verlustzone – US-Techwerte ziehen an – [Europäische Staatsanleihen drehten nach oben, Renditen sanken] 4.4.2022, 21:59
ZENTRALBANKEN – EUROPÄISCHE UNION – Enria: Verschärfte Prüfung von Kreditrisiken wg hoher Rohstoffpreise – 4.4.2022
ZENTRALBANKEN – EUROPÄISCHE UNION – EZB/Schnabel: Geldpolitik trotz Ukraine-Krieg normalisieren – 4.4.2022
ZENTRALBANKEN – EUROPÄISCHE UNION – UBS hofft auf die Klärung von drei Fragen durch die EZB – 4.4.2022
ZENTRALBANKEN – EUROPÄISCHE UNION – EZB soll gegensteuern Banken erwarten Rezession bei Gas-Lieferstopp – 4.4.2022
USA – Auftragseingang der US-Industrie im Februar gesunken – 4.4.2022
USA – Unbemannter Boden-Test von NASA-Raketensystem vorerst abgebrochen – 4.4.202

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RUSSLAND – UKRAINE – Die Kriegsnacht im Überblick: Ukraine zählt 600 Kriegsgefangene – Moskau ruft Mariupol zur Kapitulation auf – 5.4.2022, 6:50

RUSSLAND – UKRAINE – GESAMT-ROUNDUP 2: Härtere Maßnahmen nach Gräueltaten von Butscha – 4.4.2022, 20:47

RUSSLAND – UKRAINE – Der 40. Kriegstag im Überblick Butscha versetzt Welt in Schockstarre – Baerbock greift bei russischen Diplomaten durch * Meldungskranz am Ende des Beitrags – 4.4.2022, 20:51

RUSSLAND – UKRAINE – GESELLSCHAFT – Deutschland: Anfeindungen gegen Russen und Ukrainer in Deutschland nehmen zu – 4.4.2022

RUSSLAND – UKRAINE – KOMMENTAR – Was ein ISS-Kooperationsende bedeuten würde – 4.4.2022

RUSSLAND – UKRAINE – HINTERGRUND – ROUNDUP: Mehr als 80 Prozent der Geflüchteten aus der Ukraine sind weiblich – 4.4.2022

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RUSSLAND – UKRAINE – USA – RUSSLAND – Pentagon: Russische Kräfte für Gräueltaten in Butscha verantwortlich – 4.4.2022, 23:35
RUSSLAND – UKRAINE – RUSSLAND – UKRAINE – USA: Russland konzentriert Offensive auf Ost- und Südukraine – 4.4.2022, 22:11
RUSSLAND – UKRAINE – RUSSLAND – UKRAINE – Russischer UN-Botschafter: Gräueltaten in Butscha ‚inszeniert‘ – 4.4.2022, 23:35
RUSSLAND – UKRAINE – RUSSLAND – Insider: Russland verzögert Daten zu Öl- und Gasproduktion – 4.4.2022
RUSSLAND – UKRAINE – GROSSBRITANNIEN – Großbritannien: Russland grenzt nur zu sechs Prozent an Nato-Staaten – 4.4.2022
RUSSLAND – UKRAINE – DEUTSCHLAND – Lindner: Stopp russischer Gaslieferungen im Moment nicht möglich – 4.4.2022
RUSSLAND – UKRAINE – DEUTSCHLAND – ROUNDUP 2: Außenhandel stellt sich auf harte Zeiten ein – Ukraine-Krieg belastet – 4.4.2022
RUSSLANE – UKRAINE – DEUTSCHLAND – „Arbeiten gegen unsere Freiheit“ Baerbock weist 40 russische Diplomaten aus – 4.4.2022, 18:04
RUSSLAND – UKRAINE – DEUTSCHLAND – Habeck: Bundesnetzagentur vorübergehend Treuhänderin von Gazprom Germania – 4.4.2022
RUSSLAND – UKRAINE – DEUTSCHLAND – Habeck: Können bei Sanktionen gegen Russland noch deutlich weiter gehen – 4.4.2022
RUSSLAND – UKRAINE – ÖSTERREICH – Österreichischer Finanzminister lehnt russisches Gas-Embargo ab – 4.4.2022
RUSSLAND – UKRAINE – ÖSTERREICH – Schallenberg für Sanktionen, gegen Gasembargo – 4.4.2022
RUSSLAND – UKRAINE – ÖSTERREICH – Ukrainisches Bildungszentrum soll Jugendliche zur Matura bringen – Bildungszentrum im Zentrum Wiens: Zeitpunkt und Form noch unklar – 12.000 ukrainische Flüchtlinge in Wien registriert, davon 4.800 Kinder und Jugendliche – 4.4.2022

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TÜRKEI – Türkische Inflationsrate steigt auf mehr als 61 Prozent – 4.4.2022
SERBIEN – Serbien: Präsident Vucic mit deutlicher Mehrheit wiedergewählt – 4.4.2022
SERBIEN – Teilergebnisse: Vucic vor klarem Wahlsieg in Serbien – 4.4.2022
VATIKANSTAAT – Kardinal Turkson leitet künftig päpstliche Wissenschaftsakademien – 4.4.2022
EUROPÄISCHE UNION – Roaminggebühren bleiben bis 2032 ausgesetzt – 4.4.2022
EUROZONE – Sentix: Konjunkturstimmung für Euroraum erneut deutlich schlechter – 5.5.2022
UNGARN – LITAUEN – EUROPÄISCHE UNION – Litauens Außenminister: Vertrauensverlust in Ungarn seitens der Europäische Union spürbar – 4.4.2022
UNGARN – Unerwartet deutlicher Sieg für Orban bei Wahl in Ungarn – 4.4.2022
UNGARN – Vorläufiges Endergebnis der Ungarn-Wahl: Orban regiert weiter – 4.4.2022
UNGARN – UNGARN-Wahl: Klarer Sieg für Orbans FIDESZ – 3./4.4.2022
DEUTSCHLAND – Sewing: Dauerhaft hohe Inflation ist Gift für die Wirtschaft – 4.4.2022
DEUTSCHLAND – Sentix-Konjunkturindex Deutschland deutet auf Rezession – 4.4.2022
DEUTSCHLAND – BDI: Konjunktureller Ausblick für Industrie sieht sehr trübe aus – 4.4.2022
DEUTSCHLAND – Deutsche Exporte steigen im Februar kräftig – 4.4.2022
DEUTSCHLAND – Deutscher (containisierter) Seehandel legt 2021 um 5.9 Prozent zu – Vor-Corona-Niveau noch nicht erreicht – China wichtigster, USA zweitwichtigster Handelspartner – 2021: Russland im containisierten und nicht-containiserten Handel wichtigster Handelspartner, gefolgt von China und Schweden – 4.4.2022
DEUTSCHLAND – HDE: Verbraucherstimmung fällt infolge des Krieges auf Allzeittief – 4.4.2022
DEUTSCHLAND – D: Amazon will 6.000 neue Arbeitskräfte einstellen – 4.4.2022
DEUTSCHLAND – Wirtschaftsministerium warnt vor negativen Folgen eines Energieembargos – 4.4.2022
ÖSTERREICH – Vorgeschriebene Umrüstung auf E-Motoren unmöglich – Fachleute sehen weitere Zukunft für Diesel – Technische Lebenspraxis sticht Gesetz aus – Kaum E-Fahrzeuge für industrielle Aufgaben – Bestraft sich Politik selbst? – 4.4.2022
ÖSTERREICH – Neue Richtlinie für Radverkehr – Unfallrisiko 50-mal höher als mit Auto – Radfahrstreifen müssen breiter werden – Angepasste Ampelschaltungen – Länder übernehmen Richtlinie – 4.4.2022
ÖSTERREICH – Elektronikindustrie: KV-Verhandlungen festgefahren – 4.4.2022
ÖSTERREICH – Gericht: Apothekerkammer verliert Rechtsstreit – NACHTRAG: 2.4.2022
ÖSTERREICH – Ab 2023 „Informatische Bildung“ ab der 1. Klasse Volksschule – 4.42022
ÖSTERREICH – Weniger Evaluationen und Erhebungen – Schulen sollen entlastet werden – 4.4.2022

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Zur freundlichen Erinnerung:

KURZWELLENEMPFANG – Weitere ORF-Radio-Journale werden via Kurzwelle ausgestrahlt – 1.3.2022
Ab sofort bietet der ORF zusätzlich zum “Ö1 Morgenjournal” (6155 kHz, 7.00 Uhr, Montag bis Samstag), täglich auch das “Ö1 Mittagsjournal” (13730 kHz, 12.00 Uhr, Montag bis Samstag) und das “Ö1 Abendjournal” (5940 kHz, 18.00 Uhr, Montag bis Freitag und Sonntag) via Kurzwelle an.
https://www.leadersnet.at/news/56617,weitere-orf-radio-journale-werden-via-kurzwelle-ausgestrahlt.html

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CORONA – MEDIZIN – Negative Folgen überwogen positive Effekte der Lockdowns – NACHTRAG: 1.4.2022
Die gesundheitlichen Auswirkungen der Lockdowns aufgrund der Corona-Pandemie im Jahr 2020 in Wien, Barcelona und Stockholm hat ein internationales Forscherteam untersucht. Sie zeigen in der im Fachjournal „Environmental Pollution“ veröffentlichten Arbeit, dass sich die Verringerung der Luftverschmutzung und des Lärms während der Abriegelung positiv auf die Gesundheit auswirkte, doch die negativen Folgen des Rückgangs der körperlichen Aktivität waren größer.
*** In Wien nahm die körperliche Aktivität im ersten Lockdown um 76 Prozent ab
Die Forscher um Sarah Koch vom Barcelona Institute for Global Health (ISGlobal) haben für die Studie drei europäische Städte mit unterschiedlich strengen Lockdowns ausgewählt: Barcelona, wo es strenge Ausgangssperren gab, Stockholm, wo mit sehr lockeren Maßnahmen auf die individuelle Verantwortung gesetzt wurde, und Wien, das laut Forschern bei denen Lockdown-Maßnahmen einen Mittelweg gegangen ist.
Anhand von Daten über Luftverschmutzung, Lärm und körperliche Aktivität berechneten sie die Unterschiede zwischen den Umwelteinflüssen und dem Gesundheitsverhalten vor und während der Pandemie sowie deren Auswirkungen auf die Gesundheit. Um das Ausmaß der untersuchten langfristigen Veränderungen klarzumachen, simulierten sie zudem die hypothetischen Auswirkungen der Eindämmungsmaßnahmen, wenn diese ein ganzes Jahr gedauert hätten.
*** Weniger Luft- und Lärmverschmutzung, aber auch weniger Sport
Klarerweise stand die Strenge der Maßnahmen in direktem Zusammenhang mit den Auswirkungen: So sanken in Barcelona während des ersten Lockdowns die Stickstoffdioxidkonzentrationen (NO2) im Durchschnitt um 50 Prozent, der tägliche Lärmpegel ging um 5 Dezibel (dB(A)) zurück und die körperliche Aktivität um 95 Prozent. Im gleichen Zeitraum reduzierte sich in Wien die NO2-Belastung um 22 Prozent, die Lärmbelastung um 1 dB(A) und die körperliche Aktivität nahm um 76 Prozent ab. Stockholm verzeichnete bei der NO2-Belastung einen Rückgang um 9 Prozent, bei der täglichen Lärmbelastung ein Minus von 2 dB(A) und die körperliche Aktivität reduzierte sich um 42 Prozent.
Die Verringerung der körperlichen Aktivität hätte in Barcelona zu einem Anstieg der Schlaganfälle und Herzinfarkte um 10 Prozent und der Diagnosen von Depressionen und Angstzuständen um 8 bzw. 12 Prozent geführt, wenn die strengen Ausgangssperren ein Jahr lang gedauert hätten. In Wien hätte eine geringere körperliche Aktivität für ein Jahr zu einem Anstieg von Schlaganfällen und Herzinfarkten um 5 Prozent sowie der von Depressions- und Angstzustands-Diagnosen um 4 bzw. 7 Prozent geführt. Selbst in Stockholm wäre bei einem Andauern der Maßnahmen die Häufigkeit von Schlaganfällen und Herzinfarkten um 3 Prozent, die Zahl der Depressionsdiagnosen um 2 Prozent und jene der Angstzustände um 3 Prozent gestiegen.
*** Langfristig gesundheitlich positiv
Auf der anderen Seite stünden positive Auswirkungen aufgrund des Rückgangs der Luftverschmutzung und der Lärmbelastung, wären die Maßnahmen ein ganzes Jahr lang aufrechterhalten worden. So hätte die Verringerung der NO2-Konzentrationen in Barcelona 5 Prozent der Herzinfarkte, 6 Prozent der Schlaganfälle und 11 Prozent der Depressionsdiagnosen verhindert. In Wien hätte die Reduktion bei Schlaganfällen und Herzinfarkten 1 Prozent und bei Depressionen 2 Prozent betragen und in Stockholm wären 1 Prozent der Depressionsdiagnosen verhindert worden.
Die hypothetische langfristige geringere Lärmbelastung hätte in Barcelona 4 Prozent der jährlichen Herzinfarkte, 7 Prozent der Schlaganfälle und 4 Prozent der Depressions-Diagnosen verhindern können. In Wien hätte die Inzidenz von Herzinfarkten, Schlaganfällen und Depressionen um jeweils 1 Prozent gesenkt werden können. In Stockholm wäre die Zahl der Herzinfarkte und Depressionen um jeweils 2 Prozent und die Zahl der Schlaganfälle um 4 Prozent gesunken, berechneten die Forscher in der Studie, an der auch Wissenschafter der Universität für Bodenkultur (Boku) mitgearbeitet haben.
„Trotz der Unterschiede in den drei Städten gibt es ein gemeinsames Muster: Die gesundheitlichen Vorteile der verbesserten Luftqualität und des Lärms können die zutiefst negativen Auswirkungen der geringeren körperlichen Aktivität nicht ausgleichen“, erklärte Koch in einer Aussendung. Für die Wissenschafter geben die Studienergebnisse auch Hinweise für die Stadtplanung und welche Auswirkungen es hat, wenn man Luftverschmutzung und Lärm erheblich reduziere und gleichzeitig die körperliche Aktivität fördere.
Service: https://doi.org/10.1016/j.envpol.2022.119124
https://science.apa.at/power-search/1050960895905886195

CORONA – MEDIZIN – Covid-19 greift auch die Leber an – 4.4.2022
Die Wissenschaft belegt immer mehr Organschädigungen im Rahmen von Covid-19-Erkrankungen mit potenziellen Langzeitfolgen. Wissenschafter der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf (UKE) haben jetzt in einer international durchgeführten Studie gezeigt, dass SARS-CoV-2 auch direkt die Leber befällt und zu Entzündungs- und veränderten Stoffwechselprogrammen führt. Die Daten sind in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Nature Metabolism“ veröffentlicht worden.
*** SARS-CoV-2 ist ein Multiorganvirus
Nachdem die Hamburger Wissenschafter SARS-CoV-2 schon früher als Multiorganvirus beschrieben hatten, wiesen sie jetzt einen direkten Befall der Leber durch das SARS-CoV-2 nach. „Aufgefallen waren erhöhte Leberwerte bei Covid-19-Patienten schon vorher, und in der nun vorliegenden Studie konnte bei fast 60 Prozent der rund 1.200 in die Untersuchung eingeschlossenen Covid-19-Patienten erhöhte Leberwerte bei der Krankenhausaufnahme nachgewiesen werden“, hieß es in einer Aussendung des Universitätsklinikums.
Nur bei wenigen Erkrankten waren zuvor Lebererkrankungen bekannt gewesen, was ein deutlicher Hinweis dafür sei, dass SARS-CoV-2, hinter den Befunden steckte. In einer zusätzlich durchgeführten Autopsie-Studie bei 45 an Covid-19 Verstorbenen konnte das Virus in zwei Drittel der Fälle in der Leber nachgewiesen werden, teilweise sogar als aktiver Erreger aus der Leber isoliert werden.
*** Veränderung der Zellprogramme beobachtet
In hochauflösenden molekularen und bioinformatischen Analysen zeigte sich außerdem, dass eine SARS-CoV-2 Infektion die Zellprogramme in der Leber deutlich verändern kann, ähnlich wie zum Beispiel bei unterschiedlichen Formen einer Hepatitis. „Diese Ergebnisse unterstreichen erneut, wie vielfältig die potentiellen Schädigungsmechanismen bei Covid-19 sind. Es ist zu befürchten, dass wir in den kommenden Jahren und Jahrzehnten vermehrt Covid-19-Folgeerkrankungen in Organen wie Leber und Nieren sehen werden“, erläuterte Studienleiter Tobias Huber, Direktor der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik (Nephrologie, Rheumatologie, Endokrinologie) des UKE. An der Studie waren Wissenschafter von sieben Abteilungen der Hamburger Klinik und von Forschungsinstituten sowie zahlreiche Partnereinrichtungen aus Freiburg, Heidelberg und den USA beteiligt.
DOI: https://doi.org/10.1038/s42255-022-00552-6
https://science.apa.at/power-search/13393791914023462052

CORONA – USA – COVID-19: Novavax beantragt Zulassung seines Impfstoffs für Jugendliche – 4.4.2022
Gaithersburg/Maryland – Der US-Hersteller Novavax möchte seinen Proteinuntereinheitenimpfstoff NVX-CoV2373 (Nuvaxovid) auch für Jugendliche anbieten. Der jetzt bei der europäischen Arzneimittelagentur EMA eingereichte Antrag basiert auf noch nicht publizierten Ergebnissen der Studie PREVENT-19.
Die Einschlusskriterien von PREVENT-19, an der ursprünglich nur Erwachsene teilnahmen, war im letzten Jahr auf jüngere Altersgruppen ausgeweitet worden. An 73 Standorten in den USA waren 2.247 Jugend­liche im Alter von 12 bis 17 Jahren im Verhältnis 2:1 auf eine Impfung mit NVX-CoV2373 oder Placebo randomisiert worden. Nach den bereits im Februar mitgeteilten Ergebnissen erzielte NVX-CoV2373 eine Impfstoffwirksamkeit von 79,5 % mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 46,8 % bis 92,1 %.
Die Wirksamkeit wurde zwischen dem 24. Mai und dem 27. September ermittelt, als in den USA die Delta-Variante der vorherrschende Stamm von SARS-CoV-2 war. In allen 11 Fällen, bei denen das Virus sequen­ziert worden war, wurden die für Delta typischen genetischen Merkmale gefunden. Insgesamt waren 20 Erkrankungen an COVID-19 aufgetreten. Die Impfstoffwirksamkeit gegen die Delta-Variante betrug 82,0 % (32,4-95,2 %).
Sicherheitsprobleme sind laut dem Hersteller in der Studie nicht beobachtet worden. Die lokale und systemische Reaktogenität war nach der 1. und 2. Dosis im Allgemeinen geringer als bei Erwachsenen oder ähnlich, was eine bessere Verträglichkeit anzeigt. Die am häufigsten beobachteten Nebenwirkun­gen waren Überempfindlichkeit/Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, Myalgie, Müdigkeit und Unwohlsein. Die Teilnehmerzahl war allerdings zu gering, um die Häufigkeit seltener Komplika­tionen wie eine Myokarditis zu ermitteln.
Novavax bemüht sich auch in anderen Ländern um eine Ausweitung der Indikation auf Jugendliche. In Indien liegt bereits eine Zulassung der dortigen Arzneimittelbehörde vor. In Südkorea hat der Lizenz­nehmer „SK bioscience“ kürzlich ebenfalls einen Antrag auf Zulassung des Impfstoffs für Jugendliche beim zuständigen Ministerium für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit eingereicht. In den USA, wo Novavax seinen Firmensitz hat, ist NVX-CoV2373 derzeit übrigens auch für Erwachsene noch nicht zugelassen. © rme/aerzteblatt.de
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/133132/COVID-19-Novavax-beantragt-Zulassung-seines-Impfstoffs-fuer-Jugendliche

CORONA – DEUTSCHLAND – Ärzte erwarten deutliche Zunahme von Long-COVID-Fällen – 4.4.2022
Berlin – Die Vertragsärzte erwarten eine deutliche Zunahme von Long-COVID-Fällen. Schon jetzt sei der Beratungsbedarf in den Arztpraxen „immens“, sagte der Vorstandvorsitzende der Kassenärztlichen Bun­des­vereinigung (KBV), Andreas Gassen, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
„Und er wird eher noch wachsen.“ Angesichts der derzeit hohen Fallzahlen könne es zudem sein, dass auch die Zahl der Patienten mit Verdacht auf Long COVID „in den kommenden Wochen noch einmal deutlich ansteigt“.
Langzeitfolgen seien von vielen Viruserkrankungen bekannt, der Unterschied bestehe nun aber „in der schieren Menge der Infektionen in der Bevölkerung“, sagte Gassen. Allein deshalb dürfte es mehr Fälle mit Langzeitfolgen geben, prognostizierte er.
Gassen forderte zudem bessere Rahmenbedingungen für den Umgang mit Long-COVID-Fällen. Es wäre für beide Seiten „sehr hilfreich, wenn es eine präzisere Definition von Long COVID gäbe, die eine zuver­lässige Diagnose ermöglicht“, sagte Gassen den Funke-Zeitungen.
Denkbar wäre nach seinen Worten etwa eine bestimmte Kombination von subjektiven Symptomen wie Müdigkeit, Niedergeschlagenheit oder Antriebslosigkeit und objektiven und messbaren medizinischen Parametern. © afp/aerzteblatt.de
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/133114/Aerzte-erwarten-deutliche-Zunahme-von-Long-COVID-Faellen

CORONA – DEUTSCHLAND – ROUNDUP 2: Shopping ohne Maske – noch überwiegt die Vorsicht – 4.4.2022
KÖLN (dpa-AFX) – Wer auf halber Strecke zum Supermarkt plötzlich merkt, dass die Maske noch zu Hause liegt, muss nun nicht mehr umkehren: In den meisten Teilen Deutschlands ist mit Beginn der neuen Woche auch die Maskenpflicht in Geschäften entfallen. Doch die Umstellung scheint vielen Menschen noch nicht geheuer – schließlich gehörte der verpflichtende Mund-Nasenschutz nach rund zwei Jahren Corona-Pandemie wie selbstverständlich zum Alltag.
„80 bis 90 Prozent unserer Kundinnen und Kunden in Berlin und Brandenburg haben beim Einkaufen am Montag weiterhin eine Maske getragen“, sagt etwa Nils Busch-Petersen, Geschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg. „Es bleibt eine sehr hohe Bereitschaft, sich und andere auf freiwilliger Basis zu schützen.“ Es gebe auch manche Einzelhändler, die an der Maskenpflicht für die Kundschaft im eigenen Geschäft festhielten.
In der Hauptstadt war die Maskenpflicht bereits am Freitag gefallen, am Sonntag dann in den meisten anderen Bundesländern – dort war der Einkauf in Geschäften mit Sonntagsöffnung bereits am Wochenende ohne Maske möglich gewesen, etwa an Bahnhöfen. Nun fällt die Maskenpflicht im großen Stil.
Doch auch in anderen Bundesländern bleiben Verbraucherinnen und Verbraucher vorsichtig, etwa im Saarland. „Es gibt eine relativ unaufgeregte, stille, vernünftige große Mehrheit, die wie selbstverständlich mit Maske auf der Nase an den Stellen unterwegs ist, wo sich Menschen in geschlossenen Räumen näher kommen“, sagte der Vorsitzende vom Verein für Handel und Gewerbe Saarbrücken, Michael Genth, am Montag.
Gegen die neue Verordnung der Bundesregierung hatte es in den vergangenen Wochen deutlichen Widerspruch aus zahlreichen Bundesländern gegeben. Sie können Schutzmaßnahmen wie die Maskenpflicht nicht mehr eigenständig aufrecht erhalten, es sei denn, handelt sich um sogenannte „Hotspots“, also Regionen mit besonders hohen Inzidenzen. Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern halten im Rahmen dieser Regelung vorerst an der Tragepflicht fest.
Andere Bundesländer verzichteten auf so einen Sonderweg, zum Beispiel Niedersachsen, NRW, Bayern und Baden-Württemberg. Seit Frühjahr 2020 war das Maskentragen in Geschäften bundesweit vorgeschrieben gewesen.
Im Einzelhandel sorgte das Ende der Maskenpflicht zuvor für gemischte Gefühle. Die Gewerkschaft Verdi berichtete mit Blick auf das Ansteckungsrisiko von Besorgnis unter den Beschäftigten. Auch unter den Arbeitgebern gibt es viele kritische Stimmen.
In einer Umfrage des Handelsverbands Bayern unter Einzelhändlern gab eine knappe Mehrheit an, das Ende der Maskenpflicht für falsch zu halten (50,4 Prozent). 39,2 Prozent wiederum halten die Abschaffung für richtig. 11,7 Prozent der Einzelhändler in Bayern wollen der Umfrage zufolge in ihren Geschäften an der Maskenpflicht festhalten, 77,4 Prozent dagegen nicht Masken per Hausrecht vorschreiben.
Bei den großen Handelsketten müssen die Kunden ebenfalls keine Bedeckung mehr aufsetzen, etwa bei Rewe, Lidl, Aldi und Edeka, beim Möbelhändler Ikea, beim Buchhändler Thalia oder den Textilketten Hennes & Mauritz und Primark . Mitunter wird den Beschäftigten und Kunden aber empfohlen, weiterhin zur Maske zu greifen.
Der Handelsverband Deutschland (HDE) betonte, es sei immer klar gewesen, dass die Maskenpflicht beim Einkaufen nicht auf Dauer gelten könne und fallen werde, sobald die pandemische Lage dies nach Einschätzung von Politik und Experten zulasse. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth rechnet damit, dass die Mund-Nasen-Bedeckungen weiterhin weit verbreitet sein werden in den Geschäften.
„Wir gehen davon aus, dass die Kundinnen und Kunden eigenverantwortlich handeln und auch weiter beim Einkaufen eine Maske tragen werden“, sagte der Verbandsvertreter. „Die Mehrheit hat sich an die Maske gewöhnt und empfindet diese meist nicht als allzu große Einschränkung.“ Ein bundesweites aktuelles Stimmungsbild zur Situation in den Geschäften konnte der HDE am Montag allerdings zunächst nicht abgeben. Es bleibt abzuwarten, wie lange die Vorsicht der Verbraucherinnen und Verbraucher in den kommenden Tagen und Wochen anhalten wird./wdw/maa/DP/jha
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55686643-roundup-2-shopping-ohne-maske-noch-ueberwiegt-die-vorsicht-016.htm
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/133118/Fast-alle-Coronaregeln-sind-weggefallen

CORONA – DEUTSCHLAND – Ethikrat veröffentlicht neue Pandemie-Empfehlungen – 4.4.2022
Berlin – Der Deutsche Ethikrat hat am Montag eine Stellungnahme zum zukünftigen Umgang mit Pandemien veröffentlicht. „Maßnahmen gegen eine Pandemie müssen demokratisch legitimiert, ethisch gut begründet und zugleich gesellschaftlich akzeptabel sein“, sagte die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates Alena Buyx.
„In unserer Stellungnahme geben wir Empfehlungen, wie das zukünftig besser gelingen kann.“ Die Stellungnahme enthält 12 Punkte mit Empfehlungen zu „Kommunikations- und Informationsstrategien“ sowie zur „Einbeziehung von Menschen mit eingeschränkten Partizipationsmöglichkeiten“ und allgemein zum Umgang mit „Unwissen und Ungewissheit“ in Pandemien. Weitere Punkte beinhalten die „Förderung von Eigenverantwortung, Solidarität und gesellschaftlichem Zusammenhalt“. Insgesamt sollte darauf geachtet werden, dass Menschen auf sehr unterschiedliche Weise unter einer Pandemie leiden können, sagte Buyx.
„Die Folgen der Pandemie und ihrer Bewältigung betreffen zwar alle, aber eben nicht alle in gleicher Weise“.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55686275-ethikrat-veroeffentlicht-neue-pandemie-empfehlungen-003.htm
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/133110/Ethikrat-legt-Empfehlungen-fuer-kuenftige-Pandemien-vor
=> Veröffentlichung der Stellungnahme ‚‚Vulnerabilität und Resilienz in der Krise – Ethische Kriterien für Entscheidungen in einer Pandemie“ – 4.4.2022
https://www.ethikrat.org/pressekonferenzen/veroeffentlichung-der-stellungnahme-vulnerabilitaet-und-resilienz-in-der-krise/

CORONA – DEUTSCHLAND – Vorstoß für Corona-Impfpflicht ab 18 Jahren gescheitert – Ab Oktober: Impfpflicht für Menschen ab 50 Jahren – Kontrollierte Umsetzung mittels Impfregister – 4.4.2022
Berlin – Eine allgemeine Corona-Impfpflicht ab 18 Jahren wird es in Deutschland vorerst nicht geben. Die Initiatoren eines entsprechenden Gesetzentwurfes legten am Montag stattdessen einen Kompromissvorschlag vor, der unter anderem ab dem 3. Oktober eine Impfpflicht für Menschen ab 50 Jahre vorsieht.
In dieser Altersgruppe sei das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs und daraus resultierender Belastungen für das Gesundheitssystem in seiner Breite am ausgeprägtesten, hieß es zur Begründung. Für jüngere Erwachsene soll es zudem eine Impfberatungspflicht geben. Personen im Alter von 18 bis 49 Jahren sollen demnach einen Beratungsnachweis vorlegen müssen, falls sie nicht vollständig geimpft sind. Über eine Impfpflicht für diese Altersgruppe soll nach dem Willen der Parlamentarier zusätzlich Ende September entschieden werden.
Zur Umsetzung soll ein Impfregister eingeführt werden.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55684661-vorstoss-fuer-corona-impfpflicht-ab-18-jahren-gescheitert-003.htm
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/133117/Coronaimpfpflicht-fuer-alle-unwahrscheinlich-Kompromissvorschlag-auf-dem-Tisch

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VERMÖGENSAUFBAU – Geldanlagen in der Krise – 4.4.2022
Die Inflation liegt bei rund sieben Prozent und die Zinsen sind im Keller: Die Nachrichten für Sparer werden nicht besser. Die Arbeiterkammer (AK) empfiehlt zur Schadensbegrenzung auf ein klug ausgewähltes Portfolio zu setzen – bestehend aus Notgroschen, Bausparer, Aktien, Sachwerten und Gold.
Wer niedrig verzinste Spareinlagen hat, kann damit derzeit den Verlust durch die Inflation nicht ausgleichen, so Christian Prantner, Finanzexperte bei der Arbeiterkammer. Sinke der Realzins, könne der Zinsertrag des Sparkontos oder Sparbuchs die Inflation nicht mehr ausgleichen, statt sein Geld zu vermehren, ist das Vermögen immer weniger wert.
*** Notgroschen in Höhe von drei bis fünf Nettogehältern
Bevor man den ersten Euro strategisch anlegt, rät der Konsumentenschützer, sich einen Notgroschen für unerwartete Ausgaben auf ein Sparbuch oder Girokonto zur Seite zu legen. Der Umfang dieses Notgroschens sollte zwischen drei bis fünf Netto-Monatsgehältern liegen.
Mit etwaigem Geld, das man darüber hinaus zur Verfügung hat, empfiehlt Prantner ein austariertes Finanzportfolio anzulegen, das aus Bausparvertrag, Aktien, Sachwerten und Gold besteht. „Es gilt der Grundsatz: Nicht alle Eier in einen Korb legen“, so der AK-Finanzexperte. Wer etwa 50.000 Euro Erspartes hat, müsse sich überlegen, auf welche Anlageklassen er sein Vermögen aufteilt.
*** Von mehreren Experten beraten lassen
Ein Bausparvertrag, der auf sechs Jahre läuft, sei in Zeiten niedriger Zinsen durchaus attraktiv, so Prantner. Wer monatlich 100 Euro einzahlt, erhält – bei der derzeitigen staatlichen Prämie von 1,5 Prozent – jährlich 18 Euro ausbezahlt. „1,5 Prozent nach einer Laufzeit von sechs Jahren sind für eine Einzahlung durchaus attraktiv. Das findet man bei Giro- oder Sparkonten nicht“, so Prantner.
Haben Sparer etwas mehr Geld zur Verfügung und die Bereitschaft zu einem gewissen Risiko, können sie auch Aktien und Anleihen kaufen, so Prantner. Bank- und Vermögensberaterinnen und -berater unterliegen – was Wertpapiere anbelangt – strengen Beratungspflichten. Dennoch empfiehlt Prantner nicht unbedingt auf ein einzelnes Beratungsgespräch zu vertrauen, sondern im Idealfall zwei oder drei Beratungsgespräche mit unterschiedlichen Banken und Vermögensberatern zu führen.
*** Kleinen Teil in Gold anlegen
Zudem gäbe es Bewertungsplattformen im Internet, die bei der Anlageentscheidung helfen können. Der deutsche Finanztest etwa bewertet Investmentfonds auf ihre Nachhaltigkeit. „Da wird wirklich auf Herz und Nieren geprüft, ob Unternehmen oder Fonds, die Nachhal-tigkeit versprechen, auch tatsächlich nachhaltig sind“, so der Finanzexperte.
Zuletzt rät Prantner noch dazu, einen Teil seines Ersparten in Gold anzulegen – auch bei den derzeit hohen Preisen, allerdings nicht mehr als fünf, maximal zehn Prozent der Anlagesumme. Es sei jedoch auch Gold kein risikofreies Investment.
In Konjunkturkrisen oder wenn es mit der Wirtschaft bergab geht, steige in der Regel der Goldpreis. „Gold gilt als Fluchtwährung“, so Prantner. Das Problem dabei: der Goldpreis sei kaum prognostizierbar. Schwierig sei Gold als Anlage auch, wenn man akut bares Geld benötige. Dazu müsse man das Gold nämlich zuerst verkaufen. „Sind dann die Preise gerade im Keller, fahre ich effektiv Verluste ein“, so Prantner. Gold sei als Rohstoff ähnlich riskant wie alle anderen Rohstoffe und sonstigen Edelmetalle. Jonathan Scheucher, help.ORF.at
https://help.orf.at/stories/3212339/

MEDIZIN – Ursache für Metastasierung bei Prostatakrebs entdeckt – 4.4.2022
Prostatakarzinome bleiben zumeist lokal begrenzt, rund 20 Prozent der Patienten entwickeln jedoch metastasierenden, unheilbaren Krebs, worauf allein in Österreich pro Jahr 5.000 Todesfälle zurückzuführen sind. Ein Forschungsteam der MedUni Wien hat jetzt jene Veränderungen in einem Protein entdeckt, die das Wachstum und die Ausbreitung von Prostatatumoren vorantreiben. Die Studie wurde kürzlich im renommierten Journal Molecular Cancer veröffentlicht, hieß es am Montag.
*** KMT2C-Mutationsstatus kann via Bluttest gemessen werden
In der Studie wurde die Rolle des Proteins KMT2C untersucht, das ein genetischer Bestandteil ist, der wesentlich als Regulator zentraler Vorgänge in den Zellen fungiert. Verliert es aufgrund krebstypischer Mutationen diese regulative Fähigkeit, so wird die Vermehrung des Krebsgens MYC angeregt. Dadurch wiederum teilen sich Zellen in erhöhtem Ausmaß – Wachstum und Ausbreitung des Tumors werden vorangetrieben.
„Unsere Studie bietet neue Einblicke in den bisher kaum verstandenen Übergang von lokal begrenztem zu tödlichem, metastasierendem Prostatakrebs“, so Studienleiter Lukas Kenner (Klinisches Institut für Pathologie der MedUni Wien). Darüber hinaus kann der KMT2C-Mutationsstatus via Bluttest gemessen werden und damit zu einer frühzeitigen Diagnose über einen möglichen aggressiven Verlauf bei Prostatatumoren beitragen. Mit Hilfe von MYC-Inhibitoren ließe sich die vermehrte Zellteilung und somit Metastasierung verhindern, was weitere wissenschaftliche Untersuchungen untermauern sollen.
https://science.apa.at/power-search/7432705542832130737

CANABISKONSUM – US-Repräsentan­tenhaus stimmt erneut für Legalisierung von Cannabis – 4.4.2022
Washington – Das US-Repräsentantenhaus hat erneut für eine Legalisierung von Cannabis gestimmt. Die Abgeordneten votierten am vergangenen Freitag mit einer Mehrheit von 220 zu 204 Stimmen für ein Gesetzesvorha­ben, das Strafen für Anbau, Vertrieb und Besitz von Marihuana auf Bundesebene abschafft.
Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass das Gesetz in Kraft treten kann: Im Senat dürfte es scheitern. Mit der Reform soll Cannabis aus einem Bundesgesetz gestrichen werden, in dem als gefährlich einge­stufte Drogen aufgeführt sind. Marihuana steht dort neben härteren Drogen wie Heroin und Kokain, weswegen hohe Strafen drohen.
Der Text will auch den Weg für eine Regulierung und Besteuerung des Cannabishandels auf Bundesebe­ne freimachen. Außerdem sollen frühere Verurteilungen wegen kleinerer Drogenvergehen aus dem Vor­strafenregister gestrichen werden. Verfechter der Reform argumentieren unter anderem, Afroamerikaner würden viel häufiger wegen Drogendelikten festgenommen und verurteilt als Weiße.
Inzwischen erlauben die meisten US-Bundesstaaten in irgendeiner Form Anbau und Konsum von Mari­huana, etwa für einen medizinischen Einsatz, aber auch zum Freizeitkonsum. Dem steht aber das Bundes­recht entgegen, das Marihuana immer noch verbietet. Das erschwert es unter anderem Cannabisprodu­zen­ten, bei Banken Konten zu eröffnen und Zahlungen abzuwickeln.
„Wenn Bundesstaaten die Labore der Demokratie sind, dann ist es höchste Zeit, dass die Regierung aner­kennt, dass dieses Experiment der Legalisierung ein durchschlagender Erfolg gewesen ist“, sagte der Vorsitzende des Justizausschusses des Repräsentantenhauses, der Demokrat Jerry Nadler.
Umfragen zufolge steht eine breite Mehrheit der US-Bürger hinter einer Legalisierung von Marihuana.
Das Repräsentantenhaus hatte bereits Ende 2020 für eine Legalisierung von Cannabis gestimmt. Der Gesetzentwurf versandete dann aber im Senat, in dem die Republikaner des damaligen Präsidenten Donald Trump damals die Mehrheit stellten.
Inzwischen haben die Demokraten zwar eine hauchdünne Senatsmehrheit. Um ein Gesetz verabschieden zu können, ist aber eine Mehrheit von mindestens 60 der 100 Senatoren notwendig. Die Demokraten bräuchten deswegen die Stimmen von zehn Republikanern. © afp/aerzteblatt.de
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/133113/US-Repraesentantenhaus-stimmt-erneut-fuer-Legalisierung-von-Cannabis

KLIMAWANDEL – GESAMT-ROUNDUP 2: Weltklimarat drängt auf mehr Klimaschutz-Tempo – 4.4.2022
GENF/LONDON/BERLIN (dpa-AFX) – Nur eine rasche und drastische Senkung des Treibhausgas-Ausstoßes kann die Erderwärmung nach Einschätzung des Weltklimarats noch auf maximal 1,5 Grad begrenzen. Die Zeit zum Handeln sei gekommen, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Bericht des Weltklimarats (IPCC). „Wir sind an einem Scheideweg. Die Entscheidungen, die wir jetzt treffen, können eine lebenswerte Zukunft sichern“, erklärte der IPCC-Vorsitzende Hoesung Lee. „Wir haben die Werkzeuge und das Wissen, um die Erwärmung zu begrenzen.“ UN-Generalsekretär Antonio Guterres erhob schwere Vorwürfe gegen Wirtschaft und Politik.
Die Vereinten Nationen hatten im vorigen Jahr ihr Ziel bekräftigt, die Erderwärmung im Vergleich zum späten 19. Jahrhundert auf 1,5 Grad zu begrenzen, um katastrophale Folgen des Klimawandels abzuwenden. Es seien mittlerweile effektive Klimaschutzmaßnahmen, gesetzliche Regulierungen und Marktmechanismen bekannt, betonte Lee. „Wenn diese entsprechend skaliert und breiter angewendet werden, können sie tiefgreifende Einsparungen von Emissionen unterstützen und Innovationen ankurbeln.“ So seien etwa die Kosten für Solar- und Windenergie seit 2010 um bis zu 85 Prozent gesunken, was den Ausbau erneuerbaren Energien angekurbelt habe.
Im Durchschnitt lag der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen zwischen 2010 und 2019 so hoch wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Allerdings habe sich die Wachstumsrate verlangsamt, heißt es im Bericht. Aber ohne unverzügliche Verringerungen der Emissionen sei das 1,5-Grad-Ziel nicht mehr zu erreichen.
Dazu gehört etwa im Energiesektor, erheblich weniger fossile Energieträger zu nutzen, den Verkehr und andere Sektoren weitgehend zu elektrifizieren, die Energieeffizienz zu verbessern und alternative Kraftstoffe wie Wasserstoff zu nutzen.
Der Weltklimarat beleuchtete außerdem, welchen Einfluss es hat, weniger Fleisch zu essen oder sich klimafreundlicher fortzubewegen – und kommt zu dem Schluss: Lebensstil und persönliches Verhalten spielen zwar eine wichtige Rolle fürs Klima. Doch brauche es die richtigen Rahmenbedingungen durch die Politik, betonen die Autoren. Die Verantwortung dürfe nicht auf den Einzelnen abgewälzt werden. Mit Richtlinien, neuen Technologien und passender Infrastruktur könne man die Treibhausgas-Emissionen bis 2050 um 40 bis 70 Prozent reduzieren, heißt es – „ein erhebliches ungenutztes Potenzial“.
Die Wissenschaft hält es für immer wahrscheinlicher, dass die Erhitzung der Erde zeitweise die kritische Schwelle von 1,5 Grad übersteigen wird, bevor sie durch entsprechende Maßnahmen wieder sinken könnte. Dabei wird auch die Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre eine Rolle spielen, die vom Weltklimarat erstmals ausführlicher betrachtet wurde. Die Experten befürworten zwar die Erforschung solcher Techniken, warnen aber davor, sich darauf zu verlassen. Keine Technologie dieser Art könne auffangen, was an notwendigen Einsparungen in anderen Bereichen ausbleibe.
Für den Bericht hatten Hunderte Wissenschaftler aus 65 Ländern in den vergangenen Jahren Zehntausende Studien ausgewertet. Er ist Teil des 6. Sachstandsberichts des Weltklimarats, dessen Veröffentlichungen als umfassendster und international anerkannter Stand der Klimaforschung gelten. In dem Bericht, dem 195 IPCC-Mitgliedstaaten am Montag zustimmten, geht es um Maßnahmen zur Abschwächung des Klimawandels.
„Wir haben die Emissionskurve der Treibhausgase nicht nach unten gebogen, wir haben nur ihren Anstieg etwas abgeflacht“, sagte Ottmar Edenhofer, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Nun müsse die Politik zupacken. Die Organisation Germanwatch erklärte, die für die Bewältigung der Klimakrise entscheidende Dekade habe begonnen.
Die Klima-Allianz Deutschland, ein Bündnis vieler Organisationen, rief zu einer Drosselung des Verbrauchs fossiler Energien auf. „Zur Eindämmung der Klimakrise ist ein Sprint beim Abschied von Kohle, Öl und Gas notwendig“, erklärte Chefin Christiane Averbeck. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine zeige, dass ein solcher Abschied auch die Abhängigkeit von autoritären Regimen verringere.
Die Bewegung Fridays for Future zeigte sich alarmiert. Der Bericht zeige: „Das Zeitfenster für die Einhaltung des Pariser Klimaabkommen schließt sich rasant.“ Bereits jetzt müsse zum Einhalten der 1,5-Grad-Grenze Kohlenstoffdioxid wieder aus der Atmosphäre entfernt werden. Doch das Warten auf ein „technologisches Wunder“ werde vergebens sein. „Es gibt keine Möglichkeit zur CO2-Entfernung, die die Notwendigkeit radikaler Emissionsreduktion ersetzt.“
Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg warnte vor falschem Optimismus. „Wenn ihr den neuen IPCC-Bericht lest, behaltet im Hinterkopf, dass die Wissenschaft vorsichtig ist und dass das hier in den Verhandlungen von Ländern verwässert worden ist“, schrieb die 19-Jährige auf Twitter. Vor der Veröffentlichung des Teilberichts zur Begrenzung des Klimawandels hatten die Forscherinnen und Forscher rund zwei Wochen lang mit Staatenvertretern um finale Formulierungen gerungen. Thunberg kritisierte, manchen scheine es eher darum zu gehen, den Verursachern des Klimawandels falsche Hoffnung zu geben anstatt „die unverblümte Wahrheit auszusprechen, die uns eine Chance zum Handeln geben würde“.
UN-Generalsekretär Antonio Guterres erhob schwere Vorwürfe gegen Wirtschaft und Politik. „Es ist ein Dokument der Schande, ein Katalog der leeren Versprechen, die die Weichen klar in Richtung einer unbewohnbaren Erde stellen“, betonte er in einer Videobotschaft. „Sie ersticken unseren Planeten“, sagte Guterres über Regierungen und Firmen, die für hohe Treibhausgas-Emissionen verantwortlich sind.
Ähnlich äußerte sich der Klimaschützer und frühere US-Vizepräsident Al Gore: Der IPCC-Bericht mache es mehr als klar, dass die Zeit der leeren Versprechungen vorbei sei. Es bestehe eine atemberaubende Kluft zwischen den Versprechungen von Politik, Wirtschaft und Banken und den Handlungen, die nötig seien, um die Ziele des Pariser Weltklimaabkommens zu erreichen./swe/DP/nas
© 2022 dpa-AFX
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55690524-gesamt-roundup-2-weltklimarat-draengt-auf-mehr-klimaschutz-tempo-016.htm

KLIMAWANDEL – „Jetzt oder nie“: Klimabericht mahnt radikale Emissionsreduktion ein – „Stehen an einem Scheideweg“ – UN-Generalsekretär sieht „Dokument der Schande“ – 4.4.2022
Die Aussagen des jüngsten Klimaberichts sind deutlich: Ohne einer radikalen und sofortigen Reduktion der klimaschädlichen Treibhausgase ist ein Eindämmen der globalen Erderhitzung auf maximal 1,5 Grad nicht zu erreichen. Das würde tiefgreifende Konsequenzen für Menschen, Tiere und die Natur mit sich bringen. Doch die Wissenschafter des sechsten Sachstandberichts des Weltklimarats (IPCC) sahen auch positive Entwicklungen. Es gebe immer mehr Maßnahmen zum Klimaschutz.
*** „Stehen an einem Scheideweg“
In den von den Wissenschaftern bewerteten Szenarien muss die globale Emission von Treibhausgasen bis spätestens 2025 ihren Höhepunkt erreichen. Ansonsten sei die Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad nicht realisierbar. Zudem sei es erforderlich, dass der Ausstoß der Treibhausgase bis 2030 um 43 Prozent gesenkt werden. Gleichzeitig müsse auch der Methanausstoß um etwa ein Drittel reduziert werden.
„Es heißt jetzt oder nie“, sagte Ko-Vorsitzender des Berichts, Jim Skea, mit Blick auf die Pariser Klimaziele. „Ohne sofortiger und tief greifender Reduktion der Emissionen über alle Bereiche hinweg, wird es unmöglich sein.“ Der Bericht zeige auf, dass die Finanzströme mit dem Faktor drei bis sechs deutlich unter dem benötigten Niveau liegen, die Erwärmung auch nur unter zwei Grad zu begrenzen. Die gute Nachricht sei aber, dass es ausreichend Kapital und Liquidität gebe, um diese Investitionslücke zu schließen. Dazu bedürfe es aber eines klaren Signals der Regierungen und der Weltengemeinschaft.
*** UN-Generalsekretär sieht „Dokument der Schande“
Hart fiel das Urteil von UN-Generalsekretär Antonio Guterres: „Es ist ein Dokument der Schande, ein Katalog der leeren Versprechen, die die Weichen klar in Richtung einer unbewohnbaren Erde stellen“, sagte er in einer Videobotschaft zum neuen Bericht. „Sie ersticken unseren Planeten“, sagte Guterres über Regierungen und Firmen, die für hohe Treibhausgas-Emissionen verantwortlich sind. Die wahren gefährlichen Radikalen seien nicht Klimaaktivisten, sondern jene Länder, die die Produktion von fossilen Brennstoffen ausbauen. Solch eine Strategie sei „moralischer und wirtschaftlicher Wahnsinn“.
Die weltweite Temperatur werde sich stabilisieren, wenn das Gleichgewicht zwischen dem Ausstoß von schädlichem Kohlenstoff und der Wiederaufnahme von Kohlenstoff aus der Atmosphäre hergestellt werde. Für eine maximale Erderwärmung auf 1,5 Grad bedeutet dies, dass weltweit in den frühen 2050er-Jahren Netto-Null-Emissionen herrschen müssen, für 2 Grad müsste dies in den frühen 2070er-Jahren der Fall sein.
Die jährlichen Treibhausgasemissionen waren zwischen 2010 und 2019 jedoch so hoch wie noch nie in der Geschichte der Menschheit. „Aber die Wachstumsrate hat sich verlangsamt“, heißt es in dem Text. Das hat politische wie wirtschaftliche Gründe: Seit 2010 seien die Kosten für Solar- und Windenergie sowie für Batterien um bis zu 85 Prozent gesunken. Neu eingeführte Gesetze und Regulierungen hätten zur Verbesserung der Energieeffizienz geführt, den Einsatz von erneuerbaren Energien beschleunigt und die Abholzung von Wäldern verringert.
*** Aktuelle Entscheidungen können lebenswerte Zukunft sichern
„Wir stehen an einem Scheideweg. Die Entscheidungen, die wir jetzt treffen, können eine lebenswerte Zukunft sichern“, sagte IPCC-Vorsitzende Hoesung Lee. Die Welt verfüge über ausreichend Instrumente und Wissen, um die Erderhitzung entsprechend des Pariser Klimaabkommens zu begrenzen. Viele Vorschriften, Regulierungen und Instrumente am freien Markt hätten sich in der Vergangenheit als wirksam erwiesen. Wenn diese in noch größerem Umfang angewandt werden würden, könnten Emissionen deutlich gesenkt und Innovationen weiter gefördert werden.
Das Ringen um die Fertigstellung der 64-seitigen Zusammenfassung für Entscheidungsträger des letzten Teils des sechsten Sachstandberichts war lange und hart. Kein Bericht in der Geschichte des IPCC wurde zwischen Wissenschaft und Politik so ausführlich behandelt. Die Veröffentlichung musste sogar einige Stunden nach hinten geschoben werden. Die Wissenschafter legen dafür einen Entwurf vor und alle 195 Mitgliedsländer müssen jeden Satz absegnen. Das letzte Wort liegt aber bei den wissenschaftlichen Experten. Bei den übrigen und tausende Seiten langen Berichten haben politische Entscheidungsträger keinerlei Mitspracherecht.
https://science.apa.at/power-search/3772314561769199547

KLIMAWANDEL – CO2-Budget für 1,5-Grad-Ziel droht bald zu erschöpfen – inkl. Graphik – 4.4.2022
Die Botschaft im dritten Teil des Sachstandsberichts des Weltklimarats (IPCC) an die Entscheidungsträger ist klar: Ohne eine Verstärkung der Maßnahmen werden die Treibhausgasemissionen (THG) auch nach 2025 steigen, eine durchschnittliche globale Erderwärmung von 3,2 Grad bis 2100 das Resultat sein. Ein Lichtblick: die Wachstumsrate in dieser Periode war zumindest niedriger als zwischen 2000 und 2009, trotzdem könnte das CO2-Budget für das 1,5-Grad-Ziel bald erschöpft sein.
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Und zwar dann, wenn die globalen CO2-Emissionen weiterhin so hoch sind wie bisher, ist es vor 2030 soweit. Die Gesamtemissionen im Zeitraum seit Beginn der Industrialisierung im Jahr 1850 bis zum Jahr 2019 aus Industrie für fossile Brennstoffe, Land- und Forstwirtschaft und anderen Bereichen der Landnutzung (AFOLU) werden auf rund 2.400 (±240) Gigatonnen CO2 geschätzt. Der Beitrag in der Periode von 2010 bis 2019 beläuft sich auf etwa 410 GtCO2 (±30), das sind mit 17 Prozent mehr als ein Sechstel der Gesamtmenge. Ebenso entsprechen diese 410 GtCO2 in etwa dem verbleibenden Kohlenstoffbudget zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius (Canadell et al., 2021). Für 2019 ging man von 59 GtCO2 aus (plus/minus 6.6 GtCO2), wäre das die durchschnittliche Emissionsrate für darauffolgenden Jahre, wäre das Budget 2026 aufgebraucht.
Es sind nur 24 Länder, die ihre THG-Emissionen seit mehr als einer Dekade reduziert haben, jedoch ist ein genaue Bewertung bei manchen davon wegen Unsicherheiten bei den Emissionsniveaus und Veränderungen im Zeitverlauf schwer, heißt es von den Autoren des Berichts. In der Periode von 2010 bis 2015 hätten immerhin 43 von 166 Ländern eine absolute Entkopplung der konsumbasierten CO2-Emissionen vom Wirtschaftswachstum erreicht, also trotz BIP-Wachstum ihre Emissionen zumindest stabilisiert oder reduziert. Eine Gruppe von Industrieländern, darunter einige EU-Staaten und die USA sowie einige Entwicklungsländer wie Kuba haben demnach sogar die absolute Entkopplung der verbrauchsbedingten CO2-Emissionen vom BIP-Wachstum erreicht. Wie auch immer: Insgesamt wurde die so erzielten Reduktionen durch den Anstieg in anderen Teilen der Welt überholt.
*** Politische Maßnahmen und neue Technologien
Jedoch gilt es bis Mitte des Jahrhunderts insgesamt CO2-neutral werden. „Wie soll das erreicht werden?“, lautet daher die wichtigste Frage – und die Antwort darauf ist einer der Schwerpunkte im dritten Sachstandbericht der IPCC. „Mit den richtigen politischen Maßnahmen, Infrastrukturen und Technologien, die eine Änderung unseres Lebensstils und Verhaltensweisen zu ermöglichen, können wir die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 40 bis 70 Prozent senken“, sieht Priyadarshi Shukla, Ko-Vorsitzende der IPCC-Arbeitsgruppe III, ein erhebliches ungenutztes Potenzial.
Die Wissenschafter warnen jedoch auch davor, dass ehrgeizige Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels in einigen Regionen negative wirtschaftliche und soziale Auswirkungen haben können. Und zwar dann, wenn etwa die sogenannten SDGs (Sustainable Devleopment Goals) ignoriert würden, die von der UNO definierten 17 nachhaltigen Entwicklungsziele – was wiederum den Übergangsprozess verlangsamen könnte. Trotz dieser Warnung heben die Autoren hervor, dass viele Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels zu höheren Einkommen, neuen Arbeitsplätzen und anderen Vorteilen führen können – vor allem dann, wenn alle Teile der Gesellschaft in die neuen Aktivitäten und Industrien miteinbezogen werden.
https://science.apa.at/power-search/3500677318012602489

KLIMAWANDEL – Klimabericht – Forderung nach grundlegendem Wandel im Energiesektor – 4.4.2022
Insgesamt 278 wissenschaftliche Autorinnen und Autoren aus 65 Ländern haben für den sechsten Sachstandberichts des Weltklimarats (IPCC) mehr als 18.000 zitierte Quellenangaben untersucht. Nur alle sechs bis sieben Jahre wird ein solch umfangreicher Bericht veröffentlicht. Er gilt als eine Art Gebrauchsanweisung für die Politik der 195 Mitgliedsstaaten. Hauptthema des Berichts waren Maßnahmen, um die Klimakrise und ihre Folgen reduzieren.
*** Größtes Potenzial liegt im Wandel des Energiesektors
Größtes Potenzial liegt im grundlegenden Wandel des Energiesektors: Der Einsatz sogenannter fossiler Brennstoffe, also etwa Kohle, Erdgas und Erdöl, muss drastisch reduziert werden, hieß es in dem Bericht. Dafür müsse eine breit angelegte Elektrifizierung beschleunigt vorangetrieben werden und neben einer verbesserten Energieeffizienz auch häufiger auf alternative Brennstoffe, wie etwa Wasserstoff, zurückgegriffen werden.
*** Wandel des Lebensstils zeigt Wirkung
Mit den richtigen politischen Maßnahmen, Infrastrukturen und Technologien könne ein Wandel unseres Lebensstils ermöglicht werden, der die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 40 bis 70 Prozent sinken lässt, war sich Ko-Vorsitzende der IPCC-Arbeitsgruppe III, Priyadarshi Shukla, sicher. „Das bietet ein erhebliches ungenutztes Potenzial“, so Shukla. Die Änderungen unserer Lebensweise, die dem Klima guttun, würden auch die Gesundheit der Menschen verbessern. Weniger Fleischkonsum oder mehr Fahrradfahren habe so doppelt positive Effekte.
Große Bedeutung komme auf Städte zu: Die Wege für Bewohner müssten so angelegt werden, dass viel zu Fuß gegangen werden kann, den öffentlichen Verkehr gelte es zu elektrifizieren und beim Bau neuer Häuser auf Energieeffizienz zu setzen. Positive Beispiele dafür gebe es in allen klimatischen Zonen der Welt. Der Zusammenschluss von Parks und offenen Flächen könne etwa das Risiko von Überschwemmungen reduzieren und gleichzeitig Hitzeinseln eindämmen.
*** Herausforderung für Industrie
Laut Studienautoren entfällt ein Viertel der weltweiten Emissionen auf die Industrie. Um dort einen Umschwung zu schaffen, gelte es, das verwendete Material noch besser einzusetzen. Dabei helfe die Wiederverwendung und das Recycling von Produkten. Zudem sollten Abfälle reduziert werden. Produktionsweisen, die frei von Treibhausgasen sind, seien bei Grundstoffen wie Stahl, Baumaterialien und Chemikalien aktuell noch nicht serienreif. Einige Ideen seien noch in der Pilotphase, manche aber kurz vor der Marktreife.
Auch in der Landwirtschaft, mit Wäldern und mit anderen natürlichen Flächen kann viel Treibhausgas, das für die Erderhitzung verantwortlich ist, eingespart werden und diese Einsparungen hätten letztendlich sogar einen doppelten Nutzen. Umgewidmetes Land kann einerseits als System fungieren, das mehr Kohlenstoff aufnimmt als es selbst abgibt. Im Fachausdruck wird dies als „Kohlenstoffsenke“ bezeichnet. Andererseits können diese natürlichen Einheiten der Biodiversität helfen und als Lebensgrundlage für Frauen und Männer dienen, die dadurch mit Essen und Trinken versorgt werden.
https://science.apa.at/power-search/13671462054340694464

KLIMAWANDEL – Klima-Glossar: Pariser Klimaabkommen – 4.4.2022
Es war ein historischer Moment im weltweiten Kampf gegen die Klimakrise: Im Dezember 2015 einigte sich die Weltgemeinschaft auf das Pariser Klimaabkommen. Ziel ist es, die Erderhitzung damit auf klar unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Die 195 Vertragsstaaten sollen sich jedoch anstrengen, sie bei 1,5 Grad zu stoppen. Viele Ankündigungen der Länder blieben aber bisher noch hinter den notwendigen Schritten im Klimaschutz zurück.
*** Gefährliche Erderhitzung soll gebremst werden
Entscheidende Teile der 25-seitigen Vereinbarung in englischer Sprache sind völkerrechtlich verbindlich. Es gibt jedoch keine Strafen bei Nichterfüllung der Zusagen. Das Abkommen ist Ergebnis der Klimaschutzkonferenz (COP21) im Dezember 2015 in der französischen Hauptstadt Paris. Es gilt als Nachfolge des 1997 ausgehandelten Kyoto-Protokolls, das von den USA nie unterzeichnet wurde. Kanada gab 2011 seinen Ausstieg aus der Vereinbarung bekannt. Das Protokoll wurde nach dem Ort der Konferenz Kyoto in Japan benannt.
Das Pariser Klimaabkommen trat am 4. November 2016 in Kraft. In Österreich ratifizierte der Nationalrat das Abkommen im Juli 2016 als 18. Land der Welt.
*** Keine Kündigung in ersten drei Jahren
In den ersten drei Jahren war es für keinen der Unterzeichnerstaaten möglich zu kündigen. Wirksam wird eine Kündigung wiederum nach Ablauf einer Frist von einem Jahr. Die USA stiegen unter dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump im November 2020 öffentlichkeitswirksam aus dem Abkommen aus. Sein Nachfolger Joe Biden entschuldigte sich für Trumps Verhalten und leitete am ersten Tag seiner Amtszeit Anfang 2021 den Wiedereinstieg ein. Nach China sind die USA weltweit die größten Produzenten von umweltschädlichen Treibhausgasen.
Die Klimaziele von Paris sehen vor, die gefährliche Erderhitzung in einem weltweiten Kraftakt in den nächsten Jahrzehnten zu bremsen – und damit auch dramatische Folgen wie Dürren, einen Anstieg der Weltmeere, Überflutungen oder Waldbrände.
Kern des Abkommens sind die „Nationally Determined Contributions“, abgekürzt wird auch von NDCs gesprochen. Diese national festgelegten Beiträge zum Klimaschutz bedeuten, dass alle Vertragsstaaten ihre Beiträge zur Umsetzung des Pariser Abkommens selbst festlegen. Dazu gehört etwa die Verringerung von Treibhausgas-Emissionen und die Vergrößerung ihrer Waldflächen. Laut dem UNO-Umweltprogramm (UNEP) reichen die Ende 2021 vor der UNO-Klimakonferenz in Glasgow (COP26) aktualisierten NDCs nur für eine CO2-Reduktion von 7,5 Prozent bis 2030 aus – selbst für das Zwei-Grad-Ziel wären jedoch 30 Prozent notwendig.
*** Bewusste Begrenzung auf zwei Grad
Die Begrenzung auf eine Erderhitzung auf maximal zwei Grad ist nicht zufällig gewählt. Nach der 1994 in Kraft getretenen Klimarahmenkonvention von Rio de Janeiro darf der Ausstoß der Treibhausgase nur so weit steigen, dass sich „die Ökosysteme auf natürliche Weise den Klimaänderungen anpassen können“ und „die Nahrungsmittelerzeugung nicht gefährdet wird“. Die meisten Experten gehen davon aus, dass diese Grenze bei einem Temperaturanstieg von durchschnittlich 1,5 bis 2 Grad liegt.
Laut Weltklimarat lag die globale Durchschnittstemperatur im Zeitraum 2010 bis 2019 durch die vom Menschen verursachten Treibhausgase bereits rund 1,1 Grad höher als in vorindustrieller Zeit (1850-1900).
https://science.apa.at/power-search/2181694417523992398

KLIMAWANDEL – Empfehlung für einheitliche Benennung von Klima-Szenarien – 4.4.2022
Im deutschsprachigen Raum gibt es bei den IPCC-Klimaberichten bisher keine einheitliche Sprachregelung für die Klimaszenarien. Dies führte laut einer Aussendung ZAMG zufolge oft zu Irritationen und Verwechslungen. Um dem entgegenzuwirken hat Anfang 2022 eine Arbeitsgruppe der Wetterdienste von Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie verschiedener Bundes-, Landes- und Klimaforschungseinrichtungen erstmals eine Empfehlung für eine einheitliche Benennung vorgelegt.
*** Fehlen von Begriffen führt zu Irritationen und Verwechslungen
Klimaszenarien sind Abschätzungen, wie sich das zukünftige Klima unter bestimmten Rahmenbedingungen entwickelt. Sie berücksichtigen natürliche Klimaschwankungen und treffen unterschiedliche Annahmen zur Entwicklung der Gesellschaft (z.B. Weltbevölkerung, Urbanisierung, Bildung) und der Wirtschaft (z.B. Art der Energiegewinnung, technologischer Fortschritt, Wirtschaftswachstum). So lassen sich die Auswirkungen unterschiedlicher sozioökonomischer Entwicklungen abseits von Klimaschutz und von verschieden starken Klimaschutzbemühungen getrennt voneinander oder auch gemeinsam abschätzen.
Bisher gab es bei der Ausformulierung dieser Klimaszenarien im deutschsprachigen Raum jedoch keine einheitliche Benennung. „Eine klare, einheitliche Sprache ist die Basis, um die langfristigen Folgen und Auswirkungen unterschiedlicher Maßnahmen zu verstehen. Das wiederum ist die Voraussetzung, um eine breite Unterstützung für die Wichtigkeit von Klimaschutzmaßnahmen zu erreichen und um vom Wissen ins Handeln zu kommen“, so Marc Olefs, Leiter der Klimaforschung an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).
*** Konzise Beschreibungen als Grundlage
Einheitliche Szenariensprache würden, so Thomas Schinko, Forschungsgruppenleiter am Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA), der deutschsprachigen Klimaforschungscommunity und Medienlandschaft eine unmissverständliche Kommunikation der neuesten Forschungsergebnisse geben. „Die konzisen Beschreibungen der Klimaszenarien bilden eine wichtige Grundlage zur Entwicklung von Klimaschutzmaßnahmen und definieren die Herausforderung für die Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels“, sagte Schinko.
Für das „1,5 Grad-Ziel“ bzw. „Zwei Grad-Ziel“ sollten künftig etwa einheitlich „1,5 Grad-Weg“ und „2 Grad-Weg“ verwendet werden. Ein Szenario, bei dem sich Klimaschutz und wirtschaftliche Entwicklung, die wie bisher auch auf dem Einsatz fossiler Rohstoffe beruht, die Waage halten, sollte als „Der Mittelweg“ beschrieben werden. Weitere Bezeichnungen sind etwa „Der konfliktreiche Weg“ und „Der fossile Weg“.
https://science.apa.at/power-search/3301249545887606511

KLIMAWANDEL – Folge des Klimawandels: Deutschlands Alpen wachsen mit Wäldern zu – 4.4.2022
Bei der Gipfelrast den Blick weit über saftige Bergwiesen schweifen lassen – das wird es zumindest im deutschen Teil der Alpen künftig immer seltener geben. Noch in diesem Jahrhundert wird nach Einschätzung von Wissenschaftern ein Großteil der Berge zwischen Berchtesgaden und Oberstdorf mit Bäumen bewachsen sein – eine Folge des Klimawandels, der sich in den Alpen schon jetzt viel stärker bemerkbar macht als im Rest von Deutschland.
*** Nur eine Möglichkeit: „Raus aus den fossilen Energien“
Ein Forschungsprojekt, das auf die Mithilfe von Wanderern setzt, zeigt düstere Aussichten. „Die Berge wachsen zu. Die schönen Landschaften oberhalb der Waldgrenze, wo wir einen tollen Blick haben und die Kühe friedlich grasen, das wächst alles zu“, erklärte Jörg Ewald von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf die vorläufigen Ergebnisse des Mitmach-Projekts „Baumgrenzen erkunden“.
Dabei werden Bergliebhaber aufgefordert, bei ihren Touren auf die höchstgelegenen Exemplare von 23 Baumarten zu achten. Entdecken sie einen für einen Höhenrekord infrage kommenden Baum, wird der Standort samt GPS-Koordinaten und Foto in einer App gespeichert.
*** Erste Messungen bereits 1854
Der Clou: 1854 wurden die höchstgelegenen Exemplare im Auftrag des bayerischen Königs Maximilian II. schon einmal erfasst – just zu jener Zeit, die heute als Referenz für vorindustrielle Klimabedingungen gilt. Und schon damals wurde auf der Wetterwarte auf dem oberbayerischen Hohen Peißenberg täglich die Temperatur gemessen.
„Seither hat die Temperatur in den Alpen schon um zwei Grad zugenommen“, erläuterte Ewald. Die Stechpalme etwa, die 1854 ihren höchsten Standort auf 907 Metern hatte, findet sich heute bereits auf 1.300 Metern – und hat sich damit um genau jene 400 Höhenmeter nach oben ausgebreitet, die wegen der höheren Durchschnittstemperatur zu erwarten gewesen wären.
„Diesen Prozess kann man sich Baumart für Baumart anschauen“, führte Botanikprofessor Ewald weiter aus. Die Daten der Wanderer werden nämlich in anschauliche Karten übertragen – anzusehen im „Portal“ unter www.baysics.de. Einen Mausklick weiter finden sich im „NatureExplorer“ auch Projektionen für die Zukunft. Rot eingefärbt erscheinen dann die Flächen, auf denen etwa die Stechpalme bei einer weiteren Erwärmung um ein Grad und zwei Grad wachsen könnte – womit die Forscher bei einem nur moderat zunehmenden Kohlendioxidausstoß bis zum Jahr 2050 beziehungsweise 2100 rechnen.
*** „Zeitbombe vor unseren Augen“
„Dann hätten wir gegenüber 1850 plus vier Grad – das ist das, was viele Wissenschafter für am wahrscheinlichsten halten. Das können wir fast nicht mehr verhindern“, betonte Ewald. Nur die Spitzen des Zugspitzmassivs würden der Prognose zufolge am Ende dieses Jahrhunderts noch aus den Wäldern herausschauen. „Das ist Wahnsinn, was wir da machen mit dem Klima. Das ist wie eine Zeitbombe, die vor unseren Augen abläuft!“
Dass sich das Bergland schneller erwärmt als das Flachland, liegt daran, dass in den Bergen immer weniger und kürzer Eis und Schnee liegt. Denn weiße Flächen reflektieren die Sonnenenergie wesentlich besser als dunkle Flächen wie Schotter oder Grasland. Steigt nun der Anteil dunkler Flächen, heizt sich das Gebirge auf – zusätzlich zum „normalen“ Anstieg durch die Treibhausgase.
„Man sieht überall durch Messungen, dass es sich erwärmt, aber man sieht diese Erwärmung auch in der Natur“, schilderte Annette Menzel, Professorin für Ökoklimatologie an der TU München. Das werde Folgen haben: „Der Klimawandel ist viel zu schnell, als dass sich unsere Vegetation natürlich diesem Tempo anpassen könnte.“
*** Vermehrte Naturgefahren
Wenn etwa an der Zugspitze der Permafrost auftaue, wegen der fehlenden Bodenentwicklung aber noch kein schützender Wald wachsen könne, „dann kommt es vermehrt zu Naturgefahren“, erläutert Menzel. Dazu gehören etwa Lawinen, Muren, instabile Hänge und Steinschläge.
Und auch auf niedrigeren Bergen droht Gefahr: Wegen der zunehmenden Trockenheit werde selbst im Winter das Waldbrandrisiko deutlich steigen, mahnt Menzel. Bei der Gipfelbrotzeit könnte dann der Anblick verkohlter Bäume und Sträucher den Appetit verderben. Menzel sieht deshalb nur eine Möglichkeit: „Wir müssen raus aus den fossilen Energien, müssen auf regenerative Energien umsteigen, und das möglichst schnell.“
https://science.apa.at/power-search/17600162702114897081

KLIMASCHONUNG – Studie: Zierbanane als klimafittes Superfood – 4.4.2022
In Teilen Äthiopiens gilt die Zierbanane – auch Ensete genannt – als Grundnahrungsmittel. Weil sie Dürren ebenso wie heftige Regenfälle überdauern kann, könnte sie angesichts der Klimakrise auch anderswo zum Lebensretter werden. Das Potenzial der Zierpflanze sei jedenfalls noch längst nicht ausgeschöpft worden, ist sich ein internationales Forschungsteam sicher.
Klein, ledrig und – anders als bei konventionellen Bananensorten – ungenießbar ist die Frucht der Zierbanane. Essbar ist hingegen ein Großteil der restlichen Pflanze: Aus den Knollen wird Mehl für Brot oder andere Backwaren gewonnen. Die Stämme können gegart als Gemüse serviert, die Blätter zur Fütterung von Nutztieren gebraucht werden. Für äthiopische Bauern ist sie deshalb von großer Bedeutung.
Laut einer neuen Studie, die kürzlich in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Environmental Research Letters“ erschienen ist, könnte die Ensete mehr als 100 Millionen Menschen in einer zunehmend mit Wetterextremen kämpfenden Welt ernähren. „Das ist eine Nutzpflanze, die in Sachen Ernährungssicherheit und nachhaltiger Entwicklung eine wirklich wichtige Rolle spielen kann“, wird der Forscher Wendawek Abebe von der Hawassa-Universität in Awasa, Äthiopien, in der BBC zitiert.
*** Zier-Bananen-Stauden in Äthiopien als Lebensmittel außerhalb Äthiopiens „unbekannt“
Die Ensete oder Zierbanane ist eng mit der herkömmlichen Banane – von der es freilich viele Sorten wie die Dessertbanane, die Babybanane oder die Kochbanane gibt – verwandt. Trotz ihrer „lokalen landwirtschaftlichen Dominanz, ihres Nutzens und ihrer großen kulturellen Bedeutung im südwestlichen äthiopischen Hochland“ habe die Ensete eine „bemerkenswert begrenzte Verbreitung und ist als Nahrungspflanze außerhalb Äthiopiens praktisch unbekannt“, heißt es in der Studie weiter.
Als Nahrungsmittel wird sie bisher fast ausschließlich in den Hochlandregionen im südlichen Äthiopien, das aufgrund des Klimawandels immer häufiger von Dürren betroffen ist, verwendet und dazu auch angebaut. Rund 20 Millionen Menschen sollen dort auf die Pflanze, die in dem ostafrikanischen Land schon seit 7.000 Jahren angebaut wird, angewiesen sein. Ganz Äthiopien zählt rund 115 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner.
*** Hoffnungsträger für weitere afrikanische Staaten
Den Forschern zufolge wachsen wilde Verwandte – die als ungenießbar angesehen werden – der Ensete aber auch in anderen Gebieten noch weiter südlich, und zwar bis Südafrika. Ihnen zufolge zeige das, dass die Pflanze ein deutlich breiteres Ausbreitungsgebiet haben könnte als bisher angenommen.
Mit Hilfe landwirtschaftlicher Umfragen und Modellierungsforschungen prognostizierten die Forscher das mögliche Ausbreitungsgebiet der Zierpflanze in den kommenden vier Jahrzehnten. Demnach könnte die Ensete dabei helfen, die Nahungsmittelsicherheit in anderen Teilen Äthiopiens, aber auch in Kenia, Uganda und Ruanda zu erhöhen.
*** „Baum gegen den Hunger“
„Sie hat einige wirklich ungewöhnliche Eigenschaften, die sie zu einer absolut einzigartigen Pflanze machen“, sagte der britische Forscher und Biologe James Borrell, Royal Botanic Gardens, Kew, der BBC. „Du kannst sie jederzeit anbauen, du kannst sie jederzeit ernten, und sie ist ausdauernd. Das ist der Grund, warum man sie auch Baum gegen den Hunger nennt“, sagte er weiter.
Äthiopien gilt nicht nur als Ursprungsland des Kaffees, sondern generell als Zentrum des Anbaus vieler wichtiger Nutzpflanzen in Afrika. Befürchtet wird, dass die Klimakrise den Ertrag, aber auch die Verteilung der Grundnahrungsmittel in Afrika wie auch anderen Kontinenten stark beeinträchtigen wird. Angesichts dessen besteht weltweit großes Interesse daran, „neue“ Pflanzenarten zu entdecken, mit denen die Weltbevölkerung ernährt werden kann.
Immerhin sind viele Regionen der Welt von nur wenigen Nutzpflanzen wie Reis, Weizen und Mais abhängig. Borrell dazu: „Wir müssen die Pflanzen, die wir weltweit als Spezies nutzen, diversifizieren. Denn im Moment legen wir alle unsere Eier in einen sehr kleinen Korb.“
UNO schlägt wegen Dürre in Äthiopien Alarm
Die UNO hatte zuletzt Anfang des Jahres darauf aufmerksam gemacht, dass in den von Dürre betroffenen Gebieten im Osten und Süden Äthiopiens in diesem Jahr mehr als sechs Millionen Menschen auf lebensrettende Unterstützung angewiesen seien. Darauf wies konkret das UNO-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) in einem Bericht hin. Die Bemühungen der äthiopischen Regierung und der humanitären Organisationen, der Krise Herr zu werden, stünden „in keinem Verhältnis zu dem dringenden Bedarf“.
Die Dürre verschärft die humanitäre Krise in Äthiopien, wo aufgrund des Krieges zwischen den Regierungstruppen und der Rebellengruppe TPLF im Norden des Landes bereits Millionen Menschen dringend auf Hilfe angewiesen sind. Besonders betroffenen sind laut OCHA die Regionen Somali sowie Ost- und Südoromia, wo in drei aufeinanderfolgenden Jahren zu wenig Regen fiel.
Dort litten etwa drei Millionen Menschen unter Wasserknappheit, während eine unbekannte Zahl von Menschen aus ihren Häusern vertrieben worden sei. Rund 200.000 Kinder und schwangere oder stillende Frauen sind dem Bericht zufolge mangelernährt. 14.000 Kinder seien akut unterernährt. Mehrere hunderttausend Rinder verendeten. kale, ORF.at
https://orf.at/stories/3244476/
Links:
BBC-Artikel
https://www.bbc.com/news/science-environment-60074407
Studie
https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/ac40b2#erlac40b2s3
Zierbanane (Wikipedia)
https://de.wikipedia.org/wiki/Zierbanane

UMWELTVERSCHMUTZUNG – Oberhalb der WHO-Grenzwerte: 99 Prozent aller Menschen atmen schmutzige Luft – 4.4.2022
In Nepal ist Luftverschmutzung ein großes Gesundheitsrisiko.
Fast die gesamte Weltbevölkerung ist von Luftverschmutzung unmittelbar betroffen. Laut WHO sterben jedes Jahr mehr als sieben Millionen an den Folgen. Die Organisation mahnt dringend an, sich von fossilen Brennstoffen zu verabschieden.
Fast die gesamte Menschheit ist laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu hohen Schadstoffwerten in der Luft ausgesetzt. Geschätzte 99 Prozent der Weltbevölkerung atme Luft, die die WHO-Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid übersteige, hieß es in einem jährlichen WHO-Bericht. Das Modell beruht auf Messungen aus 6000 Städten in 117 Ländern sowie auf Daten, die von Satelliten gesammelt werden.
Jedes Jahr würden weltweit mehr als sieben Millionen Menschen an den Folgen von Luftverschmutzung sterben, sagte die WHO-Umweltmedizinerin Maria Neira. Feinstaub kann in Lunge und Blut eindringen, die Atemwege beeinträchtigen, das Herz-Kreislaufsystem schädigen und etwa zu Schlaganfällen führen. Stickstoffdioxid entsteht hauptsächlich in Verbrennungsmotoren von Fahrzeugen. Das Gas wird ebenfalls mit Atemproblemen in Zusammenhang gebracht.
Die UN-Organisation hatte ihre Grenzwerte vergangenes Jahr deutlich gesenkt. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus sprach von der „dringenden Notwendigkeit, die globale Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen viel schneller zu verringern“. Die Gesundheitsorganisation forderte unter anderem Förderungen für den Umstieg auf saubere Energie in Privathaushalten. Rauch von Öfen und Feuerstellen ist laut WHO ein wesentlicher Faktor für die globale Luftverschmutzung.
Außerdem sollten aus Sicht der WHO Maßnahmen für Fußgänger, Radfahrer und den öffentlichen Verkehr getroffen werden. Laut dem Luftqualitätsbericht bestehen deutliche Unterschiede zwischen reicheren und ärmeren Regionen. In Ländern mit hohem Einkommen werden in 17 Prozent der Städte die WHO-Richtwerte für Feinstaub eingehalten. In Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen sind es nur ein Prozent der Städte. Quelle: ntv.de, chf/dpa
https://www.n-tv.de/panorama/99-Prozent-aller-Menschen-atmen-schmutzige-Luft-article23245534.html
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/133139/WHO-Milliarden-Menschen-von-Luftverschmutzung-betroffen

ERDAUSBEUTUNG – Kohleabbau in D: Letzter Bauer in Lützerath verkauft – 4.4.2022
Trotz des Plans Deutschlands, bis spätestens 2038 den Kohleausstieg geschafft zu haben, geht der Abbau von Braunkohle einstweilen weiter. Für viele Menschen in den Abbaugebieten bedeutet das, dass sie ihre Heimat aufgeben müssen. Ganze Ortschaften werden und wurden bereits wegen der im Boden befindlichen Braunkohle abgerissen und unbewohnbar. In Nordrhein-Westfalen, wo der Energiekonzern RWE den Abbau vorantreibt, sind gleich mehrere Dörfer betroffen, darunter Lützerath.
Der letzte Grundeigentümer von Lützerath, Eckardt Heukamp, der mit ORF.at anlässlich einer Reportage im Herbst über die Problematik sprach, muss nun im September sein Haus verlassen. Nachdem er jahrelang dagegen gekämpft hatte, entschied vorige Woche das Oberverwaltungsgericht in Münster, dass RWE auf seinem Grundstück Vorbereitungen zum Abbaggern des Geländes treffen darf. Zuvor hatte bereits das Verwaltungsgericht Aachen einen entsprechenden Antrag auf einen vorläufigen Räumungsstopp zurückgewiesen.
Das Oberverwaltungsgericht Münster verwies in seinem Urteil auf die fehlende gesetzliche Grundlage für eine Entscheidung im Sinne des Klimaschutzes.
*** Zehn Jahre Kampf gegen RWE
Angesichts der anrückenden Bagger entschied sich Heukamp schweren Herzens zum Verkauf. „Mein Zuhause ist kein Spielball für Gerichte und Politik, die sich aus der Verantwortung für Klimaschutz ziehen wollen. Nach zehn Jahren im Konflikt mit den Profitinteressen von RWE brauche ich eine Verschnaufpause,“ so Heukamp zu seiner Entscheidung, nach jahrelangem Kampf nun doch seine Ländereien und sein Haus zu verkaufen. An Demonstrationen werde er dennoch weiter teilnehmen.
Die Aktivistinnen und Aktivisten, die gegen die Zerstörung des ansonsten mittlerweile verwaisten Lützeraths kämpfen, wollen ebenfalls weiter nicht aufgeben. Man sei beeindruckt, wie lange Heukamp standgehalten habe. „Der psychische Druck, den RWE auf Umsiedler ausübt, ist absolut unmenschlich“, so Aktivist David Dresen aus Kuckum. sofe, ORF.at
https://orf.at/#/stories/3257766/

ENERGIEVERSORGUNG – Studie: Blackout in Texas zeigt offene Hausaufgaben im Energiesystem – 4.4.2022
Der Wintersturm „Uri“ brachte 2021 ungewöhnlich tiefe Temperaturen in den US-Bundesstaat Texas. Da Elektrizitätswerke und die Gasinfrastruktur dem nicht standhielten, mussten Netzbetreiber viele Millionen Menschen vom Stromnetz nehmen. Das hatte u.a. wirtschaftliche Schäden in Höhe von 200 Mrd. Dollar (180 Mrd. Euro) zur Folge. Wie so etwas vermieden werden könnte, hat ein Wiener Forschungsteam im Fachblatt „Nature Energy“ analysiert. Auch hierzulande könne man daraus lernen.
*** Auf niedrige Temperaturen folgten „Rolling Blackouts“
„Investitionen in die Absicherung von Kraftwerken gegen Kälte bergen ein finanzielles Risiko für die Betreibenden“, so die Erstautorin der Studie, Katharina Gruber vom Institut für Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung der Universität für Bodenkultur (Boku) am Montag in einer Aussendung. Das Risiko der Nicht-Vorbeugung trägt aber bei weitem nicht nur der Betreiber – ein Blackout in unserer hochtechnologischen Gesellschaft macht selbstverständlich vor kaum jemandem Halt. Daraus resultiert die Frage nach der Verantwortlichkeit für die Gestaltung eines möglichst krisenfesten Energiesystems, die die Wissenschafter mit der Studie mituntersuchten.
*** Regelung über Marktmechanismen
In Texas ist dies den Forschern zufolge stark über Marktmechanismen geregelt. Die Grundidee liege darin, dass der Energiemarkt dort so gestaltet ist, dass einem Kraftwerksbetreiber dann sehr hohe Renditen winken, wenn sein Werk noch Energie liefert, wenn andere schon vom Netz müssen. Bis zu 200-fache Preissteigerungen gegenüber regulären Preisen sind unter solchen Umständen möglich. Entsprechend hoch wäre demnach der Anreiz, die Unternehmung u.a. auch gegen Kälteeinbrüche in dem südlichen US-Bundesstaat tatsächlich abzusichern. Dem war aber offensichtlich nicht so, denn auf die niedrigen Temperaturen folgten „Rolling Blackouts“, bei denen der Betreiber Teile des Netzes abschalten musste und die Menschen in Kälte und Finsternis saßen.
Absicherungen gegenüber extremer Kälte seien teuer und im Fall von Texas stehe dem Investment eine relativ niedrige Wahrscheinlichkeit gegenüber, dass eine solche Kältewelle in kürzerer Zeit auch tatsächlich eintritt. Die Wissenschafter um Gruber und Ko-Autor Johannes Schmidt errechneten, dass es sich für Kraftwerksbetreiber trotzdem nahezu immer lohnen würde, Präventionsmaßnahmen zu treffen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kälteereignis wie im Februar 2021 in Texas im Zeitraum von 30 Jahren nach der getätigten Investition gar nicht eintritt, und der Betreiber damit Geld verliert, liege bei nur zwei Prozent.
Das Argument, dass durch den Klimawandel die Temperaturen ja im Schnitt steigen und damit solche Kälteeinbrüche in Texas noch seltener werden, läuft laut den Forschern ins Leere. Trotz eines Temperatur-Plus sinke die Wahrscheinlichkeit für extreme Kälteereignisse nämlich nicht.
*** Gedanken über seltene Events machen
Für die Wissenschafter zeigt die Analyse deutlich, dass es sehr bedeutsam ist, wie Energiemärkte ausgelegt sind und reguliert werden. Im Fall von Texas führte der finanzielle Anreiz durch hohe Preise im Krisenfall eben nicht dazu, dass sich die Kraftwerksbetreiber absicherten. Auch in Österreich solle man sich daher im Zuge der Energiewende „schon jetzt Gedanken darüber machen, welche seltenen Events mit großem Impact auftreten können, welche technischen Möglichkeiten es zur Vorbeugung gibt und wie wir damit umgehen – ob marktbasiert oder übergeordnet reguliert“, so Schmidt. Denn durch einen höheren Anteil an Solar- und Windenergie im Strommix ist die Produktion auch zunehmen stärker von Wetterereignissen abhängig. Die Gefahr ausfallender Kraftwerke durch tiefe Temperaturen sei in Österreich allerdings gering.
Publikation: https://doi.org/10.1038/s41560-022-00994-y
https://science.apa.at/power-search/4563379051999823929

DIGITALE KOMMUNIKATION – Chatbot, Schlüssel, Ausweis: Handy als neuer Allrounder im Uni-Alltag – WU; „Mobile First for Students“ speziellen Möglichkeiten von Smartphones nutzen – Pilotprojekt läuft noch bis 2023 – Fragen am Samstagabend vom Sofa aus – „E-ID“ am Prüfstand – 4.4.2022
Handys sind für Studentinnen und Studenten mittlerweile Standardausstattung, an den Unis können sie sich damit für Lehrveranstaltungen und Prüfungen anmelden oder sie für E-Learning-Angebote nutzen. Beim derzeit an der Wirtschaftsuni (WU), der Uni Graz und der Veterinärmedizinischen Uni laufenden Pilotprojekt „Mobile First for Students“ will man nun deutlich weiter gehen: Künftig sollen die Studierenden möglichst alle Aufgaben am Campus mit dem Mobiltelefon erledigen können.
*** Pilotprojekt läuft noch bis 2023
Derzeit werde das Handy im Uni-Kontext vor allem als zusätzlicher Kanal neben Laptop oder PC genutzt. Mit „Mobile First for Students“ sollen nun auch die speziellen Möglichkeiten von Smartphones genutzt werden, um den Alltag der Studentinnen und Studenten zu erleichtern, erklärt der Leiter der IT-Services der WU, Josef Kolbitsch, im APA-Gespräch. Ein konkretes Beispiel für den WU-Campus: Dort können Studierende künftig mit dem Handy dank dessen NFC-Technologie die elektronischen Schlösser der Türen öffnen, Drucker und Kopierer oder den Spind in der Bibliothek nutzen.
*** Fragen am Samstagabend vom Sofa aus
Ein weiteres Anwendungsfeld sind Sprachdienste und Chatbots, die einen niederschwelligeren Zugang zu Informationen (etwa Fristen oder Details beim Bewerbungsprozess) ermöglichen sollen. „Mit dem Chatbot wird es möglich, dass Studierende beispielsweise auch am Samstagabend vom Sofa aus derartige Fragen stellen können – und umgehend eine Antwort darauf erhalten.“
Außerdem ist langfristig auch ein elektronischer Studierendenausweis für das Smartphone geplant. Dieser soll eine Ergänzung zum Papier- bzw. Plastikausweis sein, wie das etwa auch beim derzeit geplanten elektronischen Führerschein der Fall ist. In der EU gibt es laut Kolbitsch schon mehrere ähnliche Initiativen wie die „EU Student eCard“ oder die „European Student Card Initiative“.
Technische Grundlage dafür ist die „ID-Austria“ („E-ID“), die EU-weit als eindeutiger Identitätsnachweis im digitalen Raum genutzt werden kann. Damit der Studentenausweis am Handy auch rechtsverbindlich ist, soll er in Zukunft mit der „ID-Austria“ verknüpft werden. Kolbitsch: „Studierende tragen dann so gut wie alles, was sie brauchen, am Smartphone mit sich: ihren Führerschein, die Jahreskarte der Wiener Linien, ihre Geldbörse (mit Apple Pay, Google Pay etc.), … – und eben auch ihren Studierendenausweis.“
*** „E-ID“ am Prüfstand
In der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der NEOS hat das Bildungsministerium jüngst diverse Einsatzmöglichkeiten für die „E-ID“ genannt: etwa für einen digitalen Zulassungsprozess, als Identitätsnachweis bei Online-Prüfungen (über den elektronischen Studierendenausweis), für die Online-Beantragung der Anerkennung von akademischen Diplomen, Prüfungszeugnissen oder sonstigen Nachweisen über Studien oder Kurse.
Das Pilotprojekt „Mobile First for Students“ läuft an WU, Uni Graz und Vetmed noch bis 2023. Für die Entwicklung wurden Softwarekomponenten der Technischen Uni Graz genutzt. Als Ergebnis des Projekt sollen eine App und die von den Unis benötigte Software entstehen. Nach Projektende sollen die Ergebnisse dann den anderen Unis zur Verfügung gestellt werden. Dabei wurde „Mobile First for Students“ laut Kolbitsch von Grund auf so konzipiert, dass jede Uni bei Bedarf neue Funktionen in Form von Modulen hinzufügen kann.
https://science.apa.at/power-search/1660151004153584032

UMWELTGESETZGEBUNG – Irischer „See, der verschwindet“ verschwindet nicht mehr – Arbeiten an Entlastungsrohr gestoppt: Einwohner suchen Schutz vor drohenden Wasserschäden – Ungeschützte Einwohner und ungeschützte Natur: County-Verwaltung muss EU-Umweltschutzvorgaben einhalten – 4.4.2022
Lough Funshinagh in Roscommon ist eigentlich als „Irlands erstaunlicher See, der verschwindet“ bekannt. Gleichzeitig von einer unteridischen Quelle und von Regenwasser gefüllt, war Lough Funshinagh dafür bekannt, dass der Wasserstand durch einen unterirdischen Abfluss teilweise ganz, meistens bis auf minimales Niveau wieder absank.
Heftige Regenfälle füllten 2016 nicht nur das Becken des Sees, sondern überfluteten darüber hinaus eine Fläche, die doppelt so groß war. Der „See, der verschwindet“ ist seitdem nicht mehr verschwunden – als wäre der Abfluss verstopft, berichtet die britische Zeitung „Guardian“.
Bewohnerinnen und Bewohner in anliegenden Häusern leben seit sechs Jahren in provisorischen Verhältnissen und mit überfluteten Gärten. Sandsäcke schützen die Gebäude, die bei weiteren Regenfällen direkt in der Gefahrenzone liegen.
*** Arbeiten an Entlastungsrohr gestoppt
Bereits begonnene Arbeiten, einen künstlichen Abfluss für das Wasser zu schaffen, wurden per Gerichtsbeschluss gestoppt. Die Umweltorganisation Friends of the Irish Environment hatte beklagt, dass keine Umweltverträglichkeitsprüfung für das vier Kilometer lange Rohr, das das Wasser in einen Bach leiten soll, beauftragt wurde. Man befürworte natürlich Maßnahmen zum Schutz vor Überflutung der Ländereien rund um Lough Funshinagh, allerdings müsse sich die County-Verwaltung an die rechtlichen Vorgaben halten, so die Argumentation.
Landwirtinnen und Landwirte bezeichnen es gegenüber dem „Guardian“ als Ironie, dass ausgerechnet die EU-Umweltschutzvorgaben die Natur weiter bedrohen: Schließlich hätte sich durch die Überflutung die Flora und Fauna bereits stark verändert. Schwäne und Gänse, die normalerweise am See brüten würden, seien verschwunden – ihre Nistplätze überflutet. sofe, ORF.at
https://orf.at/stories/3257726/
https://www.youtube.com/watch?v=cG2w-sIyfmo
COMMENT: Man lese dazu den Morgensternschen Palmström: es kann nicht sein, was nicht sein darf.
=> Christian Morgenstern: Die unmögliche Tatsache
https://www.deutschelyrik.de/die-unmoegliche-tatsache.html

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INTERNATIONAL – Start von erster privater Mission zur ISS weiter verschoben – 4.4.2022
Der Start der ersten privaten Mission zur Internationalen Raumstation ISS ist weiter verschoben worden. Die „Ax-1“-Mission solle nun frühestens am Freitag (8. April) vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida starten, teilten die Veranstalter am Sonntag. Ursprünglich war der Start für Sonntag angesetzt gewesen und dann auf Mittwoch verschoben worden. Gründe für die erneute Verschiebung des Starts wurden zunächst nicht ausgeführt.
Bei der „Ax-1“-Mission handelt es sich um die erste komplett private Crew – bestehend aus dem spanisch-amerikanischen Astronauten Michael López-Alegría, sowie dem US-Unternehmer Larry Connor, dem israelischen Unternehmer und Piloten Eytan Stibbe und dem kanadischen Investor Mark Pathy.
Organisiert wird das Ganze vom privaten Raumfahrtunternehmen Axiom in Zusammenarbeit mit der US-Raumfahrtbehörde NASA, geflogen wird in einem „Crew Dragon“ von Elon Musks Firma SpaceX. Die vier Axiom-Flieger sollen rund eine Woche lang auf der ISS bleiben und dort wissenschaftliche Experimente durchführen.
https://science.apa.at/power-search/18118937095248723265

BÖRSEN – Ölpreise legen deutlich zu – Brent 107,53, WTI 102,67 USD je Fass – 4.4.2022, 17:35
NEW YORK/LONDON (dpa-AFX) – Die Ölpreise haben am Montag deutlich zugelegt. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 107,53 US-Dollar. Das waren 3,15 Dollar mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 3,40 Dollar auf 102,67 Dollar.
Nach den deutlichen Preisabschlägen in der vergangenen Woche setzte am Montag eine Gegenbewegung ein. Saudi-Arabien kündigte an, seine Preise für Kunden in allen Regionen anzuheben. So werden die Preise des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco für asiatische Kunden für den kommenden Monat um 4,40 Dollar im Vergleich zum März angehoben. Analysten sprachen von einer massiven Erhöhung.
Belastet wurden die Preise zuletzt durch die Freigabe eines erheblichen Teils der US-Erdölreserven. Hintergrund sind die stark gestiegenen Ölpreise infolge des Kriegs Russlands gegen die Ukraine. Die übrigen Mitglieder der Internationalen Energieagentur (IEA) wollen ebenfalls mehr Öl auf den Markt geben. In dieser Woche sollen Details dazu bekannt gegeben werden.
Der Westen hat unterdessen weitere Sanktionen gegen Russland angekündigt, nachdem es Berichte über weitere russische Kriegsverbrechen an der ukrainischen Zivilbevölkerung gibt. „Ein Einfuhrstopp der EU für russisches Öl und Gas ist aber weiterhin unwahrscheinlich, da insbesondere letzteres kurzfristig nicht ersetzt werden könnte und daher schwerwiegende wirtschaftliche Folgen zu erwarten wären“, schreibt Carsten Fritsch, Rohstoffexperte bei der Commerzbank. Wirtschaftsminister Robert Habeck lehnte Forderungen nach einem Einfuhrstopp erneut ab./jsl/he
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55689468-oelpreise-legen-deutlich-zu-016.htm

BÖRSEN – US-Anleihen drehen in Verlustzone – US-Techwerte ziehen an – [Europäische Staatsanleihen drehen nach oben, Renditen sinken] 4.4.2022, 21:59
NEW YORK (dpa-AFX) – US-Staatsanleihen sind am Montag nach zunächst moderaten Kursgewinnen in die Verlustzone gerutscht. Der Terminkontrakt für zehnjährige Treasuries (T-Note-Future) gab zuletzt um 0,22 Prozent auf 121,97 Punkte nach. Die Rendite für zehnjährige Staatspapiere betrug 2,42 Prozent. Sie hat sich damit etwas von ihrem in der Vorwoche mit 2,55 Prozent markierten Höchststand sei Mitte 2019 entfernt.
Börsianer begründeten den Stimmungsumschwung mit der zu Wochenbeginn wider Erwarten deutlich aufgehellten Stimmung an den US-Börsen. Dort zogen zuletzt insbesondere die als sehr konjunktursensibel geltenden Tech-Werte an. Im Gegenzug ließ die Nachfrage nach den als sicher geltenden Staatspapiere nach.
Grundsätzlich werden derzeit vor allem die kurzfristigeren Kapitalmarktzinsen in den USA in die Höhe getrieben. Größter Einflussfaktor sind die Zinserwartungen an die US-Notenbank Fed, von der im Jahresverlauf zahlreiche Zinserhöhungen erwartet werden. Immer häufiger sprechen hochrangige Fed-Notenbanker die Möglichkeit größerer Schritte an, um der hohen und steigenden Inflation Einhalt zu gebieten.
Dass die US-Zinsstruktur in Teilen invers ist, führen Fachleute vor allem auf die sich eintrübenden Wachstumserwartungen zurück. Diese lasten stärker auf den längerfristigen Kapitalmarktzinsen. Im Ergebnis liegen die Renditen kurzlaufender US-Anleihen teilweise über den Renditen längerlaufender Papiere. Eine inverse Zinskurve wird an den Finanzmärkten als Rezessionsindikator angesehen./la/he
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55691286-us-anleihen-drehen-in-verlustzone-us-techwerte-ziehen-an-016.htm
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55690571-late-briefing-unternehmen-und-maerkte-2-015.htm

ZENTRALBANKEN – EUROPÄISCHE UNION – Enria: Verschärfte Prüfung von Kreditrisiken wegen hoher Rohstoffpreise – 4.4.2022
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)–Die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) nimmt nach den Worten ihres Chefs, Andrea Enria, wegen der hohen Rohstoffpreise die Kreditrisiken bestimmter Banken verstärkt unter die Lupe. „Das Gegenparteirisiko wird seit der erhöhten Volatilität der Rohstoffpreise intensiver geprüft“, sagte Enria laut veröffentlichtem Text vor einem Meinungsaustausch mit den Finanzministern des Euroraums. Enria zufolge prüft die EZB aber auch ganz allgemein Praktiken für das Management des Gegenparteirisikos.
„Dabei berücksichtigen wir die Lehren aus dem Fall Archegos und allgemeinere Bedenken hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen Banken und Finanzintermediären, die keine Banken sind (NBFI)“, sagte Enria. Die EZB werde ihre Prüfung im Laufe des Jahres durch gezielte Vor-Ort-Inspektionen zum Kontrahentenrisiko konkretisieren.
Laut Enria hat die EZB bereits im März einer Reihe von Banken, die im Prime-Brokerage- und Investmentfondsgeschäft am aktivsten sind, die Erwartungen in Bezug auf die Aufnahme neuer Kunden, das Risikomanagement, Margining-Praktiken und Ausfallmanagement-Prozesse mitgeteilt.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55688481-enria-verschaerfte-pruefung-von-kreditrisiken-wg-hoher-rohstoffpreise-015.htm

ZENTRALBANKEN – EUROPÄISCHE UNION – EZB/Schnabel: Geldpolitik trotz Ukraine-Krieg normalisieren – 4.4.2022
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)–Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte ihre Geldpolitik nach Aussage von EZB-Direktorin Isabel Schnabel trotz der wachstumsdämpfenden Wirkung des russischen Kriegs gegen die Ukraine normalisieren. In einem Workshop von European House – Ambrosetti begründete Schnabel diese Forderung mit der Einschätzung, dass die Inflation mittelfristig über 2 Prozent zu bleiben drohe, weil der Krieg die private Nachfrage voraussichtlich nicht deutlich genug schwächen werde, um die Inflation ausreichend zu bremsen.
„Aus heutiger Sicht ist es ungewiss, ob und in welchem Umfang die Belastung der privaten Nachfrage die mittelfristige Inflation vermindern wird. Nach Ansicht der Finanzmarktteilnehmer ist die Fähigkeit der Wirtschaft, mittel- bis langfristig eine Inflation im Einklang mit unserem Ziel zu erzeugen, nach wie vor robust“, sagte Schnabel laut veröffentlichtem Redetext.
Es sei vielmehr zu beobachten, dass die Anleger eine steigende Entschädigung für das Risiko verlangten, dass die mittelfristige Inflation höher ausfalle als derzeit erwartet, was die Inflations-Swap-Sätze über diese Zeiträume deutlich über das EZB-Ziel von 2 Prozent hebe und damit zum Anstieg der Nominalzinsen beitrage.
Schnabel nannte zu ihren Thesen hinsichtlich Inflation und Wachstum folgende Punkte:
1. Preisdruck auch nachfragebasiert
Eine Analyse des Internationalen Währungsfonds (IWF) zeige, dass die Erzeugerpreisinflation im Euroraum auch ohne Angebotsschocks auf einem Niveau nahe den historischen Höchstständen liegen würde. Es bleibe also auch nach dem Ende der Angebotsschocks (Krieg, Lieferkettenprobleme) viel Preisdruck in der Pipeline.
2. Globalisierung, Energiewende
Die europäischen Regierungen seien nach dem russischen Überfall auf die Ukraine bestrebt, ihre Abhängigkeit von globalen Wertschöpfungsketten in strategisch wichtigen Bereichen wie dem Halbleiter- oder Pharmasektor zu begrenzen, und sie wollten dies so schnell wie möglich tun. Wenn Gewerkschaften bei ihren Lohnforderungen nicht mehr das Risiko beachten müssen, dass Produktion ins billigere Ausland verlagert wird, dürften die Löhne stärker steigen. Zudem würden die Energiepreise während des Übergangs auf eine klimafreundlichere Versorgung erhöht bleiben.
3. Lohndruck
Die Arbeitslosenquote im Euroraum lag im Februar auf einem Rekordtief von 6,8 Prozent. Die nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine erhobenen Umfragedaten deuten Schnabel zufolge darauf hin, dass die Unternehmen weiterhin in hohem Tempo Arbeitsplätze schaffen wollen. „Ein so angespannter Arbeitsmarkt in einem so frühen Stadium des Aufschwungs ist ein guter Indikator für ein starkes künftiges Lohnwachstum“, sagte Schnabel.
Dass davon derzeit noch nichts zu sehen ist, liegt nach ihrer Aussage an den noch genutzten Kurzarbeitsregelungen und der noch nicht völlig erholten Zahl der geleisteten Arbeitsstunden. „Im Euroraum ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass die Löhne erst mit Verzögerung und zeitlich gestaffelt und möglicherweise länger anhaltend sowohl auf die Inflation als auch auf die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt reagieren und damit einen anhaltenden Aufwärtsdruck auf die Inflation ausüben werden“, sagte Schnabel.
Laut Schnabel fällt der Einmarsch Russlands in die Ukraine in eine Zeit, in der die Wirtschaft auf breiter Basis stark ist und in der große Ersparnisüberschüsse für einen Teil der Bevölkerung ein Polster bilden.
Ihr Fazit: „Indem sie Entschlossenheit zeigt, kann die Geldpolitik diese Dynamik durchbrechen und den Zielkonflikt zwischen der Stabilisierung der Produktion und der Inflation verringern.“ Eine als entschlossen wahrgenommene Zentralbank könne die Inflation zu geringeren wirtschaftlichen Kosten eindämmen, da schon die Erwartung angemessener Maßnahmen ihrerseits stabilisierend wirke.
„Die Fortsetzung der Normalisierung der Geldpolitik ist daher der richtige Weg“, sagte die EZB-Direktorin. Das Tempo der Normalisierung werde wiederum von den wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges, der Schwere des Inflationsschocks und seiner Dauer abhängen.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55681206-ezb-schnabel-geldpolitik-trotz-ukraine-krieg-normalisieren-015.htm

ZENTRALBANKEN – EUROPÄISCHE UNION – UBS hofft auf die Klärung von drei Fragen durch die EZB – 4.4.2022
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)–Die Volkswirte von UBS hoffen, dass der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) nach seinen Beratungen am 13./14. April drei Fragen beantworten wird:
1. Erkennt die EZB an, dass das Prognoserisiko für ihr Basisszenario vom 10. März mit einem BIP-Wachstum 2022 von 3,7 Prozent einem klaren Abwärtsrisiko ausgesetzt ist?
2. Hält die EZB weiterhin an ihrem Basisszenario einer Beendigung der APP-Nettoanleihekäufe im dritten Quartal fest, wie es in der geldpolitischen Erklärung vom März steht?
3. Wenn dies der Fall ist, wird die EZB die APP-Nettokäufe Ende September beenden, wie wir erwarten, oder möglicherweise früher, zum Beispiel Ende August oder Juli (oder vielleicht sogar im Juni)?
„Da wir davon ausgehen, dass die EZB ihre Zusage einhalten wird, die Zinsen nicht zu erhöhen, bevor sie ihre Nettokäufe beendet hat, wird das Enddatum des APP wahrscheinlich entscheidend dafür sein, ob die EZB die Zinsen erst im Dezember anheben wird, wie in unserem Basisszenario vorgesehen, oder ob sie die Zinsen bereits im September (oder möglicherweise sogar früher) anhebt“, schreiben die Ökonomen in ihrem Ausblick auf die Ratssitzung.
In den vergangenen Wochen habe die EZB betont, dass in unsicheren Zeiten die Grundsätze „Optionalität, Gradualismus und Flexibilität“ für die Geldpolitik besonders wichtig seien, was eine große Datenabhängigkeit für die anstehende Entscheidung der EZB impliziere. „Selbst dann fragen wir uns aber, ob die aktuell eingepreisten EZB-Zinserhöhungen sowie der erhebliche Anstieg der Anleiherenditen so hawkish erscheinen, dass Christine Lagarde versuchen wird, diese Erwartungen zurückzudrängen“, so die UBS-Analysten.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55685227-ubs-hofft-auf-die-klaerung-von-drei-fragen-durch-die-ezb-015.htm

ZENTRALBANKEN – EUROPÄISCHE UNION – EZB soll gegensteuern Banken erwarten Rezession bei Gas-Lieferstopp – 4.4.2022
Die steigenden Energiekosten sind in den Wirtschaftsprognosen vieler Banken noch nicht eingerechnet.
Sollte Deutschland auf russisches Gas verzichten, sehen deutsche Banken eine Rezession auf die Bundesrepublik zukommen. Auch die Inflation könnte sich damit weiter beschleunigen. Deutsche-Bank-Chef Sewing erwartet eine entsprechende Reaktion der EZB.
Die deutschen Privatbanken rechnen im Falle eines Einfuhr- oder Lieferstopps von russischem Öl und Gas mit einer schweren Rezession in Deutschland. „Eine deutliche Rezession in Deutschland wäre dann kaum zu vermeiden“, sagte der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing, auf einer virtuellen BdB-Veranstaltung. Die Frage nach staatlichen Hilfsmaßnahmen für Unternehmen und Branchen würde dann noch drängender werden.
Aus Sicht von Sewing ist bereits jetzt klar, dass die Konjunktur durch den Ukraine-Krieg erheblich belastet wird. „Die Chef-Volkswirte der privaten Banken haben ihre Prognose gegenüber den Einschätzungen vor Ausbruch des Krieges halbiert“, führte der BdB-Präsident aus. Für 2022 werde jetzt nur noch ein Wachstum von rund zwei Prozent erwartet, womit sich die Rückkehr zum Vor-Corona-Niveau weiter verzögern werde. Und selbst diese Prognose stehe unter Vorbehalt.
Denn erhebliche Risiken, wie zuallererst die Energiepreise, seien noch nicht in die Berechnung eingeflossen. „Auch die globalen Liefer- und Handelsketten werden noch einmal auf eine neue Zerreißprobe gestellt“, sagte Sewing. Er verwies auf die neuen Lockdown-Maßnahmen in China im Zuge der Corona-Pandemie. Dazu kämen weiter steigende Inflationsraten in der Euro-Zone. „Mit über sieben Prozent dürften sie in diesem Halbjahr ein Niveau erreichen, das noch vor Kurzem außerhalb unserer Vorstellungskraft lag.“
*** „Wirtschaftliche Risiken beherrschbar“
Sewing hält im Falle eines Energie-Embargos sogar noch höhere Raten für wahrscheinlich. Im März war die Teuerung im Euro-Raum bereits mit einem Rekordwert von 7,5 Prozent weit über das Inflationsziel der EZB von zwei Prozent hinausgeschossen. Die unmittelbaren wirtschaftlichen Risiken aus dem Ukraine-Krieg sind Sewing zufolge für die deutschen Banken beherrschbar. Die deutschen Geldhäuser hätten bereits seit 2014 damit begonnen, ihr Geschäft in Russland deutlich zurückzufahren, sagte er: „So ist das Engagement heute in aller Regel sehr überschaubar.“ Laut BdB-Hauptgeschäftsführer Christian Ossig lagen die Forderungen der deutschen Banken dort Ende November bei 7,5 Milliarden Euro. Das seien 0,4 Prozent der gesamten Auslandsforderungen der Banken.
An die Geldpolitik gerichtet erneuerte Sewing seinen Appell, rechtzeitig einzugreifen. „Auch für die Europäische Zentralbank wird es in den kommenden Wochen und Monaten darauf ankommen zu zeigen, dass sie die Zügel fest in der Hand hält und bereit ist gegenzusteuern“, sagte er. Bei allen Ungewissheiten spreche vieles dafür, schon bald die Anleihenkäufe zu beenden und ein erstes Zinssignal zu setzen. „Mit dem Ende der Negativzinspolitik könnte die EZB einen weiteren Anstieg der Inflationserwartungen begrenzen.“ Ein solches Signal werde dringend gebraucht. Er erwarte, dass es zu Änderungen in den Anleihenkäufen jetzt sehr kurzfristig kommen werde, sagte Sewing. „Ich persönlich und unsere Volkswirte gehen davon aus, dass wir eine Zinsentscheidung im dritten Quartal, spätestens im vierten Quartal sehen“, ergänzte er. Das müsse aber balanciert erfolgen, in kleinen Schritten. „Desto eher es geschieht, umso besser ist es für die langfristige Entwicklung der deutschen und europäischen Wirtschaft“, erläuterte er. Die EZB hatte Leitzinsen letztmalig im Jahr 2011 angehoben. Quelle: ntv.de, mba/rts
https://www.n-tv.de/wirtschaft/Banken-erwarten-Rezession-bei-Gas-Lieferstopp-article23245331.html
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USA – Auftragseingang der US-Industrie im Februar gesunken – 4.4.2022
WASHINGTON (Dow Jones)–Der Auftragseingang der US-Industrie hat sich im Februar um 0,5 Prozent gegenüber dem Vormonat verringert. Für den Vormonat ergab sich ein Plus von 1,5 Prozent, wie das US-Handelsministerium weiter mitteilte. Vorläufig war eine Zunahme von 1,4 Prozent berichtet worden. Volkswirte hatten für Februar im Monatsvergleich einen etwas stärkeren Rückgang um 0,6 Prozent erwartet.
Beim Bestelleingang für langlebige Wirtschaftsgüter meldete das Ministerium für Februar einen Rückgang von 2,1 Prozent nach vorläufig minus 2,2 Prozent. Der Auftragseingang ohne Berücksichtigung des Rüstungssektors sank um 0,7 Prozent. Die Order ohne Transportbereich nahmen um 0,4 Prozent zu.
Die Bestellungen für zivile Investitionsgüter ohne Flugzeuge, die als wichtige Messgröße für die Unternehmensausgaben gelten, reduzierten sich um 0,2 Prozent. Im Vormonat war ein Plus von 1,2 Prozent registriert worden.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55688884-auftragseingang-der-us-industrie-im-februar-gesunken-015.htm
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55688760-usa-industrieauftraege-im-februar-gefallen-016.htm

USA – Unbemannter Boden-Test von NASA-Raketensystem vorerst abgebrochen – 4.4.202
Ein unbemannter Boden-Test eines neuen Raketensystems der US-Raumfahrtbehörde NASA ist am Sonntag aus Sicherheitsgründen vorerst abgebrochen worden. Es habe ein Problem an der Startrampe gegeben, weswegen das Raketensystem nicht sicher mit Treibstoff befüllt habe werden können, teilte die NASA mit. Möglicherweise könne der Test bereits am Montag fortgesetzt werden, dafür müssten aber noch einige Dinge geklärt werden.
*** Test-Start ist frühestens für Mai geplant
Das Raketensystem für die „Artemis“-Mission – bestehend aus der Rakete „Space Launch System“ und der „Orion“-Kapsel – war Mitte März zu Testzwecken erstmals auf dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida ausgefahren worden. Seit Freitag führt die NASA ein „Wet Dress Rehearsal“ durch – also einen unbemannten Boden-Test, bei dem alle Abläufe durchgeführt und getestet werden, bis auf den eigentlichen Start. Ein Test-Start ist frühestens für Mai geplant.
Mit der „Artemis“-Mission sollten eigentlich bis 2024 erstmals seit fast 50 Jahren wieder US-Astronauten auf dem Mond landen, darunter auch die erste Frau. Aufgrund zahlreicher Verzögerungen soll diese Landung nun frühestens 2025 erfolgen. Bei der Mission sollen vier Astronauten mit dem Raumfahrzeug „Orion“ in die Mondumlaufbahn gebracht werden, wo zwei von ihnen für den Endanflug zum Mond auf ein Landegefährt umsteigen sollen. Am Mond soll zudem eine Art Raumstation geschaffen werden und als Basis für einen bemannten Flug zum Mars dienen – das allerdings erst in fernerer Zukunft.
https://science.apa.at/power-search/13208556826816087763

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RUSSLAND – UKRAINE – Die Kriegsnacht im Überblick: Ukraine zählt 600 Kriegsgefangene – Moskau ruft Mariupol zur Kapitulation auf – 5.4.2022, 6:50
Die Empörung über Kriegsverbrechen an Zivilisten in der Ortschaft Butscha hält weiter an. Die ukrainische Justiz geht mittlerweile Hunderten Hinweisen auf weitere Massaker in der Region Kiew nach. Präsident Selenskyj fordert eine lückenlose Aufklärung der Verbrechen. Unterdessen ruft die russische Armee die Verteidiger der belagerten Stadt Mariupol erneut zur Kapitulation auf. Nach ukrainischen Angaben befinden sich 600 russische Soldaten in Kriegsgefangenschaft.
*** Russland fordert ukrainische Armee in Mariupol zur Kapitulation auf
Die russische Armee hat die ukrainischen Streitkräfte im seit Wochen belagerten Mariupol erneut aufgefordert, ihre Waffen niederzulegen. Die Soldaten sollten am Morgen über einen Korridor sicher die Hafenstadt in Richtung der von Kiew kontrollierten Gebiete verlassen können, sagte der Generalmajor Michail Misinzew vom russischen Verteidigungsministerium. „Allen, die ihre Waffen niederlegen, wird das Leben garantiert“, sagte er.
*** Justiz zählt Hunderte Gräueltaten in der Region Kiew
Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft verzeichnete nach eigenen Angaben mehr als 7000 Meldungen über russische Kriegsverbrechen in der Region um die Hauptstadt Kiew. Die meisten Opfer habe es in Borodjanka gegeben, sagte Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa der Agentur Unian zufolge. „Ich denke, wir werden gesondert über Borodjanka sprechen.“ Die Generalstaatsanwaltschaft arbeite an der Aufarbeitung von Kriegsverbrechen in Irpin, Butscha und Worsel.
*** Selenskyj fordert Aufklärung von Massakern
Präsident Wolodymyr Selenskyj versicherte, dass die Verantwortlichen der Gräueltaten zur Rechenschaft gezogen werden. „Die Zeit wird kommen, in der jeder Russe die ganze Wahrheit darüber erfahren wird, wer von seinen Mitbürgern (in der Ukraine) gemordet hat. Wer Befehle gegeben hat. Wer bei den Morden ein Auge zugedrückt hat“, sagte der ukrainische Präsident. Er lud Journalisten aus der ganzen Welt ein, sich die zerstörten Städte anzusehen. „Lassen Sie die Welt sehen, was Russland getan hat!“ Selenskyj, der Butscha am Montag besuchte, befürchtet, dass russische Truppen nun versuchten, „die Spuren ihrer Verbrechen zu verwischen“.
*** US-Satellitenbilder bestätigen Leichen in Butscha vor russischem Abzug
Unterdessen widerlegen US-Satellitenbilder die russische These, dass einige der in Butscha gefundenen Leichen erst nach dem Abzug der russischen Truppen dort abgelegt wurden. Die „hochauflösenden“ Bilder „bestätigen die jüngsten Videos und Fotos in den sozialen Medien, auf denen Leichen zu sehen sind, die seit Wochen auf der Straße liegen“, erklärte ein Sprecher der US-Satellitenbildfirma Maxar Technologies.
Das russische Verteidigungsministerium hatte die Bilder als „Fälschungen“ bezeichnet. Demnach seien die Leichen noch nicht dort gewesen, als die russischen Streitkräfte am 30. März abgezogen waren. Maxar-Satellitenbilder vom 19. und 21. März zeigen jedoch, dass sich bereits zu diesem Zeitpunkt mehrere Leichen auf der Yablonska-Straße in Butscha befanden.
*** Tote und Verletzte bei Luftangriffen
Bei russischen Angriffen auf die südukrainische Stadt Mykolajiw wurden nach ukrainischen Angaben mehrere Menschen getötet und verletzt. Der Gouverneur des Gebietes, Witalij Kim, berichtete von 11 Getöteten und 62 Verletzten. In der Nacht gab es Luftalarm auch in den Gebieten Poltawa, Charkiw, Dnipropetrowsk sowie in den Gebieten Sumy, Tschernihiw, Luhansk, Donezk und Saporischschja.
*** Ukraine zählt 600 Kriegsgefangene
Etwa 600 russische Soldaten befinden sich in Kriegsgefangenschaft der Ukraine, wie Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk nach Angaben der „Ukrajinska Prawda“ im Einheitsprogramm des ukrainischen Fernsehens sagte. Man suche nach Wegen, über das Rote Kreuz Ukrainer in russischer Kriegsgefangenschaft zu erreichen, und wolle Russland dazu bringen, sie freizulassen.
*** CSU fordert weitere Waffen für die Ukraine
Angesichts der Gräueltaten in Butscha forderte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt die Bundesregierung auf, die Ukraine mit weiteren Waffenlieferungen zu unterstützen. „Die Bilder aus Butscha treffen in Mark und Knochen und zeigen einen unbeschreibbaren Zivilisationsbruch Russlands“, sagte Dobrindt der „Augsburger Allgemeinen“. „Es braucht jetzt eine weitere Stärkung der Verteidigungsfähigkeit der Ukraine mit Waffen, geschützten Fahrzeugen und Aufklärungstechnik mit Drohnen, die nicht nur von der Bundeswehr, sondern auch aus der Industrie heraus geliefert werden müssen.“
Das wird heute wichtig
* Das ukrainische Verteidigungsministerium rechnet mit weiteren Angriffen auf die Millionenstadt Charkiw. Russische Truppen bereiteten sich darauf vor, die Stadt zu erobern, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Olexander Motusjanyk, nach Angaben der „Ukrajinska Prawda“.
* Mit einer Unterstützer-Konferenz in Berlin will Außenministerin Baerbock die internationale Hilfe für die von vielen ukrainischen Kriegsflüchtlingen aufgesuchte Republik Moldau ankurbeln. Dabei sollen etwa die Versorgung der Flüchtlinge sowie die gestiegenen Energiepreise eine Rolle spielen.
* Präsident Selenskyj will sich per Videoschalte an die Mitglieder des Weltsicherheitsrates der Vereinten Nationen wenden.
Quelle: ntv.de, jpe/dpa
https://www.n-tv.de/politik/Ukraine-zaehlt-600-Kriegsgefangene-Moskau-ruft-Mariupol-zur-Kapitulation-auf-article23246469.html

RUSSLAND – UKRAINE – GESAMT-ROUNDUP 2: Härtere Maßnahmen nach Gräueltaten von Butscha – 4.4.2022, 20:47
KIEW/MOSKAU (dpa-AFX) – Nach den schockierenden Gräueltaten in der ukrainischen Stadt Butscha hat der Westen mit ersten härteren Maßnahmen gegen Russland reagiert. So erklärte die Bundesregierung 40 russische Diplomaten in Deutschland zu „unerwünschten Personen“. Auch die Europäische Union arbeitet an neuen Strafmaßnahmen. Gespalten ist die Gemeinschaft allerdings noch, ob sie einen drastischen Schritt wie einen sofortigen Stop der Gas-Importe aus Russland gehen soll. Die Ampelkoalition ist bislang nicht bereit dazu. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ging derweil einen anderen Schritt – er räumte erstmals eigene Fehler und Irrtümer gegenüber Russland ein.
*** Das Grauen hat eine neue Dimension
Die Bilder der Verbrechen aus Butscha lösen weltweit großes Entsetzen aus. In der Vorortgemeinde der ukrainischen Hauptstadt Kiew wurden am Wochenende nach dem Rückzug der russischen Truppen Hunderte Leichen entdeckt. Einige lagen mit gefesselten Händen auf der Straße. Auch in anderen Gemeinden in der Umgebung Kiews wurden Todesopfer entdeckt.
Die Ukraine macht für die vielen Toten in Butscha russische Truppen verantwortlich. Moskau bestreitet das und spricht von „Fälschung“. Die Suche nach weiteren Opfern dauerte am Montag an. Die ukrainischen Behörden waren weiter dabei, Spuren zu sichern. Dabei sollen sie in den kommenden Tagen internationale Hilfe bekommen. Mehr als 280 Tote wurden bereits in einem Massengrab beigesetzt. Am Montag reiste der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nach Butscha. Dort seien Kriegsverbrechen begangen worden, sagte er vor Journalisten. Die Frage eines Reporters, ob es nun immer noch möglich sei, mit Russland über Frieden zu verhandeln, bejahte er: „Die Ukraine muss Frieden bekommen.“
*** Baerbock: „Vernichtungswillen, der über alle Grenzen hinweggeht“
Am Montag folgte in Berlin eine erste scharfe diplomatische Maßnahme. Man habe entschieden, „eine erhebliche Zahl von Angehörigen der russischen Botschaft zu unerwünschten Personen zu erklären“, teilte Außenministerin Baerbock mit. Werden Diplomaten zu unerwünschten Personen erklärt, kommt dies einer Ausweisung gleich. Mit Blick auf die Bilder aus Butcha sprach sie von einem „Vernichtungswillen, der über alle Grenzen hinweggeht“.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser sagte: „Wir haben 40 Personen ausgewählt, die wir den russischen Nachrichtendiensten zurechnen.“ Es gehe darum, Deutschland gegen russische Spionage, Versuche der Einflussnahme, Lügen und Kriegspropaganda zu schützen. Auch Frankreich entschied, zahlreiche russische Mitarbeiter mit Diplomaten-Status des Landes zu verweisen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP sind 35 Personen betroffen.
Die Bundesregierung werde weitere Reaktionen gemeinsam mit den Partnern Deutschlands auf den Weg bringen, betonte Baerbock. „Wir werden die bestehenden Sanktionen gegen Russland weiter verschärfen, wir werden unsere Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte entschieden ausbauen und auch die östliche Flanke der NATO stärken.“ Man prüfe außerdem die Lieferung weiterer Verteidigungssysteme an Kiew.
*** Borrell: „Das wahre Gesichts des brutalen Angriffskrieges“
Auch der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell zeigte sich im Namen der Mitgliedsstaaten bestürzt: „Die erschreckenden Bilder von zahlreichen zivilen Todesopfern und Verletzten sowie die Zerstörung ziviler Infrastruktur zeigen das wahre Gesicht des brutalen Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine und ihr Volk“, heißt es in der Erklärung. „Die Massaker in der Stadt Butscha und anderen ukrainischen Städten werden in die Liste der Gräueltaten aufgenommen werden, die auf europäischem Boden verübt wurden.“
Borrell machte zudem deutlich, dass aus Sicht der EU die russischen Behörden für die während der Besatzung verübten Grausamkeiten verantwortlich sind. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte an, Ermittlungsteams in die Ukraine zu schicken, um die mutmaßlichen Kriegsverbrechen aufzuklären. Die EU-Justizbehörde Eurojust und die Strafverfolgungsbehörde Europol seien zu Unterstützung bereit, eine gemeinsame Ermittlungsgruppe solle Beweise sammeln und Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufklären. „Diese entsetzlichen Bilder dürfen und werden nicht folgenlos bleiben“, sagte von der Leyen.
*** Steinmeier räumt erstmals Fehler ein
Bundespräsident Steinmeier sagte am Montag, sein Festhalten an der Gaspipeline Nord Stream 2 sei eindeutig ein Fehler gewesen. „Wir haben an Brücken festgehalten, an die Russland nicht mehr geglaubt hat und vor denen unsere Partner uns gewarnt haben.“ Steinmeier war in den vergangenen Tagen dafür kritisiert worden, dass er sich bislang nicht zu eigenen Fehleinschätzungen insbesondere in seiner Zeit als Außenminister geäußert habe. Nun sagte er, die Verantwortung für den Krieg liege bei Kreml-Chef Wladimir Putin. „Die sollten wir nicht auf uns ziehen. Das heißt aber nicht, dass wir nicht einiges zu überdenken haben, wo es unsererseits Fehler gegeben hat.“
*** Bundesregierung uneins über Stopp von Energielieferungen
Die Bundesregierung bleibt bislang bei ihrer Haltung, weiter Energie aus Russland zu beziehen – aus Sorge vor den Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft. Entsprechend äußerten sich Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen und der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil. Der Grünen-Politiker Anton Hofreiter forderte erneut ein Embargo. Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) will zumindest mit den europäischen Partnern darüber sprechen. Nach Schätzung der Brüsseler Denkfabrik Bruegel geben die EU-Staaten täglich rund 380 Millionen Euro für russisches Gas und etwa 360 Millionen Euro für Öl aus. Kritiker sehen darin eine indirekte Mitfinanzierung des Krieges in der Ukraine.
Habeck sagte am Montag auf die Frage, ob ein sofortiges Embargo ausgeschlossen sei, egal was Putin tue: „Wir arbeiten ja an der Unabhängigkeit von russischem Öl und von Kohle und Gas.“ Finanzminister Christian Lindner schloss ein sofortiges Gas-Embargo ebenfalls aus, sprach sich aber dafür aus, alle wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland schnellstmöglich zu beenden.
*** „Es ist nichts vom Tisch“ – Auch international Debatte um Gas-Embargo
Kommissionsvizepräsident Valdis Dombrovskis sagte unterdessen mit Blick auf weitere – und härtere – Maßnahmen gegen Russland: „Was die Europäische Kommission betrifft, ist nichts vom Tisch.“ Auch Italien zeigte sich bereit zu weitreichenden Maßnahmen gegen den Energiesektor Russlands, man werde gegen solche Sanktionen kein Veto einlegen, sagte Außenminister Luigi Di Maio. „Wir werden nicht diejenigen sein, die zu den Ländern gehören, die bei Kriegsverbrechen wegschauen und dann sagen, die wirtschaftlichen Interessen sind wichtiger.“ Österreichs Finanzminister Magnus Brunner äußerte sich skeptischer: Sanktionen seien nur sinnvoll, wenn sie einen selbst nicht mehr träfen als den zu Treffenden./sow/DP/he © 2022 dpa-AFX
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55690991-gesamt-roundup-2-haertere-massnahmen-nach-graeueltaten-von-butscha-016.htm

RUSSLAND – UKRAINE – Der 40. Kriegstag im Überblick Butscha versetzt Welt in Schockstarre – Baerbock greift bei russischen Diplomaten durch * Meldungskranz am Ende des Beitrags – 4.4.2022, 20:51
Die grausamen Bilder von Hunderten toten Zivilisten in Butscha gehen um die Welt. Präsident Wolodymyr Selenskyj macht sich selbst ein Bild und reist in den Kiewer Vorort. Er spricht von Völkermord, sein Verteidigungsminister von Rache. Die Gräueltaten hat auch auf internationaler Ebene Folgen für Russland. Deutschland weist gleich 40 Diplomaten aus, Frankreich zieht wenig später nach. In Butscha finden nun Ermittlungen zu Kriegsverbrechen statt.
*** Region Sumy von russischen Besatzern befreit
Militärisch verläuft der Tag weitgehend ohne größere Gefechte. In der Region Sumy im Norden der Ukraine sind nach Angaben des dortigen Gouverneurs keine Städte oder Dörfer mehr in der Hand russischer Truppen. Die russischen Soldaten hätten sich weitgehend zurückgezogen und im großen Stil Ausrüstung zurückgelassen, sagte Dmytro Schywyzki im ukrainischen Fernsehen. Die eigenen Truppen versuchten, auch die verbliebenen russischen Einheiten zu vertreiben.
*** Evakuierung Mariupols scheitert erneut
In Mariupol wird die humanitäre Lage immer angespannter, es fehlen unter anderem Wasser, Nahrungsmittel und Medikamente. Zivilisten aus der schwer umkämpften Hafenstadt zu bekommen, scheint quasi unmöglich. Eine Evakuierung musste das Rote Kreuz erneut abbrechen. Dies sei aus Sicherheitsgründen nicht möglich, teilte Sprecher Jason Straziuso mit. Bereits in den vergangenen Tagen mussten mehrfach Hilfskonvois umkehren, da vereinbarte Feuerpausen nicht eingehalten wurden. Russland und die Ukraine machen sich dafür gegenseitig verantwortlich.
*** Großteil der Putin-Truppen um Kiew abgezogen
Etwa zwei Drittel seiner Truppen rund um Kiew soll Russland zudem bereits abgezogen haben. So lautet eine Pentagon-Einschätzung. Die übrigen Soldaten seien weiter vor der ukrainischen Hauptstadt in Stellung gebracht, sagte ein hoher Pentagon-Vertreter. Es sei offen, ob und wann diese ebenfalls Richtung Norden abziehen würden. „Wir gehen weiterhin davon aus, dass die Truppen umgerüstet, mit Nachschub versorgt und vielleicht sogar mit zusätzlichen Kräften verstärkt werden, um dann in die Ukraine zurückgeschickt zu werden“, sagte der Regierungsvertreter weiter. Die US-Regierung vermutet, dass sie in den Donbass im Osten der Ukraine geschickt werden.
Die Gräueltaten in Butscha würden eine vorangegangene Einschätzung seitens der USA nur bestätigen. „Wir haben schon vorher gesagt, dass die Russen bei dieser Invasion brutal vorgehen würden, und das haben sie auch bewiesen.“ Die US-Regierung gehe davon aus, dass Russland in der Ukraine Kriegsverbrechen begehe. Was man nun in Butscha sehe, bestärke diese Befürchtung, hieß es.
Selenskyj spricht in Butscha von Völkermord
Und in eben jene Stadt reiste der ukrainische Präsident persönlich. Butscha war ab dem 27. Februar von der russischen Armee besetzt worden und blieb daraufhin über einen Monat lang weitgehend unzugänglich. Die Aufnahmen und Berichte über die Leichenfunde lösten weltweit Entsetzen aus. Vor Ort bekräftigte Selenskyj seinen Völkermord-Vorwurf gegen Russland. „Nun sehen Sie, was jeden Tag (…) passiert. Das sind Kriegsverbrechen und sie werden von der Welt als Völkermord anerkannt werden.“ Die Ukraine beschuldigt die russische Armee, in Butscha ein „Massaker“ an Zivilisten verübt zu haben. Russland vermutet eine Propaganda-Aktion des Westens.
Um mutmaßliche Kriegsverbrechen wie in Butscha aufzuklären, hat nun auch die EU ihre Unterstützung zugesagt. Zur Aufklärung sollen die EU-Justizbehörde Eurojust und die Strafverfolgungsbehörde Europol bei den Ermittlungen helfen, teilte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit. So könnte demnach die Arbeit einer bereits vereinbarten gemeinsamen Ermittlungsgruppe verstärkt werden. Diese soll Beweise sammeln und Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufklären.
Der ukrainische Verteidigungsminister drohte Russland mit Vergeltung. „So etwas Böses darf nicht ungestraft bleiben“, sagte er am Montag in Kiew. „Unsere Aufklärung identifiziert systematisch alle Eindringlinge und Mörder. Alle! Jeder wird zu seiner Zeit bekommen, was er „verdient“ hat“, hieß es in der auf Facebook veröffentlichten Mitteilung.
*** Deutschland und Frankreich weisen Diplomaten aus
Die grausamen Bilder aus Butscha bringen für viele eine neue Dimension in den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Der Druck, härter gegen Moskau vorzugehen, steigt – und erste Reaktionen folgen auf diplomatischer Ebene. So erklärte die Bundesregierung 40 russische Diplomaten in Deutschland zu „unerwünschten Personen“. Bundesinnenministerin Nancy Faeser sagte: „Wir haben 40 Personen ausgewählt, die wir den russischen Nachrichtendiensten zurechnen.“ Es gehe darum, Deutschland gegen russische Spionage, Versuche der Einflussnahme, Lügen und Kriegspropaganda zu schützen.
Auch Frankreich entschied, zahlreiche russische Mitarbeiter mit Diplomaten-Status des Landes zu verweisen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP sind 35 Personen betroffen.
*** Nein zu Energieembargo
Wegen der Kriegsgräuel in der Ukraine werden die Rufe nach einem Gasembargo der EU gegen Russland lauter. Berlin und Wien lehnen dies vorerst weiter ab. Bundesfinanzminister Christian Lindner sagte am Montag am Rande eines Treffens der Euro-Länder in Luxemburg, russisches Erdgas lasse sich „kurzfristig“ nicht ersetzen. Auf dem Tisch liegt aber offenbar ein möglicher Einfuhrstopp für Öl oder Kohle. Die EU-Botschafter wollen noch diese Woche ein neues Sanktionspaket auf den Weg bringen. Lindner betonte, die EU müsse den Druck auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin weiter erhöhen: „Wir wollen schnellstmöglich unabhängig werden von Energie-Importen.“ Derzeit sei es aber nicht möglich, die Gaslieferungen zu unterbrechen.
*** Habeck und Gazprom Germania
Das russische Gas fließt also weiter – und um das sicherzustellen, übernimmt der deutsche Staat die Kontrolle bei Gazprom Germania. Vorübergehend hat dort die Bundesnetzagentur nun das Sagen. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck begründete den Schritt mit unklaren Rechtsverhältnissen und einem Verstoß gegen Meldevorschriften. Ziel sei es, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Gazprom ist nach wie vor der größte Gaslieferant Deutschlands.
Gazprom betreibt unter anderem den größten Gasspeicher Deutschlands, auf den ein Fünftel der deutschen Speicherkapazität entfällt. Laut Habeck hatte der Mutterkonzern vor ein paar Tagen überraschend mitgeteilt, dass er sich von Gazprom Germania und deren Beteiligungen zurückzieht. „Nicht mitgeteilt wurde, wer der neue wirtschaftliche und rechtliche Eigentümer dieser Beteiligung sein soll“, so Habeck. Dies sei für sich genommen schon ein Verstoß gegen die Meldepflicht im Rahmen der Außenwirtschaftsverordnung. Zudem habe der Erwerber die Liquidierung der Gazprom Germania angeordnet, was nicht rechtmäßig sei, solange der Erwerb nicht genehmigt sei. „Eine Liquidierung hätte das Ende der rechtlichen Existenz der Gazprom Germania zur Folge.“ Das Wirtschaftsministerium habe daraufhin die Anordnung erlassen.
*** Steinmeiers traurige Bilanz
Die traurige Erkenntnis über die Gleichgültigkeit Russlands im Angriffskrieg gegen die Ukraine hat nun auch Frank-Walter Steinmeier erreicht. Der Bundespräsident räumte erstmals Fehler in seiner Russland-Politik ein. Steinmeier sagte, sein Festhalten an der Gaspipeline Nord Stream 2 sei eindeutig ein Fehler gewesen. „Wir haben an Brücken festgehalten, an die Russland nicht mehr geglaubt hat und vor denen unsere Partner uns gewarnt haben.“ Der 66-Jährige war in den vergangenen Tagen dafür kritisiert worden, dass er sich bislang nicht zu eigenen Fehleinschätzungen insbesondere in seiner Zeit als Außenminister geäußert habe.
Nun sagte er, die Verantwortung für den Krieg liege bei Kreml-Chef Wladimir Putin. „Die sollten wir nicht auf uns ziehen. Das heißt aber nicht, dass wir nicht einiges zu überdenken haben, wo es unsererseits Fehler gegeben hat.“
Quelle: ntv.de, mba/dpa/AFP
https://www.n-tv.de/politik/Butscha-versetzt-Welt-in-Schockstarre-Baerbock-greift-bei-russischen-Diplomaten-durch-article23246099.html
Weitere Artikel zum Ukraine-Krieg:
Präsident spricht in Butscha Selenskyj wirft Merkel und anderen „Notlügen“ vor
https://www.n-tv.de/mediathek/videos/politik/Selenskyj-wirft-Merkel-und-anderen-Notluegen-vor-article23246192.html
Gräueltaten der russischen Armee Der Schmerz von Butscha – Bilderstrecke
https://www.n-tv.de/politik/Der-Schmerz-von-Butscha-article23245994.html
Kaim zu Vorwürfen gegen Ukraine Moskaus Erklärung zu Butscha „an Haaren herbeigezogen“
https://www.n-tv.de/mediathek/videos/politik/Moskaus-Erklaerung-zu-Butscha-an-Haaren-herbeigezogen-article23244311.html
Gräueltat, Gerechtigkeit, Strafe Wer zählt die Toten von Butscha?
https://www.n-tv.de/politik/Wer-zaehlt-die-Toten-von-Butscha-article23245850.html
Historikerin Fürst zu Butscha „Die Exekutionen sind auf jeden Fall gewollt“
https://www.n-tv.de/politik/Die-Exekutionen-sind-auf-jeden-Fall-gewollt-article23246215.html
Melnyk empört Berlin-Autokorso Russen provozieren ukrainische Flüchtlinge
https://www.n-tv.de/panorama/Russen-provozieren-ukrainische-Fluechtlinge-article23245927.html
Baerbock weist 40 Diplomaten aus
https://www.n-tv.de/politik/Baerbock-weist-40-russische-Diplomaten-aus-article23245969.html
Gazprom Germania bekommt Treuhandverwaltung
https://www.n-tv.de/wirtschaft/Gazprom-Germania-bekommt-Treuhandverwaltung-article23245709.html
Steinmeier: Habe mich in Putin geirrt
https://www.n-tv.de/politik/Steinmeier-Habe-mich-in-Putin-geirrt-article23245635.html
Alternativen zum Energieboykott – Putin treffen, ohne unsere Wirtschaft zu zerstören
https://www.n-tv.de/wirtschaft/Putin-treffen-ohne-unsere-Wirtschaft-zu-zerstoeren-article23245491.html
Abramowitsch-Jacht flieht aus türkischem Hafen
https://www.n-tv.de/wirtschaft/Abramowitsch-Jacht-flieht-aus-tuerkischem-Hafen-article23245613.html
Warum Putin unsere Devisen dringend braucht
https://www.n-tv.de/wirtschaft/Warum-Putin-unsere-Devisen-dringend-braucht-article23244814.html
Merkel steht hinter NATO-Entscheidung
https://www.n-tv.de/politik/Merkel-steht-hinter-NATO-Entscheidung-article23244628.html

RUSSLAND – UKRAINE – GESELLSCHAFT – Deutschland: Anfeindungen gegen Russen und Ukrainer in Deutschland nehmen zu – 4.4.2022
Berlin – Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine sehen sich auch in Deutschland immer mehr Menschen aus beiden Staaten Anfeindungen ausgesetzt. Seit Kriegsbeginn Ende Februar verzeichneten die Behörden 308 anti-russische Straftaten, darunter 15 Gewalttaten.
Diese Zahlen nannte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). Aber auch Ukrainer werden immer häufiger angegriffen: 109 anti-ukrainische Straftaten wurden registriert, davon 13 Gewalttaten. Die Bandbreite der Taten reiche vornehmlich von Sachbeschädigungen über Beleidigungen und Bedrohungen bis hin zu Körperverletzungen. Vergleichszahlen gibt es nicht, da diese Straftaten erst in der besonderen Situation seit Kriegsbeginn erfasst werden.
Faeser betonte, dass die Polizei diese Fälle sehr genau im Blick habe und jeden Menschen hierzulande gleichermaßen schütze. Die Ministerin warnte: „Dieser Konflikt darf nicht in unsere Gesellschaft hineingetragen werden. Wir erinnern immer daran: Das ist Putins verbrecherischer Angriffskrieg. Es ist nicht der Krieg der Menschen mit russischen Wurzeln, die hier bei uns in Deutschland wohnen.“
Zugleich rief die Innenministerin die Menschen in Deutschland dazu auf, nicht wegen der Ukraine-Krise Hamsterkäufe etwa bei Mehl vorzunehmen. Faeser sagte: „Für diese sogenannten Hamsterkäufe gibt es überhaupt keinen Grund. Deshalb rufe ich dazu auf, das nicht zu tun. Denn erst durch Hamsterkäufe kommt es zu Versorgungsengpässen, die vorher nicht da waren.“
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55680269-anfeindungen-gegen-russen-und-ukrainer-in-deutschland-nehmen-zu-003.htm

RUSSLAND – UKRAINE – KOMMENTAR – Was ein ISS-Kooperationsende bedeuten würde – 4.4.2022
Moskau droht damit, die Zusammenarbeit an der Internationalen Raumstation (ISS) zu beenden. Das hätte gravierende Folgen vor allem für die bemannte Raumfahrt und die Weltraumwissenschaft in Europa.
Die Weltraumstation ISS sollte ein Friedensprojekt im Weltraum sein, Zusammenarbeit trotz Konkurrenz, das stand hier im Fokus der Kooperation von Russland, den USA und Europa. Doch nun droht Russland mit dem Aus, sollten die politischen Sanktionen nicht vollständig aufgehoben werden. Und das erscheint derzeit äußerst unrealistisch.
*** Europa bangt um bemannte Raumfahrt
Das Ende der ISS wäre für Europa das vorläufige Ende der bemannten Raumfahrt, so Manfred Steller, Gruppenleiter am Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Graz. Während die USA schon länger über eine Neuausrichtung ihrer Weltraumforschung nachdenken und verstärkt eigene Wege gehen wollen, seien die Europäer besonders betroffen von einem russischen Ausstieg aus der ISS. Die Europäische Weltraumorganisation ESA betreibe eher Grundlagenforschung. Bemannte Raumfahrt finde eigentlich nur über die ISS statt, so Steller.
*** Moskau droht mit Aus für ISS, USA gehen eigene Wege
Doch Europa könnte sich den USA anschließen. Deren neue Raumfahrtprogramme fokussieren vor allem eine Rückkehr zum Mond. „Ob die Europäer in diese Richtung investieren möchten, wird sich zeigen“, so Steller.
Noch hat Russland nicht ernst gemacht mit seiner Drohung, doch ausschließen will Manfred Steller das nicht. Russland sorge zum Beispiel für frisches Wasser und frischen Sauerstoff auf der ISS, das müssten dann die USA übernehmen. Den Europäern fehle es an Mitteln. „Die Europäer haben zwar auch ein spezielles Transferfahrzeug, aber das war nur zwei- bis dreimal im Einsatz, und ich glaube nicht, dass das weiterentwickelt wird“, so Steller.
*** Russland will sich abkoppeln
Während sich die Wissenschaftler über die Grenzen friedlich verständigen, treibt die Politik einen Keil zwischen sie. Einem Gerücht zufolge gibt es Pläne, auf der ISS nun auch Grenzen zwischen den Nationen zu ziehen.
„Angeblich plant Russland, Teile abzukoppeln und eine neue Station zu bauen. Aber das halte ich für unwahrscheinlich, vor allem bei der derzeitigen wirtschaftlichen Situation in Russland“, so Manfred Steller. Die Moskauer Führung werde jedenfalls in Kürze Fristen für ein Ende der Kooperation vorschlagen, das teilte der Chef der russischen Raumfahrtbehörde, Dmitri Rogosin, am Samstag über Telegram mit. Hanna Ronzheimer, Ö1 Wissenschaft
https://science.orf.at/stories/3212376
Mehr zu dem Thema:
Die Folgen für die Raumfahrt
https://science.orf.at/stories/3211728/

RUSSLAND – UKRAINE – HINTERGRUND – ROUNDUP: Mehr als 80 Prozent der Geflüchteten aus der Ukraine sind weiblich – 4.4.2022
BERLIN (dpa-AFX) – Etwa vier von fünf Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine sind weiblich. Das zeigen die Ergebnisse einer am Montag vorgestellten Befragung im Auftrag des Bundesinnenministeriums, an der auch privat untergebrachte Geflüchtete teilnahmen. Demnach sind 84 Prozent der Menschen aus der Ukraine, die in Deutschland Zuflucht gesucht haben, Frauen oder Mädchen. 58 Prozent der Befragten gaben an, gemeinsam mit ihren Kindern geflüchtet zu sein. Bei den rund 17 Prozent der Geflüchteten, die ohne Begleitung kamen, handelt es sich laut Innenministerium vor allem um ältere Menschen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte wegen des russischen Angriffs eine allgemeine Mobilmachung angeordnet. Männliche Ukrainer im Alter zwischen 18 Jahren und 60 Jahren dürfen das Land nicht verlassen.
Von den insgesamt 1936 Teilnehmern der Umfrage sagten 24 Prozent, sie wohnten gegenwärtig bei Freunden. 19 Prozent der Geflüchteten waren bei Verwandten untergekommen. Vor Kriegsbeginn lebten in Deutschland rund 259 000 Menschen, die aus der Ukraine eingewandert waren.
Weitere 22 Prozent der Befragten gaben an, in sonstigen Privatwohnungen zu wohnen. Die restlichen Geflüchteten wohnten unter anderem in Sammelunterkünften und in Hotels. Am wichtigsten sind ihnen finanzielle Hilfen und medizinische Versorgung. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) nannte psychologische Hilfe.
Laut Umfrage stand für 82 Prozent der Geflüchteten Deutschland als Fluchtziel im Vordergrund. Als weitere mögliche Ziele wurden unter anderem Italien, Polen, die Schweiz und die Niederlande genannt.
In Großstädten mit mehr als einer halben Million Einwohnern hielten sich 42 Prozent der Befragten auf. 14 Prozent der Geflüchteten, die an der Umfrage teilnahmen, waren in Berlin, 5 Prozent in München und 3 Prozent in Hamburg. Knapp ein Drittel der Flüchtlinge rechnet damit, bald in die Ukraine zurückkehren zu können.
Die Befragung fand zwischen dem 24. März und dem 29. März statt – vor Ort in Berlin, Hamburg und München sowie online. „Auch um Geflüchtete überzeugen zu können, auch in andere Städte außerhalb der Ballungsräume weiterzureisen, müssen wir ihre Bedürfnisse kennen und sie aktiv informieren“, sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD). Seit Montag ist die App „Germany4Ukraine“ in App-Stores verfügbar. Sie soll einen erleichterten Zugang zu Informationen und Hilfsangeboten schaffen.
Die Bundespolizei hat seit Beginn des russischen Angriffskriegs am 24. Februar insgesamt 306 836 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine erfasst. Die tatsächliche Zahl der Flüchtlinge dürfte höher liegen, da es keine festen Grenzkontrollen gibt und sich Menschen mit ukrainischem Pass 90 Tage lang ohne Visum in der EU aufhalten dürfen.
Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Alexander Throm (CDU), forderte eine „Personenüberprüfung“ und Registrierung direkt nach Grenzübertritt. Das würde deutschen Sicherheitsinteressen dienen. Zudem könne die Verteilung und Versorgung der Geflüchteten so besser organisiert werden.
Von den Teilnehmern der Umfrage gaben 65 Prozent an, über Polen nach Deutschland eingereist zu sein. In Polen haben sich seit dem russischen Angriff auf die Ukraine nach Angaben des polnischen Grenzschutzes rund 2,48 Millionen Menschen in Sicherheit gebracht.
Aus Polen in Richtung Ukraine hätten seit Kriegsbeginn am 24. Februar rund 457 000 Menschen die Grenze überquert, hieß es. Bei diesen Reisenden handelt es sich nach früheren Angaben des Grenzschutzes zum überwiegenden Teil um ukrainische Staatsbürger, die in ihr Heimatland zurückkehren. Viele Männer, aber auch Frauen, wollen gegen die russischen Truppen kämpfen. Andere kehren zurück, um sich um Kinder oder hilfsbedürftige Angehörige zu kümmern.
Es gibt derzeit keine offiziellen Angaben dazu, wie viele der Kriegsflüchtlinge in Polen geblieben und wie viele bereits in andere EU-Staaten weitergereist sind. Die Ukraine – flächenmäßig das größte Land in Europa – hatte vor Beginn des russischen Angriffs mehr als 44 Millionen Einwohner. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks haben seit Kriegsbeginn rund 4,2 Millionen Menschen die Ukraine verlassen./abc/DP/eas © 2022 dpa-AFX
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55687206-roundup-mehr-als-80-prozent-der-gefluechteten-aus-der-ukraine-sind-weiblich-016.htm

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RUSSLAND – UKRAINE – USA – RUSSLAND – Pentagon: Russische Kräfte für Gräueltaten in Butscha verantwortlich – 4.4.2022, 23:35
WASHINGTON (dpa-AFX) – Nach Ansicht des US-Verteidigungsministeriums sind die russischen Streitkräfte für die Gräueltaten in der ukrainischen Stadt Butscha verantwortlich. „Ich denke, es ist ziemlich offensichtlich – nicht nur für uns, sondern für die Welt – dass russische Kräfte für die Gräueltaten in Butscha verantwortlich sind“, sagte der Sprecher des Pentagons, John Kirby, am Montag. Die USA könnten nicht genau sagen, welche Einheiten dort im Einsatz gewesen seien, aber es gebe keine Zweifel, dass die Gräueltaten stattgefunden hätten und eine Tat der russischen Kräfte seien, sagte Kirby.
Die Bilder der Verbrechen aus Butscha lösen weltweit großes Entsetzen aus. In der Vorortgemeinde der Hauptstadt Kiew wurden am Wochenende nach dem Rückzug der russischen Truppen Hunderte Leichen entdeckt. Einige lagen mit gefesselten Händen auf der Straße. Auch in anderen Gemeinden in der Umgebung Kiews wurden Todesopfer entdeckt. Die Ukraine macht für die vielen Toten in Butscha russische Truppen verantwortlich. Moskau bestreitet das und spricht von „Fälschung“./jbz/DP/he
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55691830-russischer-un-botschafter-graeueltaten-in-butscha-inszeniert-016.htm

RUSSLAND – UKRAINE – RUSSLAND – UKRAINE – USA: Russland konzentriert Offensive auf Ost- und Südukraine – 4.4.2022, 22:11
WASHINGTON (dpa-AFX) – Die US-Regierung rechnet mit einem militärischen Umsteuern Russlands im Ukraine-Krieg und mit einer russischen Offensive vor allem im Osten und auch im Süden des Landes. Der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, sagte am Montag in Washington, man gehe davon aus, dass Russland angesichts der bisherigen militärischen Misserfolge seine Ziele überarbeite. „Russland positioniert seine Streitkräfte neu, um seine Offensivoperationen auf die Ost- und Teile der Südukraine zu konzentrieren.“ Moskau könne dann jeden taktischen Erfolg bei der neuen Strategie nutzen, um ein Narrativ des Fortschritts zu propagieren und frühere militärische Misserfolge herunterzuspielen.
Russland bereite sich wahrscheinlich darauf vor, Dutzende zusätzlicher taktischer Bataillone mit Zehntausenden Soldaten an die Frontlinie im Osten der Ukraine zu verlegen, sagte Sullivan weiter. Nach US-Einschätzung dürfte Russland während dieser neuen Bodenoffensive in der Ostukraine wahrscheinlich weiterhin Luft- und Raketenangriffe auf den Rest des Landes fliegen, um militärischen und wirtschaftlichen Schaden anzurichten und Terror zu verbreiten – auch gegen Städte wie Kiew, Odessa oder Lemberg.
Bidens Nationaler Sicherheitsberater mahnte, diese nächste Phase des Krieges dürfte weniger in Wochen, sondern eher „in Monaten oder länger“ gemessen werden./jac/DP/he
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55691353-usa-russland-konzentriert-offensive-auf-ost-und-suedukraine-016.htm

RUSSLAND – UKRAINE – RUSSLAND – UKRAINE – Russischer UN-Botschafter: Gräueltaten in Butscha ‚inszeniert‘ – 4.4.2022, 23:35
NEW YORK (dpa-AFX) – Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja hat die Gräueltaten an Bewohnern der ukrainischen Stadt Butscha als „inszenierte Provokation“ bezeichnet. Es handele sich dabei um eine „abscheuliche Provokation des Regimes in Kiew“, sagte Nebensja am Montag bei einer Pressekonferenz in New York. Das russische Militär habe das, wofür es beschuldigt werde, nicht getan, es habe keine Gräueltaten gegen Zivilisten in der Ukraine begangen. „Das ist nicht der Fall, das war nicht der Fall, und das wird nie der Fall sein“, sagte er.
Für all das habe Russland Beweise, die es sobald wie möglich dem UN-Sicherheitsrat vorlegen werde, sagte Nebensja weiter. Russland hatte bereits für Montag eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats beantragt. Die derzeitige britische Präsidentschaft des Rates beließ es aber bei der bereits angesetzten Sitzung am Dienstag, was Nebensja scharf kritisierte.
Nach dem Rückzug russischer Truppen aus dem Nordwesten der ukrainischen Hauptstadt hatten Aufnahmen von Leichen auf den Straßen von Butscha international für Entsetzen gesorgt. Die Ukraine macht russische Truppen für die Gräueltaten verantwortlich. Diese hatten die kleine Stadt bis vor kurzem besetzt. Moskau bestreitet die Vorwürfe. UN-Generalsekretär António Guterres äußerte sich „zutiefst geschockt“ und forderte eine unabhängige Untersuchung./cah/DP/he
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55691830-russischer-un-botschafter-graeueltaten-in-butscha-inszeniert-016.htm

RUSSLAND – UKRAINE – RUSSLAND – Insider: Russland verzögert Daten zu Öl- und Gasproduktion – 4.4.2022
Eine dem russischen Energieministerium angegliederte Behörde liefert Insidern zufolge erstmals seit Jahren keine aktuellen Daten zur Öl- und Gasproduktion des Lands. Nach Angaben zweier Kunden wurde die eigentlich am 2. April zur Veröffentlichung anstehende monatliche Auswertung nicht bekanntgegeben – und das inmitten von Berichten über einen Produktionsrückgang nach dem Einmarsch in die Ukraine.
Weder das Energieministerium noch die zuständige Analyseabteilung CDU TEK reagierten auf Bitten um Stellungnahme. Letztere veröffentlicht die monatlichen Daten zur Öl- und Gasproduktion in der Regel am zweiten Tag eines jeden Monats. Die russische Nachrichtenagentur Interfax, die sich auf CDU TEK beruft, erklärte das Ausbleiben heute mit „technischen Problemen“ des Datenanbieters. Diese führten zu einer Verzögerung.
Zwei mit den Daten vertrauten Brancheninsidern aus der Industrie zufolge sank die russische Öl- und Gaskondensatproduktion im März auf 11,01 Mio. Barrel (je 159 Liter) pro Tag (bpd). Im Februar waren es noch 11,08 Millionen. Am 31. März erreichte die Produktion laut den Angaben mit 10,6 Mio. bpd den niedrigsten Tageswert seit September 2021, hieß es. Russland hatte wegen der westlichen Sanktionen Schwierigkeiten, sein Öl loszuschlagen, da einige Käufer ihre Bestellungen stornierten. red, ORF.at/Agenturen
https://orf.at/stories/3257745/

RUSSLAND – UKRAINE – GROSSBRITANNIEN – Großbritannien: Russland grenzt nur zu sechs Prozent an Nato-Staaten – 4.4.2022
LONDON (dpa-AFX) – Großbritannien hat Behauptungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin entkräftet, wonach die Nato eine Bedrohung für Russland darstelle. Sie sei lediglich ein Verteidigungsbündnis und suche keine Konfrontation, erklärte das britische Verteidigungsministerium am Montag auf Twitter. Anders als von Putin behauptet werde Russland auch nicht von dem Militärbündnis umzingelt.
Tatsächlich mache der Anteil der Grenzen zu Nato-Staaten nur sechs Prozent der russischen Gesamtgrenze aus, hieß es in einem Video des Ministeriums: Russland habe Grenzen von über 20 000 Kilometern Länge, darunter nur 1215 Kilometer zu Staaten der Militärallianz. Nur fünf der 14 russischen Nachbarstaaten seien Nato-Länder. Dazu zählen die baltischen Staaten, Litauen, Lettland und Estland, sowie Polen und Norwegen./trs/DP/nas
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55689868-grossbritannien-russland-grenzt-nur-zu-sechs-prozent-an-nato-staaten-016.htm

RUSSLAND – UKRAINE – DEUTSCHLAND – Lindner: Stopp russischer Gaslieferungen im Moment nicht möglich – 4.4.2022
Von Andreas Kißler
LUXEMBURG/BERLIN (Dow Jones)–Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hat ein schnellstmögliches Ende aller Wirtschaftsbeziehungen zu Russland gefordert, aber derzeit ein Embargo auf russische Gaslieferungen erneut abgelehnt. „Wir müssen scharfe Sanktionen vorsehen, aber Gas ist kurzfristig nicht substituierbar“, betonte Lindner vor einer Sitzung der Eurogruppe in Luxemburg. „Wir würden uns mehr schaden als ihm“, sagte er mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin. „Schnellstmöglich müssen alle wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland beendet werden“, betonte er. Jedoch sei es „im Moment nicht möglich“, die Gaslieferungen zu beenden.
Ein nächstes Sanktionspaket müsse vorbereitet werden, dabei gehe es „darum, den Druck auf Putin weiter zu erhöhen, ohne uns in besonderer Weise selbst zu schwächen“. Lindner bekräftigte die Absicht, schnellstmöglich unabhängig zu werden von Energieimporten aus Russland. „Dabei muss differenziert werden zwischen Gas, Kohle und Öl“, weil die Substituierung unterschiedlich lang dauere. Auf die Frage, ob auch neue Sanktionen möglicherweise danach differenzierten, sagte Lindner auf Englisch: „Keine Spekulation von mir.“
Das Treffen in Luxemburg stehe „unter dem Eindruck der schrecklichen Ereignisse in der Ukraine“. Es könne „jetzt keinen Zweifel mehr geben, dass wir es mit einem verbrecherischen Krieg zu tun haben“, meinte der FDP-Vorsitzende. „Wladimir Putin stellt sich damit dauerhaft außerhalb der Gesellschaft der Völkergemeinschaft, und darauf muss reagiert werden.“
Thema der Beratungen sollen auch die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die EU sein. Privathaushalte und Wirtschaft wolle man schützen vor den negativen Auswirkungen. Es gehe „kurzfristig darum, die Menschen nicht im Stich zu lassen, und die Existenzgefährdung von Betrieben abzuwenden“. Dazu wolle man koordiniert vorgehen.
Die Euro-Finanzminister wollen bei ihrer Sitzung laut der Agenda auch generell die gesamtwirtschaftliche Lage und die gesamtwirtschaftlichen Aussichten für die Eurozone diskutieren. „Die Tendenzen sind ganz offensichtlich, dass wir weitere Wachstumsabschwächungen erwarten müssen“, war bereits im Vorfeld im Bundesfinanzministerium betont worden. Zudem soll es unter anderem auch erneut um das Thema des digitalen Euro gehen.
Bei der Sitzung aller EU-Minister am Dienstag soll neben den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs die geplante globale Mindestbesteuerung für große Unternehmen im Zentrum stehen, für die eine endgültige Einigung auf eine entsprechende EU-Richtlinie bisher noch aussteht.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55688631-lindner-stopp-russischer-gaslieferungen-im-moment-nicht-moeglich-015.htm

RUSSLAND – UKRAINE – DEUTSCHLAND – ROUNDUP 2: Außenhandel stellt sich auf harte Zeiten ein – Ukraine-Krieg belastet – 4.4.2022
WIESBADEN (dpa-AFX) – Nach einem unerwartet starken Anstieg der Exporte im Februar stellt sich der deutsche Außenhandel wegen des Ukraine-Krieges auf harte Zeiten ein. Insgesamt wurden Waren im Wert von 124,7 Milliarden Euro ausgeführt, das waren nach Daten des Statistischen Bundesamtes 14,3 Prozent mehr als im Februar 2021. Gegenüber dem Vormonat ergab sich kalender- und saisonbereinigt ein Anstieg um 6,4 Prozent. Analysten hatten hier mit einem geringeren Plus von 1,5 Prozent gerechnet. Wegen der ökonomischen Folgen des Ukraine-Krieges droht der Exportmotor nun ins Stottern zu geraten. Hinzu kommen Corona-Lockdowns in China, die zusätzlich belasten.
„Der Außenhandel muss sich auf harte Zeiten einstellen“, sagte Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) am Montag. Der Ukraine-Krieg belaste den deutschen Außenhandel erheblich. Eine der größten Herausforderung sei die Abhängigkeit von russischem Gas und Öl. Noch gebe es keine Versorgungsengpässe, aber „wir müssen uns auf eine erhebliche Verschlechterung der Gasversorgung und damit auch auf massiv steigende Energiepreise vorbereiten.“ Die Absenkung der Energiesteuer sei richtig, notwendig seien aber auch langfristige Lösungen.
Zusätzlich verschärft sich die Lage durch Lockdowns in China. „Die Zahl der Schiffe, die vor chinesischen Häfen liegen, steigt rasant an“, berichtete Jandura. Bei einer jüngst veröffentlichten Umfrage der Deutschen Handelskammer in China berichteten 51 Prozent der Unternehmen vor einer vollständigen Störung oder schwerwiegenden Auswirkungen auf Logistik, Lagerhaltung und Lieferketten durch die präventiven Corona-Maßnahmen.
Der Angriff Russlands auf die Ukraine Ende Februar und die in der Folge verhängten Sanktionen des Westens gegen Moskau werden sich nach Einschätzung der Wiesbadener Behörde erst im März detaillierter in den Zahlen der Außenhandelsbilanz zeigen.
Die Importe stiegen im Februar im Vorjahresvergleich ebenfalls kräftig um 24,6 Prozent auf 113,1 Milliarden Euro, gegenüber dem Vormonat Januar legten die Einfuhren nach Deutschland um 4,5 Prozent zu.
Die deutschen Exporte nach Russland (minus 6,3 Prozent) sowie die Importe aus dem Land (minus 7,3 Prozent) sanken im Februar allerdings bereits gegenüber dem Vormonat. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank vermutet, dass der Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine im Vorfeld des Kriegsausbruchs den Handel mit Russland belastet hat. „Die negativen Außenhandelsdaten mit der Russischen Föderation im Februar sind vermutlich noch verhältnismäßig gut im Vergleich zu dem, was in den kommenden Monaten veröffentlicht wird. Der Russland-Handel wird regelrecht einbrechen.“
Im vergangenen Jahr hatten Deutschlands Exporteure den Einbruch in der Corona-Krise mit einem Rekordergebnis mehr als wettgemacht. Neben direkten Einbußen im Geschäft mit Russland und der Ukraine infolge des Krieges dürften Ökonomen zufolge eine Verschärfung der Lieferengpässe und der Mangel bei Vorprodukten den deutschen Export in diesem Jahr bremsen. Können Unternehmen weniger produzieren, kann auch weniger ausgeführt werden./mar/DP/jsl
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55684967-roundup-2-aussenhandel-stellt-sich-auf-harte-zeiten-ein-ukraine-krieg-belastet-016.htm

RUSSLANE – UKRAINE – DEUTSCHLAND – „Arbeiten gegen unsere Freiheit“ Baerbock weist 40 russische Diplomaten aus – 4.4.2022, 18:04
Bedrohung für ukrainische Flüchtlinge: Außenministerin Baerbock schickt russische Spione nach Hause.
Russische Geheimdienstmitarbeiter haben nun fünf Tage Zeit, um ihre Sachen zu packen: Außenministerin Baerbock erklärt 40 Kreml-Diplomaten zu „unerwünschten Personen“. Diese Leute seien eine Bedrohung für ukrainische Flüchtlinge, heißt es zur Begründung.
Deutschland weist nach Angaben von Bundesaußenministerin Annalena Baerbock „eine erhebliche Zahl“ russischer Diplomaten aus. Die Betroffenen seien zu „unerwünschten Personen“ erklärt worden, teilte Baerbock in Berlin mit. Laut einer Mitteilung handelt es sich dabei um insgesamt 40 Mitglieder des diplomatischen Personals der Botschaft, die mutmaßlich für russische Geheimdienste arbeiten. Demnach haben sie nun fünf Tage Zeit, Deutschland zu verlassen. Die russischen Botschaft teilte mit: „Die unbegründete Reduzierung des diplomatischen Personals der russischen Vertretungen in Deutschland wird den Raum für die Aufrechterhaltung des Dialogs zwischen unseren Ländern verengen, was zu einer weiteren Verschlechterung der deutsch-russischen Beziehungen führen wird.“
„Die Bilder aus Butscha zeugen von einer unglaublichen Brutalität der russischen Führung und derer, die seiner Propaganda folgen, von einem Vernichtungswillen, der über alle Grenzen hinweggeht“, erklärte Baerbock. Dem russischen Botschafter sei mitgeteilt worden, dass die von der Ausweisung Betroffenen „hier in Deutschland jeden Tag gegen unsere Freiheit, gegen den Zusammenhalt unserer Gesellschaft gearbeitet haben“. Dies sei „eine Bedrohung für diejenigen, die bei uns Schutz suchen“, erklärte die Ministerin weiter. „Dies werden wir nicht weiter dulden.“
Deutschland werde zudem weitere Reaktionen auf die jüngsten Entwicklungen mit den Partnern auf den Weg bringen, kündigte die Grünen-Politikerin an: „Wir werden die bestehenden Sanktionen gegen Russland weiter verschärfen, wir werden unsere Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte entschieden ausbauen und auch die östliche Flanke der NATO stärken.“
*** BND rechnet mit russischer Vergeltung
Der Bundesnachrichtendienst, der als Behörde dem Kanzleramt nachgeordnet ist, erwartet, dass eine Ausweisung entsprechende Gegenmaßnahmen der russischen Seite auslösen wird – womit die Zahl deutscher Diplomaten in Russland deutlich reduziert würde. Der BND unterhält wie überall auf der Welt auch in der Botschaft in Moskau eine offizielle Residentur, allerdings mit lediglich zwei Mitarbeitern. Diese Mitarbeiter wären wohl von russischen Vergeltungsmaßnahmen betroffen.
Hunderte russische Geheimdienstmitarbeiter sind mit diplomatischer Immunität ausgestattet und als normale Botschaftsmitarbeiter akkreditiert in Europa aktiv. Nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz hatten schon im vergangenen Jahr die russischen Spionageaktivitäten wieder das Niveau der Zeit des Kalten Krieges erreicht. Quelle: ntv.de, mau/rts
https://www.n-tv.de/politik/Baerbock-weist-40-russische-Diplomaten-aus-article23245969.html
=> Ermittlungen, Waffen, Sanktionen Baerbock verkündet Konsequenzen aus Ukraine-Gräueln
https://www.n-tv.de/mediathek/videos/politik/Baerbock-verkuendet-Konsequenzen-aus-Ukraine-Graeueln-article23245706.html
=> Fehler in Russland-Politik Steinmeier: Habe mich in Putin geirrt
https://www.n-tv.de/politik/Steinmeier-Habe-mich-in-Putin-geirrt-article23245635.html

RUSSLAND – UKRAINE – DEUTSCHLAND – Habeck: Bundesnetzagentur vorübergehend Treuhänderin von Gazprom Germania – 4.4.2022
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)–Das Bundeswirtschaftsministerium setzt die Bundesnetzagentur vorübergehend als Treuhänderin für die Gazprom Germania Gruppe ein. Das gab Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) in Berlin bekannt. Die entsprechende Anordnung werde noch am Montag im Bundesanzeiger veröffentlicht. Hintergrund der Entscheidung sind laut Wirtschaftsministerium unter anderem unklare Rechtsverhältnisse sowie der Verstoß gegen die Meldepflicht im Rahmen der Außenwirtschaftsverordnung. Die Gazprom Germania GmbH betreibe in Deutschland kritische Infrastruktur und hat damit eine herausragende Bedeutung für die Gasversorgung.
„Die Anordnung der Treuhandverwaltung dient dem Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung und der Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit“, sagte Habeck. „Dieser Schritt ist zwingend notwendig. Die Versorgungssicherheit ist aktuell gewährleistet.“ Die Treuhandverwaltung durch die Bundesnetzagentur werde auf Grundlage des Außenwirtschaftsgesetzes bis zum 30. September angeordnet. Dies betreffe sämtliche Stimmrechte aus Geschäftsanteilen an der Gazprom Germania GmbH. Die Wahrnehmung der Stimmrechte der Gesellschafter der Gazprom Germania GmbH werde ausgeschlossen.
Laut Habeck gehen die Stimmrechte aus den Geschäftsanteilen an Gazprom Germania auf die Netzagentur über. „Die Netzagentur übernimmt die Funktion einer Gesellschafterin“, sagte er. Sie sei insbesondere berechtigt, Mitglieder der Geschäftsführung abzuberufen und neu zu bestellen sowie der Geschäftsführung Weisungen zu erteilen. Die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis in Bezug auf das Vermögen der Gazprom Germania werde beschränkt und stehe unter Vorbehalt der Zustimmung der Netzagentur. Diese könne alle Maßnahmen ergreifen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
*** Anordnung der Liquidierung nicht rechtmäßig
Habeck erklärte, dem Ministerium sei der mittelbare Erwerb der Gazprom Germania GmbH durch JSC Palmary und Gazprom export business services LLC zur Kenntnis gelangt. Da die Gazprom Germania GmbH kritische Infrastruktur betreibe, müsse jeder Erwerb durch einen Nicht-EU-Investor vom Ministerium genehmigt werden. Unklar sei, wer wirtschaftlich und rechtlich hinter den beiden genannten Unternehmen stehe. Zudem habe der Erwerber die Liquidierung der Gazprom Germania angeordnet, was, so lange der Erwerb nicht genehmigt sei, nicht rechtmäßig sei.
Das Wirtschaftsministerium habe „die Genehmigung zum Erwerb nicht erteilt“. Somit sei „jede damit verbundene Rechtshandlung und auch der Erwerb als solcher schwebend unwirksam“, betonte das Ministerium. Palmary sei damit nicht neue mittelbare Eigentümerin der Gazprom Germania. Das Ministerium führt den Angaben zufolge ein Investitionsprüfungsverfahren und setzt die Netzagentur für eine Übergangszeit als Treuhänderin ein. So sei sichergestellt, dass das Prüfrecht effektiv ausgeübt werden könne und keine vollendeten, gesetzeswidrigen Fakten geschaffen würden.
„Die Bundesregierung tut das Notwendige, um die Versorgungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten“, hob Habeck hervor. „Dazu zählt auch, dass wir Energieinfrastrukturen in Deutschland nicht willkürlichen Entscheidungen des Kremls aussetzen.“ Die ordnungsgemäße Wahrnehmung der Geschäfte in Deutschland müsse gesichert sein. Die unklaren Rechtsverhältnisse, Verstöße gegen die Meldepflicht und die Ankündigung der Liquidierung der Gazprom Germania zwängen die Bundesregierung nun zu diesem Schritt.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55689504-habeck-bundesnetzagentur-voruebergehend-treuhaenderin-von-gazprom-germania-015.htm
https://www.n-tv.de/wirtschaft/Gazprom-Germania-bekommt-Treuhandverwaltung-article23245709.html

RUSSLAND – UKRAINE – DEUTSCHLAND – Habeck: Können bei Sanktionen gegen Russland noch deutlich weiter gehen – 4.4.2022
Von Andrea Thomas
BERLIN (Dow Jones)–Die Europäische Union kann nach Ansicht von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) die Sanktionen gegen Russland deutlich ausweiten und wird dies in den kommenden Tagen tun. Gleichzeitig lehnte er erneut ein Energieembargo gegen Russland aufgrund seines Vorgehens in der Ukraine ab.
„Ich bin der festen Meinung, wir können noch deutlich weiter gehen. Wir haben gesehen, wie wirksam die Sanktionen sind, wir haben auch gesehen, wo wir möglicherweise Umgehungstatbestände haben. Wir haben gesehen, wo wir weitere technische Güter untersagen können und damit die russische Wirtschaft weiter destabilisieren und schwächen können“, erklärte Habeck in Berlin.
Er gehe davon aus, dass in dieser Woche ein fünftes und „dann großen Sanktionspaket“ beschlossen werde.
Allerdings zeigte er sich bezüglich des von einigen Seiten geforderten Energieembargos gegen Russland skeptisch. Deutschland habe eine hohe Abhängigkeit von russischer Energie. Der Weg der Bundesregierung sei, dass man die schrittweise Lösung von den Energien von Russland umsetzt. Hier sei Deutschland „in den letzten Wochen ich würde fast sagen überraschend gut vorangekommen“, wie Habeck ergänzte.
„Der nächste Schritt ist gerade in Bezug auf Öl, die Willkür und die Abhängigkeit von russischer Beeinflussung der Infrastruktur zu lösen und zu überwinden“, so Habeck.
Vor dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine habe der Anteil der russischen Ölimporte in Deutschland bei 35 Prozent gelegen, dieser sei zuletzt auf rund 25 Prozent gefallen. Bei Gas sei der Anteil der Importe aus Russland von gut der Hälfte auf nun 40 Prozent gefallen.
„Die Brücke Gas wird kürzer werden. Das heißt aber umgekehrt, dass andere Brücken natürlich schneller ausgebaut werden können“, so Habeck mit Verweis auf den Ausbau der erneuerbaren Energien. Einen späteren Ausstieg aus der Kohleverstromung lehnte er allerdings ab. Denn Steinkohle sei bis vor dem Krieg zu 50 Prozent aus Russland importiert worden und Braunkohle habe die schlechteste CO2 -Bilanz bei der Energieerzeugung.
„Kurzfristig, in Zeiten der Not für dieses Jahr wird man sich helfen müssen, sollte Gas nicht verfügbar sein. Aber schon mittelfristig spricht alles dafür, den Abschied von der Kohle mit Hochdruck voranzubringen“, so Habeck.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55685205-habeck-koennen-bei-sanktionen-gegen-russland-noch-deutlich-weiter-gehen-015.htm

RUSSLAND – UKRAINE – ÖSTERREICH – Österreichischer Finanzminister lehnt russisches Gas-Embargo ab – 4.4.2022
BRÜSSEL (dpa-AFX) – Auch nach Enthüllungen schwerer Gewalttaten im ukrainischen Butscha lehnt Österreich ein sofortiges Embargo für russische Energie ab. Österreich stehe bei der Frage zu 100 Prozent an der Seite Deutschlands, sagte Finanzminister Magnus Brunner vor einem Treffen der Eurogruppe am Montag. Sanktionen seien nur sinnvoll, wenn sie einen selbst nicht mehr träfen als den zu Treffenden. Man müsse einen kühlen Kopf bewahren, besonders bei einem Gas-Embargo, sagte Brunner. Der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck hatte sich ebenfalls erneut gegen ein sofortiges Energie-Embargo ausgesprochen.
Brunner sagte, Österreich sei genau wie Deutschland sehr von russischem Gas abhängig. Mittelfristig sei das Ziel, unabhängiger zu werden. „Aber es wäre unrealistisch zu sagen, dass wir von heute auf morgen umstellen könnten.“ Stattdessen schlug er vor, die Liste von sanktionierten Personen und Organisationen auszuweiten.
Mehr als fünf Wochen nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wurden nach dem Abzug russischer Truppen im Kiewer Vorort Butscha Hunderte Tote entdeckt. Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba forderte am Sonntag härtere Sanktionen gegen Russland, insbesondere ein Öl-, Gas- und Kohle-Embargo, einen Ausschluss aller russischen Banken aus dem Banken-Kommunikationsnetz Swift sowie eine Schließung aller Häfen für russische Schiffe und Waren. Die EU hat bereits schwere Sanktionen gegen Russland verhängt./dub/DP/eas
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55687350-oesterreichischer-finanzminister-lehnt-russisches-gas-embargo-ab-016.htm

RUSSLAND – UKRAINE – ÖSTERREICH – Schallenberg für Sanktionen, gegen Gasembargo – 4.4.2022
Nach den Kriegsgräueln in der ukrainischen Stadt Butscha fordert die Bundesregierung Aufklärung und weitere Sanktionen gegen Russland. Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) sprach sich heute im Ö1-Mittagsjournal aber gegen ein Embargo für russisches Gas aus. Bei einem Gasembargo würden die Sanktionen die falschen treffen.
*** Butscha: Untersuchung gefordert
Schallenberg zeigte sich von den Berichten aus Butscha „schockiert, es geht unter die Haut. Das sind Bilder, die wir so nicht mehr erwartet hätten in Europa.“ Er fordert eine internationale Untersuchung.
„Der Strafgerichtshof, der UNO-Menschenrechtsrat und andere Gremien müssen das jetzt untersuchen. Es müssen diejenigen, die das begangen haben, zur Rechenschaft gezogen werden.“ Österreich sei einer der Staaten, welche die Situation in der Ukraine auch dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag unterbreitet hätten.
RadiothekLogo von oe1 4.4.2022, 8.00 Uhr
*** „Muss internationale Untersuchung geben“
Weitere Russland-Sanktionen erwartet Schallenberg in Kürze. „Wir arbeiten jetzt schon sehr heftig an einem weiteren Sanktionspaket, das noch diese Woche voraussichtlich verabschiedet wird.“ Abseits von einem Gasembargo gebe es „genug andere Möglichkeiten, wo wir die Sanktionsschraube fester andrehen können“.
*** Kogler: Weitere Sanktionen
Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) nannte die Ereignisse in Butscha „offenkundige, dramatische, schreckliche Kriegsverbrechen“. Es brauche einen unverzüglichen Zugang für das UNO-Menschenrechtsbüro, um die Beweissicherung aufzunehmen.
„Diese Dinge gehören vor entsprechenden Gerichtshöfen abgeklärt. Das Zweite ist natürlich, dass die Sanktionspakete jetzt noch einmal massiv verschärft werden. Da sind wir schon im Austausch mit anderen europäischen Regierungen.“
Möglichkeiten für weitere Russland-Sanktionen sieht Kogler bei Exportbeschränkungen und technologischen Importbeschränkungen für Russland. Die Sanktionen würden jetzt „ganz rasch vorbereitet“. Österreich stehe im Austausch mit Deutschland, es schaue gut aus für eine europäische Einigkeit.
*** Gewessler sieht hohe Abhängigkeit
Zuvor hatte sich Umwelt- und Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) heute skeptisch zu einem völligen Verzicht auf Gas aus Russland – wie das etwa die baltischen Staaten verkündet haben – gezeigt. Es fehlten angesichts der Bilder aus der Ukraine auch ihr die Worte, sagte sie.
Allerdings sei Österreich „in überproportionalem Ausmaß abhängig von russischen Erdgaslieferungen“. Der Anteil liege bei 80 Prozent, wobei dieser in der Vergangenheit nicht reduziert, sondern sogar erhöht worden sei. Die Ausgangssituation sei schwierig, auch weil Österreich über keinen Meereszugang verfüge, etwa für Flüssigerdgas (LNG). Es gelte grundsätzlich, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren. red, ORF.at/Agenturen
https://orf.at/stories/3257739/

RUSSLAND – UKRAINE – ÖSTERREICH – Ukrainisches Bildungszentrum soll Jugendliche zur Matura bringen – Bildungszentrum im Zentrum Wiens: Zeitpunkt und Form noch unklar – 12.000 ukrainische Flüchtlinge in Wien registriert, davon 4.800 Kinder und Jugendliche – 4.4.2022
Im neuen Ukrainischen Bildungszentrum Wien sollen ab Montag Schülerinnen und Schüler ab 16 Jahren die Möglichkeit bekommen, sich auf die Matura in ihrem Heimatland vorzubereiten. Schwerpunkt ist Unterricht in den Hauptfächern Ukrainisch, Mathe und Englisch. Daneben sollen aber auch Deutschkenntnisse vermittelt und den Jugendlichen soziale Kontakte ermöglicht werden. Vorerst sollen 60 Schüler betreut werden, Platz ist für 120 Personen.
Das Bildungszentrum in der Tegetthoffstraße in der Inneren Stadt wird von der Raiffeisen Centrobank zur Verfügung gestellt und von der stadteigenen GmbH Interface betrieben. „Mit der Flucht darf die Bildungslaufbahn nicht beendet werden“, betonte der Wiener Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (NEOS) am Freitag vor Journalisten. Das gelte auch für nicht mehr schulpflichtige Jugendliche.
Geleitet wird das Bildungszentrum von der aus der Ukraine stammenden Raiffeisen-Managerin Iryna Khamayko. Nach einigen Tagen Schockstarre nach Ausbruch des Kriegs habe man überlegt, was man tun könne – dann sei es schnell gegangen. „Wir haben in der Früh die Idee dazu gehabt, am Abend hatten wir das Gebäude.“
*** Zeitpunkt und Form noch unklar
Wann und in welcher Form die ukrainische Matura stattfindet, ist übrigens noch unklar. „Das ist noch in Diskussion“, so Khamayko. Vermutlich werde dies im Juni oder Juli sein, man sei dabei aber auf die ukrainische Bildungsdirektion angewiesen. „Wir schauen, dass die Kinder sie hier am Computer machen können und kooperieren dabei mit ukrainischen Bildungszentren.“
Neben der Vorbereitung auf die Matura sollen die Kinder mit DaZ (Deutsch als Zweitsprache)-Trainern die Sprache ihres Gastlandes lernen. Dazu gibt es auch kostenlose Verpflegung und psychologische Beratung. Nach dem Abschluss der Matura soll das Zentrum außerdem vorerst bis Ende August für Betreuungsangebote zur Verfügung stehen.
Derzeit sind 12.000 ukrainische Flüchtlinge in Wien registriert, 40 Prozent davon sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. An Wiener Schulen sind bisher rund 1.100 von ihnen untergebracht – außerdem werden laufend ukrainische Lehrkräfte angestellt. Diese brauchen allerdings zunächst eine Arbeitserlaubnis.
https://science.apa.at/power-search/16991293425001999140

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TÜRKEI – Türkische Inflationsrate steigt auf mehr als 61 Prozent – 4.4.2022
Die türkischen Verbraucherpreise sind im März so stark gestiegen wie seit 20 Jahren nicht mehr. Sie legten um 61,14 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu, wie das Statistikamt heute mitteilte.
Von Reuters befragte Ökonomen hatten sogar eine Teuerungsrate von 61,6 Prozent erwartet, nachdem diese im Februar noch bei rund 54 Prozent gelegen war. Fachleute gehen davon aus, dass die Inflationsrate auch am Jahresende noch bei mehr als 50 Prozent stehen wird – nicht zuletzt infolge der nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine stark gestiegenen Energiepreise.
*** Teuerungsrate von fünf Prozent angestrebt
Die türkische Zentralbank strebt eine Teuerungsrate von fünf Prozent an, wird dieses Ziel nach eigenen Prognose aber auch im kommenden Jahr deutlich verfehlen: Dann soll das Plus bei durchschnittlich 8,2 Prozent liegen. Die Inflation lag in den vergangenen fünf Jahren meist im zweistelligen Bereich, was an den Einkommen und Ersparnissen der Türken zehrt.
Fachleute geben der Notenbank eine Mitschuld an der Entwicklung. Sie hat trotz der drastischen Abwertung der Landeswährung Lira ihren Leitzins in der zweiten Jahreshälfte 2021 schrittweise von 19,0 auf 14,0 Prozent gesenkt. Dabei müsste sie nach Einschätzung der meisten Ökonomen und Ökonominnen das Gegenteil tun, nämlich mit höheren Zinsen die eigene Währung attraktiver machen. red, ORF.at/Agenturen
https://orf.at/stories/3257693/

SERBIEN – Serbien: Präsident Vucic mit deutlicher Mehrheit wiedergewählt – 4.4.2022
Der serbische Präsident Aleksander Vucic ist mit einer deutlichen Mehrheit wiedergewählt worden und kann sich auch weiter auf starken Rückhalt im Parlament stützen. Das geht aus den heute von der staatlichen Wahlkommission veröffentlichten Ergebnissen hervor. Demnach erhielt Vucic 58,9 Prozent der Stimmen, seine „Serbische Fortschrittliche Partei“ (SNS) kam bei den gleichzeitig abgehaltenen Parlamentswahlen mit 43,1 Prozent der Stimmen auf 120 der 250 Sitze.
Die Ergebnisse beruhten auf einem Auszählungsstand von rund 95 Prozent. Der Sieg des Amtsinhabers war erwartet worden. Vucic hatte die Parlamentswahl vorverlegen lassen, um seine politische Macht zu festigen. Seine SNS regiert Serbien bereits seit 2012. Das führende Oppositionsbündnis „Vereinigt für den Sieg Serbiens“ wurde mit 37 Mandaten (13,4 Prozent) knapp zweitstärkste Kraft vor den mitregierenden Sozialisten von Parlamentspräsident Ivica Dacic mit 32 Mandaten (11,6 Prozent).
*** Vucic kündigt Rücktritt als Parteichef an
Vucic verfehlte damit das Ziel einer absoluten Mehrheit für seine Partei, und er wird es künftig mit einem bunteren Parlament zu tun haben. Die Koalition NADA erreichte 15 Mandate (5,4 Prozent), zudem schaffte es die Mitte-Links-Koalition Moramo (Wir müssen) mit zwölf Mandaten (4,5 Prozent) ins Parlament. Zwei Rechtsparteien – Zavetnici und Dveri – erreichten jeweils zehn Mandate und knapp vier Prozent, 14 Mandate entfielen auf fünf Minderheitenparteien.
Vucics führender Herausforderer Zdravko Ponos zeigte sich trotz der klaren Niederlage optimistisch. Die Wahl sei „der Anfang vom Ende der Herrschaft Vucics“, sagte Ponos in der Nacht. Vucic hatte sich schon am späten Wahlabend zum Sieger erklärt und auf eigene Auszählungen seiner Partei verwiesen. Dabei kündigte er auch seinen Rücktritt als SNS-Chef an. red, ORF.at/Agenturen
https://orf.at/stories/3257751/

SERBIEN – Teilergebnisse: Vucic vor klarem Wahlsieg in Serbien – 4.4.2022
Serbiens Staatschef Aleksandar Vucic hat sich nach der Parlaments- und Präsidentenwahl zum Sieger der Präsidentenwahl erklärt. Er habe in der ersten Wahlrunde 2.245.000 Stimmen erhalten, sagte Vucic am Sonntag in einer Siegesrede im TV. Die staatliche Wahlkommission teilte Montagfrüh bei einem Auszählungsstand von 87 Prozent mit, dass Vucic 59,5 Prozent der Stimmen erhalten habe.
Vucics stärkster Gegenkandidat, Zdravko Ponos, kam auf 17,5 Prozent. Vucic kann demnach seine zweite Amtszeit in Folge antreten. Im Parlament wurde Vucics Serbische Fortschrittspartei (SNS) mit 43,4 Prozent stärkste Kraft, verlor aber die absolute Mehrheit, wie die Wahlkommission nach Auszählung von 87,67 Prozent der Stimmzettel mitteilte.
Bei der letzten Parlamentswahl im Juni 2020 war SNS auf 63 Prozent gekommen. Auf Platz zwei kam die Partei „Vereint für den Sieg Serbiens“ von Ponos mit 13,1 Prozent, auf Platz drei die sozialistische SPS mit 11,7 Prozent. Weitere Parteien lagen im einstelligen Bereich.
Koalitionspartner unklar
Die SNS könnte zusammen mit dem Bund der Vojvodina-Ungarn (SVM) eine neue Regierung bilden. Bisher waren an der Regierung auch die Sozialisten beteiligt. Es blieb unklar, ob Vucic nicht mehr an eine erneute Koalitionsregierung mit den Sozialisten von Ivica Dacic denkt.
Serbiens Präsident, der seine zweite Amtszeit Ende Mai antreten wird, hat sich für die Fortsetzung der EU-Annäherung Serbiens, gute regionale Beziehungen und gegen die „Zerstörung von Verbindungen zu traditionellen Freunden“, worunter allem voran Russland zu verstehen ist, ausgesprochen. Weder Russland noch China hat Vucic dabei genannt.
*** Vucic sah „dramatische Wende“ nach rechts
In seiner sichtbar weniger euphorischer Ansprache als bei früheren Siegesreden nach Wahlen meinte Vucic auch, dass sich der Ukraine-Krieg auf die Wahlresultate stark ausgewirkt und Serbien eine „dramatische Wende“ nach rechts verbucht habe. Seine SNS habe infolge dessen weniger Stimmen erhalten, stellte er fest.
Ganz ungewöhnlich für seine Behandlung von Oppositionsparteien meinte Vucic auch, dass kleineren Parteien und Bündnissen die Rivalitäten zwischen den zwei größten Parlamentskräften, seiner SNS und dem Bündnis „Vereint für den Sieg“ um die Partei der Freiheit und Gerechtigkeit (SSP) von Dragan Djilas, genutzt hätten, um für sich Stimmen auf Kosten der zwei Kräfte zu sichern. Vucic deutete nach dem Wahlsieg erneut an, dass er den SNS-Präsidentenposten aufgeben wolle. Wann genau dies geschehen soll, sagte er nicht.
*** Vucic bestimmt Politik in Serbien seit 2012
In Serbien fanden am Sonntag Präsidenten- sowie vorgezogene Parlamentswahlen statt. Nach Angaben der serbischen Bürgerrechtsorganisation CRTA sei die Wahlbeteiligung eine Stunde vor Schluss der Wahllokale bei 55,1 Prozent gelegen. Mehrere Oppositionspolitiker berichteten über Unregelmäßigkeiten bei der Stimmabgabe. Am Montag will sich die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) dazu äußern.
Der Nationalist Vucic bestimmt in wechselnden Funktionen seit 2012 die Politik in Serbien. Das von seiner SNS dominierte Parlament war erst 2020 gewählt worden. Vucic ließ die Neuwahl vorziehen, um durch die Zusammenlegung mit der Präsidentschaftswahl die Vorherrschaft der SNS abzusichern. Er möchte sein Land in die EU führen, war aber bisher auch um gute Beziehungen zu Russland bemüht – zuletzt trotz des russischen Angriffs auf die Ukraine.
*** Ethnische Serben aus Kosovo mussten nach Serbien reisen
Erstmals durften die ethnischen Serben aus dem Kosovo nicht an ihren Wohnorten an der serbischen Wahl teilnehmen, sondern mussten zur Stimmabgabe nach Serbien reisen. Grund dafür war, dass es zwischen Belgrad und Pristina keine Einigung über ein Abstimmungsprozedere auf kosovarischem Territorium gab. Zahlreiche Busse sowie Privatautos mit Kosovo-Serben fuhren am Sonntag ohne Zwischenfälle zur Abstimmung nach Serbien.
Bisher hatten die ethnischen Kosovo-Serben bei serbischen Wahlen in ihrer Heimat ihre Stimme abgeben dürfen – aufgrund einer Vermittlung durch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Diesmal blieb dieses Prozedere aus. Kosovos Ministerpräsident Albin Kurti hatte verlangt, dass sich die Regierung in Belgrad in dieser Angelegenheit direkt an die Regierung in Pristina wendet. Das aber lehnte Serbiens Regierung ab, weil sie in einem solchen Schritt eine indirekte Anerkennung Kosovos als Staat sieht.
Der überwiegend von Albanern bewohnte Kosovo hatte sich 1999 nach einer NATO-Intervention von Serbien losgelöst und 2008 für unabhängig erklärt. Serbien hat das bis heute nicht anerkannt und erhebt weiter Anspruch auf das Territorium des von Österreich und den meisten anderen EU-Ländern anerkannten Staates. red, ORF.at/Agenturen https://orf.at/stories/3257618/
Links:
SNS
https://www.sns.org.rs/
Moramo
https://www.moramo.rs/
BIRODI
https://www.birodi.rs/
Informer
https://informer.rs/

VATIKANSTAAT – Kardinal Turkson leitet künftig päpstliche Wissenschaftsakademien – 4.4.2022
Kardinal Peter Turkson, der abgelöste frühere Leiter der vatikanischen Entwicklungsbehörde, erhält eine neue Aufgabe. Wie der Vatikan am Montag laut Kathpress mitteilte, ernannte Papst Franziskus den 73-jährigen Ghanesen zum Kanzler der Päpstlichen Wissenschaftsakademien. Turkson wird damit Nachfolger von Kurienerzbischof Marcelo Sanchez Sorondo. Der 79-jährige Argentinier war seit 1998 Leiter sowohl der Päpstlichen Akademie für Natur- wie Sozialwissenschaften. turkson
*** Turkson stand bisher der Behörde für menschliche Entwicklung vor
Turkson hatte Anfang 2017 die Leitung der neu gegründeten vatikanischen Behörde für menschliche Entwicklung übernommen. Am 1. Jänner hatte der Papst die erste fünfjährige Amtszeit nicht verlängert. Aktuell wird die Entwicklungsbehörde kommissarisch von der Ordensfrau und Finanzwissenschaftlerin Alessandra Smerilli und Kardinal Michael Czerny geleitet.
Die Päpstlichen Akademie der Wissenschaften wurde 1603 gegründet. Sie soll Austausch und Fortschritt in Naturwissenschaften fördern; Mitglieder sind international anerkannte Vertreter verschiedener Disziplinen. Ergebnisse ihrer Beratungen sollen auch in päpstliche Dokumente und Entscheidungen einfließen. Präsident der Wissenschaftsakademie ist aktuell der deutsche Agrarwissenschaftler Joachim von Braun.
Die Akademie befindet sich im Casino di Pio IV in den Vatikanischen Gärten. Dort ebenfalls angesiedelt ist die Päpstliche Akademie der Sozialwissenschaften. Diese wurde 1994 von Papst Johannes Paul II. gegründet. Präsident ist derzeit der italienische Wirtschaftswissenschaftler Stefano Zamagni.
https://science.apa.at/power-search/16144750731316204895

EUROPÄISCHE UNION – Roaminggebühren bleiben bis 2032 ausgesetzt – 4.4.2022
Die Abschaffung der Roaminggebühren in der EU wird bis 2032 verlängert. Die Mitgliedsstaaten beschlossen, zusätzliche Kosten für die Telefon- und Internetnutzung im EU-Ausland für weitere zehn Jahre bis 2032 auszusetzen, wie der Rat heute in Brüssel mitteilte.
Ursprünglich galt die Abschaffung von Roaminggebühren bis Juni. Auch nach Juni würden Menschen in der EU nun „ohne zusätzliche Kosten Anrufe tätigen, SMS versenden und im Internet surfen können“, teilte der Rat der EU mit.
Beibehalten werden aber die Regeln zur „angemessenen Nutzung“. Diese sollen verhindern, dass es dauerhaft möglich ist, in anderen EU-Staaten ohne Extrakosten zu telefonieren oder im Internet zu surfen.
Roaminggebühren werden für die Nutzung ausländischer Mobilfunknetze erhoben. Für Mobilfunkgespräche innerhalb der EU sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen wurden sie 2007 zunächst begrenzt und dann schrittweise gesenkt. Mit 15. Juni 2017 wurden sie dann vollständig abgeschafft. red, ORF.at/Agenturen
https://orf.at/stories/3257740/

EUROZONE – Sentix: Konjunkturstimmung für Euroraum erneut deutlich schlechter – 5.5.2022
FRANKFURT (dpa-AFX) – Die Wirtschaftsstimmung im Euroraum hat sich im April infolge des Ukraine-Kriegs erneut deutlich verschlechtert. Gegenüber dem Vormonat fiel der vom Beratungsunternehmen Sentix erhobene Konjunkturindikator um 11,0 Punkte auf minus 18,0 Zähler, wie Sentix am Montag in Frankfurt mitteilte. Das ist der tiefste Stand seit Juli 2020. Analysten hatten mit einer wesentlich moderateren Eintrübung auf minus 9,4 Punkte gerechnet.
Die Eintrübung ist bereits der zweite deutliche Rücksetzer in Folge. Sowohl für die Eurozone als auch für Deutschland sei mit einer Rezession zu rechnen, erwartet Sentix. Lage- und Erwartungswerte des Indikators seien inzwischen negativ, die Wirtschaft beginne demnach zu schrumpfen. Derzeit könne keine andere globale Region ein wirtschaftliches Gegengewicht liefern.
Der Sentix-Indikator ist eine Umfrage unter Finanzmarktteilnehmern und damit in etwa vergleichbar mit den ZEW-Konjunkturerwartungen. Analysten messen der Umfrage Bedeutung zu, weil sie früh im jeweiligen Berichtsmonat veröffentlicht wird und damit eine Art Taktgeber für andere Indikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima sein kann./bgf/stk
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55683925-sentix-konjunkturstimmung-erneut-deutlich-schlechter-016.htm

UNGARN – LITAUEN – EUROPÄISCHE UNION – Litauens Außenminister: Vertrauensverlust in Ungarn seitens der Europäische Union spürbar – 4.4.2022
VILNIUS (dpa-AFX) – Litauens Außenminister Gabrielius Landsbergis hat sich sehr zurückhaltend über den Sieg von Regierungschef Viktor Orban bei der Parlamentswahl in Ungarn geäußert. Auf die Frage, wie das Wahlergebnis die Position der EU zum Krieg Russlands gegen die Ukraine verändern könnte, sagte er bei einer Pressekonferenz am Montag in Vilnius: „Über Ungarn kann ich nur sagen, dass ein Vertrauensverlust in das Land definitiv zu spüren ist“.
„Wir sprechen insbesondere über Verteidigungsfragen, weil wir ja in einem gemeinsamen Verteidigungsbündnis und auch im EU-Bündnis sind“, sagte der Chefdiplomat des baltischen EU- und Nato-Landes. Es gebe die Möglichkeit, Schritte zu unternehmen und den Vertrauensverlust zu stoppen. Doch nur die Zeit werde zeigen, ob Ungarn das tun werde, sagte Landsbergis der Agentur BNS zufolge.
Orban gewann die Wahl am Sonntag mit seiner rechtsnationalen Fidesz-Partei klar – und deutlicher als erwartet. Der Ungar hatte in den vergangenen Jahren freundschaftliche Beziehungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin geknüpft. Den russischen Krieg gegen die Ukraine verurteilte er nur halbherzig.
Litauen grenzt an die russische Exklave Kaliningrad und an Russlands Verbündeten Belarus. Die Regierung in Vilnius gilt international als Fürsprecher der Ukraine./awe/DP/nas
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55689629-litauens-aussenminister-vertrauensverlust-in-ungarn-spuerbar-016.htm

UNGARN – Unerwartet deutlicher Sieg für Orban bei Wahl in Ungarn – 4.4.2022
Budapest – Bei der Parlamentswahl in Ungarn hat das Bündnis von Ministerpräsident Viktor Orbán einen überraschend deutlichen Erfolg gefeiert. Nach Auszählung fast aller Stimmen kommen die aktuell zusammen regierenden Parteien Fidesz und KDNP auf 53 Prozent der Stimmen.
Die Oppositionsallianz erreicht demnach rund 35 Prozent, die ultra-rechte Partei „Unsere Heimat“ 6 Prozent. Von den 199 Sitzen im Parlament würden bei diesem Ergebnis 135 Sitze an das regierende Bündnis aus Fidesz und KDNP gehen. 56 Sitze würden an das Oppositionsbündnis um Péter Márki-Zay gehen, 7 an „Unsere Heimat“ und ein Sitz an den Vertreter der deutschen Minderheit. Im Vorfeld war ein knapperer Ausgang erwartet worden.
Stattdessen kann der Ministerpräsident wohl mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit weiterregieren. Der Regierungschef sprach in der Wahlnacht von einem „gewaltigen Sieg“, den man auch von Brüssel aus sehen könne. Orbán befindet sich schon länger im permanenten Konflikt mit der EU.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55681098-unerwartet-deutlicher-sieg-fuer-orban-bei-wahl-in-ungarn-003.htm

UNGARN – Vorläufiges Endergebnis der Ungarn-Wahl: Orban regiert weiter – 4.4.2022
BUDAPEST (dpa-AFX) – Bei der Parlamentswahl in Ungarn hat die Fidesz-Partei von Ministerpräsident Viktor Orban am Sonntag klar gewonnen. Die rechtsnationale Partei kam auf 53 Prozent der Stimmen, wie das ungarische Wahlbüro am Montagmorgen nach Auszählung von 99 Prozent der Stimmen mitteilte. Damit kommt die Fidesz-Partei auf 135 der 199 Parlamentssitze.
Orban kann folglich das vierte Mal in Folge mit einer verfassungsändernden Zweidrittelmehrheit regieren. Es wird seine fünfte Amtszeit als Regierungschef, nachdem er von 1998 bis 2002 erstmals an der Macht war.
Die Opposition, die sich zum bunten Bündnis „Ungarn in Einheit“ zusammengeschlossen hat, blieb mit ihrem konservativen Spitzenkandidaten Peter Marki-Zay hinter den Erwartungen zurück. Die Allianz aus linken, grünen, liberalen und rechten Parteien vereinte 35 Prozent der Stimmen auf sich und errang 56 Mandate.
Den Einzug ins Parlament schaffte erstmals die rechtsextreme Partei Unsere Heimat. Sie kam auf sechs Prozent der Stimmen und sieben Mandate. Ein weiterer Parlamentssitz ging an den Vertreter der deutschen Minderheit, der über die Nationalitätenliste gewählt wurde./gm/DP/eas
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55684376-vorlaeufiges-endergebnis-der-ungarn-wahl-orban-regiert-weiter-016.htm

UNGARN – UNGARN-Wahl: Klarer Sieg für Orbans FIDESZ – 3./4.4.2022
Der rechtsnationale Ministerpräsident Viktor Orban hat bei der Parlamentswahl in Ungarn einen unerwartet klaren Triumph gefeiert. Seine Partei FIDESZ kam nach Auszählung von 99 Prozent der Stimmen auf 53 Prozent, wie das Wahlbüro am Montag mitteilte. Damit kommt die Partei auf 135 der 199 Parlamentssitze und kann zum vierten Mal in Folge mit einer verfassungsändernden Zweidrittelmehrheit regieren.
Das Sechsparteienbündnis der Opposition, Ungarn in Einheit, mit seinem Spitzenkandidaten Peter Marki-Zay schnitt weit unter den Erwartungen ab. Der Zusammenschluss von sechs Parteien aus dem linken, grünen, liberalen und rechten Spektrum kam auf nur 35 Prozent der Stimmen und 56 Mandate.
Den Einzug ins Parlament schaffte außerdem die rechtsradikale Partei Unsere Heimat mit sechs Prozent der Stimmen und sieben Mandaten. Ein für Nationalitäten erreichbares Mandat ging an den Vertreter der deutschen Minderheit, der als Verbündeter der FIDESZ gilt. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 70 Prozent und war damit ähnlich hoch wie vor vier Jahren.
*** „Riesiger Sieg“
„Es ist ein riesiger Sieg, so riesig, dass man ihn sogar vom Mond sehen kann, aber aus Brüssel auf jeden Fall“, sagte Orban in seiner Siegesrede in Budapest vor FIDESZ-Anhängerinnen und -Anhängern. „Wir haben die Unabhängigkeit und Freiheit Ungarns und seinen Frieden und seine Sicherheit beschützt“, sagte der Regierungschef.
„Enorme internationale Kraftzentren haben sich gegen uns in Stellung gebracht“, führte er weiter aus. Unter die zahlreichen Feinde seiner nationalistischen Politik zählte er „die internationale Linke, Brüssel, die internationalen Medien und den ukrainischen Präsidenten“. Wolodymyr Selenskyj hatte Orban zuletzt aufgefordert, von Russlands Präsident Wladimir Putin abzurücken und sich auf die Seite der von Russland angegriffenen Ukraine zu stellen.
*** „Ungleicher Kampf“
Die Opposition, die erstmals geschlossen gegen Orban angetreten war, zeigte sich schwer enttäuscht. „Wir erkennen FIDESZ’ Sieg an“, stellte Marki-Zay am Wahlabend vor Anhängern klar. „Es war ein ungleicher und chancenloser Kampf, aber wir haben uns ihm gestellt“, so Marki-Zay mit scharfer Kritik am Wahlsystem: „Wir bestreiten allerdings, dass diese Wahl demokratisch und frei gewesen wäre. FIDESZ hat nur aufgrund dieses (Wahl-)Systems gesiegt“.
Marki-Zay schaffte in seinem eigenen Wahlkreis kein Mandat. Er führt seit 2018 seine Heimatstadt Hodmezövasarhely als Bürgermeister, in diesem Wahlkreis trat er auch als Kandidat an.
*** Wahlsieg deutlicher als prognostiziert
Die Meinungsumfragen vor der Wahl hatten für FIDESZ einen Vorsprung von einem bis zehn Prozentpunkten ermittelt. Zudem wurde ein FIDESZ-Wahlsieg ohne erneute Zweidrittelmehrheit prognostiziert. Das ging sowohl aus einer knapp vor der Wahl durchgeführten Umfrage des Institutes Median hervor als auch aus den Einschätzungen des Wahlforschers Agoston Samuel Mraz vom regierungsnahen Institut Nezöpont gegenüber dem Nachrichtenportal „Telex“ am Wahltag. Die Median-Umfrage hatte 121 Parlamentssitze für FIDESZ und 77 für das Oppositionsbündnis prognostiziert.
Wahlforscher führten den unerwartet deutlichen Erfolg des Regierungslagers darauf zurück, dass die Mehrheit der Wähler mit den Zuständen im Land zufrieden sei. In der seit zwölf Jahren währenden Regierungszeit Orbans haben sich die Lebensbedingungen für viele Ungarn verbessert.
Zugleich sei es dem Regierungschef gelungen, die Gemüter angesichts des russischen Krieges gegen die Ukraine zu beruhigen. Mit seiner Beteuerung, dass nur er „Ungarn aus dem Krieg heraushalten“ könne, täuschte er über sein enges Verhältnis zur Führung in Moskau hinweg. Die Sanktionsmaßnahmen der EU gegen Russland trug er halbherzig mit. Die Opposition beschuldigte er wiederum, ohne Beweise vorzulegen, dass sie das Land „in den Krieg hineinziehen“ würde.
*** Orban seit 2010 im Amt
Orban regiert seit 2010 in Ungarn. Kritiker und Kritikerinnen werfen ihm einen autoritären Regierungsstil vor. In der EU, der das Land seit 2004 angehört, hat er zahlreiche Konflikte vom Zaun gebrochen, so etwa mit Verstößen gegen das Asylrecht und Maßnahmen zur Schikanierung von Zivilorganisationen.
Verstörend wirkt auch seine Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Von ihm hat sich Orban auch nach dem militärischen Angriff Russlands auf die Ukraine nicht wirklich distanziert.
*** Opposition trat vereint an
Vor vier Jahren hatte Orbans FIDESZ-Partei mit 49 Prozent der Stimmen knapp mehr als zwei Drittel der 199 Parlamentsmandate gewonnen. Aus diesem Grund trat die Opposition diesmal vereint an. Sechs Parteien schufen die gemeinsame Liste Ungarn in Einheit und ermittelten in selbst organisierten Vorwahlen die gemeinsamen Kandidaten für die 106 Direktwahlkreise. Auch der gemeinsame Spitzenkandidat, der parteilose Konservative Marki-Zay, ging aus diesen Vorwahlen hervor.
Dem Oppositionsbündnis gehören die Ungarische Sozialistische Partei (MSZP), die sozialdemokratische Demokratische Koalition (DK), die links-grüne Dialog-Partei, die Grün-Partei Politik kann anders sein (LMP), die liberale Momentum-Partei und die rechts-konservative Partei Jobbik (Die Besseren) an. Spitzenkandidat Marki-Zay ist seit 2018 Bürgermeister der südostungarischen Kleinstadt Hodmezövasarhely. Der Ort hatte vor seiner Wahl als FIDESZ-Hochburg gegolten.
*** Ukraine-Krieg überschattete Wahl
Die Wahl war indes vom Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine überschattet. In einem letzten Fernsehinterview am Samstag unterstellte Orban der Opposition, sich in den Krieg in der benachbarten Ukraine einmischen zu wollen. „Die Linke hat mit den Ukrainern einen Pakt geschlossen, und wenn sie gewinnt, zieht sie Ungarn in den Krieg hinein“, sagte er.
Tatsächlich gibt es einen solchen Pakt nicht, und Orban legte dafür auch keine Beweise vor. Linke Parteien bilden wiederum nur einen Teil des Oppositionsbündnisses. Dessen Spitzenkandidat Marki-Zay ist ein bekennender Katholik mit wirtschaftsliberalen Auffassungen. Auf der Abschlusskundgebung der Opposition am Samstag in Budapest warf er dem Regierungschef wegen seiner Haltung zu Moskau „Landesverrat“ vor. „Wir alle schämen uns für Viktor Orban“, sagte er. „Doch jetzt waschen wir diese Schande von uns ab.“
*** Wahlgesetze begünstigen FIDESZ
Orban, der 2014 die „illiberale Demokratie“ nach russischem Vorbild ausgerufen hatte, änderte auch die Wahlgesetze derart, dass es für politische Konkurrenten immer schwieriger wird, ihn abzuwählen. Der Zuschnitt der Wahlkreise sowie das Wahlrecht für ethnische Ungarn in den Nachbarländern begünstigen seine FIDESZ-Partei.
Außerdem stellte Orban die Ressourcen der Regierung und des Staates ungeniert in den Dienst der FIDESZ-Wahlwerbung. Wahlforschern zufolge gab das FIDESZ-Lager acht- bis zehnmal so viel Geld für den Wahlkampf aus wie die Opposition.
*** Gratulation von Putin
Der russische Präsident Wladimir Putin gratulierte Orban zum Sieg. Dabei habe sich Putin „zuversichtlich gezeigt, dass die künftige Entwicklung der bilateralen und partnerschaftlichen Beziehungen trotz der schwierigen internationalen Lage den Interessen der Völker Russlands und Ungarns entsprechen wird“, erklärte der Kreml am Montag.
Der Chef von Italiens rechter Regierungspartei Lega, Matteo Salvini, begrüßte Orbans Wahltriumph: „Ehre für das freie ungarische Volk!“, lobte Salvini das Wahlergebnis auf Twitter. Auch Österreich gab es lediglich eine Gratulation von FPÖ-Chef Herbert Kickl. red, ORF.at/Agenturen
Links:
Ungarischer Premier
https://kormany.hu/
FIDESZ
https://fidesz.hu/
Egysegben Magyarorszagert
https://egysegbenmagyarorszagert.hu/

DEUTSCHLAND – Sewing: Dauerhaft hohe Inflation ist Gift für die Wirtschaft – 4.4.2022
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)–Die privaten Banken rechnen nach Angaben ihres Verbandes auch in den kommenden Monaten mit einem deutlich steigenden Preisniveau in Deutschland und sehen deshalb dringenden Handlungsbedarf und ein baldiges Zinssignal der Europäischen Zentralbank (EZB). „Mit über 7 Prozent hat die Inflation ein Niveau erreicht, das noch vor Kurzem außerhalb unserer Vorstellungskraft lag“, sagte der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, Christian Sewing. Hauptgrund dafür seien zwar die steigenden Energiepreise, gleichzeitig gebe es aber auch strukturelle Ursachen für die hohen Teuerungsraten.
„Mit jedem Monat wächst die Gefahr, dass sich dieses Niveau festsetzt. Darauf haben die privaten Banken seit langem hingewiesen“, erklärte Sewing. Daher bestehe dringender Handlungsbedarf. „Hohe Inflationsraten haben enorme Umverteilungseffekte und belasten insbesondere Menschen mit geringem Einkommen. Sie sind deshalb Gift für die Stabilität unserer Wirtschaft und eben auch unserer Gesellschaft“, sagte der Chef der Deutschen Bank. Vieles spreche dafür, „dass die Europäische Zentralbank bald die Netto-Anleihenkäufe beendet und ein erstes Zinssignal setzt“.
Russlands Krieg gegen die Ukraine und die Corona-Pandemie setzten der deutschen Konjunktur weiter zu, konstatierte Sewing. Die deutsche Wirtschaft werde dieses Jahr voraussichtlich nur noch um rund 2 Prozent wachsen. Selbst diese Prognose des Verbandes stehe unter Vorbehalt, denn es gebe erhebliche Risiken. Dazu zählten zuallererst die Energiepreise, die „eine Bürde für viele Unternehmen und Verbraucher“ seien. „Auch, wenn die Bundesregierung inzwischen Entlastungsmaßnahmen auf den Weg gebracht hat, könnten weiter steigende Preise oder akute Engpässe die Wirtschaft erheblich bremsen“, warnte Sewing.
Auch die neuen Lockdown-Maßnahmen in China könnten zu erneuten Produktionsausfällen und Lieferengpässen führen. Für die Weltwirtschaft wäre das ein erheblicher Dämpfer. Falls es zu einem Import- oder Lieferstopp von russischem Öl und Erdgas käme, würde sich die Situation noch einmal verschärfen. Eine deutliche Rezession in Deutschland wäre dann kaum zu vermeiden, so der Bankenpräsident. In Folge des Krieges gegen die Ukraine werde auch der Investitionsbedarf in Deutschland und Europa in den kommenden Jahren weiter steigen – so gelte es, die Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaft zu beschleunigen. Dafür müsse auch privates Kapital mobilisiert werden.
Damit dies gelinge, brauche Europa endlich einen echten Finanzbinnenmarkt. „Es gibt kein kostengünstigeres Konjunkturprogramm als die Banken- und Kapitalmarktunion“, sagte Sewing. Die deutschen Banken hätten ihr Engagement in Russland in den vergangenen Jahren deutlich reduziert. Ihre Risiken seien überschaubar und ihre Kapitalpuffer höher denn je. Gleichzeitig hätten die Banken nicht zuletzt in der Corona-Pandemie bewiesen, dass sie Teil der Lösung seien. Sie könnten „dieser Rolle auf Dauer aber nur gerecht werden, wenn auch der Rahmen für einen leistungsfähigen Bankenmarkt in einer vollendeten europäischen Bankenunion gegeben ist“, betonte Sewing.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55684563-sewing-dauerhaft-hohe-inflation-ist-gift-fuer-die-wirtschaft-015.htm

DEUTSCHLAND – Sentix-Konjunkturindex Deutschland deutet auf Rezession – 4.4.2022
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)–Der Sentix-Konjunkturindex ist im April auf das niedrigste Niveau seit dem Ende der ersten Corona-Welle gefallen. Das deutet nach Einschätzung des Beratungsunternehmens Sentix darauf hin, dass Deutschland in eine Rezession abgleiten wird. der Sentix-Index sinkt auf minus 17,1 (März: minus 5,2) Punkte, den niedrigsten Wert seit Juni 2020. Der Index der Lagebeurteilung ging auf minus 4,8 (plus 10,0) Punkte zurück und war damit so niedrig wie zuletzt im März 2020, am Beginn des ersten Corona-Lockdown. Der Erwartungsindex fiel auf minus 28,8 (minus 19,3) Punkte. So schwach waren die Konjunkturerwartungen zuletzt im Januar 2009, mitten in der großen Finanzkrise.
Neben dem Ukraine-Krieg und der Möglichkeit einer Unterbrechung der russischen Energielieferungen sind es laut Sentix vor allem die inflationären Begleitumstände und immer deutlicher zutage tretende Unwuchten in den Logistikbereichen, die Verbraucher und Unternehmen verunsichern.
Der Konjunkturindex der Eurozone geht auf minus 18,0 (minus 7,0) Punkte zurück, der Index der aktuellen Lage auf minus 5,5 (plus 7,8) und der Erwartungsindex auf minus 29,8 (minus 20,8) Punkte. „Da auch die Lage inzwischen negativ ist, muss vom Beginn einer Rezession ausgegangen werden“, schreibt Sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner. Bedingt durch die nach wie vor erhebliche Dynamik bei der Inflationsentwicklung erwarteten die Anleger zudem nicht, dass die Notenbank durch eine lockere, gar noch expansivere Geldpolitik zur Hilfe eilen könne. „Wirtschaft und Aktienmärkte sind damit auf sich allein gestellt.“
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55684033-sentix-konjunkturindex-deutschland-deutet-auf-rezession-015.htm

DEUTSCHLAND – BDI: Konjunktureller Ausblick für Industrie sieht sehr trübe aus – 4.4.2022
BERLIN (Dow Jones)–Der Krieg in der Ukraine hat die konjunkturellen Aussichten für die deutsche Industrie erheblich eingetrübt und die Investitionsbereitschaft der Industrie gedämpft. Wie aus dem Quartalsbericht des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) hervorgeht, gefährdet die konjunkturelle Unsicherheit die wirtschaftliche Erholung in diesem Jahr. Gleichzeitig warnte der Verband vor einem Embargo gegen russisches Gas, da dieses in vielen Branchen zu Produktionsstörungen führen würde. Die Bundesregierung sei nun gefordert, mit einem neuen Entlastungspaket die wirtschaftliche Stärke Deutschlands und seiner Unternehmen zu bewahren.
„Der konjunkturelle Ausblick sieht sehr trübe aus. Eine Störung bei den russischen Gaseinfuhren bleibt eine große Gefahr“, erklärte BDI-Präsident Siegfried Russwurm. Wegen immenser Unsicherheiten und immer neuer Engpässe in der Produktion verzichtet der BDI auf eine aktuelle Prognose. „Die Ampelkoalition muss jetzt die wirtschaftliche Stärke Deutschlands und seiner Unternehmen bewahren und an schnell wirksamen, zielgenauen und befristeten Maßnahmen arbeiten, um die Krise abzufedern.“
Der BDI forderte, dass die Bundesregierung in einem dritten Entlastungspaket Unterstützung für Unternehmen bereitstellen sollte, die wegen der Energiepreise unverschuldet in eine wirtschaftliche Schieflage geraten seien. „Die deutsche Industrie sieht die Gefahr, dass Unternehmen wegen der Energiepreise oder aufgrund eines russischen Exportstopps von Energierohstoffen in existenzielle Schwierigkeiten geraten“, heißt es in dem Bericht.
*** In Einzelfällen staatliche Hilfe wie während der Corona-Krise nötig
Schon jetzt seien einige energieintensive Unternehmen gezwungen, ihre Produktion wegen überbordender Gas- und Stromkosten zu drosseln. Daher sollten in Einzelfällen übergangsweise Instrumente wie Bürgschaften, Garantien, Kredite und staatliche Beteiligungen an gefährdeten Unternehmen nach dem Vorbild des Wirtschaftsstabilisierungsfonds in der Corona-Krise möglich sein, so der BDI.
Die hohen Energiepreise verursachten erhebliche Kaufkraftverluste und die privaten Konsumausgaben würden nur geringfügig zulegen. Auch die Außenwirtschaft dürfte das Wachstum laut BDI belasten. Denn während der Wert der Importe aktuell deutlich zulege, falle Wachstum bei den Exporten schwer. Stark gestiegene Rohstoff- und Energiepreise trieben die Einfuhren in die Höhe.
„Weltweite Wachstumseinbußen und Sanktionen lassen den deutschen Exportmotor stottern. Die weltwirtschaftliche Entwicklung stockt, das schwächt die Ausfuhren Made in Germany“, heißt es in dem Quartalsbericht. „Die Unternehmen konnten ihren hohen Auftragsbestand aufgrund anhaltender Lieferengpässe nur zum Teil abbauen. Die Corona-Lockerungen bescheren der Konjunktur in diesem Frühjahr nicht den erhofften Wachstumsbonus.“
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55683670-bdi-konjunktureller-ausblick-fuer-industrie-sieht-sehr-truebe-aus-015.htm

DEUTSCHLAND – Deutsche Exporte steigen im Februar kräftig – 4.4.2022
Von Andreas Plecko
FRANKFURT (Dow Jones)–Die deutsche Wirtschaft hat ihre Ausfuhren im Februar kräftig gesteigert und dabei die Prognosen deutlich übertroffen. Der Krieg in der Ukraine, der am 24. Februar begann, und die Sanktionen gegen den Angreifer Russland spiegeln sich in den Daten noch nicht wider. Die Exporteure verkauften kalender- und saisonbereinigt 6,4 Prozent mehr im Ausland als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte.
Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen hatten lediglich ein Plus von 1,5 Prozent erwartet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat lagen die Exporte um 14,3 Prozent höher.
Die Importe stiegen im Februar um 4,5 Prozent gegenüber dem Vormonat. Die befragten Volkswirte hatten nur einen Zuwachs um 1,1 Prozent vorhergesagt. Auf Jahressicht ergab sich ein Anstieg von 24,6 Prozent.
Insgesamt wurden im Februar kalender- und saisonbereinigt Waren im Wert von 124,7 Milliarden Euro aus Deutschland exportiert und Waren im Wert von 113,1 Milliarden Euro nach Deutschland importiert.
Der Außenhandelsüberschuss betrug kalender- und saisonbereinigt 11,5 Milliarden Euro. Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen hatten mit einem Aktivsaldo von 10,5 Milliarden Euro gerechnet.
„Der Außenhandel mit Russland war erst ab Ende Februar durch den Angriff Russlands auf die Ukraine und die in der Folge getroffenen Sanktionen eingeschränkt“, erklärte Destatis. Erst die Zahlen für den März dürften die Auswirkungen der Sanktionen auf deutschen Außenhandel detailliert zeigen.
Die meisten deutschen Exporte gingen im Februar in die Vereinigten Staaten. Dorthin wurden kalender- und saisonbereinigt 2,7 Prozent mehr Waren exportiert als im Januar. Damit stiegen die Exporte in die USA auf einen Wert von 11,2 Milliarden Euro. Die Exporte in die Volksrepublik China wuchsen um 6,4 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro. Im Außenhandel mit der Russischen Föderation nahmen die deutschen Exporte um 6,3 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro ab.
&&& … Der Außenhandel mit Russland war dagegen rückläufig. Die Ausfuhren gingen von Januar auf Februar um 6,3 Prozent zurück, die Einfuhren fielen um 7,3 Prozent. Der Außenhandel mit Russland sei ab Ende Februar durch den Angriff Russlands auf die Ukraine und die folgenden Sanktionen eingeschränkt gewesen, erklärten die Statistiker./bgf/eas
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55682321-deutsche-exporte-steigen-im-februar-kraeftig-015.htm
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55682125-deutschland-exporte-steigen-deutlich-handel-mit-russland-ruecklaeufig-016.htm

DEUTSCHLAND – Deutscher (containisierter) Seehandel legt 2021 um 5.9 Prozent zu – Vor-Corona-Niveau noch nicht erreicht – China wichtigster, USA zweitwichtigster Handelspartner – 2021: Russland im containisierten und nicht-containiserten Handel wichtigster Handelspartner, gefolgt von China und Schweden – 4.4.2022
Wiesbaden – Der Containerumschlag deutscher Seehäfen ist im Jahr 2021 um 5,9 Prozent gestiegen. Das teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit.
Insgesamt lag der Güterumschlag deutscher Schiffe damit bei 14,8 Millionen TEU (Twenty-foot-Equivalent-Unit), was aber immer noch 1,5 Prozent weniger war als im Vor-Corona-Jahr 2019. Wichtigster Handelspartner war im Jahr 2021 China: Gut 20 Prozent aller Güter wurden über chinesische Partnerhäfen abgewickelt. An zweiter Stelle der wichtigsten Handelspartner standen 2021 die USA mit einem Anteil von 10 Prozent am gesamten Containerhandel. Im Frachtverkehr insgesamt, also containisierte und nicht-containisierte Ware, war 2021 noch Russland wichtigster Handelspartner, gefolgt von Schweden und China.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55684660-deutscher-seehandel-legt-zu-vor-corona-niveau-noch-nicht-erreicht-003.htm

DEUTSCHLAND – HDE: Verbraucherstimmung fällt infolge des Krieges auf Allzeittief – 4.4.2022
BERLIN (Dow Jones)–Die Verbraucherstimmung hat sich in Deutschland infolge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine und der steigenden Inflation massiv eingetrübt. Nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland (HDE) sinkt das HDE-Konsumbarometer für den Monat April den fünften Monat in Folge und fällt auf ein neues Allzeittief. Der Wert liegt bei 89,56 Punkten nach 94,50 im März und 94,62 im Februar. Der Krieg und seine wirtschaftlichen Auswirkungen hätten insbesondere die Konjunktur- und Einkommenserwartungen der Verbraucher gedämpft. In den kommenden drei Monaten sind laut HDE daher keine Konsumimpulse zu erwarten.
„Der Einbruch der Verbraucherstimmung zeigt deutlich, dass der private Konsum in den nächsten Wochen stark gedämpft sein wird“, erklärte der HDE. Ähnlich wie vor zwei Jahren die Corona-Pandemie sorge auch der Krieg in der Ukraine für schwache Konjunkturerwartungen. „Die befragten Verbraucherinnen und Verbraucher rechnen zudem damit, dass die sich abzeichnende Eintrübung der gesamtwirtschaftlichen Situation auch einen negativen Effekt auf ihre persönliche Einkommenslage haben wird“, so der HDE.
Die Einkommenserwartungen sinken im Vergleich zum März auf den zweitniedrigsten Wert seit Berechnung des Konsumbarometers. Daher verschlechtere sich auch die Anschaffungsneigung, die laut HDE auf ein neues Allzeittief fällt. Gleichzeitig planen die Befragten, ihr Sparvolumen zu verringern.
Die steigendende Inflation werde sich auf das Konsum- und Sparverhalten auswirken. Während in den vergangenen Wochen vor allem die Energiepreise deutlich gestiegen seien, erwarteten Verbraucher in den kommenden Monaten zunehmende Preissteigerungen, wie der HDE erklärte. Diese Einschätzung decke sich mit aktuellen Konjunkturprognosen, die im Jahresverlauf ebenfalls mit einem anhaltenden Preisauftrieb rechnen.
Das HDE-Konsumbarometer erscheint monatlich und basiert auf einer Umfrage unter 1.600 Personen zur Anschaffungsneigung, Sparneigung, finanziellen Situation und anderen konsumrelevanten Faktoren. Es bildet nicht das aktuelle Verbraucherverhalten ab, sondern die erwartete Stimmung in den kommenden drei Monaten.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55682891-hde-verbraucherstimmung-faellt-infolge-des-krieges-auf-allzeittief-015.htm

DEUTSCHLAND – D: Amazon will 6.000 neue Arbeitskräfte einstellen – 4.4.2022
Amazon will in diesem Jahr in Deutschland mehr als 6.000 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen. Bis zum Jahresende soll die Zahl der Beschäftigten des US-Unternehmens in dem Land auf 36.000 steigen, wie die deutsche Tochtergesellschaft des IT-Konzerns und Onlinehändlers heute in München mitteilte.
Von 2010 bis 2020 habe Amazon in Deutschland mehr als 36,5 Mrd. Euro investiert, ein Großteil der Investitionen fließe in Arbeitsplätze und den Auf- und Ausbau von Infrastruktur. Amazon hat nach eigenen Angaben mittlerweile mehr als 100 Standorte in Deutschland.
Die neuen Arbeitsplätze sollen in sämtlichen Geschäftsbereichen und an allen Standorten entstehen, von Logistikzentren bis zu Forschung und Entwicklung.
Amazon ist in den vergangenen Jahren weltweit rapide gewachsen. Ende vergangenen Jahres beschäftigte der Konzern insgesamt 1,6 Millionen Menschen, den Großteil nach wie vor in den USA. Der Konzern zählt damit zu den größten privaten Arbeitgebern auf der Welt. red, ORF.at/Agenturen
https://orf.at/stories/3257701/

DEUTSCHLAND – Wirtschaftsministerium warnt vor negativen Folgen eines Energieembargos – 4.4.2022
Von Andrea Thomas
BERLIN (Dow Jones)–Das Bundeswirtschaftsministerium hat vor den negativen Folgen eines möglichen Energieembargos gegen Russland für die deutsche Wirtschaft und den Arbeitsmarkt gewarnt.
„Es ist unbestritten die Aufgabe, uns so schnell wie möglich unabhängig zu machen von fossilen Energieträgern“, erklärte Beate Baron, Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. „Es ist leider so, dass Deutschland eine hohe Abhängigkeit von russischen (Energie-)Importen hat, die in den letzten zehn Jahren auch nicht reduziert, sondern eher verstärkt wurde…Klar ist, dass ein sofortiger Stopp aller Lieferungen Folgen hätte für Deutschland, Folgen im wirtschaftlichen Bereich, Folgen für Arbeitsplätze und auch unterschiedliche regionale Folgen. Deswegen müssen wir besonnen agieren und unsere Schritte eben genau überlegen, die wir gehen.“
Am Vortag hatte Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) angemahnt, dass die Europäische Union nach Entdeckung hunderter toter Zivilisten im Kiewer Vorort Butscha über einen Stopp von Gaslieferungen aus Russland sprechen müsse. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) lehnt einen sofortigen Stopp ab.
Der stellvertretende Regierungssprecher Wolfgang Büchner erklärte, dass der Westen in den kommenden Tagen ein weiteres Sanktionspaket gegen Russland beschließen werde. „Präsident Putin und seine Unterstützer werden die Folgen dieser weiteren Sanktionsmaßnahmen spüren“, so Büchner. Zu Einzelheiten wollte er sich nicht äußern. Die Bundesregierung werde hierzu einvernehmlich handeln.
Trotz der jüngsten Erholung des Rubelkurses sei die Bundesregierung unverändert der Ansicht, dass die bisherigen Sanktionen gegen Russlands sehr wirksam und effektiv seien, wie Büchner erklärte.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-04/55686417-wirtschaftsministerium-warnt-vor-negativen-folgen-eines-energieembargos-015.htm

ÖSTERREICH – Vorgeschriebene Umrüstung auf E-Motoren unmöglich – Fachleute sehen weitere Zukunft für Diesel – Technische Lebenspraxis sticht Gesetz aus – Kaum E-Fahrzeuge für industrielle Aufgaben – Bestraft sich Politik selbst? – 4.4.2022
Die Landeshauptstadt Salzburg muss laut einem neuen Gesetz einen Teil ihres Fuhrparks auf abgasfreie Autos umstellen. Das könnte teuer werden. Viele Einsatzbereiche mit harten Anforderungen sind nicht für Elektromotoren geeignet. Oder es gibt solche Autos gar nicht. Trotzdem drohen hohe Geldstrafen.
Umweltfreundlich im Betrieb und in der Wartung günstiger sollten sie sein. Das neue „Straßenfahrzeug-Beschaffungsgesetz“ schreibt zum Beispiel der Stadt Salzburg vor, „emissionsfreie oder emissionsarme“ Fahrzeuge zu kaufen: Lkw, Kleinbusse, Transporter, Pkw.
*** Fachleute sehen weitere Zukunft für Diesel
Die beabsichtigte „Mobilitätswende“ wird von der Stadtverwaltung durchaus begrüßt, uneingeschränkt durchsetzen könne man sie aber gar nicht, sagt Magistratsdirektor Maximilian Tischler: „Das ist nicht einfach. Die Fahrzeuge sind auch teurer. Der Gesetzgeber wollte dadurch nicht nur uns zwingen, entsprechende Fahrzeuge zu kaufen. Sondern auch die Industrie, die solche Fahrzeuge herstellen sollte.“
*** Technische Lebenspraxis sticht Gesetz aus
Laut Fachleuten werden verlässliche Dieselmotoren in vielen Bereichen auch künftig nicht ersetzt werden können – besonders auch im harten Winterdienst. Ungeachtet dessen schreibt das neue Gesetz, das Politiker beschlossen haben, vor, dass in den kommenden fünf Jahren viele E-Autos eingesetzt werden müssen – im Pkw-Bereich ein Drittel der Neubeschaffungen.
*** Kaum E-Fahrzeuge für industrielle Aufgaben
Schwierig bis nicht möglich sei das bei den Spezial-Schwerfahrzeugen – etwa bei Schneepflügen oder Kehrmaschinen: „Es gibt noch kaum Autos, die zum Beispiel für die Müllabfuhr hergestellt werden. Da braucht es zum Beispiel Müllpressen auf solchen Autos, die sehr viel Energie brauchen.“
Viele Aufgaben ließen sich nur mit Hilfe von Hydrauliksystemen bewältigen, sagen Techniker. Diese wiederum bräuchten Druckpumpen, die von Dieselmotoren angetrieben werden. Das sorge besonders im Winter für die nötige Verlässlichkeit.
*** Bestraft sich Politik selbst?
Im Fuhrpark der Stadt Salzburg sind 202 Fahrzeuge unterwegs. Derzeit wird ein Konzept ausgearbeitet, wie das neue Gesetz erfüllt werden soll. Es drohen nämlich empfindliche Strafen – bei Pkws 25.000 Euro, Lkws 125.000 und bei Bussen bis zu 225.000. Bei „Nichtbemühen des Auftraggebers“ sind es – wie es per neuem Gesetz angedroht wird – bis zu 450.000 Euro. Peter Obermüller, salzburg.ORF.at
https://salzburg.orf.at/stories/3150425/

ÖSTERREICH – Neue Richtlinie für Radverkehr – Unfallrisiko 50-mal höher als mit Auto – Radfahrstreifen müssen breiter werden – Angepasste Ampelschaltungen – Länder übernehmen Richtlinie – 4.4.2022
Mehr als 40 Fachleute haben die bundesweite Richtlinie für den Radverkehr (RVS) überarbeitet, wonach Radanlagen zukünftig sicherer sein sollen. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die neuen, trendigen Fortbewegungsmittel gelegt: E-Bikes, E-Scooter und Lastenräder.
„Es gibt politischen Druck, das Radfahren zu fördern, aber oft sucht man die billigste Lösung. Man pinselt eine Linie auf den Gehsteig, nimmt dem Fußgeher den wenigen Platz, den er eh schon hat, weg“, sagte Klaus Robatsch, Verkehrssicherheitsexperte vom Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) und der Forschungsgesellschaft Straße-Schiene-Verkehr (FSV), am Montag. Diese halbherzigen Versuche, das Radfahren populärer zu machen, gingen aber auf Kosten der Sicherheit der schwächeren Verkehrsteilnehmer.
*** Unfallrisiko 50-mal höher als mit Auto
Robatsch verwies auf eine aktuelle Statistik, wonach hierzulande das Risiko, mit dem Rad zu verunglücken, 50-mal höher sei als mit dem Auto und die Wahrscheinlichkeit, in Österreich mit dem Rad das Leben zu verlieren, doppelt so hoch sei wie in Deutschland, Belgien oder der Schweiz. Weil fast die Hälfte aller getöteten Radfahrerinnen und Radfahrer in Österreich über 65 Jahre alt und mit dem E-Bike unterwegs waren, wurden die neuen Richtlinien Richtlinie in Hinblick auf E-Bikes und Lastenräder überarbeitet.
*** Radfahrstreifen müssen breiter werden
„Im Vergleich zu den klassischen Radfahrern haben sie andere, teils längere Bremswege, größere Kurvenradien und benötigen damit auch breitere Anlagen“, sagte Robatsch. Deshalb wurde auch die empfohlene Mindestbreite von Radfahrstreifen neben längsparkenden Autos von 1,50 auf zwei Meter erhöht. „So können Unfälle mit aufgehenden Autotüren verhindert werden“, sagte Robatsch.
Neu sind auch die Empfehlungen, die Sichtweiten für Autofahrerinnen und Autofahrer bei Radfahrerüberfahrten zu vergrößern, „um Tote-Winkel-Unfälle zu verhindern“, flächendeckend Radboxen bei Kreuzungen anzubringen und Haltelinien von Mehrzweckstreifen vorzuziehen, „damit der Lkw-Lenker den Radfahrer sehen kann“, so der Experte.
*** Angepasste Ampelschaltungen
Außerdem sollten dort, wo der Verkehr langsamer fließt, etwa in 30er-Zonen, Radfahrer mit dem Kfz-Verkehr gemeinsam geführt werden, „2eil da die Geschwindigkeiten zusammenpassen, was zwischen Radfahrern und Fußgängern nicht der Fall ist“.
Eine weitere Maßnahme, die helfen würde, die Unfallhäufigkeit zu senken, könnte laut Experten auch der Ausbau der Phasentrennung an Kreuzungen sein: „Zuerst eine Grünphase für rechts abbiegende Autofahrer und dann für Radfahrer und Fußgänger.“ Das bedeute vielleicht eine längere Umlaufzeit, aber eben gleichzeitig ein großes Plus an Sicherheit.
*** Länder übernehmen Richtlinie
Die neuen Richtlinien werden von den Ländern übernommen – eine rechtliche Verpflichtung bestehe zwar nicht, „aber auch Städte übernehmen die RVS gerne. Die Stadt Graz wendet sie bei Neuanlagen an und baut, wenn möglich, alte Anlagen auf die neuen Standards um“, sagte Martin Fellendorf vom FSV und richtete einen Appell an Verkehrsplaner von Gemeinden und Ländern, sich an die Vorgaben zu halten, um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer zu erhöhen, „auch wenn der eine oder andere Parkplatz dadurch einmal wegfällt“.
Im Wiener Rathaus wurde am Montag ein Abkommen für eine Radverkehrsinitiative unterzeichnet, mit dem Bund, Länder und Gemeinden die Stärkung dieser Mobilitätsform erreichen wollen. Umwelt- und Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) bekräftigte dabei das Ziel, den Anteil des Radverkehrs von sieben auf 13 Prozent zu erhöhen. Im Rathaus wird das Bike noch bis Dienstag im Mittelpunkt stehen – beim 13. Österreichischen Radgipfel. red, oesterreich.ORF.at/Agenturen
Links:
KFV
https://www.kfv.at/
FSV
http://www.fsv.at/cms/start.aspx

ÖSTERREICH – Elektronikindustrie: KV-Verhandlungen festgefahren – 4.4.2022
Die KV-Verhandlungen für gut 60.000 Beschäftigte der Elektro- und Elektronikindustrie (EEI) sind in der zweiten Gesprächsrunde ohne Ergebnis unterbrochen worden. Die Fronten zwischen den Sozialpartnern sind laut Arbeitnehmervertretern verhärtet.
Die Arbeitgeberseite sei „nicht bereit, in angemessener Weise auf die gewerkschaftlichen Forderungen einzugehen“. Daher ist für den 25.4. nun eine österreichweite Betriebsrätekonferenz geplant. Am 26.4. wird weitergesprochen.
Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA wollen ihren Druck vor der dritten Verhandlungsrunden mit der Konferenz erhöhen, teilten sie in einer Aussendung mit. Eine große Rolle spiele in den aktuellen Verhandlungen die zuletzt und besonders derzeit außergewöhnlich hohe Inflation.
Der neue Kollektivvertrag für die EEI soll ab 1. Mai gelten. Die für die Verhandlungen relevante Inflationsrate – rollierender Durchschnitt der letzten zwölf Monate – liegt derzeit bei 3,5 Prozent. red, ORF.at/Agenturen
https://orf.at/stories/3257823/

ÖSTERREICH – Gericht: Apothekerkammer verliert Rechtsstreit – NACHTRAG: 2.4.2022
Apotheken dürfen künftig nicht mehr damit werben, bei kleineren Erkrankungen Abhilfe schaffen zu können. Die oberösterreichische Ärztekammer hatte wegen einer entsprechenden Werbekampagne geklagt und Recht bekommen.
Stein des Anstoßes war eine Werbung, die die Apotheken im vergangenen September im Fernsehen, online und in Zeitungen platziert haben. In der Kampagne mit dem Titel „Auf Nummer sicher“ hieß es etwa: „Wenn Lina zu viel in der Sonne war, hustet, eine Erkältung oder Fieber hat, geht ihre Mutter Melanie zuerst in die Apotheke. Denn kleinere Erkrankungen lassen sich mit der dortigen Beratung einfach lösen“ – so der Werbetext im Wortlaut.
*** „Nicht Aufgabe der Apotheken Diagnosen zu stellen“
Sehr zum Ärger der Ärztekammer Oberösterreich: Dabei werde vermittelt, dass man bei Beschwerden zuerst in die Apotheke anstatt in eine Arztpraxis gehen soll, hieß es aus der Ärzteschaft. Es sei aber nicht Aufgabe von Apotheken, Diagnosen zu stellen. Die Werbung sei daher irreführend und unlauter, so die Sicht der Ärztekammer. Die Apothekerkammer konnte die Kritik nicht nachvollziehen. Man habe lediglich für Aufklärung und Beratung geworben.
*** Handelsgericht Wien: Ärzten vorbehalten
Das Handelsgericht Wien hat jetzt in erster Instanz zugunsten der Ärzteschaft entschieden. Die beworbenen Tätigkeiten seien Ärztinnen und Ärzten vorbehalten. Weitere derartige Werbung wurde untersagt. Eine Strafe bekommt die Apothekerkammer aber nicht. red, ooe.ORF.at
Link:
Ärzte über Kampagne der Apotheker empört (ooe.ORF.at; 15.10.21)
https://ooe.orf.at/stories/3125882/

ÖSTERREICH – Ab 2023 „Informatische Bildung“ ab der 1. Klasse Volksschule – 4.42022
Die Digitalisierung der Schulen wird künftig noch stärker im Lehrplan verankert. So wird nicht nur mit Herbst der neue Pflichtgegenstand „Digitale Grundbildung“ für Schüler der 1. bis 3. Klasse Mittelschule bzw. AHS eingeführt. Ab 2023/24 bringt eine Lehrplan-Novelle auch verpflichtend „Informatische Bildung“ und „Medienbildung“ ab der 1. Klasse Volksschule, heißt es in der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der NEOS durch Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP).
*** „Digitale Grundbildung“ gab es bisher als verbindliche Übung ohne Noten
„Digitale Grundbildung“ gab es in den Mittelschulen bzw. AHS-Unterstufen schon bisher, allerdings wurde das Fach lediglich als verbindliche Übung mit verpflichtender Teilnahme, aber ohne Noten unterrichtet. Außerdem konnten die Schulen sich aussuchen, ob sie dafür eigene Stunden reservieren (zwei bis vier Wochenstunden über alle vier Jahre hinweg) oder „Digitale Grundbildung“ in andere Gegenstände integrieren. Ab Herbst wird die „Digitale Grundbildung“ in den ersten drei Klassen Mittelschule und AHS, die dann bereits über die Geräte-Initiative des Ministeriums mit günstigen Laptops oder Tablets ausgerüstet sind, ein eigenes Pflichtfach. Ein Jahr später wird es auf die vierten Klassen ausgeweitet.
Mit der Einführung der neuen kompetenzorientierten Lehrpläne für die Volksschulen und die Sekundarstufe I (AHS, Mittelschule) im Schuljahr 2023/24 sollen dann auch ab der ersten Schulstufe die übergreifenden Themen „Informatische Bildung“ und „Medienbildung“ verbindlich im Gesamt- bzw. im Fachunterricht behandelt werden. Welche Inhalte dabei unterrichtet werden und in welcher Form, ist vorerst noch nicht bekannt. Die neuen Lehrpläne werden gerade erst fertiggestellt, hieß es im Bildungsministerium auf APA-Anfrage.
*** Handlungsbedarf bei Hardware
Was die Hardware angeht, gibt es laut Bildungsministerium weiterhin Handlungsbedarf „beim Ausbau der technischen Infrastruktur in der Zuständigkeit der jeweiligen gesetzlichen Schulerhalter“, also der Länder und Gemeinden. Zahlen zum aktuellen Stand werden in der Anfragebeantwortung allerdings nicht genannt. An den Bundesschulen (AHS, BMHS) sollen laut Bildungsressort mit Ende des Schuljahrs alle Standorte mit Breitbandanschlüssen und leistungsfähigem WLAN ausgestattet sein. An 96 Prozent der AHS und 94 Prozent der BMHS gibt es bereits Glasfaser- und Koaxialanschlüsse. Zum Vergleich: 2020 waren es noch 81 Prozent.
Weitergegangen ist laut Daten des Ministeriums auch etwas bei der Fort- und Weiterbildung der Pädagoginnen und Pädagogen zu Themenfeldern wie Informatik, Informations- und Kommunikationstechnologie, E-Learning: Hier ist die Zahl der Kursteilnehmer von knapp 44.000 im Studienjahr 2018/19 auf 72.300 angestiegen.
https://science.apa.at/power-search/15016296712202836087

ÖSTERREICH – Weniger Evaluationen und Erhebungen – Schulen sollen entlastet werden – 4.4.2022
Die Schulen waren in den vergangenen Monaten durch die Coronapandemie stark gefordert, zuletzt kam mit der Integration von ukrainischen Flüchtlingskindern eine neue Zusatzaufgabe dazu. Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) hat sich deshalb nun mit den Spitzen der Lehrergewerkschaft darauf verständigt, zur Entlastung der Lehrerinnen und Lehrer „nicht unbedingt erforderliche Aufgaben an den Schulen auszusetzen bzw. zu verschieben“.
*** Nach Ostern sollte Entlastung spürbar werden
„Die Belastungsgrenzen sind mehr als erreicht, manchmal sogar bereits überschritten“, heißt es in einem gemeinsamen Schreiben an die Schulleitungen. Mit den nun gesetzten Maßnahmen will man „schrittweise die Schulen wieder in Ruhe arbeiten lassen“.
*** Reduktion auf notwendiges Maß
Konkret soll die für das Schuljahr 2021/22 verpflichtend vorgesehene interne Evaluation und Feedback im Rahmen des „Qualitätsmanagement für Schulen“ ausgesetzt werden, Dienstbesprechungen der Schulleitungen mit Bildungsdirektion und Pädagogischen Hochschulen sollen auf ein absolut notwendiges Maß reduziert werden. Bei Erhebungen sollen sich Bildungsministerium und -direktionen absprechen, um Doppelgleisigkeiten zu vermeiden „und vor allem nicht unbedingt erforderliche Maßnahmen zu stoppen“. Außerdem soll eine geplante umfangreiche Erhebung des Europäischen Rechnungshofs an allen Schulen zum Thema Digitalisierung ausgesetzt werden.
Ebenfalls ausgesetzt wird ein Pilotprojekt, in dem neue Instrumente für die MIKA-D-Erhebung (Einstufungstest für die Deutschförderklassen) erprobt werden sollten. Das Projekt wird auf das nächste Jahr verschoben. Außerdem sollen die Schulen mehr Zeit für die individuellen Kompetenzmessung PLUS (iKM PLUS) bekommen. Bei diesem Nachfolger der Bildungsstandard-Tests sollten zwischen 20. April und 10. Mai bei allen Schülerinnen und Schülern der dritten Klasse Volksschule die Kompetenzen in Deutsch und Mathematik erhoben werden. Nun wird der Testzeitraum um zwei Wochen bis zum 25. Mai verlängert.
*** Warnung vor Überforderung
Schon im vergangenen Herbst hatten der damalige Ressortchef Heinz Faßmann (ÖVP) und die Lehrervertretung angesichts der vielen Zusatzaufgaben im Corona-Management eine Entlastung der Lehrer in Aussicht gestellt. Angekündigt wurden weniger Erhebungen, Rundschreiben und Erlässe sowie eine neue Servicestelle. Zuletzt hat allerdings der oberste Wiener Pflichtschullehrervertreter, Thomas Krebs (FCG), erneut vor einer Überforderung der Schulen gewarnt und „Boykottmaßnahmen“ in den Raum gestellt. „Wir Lehrer*innen können nicht mehr!“, hatten am Freitag auch die Unabhängigen Lehrergewerkschafter von der ÖLI-UG gewarnt.
Geht es nach Polaschek und den Lehrergewerkschaftern, ist mit dem nun vorgelegten Maßnahmenbündel sichergestellt, dass es nach Ostern zu einer spürbaren Entlastung an den Schulen kommt.
https://science.apa.at/power-search/10293221622927505882