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CORONA – VAKZINOLOGIE – Impfung reduziert Risiko für Long COVID – 3.3.2022
CORONA – VAKZINOLOGIE – COVID-19: Einmalgabe von Janssen bietet geringeren Schutz vor Hospitalisierungen – 3.3.2022
CORONA – INTERNATIONAL – Oxfam geht von viermal mehr COVID-Toten in armen Ländern aus – 3.3.2022
CORONA – INTERNATIONAL – Westaustralien öffnet nach 700 Tagen seine Grenzen – Polio-Fall in Malawi: Impf-Kampagne für 2,9 Millionen Kinder – Estlands Staatspräsident positiv auf Corona getestet – Castex: In Frankreich endet am 14. März die Maskenpflicht – 3.3.2022
CORONA – FRANKREICH – Frankreich: Bald fast keine Corona-Zutrittsbeschränkungen mehr – 3.3.2022
CORONA – DEUTSCHLAND – Erste Ergebnisse zu Spätfolgen bei Kindern mit COVID-19 aus Deutschland – 3.3.2022
CORONA – DEUTSCHLAND – Long-COVID-Prävalenz laut vorläufiger Daten aus Süddeutschland bei maximal 30 Prozent – 3.3.2022
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MEDIZIN – Das Comeback der Psychedelics – Bewusstseinsveränderung und Hilfe bei psychischen Krankheiten – mit Intratext-Links – 3.3.2022
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INTERNATIONAL – Inflation in the OECD area continues to surge, reaching 7.2% in January 2022, the highest rate since 1991- [Vier Graphiken demonstrieren den rapiden Anstieg der Inflation weltweit] – 4.3.2022
BÖRSE – Grosse Streuung des Risikos: Renditeaufschläge von Staatsanleihen von Schwellenländern – Chart des Tages – NACHTRAG:
BÖRSE – Börsengänge werden abgesagt. – Chart des Tages – 3.3.2022
BÖRSE – MÄRKTE EUROPA/Unsicherheit bleibt hoch – Europa wird verkauft – Europa stärker von Abwärtsrisiken betroffen – 3.3.2022, 18:58
ZENTRALBANKEN – USA – Beige Book: Bezirke melden beschleunigte Preisentwicklung – 3.3.2022
ZENTRALBANKEN – USA – Fed/Powell befürchtet wegen Ukraine-Krieg höhere Inflation – 3.3.2022, 19:34
ZENTRALBANKEN – EUROPÄISCHE UNION – Protokoll: EZB-Falken gaben bei Februar-Sitzung den Ton an – 3.3.2022
ZENTRALBANKEN – Deutsche Bank: EZB könnte neues Ankaufprogramm auflegen – 3.3.2022
ZENTRALBANKEN – EUROPÄISCHE UNION – ING: EZB-Protokoll weitgehend historisches Dokument – 3.3.2022
ZENTRALBANKEN – EUROPÄISCHE UNION – Meinungen zur Geldpolitik der EZB: Allianz: EZB verlangsamt Normalisierung – Blackrock: EZB sollte vorsichtig normalisieren – KfW: EZB hält an Ausstiegsplänen fest – Danske: EZB kündigt Ende der Nettoanleihekäufe an – 3.3.2022
USA – Auftragseingang der US-Industrie im Januar gestiegen – 3.3.2022
USA – USA: Stimmung unter Dienstleistern trübt sich ein – 3.3.2022
USA – Markit: US-Dienstleister mit anziehendem Geschäft im Februar – 3.3.2022
USA – US-Produktivität steigt im vierten Quartal um 6,6 Prozent – 3.3.2022
USA – Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe gesunken – 3.3.2022
IRAN – Atomgespräche mit Iran in Griffweite? Chefverhandler zurückhaltend – 3.3.2022
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UKRAINE – RUSSLAND – Weitere ORF-Radio-Journale werden via Kurzwelle ausgestrahlt – 1.3.2022
Ab sofort bietet der ORF zusätzlich zum „Ö1 Morgenjournal“ (6155 kHz, 7.00 Uhr, Montag bis Samstag), täglich auch das „Ö1 Mittagsjournal“ (13730 kHz, 12.00 Uhr, Montag bis Samstag) und das „Ö1 Abendjournal“ (5940 kHz, 18.00 Uhr, Montag bis Freitag und Sonntag) via Kurzwelle an.
https://www.leadersnet.at/news/56617,weitere-orf-radio-journale-werden-via-kurzwelle-ausgestrahlt.html
RUSSLAND – UKRAINE – B24 – Newsticker (aktuell)
https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/Russland-Ukraine-Krieg-im-News-Ticker,SyBZtyZ
RUSSLAND – UKRAINE – n-tv Liveticker zum 4.3.2022 (aktuell)
https://www.n-tv.de/politik/05-46-Ukraine-bittet-Bund-um-Panzer-und-U-Boote–article23143824.html
html RUSSLAND – UKRAINE – n-tv Liveticker zum 3.3.2022 (abgeschlossen)
https://www.n-tv.de/politik/21-46-JP-Morgan-Russische-Wirtschaft-wird-um-mehr-als-ein-Drittel-schrumpfen–article23171892.html
RUSSLAND – UKRAINE – GESAMT-ROUNDUP: Sorge um ukrainisches AKW nach Gefechten – Nacht im Überblick – Selenskyj wirft Russland Beschuss von Reaktorblöcken vor – Ukrainische Botschaft bittet um deutsche Kampfpanzer und U-Boote – Militärische Hotline zwischen Moskau und Washington – Scholz fordert von Schröder Aufgabe von Russland-Posten – Russlands Kreditrating sinkt weiter – Flugticket-Giganten streichen Aeroflot aus Buchungssystemen – Das wird am Freitag wichtig – 4.3.2022, 6:47
RUSSLAND – UKRAINE – Der 8. Kriegstag im Überblick Russland nimmt Großstädte ins Visier – Macron erwartet Schlimmes – Russland nimmt Großstädte ins Visier – Macron spricht mit Putin – Ukraine und Russland verhandeln erneut – Immer mehr suchen Zuflucht – 3.3.2022, 21:32
RUSSLAND – UKRAINE – HINTERGRUND – Sonnenblumenöl, Weizen und Mais Ukraine – Agrar-Gigant mit Rohstoff-Schätzen – 2020 war die Ukraine eines der wichtigsten Weizenexportländer der Welt. – NACHTRAG: 25.2.2022
RUSSLAND – UKRAINE – HINTERGRUND – Belarus, Nordkorea und Co. Wer hält zu Russland – und warum? – 3.3.2022, 19:19
RUSSLAND – UKRAINE – INTERNATIONAL/UN – UN-Vollversammlung fordert von Russland Abzug aus Ukraine – 3.3.2022, 9:31
RUSSLAND – UKRAINE – INTERNATIONAL – IEA legt Zehn-Punkte-Plan für mehr Unabhängigkeit von russischen Gasimporten vor – 3.3.2022, 19:34
RUSSLAND – UKRAINE – INTERNATIONAL – IfW: Russland hat in Handelskrieg deutlich mehr zu verlieren – 3.3.2022, 9:07
RUSSLAND – UKRAINE – USA – Moody’s und Fitch senken Russland auf Ramschniveau – 3.3.2022, 9:31
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RUSSLAND – UKRAINE – ZENTRALBANKEN – USA – Fed/Powell befürchtet wegen Ukraine-Krieg höhere Inflation – 3.3.2022, 19:34
RUSSLAND – UKRAINE – ZENTRALBANKEN – USA – Rabobank: Ukraine-Krieg bringt Fed nicht vom Kurs ab – 3.3.2022, 9:31
RUSSLAND – UKRAINE – USA – USA: 90 Prozent der zuvor versammelten russischen Truppen in Ukraine – 3.3.2022, 18:29
RUSSLAND – UKRAINE – CHINA – Peking übt den Balanceakt: Der Ukraine-Krieg birgt für China viele Gefahren – Chinas Präsident Xi Jinping versucht, sein Land aus diesem Konflikt herauszuhalten. Doch die wirtschaftlichen Auswirkungen sind bereits spürbar – 3.3.2022, 16:40
RUSSLAND – UKRAINE – CHINA – Keine Verlegung der Invasion China dementiert Kriegs-Bitte an Russland – New-Times-Artikel sorgt für Wirbel – 3.3.2022, 13:50
RUSSLAND – UKRAINE – FRANKREICH – Telefonat mit Putin ergebnislos Macron: „Das Schlimmste steht noch bevor“ – Macron habe Putin klargemacht, dass dieser sich selbst belüge, heißt es vom Elysée-Palast – 3.3.2022, 16:34
RUSSLAND – UKRAINE – RUSSLAND – Lawrow wirft Westen Gedankenspiele über Atomkrieg vor – 3.3.2022, 19:34
RUSSLAND – UKRAINE – RUSSLAND – Fast 7.000 russische Wissenschafter wenden sich gegen Putins Krieg – 3.3.2022
RUSSLAND – UKRAINE – UKRAINE – Selenskyj verspricht vollständigen Wiederaufbau der Ukraine – 3.3.2022, 14:01
RUSSLAND – UKRAINE – UKRAINE – Ukrainische Behörden bestätigen Einnahme von Cherson durch russische Truppen – 3.3.2022, 9:31
RUSSLAND – UKRAINE – GEORGIEN – Georgien reicht Antrag für EU-Mitgliedschaft ein – 3.3.2022, 19:34
RUSSLAND – UKRAINE – MOLDAWISCHE REPULBIK – Moldau beantragt EU-Mitgliedschaft – 3.3.2022, 19:34
RUSSLAND – UKRAINE – EUROPÄISCHE UNION – Wille zur Flüchtlingsaufnahme: EU bereitet sich auf Millionen von Ukraine-Flüchtlingen vor – 3.3.2022, 14:01
RUSSLAND – UKRAINE – POLEN – Polen will Verteidigungsausgaben auf drei Prozent erhöhen – 3.3.2022, 19:34
RUSSLAND – UKRAINE – SLOWAKISCHE REPUBLIK – Atomkraftwerke russischen Bautyps hungern nach Brennmaterial: Slowakei hat Nuklearmaterial aus Russland einfliegen lassen – 3.3.2022
RUSSLAND – UKRAINE – DEUTSCHLAND – Generalinspekteur: Bundeswehr prüft weitere Rüstungslieferungen an die Ukraine – 3.3.2022, 9:31
RUSSLAND – UKRAINE – DEUTSCHLAND – Deutschland liefert 2.700 Flugabwehrraketen aus NVA-Beständen an die Ukraine – 3.3.2022, 9:31
RUSSLAND – UKRAINE – DEUTSCHLAND – Habeck: Konsequenzen der Sanktionen für Wirtschaft deutlich absehbar – Unternehmen tragen Sanktionen trotz Belastung mit – 3.3.2022, 16:28
SIEHE UNTER „DEUTSCHLAND“
RUSSLAND – UKRAINE – ÖSTERREICH – Gebühren für Ukrainer an österreichischen Unis entfallen – 3.3.2022
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CHINA – Markit: Stimmmung in Chinas Servicesektor im Februar verschlechtert – 3.3.2022
TÜRKEI – Inflation in der Türkei überspringt Marke von 50 Prozent – 3.3.2022
GROSSBRITANNIEN – Großbritannien: Unternehmensstimmung hellt sich auf – 3.3.2022
EUROZONE – Barclays erwartet Euroraum-Inflation 2022 bei 5,6 Prozent – 3.3.2022
EUROZONE – Eurozone-Erzeugerpreise übertreffen Prognosen im Januar: +30,6 Prozent im Jahresvergleich (Vormonat: 5,2) – Energiepreise treiben – Preisanstieg für die gesamte EU im Januar bei 30,3 Prozent im Jahresvergleich (Vormonat: 4,9) – Kunden werden Kosten tragen – 3.3.2022
EUROZONE – Markit: Eurozone-Wirtschaft gewinnt im Februar an Dynamik – 3.3.2022
EUROZONE – Eurozone-Arbeitslosenquote fällt im Januar auf 6,8 Prozent – 3.3.2022
DEUTSCHLAND – DIHK: Komplettausfall russischen Gases hätte große Konsequenzen – 3.3.2022
DEUTSCHLAND – DIHK: Unternehmen beklagen im Zuge des russischen Angriffs zunehmende Handelshemmnisse bei Auslandsgeschäften – Allseits erwartetes kräftiges Aufholwachstum nach Corona-Tief 2020 wird ausbleiben – 3.3.2022
DEUTSCHLAND – Habeck: Konsequenzen der Sanktionen für Wirtschaft deutlich absehbar – Unternehmen tragen Sanktionen trotz Belastung mit – 3.3.2022
DEUTSCHLAND – Deutscher Exportüberschuss sinkt 2021 zum fünften Mal in Folge – 3.3.2022
DEUTSCHLAND – VDMA: Maschinen- und Anlagenbau schafft guten Start ins Jahr – 3.3.2022
DEUTSCHLAND – Deutsche Fahrzeugzulassungen steigen im Februar um 3,2 Prozent – 3.3.2022
DEUTSCHLAND – Markit: Deutsche Dienstleister im Februar besser in Schwung – 3.3.2022
ÖSTERREICH – STATISTIK – Inflation im Februar 2022 laut Schnellschätzung voraussichtlich bei 5,9% – NACHTRAG: 2.3.2022
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Zur freundlichen Erinnerung:
- KURZWELLENEMPFANG
- Weitere ORF-Radio-Journale werden via Kurzwelle ausgestrahlt – 1.3.2022
- Ab sofort bietet der ORF zusätzlich zum „Ö1 Morgenjournal“ (6155 kHz, 7.00 Uhr, Montag bis Samstag), täglich auch das „Ö1 Mittagsjournal“ (13730 kHz, 12.00 Uhr, Montag bis Samstag) und das „Ö1 Abendjournal“ (5940 kHz, 18.00 Uhr, Montag bis Freitag und Sonntag) via Kurzwelle an.
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CORONA – VAKZINOLOGIE – Impfung reduziert Risiko für Long COVID – 3.3.2022
Oxford – Bei Geimpften ist die Wahrscheinlichkeit Long-COVID-Symptome nach einer SARS-CoV-2-Infektion zu entwickeln um etwa 40 % geringer. Eine COVID-19-Impfung reduziert SARS-CoV-2-Infektionsraten und damit auch die Inzidenz von Long COVID. Die bisherige Evidenzlage ist nicht eindeutig, ob eine Impfung auch das Risiko für die Entwicklung von Long-COVID-Symptomen nach einer Infektion mindert.
Inwiefern COVID-19-Impfungen das Risiko für Long COVID verringern, untersuchten nun britische Wissenschaftler bei zuvor geimpften Patienten (doppelt geimpft) 12 Wochen nach einer Infektion (medRxiv 2022; DOI: 10.1101/2022.02.23.22271388 [Titel anhand dieser DOI in Citavi-Projekt übernehmen] ). 74,0% erhielten den Vektorimpfstoff von Oxford/Astrazeneca und jeweils 25,5% und 0,5% Pfizer/Biontech- bzw. Moderna-Impfstoffe.
Die geimpften Teilnehmer (n=3090, mittleres Alter: 49 Jahre, 54% weiblich, 92% weiß, medianes Follow-up nach Infektion 96 Tage) und 1:1 gematchte, ungeimpfte Kontrollpersonen wurden im Zeitraum von April 2020 und November 2021 per PCR- oder Antigenschnelltest positiv auf SARS-CoV-2 getestet.
Fast alle geimpften Teilnehmer (98,9%) infizierten sich ab Mai 2021, wo die Delta-Variante in Großbritannien dominierte, wohingegen fast alle ungeimpften Teilnehmer (99,7%) sich vor diesem Zeitpunkt ansteckten. So dass Unterschiede zwischen den beiden Expositionsgruppen in der Wahrscheinlichkeit Long-COVID-Symptome zu entwickeln, möglicherweise auch durch die Eigenschaften von anderen dominanten COVID-19-Varianten beeinflusst wurden, geben die Studienautoren zu bedenken.
Long-COVID-Symptome wurden mit einer Prävalenz von 9,5% von geimpften Teilnehmern im Vergleich zu 14,6% von ungeimpften Teilnehmern berichtet (adjusted odd ratio 0,59 (95% CI: 0,50 bis 0,69)). Es gab keine Hinweise auf Unterschiede nach doppelter Impfung mit Vektorimpfstoffen oder mRNA-Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 (p=0,25), heben die Studienautoren hervor.
Eine vollständige Impfung mit 2 Dosen mindestens 2 Wochen vor einer SARS-CoV-2-Infektion war mit einer 41%-igen Verringerung der Wahrscheinlichkeit für die Ausprägung von Long-COVID-Symptomen verbunden, als im Vergleich zu ungeimpften.
Eine Impfung gegen COVID-19 ist mit geringeren Risiken für Long-COVID-Symptome assoziiert, schlussfolgern die Wissenschaftler. Daher sollten Impfkampagnen auch dieses Thema aufgreifen, um ggf. die Impfbereitschaft in der Bevölkerung zu erhöhen. Es sind jedoch weitere Analysen mit längerer Nachbeobachtungszeit von Nöten, genauso wie die Bewertung von Boosterimpfungen und SARS-CoV-2-Varianten wie Omicron. © cw/aerzteblatt.de
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/132248/Impfung-reduziert-Risiko-fuer-Long-COVID
CORONA – VAKZINOLOGIE – COVID-19: Einmalgabe von Janssen bietet geringeren Schutz vor Hospitalisierungen – 3.3.2022
Paris – Die zugelassene Einzeldosis des Janssen-Impfstoffs Ad26.COV2.S bietet einen deutlich geringeren Schutz vor einer Hospitalisierung als die 2-fache Impfung mit einem mRNA-Impfstoff. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der französischen Arzneimittelbehörde ANSM in JAMA Network Open (2022; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2022.0868).
Der Impfstoff Ad26.COV2.S, der von Johnson & Johnson angeboten wird, hatte in der Zulassungsstudie noch eine recht gute Schutzwirkung von 85,4 % gegen schwere und lebensgefährliche Erkrankungen erzielt, die zu einen wichtigen Argument für den Einsatz wurden. Die Situation scheint sich jedoch bereits in der Delta-Welle geändert zu haben, wie die jetzt von Jérémie Botton und Mitarbeitern der „Agence nationale de sécurité du médicament et des produits de santé“ (ANSM) vorgestellten Ergebnisse zeigen.
Die Epidemiologen haben 2 Gruppen von jeweils 689.275 Erwachsenen im Alter von über 55 Jahren (Durchschnitt 65,8 Jahre) gegenübergestellt, die sich in Alter und Geschlecht, Wohnort und Deprivation und den wichtigsten Begleiterkrankungen glichen. Eine Gruppe hatte die Einmalimpfung mit Ad26.COV2.S erhalten, die andere Gruppe war mit beiden Dosen von BNT162b2 von Biontech/Pfizer geimpft worden.
Die Impfungen waren im April bis Juli 2021 erfolgt. Bis Ende August wurden 129 mit Ad26.COV2.S geimpfte Personen wegen COVID-19 in ein Krankenhaus eingewiesen. In der BNT162b2-Gruppe kam es nur zu 23 Hospitalisierungen. Die ANSM-Epidemiologen ermitteln eine adjustierte Hazard Ratio von 5,16, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 3,39 bis 7,85 hoch signifikant war. Mit Ad26.COV2.S geimpfte Personen wurden demnach mehr als 5 Mal häufiger im Krankenhaus behandelt.
Nach den Berechnungen der Forscher beträgt die Schutzwirkung von Ad26.COV2.S vor einer Hospitalisierung nur 59 % (33-75 %) gegenüber 92 % (90-94 %) bei BNT162b2. Die Ergebnisse unterstreichen damit Empfehlungen der Arzneimittelbehörden, dass Personen, die mit Ad26.COV2.S geimpft wurden, ihren Impfschutz mit einem mRNA-Impfstoff auffrischen sollten. © rme/aerzteblatt.de
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/132247/COVID-19-Einmalgabe-von-Janssen-bietet-geringeren-Schutz-vor-Hospitalisierungen
CORONA – INTERNATIONAL – Oxfam geht von viermal mehr COVID-Toten in armen Ländern aus – 3.3.2022
Berlin – Nach Berechnungen der Entwicklungshilfeorganisation Oxfam sind weltweit bislang 19,6 Millionen Menschen an COVID-19 gestorben. Das sind dreimal mehr Tote als in offiziellen Statistiken ausgewiesen, teilte Oxfam heute in Berlin mit. Auf jeden COVID-19-Toten in einem reichen Land kommen demnach vier in einkommensschwachen Ländern.
Die Organisation veröffentlichte dazu die Studie „Pandemic of Greed“. Die Berechnungen seien auf Grundlage von Modellvergleichen anhand der Übersterblichkeit erfolgt.
Vor allem in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sei die Zahl der COVID-19-Toten deutlich höher als offiziell registriert. Ursache dafür sind nach Ansicht von Oxfam mangelhafte Test- und Erhebungsmöglichkeiten.
Allein seit dem Auftreten der Omikron-Variante seien über drei Millionen Menschen an COVID-19 gestorben. „Während Omikron bei Vielen zu milderen Verläufen führt, reißt seine höhere Übertragbarkeit tödliche Schneisen in zahlreiche Länder, vor allem unter Ungeimpften“, sagte der US-amerikanische Epidemiologe, Gregg Gonsalves.
Einige wissenschaftliche Schätzungen gingen davon aus, dass bis Ende März 2022 über die Hälfte der Menschheit eine COVID-19-Infektion durchgemacht haben wird, hieß es weiter. Zwar würden die meisten Betroffenen einen milden Verlauf erleben, doch die hohe Zahl an Infektionen bedeute, dass es weiterhin viele Tote geben werde.
Oxfam forderte deshalb eine Aussetzung des Patentschutzes für COVID-19-Impfstoffe. Gerade in einkommensschwachen Ländern seien die hohen Todeszahlen vermeidbar, gäbe es mehr Impfstoff zu erschwinglichen Preisen, sagte die Oxfam-Expertin für Gesundheitspolitik, Anna Marriott: „Doch dafür müssten Deutschland und die EU der Aussetzung der Impfstoffpatente zustimmen.“
Wie die Studie „Pandemic of Greed“ weiter ergab, verlieren jede Minute vier Kinder ein Elternteil durch COVID-19. Allein in Indien seien mehr bereits als zwei Millionen Kinder verwaist. In der Pandemie haben demnach 137 Millionen Menschen ihre Stelle verloren, für Frauen sei die Wahrscheinlichkeit des Jobverlustes 1,4-mal höher als für Männer. Weltweit seien 160 Millionen Menschen in Armut abgerutscht. Zugleich seien 40 Geschäftsleute mit Profiten durch Impfstoffe und andere Schutzmittel gegen COVID-19 zu Milliardären geworden. © kna/aerzteblatt.de
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/132228/Oxfam-geht-von-viermal-mehr-COVID-Toten-in-armen-Laendern-aus
CORONA – INTERNATIONAL – Westaustralien öffnet nach 700 Tagen seine Grenzen – Polio-Fall in Malawi: Impf-Kampagne für 2,9 Millionen Kinder – Estlands Staatspräsident positiv auf Corona getestet – Castex: In Frankreich endet am 14. März die Maskenpflicht – 3.3.2022
Berlin – In vielen Ländern der Welt spielt das Coronavirus SARS-CoV-2 eine Rolle. Die Coronalage in der Welt im Überblick. Heute: Die Lage in Australien, Malawi, Estland und Frankreich.
*** Auch Westaustralien öffnet nach 700 Tagen seine Grenzen
Sydney – Als letzter Bundesstaat in Down Under hat Westaustralien nach zwei Jahren coronabedingter Schließung seine Grenzen wieder für einheimische und internationale Besucher geöffnet.
Vollständig Geimpfte dürfen seit heute erstmals seit fast 700 Tagen wieder quarantänefrei in die Region mit der Metropole Perth einreisen. Internationale Flüge wurden bis morgen unter anderem aus Dubai, Singapur und Auckland erwartet. Australische Medien berichteten von emotionalen Szenen und Freudentränen, nachdem das erste Flugzeug um kurz nach Mitternacht (Ortszeit) aus Sydney kommend auf dem Airport von Perth landete.
Reisende müssten sich allerdings vor der Einreise für einen so genannten G2G-Pass (Good to Go) registrieren und innerhalb von zwölf Stunden nach der Ankunft einen Antigen-Test machen, teilte die Regionalregierung mit.
Die anderen Bundesstaaten und Territorien hatten bereits vor zehn Tagen ihre Grenzen wieder für zweifach geimpfte Touristen geöffnet.
Seit Dezember durften schon wieder Fachkräfte, internationale Studentinnen und Studenten sowie andere berechtigte Visumsinhaber einreisen. Australien hatte nach Beginn der Pandemie extrem strenge Regeln eingeführt, speziell was den Reiseverkehr betrifft.
*** Nach Poliofall in Malawi: Impf-Kampagne für 2,9 Millionen Kinder
Johannesburg – Als Reaktion auf den ersten entdeckten Wildpoliofall in Afrika seit mehreren Jahren ist in Malawi eine großangelegte Impfkampagne für 2,9 Millionen Kinder geplant. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef kündigte heute die Beschaffung von 6,9 Millionen Impfdosen an und will zudem für Transport und Lagerung die bestehende logistische Infrastruktur in dem Binnenstaat aufwerten.
So ist allein die Anschaffung von 223 neuen Kühlschränken für die Impfstoffe geplant. „Das Wiederauftauchen von Wildpolio in Malawi – mehrere Jahrzehnte, nachdem es zuletzt entdeckt wurde – ist Anlass für große Sorge“, sagte der zuständige Unicef-Landesvertreter Rudolf Schwenk.
Die Impfkampagne, bei der Kindern unter fünf Jahren je vier Dosen verabreicht werden, gilt als herausfordernd, da Malawi parallel dazu auch noch mit den Folgen der Coronapandemie kämpft. Entdeckt worden waren die Wildpolioviren vom Typ 1 vergangenen Monat bei einem Kind in der Hauptstadt Lilongwe. Es handelte sich dabei um den ersten Wildpolioausbruch auf dem Kontinent seit 2016. Laboruntersuchungen hätten ergeben, dass das Virus offenbar aus der pakistanischen Sindh-Provinz eingeschleppt wurde – es gleicht dem dortigen Typ.
Malawi hatte 1992 seinen letzten Poliofall verkündet und galt seit dem Jahr 2005 als komplett poliofrei. Der Kontinent hatte das offizielle WHO-Statut als poliofreier Kontinent im August 2020 erhalten, nachdem mindestens vier Jahre lang kein derartiger Fall mehr auf dem Kontinent festgestellt wurde. Polio – oder auch Kinderlähmung – ist eine ansteckende Infektionskrankheit und kann Lähmungen auslösen und zum Tod führen. Vor allem bei Kleinkindern kann es dauerhafte Lähmungen hervorrufen.
Verbreitet wird das hoch ansteckende Virus oft über verunreinigtes Wasser. Eine Heilung für Polio gibt es bisher nicht. Bis auf Afghanistan und Pakistan haben alle Länder der Welt bisher die Wildpolioviren besiegt.
*** Estlands Staatspräsident positiv auf Corona getestet
Tallinn – Estlands Staatspräsident Alar Karis ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Nach Angaben der Präsidialkanzlei in Tallinn fiel ein PCR-Test heute positiv aus. „Ich habe leichte erkältungsähnliche Symptome, fühle mich aber insgesamt gut“, schrieb der nach eigenen Angaben dreimal gegen Corona geimpfte Karis auf Twitter. „Ich werde mich bis zur Genesung selbst isolieren und meine Arbeit virtuell mit e-Estonia-Lösungen fortsetzen“.
Estland, das sich selbst gerne „E-Estonia“ nennt, gilt in Europa als Pionier und Vorreiter der Digitalisierung. Die rund 1,3 Millionen Bürger des Ostseestaats können im Alltag fast alles über das Internet erledigen.
*** Castex: In Frankreich endet am 14. März die Maskenpflicht
Paris – In Frankreich endet am 14. Januar die Maskenpflicht. Auch der Impfpass brauche dann an vielen Orten vorerst nicht mehr vorgelegt zu werden, kündigte Premierminister Jean Castex heute an. In Bussen, Bahnen, Krankenhäusern und Altenheimen müssten aber weiter Coronaschutzmasken getragen werden, betonte Castex. In Frankreich sind die Zahlen in den vergangenen Wochen ebenso rasant zurückgegangen wie sie zuvor angestiegen waren.
Derzeit liegt die Inzidenzrate in Frankreich bei 585 Fällen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche. Es befinden sich noch etwa 2.300 COVID-Patienten auf der Intensivstation. © dpa/afp/aerzteblatt.de
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/132238/Westaustralien-oeffnet-nach-700-Tagen-seine-Grenzen-Polio-Fall-in-Malawi-Impf-Kampagne-fuer-2-9-Millionen-Kinder
CORONA – FRANKREICH – Frankreich: Bald fast keine Corona-Zutrittsbeschränkungen mehr – 3.3.2022
PARIS (dpa-AFX) – Menschen in Frankreich kommen demnächst wieder ohne Nachweis über Corona-Impfung, Genesung oder negativen Test in Restaurants, Fernzüge, Kinos und Museen. Ab dem 14. März werde die derzeitige Pflicht zum Vorzeigen des „Pass Vaccinal“ („Impfpass“) ausgesetzt, sagte Premierminister Jean Castex am Donnerstag im Sender TF1. Der „Pass vaccinal“ liefert den Nachweis über Impfschutz oder Genesenenstatus.
Nur für den Zutritt zu Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern und Altersheimen soll eine Art 3G-Regelung bestehen bleiben: also die Pflicht, geimpft, genesen oder negativ getestet zu sein („Pass sanitaire“).
Angesichts sinkender Corona-Zahlen soll – ebenfalls am 14. März – auch die Maskenpflicht in Innenräumen in Frankreich fallen, wie Castex ankündigte. Einzige Ausnahme soll der öffentliche Verkehr sein./vio/DP/eas
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55403347-frankreich-bald-fast-keine-corona-zutrittsbeschraenkungen-mehr-016.htm
CORONA – DEUTSCHLAND – Erste Ergebnisse zu Spätfolgen bei Kindern mit COVID-19 aus Deutschland – 3.3.2022
Regensburg/Erlangen/Jena – Die Datenlage zu Long COVID oder dem Post-COVID-Syndrom bei Kindern und Jugendlichen ist dünn – vor allem für Kinder, die jünger als 11 Jahre alt sind. Die Prävalenzen in Studien variieren von weniger als 1 % bis zu mehr als 10 %. In einem Editorial forderte die Fachzeitschrift Nature daher im Februar, dass dringend mehr Kinder in Studien zu Long COVID eingeschlossen werden müssten.
In Deutschland laufen mehrere Studien mit Kindern und/oder Jugendlichen: Am 1. April 2022 starten das Universitätsklinikum Jena, die Technische Universität Ilmenau und die Universität Magdeburg mit LongCOCid. Die Krankheitslast nach einer SARS-CoV-2-Infektion soll per Fragebogen bei etwa 500 Kindern und Jugendlichen mit einer ebenso großen Kontrollgruppe verglichen werden, die an einer anderen Infektion erkrankt waren.
Die Kontrollpatienten müssen beim selben Kinderarzt gewesen sein, zur gleichen Zeit sowie eine vergleichbare Geschlechts- und Altersverteilung aufweisen, erläuterte der Projektkoordinator Daniel Vilser von der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Jena.
Ziel ist eine Behandlung für diese Altersgruppe sowie deren Rehabilitation zu etablieren. Bei etwa 150 Kindern mit bestätigtem Long COVID werden die Ergebnisse bildgebender und funktioneller Organuntersuchungen ausgewertet, beispielsweise Ultraschalluntersuchungen von Herz und Lunge.
Im Blut selbst werden zudem immunologische Marker und Stoffwechselprodukte erfasst, die auf Entzündungsprozesse oder neuronale Schäden hinweisen könnten. Über diese immunologischen Veränderungen wollen die Forschenden zum Beispiel herausfinden, ob Kinder und Jugendliche mit Long COVID besonders gefährdet sind, Autoimmunerkrankungen oder Allergien zu entwickeln.
„Wir gehen davon aus, dass durch die Verknüpfung unserer Daten mit allen Daten des Konsortiums Biomarker identifiziert werden können, die zur Diagnose von Long COVID und zur Vorhersage des langfristigen Krankheitsverlaufs beitragen“, erläutert Monika Brunner-Weinzierl, Leiterin der Experimentellen Pädiatrie der Universitätsmedizin Magdeburg und verantwortlich für ein Teilprojekt des Vorhabens.
Ergebnisse aus Bayern: Kinder hatten deutlich höhere Antikörperantworten
Auch an mehreren Standorten in Bayern beschäftigen sich Forschende mit den Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion bei Kindern und Jugendlichen. Im Frühsommer 2020 startete das Projekt CoKiBa. Erste Ergebnisse hat das Team um Michael Kabesch von der Kinderuniversitätsklinik Ostbayern (KUNO) an der Klinik St. Hedwig des Krankenhauses der Barmherzige Brüder Regensburg im Oktober 2021 in Frontiers in Pediatrics publiziert.
„Langfristig reagieren Kinder immunologisch anders auf COVID-19 als Erwachsene“, erklärt Kabesch, das Resultat der Auswertung von 2.832 Kindern im Alter von 0 bis 17 Jahren. Bei 162 Kindern konnten SARS -CoV-2-Antikörper identifiziert werden. Es zeigte sich, dass die Antikörperantworten dieser Kinder überproportional hoch waren. 2 von 3 Kindern (n = 97) waren in den obersten 3 % der Testergebnisse aller Antikörpertests zu finden – sowohl für Antikörper gegen das N-Protein, als auch gegen das S-Protein.
Auf ihrer Projekt-Webseite wird die Schlussfolgerung formuliert: Was bei der akuten Infektionsbewältigung bei Kindern von Vorteil zu sein scheint, könnte nach Wochen und Monaten zum Pädiatrischem Multiorgan Immunsyndrom (PMIS) beziehungsweise Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS) und zu anderen Spätschäden beitragen.
„Derzeit arbeiten wir an der Auswertung der Nachuntersuchungen nach einem Jahr bei knapp 100 Kindern mit COVID-19“, berichtete Kabesch dem DÄ. Eine erste Veröffentlichung von Teilergebnissen unter der Leitung von Lorenz Thurner vom Universitätsklinikum des Saarlandes soll schon bald publiziert werden.
n einer weiteren geplanten Publikation zu follow CoKiBa gehe es um die Immunologie bei Kindern nach COVID-19 und auch um Long- beziehungsweise Post-COVID-Symptome, verrät Kabesch. Zudem läuft ein Modellprojekt des Bayerischen Gesundheitsministeriums, das im Herbst 2021 angelaufen ist: die Post COVID Kids Bavaria Studie. Sie untersucht bayernweit Kinder mit Long und Post COVID, um Therapieoptionen und Diagnostik mit Versorgungsforschung zu evaluieren.
Preprint: Verlust des funktionellen Lungenparenchyms bei COVID-19 und Long-COVID
Die 1. Phase einer weiteren Studie zu Long COVID bei Kindern haben Forschende der Kinder- und Jugendklinik am Universitätsklinikum Erlangen bereits abgeschlossen und Ende Februar vorläufige Ergebnisse in einem Preprint bei Medrxiv publiziert (2022; DOI: 10.1101/2022.02.21.22270909).
Das Autorenteam um den Leiter der Arbeitsgruppe Pädiatrische Experimentelle und Translationale Bildgebung, Ferdinand Knieling, hatte mehr als 50 Kinder (5 bis 18 Jahre jung) nach einer PCR-bestätigten SARS-CoV-2-Infektion mittels funktioneller Niederfeld-Magnetresonanztomografie (MRT) untersucht.
Bei der Hälfte der Kinder waren die Kriterien für Long COVID erfüllt. Die Kontrollgruppe war mit 9 (von ursprünglich 17) gesunden Kindern klein, was die Autoren auch als Einschränkung im Preprint erwähnen. Weitere Einschränkungen seien das Fehlen von Längsschnittdaten sowie ein möglicher Selektionsbias, da die meisten Familien mit akut oder postakut symptomatischen Kindern teilnahmen und somit eine höhere Krankheitslast vorgelegen haben könnte.
Das vorläufige noch nicht im Peer Review überprüfte Ergebnis: Nach einer SARS-CoV-2-Infektion könnten bei Kindern und Jugendlichen ohne schwere COVID-19-Pneumonie auch noch 3 bis 11 Monate nach der Erkrankung pulmonale Veränderungen auftreten.
Bei einer Long-COVID-Symptomatik war der Verlust des funktionellen Lungenparenchyms nur leicht ausgeprägter als bei genesenen Kindern, aber in beiden Fällen deutlich ausgeprägter als bei gesunden Kindern. Auch Ventilations- und Perfusionsdefekte wurden sichtbar, jedoch nicht immer signifikant. Ein Vergleich mit dem Verlust von funktionellem Lungenparenchym etwa bei Asthma oder Mukoviszidose Patienten wäre als Einordnung hilfreich gewesen.
Interessant sind die Daten aus Erlangen auch für den Kinderkardiologen Vilser und sein LongCOCid-Team. Was ihm noch fehlt, ist eine Zuordnung zu Symptomen: Hatten Patienten mit Dyspnoe besonders auffällige Befunde?
Des Weiteren merkte Vilser an, dass klinische Angaben sowie eine Echokardiografie und ein Lungenfunktionstest gut gewesen wären. „Auch eine Aussage zur Belastbarkeit oder Fatigue und einer eventuellen Korrelation klinischer Symptome zu den gefundenen Veränderungen fehlt mir, da wir nach Möglichkeiten suchen genau diese häufig diffusen Beschwerden mit objektiven Methoden zu quantifizieren“, so Vilser. Auch wenn der Preprint derzeit nur eine Orientierung gebe und sich noch im Review Verfahren befinde, sehen die ersten Ergebnisse laut Vilser dennoch vielversprechend aus.
*** Art und Häufigkeit von Spätfolgen bei Kindern und Jugendlichen unklar
Im Vergleich zu Erwachsenen deuten Studien darauf hin, dass COVID-19 bei Kindern und Jugendlichen milder verläuft und innerhalb weniger Wochen ausheilt. Das zeigt eine Studie in Lancet Child Adolescent Health 2021 bei 151 Kindern im Alter von 1 bis 8 Jahren, die 3-6 Monate nach Infektion untersucht wurden.
Gleichzeitig wächst die Zahl der Belege für postakute Folgeerscheinungen und Symptome in diesen Altersgruppen: In JAMA 2021 wurden dazu 1.355 Kinder im Alter von 9-13 Jahren 6 Monate nach Infektion untersucht; in Acta Paediatric 2021 wurden 129 Kinder im Alter von 6-15 Jahren 6 Monate nach Infektion untersucht. Dabei würden zwar die Multiorganschäden nach einer COVID-19-Infektion immer besser verstanden (Nature Medicine 2021) – Art, Häufigkeit und Definition von Spätfolgen bei Kindern und Jugendlichen seien aber nach wie vor unklar, schreiben die Autoren um Knieling in ihrer Einleitung.
Die Forschenden aus Erlangen weisen zudem auf Studien zu Krankheitsmanifestationen hin. Bedenken würden beispielsweise aufgrund einer erhöhten Thrombosegefahr, Mikroangiopathien und Entzündungen bestehen (Journal of Thrombosis and Haemostasis 2021, Lancet Child Adolesc Health 2021).
** Prävalenz von Long COVID variiert stark
Versucht man stichhaltige Daten zur Prävalenz zu finden, stößt man auf eine breite Palette an Ergebnissen. In größeren Studien wurde die Prävalenz von Long COVID bei Kindern und Jugendlichen mit 2 bis 13 % angegeben (Preprint Europe PMC 2021: Alter 11-17 Jahre; Review in The Pediatric Infectious Disease Journal 2021).
In einer dänischen Kohortenstudie aus diesem Jahr mit 15.041 SARS-CoV-2 positiven Kindern und 15.080 Kindern ohne vorherige Infektion berichteten im Alter von 0 bis 17 Jahren 28 % der infizierten Kinder von Symptomen, die länger als 4 Wochen andauerten – dagegen 27,2 % der nicht infizierten (28% versus 27,2%; p = 0,020, Differenz: 0,8%).
Die Autoren vermuten, dass 0,8 % eine zuverlässigere Schätzung der tatsächlichen Long-COVID-Prävalenz sein könnte. Je nach Alter verschwanden die Symptome bei mindestens 54 bis 75 % der Kinder innerhalb von 1 bis 5 Monaten.
Die häufigsten Long-COVID-Symptome waren Fatigue, Geruchs- und Geschmacksverlust, Schwindel, Muskelschwäche, Brustschmerzen und Atemprobleme. In den meisten Fällen waren die Symptome nach ein bis fünf Monaten wieder abgeklungen.
Die Belastung der Familien und Patienten existiert aber real, auch bei Kindern, auch wenn es oft sehr schwierig ist, das Krankheitsbild einzuordnen und abzugrenzen. Michael Kabesch, Kinderuniversitätsklinik Ostbayern (KUNO) an der Klinik St. Hedwig des Krankenhauses der Barmherzige Brüder Regensburg
„Insgesamt wissen wir noch sehr wenig über Long- beziehungsweise Post COVID bei Kindern“, sagt auch der Kinderarzt, Kinderpneumologe und Allergologe Kabesch. Die Häufigkeit sei nicht einzuschätzen, weil systematische Studien fehlen würden. „Die Belastung der Familien und Patienten existiert aber real, auch bei Kindern, auch wenn es oft sehr schwierig ist, das Krankheitsbild einzuordnen und abzugrenzen“, betont Kabesch. Statt zu sagen „das gibt es gar nicht oder es sei nicht schlimm“ appelliert er für mehr Forschung.
** Fachzeitschrift fordert mehr Forschung
Ähnlich klingt es bei Nature. In einem Editorial forderte die Fachzeitschrift kürzlich: Es müssten dringend mehr Kinder in Studien zu Long COVID eingeschlossen werden.
Dünn sei die Studienlage vor allem für Kinder, die jünger als 11 Jahre alt seien. Dabei ist genau das die Gruppe, die auch in Deutschland die niedrigste Impfquote aufweist: Etwa jedes 5. Kind zwischen 5 und 11 Jahren hat eine Erstimpfung, 16,7 % sind mit 2 Impfungen grundimmunisiert laut Statista.
Die Zahlen decken sich mit denen des Robert-Koch-Instituts. Gleichzeitig ist die 7-Tage-Inzidenz bei den 4- bis 9-Jährigen (3.379,9) und den 10- bis 14-Jährigen (3.502,11) auch in der Kalenderwoche 6 wieder am höchsten im Vergleich zu anderen Altersgruppen.
Mit die besten Erkenntnisse zu Long COVID bei jüngeren Menschen stammen laut Nature-Editoral aus der Studie Children & Young People with Long Covid (CLoCk), über die auch das Deutsche Ärzteblatt berichtet hat.
Bei etwa der Hälfte der fast 7.000 teilnehmenden 11- bis 17-Jährigen war der PCR-Test auf SARS-CoV-2 positiv; die andere Hälfte war negativ und diente als Kontrollgruppe. Über 3 oder mehr Symptome klagten fast doppelt so viele Jugendliche der testpositiven Gruppe als in der Kontrollgruppe (30,3 % versus 16,2 %).
Die CLoCk-Studie lege nahe, dass allein im Vereinigten Königreich Zehntausende von Kindern und Jugendlichen Long COVID haben könnten, schlussfolgert das Nature Editorial. Dies decke sich mit einer Schätzung des britischen Office for National Statistics, wonach 44.000 2- bis 11-Jährige im Land Long COVID hätten und 73.000 12- bis 16-Jährige. Diese Zahlen würden zeigen, dass eine beträchtliche Anzahl jüngerer Menschen Long COVID entwickeln würde.
Die Fachzeitschrift kommt daher zu dem Schluss, dass das Handeln der Regierungen unverantwortlich sei, die Ausbreitung des Virus in dieser Altersgruppe zuzulassen – insbesondere in Ländern, in denen die Mehrheit der Kinder nicht geimpft sei.
Pädiatrische Fachgesellschaften sehen keinen Anlass zur Sorge bei hohen Infektionszahlen
In einem gemeinsamen Aufruf hatten sich in Deutschland erst kürzlich mehrere pädiatrische Fachgesellschaften und auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) geäußert: Die hohen Infektionszahlen in dieser Altersgruppe seien aus ihrer Sicht kein Anlass zur Sorge, da das Auftreten von schweren Erkrankungsfällen in dieser Altersgruppe weiterhin gering sei. Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder seien zudem durch die etablierten Hygienemaßnahmen ausreichend geschützt, wenn Erkrankte in Eigenverantwortung zu Hause bleiben, wie es auch vor der Pandemie üblich gewesen wäre.
Anlasslose Massentests, insbesondere in Schulen und KiTas, würden dabei jedoch keinen erkennbaren Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten. Das Deutsche Ärzteblatt hat darüber berichtet. © gie/aerzteblatt.de
HINWEIS: EXKURS: Studien untersuchen Long COVID bei Jugendlichen
London und Kopenhagen – Kinder und Jugendliche können nach den Ergebnissen von 2 Fall-Kontrollstudien aus England und Dänemark an Long COVID erkranken, selbst wenn die Infektion mit SARS-CoV-2 bei ihnen asymptomatisch oder mild verlaufen ist. Lancet Child & Adolescent Health (2022; DOI: 10.1016/S2352-4642(22)00004-9und DOI: 10.1016/S2352-4642(22)00022-0 ).
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/132039/Erste-Ergebnisse-zu-Spaetfolgen-bei-Kindern-mit-COVID-19-aus-Deutschland
CORONA – DEUTSCHLAND – Long-COVID-Prävalenz laut vorläufiger Daten aus Süddeutschland bei maximal 30 Prozent – 3.3.2022
Freiburg – Die Prävalenzen zu Long COVID bei Erwachsenen variieren in Studien von etwa 2 % bis hin zu mehr als 60 %. Die Nachbeobachtungszeit der meisten Studien ist jedoch mit bis zu 3 Monaten nach Akuterkrankung relativ kurz.
Die noch nicht publizierte Auswertung der 1. Phase der EPILOC-Studie, die im August 2021 gestartet wurde, deutet nun auf eine Prävalenz von 20 bis 30 % auch jenseits von 6 Monaten nach Akutinfektion hin. Die Ergebnisse sollen in Kürze als Preprint erscheinen. Sie basieren auf einer bevölkerungsbasierten Befragung bei ehemals mit COVID-19 infizierten Erwachsenen in bestimmten Kreisen in Baden-Württemberg. Eine Kontrollgruppe gab es nicht. Es wurden jedoch nur Beschwerden berücksichtigt, die nicht bereits vor der Akutinfektion bestanden.
Mithilfe der zuständigen Gesundheitsämter wurden an die im Zeitraum Oktober 2020 bis März 2021 an Corona erkrankten Menschen im Alter von 18 bis 65 Jahre Fragebögen postalisch verschickt. Darin wurden Angaben zur damaligen SARS-CoV-2-Infektion, zur Entwicklung der Beschwerden und zur aktuellen Gesundheitssituation, Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität abgefragt. Mehr als 12.000 Personen haben an der Erhebung teilgenommen – die Rücklaufquote lag somit bei 25 %.
Eine „rasche körperliche Erschöpfung“ war mit 32 % das am häufigsten genannte Einzelsymptom, berichtete der Projektleiter Winfried Kern vom Universitätsklinikum Freiburg dem Deutschen Ärzteblatt auf Anfrage. Weiter häufig genannte Einzelbeschwerden waren Konzentrationsstörungen, Luftnot, chronische Müdigkeit, Geruchsstörungen und Gedächtnisprobleme.
„Häufig wurden mehrere Symptome im Sinne eines Symptom-Clusters gemeinsam genannt, zum Beispiel Konzentrationsstörungen mit Gedächtnisproblemen oder Verwirrtheit. Speziell dieses Symptom-Cluster und auch Müdigkeit/rasche körperliche Erschöpfung waren deutlich mit reduzierter Arbeitsfähigkeit assoziiert“, erläuterte Kern.
In der im Dezember 2021 gestarteten Phase 2 der EPILOC-Studie ist eine medizinische Nachuntersuchung geplant. Auf Selbstauskünfte per Fragebogen alleine möchte man sich dabei nicht verlassen. Vor allem die Klagen über Erschöpfung und neurokognitive Einschränkungen verlangen weitere Untersuchungen inklusive kardiopulmonaler Funktionstests unter Belastung.
Je nachdem, wie man das Post-COVID-Syndrom im Detail definieren würde (siehe Kasten) ergibt sich aus der EPILOC-Studie eine geschätzte Prävalenz 6 bis 12 Monate nach Akutinfektion in der Größenordnung von 20 bis 30 %. Rund die Hälfte der damals Infizierten hatte zum Zeitpunkt der Studie keinerlei gesundheitliche Probleme mehr, es wurde auch keine reduzierte Arbeitsfähigkeit und kein eingeschränkter allgemeiner Gesundheitszustand angegeben. Bei ihnen ist die Infektion offenbar folgenlos abgeheilt. Von den sonstigen Studienteilnehmenden wurden noch Beschwerden angegeben, die wenig einschränkend sind beziehungsweise wenig spezifisch sein dürften, erläutert der Infektiologe Kern.
Wieviel Zeit seit der Infektion vergangen war (6 bis 12 Monate) beeinflusste die Prävalenz kaum, fasste Kern die vorläufigen Ergebnisse zusammen und weiter: „Hingegen konnten wir beobachten, dass eine schwerere Akutinfektion und auch das weibliche Geschlecht mit höheren Prävalenzen verknüpft war.“
Etwas schwächer und teilweise auch nur für bestimmte Symptomcluster wirkten sich folgende Faktoren auf eine zunehmende Long COVID Prävalenz aus: Ein höheres Risiko hatten unter anderem Raucher, Menschen mit bestimmten Grundkrankheiten, wie etwa seelische Vorerkrankungen oder Übergewicht.
Das Alter hatte einen eher geringen Einfluss. Menschen älter als 65 Jahre wurden jedoch bewusst nicht in die Studie eingeschlossen. Zur Bedeutung der Impfung nach der Akutinfektion auf die Beschwerdehäufigkeit lasse sich noch keine zuverlässige Aussage machen, so Kern.
Tatsächliche Prävalenz könnte niedriger sein
Man könne davon ausgehen, dass die tatsächliche, als direkte Folge der SARS-CoV-2-Infektion zu interpretierende Prävalenz etwas niedriger liege – das zumindest zeigen andere Studien, bei denen eine solche Kontrollgruppe mituntersucht wurde, räumt Kern ein und fügt hinzu: Ideal wäre eine Population von Test-negativen Individuen gleichen Alters aus derselben Region gewesen, die zum selben Zeitpunkt einen SARS-CoV-2-Test durchgeführt hatten.
„Leider war es uns nicht möglich, eine solche Kontrollgruppe zu untersuchen“, sagte er. Bezüglich der Frage nach Risikofaktoren für das Post-COVID-Syndrom sei jedoch die Phase 2 unserer EPILOC-Studie sehr gut geeignet, da nun „Fälle“ mit bleibenden Beschwerden mit inzwischen gesunden ehemals infizierten Kontrollpersonen vergleichend untersucht werden könnten.
Die Phase 2 der EPILOC-Studie soll im Juli 2022 abgeschlossen werden. Geplant seien umfangreiche Nachuntersuchungen mit 1.000 Verdachtsfällen und einer ähnlichen Zahl von Kontrollpersonen, berichtete Kern. Die Einladungen an eine der 4 beteiligten Universitätskliniken sind fast alle verschickt. Die Resonanz sei sehr gut.
Aufgrund der dabei auch geplanten Laboruntersuchungen sei mit der Auswertung dieser Phase aber erst zum Ende des Jahres zu rechnen. Kern hält auch eine erneute Befragung der Teilnehmer aus Phase 1 für sehr sinnvoll. So könne man für den Langzeitverlauf eine erste prognostische Einschätzung abgeben. © gie/aerzteblatt.de
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/132162/Long-COVID-Praevalenz-laut-vorlaeufiger-Daten-aus-Sueddeutschland-bei-maximal-30-Prozent
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MEDIZIN – Das Comeback der Psychedelics – Bewusstseinsveränderung und Hilfe bei psychischen Krankheiten – mit Intratext-Links – 3.3.2022
Sie verändern das Bewusstsein auf profunde Weise und können bei psychischen Krankheiten helfen: Nach Jahrzehnten der Verbannung sind Psilocybin, LSD & Co. wieder ein wachsendes Forschungsthema.
Psychedelika sind in der einen oder anderen Form vermutlich schon seit Tausenden Jahren in Gebrauch. Der Altertumsforscher Brian Muraresku greift in seinem Werk „The Immortality Key” etwa die These auf, dass mit einem Bestandteil des Mutterkorn-Pilzes versetztes Bier den Besuchern der Mysterien von Eleusis im antiken Griechenland zu Nahtod- und visionären Erfahrungen verholfen haben könnte. Dieses Wissen könnte über den gesamten Mittelmeerraum tradiert worden sein und habe auch das Urchristentum stark beeinflusst, so Muraresku. Mit archäobotanischen und ‑chemischen Belegen und nach einer exzessiven Spurensuche in Archiven und Museen erweckt er die Hypothese, Psychedelika hätten einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung der westlichen Zivilisation gehabt, zu neuem Leben.
Muraresku beruft sich auf das Forschertrio Carl Ruck, Gordon Wasson und Albert Hofmann, das Ende der 1970er-Jahre gemeinsam das Buch „The Road to Eleusis” herausgegeben hatten, ihre Annahmen aber damals noch nicht untermauern konnten (siehe Interview Ein Trip ins Jenseits und Zurück). Mit den beiden letzteren beginnt üblicherweise jede moderne Erzählung über die Entdeckung von Psychedelika, obwohl das nur zum Teil wahr ist (siehe „Vom Meskalin – Prototyp des Psychedelischen“). Während der Schweizer Albert Hofmann 1938 im Rahmen seiner Forschung zum Mutterkorn Lysergsäurediethylamid (LSD) herstellte, 1943 aus Versehen dessen psychedelische Wirkung entdeckte und danach einen Selbstversuch anstellte, machte sich Wasson auf die Jagd nach Magic Mushrooms. Fündig wurden der US-amerikanische Bankier und seine Frau in Mexiko, wo sie 1955 eine einheimische Schamanin an einer Pilzzeremonie teilnehmen ließ.
1957 wurde über ihre Erfahrungen im „Life-Magazin“ im Artikel „Seeking the Magic Mushroom” ausführlich berichtet, wodurch Wasson und die Zauberpilze quasi über Nacht berühmt wurden. Wasson sandte Hofmann eine Probe und der Schweizer Chemiker identifizierte Psilocybin als deren Hauptwirkstoff, der im Körper zu Psilocin umgewandelt wird. LSD und Psilocybin wurden in den 1950ern und 1960ern für die Forschung entdeckt und erfolgreich zur Unterstützung für Psychotherapien oder Alkoholsucht eingesetzt.
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*** Psychedelika im Überblick
Der Begriff „Psychedelics“ geht auf einen Schriftverkehr des Psychiaters Humphrey Osmond mit dem Schriftsteller Aldous Huxley zurück und setzt sich aus den griechischen Wörtern für Seele (psyche) und „offenbar, offenkundig” (delos) zusammen (Näheres zur Begrifflichkeit siehe „Vom Meskalin…“). Zu Psychedelika gehören (Quelle: DocCheck Flexikon):
– Wirkstoffe aus der Gruppe der Phenylethylamine, u.a. Meskalin
– psychoaktive Substanzen wie halluzinogene Tryptamine und verwandte Indolalkaloide: Ergin (LSA), Psilocybin, Psilocin, LSD oder Dimethyltryptamin (DMT). Diese halluzinogenen Tryptamine weisen eine große strukturelle Ähnlichkeit mit dem Neurotransmitter Serotonin auf.
– bestimmte Dissoziativa, sofern eine ausreichend hohe Konzentration gegeben wird. Dazu gehören Wirkstoffe wie Salvinorin A und Ketamin
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Doch als LSD quasi aus dem Labor entkam und als Partydroge entdeckt wurde, war der Anfang vom Ende der ersten Ära der Psychedelics eingeläutet. Niemand personifizierte diese Zeit stärker als der Harvard-Dozent Timothy Leary, der rasch vom Psychologen und Forscher zum selbsternannten LSD-Guru mutierte und jedem, der es hören wollte, kundtat, es ihm gleichzutun („Turn on, tune in, drop out“). Die Antikriegs-Bewegung und der Sommer der Liebe jagten den Entscheidungsträgern einen gehörigen Schreck ein und 1970 war der Spuk zumindest offiziell wieder vorbei. Als „Schedule‑I“-Substanzen eingestuft, also als süchtig machend und ohne medizinischen Nutzen, kam die Forschung um die bewusstseinserweiternden Substanzen zum Erliegen – für Jahrzehnte.
Eindeutig lässt sich die Frage nach dem Zeitpunkt des Wiederaufloderns der psychedelischen Forschung nicht beantworten. Als wichtige Pionierarbeit gilt jedenfalls eine Studie, die 2006 an der Johns Hopkins Universität vom Psychopharmakologen Roland Griffiths durchgeführt wurde und gezielt mystischen Erlebnissen unter Einfluss von Psilocybin auf der Spur war. Gut zwei Drittel der Teilnehmer an der ersten doppelblinden, Placebo-kontrollierten klinischen Studie seit Jahrzehnten reihten das Experiment noch Monate später unter die fünf wichtigsten Erfahrungen ihres Lebens. Unter der Leitung von Griffiths hat das Center for Consciousness and Psychedelic Research seitdem eine namhafte Liste an Publikationen hervorgebracht.
*** Wie Psychedelika wirken
Psychedelika haben eine aktivierende Wirkung auf den 5HT2A-Serotoninrezeptor und lösen so eine Veränderung des Bewusstseins (etwa die sensorische Wahrnehmung, die Stimmung, das Denken und das Ich-Bewusstsein) aus. Im Unterschied zum Rausch (z.B. durch Alkoholkonsum) ist der Betroffene dabei hellwach und die Sinne sind sogar noch geschärfter.
Diese Schärfung der Sinne führt dazu, dass sensorische Reize (z.B. Farben, Formen, Töne) viel stärker wahrgenommen werden als sonst und ineinander übergehen können. Auch Halluzinationen sind möglich. Wie die Wirkungen am Rezeptor zustande kommen, ist aktuell Gegenstand der Forschung (siehe Gastbeitrag „Psychedelika by Chance…“).
Psilocybin gegen schwere Depressionen
In Europa ist das Imperial College London der wichtigste psychedelische Knotenpunkt. Aufbauend auf mehr als zehn Jahre entsprechender Forschung wurde dort 2019 ein eigenes Centre for Psychedelic Research ins Leben gerufen. Unter der Leitung des Neuropsychopharmakologen David Nutt und vor allem auch des Psychologen Robin Carhart-Harris wurden etwa klinische Studien durchgeführt, die auf schwer depressive Patienten abzielten. Laut den Forschern erlaube die Droge den Betroffenen, festgefahrene negative Denkmuster zu durchbrechen (siehe David Nutt: „Mushrooms sind gekommen um zu bleiben).
Anders als bei der Gabe von traditionellen Psychopharmaka hält der positive, stimmungsaufhellende Effekt von Psilocybin selbst bei einer einzigen Dosis noch nach Monaten an. Nutt und sein Team konnten nun mit Gehirnscans erstmals bildlich festhalten, wie ein Antidepressivum dauerhafte Effekte im Gehirn auslöst. Eine Publikation der Ergebnisse in „Nature Medicine“ steht laut Nutt kurz bevor, wie er gegenüber APA-Science erklärte: „Wir können eine physiologische Veränderung sechs Monate nach der Behandlung mit Psychedelika nachweisen, die mit einer verbesserten Stimmung korreliert und diese erklärt.“
*** Psilocybin unter der Lupe
In Österreich gibt es zumindest in der Datenbank des Wissenschaftsfonds FWF (Stand Februar 2022) nur ein Projekt, das sich mit Psilocybin beschäftigt. In einem Kooperationsprojekt zwischen FWF und der Deutschen Forschungsgemeinschaft sehen sich ein Team um Bernhard Rupp (MedUni Innsbruck) und Dirk Hoffmeister (Universität Jena) die molekularen Strukturen der Enzyme, die an der natürlichen Herstellung von Psilocybin im Pilz beteiligt sind, mit Hilfe der Röntgenstrukturanalyse genauer an.
„Wenn wir die Strukturen der Enzyme kennen, dann können wir sie auch verändern“, sagte Hoffmeister, der 2017 eine Arbeit zur enzymatischen Basis von Psilocybin publizierte, auf Anfrage von APA-Science. Ziel des bis 2024 laufenden Projekts ist es laut den beiden Forschern, Psilocybin biotechnologisch herstellen zu können.
https://science.apa.at/thema/psychedelika/
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INTERNATIONAL – Inflation in the OECD area continues to surge, reaching 7.2% in January 2022, the highest rate since 1991- [Vier Graphiken demonstrieren den rapiden Anstieg der Inflation weltweit] – 4.3.2022
Year-on-year inflation in the OECD area rose to 7.2% in January 2022, compared with 6.6% in December 2021, and just 1.6% in January 2021, reaching its highest rate since February 1991. This increase reflected in part another sharp rise in inflation in Turkey. Excluding Turkey, inflation in the OECD area rose to 5.8%, after 5.5% in December 2021.[1]
Year-on-year inflation in the G20 area also increased in January 2022, reaching 6.5 % compared with 6.1% in December 2021. Outside the OECD, inflation patterns vary widely: year-on-year inflation continued to rise in India and Indonesia, but declined markedly in China (to 0.9%, from 1.5%), and to a lesser extent in Argentina.
While services prices accelerated markedly in most OECD countries, energy prices, and to a lesser extent food prices, continued to boost inflation in all the OECD countries. Excluding food and energy, OECD year-on-year inflation increased to 5.1%, the highest rate since December 1992, after 4.7% in December 2021.
https://www.oecd.org/newsroom/consumer-prices-oecd-updated-3-march-2022.htm
BÖRSE – Grosse Streuung des Risikos: Renditeaufschläge von Staatsanleihen von Schwellenländern – Chart des Tages – NACHTRAG: 2.3.2022
Von Sylvia Walter
GRAPHIK: https://www.fuw.ch/wp-content/uploads/2022/03/spreads-em.png
Alles über einen Kamm zu scheren, macht selten Sinn. Oft allerdings wird der Block der Schwellenländer als ein Aggregat wahrgenommen und dementsprechend analysiert. Der Finanzmarkt macht jedoch Unterschiede. Der Krieg in der Ukraine führt zu einer Differenzierung der Risiken, was das Engagement in den unterschiedlichen Schwellenländern betrifft.
Gemessen werden kann das Risiko anhand der Bewegung der Renditeaufschläge von Staatsanleihen der Länder. Der Renditeaufschlag auf eine sichere Wertanlage soll für das eingegangene Risiko kompensieren und trennt somit die Spreu vom Weizen.
Als Spreu werden die Staatsanleihen der Ukraine und der Russischen Föderation eingestuft, so weit keine Überraschung. Seit dem 22. Februar hat sich der Renditeaufschlag ukrainischer Staatsobligationen um 1685 Basispunkte (16,85 Prozentpunkte) ausgedehnt, derjenige russischer Papiere um 10,49 Prozentpunkte.
Nimmt man die zwei Kriegsparteien aus der Betrachtung heraus, zeigt sich das Bild eher heterogen. Einige Länder, wie Katar, Saudi-Arabien und Brasilien, profitieren gar von einem Rückgang der Risikoprämie seit der Invasion der Ukraine. Die drei Länder sind Nutzniesser des erneuten Anstiegs der Ölpreise und der Rohstoffnotierungen.
Am anderen Ende des Spektrums sind hingegen Länder wie Sri Lanka, Argentinien, Nigeria, Pakistan, Polen, Rumänien und die Türkei zu finden, deren Risikoprämien sich deutlich ausgedehnt haben. Die Volkswirtschaften sind entweder stark abhängig von Rohstoffimporten, leiden bereits unter einer schwachen Aussenhandelsbilanz und sind daher von Devisen abhängig oder könnten aufgrund ihrer geografischen Lage vom Krieg tangiert werden. (Quelle der Grafik: Oxford Economics)
https://www.fuw.ch/article/der-chart-des-tages-2261/
BÖRSE – Börsengänge werden abgesagt. – Chart des Tages – 3.3.2022
Von Alexander Trentin
GRAPHIK: https://www.fuw.ch/wp-content/uploads/2022/03/cdt-03032022.png
Nach einem Hochschiessen der Anmeldungen von Börsengängen (Initial Public Offerings, IPO) in den USA hat sich diese Zahl normalisiert. Das zeigt sich an der blauen Kurve in der obigen Grafik. Dagegen werden so viele IPO abgesagt, wie man es in den vergangenen Jahrzehnten noch nicht beobachtet hat (rote Kurve).
Der Boom an Publikumsöffnungen Ende 2020 und Anfang 2021 ist damit zu einem schnellen Ende gekommen. Ein wichtiger Grund für den abrupten Niedergang des IPO-Hype: die Geldpolitik. Denn die Liquidität wird im Laufe dieses Jahres durch höhere Zinsen voraussichtlich immer weiter abgeschnürt werden. Dazu kommt die wachsende Volatilität an den Märkten.
Beide Faktoren verleiden es den Investoren, sich auf spekulative Wagnisse wie den Börsengang eines jungen Unternehmens einzulassen. Derzeit ist die Stimmung der Anleger gemessen an Umfragen so schlecht wie im ersten Coronaschock im Frühjahr 2020. Es braucht daher wohl einen radikalen Stimmungsumschwung, damit die Zahl der IPO wieder wächst. (Quelle der Grafik: https:/topdowncharts.com)
https://www.fuw.ch/article/der-chart-des-tages-2262/
BÖRSE – MÄRKTE EUROPA/Unsicherheit bleibt hoch – Europa wird verkauft – Europa stärker von Abwärtsrisiken betroffen – 3.3.2022, 18:58
FRANKFURT (Dow Jones)–An den europäischen Aktienmärkten ist es am Donnerstag nach unten gegangen. Unverändert war der Krieg in der Ukraine das bestimmende Thema an der Börse. Auf weitere Überraschungen stellen sich Marktteilnehmer als Folge der anti-russischen Sanktionen ein. Derweil findet die zweite Runde von Verhandlungen über einen Waffenstillstand zwischen Kiew und Moskau statt. Die Erwartungen an Fortschritte sind allerdings gering. Auch das Telefonat des französischen Präsidenten Emmanuel Macron mit seinem russischen Pendant Wladimir Putin konnte nicht zur Entspannung beitragen. Vielmehr muss wohl befürchtet werden, dass das Schlimmste für die Ukraine noch bevorsteht.
So schloss der DAX 2,2 Prozent tiefer bei 13.698 Punkten, während er zuvor mit 13.669 auf einen 52-Wochen-Tief notierte. Für den Euro-Stoxx-50 ging es um 2,1 Prozent auf 3.742 Zähler nach unten. Dabei war zu sehen, dass die internationalen Investoren dem Aktienmarkt in Europa zusehends den Rücken zudrehen. Dies ist zum einen mit dem Krieg in der Ukraine zu erklären, aber auch die massive Abhängigkeit vieler Länder von der Energielieferung aus Russland dürfte verschrecken. Gut performen dieses Jahr dagegen bislang die Börsen in Südamerika, da einige der dortigen Länder große Bodenschätze besitzen.
*** Europa stärker von Abwärtsrisiken betroffen
Europa ist am stärksten den wirtschaftlichen Risiken des Russland-Ukraine-Krieges ausgesetzt. Während von der Europäischen Zentralbank bislang erwartet wurde, dass sie die Zinssätze in den nächsten zwei Jahren deutlich anhebt, wird sie nach Einschätzung von Norman Villamin, CIO Wealth Management der Union Bancaire Privée (UBP), ihre Agenda überarbeiten müssen, um den geopolitischen und makroökonomischen Auswirkungen Rechnung zu tragen. Der zunehmende Druck durch die Energie-, Getreide- und Metallpreise könnte die Inflation in der Eurozone um 0,3 bis 1,5 Prozent erhöhen. Die Inflationsrate dürfte in den kommenden Quartalen bei über 5 Prozent im Jahresvergleich bleiben, wobei die Auswirkungen bis 2023 andauern dürften.
„Der Konflikt wirft uns in ein Umfeld des Kalten Krieges zurück, das zu einem Anstieg der Militärausgaben führen wird, und wirft auch die Frage der Energieunabhängigkeit auf“, schreibt Patrice Gautry, Chefvolkswirt bei der UBP. Selbst wenn einige Verhandlungen schnell abgeschlossen werden sollten, werde der Druck auf die Preise für Verteidigung, Energie, Rohstoffe und Getreide noch lange Zeit zu spüren sein. Große Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage würden wahrscheinlich auch nach dem ersten Schock des Konflikts bestehen bleiben. …
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55406090-maerkte-europa-unsicherheit-bleibt-hoch-europa-wird-verkauft-015.htm
ZENTRALBANKEN – USA – Beige Book: Bezirke melden beschleunigte Preisentwicklung – 3.3.2022
Die US-Wirtschaftsaktivität hat sich einer Erhebung der US-Notenbank zufolge seit Mitte Januar in bescheidenem bis mäßigem Tempo beschleunigt. Wie aus dem Konjunkturbericht Beige Book hervorgeht, berichteten viele Bezirke, dass der Anstieg der Covid-19-Fälle die Wirtschaftstätigkeit vorübergehend gehemmt habe, weil die Unternehmen mit einem erhöhten Krankenstand konfrontiert gewesen seien. Auch das strenge Winterwetter wurde als Grund für Beeinträchtigungen angeführt.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55398786-ueberblick-am-morgen-konjunktur-zentralbanken-politik-015.htm
ZENTRALBANKEN – USA – Fed/Powell befürchtet wegen Ukraine-Krieg höhere Inflation – 3.3.2022, 19:34
Der Krieg in der Ukraine wird nach Einschätzung von Fed-Chef Jerome Powell wahrscheinlich kurzfristig die Inflation ankurbeln. „Wir werden einen Aufwärtsdruck auf die Inflation erleben, zumindest für eine Weile“, sagte Powell bei einem Auftritt vor dem Bankenausschuss des US-Senats. Die einzige Frage, die sich stelle, sei, wie lange dieser Druck anhalten werde. Nach Untersuchungen der Fed würden höhere Inflationserwartungen es der Zentralbank erschweren, die Inflation zu senken. Auch der Konflikt in der Ukraine verschärft laut Powell die Probleme in der globalen Versorgungskette, was zu weiteren Inflationsproblemen führen wird.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55406337-ueberblick-am-abend-konjunktur-zentralbanken-politik-015.htm
ZENTRALBANKEN – EUROPÄISCHE UNION – Protokoll: EZB-Falken gaben bei Februar-Sitzung den Ton an – 3.3.2022
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)–Im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) haben bei den Beratungen am 2. und 3. Februar die geldpolitischen Falken den Ton angegeben. Wie aus dem jetzt veröffentlichten Protokoll der Sitzung hervorgeht, forderten einige von ihnen eine sofortige Änderung der Forward Guidance zu den Wertpapierkäufen. Nachdem die Inflationsrate im Januar erneut unerwartet gestiegen war, herrschte in dem Gremium aber auch insgesamt die Meinung vor, dass das bis dahin gültige „Narrativ“ einer demnächst sinkenden Inflation nicht aufrecht zu erhalten sei. Auch wurden Zweifel daran geäußert, dass die EZB ihre Geldpolitik alleine an den Prognosen des volkswirtschaftlichen Stabs ausrichten sollte.
„Es herrschte weitgehend Einigkeit darüber, dass eine Annäherung an das mittelfristige Inflationsziel der EZB nicht mehr in weiter Ferne liege, wodurch die Erfüllung der Kriterien der Forward Guidance innerhalb einer kürzeren Zeitspanne wahrscheinlicher geworden sei“, heißt es in dem Dokument.
Einige Mitglieder vertraten demnach die Ansicht, dass sich die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Inflation mittelfristig bei etwa 2 Prozent einpendeln wird, bereits deutlich erhöht habe. Dies erfordere eine rechtzeitige Anpassung des immer noch sehr akkommodierenden geldpolitischen Kurses. Die Nettokäufe von Vermögenswerten und die negativen Leitzinsen seien nicht mehr mit den vorliegenden Daten vereinbar.
Ob die Bedingungen, an die die Zins-Guidance geknüpft sei, erfüllt seien, könne nicht alleine von den Stabsprojektionen abhängig gemacht werden. Diese Entscheidung müsse der EZB-Rat auf der Grundlage seiner Beurteilung aller relevanten Informationen treffen. Die Projektionen stellten dabei nur ein Element dar.
Der Rat hatte den im Dezember gefassten Beschluss bestätigt, die Nettoanleihekäufe unter dem Pandemieprogramm PEPP im März zu beenden, aber das monatliche Kaufvolumen unter dem APP-Programm im zweiten Quartal von 20 auf 40 Milliarden Euro zu erhöhen und bis September wieder auf 20 Milliarden zu senken. Die Nettokäufe sollten erst kurz vor der ersten Zinssenkung eingestellt werden. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte in der anschließenden Pressekonferenz eine Zinserhöhung im laufenden Jahr allerdings nicht ausschließen wollen.
Das hatte zu der Erwartung geführt, dass die EZB ihre Nettoanleihekäufe im Herbst einstellen und im Winter eine erste Zinserhöhung vornehmen könnte.
Zum Zeitpunkt der Ratssitzung war bekannt, dass die Inflation im Januar entgegen den Erwartungen nicht gesunken, sondern auf 5,1 Prozent gestiegen war. Im Februar hat sie auf 5,8 Prozent zugelegt, was nach Angaben von EZB-Chefvolkswirt Philip Lane in den am 10. März zu veröffentlichenden neuen Stabsprojektionen berücksichtigt sein wird.
Obwohl der Inflationsdruck seit Februar weiter zugenommen hat, sind Analysten derzeit nicht mehr sicher, wie rasch die EZB ihre Geldpolitik tatsächlich normalisieren wird. Grund ist der am 24. Februar erfolgte Angriff Russlands auf die Ukraine, der zwar einerseits höhere Rohstoffpreise nach sich zieht, aber andererseits auch mehr Unsicherheit für Unternehmen und Konsumenten erzeugt.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55403171-protokoll-ezb-falken-gaben-bei-februar-sitzung-den-ton-an-015.htm
ZENTRALBANKEN – Deutsche Bank: EZB könnte neues Ankaufprogramm auflegen – 3.3.2022
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)–Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) könnte nach Meinung von Analysten der Deutschen Bank ein neues, flexibles Wertpapierankaufprogramm schaffen, mit dem sie einen Anstieg der Staatsanleihe-Spreads verhindern könnte, während sie zugleich die Zinsen erhöht. Die Analysten um Chefvolkswirt Mark Wall weisen darauf hin, dass EZB-Offizielle seit der Ratssitzung im Dezember die Notwendigkeit von Flexibilität betont hätten, was sich seit Beginn des Ukraine-Kriegs noch verstärkt habe.
„Anstelle eines ‚Stimulus-QE‘ wie im Rahmen des APP-Programms wäre dies ein ‚Stabilitäts-QE‘, das es der EZB ermöglichen würde, den Transmissionsmechanismus zu glätten, indem sie vom Kapitalschlüssel abweicht“, heißt es im Ausblick auf die EZB-Ratssitzung in der nächsten Woche. Ein solches Instrument würde es der EZB erlauben, die Leitzinsen zu erhöhen, wenn dies wegen der Preisstabilität nötig sei, aber weiterhin eine reibungslose Übertragung der Politik mit einem neuen asymmetrischen Kaufinstrument sicherzustellen.
„Je größer der Fragmentierungsdruck in den kommenden Tagen und Wochen wird, desto mehr wird die EZB unter Druck geraten, ein Instrument zu schaffen, das dem neuen Flexibilitätsversprechen entspricht“, meinen die Analysten.
Sie meinen, dass zwei Mitglieder des EZB-Direktoriums in den vergangenen Tagen Hinweise auf solche Pläne geliefert hätten.
So haben EZB-Direktor Fabio Panetta angedeutet, dass die EZB ein Programm ähnlich dem Pandemieprogramm PEPP gebrauchen könnte, die umso weniger genutzt werden müsste, je glaubwürdiger sie sei. Die Ukraine-Krise böte der EZB nach Einschätzung der Analysten die Möglichkeit, so ein neues Instrument zu schaffen – ähnlich wie die Pandemie das PEPP hervorgebracht habe.
Sie verweisen ferner auf die jüngste Rede von EZB-Chefvolkswirt Philip Lane, in der dieser ebenfalls davon gesprochen habe, dass die EZB den Einsatz „neuer Instrumente“ in Erwägung ziehen werde. Lane hatte auf zwei Punkte hingewiesen: Ersten könne die EZB ihre Geldpolitik nicht immer einheitlich umsetzen, weshalb Kaufprogramme wie SMP, OMT und PEPP geschaffen worden seien. Zweitens müsse die EZB an der Zinsuntergrenze flexibel agieren und falls nötig neue Instrumente einsetzen.
Der EZB-Rat berät am 9./10. März darüber, in welchem Tempo er angesichts hoher Inflationsraten und des Ukraine-Kriegs seine Geldpolitik normalisieren soll. Viele Analysten glauben, dass der Rat an einem Ausstieg aus der sehr akkommodierenden Geldpolitik festhalten, dabei aber vorsichtiger als vor Kriegsbeginn erwartet vorgehen wird.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55404097-deutsche-bank-ezb-koennte-neues-ankaufprogramm-auflegen-015.htm
ZENTRALBANKEN – EUROPÄISCHE UNION – ING: EZB-Protokoll weitgehend historisches Dokument – 3.3.2022
Das Protokoll der Beratungen des EZB-Rats von 2./3. Februar weist nach Aussage von ING-Europa-Chefvolkswirt Carsten Brzeski auf eine zunehmend „hawkishe“ Stimmung in dem Gremium hin. Es ist seiner Meinung nach aber nicht dazu geeignet, die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) der nächsten Ratssitzung zu prognostizieren. Angesichts des Krieges in der Ukraine ist das Protokoll der EZB-Sitzung vom Februar eher „ein historischer Beleg“, schreibt Brzeski in einem Kommentar.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55406337-ueberblick-am-abend-konjunktur-zentralbanken-politik-015.htm
ZENTRALBANKEN – EUROPÄISCHE UNION – Meinungen zur Geldpolitik der EZB: Allianz: EZB verlangsamt Normalisierung – Blackrock: EZB sollte vorsichtig normalisieren – KfW: EZB hält an Ausstiegsplänen fest – Danske: EZB kündigt Ende der Nettoanleihekäufe an – 3.3.2022
Allianz-Volkswirtin Katharina Utermöhl erwartet, dass sich der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) in der nächsten Woche dafür entscheiden wird, den Prozess der geldpolitischen Normalisierung wegen des Ukraine-Kriegs zu verlangsamen. Die Bewahrung politischer Flexibilität und Optionalität wird weiterhin im Mittelpunkt stehen, was darauf hindeutet, dass sich die EZB wahrscheinlich weder auf ein deutlich niedrigeres QE-Tempo im zweiten Quartal noch auf ein QE-Enddatum im Jahr 2022 festlegen wird“, schreibt Utermöhl in ihrem Ausblick auf die Ratssitzung am 9./10. März.
*** Blackrock: EZB sollte vorsichtig normalisieren
Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte ihre Geldpolitik nach Meinung von Elga Bartsch, Ökonom bei Blackrock, vorsichtig normalisieren und dabei sicherstellen, dass eine angemessene politische Flexibilität und Wahlmöglichkeit erhalten bleibt. „Europa wird von dem Russland-Ukraine-Konflikt wahrscheinlich unmittelbarer betroffen sein als die USA. Angesichts der Unwägbarkeiten wäre es unklug, sich im Voraus auf einen vollständigen Weg zur Normalisierung der Geldpolitik festzulegen und eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr vorzusehen“, schreibt sie in ihrem Ausblick auf die EZB-Ratssitzung am 9./10. März.
*** KfW: EZB hält an Ausstiegsplänen fest
KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib erwartet, dass sich der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) in der nächsten Woche wegen des Ukraine-Kriegs Optionen offen halten, aber am Kurs einer geldpolitischen Normalisierung prinzipiell festhalten wird. „An ihrer Ausstiegsperspektive aus der expansiven Geldpolitik, vor allem eines Zurückfahrens des Anleihekaufprogramms in diesem Jahr und darauf aufbauenden Kommunikation zur Zinswende dürfte es nur graduelle Änderungen geben“, schreibt die Ökonomin in einem Kommentar.
*** Danske: EZB kündigt Ende der Nettoanleihekäufe an
Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) wird bei seinen Beratungen am 9./10. März nach Meinung von Piet Christiansen, Volkswirt bei der Danske Bank, angesichts der hohen Inflation ein Ende der Nettoanleihekäufe beschließen. Leitzinserhöhungen dürften nicht zur Sprache kommen, schreibt Christiansen in einem Ausblick und fügt hinzu: „Ich rechne damit, dass (EZB-Präsidentin Christine) Lagarde sich auf die Preis- und nicht zuletzt die Finanzstabilität konzentrieren wird, also auf die Kreativität der EZB, die möglicherweise neue Liquiditätsoperationen in Betracht zieht.“
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55402370-ueberblick-am-mittag-konjunktur-zentralbanken-politik-015.htm
USA – Auftragseingang der US-Industrie im Januar gestiegen – 3.3.2022
WASHINGTON (Dow Jones)–Der Auftragseingang der US-Industrie hat sich im Januar um 1,4 Prozent gegenüber dem Vormonat erhöht. Volkswirte hatten nur mit einem Anstieg von 0,7 Prozent gerechnet.
Für den Vormonat ergab sich ein Plus von 0,7 Prozent, wie das US-Handelsministerium weiter mitteilte. Vorläufig war eine Abnahme von 0,4 Prozent berichtet worden. Der Bestelleingang für langlebige Wirtschaftsgüter für Januar verblieb unverändert bei plus 1,6.
Der Auftragseingang ohne Berücksichtigung des Rüstungssektors verharrte bei plus 1,4 Prozent. Die Order ohne Transportbereich nahmen um 1,0 Prozent zu.
Die Bestellungen für zivile Investitionsgüter ohne Flugzeuge, die als wichtige Messgröße für die Unternehmensausgaben gelten, kletterten um 1,0 Prozent. Im Vormonat war ein Plus von 0,4 Prozent registriert worden.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55404646-auftragseingang-der-us-industrie-im-januar-gestiegen-015.htm
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55404605-usa-industrie-erhaelt-mehr-auftraege-als-erwartet-016.htm
USA – USA: Stimmung unter Dienstleistern trübt sich ein – 3.3.2022
TEMPE (dpa-AFX) – Die Stimmung im US-Dienstleistungssektor hat sich im Februar deutlich eingetrübt. Der Einkaufsmanagerindex des Instituts for Supply Management (ISM) fiel gegenüber Januar um 3,4 Punkte auf 56,5 Zähler, wie das Institut am Donnerstag in Tempe mitteilte. Analysten hatten dagegen mit einer Verbesserung auf im Schnitt 61,0 Punkte gerechnet.
Anthony Nieves vom ISM verwies auf zahlreiche Belastungsfaktoren, darunter anhaltende Schwierigkeiten in den Lieferketten, Kapazitätsprobleme, die hohe Inflation und Logistikprobleme. Außerdem falle es den Unternehmen weiterhin schwer, ausreichend Personal zu finden.
Trotz des Rückgangs liegt der Stimmungsindikator deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Der Indikator signalisiert damit Wachstum im Dienstleistungssektor./bgf/jsl/he
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55404739-usa-stimmung-unter-dienstleistern-truebt-sich-ein-016.htm
USA – Markit: US-Dienstleister mit anziehendem Geschäft im Februar – 3.3.2022
NEW YORK (Dow Jones)–Die Geschäftsaktivität in der US-Dienstleistungsbranche hat sich im Februar lebhafter als im Vormonat gezeigt. Der von IHS Markit für den Sektor ermittelte Einkaufsmanagerindex erhöhte sich auf 56,5 von 51,2 Punkten. Volkswirte hatten einen Stand von 56,8 vorhergesagt. Vorläufig war für Februar ein Wert von 56,7 ermittelt worden.
Insgesamt hat sich die Entwicklung in der US-Wirtschaft im Februar beschleunigt. Der Sammelindex für die Produktion in der Privatwirtschaft – Industrie und Dienstleister zusammen – stieg auf 55,9 von 51,1 Punkten im Vormonat. Oberhalb von 50 Punkten signalisiert das Konjunkturbarometer ein Wachstum, darunter eine Schrumpfung.
Die Enschränkungen wegen der Pandemie seien im Februar gelockert worden, und dies habe zu einer kräftigen Erholung geführt, sagte IHS-Markit-Chefökonom Chris Williamson.
Link: https://www.markiteconomics.com/Public/Release/PressReleases?language=en
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55404450-markit-us-dienstleister-mit-anziehendem-geschaeft-im-februar-015.htm
USA – US-Produktivität steigt im vierten Quartal um 6,6 Prozent – 3.3.2022
WASHINGTON (Dow Jones)–Die Produktivität außerhalb der Landwirtschaft in den USA ist im vierten Quartal 2021 nach revidierter Rechnung saisonbereinigt und auf das Jahr hochgerechnet um 6,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten ein Plus von 6,7 Prozent erwartet, nachdem bei der ersten Schätzung eine Zunahme von 6,6 Prozent ausgewiesen worden war.
Wie das US-Arbeitsministerium weiter berichtete, erhöhten sich die Lohnstückkosten revidiert mit einer hochgerechneten Jahresrate von 0,9 Prozent. Vorläufig war eine Zunahme von 0,3 Prozent gemeldet worden. Volkswirte hatten eine Bestätigung dieser Zahl erwartet.
Im dritten Quartal war die Produktivität um revidiert 3,9 (vorläufig: 5,0) Prozent gesunken, bei den Lohnstückkosten war ein Anstieg von 10,6 (9,3) Prozent verzeichnet worden.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55403435-us-produktivitaet-steigt-im-vierten-quartal-um-6-6-prozent-015.htm
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55403674-usa-produktivitaet-erholt-sich-deutlich-016.htm
USA – Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe gesunken – 3.3.2022
WASHINGTON (Dow Jones)–Die Zahl der Erstanträge auf Leistungen aus der US-Arbeitslosenversicherung hat in der Woche zum 26. Februar stärker abgenommen als erwartet. Im Vergleich zur Vorwoche fiel die Zahl der Anträge auf saisonbereinigter Basis um 18.000 auf 215.000, wie das US-Arbeitsministerium in Washington mitteilte. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten nur einen Rückgang auf 225.000 vorhergesagt.
Für die Vorwoche wurde der Wert nach oben revidiert, auf 233.000 von ursprünglich 232.000. Der gleitende Vierwochendurchschnitt verringerte sich gegenüber der Vorwoche um 6.000 auf 230.500.
In der Woche zum 19. Februar erhielten 1,476 Millionen Personen Arbeitslosenunterstützung. Dies war eine Zunahme gegenüber der Vorwoche um 2.000.
Tabelle: http://www.dol.gov/ui/data.pdf
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55403376-erstantraege-auf-us-arbeitslosenhilfe-gesunken-015.htm
IRAN – Atomgespräche mit Iran in Griffweite? Chefverhandler zurückhaltend – 3.3.2022
WIEN (dpa-AFX) – Trotz laufender Vorbereitungen für den Abschluss der Atomverhandlungen mit dem Iran am Wochenende ist ein Durchbruch laut Diplomaten noch nicht garantiert. Die Gespräche zur Wiederherstellung des Atompaktes von 2015 seien zwar bereits in der Endphase, doch es gebe noch ungelöste Fragen, schrieb der EU-Diplomat Enrique Mora, der die Verhandlungen mit dem Iran und den Vereinigten Staaten in Wien koordiniert. „Wir sind definitiv noch nicht am Ziel“, schrieb er am Donnerstagabend auf Twitter.
Moras Aussagen folgten auf veröffentlichte Informationen aus EU-Kreisen, wonach Planungen für ein Ministertreffen am Samstag in Wien, um eine Einigung unter Dach und Fach zu bringen.
Diplomaten schlossen im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur einen Durchbruch in den kommenden Tagen nicht aus. Trotz Planungen für eine Schlussrunde auf Ministerebene sei der genaue Zeitpunkt aber nicht vorhersehbar.
Seit Monaten vermitteln Diplomaten aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien in Wien zwischen den USA und dem Iran, um den Atompakt von 2015 zu retten. Zu den Mediatoren gehören auch China und – trotz des Ukraine-Krieges – Russland. Der Lösungsentwurf sieht vor, US-Sanktionen gegen den Teheran aufzuheben und im Gegenzug das iranische Atomprogramm wieder einzuschränken, um die Entwicklung von Nuklearwaffen zu verhindern.
Die USA waren unter dem ehemaligen Präsidenten Donald Trump aus dem Atompakt ausgestiegen und hatten bereits aufgehobene Sanktionen neuerlich verhängt. Im Gegenzug begann der Iran unter anderem, fast waffenfähiges Uran herzustellen./al/DP/he
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55407626-atomgespraeche-mit-iran-in-griffweite-chefverhandler-zurueckhaltend-016.htm
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UKRAINE – RUSSLAND – Weitere ORF-Radio-Journale werden via Kurzwelle ausgestrahlt – 1.3.2022
RUSSLAND – UKRAINE – B24 – Newsticker (aktuell)
https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/Russland-Ukraine-Krieg-im-News-Ticker,SyBZtyZ
RUSSLAND – UKRAINE – n-tv Liveticker zum 4.3.2022 (aktuell)
https://www.n-tv.de/politik/05-46-Ukraine-bittet-Bund-um-Panzer-und-U-Boote–article23143824.html
html RUSSLAND – UKRAINE – n-tv Liveticker zum 3.3.2022 (abgeschlossen)
https://www.n-tv.de/politik/21-46-JP-Morgan-Russische-Wirtschaft-wird-um-mehr-als-ein-Drittel-schrumpfen–article23171892.html
RUSSLAND – UKRAINE – GESAMT-ROUNDUP: Sorge um ukrainisches AKW nach Gefechten – Nacht im Überblick – Selenskyj wirft Russland Beschuss von Reaktorblöcken vor – Ukrainische Botschaft bittet um deutsche Kampfpanzer und U-Boote – Militärische Hotline zwischen Moskau und Washington – Scholz fordert von Schröder Aufgabe von Russland-Posten – Russlands Kreditrating sinkt weiter – Flugticket-Giganten streichen Aeroflot aus Buchungssystemen – Das wird am Freitag wichtig – 4.3.2022, 6:47
KIEW (dpa-AFX) – Ein Feuer auf dem Gelände des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja hat in der Nacht zum Freitag für Alarmstimmung gesorgt. Der britische Premier Boris Johnson spricht von einer direkten Gefährdung der Sicherheit ganz Europas und will eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates erreichen.
*** Selenskyj wirft Russland Beschuss von Reaktorblöcken vor
Nach dem Vorrücken russischer Truppen zu Europas größtem Atomkraftwerk in der Nähe der Großstadt Saporischschja brach ein Feuer in der Anlage aus. Nach Informationen aus der Nacht waren dabei keine kritischen Systeme betroffen, es wurde keine erhöhte Radioaktivität gemeldet. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem gezielten Beschuss von Reaktorblöcken durch russische Panzer. Der ukrainische Energieminister Herman Haluschtschenko forderte ein Eingreifen der Nato.
Der britische Premierminister Boris Johnson sagte, die „rücksichtslosen Aktionen“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin „könnten nun die Sicherheit ganz Europas direkt gefährden“. Er wolle „in den kommenden Stunden“ eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates zur Lage in dem Atomkraftwerk erreichen. US-Präsident Joe Biden forderte Russland auf, militärische Aktivitäten im Gebiet um das Kernkraftwerk einzustellen.
*** Ukrainische Botschaft bittet um deutsche Kampfpanzer und U-Boote
Die ukrainische Botschaft in Berlin bittet die Bundesregierung um Lieferung weiterer Waffensysteme für den Kampf gegen die russischen Angreifer, darunter Kampfpanzer, U-Boote und Kampfflugzeuge. Das geht aus einer sogenannten Verbalnote der Botschaft an das Kanzleramt, das Auswärtige Amt und das Verteidigungsministerium hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Begründet wird die Bitte damit, dass Putin einen „Vernichtungskrieg“ gegen die Ukraine und die Ukrainer begonnen habe, in dem höchst moderne Waffensysteme eingesetzt würden – auch geächtete Waffen wie Kassettenbomben mit Streumunition.
*** Militärische Hotline zwischen Moskau und Washington
Das Pentagon hat wegen des Kriegs in der Ukraine eine neue Hotline mit Russland eingerichtet. Ziel sei, Fehleinschätzungen, militärische Zwischenfälle und Eskalationen zu vermeiden, teilte das US-Verteidigungsministerium auf Nachfrage mit. Die US-Regierung will keine Truppen in die Ukraine schicken. Sie ist aber besorgt, dass der Konflikt mit Russland auf Nato-Staaten übergreifen könne.
*** Scholz fordert von Schröder Aufgabe von Russland-Posten
Nach der SPD-Spitze hat auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) den früheren Regierungschef Gerhard Schröder dazu aufgefordert, seine Posten bei russischen Staatsunternehmen zu räumen. „Mein Rat an Gerhard Schröder ist doch, sich aus diesen Ämtern zurückzuziehen“, sagte Scholz in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“. Dies sei keine Privatsache. Zudem plädierte Scholz dafür, die Finanzierung des Büros des Altkanzlers aus Steuergeldern zu überprüfen.
*** Russlands Kreditrating sinkt weiter
Die US-Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat Russlands Kreditwürdigkeit aufgrund neuer westlicher Sanktionen wegen des Krieges gegen die Ukraine weiter abgestuft. Die Bonitätsnote wurde angesichts gestiegener Ausfallrisiken der Anleihen von „BB+“ auf „CCC-“ gesenkt, wie S&P in New York mitteilte. Vergangene Woche hatte die Agentur die Bewertung in den sogenannten Ramschbereich für spekulative Anlagen abgestuft. Nun ging es weitere acht Stufen nach unten – das Rating liegt nur noch knapp über der Kategorie für Zahlungsunfähigkeit.
*** Flugticket-Giganten streichen Aeroflot aus Buchungssystemen
Die russische Fluggesellschaft Aeroflot verliert wegen Russlands Krieg gegen die Ukraine weitere wichtige Geschäftspartner. Mit dem US-Unternehmen Sabre und der spanischen Amadeus IT Group kappten zwei der größten Buchungssystemanbieter für Flugtickets am Donnerstag die Geschäftsbeziehungen zu der Airline. Sabre und Amadeus ermöglichen es Reisevermittlern, sowohl online als auch in ihren Läden Flugangebote zu vergleichen und für Kunden Tickets zu reservieren.
*** Das wird am Freitag wichtig
Die Außenminister der EU-Staaten kommen am Nachmittag erneut zu einem Sondertreffen in Brüssel zusammen. Erwartet wird auch die Teilnahme von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und des US-Außenministers Antony Blinken. Abzuwarten bleibt, ob Boris Johnson eine Sitzung des UN-Sicherheitsrates erreichen kann./haw/ast/ln/hbr/so/DP/zb
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55409387-gesamt-roundup-sorge-um-ukrainisches-akw-nach-gefechten-nacht-im-ueberblick-016.htm
RUSSLAND – UKRAINE – Der 8. Kriegstag im Überblick Russland nimmt Großstädte ins Visier – Macron erwartet Schlimmes – Russland nimmt Großstädte ins Visier – Macron spricht mit Putin – Ukraine und Russland verhandeln erneut – Immer mehr suchen Zuflucht – 3.3.2022, 21:32
Am achten Tag des Ukraine-Krieges wird wieder miteinander gesprochen. In Belarus treffen sich die Delegationen der Ukraine und Russlands, Macron telefoniert mit Putin. Das Gespräch ernüchtert den französischen Präsidenten jedoch. Unterdessen geht Moskau zunehmend gegen Großstädte vor.
*** Russland nimmt Großstädte ins Visier
Eine Woche nach Beginn der Invasion in der Ukraine geht Russland mit immer größerer Härte gegen die Großstädte des Landes vor. Derzeit wird in mehreren Regionen erbittert gekämpft, die heftigsten Gefechte werden nordwestlich der Hauptstadt Kiew gemeldet sowie nahe der ostukrainischen Millionenstadt Charkiw und der Hafenstadt Mariupol im Süden. Bei einem Luftangriff in der nordukrainischen Großstadt Tschernihiw sind nach Angaben der Rettungskräfte 33 Menschen getötet worden. Russische Streitkräfte hätten Wohngebiete, darunter Schulen und ein Hochhaus beschossen, teilte der Notdienst mit. Der riesige Militärkonvoi vor Kiew stockt nach wie vor.
Von der annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim aus rückten russische Panzer-Kolonnen weiter in die südukrainische Region Cherson vor. Die gleichnamige Regionalhauptstadt gilt als erste Großstadt, die gefallen ist. Dramatisch ist die Lage mittlerweile in der Hafenstadt Mariupol im Süden des Landes. Die 400.000 Einwohner sind von der Strom- und Wasserversorgung abgeschnitten. Der Bürgermeister Wadym Boitschenko warnte davor, dass die Stadt noch monatelang belagert werde – so wie Leningrad 1941.
Unterdessen meldete das ukrainische Militär, dass der bedeutende Generalmajor Andrey Sukhovetskiy, der eine Speznas-Spezialeinheit befehligen soll, getötet worden sei. Nordwestlich der Hauptstadt Kiew sei zudem ein russischer Kampfjet abgeschossen worden.
Auch der Kampf um das größte Atomkraftwerk der Ukraine, Saporischschja, geht weiter. Moskau meldete gestern, die Anlange unter Kontrolle gebracht zu haben, der Betreiber Energoatom dementierte das heute. Zudem zeigen Videos, dass sich eine Menschenmenge den russischen Truppen entgegenstellt.
*** Macron spricht mit Putin – Ukraine und Russland verhandeln erneut
Am Nachmittag telefonierte der französische Präsident Emmanuel Macron mit dem Kreml-Chef Wladimir Putin. Nach dem etwa 90-minütigen Gespräch sei sich der Élysée-Palast inzwischen sicher, dass Putin die komplette Ukraine einnehmen wolle, hieß es anschließend aus Paris. Macron warf Putin vor, sich selbst zu belügen und geht davon aus, dass „das Schlimmste noch bevorsteht“.
Im polnisch-belarussischen Grenzgebiet haben sich zum zweiten Mal russische und ukrainische Delegationen getroffen. Nach dem erfolglosen Gespräch am Montag gab es diesmal eine Verständigung in einem Punkt: Moskau und Kiew einigten sich auf die Schaffung humanitärer Korridore in besonders umkämpften Gebieten in der Ukraine – und auf eine dritte Gesprächsrunde.
Unterdessen hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Putin zu direkten Gesprächen aufgefordert. „Wenn Du nicht (mit Deinen Truppen aus der Ukraine) abhauen willst, setz Dich zu mir an den Verhandlungstisch, ich habe Zeit“, sagte Selenskyj. Dagegen sprach der Kreml-Chef im Staatsfernsehen weiter davon, dass Russlands „Militär-Operation“, so wie Moskau den Krieg nennt, nach Plan verlaufe.
*** Immer mehr suchen Zuflucht
Die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine können ein einjähriges Aufenthaltsrecht in der Europäischen Union bekommen. Die EU-Staaten einigten sich darauf, die Flüchtenden schnell und unkompliziert aufzunehmen. Laut Bundesinnenministerin Nancy Faeser können die Ukrainerinnen und Ukrainer selbst entscheiden, in welchem EU-Staat sie Zuflucht suchen.
Auch deutsche Städte bereiten sich auf die Schutzsuchenden vor. „Das, was auf uns zukommt, wird enorm“, sagte Berlins Sozialsenatorin Katja Kipping. Der Berliner Senat wolle mehr Möglichkeiten zur Unterbringung der Menschen schaffen, erwarte aber auch eine schnelle Entscheidung der Bundesregierung zur weiteren Koordinierung der Aufnahme von Geflüchteten. „Die Dimension ist unfassbar. Es ist wahrscheinlich die größte Flüchtlingsbewegung in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg – mit einer ganz eigenen und schnellen Dynamik“, erklärte die Linken-Politikerin.
Seit Beginn des Krieges meldete der polnische Grenzschutz mehr als 604.000 Menschen, die auf der Flucht seien. Allein am heutigen Donnerstag hätten bis zum Nachmittag 56.400 Geflüchtete die Grenze überquert, teilten die polnischen Grenzschützer per Twitter mit.
*** Der Dax findet keinen Halt – Weitere Waffen aus Deutschland
Die Unsicherheit im Ukraine-Krieg ist auch für die Wirtschaft ein Problem. Der Dax landete bei Handelsschluss bei 13.698 Punkten – dem tiefsten Wert seit fast einem Jahr. Auch der Volkswagen-Konzern entschloss sich dazu, alle Geschäfte mit Russland zu stoppen, hieß es aus Wolfsburg. Dagegen warnte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck davor, ein Import-Verbot für Öl, Gas oder Kohle aus Russland zu verhängen. „Ich sage es mit großem Bedauern, dass Deutschland von russischen Importen abhängig ist“, erklärte der Grünen-Politiker bei einem Treffen mit Wirtschaftsvertretern.
Habecks Ministerium gab erneut grünes Licht für deutsche Waffenlieferungen. Deutschland kündigte an, weitere Waffen zu liefern. Nachdem 1000 Panzerabwehrwaffen und 500 „Stinger“-Raketen schon unterwegs sind, hat das Wirtschaftsministerium 2700 Flugabwehrraketen des Typs „Strela“ genehmigt.
*** Der Altkanzler wird immer einsamer – Kehrtwende bei Paralympics
Um Altkanzler Gerhard Schröder wird es immer einsamer. Mit seinen Verbindungen nach Russland sei Schröder in der SPD mittlerweile „komplett isoliert“, sagte der Parteivorsitzende Lars Klingbeil. Die Antwort des Altkanzlers auf die Aufforderung, seine Mandate bei russischen Konzernen niederzulegen, sei bislang unbeantwortet geblieben. Der Vorstand wolle „zeitnahe“ über den weiteren Umgang mit Schröder entscheiden.
Im Ukraine-Krieg hat China bisher versucht, sich weitestgehend herauszuhalten. Nun dementierte es einen Bericht aus der „New York Times“. China hat Russland nach eigenen Angaben nicht darum gebeten, mit der Invasion der Ukraine bis nach dem Ende der Olympischen Winterspiele zu warten. Bei den morgen in Peking startenden Paralympics werden russische und belarussische Athletinnen und Athleten aber dennoch ausgeschlossen sein, das IPC revidierte seine Entscheidung vom Vortag.
Quelle: ntv.de, ses/dpa/rts/AFP
https://www.n-tv.de/politik/Russland-nimmt-Grossstaedte-ins-Visier-Macron-erwartet-Schlimmes-article23171744.html
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55406871-gesamt-roundup-3-russen-bombardieren-ukraine-weiter-016.htm
WEITERE ARTIKEL zum Ukraine-Krieg:
Deeskalation im Ukraine-Krieg? „Wir haben keine Exit-Strategie anzubieten“
https://www.n-tv.de/politik/Wir-haben-keine-Exit-Strategie-anzubieten-article23171322.html
Belarus, Nordkorea und Co.: Wer hält zu Russland – und warum?
https://www.n-tv.de/politik/Wer-haelt-zu-Russland-und-warum-article23171192.html
Rassismus an Ukraine-Grenze: Wenn die Hautfarbe für die Flucht entscheidend ist
https://www.n-tv.de/panorama/Wenn-die-Hautfarbe-fuer-die-Flucht-entscheidend-ist-article23170829.html
Caritas-Arbeit in der Ukraine: „Kiew droht eine humanitäre Katastrophe“
https://www.n-tv.de/politik/Kiew-droht-eine-humanitaere-Katastrophe-article23170213.html
Ein absurder Gedanke: Was steckt hinter Putins Atom-Drohungen?
https://www.n-tv.de/politik/Was-steckt-hinter-Putins-Atom-Drohungen-article23167732.html
Proteste gegen Ukraine-Krieg: Widerstand in Russland: „Ich werde nicht still sein“
https://www.n-tv.de/politik/Widerstand-gegen-Ukraine-Krieg-in-Russland-Unsere-Leute-wollen-nicht-gegen-die-Ukrainer-kaempfen-article23168759.html
„Danke für Ihre Unterstützung!“: Investoren wollen ukrainische Kriegsanleihen kaufen
https://www.n-tv.de/wirtschaft/11-Prozent-Zinsen-in-Nullzinszeiten-Investoren-wollen-Ukraine-Krieg-mitfinanzieren-article23168589.html
Historikerin über Kriegsmotive: „Putin denkt in Jahrhundert-Dimensionen“
https://www.n-tv.de/politik/Putin-denkt-in-Jahrhundert-Dimensionen-article23169633.html
ROUNDUP 3: Solidarität mit der Ukraine: Glockengeläut und große Demonstrationen
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55406066-roundup-3-solidaritaet-mit-der-ukraine-glockengelaeut-und-grosse-demonstrationen-016.htm
RUSSLAND – UKRAINE – HINTERGRUND – Sonnenblumenöl, Weizen und Mais Ukraine – Agrar-Gigant mit Rohstoff-Schätzen – 2020 war die Ukraine eines der wichtigsten Weizenexportländer der Welt. – NACHTRAG: 25.2.2022
Von Clara Suchy
Die Ukraine ist nicht gerade für ihre Wirtschaftskraft bekannt. Doch das Land verfügt über etwas, das nur selten zu finden ist: die sogenannte Schwarzerde. Auf einem der fruchtbarsten Böden der Welt wächst Weizen wie Unkraut – und macht das Land zu einem der größten Getreideproduzenten der Welt.
Die markanten blauen und gelben Streifen, die am Tag des russischen Einmarsches in die Ukraine auf das Brandenburger Tor gestrahlt wurden, sind aus gutem Grund die Farben der ukrainischen Flagge: Der gelbe Streifen symbolisiert das Getreide, das unter dem weiten blauen Himmel auf einem der fruchtbarsten Böden der Welt wächst. Das Land am Rande Europas ist einer der größten Getreideproduzenten der Welt. Nicht umsonst wird die Ukraine auch als die Kornkammer Europas bezeichnet.
Das Land reiht sich in die Liste der größten Getreideproduzenten der Welt ein, zusammen mit China, den Vereinigten Staaten und Brasilien. 2019 belegte die Ukraine den achten Platz unter den größten Getreideproduzenten der Welt. Auch 2020 war Branchenexperten zufolge die Ukraine eines der wichtigsten Weizenexportländer der Welt – ihr Anteil am Weltmarkt lag bei acht Prozent. Das Land hatte 2020 ein BIP von etwa 155 Milliarden US-Dollar und lag auf Platz 54 der größten Volkswirtschaften der Welt, hinter dem Irak, Kasachstan und Griechenland.
*** Mit Schwarzerde bedeckt
Es ist nicht nur die Größe des Landes, die zu seiner massiven Agrarwirtschaft beiträgt: Mit 603.700 Quadratkilometern ist die Ukraine fast doppelt so groß wie Deutschland. 420.000 davon sind Ackerland – drei Viertel davon werden bewirtschaftet. Selbst im europäischen Kontext macht dies einen erheblichen Anteil aus. Das ukrainische Ackerland entspricht gut einem Viertel der Flächen, die es in der gesamten EU gibt.
Auch Mazda produziert in Russland Autos. Hier ein Bild aus dem Werk in Wladiwostok
Auto 25.02.22
*** Spürbare Folgen im Westen Krieg in der Ukraine trifft auch Autohersteller
Aber fast noch wichtiger für die Agrarweltmacht ist die sogenannte Schwarzerde. Der Boden ist dank seiner dicken Humusschichten besonders fruchtbar. Schätzungen zufolge verfügt die Ukraine über 30 Prozent der weltweiten Schwarzerde-Vorkommen. Mehr als die Hälfte der Landesfläche ist von diesem besonderen Boden bedeckt.
Auf diesen Böden werden hauptsächlich Sonnenblumen, Mais und Weizen angebaut. Und auf den Feldern arbeiten rund 15 Prozent der Ukrainerinnen und Ukrainer. Sie machen einen großen Teil der ukrainischen Wirtschaft aus. Nach Angaben der Weltbank erwirtschaftete der Agrarsektor 2020 etwa 9,3 Prozent des BIP. Das mag im Vergleich zum Dienstleistungssektor, auf den mehr als die Hälfte des BIP fällt, wenig erscheinen. Die Landwirtschaft ist aber vor allem für die Exportwirtschaft des Landes wichtig. Nach Angaben der US-geführten International Trade Administration machten Agrarprodukte im Jahr 2020 fast 50 Prozent der gesamten ukrainischen Exporte aus – eine Summe von 22,2 Milliarden Dollar.
*** Unter den Weltmächten der Agrarproduzenten
Doch nicht nur für das Land selbst ist der Agrarsektor ein zentraler Aspekt der Wirtschaft. Vor der russischen Invasion prognostizierten Analysten, dass in diesem Jahr große Anteile der weltweiten Agrarlieferungen auf die Ukraine fallen würden: 12 Prozent der weltweiten Weizenausfuhren, 16 Prozent der Maisexporte, 18 Prozent der Gerstenausfuhren und 19 Prozent der Rapsexporte. Das entspricht einem erheblichen Anteil an den weltweiten Ausfuhren dieser Produkte. Vor allem bei Sonnenblumenöl steht das Land im internationalen Vergleich an erster Stelle – die Hälfte der weltweiten Sonnenblumenölexporte entfallen auf die Ukraine.
Diese Zahlen dürften allerdings kriegsbedingt niedriger ausfallen – inwieweit sich ein anhaltender Konflikt in der Ukraine auf die Landwirtschaft auswirken wird, bleibt abzuwarten.
Ein immer größerer Teil davon ist für die Europäische Union bestimmt. Insbesondere seit 2013, als die Ukraine das Assoziierungsabkommen mit der EU abgeschlossen hat. Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft wurden 2019 73 Prozent der ukrainischen Agrarausfuhren in die EU exportiert. Und auch für die EU ist die Ukraine ein wichtiger Agrarlieferant. Zeitweise war die Ukraine der drittgrößte Lieferant von Agrarprodukten für den EU-Markt – nur die USA und Brasilien lieferten im Zeitraum zwischen November 2018 und Oktober 2019 mehr. Inzwischen sind aber auch afrikanische Länder ein zunehmend wichtiger Handelspartner für die Ukraine: 2020 exportierte das Land Agrarprodukte im Wert von 2,9 Milliarden US-Dollar in afrikanische Länder.
Diese Exporte haben die Ukraine während der Corona-Pandemie sehr geholfen. Während andere Länder massive wirtschaftliche Einbußen hinnehmen mussten, ging die BIP-Entwicklung der Ukraine 2020 nur um vier Prozent zurück. Steigende Getreidepreise während der Pandemie führten 2021 sogar zu einem Wachstum von 3,2 Prozent. Mit dem Ausbau der ökologischen Landwirtschaft hat sich die Ukraine für die Zukunft gut aufgestellt. Denn das Land ist einer der am schnellsten wachsenden landwirtschaftlichen Nischenmärkte der Welt. Heute ist die Ukraine einer der drei größten Exporteure von Bioprodukten in die EU.
Nicht nur bei den Agrarexporten ist die Ukraine in den Top-10 weltweit vertreten: Auch bei den Eisen- und Stahlexporten rangiert das Land an der Spitze, wie die internationale Handelsorganisation Worldsteel berichtet. Unter den 40 Roheisenproduzenten der Welt belegte demzufolge die Ukraine im Jahr 2020 den neunten Platz. Unter den 62 stahlproduzierenden Ländern rangiert das Land im Jahr 2020 an elfter Stelle. Stahl aus der Ukraine macht rund zehn Prozent der europäischen Importe aus. Quelle: ntv.de
https://www.n-tv.de/wirtschaft/Ukraine-Agrar-Gigant-mit-Rohstoff-Schaetzen-article23155299.html
RUSSLAND – UKRAINE – HINTERGRUND – Belarus, Nordkorea und Co. Wer hält zu Russland – und warum? – 3.3.2022, 19:19
Von Markus Lippold
NATO und EU haben scharfe Sanktionen gegen Russland erlassen. Einige Länder haben sich dem angeschlossen, etwa Japan. Doch Moskau hat weltweit Verbündete – wie auch die Abstimmung in der UN-Generalversammlung zeigt.
Mit großer Mehrheit hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen den russischen Überfall auf die Ukraine verurteilt. 141 Staaten stimmten für eine entsprechende Resolution. Das ist ein deutliches Ergebnis, auf das auch das deutsche Außenministerium hinwies: „#UnitingForPeace“ – sich vereinigen für den Frieden, twitterte das Außenamt nach der Abstimmung und postete eine Übersicht der Flaggen aller Länder, die sich gegen den Angriff stellten.
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Insgesamt gehören jedoch 193 Staaten den Vereinten Nationen an – und einige von ihnen stützen offiziell Russland. Welche Länder also haben gegen die Resolution gestimmt, welche haben sich enthalten oder haben gar nicht ihre Stimme abgegeben? Und warum? Ein Überblick:
Fünf Staaten stimmten gegen eine Verurteilung des Angriffskriegs: Russland selbst, Belarus, Syrien, Eritrea und Nordkorea. Das Stimmverhalten von Belarus ist wenig überraschend – der autokratisch regierte Staat ist der wohl engste Verbündete Russlands. Das Land ist zudem Aufmarschgebiet für den Überfall auf die Ukraine, von hier werden Raketen abgeschossen. Dass Belarus selbst auch die Ukraine angegriffen hat, bestreitet das Regime von Alexander Lukaschenko allerdings. Nicht zuletzt ist dieser aufgrund westlicher Sanktionen nach der Niederschlagung oppositioneller Proteste massiv von russischer Hilfe abhängig.
Nordkorea – und das „Nordkorea Afrikas“
Auch das seit mehr als zehn Jahren von einem Bürgerkrieg erschütterte Syrien ist ein enger Alliierter Moskaus. Russische Truppen haben dafür gesorgt, dass sich Machthaber Baschar al-Assad überhaupt halten konnte. Das Land ist abhängig von russischer Hilfe – und hat den Angriffskrieg bereits verteidigt: „Was heute geschieht, ist eine Korrektur der Geschichte und die Wiederherstellung des Gleichgewichts in der Welt“, wurde Assad von Syriens staatlicher Nachrichtenagentur Sana zitiert.
Nordkorea und Eritrea sind international isolierte Staaten. Für das von etlichen Sanktionen belegte Regime in Pjöngjang ist Russland neben China ein Verbündeter gegen den Westen, aber bei weitem nicht so wichtig. Immerhin gibt es regelmäßig Staatsbesuche. Nordkorea dürfte auf eine Gegenleistung etwa in Form von Wirtschaftshilfen hoffen – oder einfach aus Feindschaft gegen die USA gegen die Resolution gestimmt haben. Ähnlich dürfte es dem autoritär regierten und in zahlreiche Grenzkonflikte verstrickten Eritrea gehen, das bereits als „Nordkorea Afrikas“ bezeichnet wurde. Es dürfte ebenfalls auf Hilfsleistungen aus Moskau hoffen, nicht zuletzt auf militärischem Gebiet. Erst im Februar gab es Gespräche zwischen beiden Staaten, die auf eine angestrebte strategische Beziehung hindeuten.
China verzichtet auf klare Parteinahme
Neben diesen Staaten, die gegen die Resolution stimmten, enthielten sich 35 Länder bei der Abstimmung – was aber nicht unbedingt als Vertrauensbeweis gegenüber Moskau gewertet werden kann. Viele davon wollen es sich vermutlich einfach nicht mit Russland als Handelspartner verscherzen, gleichzeitig aber die Beziehungen zu westlichen Staaten nicht belasten. Oder sie befürchten bei einer Verurteilung Russlands eine Vertiefung des Konflikts. Entsprechend äußerte sich der UN-Vertreter Südafrikas vor der Generalversammlung, ohne dass das Land den Einmarsch billigen würde.
Der Stimme enthielt sich China, das zwar als strategischer Partner Russlands gilt, aber kein Interesse an einer Eskalation der Lage und der damit verbundenen möglichen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft hat. Es kritisierte entsprechend auch die westlichen Sanktionen. Zudem sind Peking die Wirtschaftsbeziehungen zum Westen wichtig – und um ein vielfaches größer als jene zu Russland. Bereits im UN-Sicherheitsrat hatte sich die Vetomacht China bei der Abstimmung über eine Resolution enthalten – nur Russland verhinderte mit seinem Veto deren Verabschiedung. Peking dürfte auch weiterhin versuchen, auf eine klare Parteinahme zu verzichten.
Überraschender ist das Verhalten ehemaliger Sowjetrepubliken in der Generalversammlung. Sie haben traditionell enge Kontakte zu Russland, haben teils auch die Invasion der Ukraine verteidigt – aber bis auf Belarus dennoch nicht gegen die Resolution gestimmt. So enthielt sich Kasachstan der Stimme. Dabei half Moskau noch im Januar dabei, Demonstrationen gegen zu hohe Benzinpreise, die sich zu einem Volksaufstand entwickelten, niederzuschlagen. Vielleicht spielen angesichts des Angriffs auf die Ukraine aber Befürchtungen eine Rolle, Russland könnte die ehemalige Sowjetrepublik ebenfalls zu einem Satellitenstaat machen.
Ex-Sowjetrepubliken stimmen nicht mit Russland
Auch andere zentralasiatische und kaukasische Ex-Sowjetrepubliken dürfte das umtreiben, obwohl sie enge wirtschaftliche und sicherheitspolitische Kontakte zu Moskau haben. Russland versuchte jüngst noch, angesichts der westlichen Sanktionen den Handel mit diesen Staaten zu intensivieren. Das gilt etwa für die autoritär regierten Länder Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan, die sich ebenso enthielten wie Armenien. Aserbaidschan und Turkmenistan nahmen gar nicht an der Abstimmung teil. Georgien wiederum, das 2008 selbst Krieg gegen Russland führte, stimmte für die Resolution. Genau wie die Republik Moldau – die mit Russland um die abtrünnige Region Transnistrien ringt – und die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen.
Zu den Staaten, die sich enthielten, zählen aber auch enge Verbündete Russlands aus anderen Regionen der Welt: Nicaragua und Kuba etwa – die beide den russischen Angriff explizit verteidigt hatten. Die linksautoritären Regime verbinden intensive Wirtschaftsbeziehungen zu Russland, zudem beziehen sie Militärausrüstung aus dem Land und haben hohe Schulden in Moskau. Auch der Iran enthielt sich, obwohl es zuletzt noch Verständnis für russische Sicherheitsbedenken angesichts der NATO-Osterweiterung geäußert hatte.
Länder wie Pakistan und Vietnam unterhalten ebenfalls enge wirtschaftliche Beziehungen zu Moskau und enthielten sich bei der Abstimmung der Generalversammlung. Das gilt auch für Indien, das sich von Russland militärisch ausrüsten lässt, dessen Hilfe im Konflikt mit China benötigt und sich auch schon bei der Abstimmung im Sicherheitsrat enthalten hatte. Premier Narendra Modi verzichtete auch auf eine klare Verurteilung Moskaus und auf die Verhängung von Sanktionen.
*** Venezuela darf gar nicht abstimmen
Wieder andere Staaten nahmen an der Abstimmung nicht teil, darunter Venezuela – neben Nicaragua und Kuba der engste Verbündete Russlands in Lateinamerika. Der Grund: Das Land darf wegen eines Verzugs bei den Mitgliedszahlungen derzeit nicht in der Vollversammlung abstimmen. An der Treue von Caracas gegenüber Moskau besteht indes kein Zweifel. Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro verurteilte bereits die Sanktionen gegen Russland und sprach Moskau die Unterstützung aus. Zudem sollen demnach die gemeinsamen Wirtschaftsbeziehungen noch ausgebaut werden. Das Land bleibt also einer der engsten Partner Russlands.
Zu den Verbündeten Russlands zählen auch afrikanische Staaten wie die Zentralafrikanische Republik, Mali, Burkina Faso, Guinea und Sudan, die sich in der Generalversammlung entweder enthielten oder nicht an der Abstimmung teilnahmen.
Andere Länder, die enge Beziehungen zu Moskau pflegen, stimmten dagegen für die Resolution. So hatten sich die Vereinigten Arabischen Emirate im Sicherheitsrat genau wie China und Indien noch enthalten, stimmten in der Generalversammlung aber für die Verurteilung Russlands. Gleiches gilt für Myanmar, das den Überfall auf die Ukraine zuvor noch verteidigt hatte, und für Serbien, das traditionell ein enger Verbündeter Russlands ist. Gut möglich, dass der russische Angriffskrieg ihnen dann aber doch zu viel war.
Quelle: ntv.de
https://www.n-tv.de/politik/Wer-haelt-zu-Russland-und-warum-article23171192.html
=> Peking und der Russland-Konflikt: „Chinas Rückendeckung für Russland hat Grenzen“ – 22.2.2022
Moskau und Peking haben erst kürzlich am Rande der Olympischen Winterspiele eine vertiefte strategische Partnerschaft vereinbart. Doch was bedeutet das für den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine? Chinas Rückendeckung für Russland habe Grenzen, sagt Experte Janis Kluge von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Mit Russland brechen würde Peking deshalb aber nicht. Kluge spricht im Interview zudem darüber, ob Peking Sanktionen gegen Russland abfedern könnte und wie sich das Verhältnis beider Staaten in Zukunft entwickeln könnte. „China gehört die Zukunft, Russland versucht, an der Vergangenheit festzuhalten“, sagt er.
Dr. JAIS KLUGE ist Wissenschaftler der Forschungsgruppe Osteuropa und Eurasien der Stiftung Wissenschaft und Politik. Zu seinen Schwerpunkten gehören das russisch-chinesische Verhältnis, russische Innenpolitik sowie Sanktionen und ihre Wirkung.
https://www.n-tv.de/politik/Chinas-Rueckendeckung-fuer-Russland-hat-Grenzen-article23143861.html
RUSSLAND – UKRAINE – INTERNATIONAL/UN – UN-Vollversammlung fordert von Russland Abzug aus Ukraine – 3.3.2022, 9:31
Die UN-Vollversammlung in New York hat in einer Resolution Russland zum „sofortigen“ Abzug aus der Ukraine aufgefordert. 141 Mitgliedstaaten stimmten für die Resolution, fünf stimmten dagegen und 35 Staaten enthielten sich, darunter China. In der Resolution „beklagen“ die Mitgliedstaaten „mit größtem Nachdruck“ die russische Invasion in der Ukraine und verurteilen die Entscheidung des russischen Präsidenten Wladimir Putin, die Atomstreitkräfte seines Landes in erhöhte Alarmbereitschaft zu versetzen.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55398786-ueberblick-am-morgen-konjunktur-zentralbanken-politik-015.htm
RUSSLAND – UKRAINE – INTERNATIONAL – IEA legt Zehn-Punkte-Plan für mehr Unabhängigkeit von russischen Gasimporten vor – 3.3.2022, 19:34
Der russische Angriff auf die Ukraine hat die europäische Abhängigkeit von Gasimporten aus Russland offengelegt. Die Internationale Energieagentur (IEA) mit Sitz in Paris legte deshalb am Donnerstag einen Zehn-Punkte-Plan vor, mit dem die Gasimporte aus Russland innerhalb eines Jahres um ein Drittel reduziert werden sollen. Russland nutze seine Gasressourcen als „wirtschaftliche und politische Waffe“, kritisierte IEA-Direktor Fatih Birol anlässlich der Vorstellung des Plans.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55406337-ueberblick-am-abend-konjunktur-zentralbanken-politik-015.htm
RUSSLAND – UKRAINE – INTERNATIONAL – IfW: Russland hat in Handelskrieg deutlich mehr zu verlieren – 3.3.2022, 9:07
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)—Die russische Volkswirtschaft würde durch eine Entkoppelung ihrer Handelsbeziehungen von den USA und ihren Partnern nach einer Untersuchung des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW) langfristig deutlich stärker in Mitleidenschaft gezogen als die der Alliierten. Russlands Wirtschaftsleistung würde in einer Modellierung auf längere Sicht jährlich um knapp 10 Prozent geringer ausfallen, als wenn die Handelsbeziehungen fortbestünden, teilte das Institut mit. Die Alliierten hätten dagegen in diesem Zeithorizont deutlich geringere Einbußen zu beklagen.
Die Einschätzungen ergeben sich den Angaben zufolge aus einer Modellsimulation in einem gemeinsamen Arbeitspapier von Forschern des IfW und des Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo). „Ein Handelskrieg zwischen Russland sowie den USA und ihren Verbündeten würde Russlands Wirtschaft langfristig empfindlich treffen. Die Alliierten dürften zwar kurzfristig ebenfalls zum Teil stark betroffen sein, auf längere Sicht haben sie aber im modellhaft simulierten Fall insgesamt nur eine um jährlich 0,17 Prozent geringere Wirtschaftsleistung zu befürchten“, sagte IfW-Handelsforscher Alexander Sandkamp.
Der Grund für die ungleiche Verteilung der Kosten liege vor allem in der geringen wirtschaftlichen Bedeutung Russlands im Vergleich zu den USA und ihren Verbündeten. Letztere seien in Bezug auf Im- und Exporte für Russland also wichtiger als umgekehrt: So sei die EU im Jahr 2020 für 37,3 Prozent des russischen Außenhandels verantwortlich gewesen, umgekehrt fänden aber lediglich 4,8 Prozent des Außenhandels der EU mit Russland statt. Berücksichtige man zusätzlich den intraeuropäischen Handel, wäre der Russlandanteil nochmals deutlich geringer. Importbarrieren der Alliierten würden Russland nach der Erhebung stärker treffen als Exportbarrieren.
„Sanktionen zeigen kurzfristig meist wirtschaftliche, aber keine politische Wirkung. Halten sie lange an und sind umfassend, kann sich ihr politisches Wirkungspotenzial vergrößern“, sagte Wifo-Direktor Gabriel Felbermayr. „Die Simulationsergebnisse geben einen Eindruck, was langfristig für beide Seiten auf dem Spiel steht: Nach einer Anpassungsphase im Welthandel wird Russland deutlich geschwächt dastehen, der Schaden für die Alliierten ist dagegen überschaubar.“ Allerdings seien die Kosten der Simulation zufolge auch bei den Alliierten sehr ungleich verteilt.
Stärker betroffen wären langfristig osteuropäische Länder wie Litauen (im Modellfall minus 2,5 Prozent), Lettland (minus 2,0 Prozent) und Estland (minus 1,1 Prozent). Deutschland und Österreich müssten mit Verlusten in Höhe von 0,4 Prozent respektive 0,3 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts rechnen, die USA lediglich mit Verlusten in Höhe von 0,04 Prozent. Selbst wenn Russland nun vermehrt nach China exportiere, dürften sich die Auswirkungen auf China in Grenzen halten. Insgesamt würde sich das Realeinkommen in China im Modell dann um 0,02 Prozent jährlich erhöhen. „Wirtschaftlich wäre China also nicht der große Krisengewinner“, folgerte das IfW.
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RUSSLAND – UKRAINE – USA – Moody’s und Fitch senken Russland auf Ramschniveau – 3.3.2022, 9:31
Die Ratingagenturen Moody’s und Fitch haben die Bonitätsbewertung Russlands um jeweils sechs Stufen herabgesetzt. Auch bei diesen beiden Agenturen fallen Russland-Anleihen damit aus dem Investmentgrade-Bereich heraus und gelten nun als hochspekulative Anlage. Am Wochenende hatte bereits Standard & Poor’s Russland auf Junk-Niveau abgestuft. Die Agenturen prüfen weitere Abstufungen. Moody’s senkte das Rating auf B3 von Baa3. Fitch stufte das Land auf B von BBB ab. Beide verwiesen auf die massiven Sanktionen, die der Westen nach der Invasion der Ukraine gegen das Land verhängt hat.
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RUSSLAND – UKRAINE – ZENTRALBANKEN – USA – Fed/Powell befürchtet wegen Ukraine-Krieg höhere Inflation – 3.3.2022, 19:34
Der Krieg in der Ukraine wird nach Einschätzung von Fed-Chef Jerome Powell wahrscheinlich kurzfristig die Inflation ankurbeln. „Wir werden einen Aufwärtsdruck auf die Inflation erleben, zumindest für eine Weile“, sagte Powell bei einem Auftritt vor dem Bankenausschuss des US-Senats. Die einzige Frage, die sich stelle, sei, wie lange dieser Druck anhalten werde. Nach Untersuchungen der Fed würden höhere Inflationserwartungen es der Zentralbank erschweren, die Inflation zu senken. Auch der Konflikt in der Ukraine verschärft laut Powell die Probleme in der globalen Versorgungskette, was zu weiteren Inflationsproblemen führen wird.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55406337-ueberblick-am-abend-konjunktur-zentralbanken-politik-015.htm
RUSSLAND – UKRAINE – ZENTRALBANKEN – USA – Rabobank: Ukraine-Krieg bringt Fed nicht vom Kurs ab – 3.3.2022, 9:31
Die Analysten der Rabobank sehen nach der Kongressanhörung von Fed-Chairman Jerome Powell und der Veröffentlichung des Beige Book keinen Grund zu der Annahme, dass sich die US-Notenbank durch den Ukraine-Krieg von ihrem Straffungskurs abbringen lässt. „Die russische Invasion in der Ukraine hat zwar die Wahrscheinlichkeit eines großen ersten Zinsschrittes verringert, könnte aber die Notwendigkeit einer geldpolitischen Straffung in der zweiten Jahreshälfte erhöhen, da der prognostizierte Rückgang der Inflation durch diesen neuen Angebotsschock verlangsamt wird“, schreiben sie in einem Kommentar.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55398786-ueberblick-am-morgen-konjunktur-zentralbanken-politik-015.htm
RUSSLAND – UKRAINE – USA – USA: 90 Prozent der zuvor versammelten russischen Truppen in Ukraine – 3.3.2022, 18:29
WASHINGTON (dpa-AFX) – Nach Einschätzung aus US-Verteidigungskreisen sind bislang 90 Prozent der zuvor an der Grenze zur Ukraine versammelten russischen Truppen in das Land vorgerückt. Das sagte ein hochrangiger US-Verteidigungsbeamter am Donnerstag in Washington. Die Tatsache, dass jeden Tag mehr Kräfte nachrückten, sei aber keinesfalls so zu deuten, „dass ihre Kampfkraft innerhalb der Ukraine so weit geschwächt ist, dass sie das Gefühl haben, dass ihnen der Saft ausgeht“. Russland stünden weiter immense militärische Ressourcen zur Verfügung.
Die nachrückenden Truppen seien keine Reserven, betonte er. „Das ist die Kampfkraft, die sie zur Durchführung dieses Plans zusammengestellt hatten.“ Es gebe bislang auch weiterhin keine Anzeichen dafür, dass Moskau darüber hinaus weitere militärische Ressourcen Richtung Ukraine schicke.
Russland hatte nach westlichen Angaben etwa 150 000 Soldaten an der Grenze zur Ukraine zusammengezogen, bevor es Ende Februar in das Nachbarland einmarschierte.
Seit dem Start der Attacke auf die Ukraine habe Russland bislang insgesamt mehr als 480 Raketen abgefeuert, sagte der amerikanische Verteidigungsbeamte weiter. Mehr als 230 davon seien innerhalb der Ukraine abgefeuert worden, mehr als 160 aus Russland, mehr als 70 aus dem angrenzen Belarus und weniger als 10 vom Schwarzen Meer aus./jac/DP/nas
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55405834-usa-90-prozent-der-zuvor-versammelten-russischen-truppen-in-ukraine-016.htm
RUSSLAND – UKRAINE – CHINA – Peking übt den Balanceakt: Der Ukraine-Krieg birgt für China viele Gefahren – Chinas Präsident Xi Jinping versucht, sein Land aus diesem Konflikt herauszuhalten. Doch die wirtschaftlichen Auswirkungen sind bereits spürbar – 3.3.2022, 16:40
Als Partner gegen den Westen ist Russland für China wichtig. Wirtschaftlich jedoch kann es sich Peking nicht leisten, USA und EU zu verprellen. Also versucht es den Balanceakt – wird aber gleichzeitig von steigenden Energiepreisen kalt erwischt.
Der Konflikt um die russische Invasion in der Ukraine verschärft für China die wirtschaftlichen Unsicherheiten. Die Sanktionen und in die Höhe schnellende Energiepreise treffen auch den „strategischen Partner“ Russlands, der nicht nur politisch in einem Dilemma steckt. Auch wirtschaftlich ist es für die zweitgrößte Volkswirtschaft ein Drahtseilakt.
Chinas Kooperation mit den USA und der EU ist sehr viel wichtiger als jene mit Russland, das wirtschaftlich gerade einmal so groß wie Belgien und die Niederlande zusammen ist. „Es wird ein schwieriger Balanceakt für China“, sagt Max Zenglein vom China-Institut Merics in Berlin. Da China sehr international aufgestellt sei, stehe viel auf dem Spiel: „China wird vorsichtig sein, dass die Beziehung mit Russland seine langfristigen Interessen nicht gefährdet“, glaubt der Experte. „Der Krieg schafft auch für die chinesische Wirtschaft unübersichtliche Herausforderungen, von denen sie sich nicht isolieren kann.“
Die Sanktionen, die Russland weitgehend vom internationalen Banken-Kommunikationsnetzwerk Swift ausschließen, haben „sehr negative Auswirkungen“ auf den Handel zwischen Russland und China, besonders für Importe von russischem Öl und Gas, hebt der Professor Shi Yinhong von der Pekinger Volksuniversität hervor. Hinzu komme, dass die Energiepreise in den Himmel kletterten – zum Schaden Chinas, das zu den größten Energieimporteuren der Welt gehört und ohnehin wirtschaftlich unter Druck steht.
Sanktionen werden nicht unterlaufen
China lehnt die Sanktionen gegen Russland zwar ab, wird sich nach Einschätzung des Professors aber daran halten, um den Westen nicht zu verprellen oder selbst zum Ziel von Strafmaßnahmen zu werden. „Chinas Banken haben eine enge Beziehung zum weltweiten Finanzsystem, das sehr wichtig für China ist“, sagt Shi Yinhong. China werde keine Risiken für sein eigenes Bankensystem eingehen, auch wenn es Russland helfen wolle, Schwierigkeiten zu überwinden – „so weit möglich“.
Chinesische Banken in Singapur waren unter den ersten, die keine Kreditbriefe mehr ausgestellt haben, wie der Präsident der Europäischen Handelskammer in China, Jörg Wuttke, berichtet. „So schnell konnte man gar nicht gucken, wie sich die Banken sanktionskonform verhalten und alles abgeschaltet haben“, so Wuttke. „Dahinter steckt die Angst vor den Amerikanern“, habe ihm eine hohe chinesische Quelle erklärt. China werde die Sanktionen nicht unterlaufen: „Die Chinesen werden wie gute Schüler alles Mögliche daran setzen, dass ihre Firmen genau wissen, was sie tun, wenn sie sich mit den Russen einlassen.“
Die Chinesen werden auch andere Rückschläge einstecken müssen. Sie leiden nicht nur unter steigenden Preisen für Importe von Energie, sondern auch von Getreide. Der Handel mit der Ukraine, wo China Weizenfelder besitzt, ist wichtig. Von dort kann aber nichts mehr eingeführt werden, weil die Häfen blockiert sind. „Jetzt muss China woanders einkaufen, und woanders einkaufen ist immer teuer“, sagt Wuttke.
CIPS kann Swift nicht ersetzen
Profitieren könne China höchstens bei Russlands Autoindustrie, wo sich westliche Hersteller zurückzögen und China jetzt vielleicht mehr Autos exportieren könnte. Einer der Gewinner des Konflikts könnte auch das chinesische Interbankensystem CIPS (Cross-Border Interbank Payment System) werden, das China 2015 für seine Initiative Neue Seidenstraße geschaffen hat – auch um den Einsatz des Yuans als internationale Währung zu fördern und die Abhängigkeit vom Dollar zu verringern.
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CIPS hat aber nicht die Kapazität, um Swift zu ersetzen. Nur 76 Banken nehmen direkt teil, meist Ableger chinesischer Banken im Ausland. Die 672 indirekt beteiligten Banken, darunter Institute aus Russland und internationale Namen, arbeiten aber meist auch innerhalb dieses Mechanismus unverändert über Swift. Beide Systeme ergänzen sich eher, als dass sie konkurrieren.
Politisch versucht China das Unmögliche: Sich aus dem Konflikt herauszuhalten und weiter Schulter an Schulter mit Russland gegen den Rivalen USA zu stehen. Peking hat die Invasion weder verurteilt noch gutgeheißen. Im UN-Sicherheitsrat und in der Vollversammlung hat es sich bei der Verurteilung Russlands der Stimme enthalten. Peking äußert zugleich scharfe Kritik an den USA und der Osterweiterung der NATO und betont immer wieder die Sicherheitsinteressen Russlands. Damit isoliert sich China weiter.
Merics-Experte Zenglein geht davon aus, dass die zuvor schon „von zunehmenden geopolitischen Rivalitäten geprägten Handelsbeziehungen“ noch schwieriger werden. Der Westen rücke auch gegenüber China enger zusammen. Ähnlich sieht EU-Kammerpräsident Wuttke eine „Zeitenwende“. Amerikaner und Europäer lägen seit dem Ukraine-Krieg „im selben Bett“, sagt er. „Und die Amerikaner werden dann ganz kuschelig und werden sagen: Leute, übrigens, wie sieht es denn mit der Eindämmung Chinas aus? Und wer will dann noch Nein sagen?“, so Wuttke. „Die Russen haben es geschafft, dass sich unsere Chinapolitik in Europa total ändern wird.“ Quelle: ntv.de, Andreas Landwehr, dpa
https://www.n-tv.de/wirtschaft/Der-Ukraine-Krieg-birgt-fuer-China-viele-Gefahren-article23171287.html
RUSSLAND – UKRAINE – CHINA – Keine Verlegung der Invasion China dementiert Kriegs-Bitte an Russland – New-Times-Artikel sorgt für Wirbel – 3.3.2022, 13:50
Ein Bericht der „New York Times“ sorgt für Wirbel: China soll Russland demnach gebeten haben, nicht vor dem Ende der Olympischen Winterspiele in Peking in die Ukraine einzumarschieren. China weist diese Vorwürfe nun von sich und wittert ein Ablenkungsmanöver.
China hat Russland nach eigenen Angaben nicht um eine Verschiebung der Invasion in der Ukraine bis nach den Olympischen Winterspielen in Peking gebeten. Außenamtssprecher Wang Wenbin nannte einen Bericht der „New York Times“ vor der Presse „falsche Nachrichten“. Eine solche Methode, die Aufmerksamkeit abzulenken und Schuld zuzuweisen, sei verabscheuungswürdig. Der Sprecher wiederholte Beschuldigungen, wonach die Nato-Erweiterung Ursache des Konflikts sei. „Jene, die das Problem schaffen, sollten auch die sein, die es lösen.“
Die „New York Times“ bezog sich in ihrem Artikel auf einen „westlichen Geheimdienstbericht“. Danach habe ein hoher chinesischer Offizieller einem russischen Konterpart Anfang Februar gesagt, nicht vor dem Ende der Winterspiele in der Ukraine einzumarschieren, wie ein hoher US-Regierungsbeamter und ein europäischer Beamter berichtet hätten. Tatsächlich marschierte Russland erst nach der Schlussfeier in die Ukraine ein.
Es ist nicht das erste Mal, dass Putin die Zeit während Olympischer Spiele für Kriegsvorbereitungen nutzte. Schon 2008 marschierte Russland während des größten Sportereignisses der Welt in Georgien ein, 2014 annektierte es kurz nach Ende der Spiele im eigenen Land (Sotschi) die ukrainische Halbinsel Krim. Während der Olympischen Spiele gibt es die Regel des Olympischen Friedens, die besagt, dass während des Sportevents eine Waffenruhe eingehalten werden soll. Der Olympische Frieden ist Bestandteil der Millenniumserklärung der Vereinten Nationen, die im Jahr 2000 verabschiedet wurde.
Zur Eröffnung der Spiele war Russlands Präsident Wladimir Putin am 4. Februar noch mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in Peking zusammengetroffen. Beide Präsidenten bekräftigten dabei ihre „strategische Partnerschaft“, demonstrierten den Schulterschluss gegen den großen Rivalen USA und verurteilten die Nato-Osterweiterung. Der Geheimdienstbericht deutete laut „New York Times“ nicht unbedingt an, dass ein Austausch über die Invasion zwischen Putin und Xi Jinping stattgefunden habe. Die Zeitung hatte zuvor schon US-Quellen zitiert, dass Peking mehrfach von den Amerikanern gewarnt worden sei, dass eine russische Invasion in die Ukraine bevorstehe. Doch habe die chinesische Seite die Möglichkeit abgetan. Quelle: ntv.de, tno/dpa
https://www.n-tv.de/politik/China-dementiert-Kriegs-Bitte-an-Russland-article23170691.html
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RUSSLAND – UKRAINE – FRANKREICH – Telefonat mit Putin ergebnislos Macron: „Das Schlimmste steht noch bevor“ – Macron habe Putin klargemacht, dass dieser sich selbst belüge, heißt es vom Elysée-Palast – 3.3.2022, 16:34
Der französische Präsident Macron versucht weiterhin, seinen russischen Amtskollegen zum Beenden des Ukraine-Kriegs zu bewegen. Doch Putin weicht keinen Millimeter von seinem Kurs ab, im Gegenteil. Er äußert seine Ambitionen, die komplette Ukraine unter seine Kontrolle zu bringen.
Frankreich ist davon überzeugt, dass der russische Präsident Wladimir Putin die gesamte Ukraine einnehmen will. Putin sei „sehr entschlossen, das gesamte Land zu kontrollieren“, hieß es vom Élysée-Palast nach einem Telefonat zwischen Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und Putin. Macron geht demzufolge davon aus, dass „das Schlimmste noch bevorsteht“. Der Kreml erklärte seinerseits im Anschluss an das Gespräch, Russland werde den Kampf „kompromisslos fortsetzen“.
Das eineinhalb Stunden dauernde Gespräch sei auf Initiative Putins zustande gekommen, hieß es im Elysée. Es ist das dritte Telefonat der beiden Präsidenten seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine am 24. Februar. Das Gespräch sei „ernsthaft und schwierig“ gewesen, allerdings habe es keinen hitzigen Schlagabtausch gegeben. Putin habe sich vielmehr „auf neutrale und klinische Weise“ ausgedrückt.
Nach Elysée-Angaben ist Putin nicht von seiner Position abgerückt, inakzeptable Bedingungen zu stellen. „Es ist nicht möglich, mit einer Pistole an der Schläfe zu verhandeln“, hieß es mit Blick auf die Position der Ukraine. Daher sei es auch nicht denkbar, ein Land zu demilitarisieren, das angegriffen werde – was Putin mehrfach als Bedingung für einen Waffenstillstand genannt hatte.
Macron habe Putin gemahnt, zivile Opfer zu vermeiden. Darauf habe Putin eine formelle Antwort gegeben, ohne sich jedoch dazu zu verpflichten. Putin habe ohnehin bestritten, dass russische Soldaten Kiew angegriffen haben und dass es zivile Opfer gegeben habe. „Du erzählst Märchen, Du suchst nach Vorwänden“, habe Macron Putin gesagt. Er habe ihn aufgefordert, „sich nicht in die Tasche zu lügen“.
Der Kreml betonte, Putin verfolge weiterhin das Ziel, die Ukraine zu „entnazifizieren“. „Wir reden über eine Demilitarisierung und einen neutralen Status für die Ukraine, damit sie niemals Russland bedrohen kann“, erklärte Putin laut einer Kreml-Mitteilung. Die Ziele der militärischen „Spezial-Operation“, wie Russland den Krieg bezeichnet, würden in jedem Fall erreicht werden. „Versuche, Zeit zu gewinnen, indem die Verhandlungen in die Länge gezogen werden, führen nur zu zusätzlichen Forderungen an Kiew in unserer Verhandlungsposition“, betonte der Kreml.
*** Macron spricht mit Selenskyj
Putin habe Macrons Ansprache an die Nation und dessen Kernaussagen kritisiert, hieß es weiter. So habe Macron gesagt, Russlands Begründung, in der Ukraine gegen Nationalsozialisten zu kämpfen, sei eine Lüge. Dies habe Putin zurückgewiesen und dem französischen Präsidenten „begründete Erklärungen zur bedeutenden Rolle der Neonazis in der Politik Kiews“ geliefert, teilte der Kreml mit. Zudem habe Putin kritisiert, dass die Ukraine jahrelang gegen die Vereinbarungen des Friedensplanes von Minsk verstoßen und der Westen nichts dagegen unternommen habe. „Der langjährige Völkermord an der Zivilbevölkerung im Donbass, der zu zahlreichen Opfern geführt und Hunderttausende Menschen gezwungen hat, in Russland Asyl zu suchen, wird totgeschwiegen“, zitierte der Kreml den russischen Präsidenten.
Im Anschluss an das Gespräch mit Putin telefonierte Macron mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Dieser habe betont, dass die Ukraine sich nicht ergibt, mit der Pistole an der Schläfe verhandele man nicht, sagte er laut Élysée-Palast. Grundsätzlich sei er allerdings zur Diplomatie bereit, zeigte sich aber besorgt über die zivilen Opfer des Angriffs.
Nach Einschätzung des Élysée-Palasts ist es Putins klares Ziel, die gesamte Ukraine unter seine Kontrolle zu bringen. Trotz Widerständen und Hindernissen werde er sich kaum davon abbringen lassen, seinen Plan bis zum Ende zu verfolgen. Dennoch habe man Hinweise, dass die verhängten EU-Sanktionen Wirkung zeigten, hieß es in Paris. Die Sanktionen werde man weiter verstärken und vervollständigen. Quelle: ntv.de, chf/dpa/AFP
https://www.n-tv.de/politik/Macron-Das-Schlimmste-steht-noch-bevor-article23171294.html
=> „So lange es nötig ist“ Macron will Kontakt zu Putin halten – 2.3.2022
https://www.n-tv.de/politik/Macron-will-Kontakt-zu-Putin-halten-article23169090.html
RUSSLAND – UKRAINE – RUSSLAND – Lawrow wirft Westen Gedankenspiele über Atomkrieg vor – 3.3.2022, 19:34
Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat dem Westen vorgeworfen, im Konflikt mit Russland über den Einsatz von Atomwaffen nachzudenken. „Die ganze Welt sagt, dass ein Dritter Weltkrieg ein Atomkrieg sein wird“, sagte Lawrow bei einer Online-Pressekonferenz. „Aber ich möchte darauf hinweisen, dass die Idee eines Atomkrieges in den Gedanken westlicher Politiker herumschwirrt, nicht in den Köpfen Russlands.“ Zugleich warnte Lawrow den Westen vor „jeglicher Provokation“.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55406337-ueberblick-am-abend-konjunktur-zentralbanken-politik-015.htm
RUSSLAND – UKRAINE – RUSSLAND – Fast 7.000 russische Wissenschafter wenden sich gegen Putins Krieg – 3.3.2022
In Russland haben sich fast 7.000 Wissenschafter und Akademiker bis Donnerstag gegen den Krieg in der Ukraine gewendet und einen offenen Brief an Präsident Wladimir Putin unterzeichnet. „Wir, russische Wissenschafter und Wissenschaftsjournalisten, protestieren aufs Schärfste gegen die militärische Invasion der Ukraine durch die russischen Streitkräfte“, heißt es in dem Brief, der auf der Nachrichtenwebsite trv-science.ru veröffentlicht wurde.
*** Putins Vorgehen erzürnt die Unterzeichner
„Humanistische Werte sind das Fundament, auf dem die Wissenschaft aufgebaut ist“, schreiben die Unterzeichner. Sie hätten viele Jahre damit verbracht, den Ruf Russlands unter anderem als führendes Zentrum der Mathematik zu stärken. Die Bemühungen seien „völlig zunichte gemacht“, hieß es weiter.
Der Brief bezeichnete Russland auch als „militärischen Aggressor und dementsprechend als Schurkenstaat“. Eine große wissenschaftliche Nation zu werden, „kann unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht erreicht werden“. Kein geopolitisches Interesse könne „diesen Tod und das Blutvergießen rechtfertigen“. Ein Krieg werde nur „zum totalen Niedergang unseres Landes führen“.
*** Auswirkungen auf wissenschaftliche Initiativen
Die weltweite Reaktion auf Moskaus Einmarsch vor einer Woche beeinträchtigt bereits eine Reihe wissenschaftlicher Initiativen, darunter die Internationale Raumstation ISS und eine geplante russisch-europäische Mission zur Landung eines Rovers auf dem Mars. Auch der Internationale Mathematikerkongress, den Russland im Juli ausrichten sollte, wurde wegen der Invasion abgesagt.
Den mehr als 6.900 Unterzeichnern drohen für Kritik an der Regierung Geld- oder Gefängnisstrafen. Neben den ohnehin scharfen Gesetzen gegen Kreml-Kritiker berät das russische Parlament diese Woche einen weiteren Gesetzesentwurf, der noch härtere Strafen für Kritik am Krieg in der Ukraine vorsieht.
https://science.apa.at/power-search/7625356289810876137
RUSSLAND – UKRAINE – UKRAINE – Selenskyj verspricht vollständigen Wiederaufbau der Ukraine – 3.3.2022, 14:01
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat einen vollständigen Wiederaufbau seines Landes nach dem Krieg mit Russland versprochen. Moskau werde wegen seines Einmarsches Reparationen zahlen müssen, kündigte er in einer Videobotschaft an. „Wir werden jedes Haus, jede Straße, jede Stadt wieder aufbauen.“ An den Kreml gewandt fügte Selenskyj hinzu: „Ihr werdet uns für alles, was ihr gegen unseren Staat, gegen jeden Ukrainer unternommen habt, vollständig entschädigen.“
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55402370-ueberblick-am-mittag-konjunktur-zentralbanken-politik-015.htm
RUSSLAND – UKRAINE – UKRAINE – Ukrainische Behörden bestätigen Einnahme von Cherson durch russische Truppen – 3.3.2022, 9:31
Die ukrainischen Behörden haben die Einnahme der Hafenstadt Cherson im Süden der Ukraine durch die russische Armee bestätigt. Regionalverwaltungschef Gennady Lakhuta schrieb im Mitteilungsdienst Telegram, russische „Besatzer“ seien in allen Stadtteilen und „sehr gefährlich“. Cherson ist die erste Großstadt, die Russland seit dem Einmarsch in die Ukraine vor einer Woche erobert hat. Die russische Armee hatte die Einnahme von Cherson bereits am Mittwochmorgen gemeldet.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55398786-ueberblick-am-morgen-konjunktur-zentralbanken-politik-015.htm
RUSSLAND – UKRAINE – GEORGIEN – Georgien reicht Antrag für EU-Mitgliedschaft ein – 3.3.2022, 19:34
Georgien hat offiziell einen Antrag für die Aufnahme in der Europäischen Union (EU) eingereicht. „Wir beantragen heute die EU-Mitgliedschaft“, erklärte am Donnerstag Regierungschef Irakli Garibaschwili nach der Unterzeichnung des Antrags. Georgien sei ein „europäischer Staat“.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55406337-ueberblick-am-abend-konjunktur-zentralbanken-politik-015.htm
RUSSLAND – UKRAINE – MOLDAWISCHE REPULBIK – Moldau beantragt EU-Mitgliedschaft – 3.3.2022, 19:34
Die Republik Moldau hat offiziell einen Antrag für die Aufnahme in die Europäische Union (EU) eingereicht. Dies teilte die Präsidentschaft in Chisinau am Donnerstag mit. Zuvor hatte bereits Georgien unter dem Eindruck des russischen Angriffskriegs in der Ukraine die Aufnahme in die EU beantragt.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55406337-ueberblick-am-abend-konjunktur-zentralbanken-politik-015.htm
RUSSLAND – UKRAINE – EUROPÄISCHE UNION – Wille zur Flüchtlingsaufnahme: EU bereitet sich auf Millionen von Ukraine-Flüchtlingen vor – 3.3.2022, 14:01
Die Europäische Union bereitet sich auf die Ankunft von Millionen von Ukraine-Flüchtlingen vor. EU-Kommissarin Ylva Johansson sagte vor einem Innenministertreffen der 27 EU-Ländern in Brüssel, schon jetzt seien „fast eine Million Menschen“ in die EU geflohen. Die EU-Kommission schlägt vor, Menschen aus dem Kriegsgebiet für bis zu drei Jahre Schutz zu gewähren. Dafür soll erstmals eine seit 2001 gültige Richtlinie zum temporären Schutz von Flüchtlingen aktiviert werden, die als Folge der Balkankriege beschlossen worden war.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55402370-ueberblick-am-mittag-konjunktur-zentralbanken-politik-015.htm
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55406982-roundup-4-eu-will-kriegsfluechtlinge-aus-der-ukraine-schnell-aufnehmen-016.htm
RUSSLAND – UKRAINE – POLEN – Polen will Verteidigungsausgaben auf drei Prozent erhöhen – 3.3.2022, 19:34
Als Reaktion auf den russischen Einmarsch in die Ukraine wird Polen seine Verteidigungsausgaben im nächsten Jahr auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöhen. Für die Folgejahre kündigte der stellvertretende Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski am Donnerstag weitere Erhöhungen an. Derzeit gibt Warschau bereits 2,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung aus – und ist in dieser Höhe eine der Ausnahmen unter den Nato-Ländern.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55406337-ueberblick-am-abend-konjunktur-zentralbanken-politik-015.htm
RUSSLAND – UKRAINE – SLOWAKISCHE REPUBLIK – Atomkraftwerke russischen Bautyps hungern nach Brennmaterial: Slowakei hat Nuklearmaterial aus Russland einfliegen lassen – 3.3.2022
Eigentlich sollten Flugzeuge, die von russischen Operators betrieben werden, in der Slowakei und im EU-Luftraum längst gebannt sein. Dennoch landete am 1. März 2022 eine von Volga-Dnepr Airlines betriebene Ilyushin Il-76TD in Bratislava. Die Regierung der Slowakei erteilte eine Sondergenehmigung.
Hintergrund ist, dass sich an Bord Nuklear-Material, das in slowakischen Atomkraftwerken dringend benötigt wird, befand. Die Kernkraftwerke in diesem Land sind sowjetischen Typs und damit stark von Kernbrennstoff aus Russland abhängig.
Die Slowakei erteilte daher eine Sondergenehmigung, die dazu führte, dass die Il-76TD unbehelligt von Moskau über Weißrussland und Polen nach Bratislava fliegen konnte. Anschließend durfte die Maschine auch wieder zurückgeflogen werden.
Despite the ongoing European ban on Russian airlines and aircraft, a Volga-Dnepr Airlines Ilyushin IL76TD landed today in Bratislava, Slovakia.
„Das Wirtschaftsministerium hat dazu beigetragen, die Versorgung mit Kernbrennstoff zu sichern, der vom slowakischen Elektrizitätsunternehmen (SE oder Slovenské Elektrárne) verwendet wird. Am 1. März 2022 ist im Morgengrauen ein IL76-Flugzeug der Volga Dnepr Airlines auf dem Flughafen Bratislava gelandet und hat den Kernbrennstoff aus der Russischen Föderation zu uns transportiert. Obwohl das europäische Land seinen Luftraum für russische Flüge gesperrt hatte, erließ die Regierung in diesem Fall gemäß den geltenden Vorschriften eine Ausnahme. Diese Ausnahmen können im Fall von humanitärer Hilfe und Kernbrennstoff verwendet werden“, so die offizielle Erklärung des slowakischen Wirtschaftsministeriums.
https://aviation.direct/slowakei-hat-nuklearmaterial-aus-russland-einfliegen-lassen
RUSSLAND – UKRAINE – DEUTSCHLAND – Generalinspekteur: Bundeswehr prüft weitere Rüstungslieferungen an die Ukraine – 3.3.2022, 9:31
Die Bundeswehr prüft nach den Worten von Bundeswehr-Generalinspekteur Eberhard Zorn die Lieferung weiterer Rüstungsgüter aus eigenen Beständen an die Ukraine. „Die ukrainischen Streitkräfte haben eine sehr lange Liste an die Nato geschickt – von Sanitätsmaterial über Munition bis zu Transportfahrzeugen“, sagte Zorn den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Wir schauen, was geht.“
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55398786-ueberblick-am-morgen-konjunktur-zentralbanken-politik-015.htm
RUSSLAND – UKRAINE – DEUTSCHLAND – Deutschland liefert 2.700 Flugabwehrraketen aus NVA-Beständen an die Ukraine – 3.3.2022, 9:31
Deutschland liefert weitere Waffen an die Ukraine. Das Bundeswirtschaftsministerium genehmigte auf Antrag der Bundeswehr die Weitergabe von 2.700 Flugabwehrraketen vom Typ „Strela“, wie die Nachrichtenagentur AFP aus Ministeriumskreisen erfuhr. Es handele sich um Waffen sowjetischer Produktion aus ehemaligen Beständen der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55398786-ueberblick-am-morgen-konjunktur-zentralbanken-politik-015.htm
RUSSLAND – UKRAINE – DEUTSCHLAND – Habeck: Konsequenzen der Sanktionen für Wirtschaft deutlich absehbar – Unternehmen tragen Sanktionen trotz Belastung mit – 3.3.2022, 16:28
SIEHE UNTER „DEUTSCHLAND“
RUSSLAND – UKRAINE – ÖSTERREICH – Gebühren für Ukrainer an österreichischen Unis entfallen – 3.3.2022
Ukrainische Studierende müssen an österreichischen Universitäten und Pädagogischen Hochschulen im Sommersemester 2022 keine Studiengebühren bezahlen. Eine entsprechende Verordnung von Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) soll bereits nächste Woche in Kraft treten. Der Einnahmenentfall von rund 1,7 Mio. Euro wird den Hochschulen vom Bildungsministerium ersetzt, hieß es in einer Aussendung.
Derzeit studieren rund 2.700 Ukrainer an österreichischen Hochschulen – 2.300 an öffentlichen Unis, jeweils rund 200 an Privatunis und Fachhochschulen (FH) und 25 an Pädagogischen Hochschulen (PH). Als Drittstaatsangehörige bezahlen sie damit grundsätzlich 726,72 Euro pro Semester.
Die Befreiung gilt für die Studenten an öffentlichen Unis und PH. Dadurch würden 2.300 ukrainische Studierende entlastet, so Polaschek. Bereits bezahlte Studiengebühren werden rückerstattet. Bei Privatunis und FH hat das Ministerium keine Eingriffsmöglichkeiten.
https://science.apa.at/power-search/12816033910162541845
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CHINA – Markit: Stimmmung in Chinas Servicesektor im Februar verschlechtert – 3.3.2022
Bei den chinesischen Dienstleistern hat sich die Geschäftsaktivität im Februar verlangsamt. Der von Caixin Media Co und dem Researchhaus Markit ermittelte Einkaufsmanagerindex (PMI) für den Servicesektor verringerte sich auf 50,2 (Januar: 51,4) Punkte und sank damit auf den tiefsten Stand seit sechs Monaten. Der auf Daten der staatlichen Statistikbehörde basierende offizielle Einkaufsmanagerindex war im Februar auf 51,6 (Vormonat: 51,1) Punkte gestiegen.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55398786-ueberblick-am-morgen-konjunktur-zentralbanken-politik-015.htm
TÜRKEI – Inflation in der Türkei überspringt Marke von 50 Prozent – 3.3.2022
Die Inflation in der Türkei hat sich im Februar weiter verstärkt. Wie das türkische Statistikamt Turkstat mitteilte, stieg die jährliche Inflationsrate auf 54,44 Prozent. Das ist der höchste Stand seit März 2002. Im Januar hatte die Rate 48,69 Prozent betragen. Die Türkei steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise, in den vergangenen Monaten hatte die Inflation immer neue Höchstwerte erreicht. Die Preissteigerung ist mittlerweile eines der wichtigsten Themen der türkischen Politik.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55398786-ueberblick-am-morgen-konjunktur-zentralbanken-politik-015.htm
GROSSBRITANNIEN – Großbritannien: Unternehmensstimmung hellt sich auf – 3.3.2022
LONDON (dpa-AFX) – Die Stimmung britischer Unternehmen hat sich im Februar deutlich aufgehellt. Der von IHS Markit erhobene Einkaufsmanagerindex stieg gegenüber dem Vormonat um 5,7 Punkte auf 59,9 Zähler, wie die Marktforscher am Donnerstag in London mitteilten. Unter den Dienstleistern hellte sich die Stimmung ebenso auf wie in der Industrie, wo die Umfrageergebnisse bereits am Dienstag veröffentlicht wurden.
Markit begründete die bessere Stimmung vor allem mit den schwindenden Belastungen durch die Corona-Pandemie. Der Inflationsdruck habe sich jedoch weiter erhöht. Die Einstandspreise der Hersteller seien erneut gestiegen, was auch zu deutlich steigenden Verbraucherpreisen führe. Die Auswirkungen des Krieges von Russland in der Ukraine seien noch nicht absehbar, sagte Markit-Direktor Andrew Harker./bgf/jsl/jha/
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55400242-grossbritannien-unternehmensstimmung-hellt-sich-auf-016.htm
EUROZONE – Barclays erwartet Euroraum-Inflation 2022 bei 5,6 Prozent – 3.3.2022
Barclays hat die Prognose für die Inflation im Euroraum im laufenden und kommenden Jahr angehoben. Die Volkswirte dieses Hauses rechnen damit, dass die Verbraucherpreise 2021 um 5,6 (bisher: 3,7) Prozent steigen werden und 2023 um 2,0 (1,5) Prozent. Die Prognose impliziert, dass die Teuerungsrate im April 2023 unter 2 Prozent fallen wird. Für die Kerninflation werden Raten von 3,0 (1,8) und 2,1 (1,7) Prozent erwartet.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55402370-ueberblick-am-mittag-konjunktur-zentralbanken-politik-015.htm
EUROZONE – Eurozone-Erzeugerpreise übertreffen Prognosen im Januar: +30,6 Prozent im Jahresvergleich (Vormonat: 5,2) – Energiepreise treiben – Preisanstieg für die gesamte EU im Januar bei 30,3 Prozent im Jahresvergleich (Vormonat: 4,9) – Kunden werden Kosten tragen – 3.3.2022
LUXEMBURG (Dow Jones)–Die Erzeugerpreise der Industrie in der Eurozone sind im Januar viel stärker gestiegen als erwartet. Die Preise auf der Erzeugerstufe zogen im Vergleich zum Vormonat um 5,2 Prozent an, wie die Statistikbehörde Eurostat berichtete. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten nur einen Anstieg um 2,3 Prozent erwartet. Im Jahresvergleich lagen die Erzeugerpreise um 30,6 Prozent höher. Die Prognose von Volkswirten hatte auf ein Plus von 26,9 Prozent gelautet.
Vor allem die Energiepreise standen hinter den kräftigen Steigerungen. Im Monatsvergleich erhöhten sich die Erzeugerpreise im Energiesektor um 11,6 Prozent. Binnen Jahresfrist betrug der Preisanstieg 85,6 Prozent.
Für die gesamte EU nannte Eurostat im Vergleich zum Vormonat einen Anstieg der Erzeugerpreise um 4,9 Prozent, binnen Jahresfrist haben sich die Preise um 30,3 Prozent erhöht. Die Produzentenpreise geben tendenziell die Richtung für die Verbraucherpreise vor: In der Regel reichen die Betriebe höhere oder niedrigere Einkaufskosten an ihre Kunden weiter.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55400360-eurozone-erzeugerpreise-uebertreffen-prognosen-im-januar-015.htm
EUROZONE – Markit: Eurozone-Wirtschaft gewinnt im Februar an Dynamik – 3.3.2022
Von Andreas Plecko
FRANKFURT (Dow Jones)–Die Wirtschaft der Eurozone ist im Februar stärker in Schwung gekommen. Der Sammelindex für die Produktion der Privatwirtschaft der Eurozone, der Industrie und Dienstleistungen umfasst, stieg auf 55,5 Zähler von 52,3 im Vormonat, wie das IHS Markit Institut bei einer zweiten Veröffentlichung berichtete.
Beim ersten Ausweis war ein Anstieg auf 55,8 Punkte gemeldet worden. Volkswirte hatten eine Bestätigung dieses Werts erwartet. Oberhalb von 50 Zählern signalisiert das Konjunkturbarometer des Markit-Instituts ein Wachstum, darunter deutet es auf ein Schrumpfen.
„Das Eurozone-Wirtschaftswachstum hat im Februar vor der Invasion in die Ukraine zu robuster Stärke zurückgefunden“, sagte IHS-Markit-Chefökonom Chris Williamson. „war ist es noch zu früh, die Auswirkungen des Krieges zu beurteilen, doch dürften die Wachstumsaussichten durch eine erhöhte Risikoaversion und neue Sanktionen beeinträchtigt worden sein, was die Erholung von der Pandemie dämpft.“
Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für den Servicebereich stieg auf 55,5 Punkte von 51,1 im Vormonat. Der erste Datenausweis hatte einen Stand von 55,8 ergeben, dessen Bestätigung Ökonomen erwartet hatten.
Webseite: https://www.markiteconomics.com/Public/Page.mvc/PressReleases
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55399724-markit-eurozone-wirtschaft-gewinnt-im-februar-an-dynamik-015.htm
EUROZONE – Eurozone-Arbeitslosenquote fällt im Januar auf 6,8 Prozent – 3.3.2022
LUXEMBURG (Dow Jones)–Der Arbeitsmarkt in Europa hat sich im Januar weiter von der Corona-Krise erholt. Wie die europäische Statistikbehörde Eurostat mitteilte, fiel die Arbeitslosenquote in der Eurozone auf 6,8 Prozent, nachdem sie im Dezember bei 7,0 Prozent gelegen hatte. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte hatten eine stabile Quote von 7,0 Prozent prognostiziert.
In der gesamten EU-27 betrug die Arbeitslosenquote 6,2 (Vormonat: 6,3) Prozent. Nach Schätzungen von Eurostat waren im Januar in der Eurozone 11,23 Millionen Menschen und in der gesamten EU 13,35 Millionen Menschen arbeitslos. Bei den Eurostat-Zahlen handelt es sich um saisonbereinigte Daten, die gemäß den Kriterien der International Labour Organization (ILO) ermittelt werden.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55400361-eurozone-arbeitslosenquote-faellt-im-januar-auf-6-8-prozent-015.htm
DEUTSCHLAND – DIHK: Komplettausfall russischen Gases hätte große Konsequenzen – 3.3.2022
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)–Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hat vor schweren Folgen für die Wirtschaft im Fall eines vollständigen Stopps russischer Gaslieferungen gewarnt und in einer solchen Situation eine Diskussion über den Umgang mit Industriebetrieben angemahnt. „Eine solche Situation hätte ökonomisch sehr hohe Konsequenzen, und zwar sehr, sehr negative“, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier bei einem Pressegespräch.
Für die Industrieproduktion liefen 25 Prozent der Energiezufuhr über Gas, und Deutschland beziehe bei seinen Erdgasimporten 55 Prozent aus Russland, erinnerte er. Käme es zu einem solchen enormen Energieengpass, werde die Produktion als erstes heruntergefahren. „Es ist festgelegt, dass bei Energieversorgungsknappheit zuerst Produktionsanlagen in der Industrie stillgelegt werden“, sagte er. „Also ist die Betroffenheit gerade in der deutschen Industrie, im produzierenden Gewerbe in einem solchen Fall immens hoch.“
Deshalb müssten die verschiedenen Interessen noch einmal diskutiert werden, wenn es zu einem Importstopp von Erdgas käme, forderte der DIHK-Außenwirtschaftschef. „Dann müssen wir das neu diskutieren.“ Manche Unternehmen könne man später nicht wieder einfach hochfahren, man rede dann von deren Zukunft und der der dort Beschäftigten. Unabhängig von der gegenwärtigen Situation seien die Energie- und Rohstoffpreise zusammen mit dem Fachkräftemangel die drängendsten Probleme und ein „Konjunkturhemmer“. Eine schnelle Kompensation ausfallender Gaslieferungen durch Transporte von Flüssiggas sah Treier „kurzfristig im Bereich des Unmöglichen“.
Treier betonte, die Unternehmen stünden aber vollständig hinter den jetzt ergriffenen Sanktionen gegen Russland. „Obwohl die Sanktionen so breit und so intensiv sind und fast einem Vollembargo gleichkommen, haben wir keine kritischen Stimmen aus der Wirtschaft gehört, die die Sanktionen für falsch oder überzogen halten“, erklärte er. „Da gibt es eine breite Unterstützung, dass diese Sanktionen jetzt richtig waren.“ Jedoch sei es richtig, dass weiter in Russland tätige Unternehmen ihr Geschäft nicht vollends aufgäben. In welchem Maß das Russlandgeschäft weiterbetrieben werden solle, unterliege jetzt aber letztlich dem Primat der Politik. Der DIHK forderte zudem „eine besondere Form der Unterstützung für Unternehmen, um in der Ukraine bleiben zu können.
Nach Angaben des DIHK hat sich die Zahl der in Russland aktiven deutschen Unternehmen gegenüber 2012 nahezu halbiert auf 3.650. Vor Ort seien 280.000 Menschen beschäftigt. In Deutschland stehen den Angaben zufolge insgesamt rund 40.000 Betriebe in Geschäftsbeziehungen mit Russland. In der Ukraine sind laut der Kammerorganisation rund 2.000 deutsche Unternehmen mit 50.000 an den Standorten Beschäftigten vor Ort aktiv. Ein Schwerpunkt seien Automobilzulieferer, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Ukrainischen Industrie- und Handelskammer, Alexander Markus. Zu befürchten sein könnten etwa Lieferverzögerungen bei Kabelbäumen.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55401412-dihk-komplettausfall-russischen-gases-haette-grosse-konsequenzen-015.htm
DEUTSCHLAND – DIHK: Unternehmen beklagen im Zuge des russischen Angriffs zunehmende Handelshemmnisse bei Auslandsgeschäften – Allseits erwartetes kräftiges Aufholwachstum nach Corona-Tief 2020 wird ausbleiben – 3.3.2022
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)–Der russische Angriff auf die Ukraine und die daraus resultierenden Folgen für die Wirtschaft wirken nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) „wie ein Brennglas auf die Lage der auslandsaktiven deutschen Unternehmen“. Schon vor Kriegsbeginn seien sie weltweit immer öfter auf Handelshemmnisse gestoßen, zeige die diesjährige Umfrage „Going International“. An der Erhebung hatten sich in der ersten Februarhälfte rund 2.700 grenzüberschreitend tätige Unternehmen beteiligt, teilte der DIHK mit. 54 Prozent davon spürten eine akute Zunahme von Hürden bei ihren internationalen Geschäften.
„Das sind noch einmal mehr als im Jahr 2020 mit seinen zahlreichen Corona-Lockdowns und zugleich der höchste Wert, den wir in den vergangenen zehn Jahren gemessen haben“, erklärte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. 2017 habe hingegen noch nicht einmal ein Drittel der Unternehmen eine Zunahme von Handelshemmnissen registriert. „Trotz der weiterhin stabilen Exportzahlen stößt die deutsche Wirtschaft im weltweiten Handel häufiger an Grenzen – und das im wahrsten Sinne des Wortes“, konstatierte Treier.
Auf der Liste der größten Handelshemmnisse standen den Angaben zufolge vor dem Krieg in der Ukraine mit jeweils 49 Prozent „lokale Zertifizierungsanforderungen“ und „verstärkte Sicherheitsanforderungen“, gefolgt von „intransparenter Gesetzgebung“ (33 Prozent) und Zöllen (32 Prozent) sowie Sanktionen (24 Prozent). Die aktuelle Umfrage zeige auch, dass die Geschäfte deutscher Unternehmen auf internationalem Parkett im Vorjahresvergleich per Saldo zuletzt öfter schlechter als besser gelaufen seien – und das zum dritten Mal in Folge.
Hoffnungen auf einen Aufwärtstrend in diesem Jahr habe es trotz voller Auftragsbücher schon im Erhebungszeitraum nicht gegeben. „Für 2022 rechnen 18 Prozent der Betriebe mit einem Plus für ihr Auslandsgeschäft, aber 21 Prozent mit einem Minus“, berichtete Treier.
Das allseits erwartete kräftige Aufholwachstum nach dem Corona-Tief 2020 bleibe damit aus. Stattdessen drohten sich die während der Pandemie entstandenen Handelshemmnisse zu verfestigen und den schon vorher feststellbaren Hang zum Protektionismus zu beschleunigen. Hinzu kämen nun die gegen Russland verhängten Sanktionen mit ihren noch unklaren Folgen für den Welthandel. Das bisher von der Kammerorganisation für 2022 prognostizierte Exportwachstum von 6 Prozent „ist nicht mehr zu schaffen“, sagte Treier.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55399190-dihk-unternehmen-beklagen-zunehmende-handelshemmnisse-bei-auslandsgeschaeften-015.htm
DEUTSCHLAND – Habeck: Konsequenzen der Sanktionen für Wirtschaft deutlich absehbar – Unternehmen tragen Sanktionen trotz Belastung mit – 3.3.2022
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)–Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) geht von deutlichen Folgen der gegen Russland wegen des Ukraine-Krieges verhängten Sanktionen für die deutsche Wirtschaft aus und will deshalb ein Kreditprogramm mit niedrigen Zinsen und langen Laufzeiten nach dem Vorbild von Maßnahmen in der Corona-Krise auflegen. „Für die deutsche Wirtschaft … sind die Konsequenzen der Sanktionen und des Krieges deutlich absehbar und auch schon in Teilen zu spüren“, sagte Habeck bei einem Pressestatement in Berlin nach kurzfristig anberaumten Gesprächen mit Vertretern der Wirtschaft über die Auswirkung der Sanktionen.
Die Branchen seien unterschiedlich betroffen, insgesamt allerdings habe man nun „eine so komplexe Situation wie vielleicht seit vielen Jahren nicht in der deutschen Wirtschaftsgeschichte“. Die Auswirkungen der Sanktionen und des Krieges auf alle Bereiche der Wirtschaft seien so stark, dass man „von kleinen Einschnitten, die es gibt, große Auswirkungen befürchten“ müsse. „Eine Rezession wäre dann zu befürchten, wenn die deutsche Wirtschaft nicht mehr produzieren kann“, sagte er auf eine Frage. Man arbeiten dafür, dass genau das nicht passiere. Um die energiewirtschaftliche Abhängigkeit von Russland zu verringern, wolle man „noch einmal den Turbo anschmeißen“.
Habeck sprach sich aber gegen ein mögliches Embargo auf Importe russischer Energie aus. Man werde „die Möglichkeiten für Energiezufuhren aus Russland offen halten“, kündigte er an. „Wir brauchen diese Energiezufuhren, um die Preisstabilität und die Energiesicherheit in Deutschland herzustellen“, sagte der Wirtschaftsminister, der im Kabinett auch für Klimaschutz zuständig ist. Die hohen Energiepreise werde man „in den Verbraucherpreisen, in den Preisen für die Industrie, für die Wirtschaft insgesamt sehen“.
*** Unternehmen tragen Sanktionen trotz Belastung mit
Der Grünen-Politiker ging aber „nicht davon aus, dass diese Preise dauerhaft so hoch sein werden, außer, es kommt noch einmal zu erheblichen Abrissen in den Lieferketten für Energie. „Aber dass wir auch mit einem höheren Preisniveau rechnen müssen, ist sehr, sehr wahrscheinlich.“ Die Regierung wolle weiter Maßnahmen identifizieren, um Wirtschaft und Bevölkerung gezielt zu entlasten. Zudem betonte Habeck, alle Unternehmen, mit denen er gesprochen habe, trügen die Sanktionen „vollumfänglich mit“, obwohl es für sie eine erhebliche Belastung sei. „Niemand hat gesagt, das ist ein Fehler, und jetzt hört einmal damit auf, sondern die Solidarität ist ungebrochen.“
Am Vormittag hatte bereits der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) vor schweren Folgen für die Wirtschaft im Fall eines vollständigen Stopps russischer Gaslieferungen gewarnt und in einer solchen Situation eine Diskussion über den Umgang mit Industriebetrieben gefordert. „Eine solche Situation hätte ökonomisch sehr hohe Konsequenzen, und zwar sehr, sehr negative“, hatte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier gesagt.
Der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft hatte von „massiven“ Auswirkungen gesprochen, allerdings werde „es nicht viele Unternehmen geben, die wirklich existenziell betroffen sind“. Betroffen seien vor allem einige spezialisierte Mittelständler. „Denen sollte dann auch gezielt geholfen werden“, hatte Geschäftsführer Michael Harms im ARD-Morgenmagazin gefordert. Treier wie Harms hatten ebenfalls betont, dass die Unternehmen vollends hinter den Sanktionen stünden. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft beziffert den langfristigen Schaden für Deutschland in einer am Morgen veröffentlichten Modellrechnung auf 0,4 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55404461-habeck-konsequenzen-der-sanktionen-fuer-wirtschaft-deutlich-absehbar-015.htm
DEUTSCHLAND – Deutscher Exportüberschuss sinkt 2021 zum fünften Mal in Folge – 3.3.2022
WIESBADEN (Dow Jones)–Der deutsche Exportüberschuss ist im Jahr 2021 gegenüber dem Vorjahr um 4,2 Prozent auf 172,9 Milliarden Euro gesunken. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, ging der Exportüberschuss damit das fünfte Jahr in Folge zurück. Gegenüber dem Jahr 2019, dem Jahr vor dem Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland, lag der Außenhandelsüberschuss um 22,8 Prozent niedriger. Damals hatte der deutsche Exportüberschuss bei 224,0 Milliarden Euro gelegen.
Im Außenhandel mit Russland wies Deutschland im Jahr 2021 aufgrund stark gestiegener Preise für Rohöl- und Erdgasimporte einen Importüberschuss aus, nachdem es 2020 wegen des niedrigen Preisniveaus im ersten Corona-Jahr erstmals seit 1993 einen Exportüberschuss erzielt hatte. Im Jahr 2021 betrug der Importüberschuss 6,5 Milliarden Euro.
Die höchsten Exportüberschüsse wies Deutschland 2021 im Außenhandel mit den Vereinigten Staaten (50,0 Milliarden Euro), Frankreich (40,0 Milliarden Euro) und dem Vereinigten Königreich (33,3 Milliarden Euro) aus. Für China wies der Außenhandel 2021 dagegen erneut einen Importüberschuss aus: Insgesamt überstieg der Wert der aus China importierten Waren den Wert der dorthin exportierten Waren um 38,1 Milliarden Euro.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55398092-deutscher-exportueberschuss-sinkt-2021-zum-fuenften-mal-in-folge-015.htm
DEUTSCHLAND – VDMA: Maschinen- und Anlagenbau schafft guten Start ins Jahr – 3.3.2022
Von Andreas Plecko
FRANKFURT (Dow Jones)–Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer sind gut ins Jahr gestartet. Im Januar erhöhten sich die Auftragseingänge um real 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mitteilte. Dabei legten die Bestellungen aus dem Inland um 22 Prozent zu. Aus dem Ausland kamen 18 Prozent mehr Orders; dieser Zuwachs war von Großanlagengeschäften mitgeprägt.
Aus den Euro-Ländern erhöhten sich die Bestellungen um 21 Prozent, aus dem Nicht-Euroraum kamen 16 Prozent mehr Orders. „Die russische Aggression in der Ukraine konnte im Januar natürlich noch keine Rolle spielen, die Auswirkungen des Kriegs werden in den Auftragszahlen frühestens ab März zu sehen sein“, sagte VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann.
Im weniger schwankungsanfälligen Dreimonatszeitraum bis Januar 2022 legten die Bestellungen um 21 Prozent zum Vorjahr zu. Aus dem Inland kamen 17 Prozent mehr Orders, die Auslandsaufträge legten um 23 Prozent zu. Aus den Euro-Ländern wurde eine Steigerung von 25 Prozent verbucht, aus den Nicht-Euro-Ländern kamen 22 Prozent mehr Bestellungen.
Der VDMA vertritt rund 3.400 Betriebe des mittelständisch geprägten Maschinen- und Anlagenbaus. Die Industrie beschäftigt rund vier Millionen Menschen in Europa, davon mehr als eine Million allein in Deutschland.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55399563-vdma-maschinen-und-anlagenbau-schafft-guten-start-ins-jahr-015.htm
DEUTSCHLAND – Deutsche Fahrzeugzulassungen steigen im Februar um 3,2 Prozent – 3.3.2022
FRANKFURT (Dow Jones)–Im Februar 2022 wurden 200.512 Personenkraftwagen (Pkw) neu in Deutschland zugelassen. Das waren 3,2 Prozent mehr als im Februar des Vorjahres, wie das Karftfahrtbundesamt mitteilte.
Bei den deutschen Marken erreichte Mini mit 12,7 Prozent das stärkste Zulassungsplus, gefolgt von Mercedes (+9,5%) und Porsche (+4,9%). VW (-8%), BMW (-5,4%) und Audi (-3,9%) büßten Rückgänge im einstelligen Bereich ein. Den größten Anteil an den Neuzulassungen erreichte VW mit 18,4 Prozent.
Bei den Importmarken zeigten sich überwiegend positive Vorzeichen. Tesla kam auf ein Plus von 209,9 Prozent. Bei den alternativen Antrieben konnten die Elektro-Pkw mit plus 54,9 Prozent und 28.306 Neuwagen auch im Februar 2022 einen deutlichen Anstieg verzeichnen. Ihr Anteil betrug 14,1 Prozent.
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55402324-deutsche-fahrzeugzulassungen-steigen-im-februar-um-3-2-prozent-015.htm
DEUTSCHLAND – Markit: Deutsche Dienstleister im Februar besser in Schwung – 3.3.2022
Von Andreas Plecko
FRANKFURT (Dow Jones)–Der deutsche Servicesektor hat sich im Februar weiter erholt. Der von IHS Markit für den Sektor ermittelte Einkaufsmanagerindex stieg auf 55,8 von 52,2 Punkten, wie aus den finalen Daten für den Monat hervorgeht. Volkswirte hatten einen Stand von 56,6 vorhergesagt. Vorläufig war für Februar ein Wert von 56,6 ermittelt worden.
Insgesamt hat sich das Wachstum in Deutschlands Wirtschaft im Februar beschleunigt. Der Sammelindex für die Produktion in der Privatwirtschaft – Industrie und Dienstleister zusammen – stieg auf 55,6 von 53,8 Punkten im Vormonat. Oberhalb von 50 Punkten signalisiert das Konjunkturbarometer ein Wachstum, liegt es darunter eine Schrumpfung.
IHS-Markit-Ökonom Phil Smith wies jedoch auf einen wunden Punkt hin: „Der Inflationsdruck blieb auch im Umfragemonat beunruhigend hoch, denn die Kombination aus angestauter Nachfrage und explodierenden Kosten führte zu einem annähernden Rekordanstieg der Verkaufspreise. Angesichts der gegenwärtigen Energiepreisentwicklung und weiterhin drohender Lieferengpässe sieht es so aus, als würde die Inflation noch länger hoch bleiben.“
Link: https://www.markiteconomics.com/Public/Release/PressReleases?language=de
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2022-03/55399605-markit-deutsche-dienstleister-im-februar-besser-in-schwung-015.htm
ÖSTERREICH – STATISTIK – Inflation im Februar 2022 laut Schnellschätzung voraussichtlich bei 5,9% – NACHTRAG: 2.3.2022
http://www.statistik.at/web_de/presse/127702.html