Tagesblick – 10.10.2025 Freitag

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FAZIT DES TAGES ULTRAKURZ – oder: Nachrichten aus dem irrwitzigen Weltzirkus

  • ISRAEL-HAMAS-HISBOLLA-KRIEG: Trotz Widerstand in der Regierung: Israel stimmt Waffenstillstand zu.
    Warten auf weitere Verhandlungsergebnisse.
    Das Zünglein an der Waage bleibt und ist die Hamas.
  • UKRAINE-KRIEG: Ukrainische Nadelstiche (Raffinerie u.a.), russische Angriffe (Kiew, Energieanlagen, Gasproduktion u.a.)
    Teilevakuierung von Frontstadt Kramatorsk.
    Trump drängt Russland und will Spanien aus NATO ausschließen.
  • ZENTRALBANKEN: EZB-Ratsmitglieder sahen mehrheitlich mehr Abwärtsrisiken für Inflation.
  • EU: „Ohrfeigen“ von links und rechts: van der Leyen übersteht zwei Abstimmungen gegen sie.
  • DEUTSCHLAND: Autobauer in der Misere stecken Kopf in den Sand.
  • ÖSTERREICH: Wirtschaftsfaktor Hochschule: Uni Wien-Erfolg beim Ranking lässt Stadt Wien jubeln.
  • Weitere COMMENTS vorhanden

MÄRKTE – Verschnaufpause, Gold und Erdöl sinken.

REPORT – Zartes Lob für Reformbemühungen in Deutschland. Schwächere Wirtschaft: deutscher Import und Export gesunken.

WIRTSCHAFTSMELDUNGEN IM ÜBERBLICK – DEUTSCHLAND: Fahrleistungsindex läst ein wenig auf Wirtschaftserholung hoffen.

THEMENREIGEN – IT: Handysucht und Vermenschlichung der Geräte. Digitales Lesen gewinnt Hälfte der Leserschaft. Erde lückenlos über Satelliten beobachtbar. CYBERCRIME: Digitale Kriminalität wird zum wirtschaftlichen Erfolgsmodell. TIERE: Spielsüchtige Hunde.

Viel Stoff – Nutze die Suchfunktion!

Apropos Weltzirkus: Zirkus ist was für Kinder und Junggebliebene, Staunen und Lachen über die Clowns! Im Weltzirkus tummeln sich viele Zauberkünstler und Clowns. Lachen wir also, Lachen ist die beste Medizin gegen Depressionen. 

EMPFEHLUNG

INFORADIO als Nachrichtensender am laufenden Band ist mit einem DAB-fähigen Radio zu empfangen. Es wird betrieben von RTR – KommAustria.

Das INFORADIO ist eine wertvolle Ergänzung zu anderen Agenturmeldungen und zum ORF.

Dazu allerdings ca. 15 bis 20 Minuten Zeit für konzentriertes Zuhören einplanen.

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NEU – NEU – NEU

Was denkt „das Volk“? Wer über gute Nerven und über argumentativ gefestigte Einstellungen verfügt sowie sich darüber informieren möchte, was die Hirne und Herzen der Menschen bewegt, der schaue auf X(Twitter) und Bluesky. Sehr aufschlussreich, aber bitte: Warm anziehen und Brechschale vulgo Speibeimer bereithalten!

MÄRKTE

DJI – BAHA *** DJI – KGV *** Rendite 10-jg. US-Anleihen

DAX Deutsche Börse *** DAX – KGV *** Rendite 10-jg. Bundesanl. *** Euro-Bund Futures

COMMENT: Verschnaufpause an den Aktienmärkten – Gaza-Krieg ist vorläufig „gegessen“. Geplante Geisel-Freilassung lässt Gold- und Erdölpreise sinken.

07:27MÄRKTE ASIEN/Gewinnmitnahmen – Kospi nach „Golden Week“ auf Rekordhoch342Dow Jones News
06:45EUREX/DAX-Future im frühen Handel höher389Dow Jones News
06:39EUREX/Bund-Future im Frühhandel etwas höher352Dow Jones News
DoNACHBÖRSE/XDAX unv. bei 24.621 Pkt – Energiekontor unter Druck1.079Dow Jones News
DoMÄRKTE USA/Leichte Abgaben nach anfänglicher Rekordjagd798Dow Jones News
DoROUNDUP/Aktien New York Schluss: Leichte Verluste – Vorsicht nach Rekordjagd905dpa-AFX
DoDevisen: Eurokurs fällt im US-Handel etwas weiter536dpa-AFX
DoMÄRKTE EUROPA/DAX beendet Seitwärtsphase mit Allzeithoch580Dow Jones News
DoXETRA-SCHLUSS/DAX mit Rekordhoch – Gerresheimer enttäuscht erneut565Dow Jones News
DoAktien Wien Schluss: Leitindex ATX legt zu523dpa-AFX
DoAktien Schweiz etwas leichter – SMI weiter über 12.600 Punkten439Dow Jones News
DoAktien Europa Schluss: Leichte Verluste – Ferrari und HSBC unter Druck473dpa-AFX
DoAktien Frankfurt Schluss: Dax gibt nach Rekordhoch Gewinne weitgehend ab423dpa-AFX
DoDax legt geringfügig zu – Bayer und Heidelberg Materials gefragt521dts Nachrichtenagentur
DoUS-Anleihen: Leichte Kursverluste292dpa-AFX
DoDeutsche Anleihen: Kursverluste366dpa-AFX

GESELLSCHAFTSSEISMOGRAPH BÖRSEN

findet sich am Ende des Tagesblicks und wurde am 1.10.2025 aktualisiert.

HELLMEYER-REPORT (Märkte u.a.m.)

  • Märkte: Gewinnmitnahmen und Liquiditätspräferenz vor dem Wochenende
  • Deutschland: Reformpaket der Bundesregierung

Hier den Hellmeyer Report lesen!

ZENTRALBANKEN

Mehr EZB-Ratsmitglieder sahen Abwärtsrisiken für Inflation – Protokoll

Von Hans Bentzien

DOW JONES–Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat seinen Leitzins im September wegen der anhaltenden hohen Unsicherheit des Inflationsausblicks unverändert gelassen. Wie aus dem Protokoll der Beratungen vom 11./12. September hervorgeht, wurde das Risiko eines mittelfristigen Unterschreitens des Zielwerts von 2 Prozent aber als etwas höher eingestuft als das Risiko eines Überschreitens. Der EZB-Rat als Ganzes gibt seit längerem keine Einschätzung mehr zur Balance der Inflationsrisiken ab.

Nach ihrer überarbeiteten geldpolitischen Strategie muss die EZB nicht nur das Basisszenario des Inflationsausblicks beachten, sondern auch die es umgebenden Risiken. „Mehrere Mitglieder sahen die Inflationsrisiken mittelfristig eher nach unten gerichtet“, heißt es in dem Dokument. Überwiegend nach unten gerichteten Inflationsrisiken sahen dagegen nur „ein paar“ Mitglieder.

EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hatte kürzlich gesagt: „Wenn es einen Anstieg bei der Wahrscheinlichkeit oder Intensität von Abwärtsrisiken gibt, dann bedeutet das, dass ein leicht niedrigerer Leitzins besser geeignet wäre, das mittelfristige Inflationsziel zu verteidigen.“

Euro-Aufwertung könnte fundamental ungerechtfertigt sein

Die Verfechter abwärts gerichteter Inflationsrisiken sahen vor allem die Gefahr, dass die Aufwertung des Euro ein exogener Schock gewesen sein könnte, der nicht mit der wirtschaftlichen Lage im Euroraum zusammenhänge und dessen inflationsdämpfender Effekt damit stärker als in den Projektionen unterstellt sein könnte.

Zudem sei eine weitere Aufwertung angesichts der zunehmenden Erwartungen von Zinssenkungen durch die Fed möglich. Es wurde auch argumentiert, dass Handelsspannungen und Unsicherheit weiterhin Abwärtsrisiken für die Inflation darstellten. Insbesondere wurde angedeutet, dass eine zunehmende Umleitung von Waren aus China und anderen Ländern mit Überkapazitäten in den Euroraum sich in niedrigeren Exportpreisen manifestieren und zu einer geringeren Inflation führen könnte.

Außerdem könnten die Auswirkungen der fiskalischen Expansion auf Wachstum und Inflation geringer als erwartet sein und die inflationstreibende Wirkung des Emissionshandelssystems ETS2 könnte schwächer als gedacht ausfallen.

Inflationsprognosen des EZB-Stabs eher niedrig

Die in der Minderheit befindlichen Verfechter aufwärts gerichteter Inflationsrisiken verweisen unter anderem darauf, dass externe Inflationsprognosen für die Jahre 2026 und 2027 über denen des EZB-Stabs gelegen hätten. Die Geldpolitik habe zwar den Disinflationsprozess unterstützt, der Rückgang der Inflation auf den Zielwert sei aber auch teilweise auf volatile Entwicklungen bei den Energiepreisen und dem Wechselkurs zurückzuführen, die sich leicht umkehren könnten.

Darüber hinaus könnte die Weitergabe niedrigerer Inputkosten, die mit einem stärkeren Wechselkurs oder sinkenden Importpreisen zusammenhängen, geringer ausfallen als in den Projektionen angenommen. Importeure könnten aufgrund von Preisrigiditäten nach unten weniger bereit sein, niedrigere Kosten an die Verbraucher weiterzugeben, insbesondere angesichts der robusten Binnennachfrage und des Bestrebens der Unternehmen, ihre Gewinnmargen wieder aufzubauen.

Allgemein wurde darauf hingewiesen, dass sich die Wirtschaft widerstandsfähiger erweise als erwartet, was ein nachhaltiges Unterschreiten der Inflation zunehmend unwahrscheinlich mache. Es wurde auch argumentiert, dass Zölle in den Simulationen des EZB-Stabs eher inflationär als disinflationär wirkten, wenn die Projektionsmodelle Produktionsnetzwerke berücksichtigten.

Der Preisdruck nach oben könnte sich verstärken, wenn eine Fragmentierung der globalen Lieferketten die Importpreise in die Höhe treibe und die Kapazitätsengpässe in der heimischen Wirtschaft verschärfe.

Der EZB entscheidet das nächste Mal am 30. Oktober über den Leitzins, Analysten erwarten überwiegend, dass die EZB stillhalten wird.

DJG/hab/sha (END) © 2025 Dow Jones News

COMMENT: Man sieht: Geldpolitik (Zinssatzbestimmung) ist ein schwieriges Geschäft mit vielen Wenn und Aber. Prognosen sind schwierig, vor allem für die Zukunft, das gesagt zu haben wird einigen prominenten Persönlichkeiten unterstellt. In der Tat, so ist es.

Über nichts wird so viel Luft verblasen wie darüber, wie sich künftige Geschehnisse gestalten werden.

WIRTSCHAFTSMELDUNGEN IM ÜBERBLICK

DoÜBERBLICK am Abend/Konjunktur, Zentralbanken, PolitikDow Jones News
DoMehr EZB-Ratsmitglieder sahen Abwärtsrisiken für Inflation – ProtokollDow Jones News
DoÜBERBLICK am Mittag/Konjunktur, Zentralbanken, PolitikDow Jones News
DoÜBERBLICK am Morgen/Konjunktur, Zentralbanken, PolitikDow Jones News
DoLkw-Maut-Fahrleistungsindex steigt im September um 0,5 Prozent gg VmDow Jones News
DoDeutsche Exporte sinken im August unerwartetDow Jones News
DoPRESSESPIEGEL/Zinsen, Konjunktur, Kapitalmärkte, BranchenDow Jones News
DoPRESSESPIEGEL/Unternehmen: PORSCHE, SNAM/OGE, POLARIS, HELSING, FIRST BRANDSDow Jones News

ISRAEL-IRAN-HAMAS-HISBOLLAH-KRIEG

ISRAEL-IRAN-KRIEG im n-tv Liveticker

ISRAEL – NAHOST-KONFLIKT im n-tv Liveticker

ISRAEL – NAHOST-KONFLIKT im FAZ-Liveblog

Chronologisch absteigend, jüngste Meldungen zuoberst:

200 US-Soldaten sollen nach Angaben von US-Regierungsvertretern im Nahen Osten stationiert werden, um die Einhaltung der Waffenruhe im Gazastreifen zu überwachen.

Auch Militärvertreter aus Ägypten, Qatar und der Türkei sowie möglicherweise aus den Vereinigten Arabischen Emiraten würden in das Team eingebunden, sagte ein ranghoher US-Regierungsvertreter am Donnerstag (Ortszeit) zu Journalisten. Ein weiterer US-Regierungsvertreter sagte, dass eine Entsendung von US-Soldaten in den Gazastreifen nicht geplant sei.

Das israelische Kabinett hat dem Abkommen mit der islamistischen Hamas zur Freilassung aller Geiseln und einer Feuerpause im Gazakrieg zugestimmt.

Das teilte das Büro von Regierungschef Benjamin Netanjahu in der Nacht zu Freitag mit.

Mehrere rechtsextreme Minister in der Regierung stimmten Medienberichten zufolge gegen die Vereinbarung mit der Hamas, darunter Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir und Finanzminister Bezalel Smotrich. Ben-Gvir nannte die Freilassung palästinensischer Gefangener einen „untragbar schweren Preis“, der im Gegenzug für die Freilassung der israelischen Geiseln im Gazastreifen zu zahlen sei. Smotrich sprach von „schweren Bedenken darüber, dass die Gefängnisse geleert werden und die nächste Generation von Terrorführern freigelassen wird“.

„Wir haben in diesen zwei Jahren gekämpft, um unsere Kriegsziele zu erreichen“, sagt Israels Ministerpräsident Netanjahu während der Kabinettssitzung an der Seite des amerikanischen Sondergesandten Steve Witkoff und des Schwiegersohns des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, Jared Kushner. „Eines der zentralen Kriegsziele ist die Rückkehr der Geiseln, aller Geiseln, der lebenden und der toten. Und wir sind dabei, dieses Ziel zu erreichen.“

Das Abkommen zwischen Israel und der islamistischen Hamas sieht laut einem Bericht des Fernsehsenders Kan ein sofortiges Ende des Gazakriegs nach der – inzwischen erfolgten – Zustimmung der israelischen Regierung vor.

Alle militärischen Einsätze, einschließlich Luftangriffen und Artilleriebeschuss sowie gezielter Operationen, seien einzustellen, heißt es in dem unterzeichneten Abkommen, das Kan auf der Plattform X veröffentlichte. Zudem sind demnach unverzüglich Hilfslieferungen in den Gazastreifen zu bringen.

Das israelische Kabinett hatte dem Abkommen in der Nacht auf Freitag zugestimmt. Innerhalb von 24 Stunden sollen sich die Streitkräfte demnach auf eine vereinbarte Linie zurückziehen. Das Militär werde nicht in geräumte Gebiete zurückkehren, solange sich die Hamas an das Abkommen halte. 

Der israelische Parlamentsvorsitzende Amir Ohana hat US-Präsident Donald Trump offiziell eingeladen, während seines Besuchs in Israel vor der Knesset zu sprechen.

Trumps Rede würde eine bedeutsame Geste „unserer ewigen Dankbarkeit für Ihre einmalige Führungsstärke und für die unzerbrechliche Allianz“ beider Staaten sein, heißt es in dem Einladungsschreiben, das Ohana auch auf der Plattform X postete. „Israel erwartet den Friedenspräsidenten“, schrieb er dazu. Trump sei der „größte Freund und Verbündete der jüdischen Nation in der modernen Geschichte“.

DONNERTAG, 9.10.

In einem Interview mit dem israelischen Fernsehen hat Palästinenserpräsident Mahmud Abbas seine Hoffnung auf einen nachhaltigen Frieden in der Region geäußert.

„Heute sind wir sehr glücklich, dass das Blutvergießen vorbei ist“, sagte Abbas am Donnerstag dem israelischen Sender Channel 12 – Interviews von Abbas mit einem israelischen Sender sind selten. „Wir hoffen, es bleibt so, und dass Frieden, Sicherheit und Stabilität zwischen uns und Israel herrschen wird.“

Mit Blick auf die Einigung zwischen Israel und der radikalislamischen Palästinenserorganisation auf einen Waffenstillstand im Gazastreifen sprach Abbas von einem „historischen Moment“. Er hoffe, „dass wir das Blutvergießen, das in unserem Land stattfindet, egal ob im Gazastreifen, im Westjordanland oder in Ostjerusalem, beenden können“.

Unklarheit bestand indes weiterhin über die längerfristige Zukunft des Gazastreifens. Israel lehnt eine Beteiligung von Abbas’ Palästinensischer Autonomiebehörde (PA) an einer zukünftigen Regierung in dem Küstenstreifen ab. Dennoch erklärte der Vizepräsident der PA, Hussein al-Scheich, im Onlinedienst X, die PA habe alle Vorbereitungen getroffen, um die Regierungsverantwortung im Gazastreifen zu übernehmen und seinen Wiederaufbau zu beaufsichtigen.

Auch nach dem Durchbruch bei den Friedensverhandlungen greift die israelische Armee aus der Luft im Gazastreifen an.

Am Abend sei ein Gebäude in der Stadt Gaza angegriffen worden, in dem sich Kämpfer der islamistischen Terrororganisation Hamas befunden haben sollen, teilte ein Armeesprecher mit. Die Hamas-Kämpfer seien eine unmittelbare Bedrohung für israelische Soldaten gewesen, hieß es. 

Nach palästinensischen Angaben stürzte das Gebäude ein und begrub etwa 40 Menschen unter den Trümmern. Vier Tote seien bislang geborgen worden, hieß es. 

Nach der Einigung auf eine Waffenruhe zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen hat der Anführer der Huthi-Miliz im Jemen angekündigt, die Umsetzung des Friedensplans genau zu beobachten.

„Wir werden wachsam und vollständig vorbereitet bleiben und die erste Umsetzungsphase der Einigung beobachten“, sagte der Chef der Miliz, Abdul-Malik al-Huthi, am Donnerstag.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat sich zum Start einer internationalen Konferenz zum Nahostkonflikt abermals für eine Zweistaatenlösung ausgesprochen.

US-Präsident Donald Trump habe einen ehrgeizigen Weg für ein umfassendes Abkommen in der Region aufgezeigt, sagte Macron am Abend in Paris. Dieses Engagement wolle man mit der Konferenz unterstützen. Israel, das zu dem Treffen nicht eingeladen worden war, übte harsche Kritik:

Der rechtsextreme israelische Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, lehnt die Vereinbarung mit der radikalislamischen Hamas über die erste Phase des Gaza-Friedensplans von US-Präsident Donald Trump ab.

Im Onlinedienst X begrüßte Ben-Gvir am Donnerstagabend zwar die geplante Freilassung der israelischen Geiseln im Gazastreifen. „Dennoch ist es absolut unzulässig, die Frage des Preises dafür beiseite zu lassen: die Freilassung von tausenden Terroristen, einschließlich 250 Mörder, die aus Gefängnissen freigelassen werden sollen.“ Er fügte hinzu: „Das ist ein unerträglich hoher Preis.“Ben-Gvir droht zudem mit dem Sturz der Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Sollte die radikal-islamische Hamas am Ende nicht zerschlagen werden, werde seine Partei Jüdische Stärke die Regierung zerschlagen. Die Äußerung erfolgt vor einer Kabinettssitzung, in der über den US-Plan für eine Feuerpause im Gazastreifen beraten werden soll.

Die Hamas erklärt den Gazakrieg für beendet, nachdem sie nach eigenen Angaben Garantien für ein definitives Kriegsende im Gazastreifen erhalten hat.

Man habe entsprechende Zusicherungen der US-Regierung und von Vermittlern bekommen, äußerte der im Exil lebende Hamas-Kader Khalil Al-Hayya am Donnerstagabend in einer ersten Rede nach der Einigung auf die erste Phase des Trump-Friedenplans. 

Die Hamas habe „eine Antwort gegeben, die den Interessen des palästinensischen Volkes dient und Blutvergießen erspart“, sagte Al-Hayya zur Zustimmung zu der Vereinbarung auf Grundlage des US-Friedensplans. „Wir bekräftigen, dass die Opfer unseres Volkes nicht umsonst sein werden und dass wir unserem Versprechen treu bleiben und die nationalen Rechte unseres Volkes nicht aufgeben werden: Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung zu erlangen.“

Laut einem Bericht der israelischen Zeitung „The Times of Israel“ dankte Khalil Al-Hayya darin auch den Ländern des Nahen Ostens für deren Rolle als Vermittler der Einigung. Er erinnerte demnach auch an die Hamas-Kämpfer, die während des zwei Jahre andauernden Gazakrieges getötet wurden. „So wie sie Männer auf dem Schlachtfeld waren, so waren wir Männer am Verhandlungstisch“, sagte er.

Unterdessen ging die Sitzung des israelischen Sicherheitskabinetts zur Waffenruhe zu Ende. Im Anschluss trat das gesamte Kabinett zu Beratungen zusammen. Die eigentlich schon früher geplante Sitzung wurde laut einem Bericht des israelischen öffentlich-rechtlichen Senders Kan dadurch verzögert, dass der Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, sich gegen die Einigung stellte. Anders als Siedlungs- und Finanzminister Bezalel Smotrich hatte er seinen Widerstand zuvor nicht öffentlich gemacht.

WEITERE ISRAEL-MELDUNGEN

06:35ROUNDUP 2: Israels Kabinett billigt Gaza-Abkommen mit der Hamas250dpa-AFX
05:40Trump zu Rede im israelischen Parlament eingeladen305dpa-AFX
00:54Israelische Regierung ratifiziert Vereinbarung mit der Hamas931dts Nachrichtenagentur

Israelische Regierung genehmigt Gaza-Abkommen

Nach rund zwei Jahren ist der Krieg im Gazastreifen nach Auffassung von US-Präsident Donald Trump und der Hamas vorbei. Mit der Einigung zwischen Israel und der radikalislamischen Palästinenserorganisation auf einen Waffenstillstand sei „der Krieg im Gazastreifen beendet“ worden, sagte Trump am Donnerstag. Israel hat das Abkommen genehmigt, teilte das Büro von Benjamin Netanyahu Freitagfrüh mit. Auch Hamas-Chef Khalil al-Hayya sprach von einem Ende des Krieges.

„Wir haben Versicherungen von den brüderlichen Vermittlern und der US-Regierung erhalten, die alle bestätigen, dass der Krieg vollkommen beendet ist“, verkündete der im Exil lebende Anführer der islamistischen Palästinenserorganisation und Chefunterhändler im Sender Al-Jazeera.

Angesichts der Einigung auf eine Waffenruhe hat der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi die israelische Armee zur Deeskalation und zum Einstellen ihrer Angriffe im Gazastreifen aufgefordert. Bis zur Unterzeichnung eines abschließenden Friedensabkommens sollten die Vermittler Israel „überzeugen“, „zu deeskalieren oder das Feuer einzustellen“, sagte al-Sisi bei einem Treffen mit den US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner. Der Präsident fügte hinzu, Entwicklungen im Gazastreifen seien vielleicht „nicht im Geist der Vereinbarung“.

200 US-Soldaten sollen nach Angaben von US-Regierungsvertretern im Nahen Osten stationiert werden, um die Einhaltung der Waffenruhe im Gazastreifen zu überwachen. Auch Militärvertreter aus Ägypten, Katar und der Türkei sowie möglicherweise aus den Vereinigten Arabischen Emiraten würden eingebunden, sagte ein US-Regierungsvertreter in der Nacht auf Freitag. Ein weiterer sagte, dass eine Entsendung von US-Soldaten in den Gazastreifen nicht geplant sei.

US-Präsident Donald will nach eigenen Angaben am Sonntag nach Nahost aufbrechen. Aus dem Amt des israelischen Präsidenten Isaac Herzog hatte es zuvor geheißen, dass für diesen Tag ein Besuchs Trumps in Jerusalem erwartet werde. Mehr Details dazu gab es vorerst nicht.

Trump sprach sich für einen von reichen Nahost-Ländern finanzierten Wiederaufbau des Gazastreifens aus. „Der Gazastreifen wird langsam wieder aufgebaut werden“, sagt er bei einer Kabinettssitzung in Washington am Donnerstag. „Es gibt in diesem Teil der Welt bestimmte Länder mit enormem Reichtum. Und nur ein kleiner Teil dessen, was sie einnehmen, wird für den Gazastreifen Wunder bewirken.“

Israel will nach Aussagen von Außenminister Gideon Saar nicht zum Krieg zurückkehren. „Wir haben keinerlei Absicht, den Krieg wieder aufzunehmen“, sagte er dem US-Sender Fox News. Er betonte zugleich, dass die Entwaffnung der islamistischen Hamas erfolgen müsse. Saar sagte mit Blick auf den Plan, dass es eine Waffenruhe und den Austausch der Geiseln geben soll auch, er glaube, dass dies das Ende des Kriegs bedeuten kann und sollte.

Die Nachrichten über die Einigung lösten im Gazastreifen und in Israel spontane Jubelfeiern auf den Straßen aus. Allerdings sind noch viele Fragen offen. Diese betreffen etwa den Zeitplan, eine Verwaltung für den Gazastreifen nach dem Krieg und das Schicksal der Hamas. Es ist zudem unklar, wer den Gazastreifen nach Kriegsende regieren wird.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sagte, „dies ist ein großer Tag für Israel“. Netanyahu telefonierte nach Angaben seines Büros mit Trump. Beide gratulierten einander demnach zu einer „historischen Errungenschaft“.

Die radikal-islamische Hamas teilte mit, sie habe einer Vereinbarung zur Beendigung des Kriegs im Gazastreifen zugestimmt. Die Einigung umfasse einen israelischen Rückzug aus dem Küstengebiet sowie einen Austausch von Geiseln gegen Gefangene. Die Hamas forderte Trump und die Garantiemächte auf, sicherzustellen, dass Israel eine Waffenruhe vollständig umsetze, hieß es in der Erklärung weiter. Laut einem Vertreter der Hamas sollen die Geiseln, die noch am Leben sind, innerhalb von 72 Stunden nach der Billigung der Einigung durch die israelische Regierung übergeben werden.

Die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) beansprucht ungeachtet anderslautender Pläne von Trump eine führende Rolle im Gazastreifen nach dem Krieg. Sie setzt dabei auf die Unterstützung arabischer Staaten, um sich gegen den Widerstand Israels durchzusetzen, sagten palästinensische Vertreter am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Debatte über die künftige Verwaltung des Küstengebiets gewinnt an Fahrt, da noch am Donnerstag die Waffenruhe in Kraft treten soll. PA-Ministerpräsident Mohammad Mustafa sagte Reuters: „Wir sind bereits dort.“ Er verwies darauf, dass die PA trotz der Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen 2007 weiterhin Gehälter für Zehntausende Beamte zahle und wichtige Dienste wie Bildung und Stromversorgung beaufsichtige.

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres rief alle Seiten dazu auf, das Geisel-Abkommen vollständig einzuhalten. „Der sofortige und ungehinderte Zugang für humanitäre Hilfsgüter und wichtige Handelsgüter nach Gaza muss sichergestellt werden. Das Leiden muss ein Ende haben.“

Die israelische Armee breitet unterdessen nach eigenen Angaben einen Rückzug der im Gazastreifen stationierten Soldaten vor. Die Streitkräfte hätten „mit den operativen Vorbereitungen für die Umsetzung des Abkommens begonnen“, erklärte die Armee am Donnerstag. Die Positionierung der Truppen im Gazastreifen solle „rasch angepasst“ werden.

Die israelische Armee kontrolliert drei Viertel des Gazastreifens. Ein Hamas-Vertreter erklärte, dass parallel zur vereinbarten Freilassung der Geiseln ein Rückzug israelischer Soldaten aus Teilen des Gazastreifens erfolgen werde.

Die nächste Phase des US-Plans sieht vor, dass ein internationales Gremium unter Führung von Trump und dem ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair eine Rolle in der Nachkriegsverwaltung des Gazastreifens spielen soll. Arabische Länder, die den Plan unterstützen, fordern, dass er zu einem unabhängigen palästinensischen Staat führen müsse. Netanyahu lehnt dies jedoch ab. Er sowie Trump und westliche und arabische Staaten haben eine Rolle für die Hamas im Gazastreifen ausgeschlossen.

Die Hamas hat erklärt, sie werde die Regierung im Gazastreifen nur an eine palästinensische Technokraten-Regierung abgeben, die von der Palästinensischen Autonomiebehörde beaufsichtigt und von arabischen und muslimischen Ländern unterstützt werde. Zudem hat sich die Hamas bisher geweigert, die israelische Forderung nach einer Niederlegung der Waffen zu erörtern. Eine Rolle für Blair oder eine ausländische Regierung im Gazastreifen lehnt die Hamas ab.

Der Krieg hatte mit dem Großangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 begonnen, bei dem nach israelischen Angaben 1.200 Menschen getötet und 251 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden. Von den verbliebenen 48 Geiseln dort sollen noch 20 am Leben sein. Bei der anschließenden israelischen Militäroffensive sind nach Angaben der Gesundheitsbehörden bisher mehr als 67.000 Palästinenser gestorben.

URAINE-KRIEG im n-tv Liveticker

Chronologisch absteigend, jüngste Meldungen zuoberst:

Detaillierte Meldungsübersicht. Daraus eine Auswahl:

+++ 09:35 Gegen Drohnenangriffe: Russen kopieren erfolgreiche ukrainische Strategie +++

Die russische Armee setzt bei der Verteidigung gegen ukrainische Drohnen auf eine neue Vorgehensweise. Die Putin-Armee verwendet inzwischen systematisch unbemannte Flugobjekte, um die ukrainischen Langstreckendrohnen zu zerstören, berichtet Defense Express unter Berufung auf Berichte von der Front. Die ukrainischen Langstreckendrohnen haben teils Reichweiten von mehreren tausend Kilometern. Diese kommen unter anderem bei Angriffen auf die Rüstungsindustrie oder Ölraffinerien weit im russischen Hinterland zum Einsatz. Taktisch gesehen scheinen russische Drohnensteuerer Schwarm- und Abfangtaktiken anzuwenden: Mehrere Abfangdrohnen werden gegen ein einzelnes Ziel gestartet, manchmal verfolgen sie es von hinten, manchmal fliegen sie ihm entgegen, um den ankommenden Angriff frontal abzufangen. Die Russen spiegeln mit ihrem Vorgehen eine ukrainische Fortentwicklung der Drohnenabwehr. Die Truppen Kiews setzen bereits seit Monaten auf kleine Drohnen, um die russischen Geran und Shahed abzuschießen.

+++ 08:59 Selenskyj: Russland greift mit 450 Drohnen Energiesektor an +++
Die russischen Streitkräfte haben die Ukraine in der Nacht zu Freitag mit mehr als 450 Drohnen angegriffen. Auch 30 Raketen seien auf Ziele des ukrainischen Energiesektors im ganzen Land abgefeuert worden, teilt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit. In neun Regionen gebe es Stromausfälle. Selenskyj unterstreicht, dass die Partner der Ukraine das Land bei der Flugabwehr und durch die Umsetzung von Sanktionen gegen Russland unterstützen müssten.

+++ 07:56 Ukraine meldet Zerstörung von 13 feindlichen Artilleriesystemen +++
Im Verlauf des vergangenen Tages haben die ukrainischen Truppen 13 russische Artilleriesysteme zerstören können. Das geht aus den Angaben des ukrainischen Generalstabs zu den Verlusten der Putin-Truppen in den letzten 24 Stunden hervor. Darüber hinaus wurden fünf Panzer und 14 Schützenpanzer ausgeschaltet. Unter den russischen Soldaten gab es insgesamt 1120 Tote und Verletzte. Die Ukraine differenziert in ihren Angaben nicht zwischen gefallenen und verwundeten Angreifern.

+++ 07:22 IAEA: Stromversorgung von AKW Saporischschja wird wiederhergestellt +++
Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) beginnt der Prozess zur Wiederherstellung der externen Stromversorgung des von Russland kontrollierten Atomkraftwerks Saporischschja. Dies sei nach intensiven Konsultationen mit den Behörden in der Ukraine und Russland erfolgt, erklärte IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi. Das AKW im Südosten der Ukraine ist seit mehr als zwei Wochen vom Stromnetz abgeschnitten und auf Dieselgeneratoren angewiesen. Grossi zufolge berichteten IAEA-Beobachter vor Ort von fünf aufeinanderfolgenden Explosionen nahe der Anlage. Bis zur vollständigen Wiederherstellung der Netzanbindung werde es noch einige Zeit dauern.

+++ 05:56 Klitschko: Kiew nach russischem Großangriff teils ohne Strom +++
Aufgrund eines massiven russischen Angriffs wird aus Kiew über Strom- und Wasserversorgungsausfälle berichtet. Dabei ist insbesondere das linke Ufer des Dnepr betroffen, berichtet der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko. Laut der Energieministerin attackierte Russland bei dem Angriff gezielt die Energieinfrastruktur der Stadt (siehe Eintrag 03:19).

+++ 05:08 Russisches Militär räumt Absturz von Kampfjet ein +++
Ein Kampfjet vom Typ Mig-31 ist offiziellen Angaben aus Moskau zufolge bei einem Trainingsflug im Südwesten Russlands abgestürzt. Die Crew habe sich mit dem Schleudersitz aus dem Flugzeug retten können und sei am Leben, teilt das Verteidigungsministerium in Moskau mit. „Das Flugzeug ist in unbewohnter Gegend abgestürzt. Der Flug fand ohne Bewaffnung statt“, betont die Behörde und teilt weiter mit, es habe keine größeren Schäden am Boden gegeben. Der Absturz ereignete sich demnach nicht weit von der Grenze zur Ukraine entfernt liegenden Gebiet Lipezk. Demnach missglückte der Landeanflug.

+++ 04:05 Trump: „Wir erhöhen den Druck“ +++
Angesichts des ausbleibenden Fortschritts bei den Verhandlungen über einen möglichen Frieden in der Ukraine kündigt US-Präsident Donald Trump eine Verstärkung des Einsatzes des Westens an. „Wir erhöhen den Druck“, sagt Trump vor Journalisten im Oval Office. „Wir erhöhen ihn zusammen. Wir erhöhen ihn alle. Die Nato ist großartig gewesen.“ Trump und der russische Präsident Wladimir Putin hatten sich Mitte August zu einem Gipfel in Anchorage im US-Bundesstaat Alaska getroffen. Das Treffen brachte keinerlei Fortschritte in Richtung einer Waffenruhe.

+++ 03:19 Ukraine: Russischer Großangriff auf Kiew +++
Russland greift der Ukraine zufolge die ukrainische Hauptstadt Kiew mit Drohnen und Raketen an. In einem Hochhaus im zentralen Bezirk Petscherskyj brennen nach Behördenangaben Wohnungen im sechsten und siebten Stock. Bürgermeister Vitali Klitschko meldet acht Verletzte, fünf davon befinden sich im Krankenhaus. Energieministerin Switlana Grynchuk zufolge zielen die Angriffe auf Energieanlagen, es kam bereits zu Stromausfällen. Auch die südöstliche Stadt Saporischschja wird attackiert – dort gibt es drei Verletzte.

+++ 01:17 Russland wirft Ukraine Sprengung an Ammoniak-Pipeline vor +++
Russland beschuldigt die Ukraine, eine stillgelegte Ammoniak-Pipeline in der ostukrainischen Region Donezk beschädigt zu haben. Ukrainische Streitkräfte hätten während ihres Rückzugs einen Teil einer Ammoniakleitung gesprengt, erklärt das russische Verteidigungsministerium. Der Vorfall habe sich etwa 2,5 Kilometer östlich des Dorfs Russin Jar ereignet. Aus dem beschädigten Abschnitt treten laut dem Verteidigungsministerium Ammoniakrückstände aus. Die ukrainische Militärverwaltung der Region Donezk bestätigt im Onlinedienst Telegram, dass die Leitung „beschädigt“ worden sei, ohne den Grund dafür zu nennen. Die ukrainischen Behörden erklären, dass von dem Vorfall keine „Gefahr für das Leben der Menschen“ in der Umgebung ausgehe.

+++ 23:26 Trump droht Spanien mit Nato-Rauswurf +++
Spanien hat nach Darstellung von US-Präsident Donald Trump „keine Entschuldigung“, die Verteidigungsausgaben nicht wie von ihm gefordert zu erhöhen. Das Land sei der einzige „Nachzügler“ in der Nato, sagt Trump im Weißen Haus. „Vielleicht sollte man sie ehrlich gesagt aus der Nato werfen.“ Eine spanische Stellungnahme liegt zunächst nicht vor. Der südeuropäische Nato- und EU-Staat hat sich als einziger der 32 Mitgliedstaaten geweigert, das neue Ausgabenziel von fünf Prozent mitzutragen.

+++ 21:46 Berlin und Kiew digitalisieren ihr Militär künftig gemeinsam +++
Deutschland und die Ukraine haben nach Angaben aus Kiew einen Vertrag über die Zusammenarbeit bei der Digitalisierung des Militärs geschlossen. Der Vertrag gelte von 2026 bis 2028 und sehe etwa die Finanzierung von drei für die Streitkräfte wichtigen IT-Projekten vor, teilt das ukrainische Verteidigungsministerium mit. Vizeministerin Oksana Fertschuk spricht von einem „Signal dafür, dass die Hilfe bei der Digitalisierung der Streitkräfte wächst“. Gefördert wird so der Ausbau des Programms Delta, das der Steuerung der Kriegsführung auf dem Schlachtfeld dient und den Stabsoffizieren helfen soll, die oft unübersichtliche Lage im Gefecht zu managen. Gefördert werden daneben noch die Apps Armija+ und Reserw+, die der internen Verwaltung der Streitkräfte dienen.

+++ 21:11 Diplomat optimistisch: 19. Sanktionspaket gegen Russland könnte Ende Oktober stehen +++
Die Europäische Union steht kurz vor der Verabschiedung des 19. Sanktionspakets gegen Russland. Ein hochrangiger europäischer Diplomat in Brüssel erklärt in Brüssel jedoch, dass zuvor noch Bedenken der Slowakei ausgeräumt werden müssten. Ihm zufolge gibt es fast keine wesentlichen Probleme oder Meinungsverschiedenheiten mehr. Er bezeichnet ein bestehendes Problem als „Vorbehalt eines Mitgliedstaates, der sich nicht auf den Inhalt des Pakets bezieht, sondern mit anderen Fragen zusammenhängt“. Er erklärt, der slowakische Ministerpräsident habe öffentlich erklärt, dass er dem 19. Paket nicht zustimmen werde, wenn er keine Garantien zu einer Reihe anderer Fragen erhalte, die nicht mit dem 19. Paket und der Lage in der Ukraine zusammenhängen. Der Diplomat äußert die Hoffnung, dass das 19. Sanktionspaket noch vor der Tagung des Europäischen Rates, die für den 23. und 24. Oktober geplant ist, verabschiedet wird.

+++ 20:31 Serbien stellt knapp 6 Millionen Euro humanitäre Hilfe bereit – für Russland +++

Serbien hat laut Angaben des russischen Außenministeriums humanitäre Hilfe im Wert von 472 Millionen Rubel (gut 5,8 Millionen Euro) für die vom Krieg betroffene russische Region Kursk bereitgestellt. Moskau stellt diese Hilfe als Ausdruck einer „jahrhundertealten Brüderlichkeit“ dar und lobt „die engen Beziehungen zwischen unseren Ländern und Völkern“. Die Ukraine startete im August 2024 eine beispiellose Offensive an der russischen Grenze, die Russland überraschte und in den ersten Monaten zur Eroberung von 1300 Quadratkilometern führte. Die Operation sollte russische Truppen von der Front in der Ostukraine abziehen und Russlands mögliche Pläne zur Invasion der Region Sumy, durchkreuzen. Mit Unterstützung von 12.000 nordkoreanischen Soldaten startete Russland im Frühjahr einen Gegenangriff, eroberte den größten Teil des verlorenen Territoriums zurück.

+++ 18:27 Vor Heizperiode: Russischer Großangriff zerstörte 60 Prozent der ukrainischen Erdgasförderung +++
Russische Raketen- und Drohnenangriffe am 3. Oktober sollen rund 60 Prozent der ukrainischen Erdgasförderkapazitäten zerstört haben. Damit sei dem Kreml nur wenige Wochen vor Beginn der Heizperiode ein schwerer Schlag gegen die ukrainische Energiesicherheit gelungen, berichtet Bloomberg. Die Angriffe drohen Millionen Ukrainer ohne zuverlässige Heizung zurückzulassen. Gas versorgt den Großteil der Fernwärmesysteme der Ukraine und einen Großteil ihrer Notstromversorgung. Das zwinge Kiew dazu, knappe finanzielle Mittel von der Landesverteidigung auf kostspielige Gas-Importe umzuleiten. Laut Bloomberg informierte die Ukraine ihre Verbündeten darüber, dass ein massiver russischer Angriff auf die Regionen Charkiw und Poltawa mehr als die Hälfte ihrer Gasproduktion zerstört habe. Der Verlust wird Kiew wahrscheinlich dazu zwingen, etwa 1,9 Milliarden Euro für Notfall-Gasimporte auszugeben, um den Winter zu überstehen. Die jüngste Angriffswelle ist einer der schwersten Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Ukraine seit Beginn der groß angelegten Invasion.

+++ 17:44 Nato-Plan für russische Provokationen: bewaffnete Drohnen und leichterer Abschuss von Kampfjets +++
Die NATO-Verbündeten erwägen entschlossenere Reaktionen auf die zunehmenden Provokationen Russlands. Darunter befänden sich auch militärische Maßnahmen, berichtet die „Financial Times“ (FT) unter Berufung auf ungenannte Quellen. Die Diskussionen finden vor dem Hintergrund einer Zunahme mysteriöser Drohnensichtungen in europäischen Ländern statt, die Sorgen um die Sicherheit des Bündnisses schüren. Laut vier NATO-Vertretern, die über die Gespräche informiert sind, besteht das Ziel darin, die Kosten für Moskaus Operationen in die Höhe zu treiben und die Abschreckung nach einer Reihe von Übergriffen durch russische Drohnen und Flugzeuge zu verstärken, berichtet die FT. Zu den in Betracht gezogenen Maßnahmen gehören der Einsatz bewaffneter Drohnen entlang der russischen Grenze und die Lockerung von Einsatzregeln, damit NATO-Piloten das Feuer auf russische Flugzeuge eröffnen können, die den Luftraum der Allianz verletzen. Zu den Vorschlägen gehöre die Bewaffnung von Spionagedrohnen, die derzeit nur zur Informationsbeschaffung eingesetzt werden. Eine weitere Maßnahme, die derzeit geprüft wird, ist die Durchführung von NATO-Militärübungen direkt an der russischen Grenze.

+++ 17:10 Ukrainische Behörden rufen Frauen und Kinder zu Evakuierung aus Teilen einer Großstadt auf ++++
Wegen der Zunahme russischer Drohnenangriffe ordnen ukrainische Behörden die Evakuierung von Familien mit Kindern aus Teilen der Frontstadt Kramatorsk in der ostukrainischen Region Donezk an. „Aufgrund der Verschlechterung der Sicherheitslage in bestimmten Gebieten der Stadt Kramatorsk“ würden Familien mit Kindern evakuiert, erklärt die Stadtverwaltung in Onlinenetzwerken. Auch zwei benachbarte Dörfer seien von den sofortigen Evakuierungen betroffen. In Kramatorsk lebten vor Beginn der russischen Vollinvasion im Februar 2022 etwa 150.000 Menschen. Die Stadt befindet sich etwa 20 Kilometer von der Frontlinie entfernt. Kramatorsk und seine Umgebung seien „regelmäßig“ Ziel von Angriffen, insbesondere durch Drohen mit geringer Reichweite, erklären die Behörden. Durch die Angriffe würden Wohngebäude und zivile Infrastruktur zerstört und die Arbeit von Sozial- und Gesundheitsdiensten „unmöglich“ gemacht.

+++ 16:25 Russische Industriegiganten schicken reihenweise Mitarbeiter in Kurzarbeit ++++
Die Nachrichtenagentur Reuters identifiziert sechs russische Unternehmen aus dem russischen Bergbau- und Transportsektor, die laut Branchenangaben ihre Arbeitswoche verkürzt haben. Grund sei die sich verlangsamende Kriegswirtschaft sowie die Rückgänge bei der Binnennachfrage und den Exporten. Cemros, Russlands größter Zementhersteller, hat bis zum Jahresende auf eine 4-Tage-Woche umgestellt, um angesichts des starken Abschwungs in der Bauindustrie und des Anstiegs der Zementimporte Arbeitsplätze zu erhalten. Das Unternehmen hat 13.000 Mitarbeiter und 18 Werke in ganz Russland. Das Automobilwerk Gorki (GAZ), ein führender Hersteller von Lieferwagen mit mindestens 20.000 Beschäftigten, führte im August die 4-Tage-Woche ein, ebenso wie der Lkw-Hersteller Kamaz mit rund 30.000 Beschäftigten. Die Gewerkschaft bei Avtovaz, Russlands größtem Automobilhersteller mit rund 40.000 Beschäftigten, bestätigt gegenüber Reuters, dass sie seit dem 29. September eine 4-Tage-Woche eingeführt habe. Alrosa, der weltweit größte Produzent von Rohdiamanten, hat die Gehälter aller Mitarbeiter, die nicht direkt im Bergbau tätig sind, um 10 Prozent gekürzt, unter anderem durch die Verkürzung der Arbeitswoche. Außerdem hat das Unternehmen im Frühjahr und Sommer den Betrieb an weniger rentablen Lagerstätten eingestellt. Das russische Zentrum für makroökonomische Analysen und kurzfristige Prognosen gab bekannt, dass die nicht mit dem Militär verbundenen Wirtschaftssektoren seit Jahresbeginn um 5,4 Prozent geschrumpft sind.

+++ 15:41 Putin gesteht Abschuss aserbaidschanischen Flugzeugs ein – 38 Menschen starben dabei ++++
Der russische Präsident Wladimir Putin gibt zu, dass die russische Flugabwehr im Vorjahr ein aserbaidschanisches Passagierflugzeug in Kasachstan zum Absturz gebracht hat. Allerdings seien die russischen Flugabwehrgeschosse in der Nähe des später abgestürzten Flugzeugs explodiert. Trümmerteile hätten es dann getroffen. Ursprung des russischen Manövers seien angebliche Sichtungen dreier ukrainischer Drohnen gewesen. Das Flugzeug der Azerbaijan Airlines, das von Baku nach Grosny in Tschetschenien flog, stürzte am 25. Dezember 2024 in Kasachstan ab, nachdem es plötzlich gezwungen war, seinen Kurs zu ändern. Frühere Untersuchungen kamen zu dem Schluss, dass das Flugzeug von der russischen Luftabwehr abgeschossen wurde, wobei 38 der 67 Menschen an Bord ums Leben kamen. Putin behauptet nun, erst vor zwei Tagen über die Details unterrichtet worden zu sein. Er drückt Staatschef Ilham Aliyew sein Beileid aus und erklärt, gegen die beteiligten Beamten würden Maßnahmen ergriffen. Zudem würden Schritte zur Entschädigung unternommen.

+++ 14:31 Erster Kampfeinsatz: Ukrainischer Marschflugkörper „Flamingo“ trifft Krim-Basis ++++
Die Ukraine testet ihre neue Langstrecken-Marschflugrakete FP-5 „Flamingo“ unter Kampfbedingungen. Dabei sei eine Basis des russischen Geheimdienstes FSB im Norden der besetzten Halbinsel Krim getroffen worden, berichtet die „Welt“. „Es gibt Berichte über den Kampfeinsatz der neuen Waffe der Ukraine – wahrscheinlich in einem Testszenario. Bei einem Angriff auf eine russische Sicherheitsbasis (FSB) im Norden der Krim wurden drei Marschflugkörper eingesetzt“, heißt es in der Mitteilung. Fabian Hoffmann, Raketentechnologie-Experte an der Universität Oslo, schätzt, dass zwei der drei Raketen das Ziel getroffen haben, während eine etwa 100 Meter entfernt einschlug. „Auf den ersten Blick mag dies kein großartiges Ergebnis sein. Aber wenn man bedenkt, dass die Einschläge Krater mit einem Durchmesser von bis zu 15 Metern hinterlassen haben, wird deutlich, dass die mangelnde Präzision durch massive Zerstörungskraft ausgeglichen wird“, heißt es in dem Bericht.

+++ 12:31 EU-Sanktionsbeauftragter: Weiterer US-Kurs bei Sanktionen unklar +++
Unter den europäischen Verbündeten ist man sich nach Angaben des EU-Sanktionsbeauftragten David O’Sullivan unsicher, ob US-Präsident Donald Trump weitere Strafmaßnahmen gegen Russland mittragen wird. „Es gibt Anzeichen, dass er die Geduld mit Präsident (Wladimir) Putin verliert“, sagt O’Sullivan in einem Reuters-Interview. „Ob er daraus jedoch den Schluss ziehen wird, dass Amerika weitere Sanktionen gegen Russland verhängen sollte, ist eine offene Frage.“ Die USA müssten bei den Sanktionen zu den übrigen G7-Staaten aufschließen, nachdem sie sich zuvor auf einen Friedensschluss zwischen Russland und der Ukraine konzentriert hätten. So sei es bedauerlich, dass die USA sich nicht der EU, Großbritannien und Kanada angeschlossen hätten, als diese die Preisobergrenze der G7 für russisches Rohöl Anfang September von zuvor 60 auf 47,60 Dollar je Barrel senkten.

+++ 11:35 Ukraine bestätigt Attacke auf Energieanlagen in russischer Region Wolgograd +++
Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben in der Nacht eine Gasanlage und Ölinfrastruktur in der südrussischen Region Wolgograd angegriffen. In der Gasverarbeitungsanlage Korobkowski und am Bahnhof Jefimowka seien Explosionen und ein Feuer registriert worden, teilt der ukrainische Generalstab auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Das Militär prüfe nun das Ausmaß der Schäden an den Anlagen. Eine russische Stellungnahme liegt bisher nicht vor (siehe Eintrag 06:54 Uhr).

+++ 11:16 Selenskyj: Tomahawk-Lieferungen könnten Russland zu Verhandlungen zwingen +++
Die Lieferung der seit Langem angeforderten Tomahawk-Marschflugkörper an die Ukraine könnte Russland dazu zwingen, „die wahre Lage zu erkennen und sich an den Verhandlungstisch zu setzen“, sagt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Bei einem Treffen mit Journalisten teilt Selenskyj mit, US-Präsident Donald Trump könne der Ukraine “ weitreichende Dinge geben“, die die Position Kiews in künftigen Gesprächen deutlich stärken würden. „Im Moment ist es wichtig, ein Signal zu senden, dass die Ukraine mit allen möglichen Mitteln gestärkt wird. Und eines dieser Mittel ist mir wichtig: Tomahawks „, sagt er. „All diese Dinge können die Ukraine stärken und die Russen zwingen, ein wenig nüchtern zu werden und sich an den Verhandlungstisch zu setzen.“

+++ 09:52 Bericht: Russland will AKW Saporischschja wieder hochfahren +++
Russland bereitet einem staatlichen Medienbericht zufolge die Wiederinbetriebnahme des besetzten ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja vor. Die Lage in dem AKW gebe aus Sicht der nuklearen Sicherheit keinen Anlass zur Sorge, meldet die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Das AKW Saporischschja ist das größte Europas. Derzeit sind alle seine sechs Reaktoren sowjetischer Bauart heruntergefahren. Es ist von russischen Truppen besetzt. Russland und die Ukraine werfen sich immer wieder gegenseitig vor, das AKW-Gelände und seine Umgebung zu beschießen.

+++ 06:54 Bericht: Drohnenangriff löst Feuer in russischem Gaswerk aus +++
In einer Gasverarbeitungsanlage Korobkovsky von Lukoil im russischen Kotovo ist in der Nacht ein Feuer infolge eines Drohnenangriffs ausgebrochen, berichtet der Telegram-Kanal Astra unter Berufung auf Anwohner der russischen Region Wolgograd. Eine offizielle Bestätigung des Vorfalls gibt es bisher nicht. Die örtlichen Behörden haben sich zum Ausmaß des Schadens noch nicht geäußert. Der Gouverneur von Wolgograd, Andrej Botscharow, hatte nur erklärt, man werde sich nach den Angriffen in der Region um „Brände in Treibstoff- und Energieanlagen“ kümmern. Auch von ukrainischer Seite gibt es noch keine Stellungnahme zu dem gemeldeten Angriff. Indes bestätigen Satellitenbilder des Fire Information for Resource Management System (FIRMS) der NASA einen Brand in der Gasverarbeitungsanlage, berichtet der Kyiv Independent. Die Gasaufbereitungsanlage Korobkovsky ist der größte Erdgasverarbeiter im südlichen russischen Föderationskreis. Sie wurde 1966 in Betrieb genommen und versorgt die Energieinfrastruktur der Region. Brand in russischem Gaswerk Tote und Verletzte nach Angriffen auf die Ukraine

WEITERE UKRAINE-MELDUNGEN

WEITERE MELDUNGEN AUS ALLER WELT

ORF MELDUNGBÜNDEL WELT

Ukraine-Krieg

Verletzte bei nächtlichem Großangriff Russlands

Ausland

Parlament in Peru setzt Präsidentin Boluarte ab

Gericht verbietet vorerst Nationalgarde-Einsatz in Chicago

USA stützen Argentinien mit Währungskäufen

Polizei: Anschlag auf belgischen Premier vereitelt

Friedensnobelpreisträger wird gekürt

EU

Kinderschutz: Brüssel nimmt US-Plattformen ins Visier

IT

Neue US-Ermittlungen zu Teslas „Autopilot“-Software

USA

NAHER OSTEN – MENA WATCH (Mena-Watch auf Wikipedia)

EUROPA

ROUNDUP: Von der Leyens Kommission übersteht weitere Misstrauensvoten

STRASSBURG (dpa-AFX) – Die EU-Kommission von Ursula von der Leyen hat zwei weitere Misstrauensvoten im Europäischen Parlament überstanden. Für den Vorstoß der rechten PfE-Fraktion votierten in Straßburg 179 Abgeordnete bei 378 Gegenstimmen, für den Antrag aus dem linken Lager 133 bei 383 Gegenstimmen. 37 enthielten sich bei der Abstimmung über den PfE-Antrag, 78 bei demjenigen von links.

Für ein erfolgreiches Misstrauensvotum wären zwei Drittel der abgegebenen Stimmen – ohne Enthaltungen – nötig gewesen, mindestens aber 360.

Insgesamt beteiligten sich von den aktuell 719 Abgeordneten je 594 an den Abstimmungen über beide Anträge. Wenn das EU-Parlament einen der Anträge angenommen hätte, wäre die EU-Kommission zum Rücktritt gezwungen gewesen.

Bei einer ersten Misstrauensabstimmung im Juli hatten 175 Abgeordnete gegen von der Leyen gestimmt, 360 stellten sich hinter sie.

Rechte und Linke üben Kritik am Zoll-Deal mit den USA

Der PfE-Antrag, den alle 84 Abgeordneten der Fraktion unterzeichnet hatten, kritisierte unter anderem von der Leyens Wirtschafts-, Klima- und Migrationspolitik und warf ihr Intransparenz und Zensur vor. Zur PfE-Fraktion gehören unter anderem Politikerinnen und Politiker der Fidesz-Partei von Viktor Orban sowie der Partei Rassemblement National (RN) von Frankreichs Rechtspopulistin Marine Le Pen und ihrem politischen Ziehsohn Jordan Bardella – der bei neuen Wahlen der nächste französische Präsident oder Premierminister werden könnte. Die RN-Abgeordneten im Europaparlament hatten auch schon das erste Misstrauensvotum gegen von der Leyen und ihr Team im Juli mitinitiiert.

Den Antrag aus dem linken Spektrum hatten fast alle Linken-Abgeordneten unterzeichnet sowie vereinzelte Grüne, ein Parlamentarier der Sozialdemokraten und mehrere Fraktionslose, darunter die fünf deutschen Abgeordneten vom Bündnis Sahra Wagenknecht. Damit erreichten sie gerade so die Schwelle von einem Zehntel aller EU-Abgeordneten, um den Misstrauensantrag einreichen zu können. Die Gruppe wirft von der Leyen insbesondere vor, nicht genug gegen die humanitäre Katastrophe im Gazastreifen zu unternehmen. Außerdem kritisiert sie – wie auch die PfE – den Zoll-Deal der EU mit US-Präsident Donald Trump.

Von der Leyen verwies auf Bedrohungen für Europa

Bei der Aussprache zu den Anträgen im Parlament am Montag wirkte von der Leyen friedlicher als bei der Debatte im Juli. Sie rief die Parlamentarierinnen und Parlamentarier zur Einheit auf und betonte, dass eine Spaltung den Interessen des russischen Präsidenten Wladimir Putins diene. Ein so harter Schlagabtausch, wie es ihn im Juli vor allem zwischen den Vorsitzenden der Konservativen und Sozialdemokraten gegeben hatte, fand nicht statt.

Die Fraktionsspitzen der konservativen EVP, sozialdemokratischen S&D, liberalen Renew und Grünen hatten im Plenum keine Unterstützung für die Misstrauensanträge signalisiert. Der EVP-Vorsitzende Manfred Weber (CSU) stellte sich klar hinter von der Leyen. Er warf Bardella vor, mit dem Misstrauensantrag eine Kampagne für den französischen Wahlkampf zu führen.

Weil die Fraktionen im EU-Parlament nicht so geschlossen abstimmen wie etwa im Bundestag, hatte die Linken-Gruppe bei ihrem Antrag laut ihrem Co-Vorsitzendem Martin Schirdewan auf Unterstützung von Abgeordneten aus dem Mitte-links-Spektrum abgezielt. „Unser Ergebnis zeigt: Der Druck auf Ursula von der Leyen und ihre Kommission wächst und die Linke wird diesen Druck innerhalb des Europäischen Parlaments und auf den Straßen Europas weiter verstärken“, teilte Schirdewan zu dem Misstrauensvotum mit. Zu dem Vorwurf, dass es angesichts der geopolitischen Lage Stabilität in der EU bräuchte, sagte er: „Eine Stabilität des Scheiterns brauchen wir nicht.“

Weitere Misstrauensanträge denkbar

Die Misstrauensanträge zeigen, dass vor allem die politischen Ränder von der Leyen zunehmend in die Mangel nehmen. Schirdewan ist sich darüber hinaus sicher, dass es weitere Misstrauensanträge gegen die EU-Kommission geben wird. Auch der Chef der Europa-SPD, René Repasi, sieht diese Möglichkeit. „Von der Leyen steht jetzt in der Bringschuld“, hieß es von ihm. Es sei absehbar, dass die Kritik im Parlament wieder deutlich lauter werden kann. Dem Portal „Politico“ zufolge sagte Repasi, dass es in Zukunft einen entsprechenden Antrag der S&D geben könnte, wenn von der Leyen keine Ergebnisse liefere.

„Ein Misstrauensantrag ist dennoch kein Spielball für Stimmungspolitik – es ist das schärfste und letzte Kontrollmittel des Parlaments“, stellte Repasi auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur klar. Sollten die Sozialdemokraten von der Leyen den Rücken kehren, riskiert sie damit, die Möglichkeit zu verlieren, Mehrheiten mit der Mitte des Parlaments zu bilden. Während der Abstimmung war von der Leyen nicht im Parlament, sondern nahm am Global Gateway Forum der EU-Kommission in Brüssel teil.

Misstrauensanträge gegen die Kommission sind eigentlich äußerst selten. Zum Rücktritt einer EU-Kommission führte lediglich ein drohender erfolgreicher Misstrauensantrag im Jahr 1999. Damals stellte eine von dem Luxemburger Jacques Santer geführte Kommission ihre Posten vorsorglich zur Verfügung, nachdem ein Bericht über Betrug, Missmanagement und Vetternwirtschaft vorgelegt worden war./vni/DP/men

© 2025 dpa-AFX

DEUTSCHLAND – WAHLUMFRAGEN

UMFRAGEN

08:34Investoren setzen verstärkt auf aktives Fondsmanagement: Zwei aktuelle Umfragen zeigen, dass professionelle Anleger …1FundResearch
06:47Mehrheit der Schweizer will laut Umfrage Neubau von AKW wieder erlauben3cash
DoState Street Umfrage: 60% der Institutionen planen größere Investitionen in Bitcoin und Krypto5Bitcoin.com News
DoBeraterumfrage zu aktiven ETFs: Ihre Meinung ist gefragt!2FONDS professionell
DoKrypto könnte wichtiges Thema bei US-Zwischenwahlen werden – Umfrage1Cointelegraph
DoDownload: BVMed-Umfrageergebnisse zur MedTech-Branchechannel-e
DoUmfrage: Deutliche Mehrheit der Deutschen will wegen hoher Preise sparen197news aktuell
DoVerbraucher sehen in starker Landwirtschaft Garant für Ernährungssicherung / Civey-Umfrage im Auftrag des IVA zeigt, dass sich jeder zweite junge Mensch um die Versorgung mit Lebensmitteln Sorgen macht217news aktuell
DoUmfrage: Mehrheit würde keine 300 Euro im Jahr für individuelle Gesundheitsleistungen ausgeben1Verivox

Deutsche Autobauer stecken Kopf in den Sand – ifo-Geschäftsklimaindex rutscht nach minus 15,8 Punkten im August auf nun minus 21,5 Punkte ab

München (pte021/09.10.2025/12:30) – Die Stimmung in der deutschen Automobilindustrie hat sich ein weiteres Mal verfinstert. So ist der neue Geschäftsklimaindex des ifo Instituts für die Branche im September nach jeweils starken Anstiegen im Juli und im August eingebrochen. Er sank auf minus 21,5 Punkte, nach minus 15,8 Punkten im August.

Warten auf die Politik

Dieser Rückgang ist laut den Wirtschaftsforschern vor allem auf deutlich pessimistischere Geschäftserwartungen zurückführen. „Die Unternehmen hatten gehofft, die Regierung würde durch wesentliche Strukturreformen den Standort Deutschland wettbewerbsfähiger machen. Diese Hoffnungen sehen sie bislang nicht bestätigt“, sagt ifo-Branchenexpertin Anita Wölfl.

Die Autobauer und -zulieferer bewerteten ihre Geschäftslage im September schlechter: Der Indikator fiel auf minus 19,9 Punkte, nach minus 16,9 Punkten im August. Vor allem waren sie merklich pessimistischer, was die Geschäfte in den nächsten Monaten anbelangt: Die Erwartungen fielen im September auf minus 23,1 Punkte, nach minus 14,8 Punkten im August.

Frust trotz guter Exporte

Die Exporterwartungen in der Autoindustrie stiegen auf 16,7 Punkte, den höchsten Wert seit April 2023. „Der Rückgang im Geschäftsklimaindex im September lässt sich also nicht auf die unsichere Situation im Außenhandel zurückführen, sondern spiegelt vielmehr die anhaltende gesamtwirtschaftliche Schwäche in Deutschland wider“, unterstreicht Wölfl.

Erst Anfang der Woche veröffentlichte der Verband der Automobilindustrie eine Umfrage, wonach wegen der Konjunkturflaute 80 Prozent der im Automobilbereich tätigen Mittelständler geplante Investitionen in Deutschland verschieben, verlagern oder ganz streichen wollen. 2024 waren es nur 75 Prozent, wie pressetext berichtete.

(Ende)

ÖSTERREICH – WAHLUMFRAGENAPA-WAHLTREND

Novak: Ein Meilenstein für den Wirtschaftsstandort Wien – die Universität Wien ist erstmals unter den Top 100 weltweit.

Die Universität Wien erreicht im aktuellen Times Higher Education (THE) World University Ranking erstmals Platz 95 und zählt damit zu den Top 100 besten Universitäten weltweit.

Wien als internationaler Wirtschafts- und Wissenschaftsmotor

Der Erfolg der Universität Wien spiegelt die strategische Ausrichtung der Stadt wider, Talente aus aller Welt anzuziehen und zu fördern. Dies stärkt den Wissenschaftsstandort Wien und trägt auch maßgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg und zur Innovationskraft bei.

„Die herausragende Platzierung der Universität Wien unterstreicht die Bedeutung Wiens als bedeutenden Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Europas. Wien punktet nicht nur durch ihre attraktive Lebensqualität, sondern auch durch exzellente Rahmenbedingungen für Innovation und Talententwicklung. Die Stadt bietet internationale Vernetzung, ein lebendiges Forschungsumfeld und enge Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, also ideale Voraussetzungen für zukunftsweisende Innovationen und nachhaltiges Wachstum,“ erklärt Wirtschaftsstadträtin Novak.

Exzellenz in Forschung und Lehre ist ein Wettbewerbsvorteil für Wien

Wien ist eine dynamische Metropole, in der hochqualifizierte Fachkräfte aus aller Welt leben und arbeiten möchten. Die Stadt bietet ein hervorragendes Umfeld für Innovation und Zusammenarbeit – etwa durch die Förderung von COMET-Zentren (Competence Centres for Excellent Technologies) durch die Wirtschaftsagentur Wien.

Novak erklärt, dass diese Zentren „Wissenschaft und Wirtschaft verbinden und Forschung auf höchstem Niveau vorantreiben. Besonders im Bereich Life Sciences unterstützt Wien mit mehr als 14,5 Millionen Euro bedeutende Forschungskooperationen. Diese Bündelung von Know-how und Ressourcen macht Wien zu einem weltweit führenden Standort für zukunftsweisende Technologien und stärkt die Innovationskraft der gesamten Region.“

Wien: Ein Standort mit Zukunft

Die gezielte Förderung und Vernetzung spiegelt sich auch im Life-Sciences-Sektor Wiens wider, der sich durch beeindruckende Vielfalt und Dynamik auszeichnet.

Aktuelle Zahlen belegen die positive Entwicklung: In Wien sind rund 750 Unternehmen, Forschungseinrichtungen und verwandte Organisationen angesiedelt, die rund 49.000 Menschen beschäftigen. Alle Top-20-Global-Player aus den Bereichen Pharma und MedTech sind in Wien vertreten, viele davon mit eigener Forschung und Entwicklung oder Produktion vor Ort. Mit einem Jahresumsatz von 22,7 Milliarden Euro generiert Wien 57 Prozent des österreichweiten Umsatzes im Life-Sciences-Bereich.

Diese beeindruckende Entwicklung macht Wien zu einem zentralen Motor für Innovation und nachhaltiges Wachstum.

Rückfragehinweis für Medien

COMMENT: Es geht bei der Fortentwicklung der Universität Wien auch ums Geld. Die volkswirtschaftliche Bedeutung dieser Einrichtung ist hoch. Inwieweit an den Schrauben der Darstellung für die Ranking-Dienste seitens der „Öffentlichkeitsarbeit“ der Uni Wien gedreht wurde, sei dahingestellt: dort Verbesserungen – und nur dort! – Durchzuführen, die bei den Ranking-Verfahren eine Rolle spielen. Die Bemühungen der Uni Wien, sich bestens darzustellen und Renommée erhalten, laufen seit Jahren und mit wachsendem Erfolg.

Immerhin: die Universität ist eine der größten deutschen Universitäten weltweit.

Siehe dazu

Unis mit 2,3 Mrd. Euro Wertschöpfung – ORF,
November 2013

Jeder zehnte Wiener ist Student. Damit sind die Hochschulen auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt. Sie bringen 2,3 Milliarden Euro Wertschöpfung und 400 Millionen Euro an indirekten Effekten.

Den Löwenanteil mit rund 1,76 Mrd. Euro bringen dabei die Konsumausgaben der rund 186.000 Wiener Studenten. Die vergleichbaren Ausgaben der rund 31.400 Uni-Mitarbeiter liegen bei knapp 300 Mio. Euro. Die Bau-, Sach- und Investitionsausgaben der Hochschulen, die an in Wien ansässige Unternehmen gehen, betragen rund 240 Mio. Euro.

Das zeigt eine vom Beauftragten der Stadt Wien für Universitäten und Forschung, Alexander Van der Bellen (Grüne), beauftragte Studie des Instituts für Stadt- und Regionalforschung der Akademie der Wissenschaften (ÖAW).

Hohe Studentendichte in Wien

Dazu kommen noch indirekte Wertschöpfungseffekte, die durch diese Ausgaben hervorgerufen werden. Die Studie beziffert diese mit zusätzlich 13.000 Beschäftigten etwa in Handel und Gastronomie, die wiederum einen Einkommenseffekt von knapp 400 Mio. Euro haben.

Mit seinen 186.000 Studenten hat Wien eine wesentlich höhere Studentendichte als etwa Berlin oder München. Jeder zehnte Wiener ist damit an einer Uni oder Fachhochschule inskribiert – in der Gruppe der 19- bis 26-Jährigen ist es sogar jeder zweite. Zum Vergleich: Berlin verfüge mit rund 3,3 Mio. Einwohnern über eine ca. 80 Prozent größere Bevölkerungszahl als Wien, habe aber nur rund 160.000 Studenten, so Van der Bellen.

Unis sind wichtiger Arbeitgeber

Die Uni Wien verfügt mit rund 9.500 Beschäftigten über mehr Arbeitnehmer als das größte privatwirtschaftliche Unternehmen der Bundeshauptstadt (Unicredit/Bank Austria, 7.200). Die Medizin-Uni Wien (5.400) liegt knapp hinter Siemens (6.000) noch vor dem drittgrößten Unternehmen (Billa, 4.500).

Die Studie reiht sich laut deren Autor Robert Musil in einen „Boom an Wertschöpfungsstudien“ ein, der von den USA in den 1990er Jahren auch auf den deutschsprachigen Raum übergegriffen hat. Grund: „Die Hochschulen unterliegen immer mehr einem betriebswirtschaftlichen Rechtfertigungsdruck.“

„Wert von Unis lässt sich qualitativ nicht messen“

Bei der Erhebung sei es um sekundäre Effekte gegangen – also nicht um den Wissensoutput der Hochschulen, sondern um die regionalökonomischen Effekte, so Musil. Ausgewertet wurden unter anderem interne Daten der Hochschulen zu Investitions- und Sachausgaben, Gehaltsstruktur und Herkunft der Studenten sowie andere Untersuchungen wie die Studierendensozialerhebung, Analysen zu Kaufkraftströmen sowie Daten zur volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung.

Van der Bellen will die Hochschulen aber nicht nur auf Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte reduziert wissen: „Bildung und Ausbildung hat einen qualitativen Wert, der sich quantitativ nicht messen lässt.“ Die Österreichische HochschülerInennschaft (ÖH) forderte in einer Aussendung einen Ausbau des Beihilfensystems und mehr Unterstützung durch den Staat. Daraus ergebe sich auch eine höhere Wertschöpfung für die Hochschulstandorte.

Links:

COMMENT der jahrealte Artikel zeigt die wirtschaftliche Bedeutung der Uni Wien für die Stadt und ihre Wirtschaftsbetriebe auf. Auf die Schnelle war keine neuere Studie dazu aufzufinden.

WIRTSCHAFTS-NACHRICHTEN für Österreich

ÖSTERREICHISCHES PARLAMENT

ORF-MELDUNGSBÜNDEL ÖSTERREICH

Inland

Causa Wöginger: Finanzressort prüft Schadenersatzforderung

Heftige Diskussion über Windkraft in Kärntner Landtag

Zarits vor Wahl zu ÖVP-Burgenland-Chef

Wirtschaft

Erster „Mitmach-Supermarkt“ in Wien eröffnet

Technik für Drohnenabwehr aus Niederösterreich

Deutsches Bekenntnis zu E-Auto mit Aber

ORF – Meldungen für die slowenische Volksgruppe (deutsch)

ORF – Meldungen für die slowenische Volksgruppe (slowenisch)

ORF – Meldungen für Volksgruppen in Österreich

IT – KI – ROBOTIK – INTERNET

Anwender vermenschlichen ihre Smartphones – Geräte bauen laut Stephen Monteiro von der Concordia University intime Verbindungen auf

Montreal (pte004/09.10.2025/06:15) – „Smartphones können eine Bindung zu uns aufbauen, indem sie unsere Anwesenheit erkennen und auf unseren Körper reagieren“, meint Stephen Monteiro von der Concordia University. Sucht sei bei den meisten Menschen demnach unvermeidbar.

Aufmerksamkeit gefordert

Ausgestattet mit einer wachsenden Zahl technischer Funktionen, die auf die sensorischen und psychologischen Schwachstellen der Nutzer abzielten, schafften Smartphones beruhigende Bindungen, die die Nutzer dazu bringen, sie immer wieder in die Hand zu nehmen. Die emotionalen Signale, die in diese Objekte und Schnittstellen eingebaut sind, so der Forscher, suggeriert, „dass sie unsere Aufmerksamkeit benötigen, während die Geräte in Wirklichkeit unsere Daten aufsaugen“.

„Gesichtserkennung, Geolokalisierung, Touch-Screens, Vibration, akustische Signale sowie Audio- und Bewegungssensoren tragen alle dazu bei, unsere Aufmerksamkeit zu erregen. Einzeln betrachtet mögen diese Funktionen keine starke emotionale Bindung hervorrufen, aber zusammen machen sie das Smartphone zu einer einzigartig intimen, sensiblen und wissenden Präsenz in unserem Leben“, unterstreicht Monteiro.

Gesichtserkennung und Co

Als Beispiel nennt der Experte die Gesichtserkennung. Sie sei praktisch für den schnellen Zugriff, denn das Smartphone leuchte auf und entsperre sich mit einem Blick, wenn es ein bekanntes und vertrautes Gesicht erkenne. „Das schafft eine tiefere Verbindung zwischen Benutzer und Gerät, ähnlich wie die, die wir zu Menschen haben, die wir kennen, wenn wir sie zufällig treffen“, so der Kommunikationsexperte.

Einige Geräte hätten zudem eine Handbewegung – eine typische Geste der Freundschaft – umfunktioniert, um so die Kamera auszulösen – eine weitere Maßnahme, die das Gerät zu einem menschenähnlichen Begleiter mache. Geolokalisierung wiederum wandele Netzwerksignale in einen Punkt auf einer Karte um, „und wir sehen diesen Punkt als uns selbst, nicht als unser Telefon – genauso wie wir die Punkte der Telefone unserer Freunde auf der Karte als sie selbst sehen“.

Monteiro erinnert an Tamagotchi und andere digitale Haustiere aus den 1990er-Jahren. Diese Spielzeuge seien besonders bedeutsam, wenn es um die heutige psychologische Abhängigkeit von tragbaren Geräten gehe. „Durch ihre piepsenden Rufe nach Aufmerksamkeit trainierte Tamagotchi Millionen von Schulkindern, emotionale Bindungen zu virtuellen Handheld-Begleitern aufzubauen, die Pflege und Zuwendung benötigen. So ähnlich ist es heute bei den Smartphones.“

(Ende)

Hälfte der Deutschen liest inzwischen digital – Unter den 16- bis 29-Jährigen konsumieren laut BITKOM-Umfrage fast zwei Drittel E-Books

Berlin (pte022/09.10.2025/13:55)  – 86 Prozent der Deutschen lesen Bücher – und das zunehmend – digital, wie eine neue Umfrage des Berliner Digitalverbands BITKOM unter 1.003 Personen in Deutschland ab 16 Jahren zeigt.

Ein Drittel liest analog

Grundsätzlich greift rund die Hälfte (51 Prozent) zumindest hin und wieder zu E-Books. 2024 waren es erst 40 Prozent. Und auch der Anteil derjenigen, die E-Books gedruckten Büchern sogar vorziehen, wächst: 23 Prozent lesen nur oder zumeist E-Books (2024: 16 Prozent).

Weitere 17 Prozent der Deutschen nutzen zu gleichen Teilen digitale und gedruckte Bücher. Elf Prozent greifen zwar auch zu E-Books, lesen aber häufiger gedruckte Ausgaben. Rund ein Drittel der Deutschen (35 Prozent) liest hingegen ausschließlich gedruckte Bücher, heißt es.

Mehr Senioren interaktiv

Auch immer mehr Senioren greifen zu E-Books: 34 Prozent ab 65 Jahren nutzen sie (2024: 22 Prozent). Unter den 16- bis 29-Jährigen lesen 63 Prozent zumindest hin und wieder E-Books (2024: 55 Prozent). Wer E-Books liest, erwirbt sie in der Regel auch: 81 Prozent tun dies.

Den entsprechenden Erwerb lassen sie sich im Schnitt 11,10 Euro pro Monat kosten. Die Möglichkeit, E-Books zu leihen, nutzen 54 Prozent. Für das Leihen zahlen sie im Schnitt 7,40 Euro im Monat. 17 Prozent der E-Book-Leser greifen (auch) zu kostenlosen Versionen.

(Ende)

DIST-ALERT: Erde fast lückenlos beobachtbar – System der University of Maryland nutzt Bilder von fünf Satelliten zur Veränderungserfassung

College Park/Washington (pte020/09.10.2025/11:30) – Veränderungen auf den Landflächen der Erde durch Waldbrände, Überschwemmungen und menschliche Eingriffe lassen sich mit dem System „DIST-ALERT“ von Forschern der University of Maryland nun fast in Echtzeit beobachten. DIST-ALERT bezieht seine Bilder von „Landsat 8/9“ und „Sentinel-2A/B/C“ mit insgesamt fünf Satelliten. Da es mehrere Tage dauert, bis ein einzelner Satellit einen bestimmten Punkt der Erde erneut überquert, um ein zweites Bild aufzunehmen, verkürzt die Verwendung der Bilder von gleich fünf Satelliten die Wiederholungsrate auf allenfalls vier Tage.

Klare Bilder der Erdoberfläche

„Satelliten werden durch Wolken beeinträchtigt, und wenn wir den Boden nicht sehen, wissen wir nicht, ob Störungen aufgetreten sind. Mit der Nutzung von gleich fünf Satelliten haben wir mehr Möglichkeiten, klare Bilder von der Erdoberfläche zu erhalten“, sagt Forschungsleiterin Amy Pickens. Für den internen Gebrauch werde das System bereits seit rund drei Jahren genutzt. Künftig sei es auch über das Land Processes Distributed Active Archive Center der NASA zugänglich. Details sind in „Nature Communications“ nachzulesen.

Bei der Betrachtung der Veränderungen der Landflächen im Vergleich zum gleichen Monat der vergangenen drei Jahre haben die Forscher festgestellt, dass der größte Teil der Landveränderungen 2023 durch Klimaveränderungen verursacht wurde, die entweder zum Absterben von Pflanzen aufgrund besonders heißer oder trockener Bedingungen oder zu einer stärkeren Vegetationsdecke wegen besonders hoher Niederschlagsmengen geführt haben. Der zweitgrößte Treiber für Veränderungen der Landoberfläche war von Menschen gesteuert, vor allem Maßnahmen wie der Anbau anderer Nutzpflanzen oder Ernten zu anderen Zeiten.

Umnutzung befeuert Klimawandel

Unter Berücksichtigung aller Möglichkeiten, wie Menschen Landflächen umwandeln können – wie durch Anlegen neuer Felder, Abholzen von Wäldern, Errichten neuer Gebäude – haben die Forscher festgestellt, dass im Jahr 2023 rund 300.000 Quadratkilometer Landfläche umgewandelt worden sind. Das entspricht fast der Fläche Polens. Die Hälfte dieser umgewandelten Gebiete waren zuvor langlebige Wälder, Buschland, Grasland und Feuchtgebiete. „Die Umwandlung von Natur- in Nutzflächen trägt erheblich zur Klimaerwärmung bei. Die Folge sind weltweit zunehmende Wetteranomalien, die zu Waldbränden, Dürren, Überschwemmungen und Zerstörungen durch Stürme führen“, so Pickens Kollege Matthew Hansen.

*Observational Products for End-Users from Remote Sensing Analysis Land Surface Disturbance Alert, etwa Bilder für Endnutzer aus Fernerkundungsanalysen von Störungen der Landoberflächen

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CYBERCRIME

Cyber-Kriminalität wird zum Erfolgsmodell – Szene agiert wie die reguläre Wirtschaft und kann sogar mit einem Kunden-Support aufwarten

London (pte002/09.10.2025/06:05) – Immer mehr Unternehmen und Institutionen werden Opfer von Cyber-Kriminellen, die oft ganze Computernetzwerke lahmlegen und diese nur gegen ein meist hohes Lösegeld wieder freigeben. Mittlerweile ist das zu einem echten Geschäftsmodell geworden, findet Ayman El Hajjar von der University of Westminster.

Etabliertes Geschäftsmodell

„Cyber-Kriminalität hat sich von individuellen und unkoordinierten Angriffen einzelner Gruppen zu einem etablierten Geschäftsmodell entwickelt, das Einnahmen generiert und echte Unternehmen widerspiegelt“, sagt El Haijar. Dieses Modell habe eigene Lieferketten, Partner wie zum Beispiel Kriminelle, die Malware nutzen, anstatt sie zu entwickeln und sogar einen Kunden-Support.

Das Ökosystem der Cyber-Kriminalität funktioniert dem Experten nach inzwischen nach dem „As-a-Service“-Modell, das auch legitime Unternehmen auszeichnet. Dabei mieten sie gewissermaßen eine Dienstleistung statt sie zu kaufen, Software beispielsweise. „Kriminelle haben dieses Modell auf die Cyber-Kriminalität übertragen“, meint der Sicherheitsexperte.

„In diesem Untergrundmarkt verkaufen Hacker fertige Malware, vermieten Botnets, also Netzwerke infizierter Geräte, und betreiben Zahlungsplattformen. Sie gehen sogar so weit, dass sie Kunden-Support und Hilfeseiten für die Kriminellen anbieten, die mit ihrer Malware Unternehmen erpressen wollen, aber nicht genau wissen, wie es geht“, so El Hajjar.

Cyber-Gangster zielgerichtet

Die Kriminellen, die als „Initial Access Brokers“ bekannt sind, agieren als Mittelsmänner. Dabei handelt es sich um erfahrene Cyber-Kriminelle, die in Systeme eindringen, den ersten Zugriff ermöglichen und diesen als Paket für andere zum Verkauf anbieten. Die Pakete enthalten oft gestohlene Daten, Benutzernamen und Passwörter oder sogar direkten Zugriff auf kompromittierte Netzwerke. Dies öffnet Cyber-Kriminellen mit geringeren Fähigkeiten die Tür, um Unternehmen anzugreifen.

„Dieses Geschäftsmodell wird auch weiterhin Bestand haben. Das ist einfache Wirtschaft: Alle, die an diesem Geschäft beteiligt sind, profitieren davon. Dazu gehören erfahrene Hacker und Malware-Entwickler, die ihren Anteil erhalten, Makler, die gebündelte Dienstleistungen verkaufen, sowie Anbieter von Hosting- und Zahlungsplattformen, die ihren Anteil einbehalten. Dazu gehören auch die kriminellen Komplizen, die Angriffe durchführen und ihre Gewinne einziehen“, meint El Hajjar.

Das mache es zu einem risikoarmen und profitablen Geschäft. Die gesellschaftliche Haltung gegenüber Hackern glorifiziere sie zu allem Überfluss oft als geniale Außenseiter, und Hacking werde, insbesondere wenn große Unternehmen das Ziel sind, fälschlicherweise als geringfügiges Verbrechen angesehen. „Die Wahrheit ist jedoch, dass ein erfolgreiches Geschäftsmodell für Cyber-Kriminalität auf Dauer die gesamte Wirtschaft gefährdet.“ Lösegeld sollte daher nie bezahlt werden.

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ETHOLOGIE – TIERVERHALTEN

Spielzeug kann Hunde süchtig machen

Experimente zeigen: Jeder dritte getestete Hund ist spielzeugsüchtig. Ist das Objekt ihrer Begierde nicht unmittelbar in Reichweite, interessieren betroffene Vierbeiner weder Futter noch die Besitzer. Das Verhalten ähnelt jenem von Menschen mit Glücksspielsucht.

Wie die Wiener Verhaltensbiologin Stefanie Riemer vom Clever Dog Lab der Veterinärmedizinischen Universität und ihr Team berichten, zeigt sich die Abhängigkeit in den Handlungen der Vierbeiner: Die Blicke fixieren das Spielzeug, sie versuchen beharrlich, zu ihm zu gelangen, und sind unfähig, sich zu beruhigen.

Nachdem das Objekt entfernt wurde, dauerte es noch etwa eine Viertelstunde, bis sich die süchtigen Tiere beruhigten. Das sei wie bei einer Glücksspielsucht oder beim Online-Gaming, heißt es in der im Journal „Scientific Reports“ erschienenen Studie.

Die Forscherin testete mit Kollegen und Kolleginnen 105 Hunde, die von ihren Besitzern als spielfreudig beschrieben werden. Darunter waren etwa belgische Schäferhunde (Malinois), Border Collies und Labrador Retriever. Dreiunddreißig von ihnen zeigten gegenüber Spielzeug wie Bällen und Plüschtieren suchtähnliche Verhaltensweisen, so Riemer, die am Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien forscht.

„Unsere Ergebnisse zeigen Parallelen zwischen übermäßiger Spielzeugmotivation bei Hunden und menschlichen Verhaltenssüchten“, heißt es in der Fachpublikation: „Hunde sind bisher die einzige nicht-menschliche Spezies, die spontan suchtähnliche Verhaltensweisen entwickelt.“

red, science.ORF.at/Agenturen

UNTERNEHMEN

GESELLSCHAFTSSEISMOGRAPH BÖRSEN

*** zuletzt aktualisiert am 1.10.2025***

Tickende Zeitbombe am Anleihenmarkt: In den USA und in Europa wird die Staatsverschuldung zum Problem – Catherine Bosley, NZZ, 30.9.2025

Die Risikoprämien für langfristige Obligationen sind trotz geldpolitischer Lockerung in Grossbritannien, Frankreich und den USA gestiegen. Washington genoss bislang ein «exorbitantes Privileg». Dieses ist nicht in Stein gemeisselt.

Die Reaktion der Anleiheninvestoren auf die jüngste Zinssenkung der amerikanischen Notenbank Federal Reserve erscheint zunächst widersprüchlich. Obwohl das Gremium um Jerome Powell den Leitzins um 25 Basispunkte herabsetzte, legten die Renditen zehn- und dreissigjähriger amerikanischer Staatsanleihen zu.

Doch es gibt eine plausible Erklärung – und sie ist für die USA ein schlechtes Omen. Ein schwindelerregender Schuldenberg und Handelszölle, die die Inflation anheizen, lassen erwarten, dass die Finanzierungskosten der weltgrössten Volkswirtschaft langfristig steigen werden. Hinzu kommt der Druck aus dem Weissen Haus, das die Unabhängigkeit der Notenbank infrage stellt. Das könnte die Inflationserwartungen befeuern.

Doch das Phänomen ausufernder Staatsdefizite, welche die Kapitalmärkte in Unruhe versetzen, beschränkt sich keineswegs auf die USA. Obwohl die Notenbanken auf beiden Seiten des Atlantiks die Leitzinsen gesenkt haben, ist die von Anlegern geforderte Risikoprämie für das Halten lang laufender Anleihen von staatlichen Emittenten wie Frankreich, Deutschland oder Grossbritannien im vergangenen Jahr gestiegen. Dies ist ein Indiz dafür, dass Investoren zunehmend an der Tragfähigkeit der Staatsverschuldung zweifeln.

Zum Beispiel muss Frankreich für neue Kredite noch tiefer in die Tasche greifen als das hoch verschuldete Italien oder Griechenland. Und der Zins auf Staatsschulden war zeitweise höher als der auf den Wertpapieren grosser französischer Unternehmen. Der klägliche Zustand des gallischen Staatshaushalts trug auch massgeblich zum Zusammenbruch der Regierung unter François Bayrou im September bei.

Währenddessen prognostiziert in den USA das Yale Budget Lab, dass aufgrund der höheren Staatsverschuldung durch Donald Trumps Big Beautiful Bill die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe – zurzeit bei etwa 4,15 Prozent – bis 2030 um etwa einen halben Prozentpunkt steigen werde.

«Nicht nachhaltig» sei die Entwicklung der amerikanischen Staatsverschuldung, hatte Powell im Mai erklärt, noch bevor Trumps Gesetz angenommen wurde. Dieses stockt die Mittel für das Militär und den Grenzschutz auf und senkt gleichzeitig die Steuern.

Bislang profitieren die USA von der Rolle des Dollars

Über Jahrzehnte profitierten die USA vom Status des Dollars als internationale Leitwährung. Unter anderem bedeutete dies, dass die hohe ausländische Nachfrage nach sicheren, liquiden amerikanischen Obligationen die Finanzierungskosten Washingtons in Schach hielt. Diesen Sonderstatus bezeichnete der französische Schatzmeister Valéry Giscard d’Estaing einst als «exorbitantes Privileg».

Im Zuge der immer höheren Zölle aus Washington dieses Jahr kamen seitens der Investoren allerdings Zweifel über die Vorreiterrolle des Dollars und die Glaubwürdigkeit der amerikanischen Wirtschaftspolitik auf. Der Greenback sackte im April bis zu 7 Prozent gegenüber dem Euro und sogar fast 9 Prozent gegenüber dem Franken ab, während die Renditen auf US-Treasuries stiegen. Im Gegensatz zu seinen Amtsvorgängern tritt Trump nicht für eine starke Währung ein.

Das Fed senkte am 17. September den Leitzins mit Verweis auf den Arbeitsmarkt, wo es eine beginnende Schwäche erkannte. Dabei entschieden sich die Geldhüter dafür, über die aus ihrer Sicht etwas erhöhte Teuerung hinwegzuschauen.

Noch sind die Auswirkungen der Zölle auf die amerikanische Wirtschaft nicht vollständig zu spüren. Die höheren Einfuhrabgaben beginnen laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) erst jetzt, die Konsumentenpreise zu beeinflussen. Es gibt so gut wie keine Anzeichen dafür, dass die Importeure die Zölle absorbieren, anstatt sie an die Kunden weiterzureichen. Die OECD hat vor diesem Hintergrund ihre Inflationsprognose für die USA für das Jahr 2026 auf 3 Prozent angehoben.

Auch nach Meinung der Deutschen Bank deuten Finanzmarktindikatoren darauf hin, dass die Teuerung in den USA in den kommenden Jahren über dem Zwei-Prozent-Zielband des Fed bleiben wird. Tatsächlich verharrt die in fünf Jahren erwartete Inflationsrate – die im Fachjargon Break-even-Rate genannt wird und aus dem Vergleich der Renditen von inflationsindexierten und nominalen Wertpapieren berechnet wird – seit Anfang dieses Jahres bei rund 2,5 Prozent.

Noch sind Treasuries bei Investoren begehrt

Experten erwarten, dass das Finanzministerium unter Scott Bessent die Politik seiner Vorgängerin Janet Yellen weiterführt und für die Neuverschuldung überwiegend auf Schuldtitel mit Laufzeiten von unter einem Jahr – sogenannte Bills – setzt. So kann das Treasury von den geringeren Finanzierungskosten auf kurzfristigen Obligationen profitieren.

Stephen Miran, jüngst von Trump in den Vorstand des Fed berufen, hatte 2024 mit dem New Yorker Ökonomen Nouriel Roubini die Ausrichtung auf kurzfristige Anleihen untersucht. Sie kamen zu dem Schluss, dass die Strategie – ähnlich wie die quantitative Lockerung einer Notenbank – die Renditen am Markt senkt und auch in Zukunft Anwendung finden dürfte.

Die Taktik funktioniert natürlich nur unter dem Vorbehalt, dass es stets genug Käufer für amerikanische Wertpapiere gibt.

Noch erfreuen sich amerikanische Staatsanleihen reger Beliebtheit. Deswegen sind die amerikanischen Anleihenmärkte wahrscheinlich trotz Zollhammer von Turbulenzen wie an den Kapitalmärkten Frankreichs und Grossbritanniens dieses Jahr verschont geblieben. Nach der vom «Liberation Day» ausgelösten Volatilität im April stieg der von ausländischen Investoren gehaltene Bestand im Juli auf ein Rekordniveau von 9,16 Billionen Dollar. Wer liquide Wertpapiere mit einer attraktiven Rendite kaufen möchte, kommt derzeit kaum am weltgrössten Markt vorbei.

Doch Verkaufswellen wegen Washingtons Handelspolitik, Trumps Druck auf die Notenbank oder die anhaltend hohe Teuerung könnten die Lage umkehren. Sollten Anleger längerfristig an der Glaubwürdigkeit des amerikanischen Fiskus zweifeln, würden die Wertpapiere ihren Status als sicheren Hafen verlieren.

«Wir sind zunehmend der Ansicht, dass die USA auf einige altbewährte Taktiken hoch verschuldeter Staaten zurückgreifen werden», wie zum Beispiel Interventionen am Anleihenmarkt, um die Kosten der laschen Haushaltpolitik zu verschleiern, schrieb Atul Bhatia, ein Stratege von RBC Wealth Management. Das Setzen auf kurzfristige Schuldverschreibungen «birgt grössere Risiken für die amerikanischen Staatsfinanzen, da die Finanzierungskosten dann nicht so berechenbar sind».

Wirtschaftswachstum ist das beste Mittel

Das Phänomen der ausufernden Staatsverschuldung betrifft sowohl die USA als auch die grossen Industrieländer Europas und Asiens. Um die gigantischen Summen in den Griff zu bekommen, gibt es zwei unterschiedliche Pfade: Entweder wird das Wachstum beschleunigt oder aber die Schuldenlast wird auf Kosten der Gläubiger verringert.

Ein beleben der Konjunktur lässt das Ausmass der Schulden im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung eines Staates schrumpfen. Dies erfordert jedoch einen Produktivitätsschub – etwa durch künstliche Intelligenz – oder schmerzhafte Strukturreformen.

Wie jüngst in Frankreich, als der Premierminister aufgrund seines vorgeschlagenen Sparprogramms den Hut nehmen musste, stossen staatliche Ausgabenkürzungen bei Wählern oft auf Ablehnung.

Die andere Möglichkeit ist finanzielle Repression, also wenn der Staat die Anleger faktisch zum Halten von unattraktiven Staatsschulden zwingt. Ein beabsichtigtes Anheizen der Teuerung kann den realen Wert dieser Schulden weginflationieren, solange diese nicht teuerungsgeschützt sind. Oder aber es kommt sogar zu eigentlichen Schuldensanierungen mit kostspieligen Schuldenschnitten wie derjenige von Griechenland 2012.

Die Unsummen der Verbindlichkeiten sind auf beiden Seiten des Atlantiks eine tickende Zeitbombe. Ob und in welcher Form diese losgeht, bleibt abzuwarten.

Schulden wie nach dem Weltkrieg Warum der Welt der Finanzkollaps droht – n-tv, Daniel Schütte, 27.9.2025

Frankreichs Haushalt ist nur noch ein Torso. Die Staatsverschuldung der USA hat astronomische Dimensionen erreicht – die Europäer folgen dem Trend. Inzwischen sagen selbst seriöse Ökonomen und Investoren einen Crash und Panik an den Finanzmärkten voraus. Sie haben recht: Die Schuldenbombe tickt.

Der Schuldenberg der westlichen Staaten ist heute wieder ungefähr so hoch wie in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Gerade noch neun Länder erhalten von allen drei großen Ratingagenturen die höchste Bonitätsstufe, das dreifache A. Selbst starke Wirtschaftsnationen wie Frankreich verlieren die Kontrolle über ihre Haushaltsdefizite. Müsste Frankreich auf die Rettungsmechanismen zurückgreifen, die im Zuge der Eurokrise aufgebaut worden sind, dann hätte das dramatische Folgen auch für die Bundesrepublik. Dreistellige Milliardenbeträge stünden auf dem Spiel.

Regierungen und Wähler haben sich im Laufe der Jahre an solche Summen gewöhnt. Weil am Ende – zumindest für Deutschland – immer alles gut gegangen ist, erscheinen Warnungen nur abstrakt und hypothetisch. Doch die bisherige Verschuldungspolitik wird so nicht weitergehen können. Der aufgebaute Sprengstoff ist hochexplosiv, die Schuldenbombe tickt.

Die USA, der größte Staatsschuldner der Welt, sind nach Ansicht der meisten Ökonomen und Investoren auf fiskalischem Crashkurs. Drastische Warnungen häufen sich. Jamie Dimon etwa, der Chef der weltgrößten privaten Bank J.P. Morgan und Doyen der Wall Street, sprach schon vor der Wahl 2024 von einer drohenden „Rebellion“ der Finanzmärkte, weil die Haushaltsfinanzierung auf ein „Kliff“ zusteuerten. Im Mai prognostizierte er ein Fiasko, weil es zu einem „Riss“ am Bondmarkt kommen werde: „Das wird passieren.“ Seinen Bankenaufsehern sage er: „Ihr werdet in Panik geraten.“

Kernschmelze des Finanzsystems könnte von den USA ausgehen

Die US-Staatsschuldenquote wächst seit Jahren ungebremst, laut Internationalem Währungsfonds (IWF) liegt sie derzeit bei 123 Prozent. Tendenz: immer weiter steigend. Diese Schuldenlawine betrifft die gesamte Welt, denn die USA sind mit Abstand der führende Finanzplatz und der von ihnen geschöpfte Dollar ist die Welt-Reservewährung. Probleme des Schuldners USA könnten deshalb bis zu einer Kernschmelze des Weltfinanzsystems führen. China und andere Herausforderer der USA arbeiten ohnehin daran, die Dominanz des Dollarsystems zu brechen.

Zur hohen Schuldenlast Amerikas, das sein Triple-A längst verloren hat, kommt inzwischen noch die unberechenbare Politik des Präsidenten: Donald Trumps Zölle schaden dem Wirtschaftswachstum, seine Steuersenkungen haben neue Haushaltslöcher gerissen. Obendrein untergräbt Trump mit brachialen Mitteln die Unabhängigkeit der US-Zentralbank Fed, die der Garant eines stabilen Dollar und der Finanzmarktstabilität sein müsste.

Trump will die Notenbankerin Lisa Cook wegen angeblicher privater Verfehlungen feuern. Um mehr Einfluss zu gewinnen, beförderte er auch seinen Chefökonomen Stephen Miran in die Zentralbank, der sofort eine neue Angriffsfront eröffnet hat. Nach dem Gesetz soll die Fed bisher einerseits für stabile Preise, andererseits für möglichst hohe Beschäftigung sorgen. Miran grub eine Passage in den Statuten aus, nach der die Fed zusätzlich auch für moderate Langfristzinsen sorgen müsse.

Mit diesem neuen Rechtsverständnis könnte die Notenbank künftig die Aufgabe übernehmen, dem Präsidenten und seiner Regierung den Rücken finanziell freizuhalten. Denn deren Schuldenpolitik lässt sich nur fortsetzen, wenn die Zinsen im Zaum gehalten werden. Wo der billige Kredit zum permanenten Ziel der Geldpolitik wird, wächst allerdings das Inflationsrisiko erheblich.

Nicht nur die Stabilität des Dollar ist dadurch bedroht. In fast allen Industrieländern gefährdet die wachsende Last der Schulden am Ende das Geldsystem. Die Europäer stehen nur auf den ersten Blick etwas besser da. Die Staatsschuldenquote der Eurozone liegt zwar zusammengerechnet deutlich unter 100 Prozent. Die Währungsunion besteht aber aus zwei fiskalisch sehr verschiedenen Blöcken: Die sechs am höchsten verschuldeten Länder Italien, Frankreich, Spanien, Griechenland, Belgien und Portugal haben – in Relation zum Wirtschaftswachstum – zusammen einen fast genauso hohen Schuldenstand wie die USA.

Abrupte Schuldenwende in Deutschland

Das Gegengewicht bildet im Wesentlichen Deutschland, das seine Schuldenquote in den 2010er Jahren wieder in die Nähe von 60 Prozent gesenkt hatte, und das als der Stabilitätsanker des Euro gilt. Mit der abrupten Schuldenwende im Frühjahr haben die Deutschen ihren Kurs nun grundlegend verändert: Der im Vergleich noch große Kreditspielraum soll zügig genutzt werden. Zugleich verschlechtert sich die Lage beim wichtigsten Partner Frankreich drastisch: Das Land ist tief gespalten, immer neue Regierungen scheiterten zuletzt daran, die ständig steigende Verschuldung zu bremsen. Am Kapitalmarkt ist der Zins der französischen Staatsanleihen deshalb auf das Niveau des notorischen Schuldenpatienten Italien gesprungen. In der Währungsunion zahlen heute die beiden nach Deutschland größten Volkswirtschaften die höchsten Risikoaufschläge gegenüber den Bundesanleihen.

Eine Finanzpolitik, die ihre Schulden nicht mehr im Griff hat, wird zum Sprengstoff für die Finanzmärkte. Denn die Staatsschulden müssen zwar nie restlos zurückgezahlt, aber doch immer wieder neu finanziert werden. Nach einer langen Phase von Mini- und teils sogar Negativzinsen sind die Kreditkosten zuletzt wieder spürbar gestiegen. Verlieren die Investoren einmal abrupt das Vertrauen in die vermeintlich völlig sicheren Papiere, dann drohen massive Erschütterungen: Crashende Bondkurse bringen Banken und Versicherungen ins Wanken, hochschießende Zinsen verschärfen die Haushaltsnot noch weiter. Als letzter Retter in der Krise bleibt dann nur noch die Notenbank, die unbegrenzt Geld schöpfen kann – „whatever it takes“.

Zuletzt hat Großbritannien 2022 einen solchen Schock erlebt. Damals stürzte die neue Premierministerin Liz Truss schon nach wenigen Wochen, weil der Bondmarkt angesichts ihrer Schuldenpläne crashte. Erst ihr Rücktritt und die Interventionen der Bank of England beruhigten die Lage. Der „Truss-Moment“ ist seither der Albtraum vieler Regierungen weltweit.

Schon vor Monaten forderte die vor kurzem ausgeschiedene IWF-Vizechefin Gita Gopinath einen „strategischen Schwenk“. Sie nannte die fiskalische Lage der Welt „schlimmer, als Sie denken“. Höheres Wachstum wäre der Königsweg aus der Schuldenfalle. Die Zügelung von Ausgaben ist vor allem dort unvermeidlich, wo die Steuerlast schon sehr hoch ist. Aktuell zeigt sich aber vor allem, dass der Druck auf die Notenbanken wächst. Die Politik hat sich an das leichte Geld gewöhnt, das die Währungshüter in den großen Krisen der vergangenen anderthalb Jahrzehnte zur Verfügung gestellt haben. Das Risiko einer etwas höheren Inflation erscheint vielen vertretbar – zumal die schleichende Entwertung des Geldes auch die reale Last der Staatsschulden aushöhlen kann.

Der jüngste Vorstoß des Trump-Loyalisten Miran mag Europäern bizarr erscheinen. Die Europäische Zentralbank hat formal ein viel engeres Mandat als die amerikanische Fed. Der klare Auftrag heißt hier: stabile Preise. Faktisch stabilisiert aber auch die EZB schon seit Jahren die Zinsen für Krisenkandidaten wie Italien. Im Fall Frankreich wird sie nicht anders handeln können.

Quelle: ntv.de

Reset wie 1948: Droht die große Enteignung – rtl+, 14.8.2025

Zwangshypotheken, entwertete Konten, 90 Prozent Verlust beim Geldvermögen – die Währungsreform von 1948 zeigt, wie radikal ein Reset ablaufen kann. Und er könnte wiederkommen.

Raimund und Etienne sprechen in dieser Podcast-Folge darüber, wie solche Eingriffe in der Vergangenheit aussahen und warum die Reset-Gefahr auch in der Gegenwart nicht gebannt ist. Könnten sogar die USA im Zentrum eines neuen Resets stehen? Was passiert dann mit Geld, Schulden, Immobilien und Aktien? Und wie schützen Sie Ihr Vermögen am besten? Fragen und Anregungen bitte an brichtaundbell@ntv.de

Währungsreform von 1948 Das sind die wichtigsten Fragen zum „Reset-Szenario“ – n-tv, ab 31.7.2025

Zwangshypotheken, entwertete Konten, 90 Prozent Verlust beim Geldvermögen – die Währungsreform von 1948 zeigt, wie radikal ein Reset ablaufen kann. Dieses Szenario haben Raimund Brichta und Etienne Bell in der vorherigen Folge „Brichta und Bell – Wirtschaft einfach und schnell“ vorgestellt und selten so viel Feedback erhalten. In dieser Woche klären sie weitere wichtige Fragen: von den Auswirkungen auf Gold über Kryptos hin zu KI.

AKTIENEMPFEHLUNGEN – BUY & SELL

Aktuell (—): 
Aktien um 10 Euro je Stück sind FETT hervorgehoben.

Die erwarteten stolzen Kursgewinne sind dem Übermut der tollen Analystenzunft zu verdanken! Hirn selbst einschalten und kritisch bewerten. MERKE: Klappern gehört zum Geschäft. Es geht letztlich nicht so sehr um die Beratung der Anleger, sondern um die spekulativ selbst gehaltenen Aktien der Häuser (Banken, Fonds, Anlagegesellschaften etc.), für die die Analysten tätig sind: wenn viele kaufen, steigen die Kurse, und 5% Plus sind zwar weniger als 15% oder 35%, aber besser als 5% Minus. Zudem lassen sich schnell noch eigentlich „schlechte“ Aktien im Portfolio des Hauses (Banken, Fonds, Anlagegesellschaft etc.) verkaufen, für die der Analyst tätig ist, sofern die werten privaten Anleger den Kaufempfehlungen folgen. So schaut’s aus im Schneckenhaus! Nochmals: Hirn selbst einschalten. Die Finanzbranche lebt vom Trübe-Machen des Wassers!

NICHT ZULETZT: Verkaufsempfehlungen werden ungern gegeben, da sie auf das Portfolio der Häuser (Banken, Fonds, Anlagegesellschaft etc.) rückschließen lassen, zu denen die Analysten gehören. Verkaufsempfehlungen werden aus zwei Gründen gegeben: a) es ist tatsächlich Feuer am Dach des analysierten Unternehmens, b) das Haus möchte die Aktien des zum Verkauf empfohlenen Unternehmens billiger zurückkaufen, sofern den Verkaufsempfehlungen gefolgt wird. Letztlich agieren an der Börse die Optimisten, und die wollen positive Nachrichten hören, also werden sie von den Häusern und ihren Analysten entsprechend bedient.

UND ZU ALLERLETZT: die Analysten bespiegeln sich untereinander: wer hat was empfohlen oder nicht empfohlen, es kommt zu herdenpsychologischen Erscheinungen derart: der Leithammel hat empfohlen, also machen wir das auch. Die jeweiligen Analysen werden entsprechend (um)formuliert. Das zweite Moment: die Konkurrenz, die u.U. zu skurrilen Interpretationen des analysierten Unternehmens führt.

FAZIT: was die Analystenzunft von sich gibt, kann aufschlussreich sein, muss es aber nicht, vermittelt einen zusätzlichen Eindruck zu einzelnen Aktiengesellschaften. Wichtig ist der Blick auf zweierlei: a) entscheidend: auf die volkswirtschaftliche Situation des Landes, der Welt; b) sekundär (!) auf das Unternehmen und seine Branche: Charakter des Managements, klare, gut durchschaubare Produktpalette, Langlebigkeit des Unternehmens und seine Stetigkeit im Gebaren.

Renten- und Aktienmärkte

Man halte sich vor Augen: Aktienmärkte sind die Pfützen in der Welt der Veranlagungsmöglichkeiten. Anleihenmärkte (Rentenmärkte, Kapitalmärkte) sind die großen Ozeane ebendort. Daher sind Aktienmärkte volatil und reagieren auf den leisesten Windhauch mit u.U. kräftigen Ausschlägen. Die Seelen der Anleger sind sehr verletzlich: Angst und Gier bestimmen hier jegliches Handeln, die vernünftige Veranlagungsentscheidung steht an zweiter Stelle. Das verursacht in den kleinen Geldpfützen der Aktienmärkte hohe Wellen. Aber dort stehen nach erster Erschütterung später die rationalen Kaufs- und Verkaufsentscheidungen felsenfest – bis zur nächsten Seelenerschütterung.

Anleiheanleger sind cooler und gezügelter im Gemüt. Hier geht es eher um Langfristperspektiven. Alles dreht sich um den Zins und wie er sich weiterentwickelt. Wer an der Zinsschraube dreht, dreht am Schicksal ganzer Volkswirtschaften. Da ist das aufgeregte Gegackere an den Aktienmärkten geradezu uninteressant.

Aber kommen Anleihemärkte einmal ins Rutschen – nach oben oder nach unten – dann ist Feuer am Dach. Schon 0,5 oder gar 1 Prozent Veränderung in einem Anleihenindex sind eine „Weltbewegung“ im Milliarden- oder Billionengeldmeere der Anleiheozeane.

Dazu kommt: Die Anleiherenditen konkurrenzieren mit den Aktienrenditen. Eine hohe Anleiherendite jenseits der 3 Prozent wirkt umso „giftiger“ auf die Aktienkursentwicklungen, je höher sie ist. Liegt sie unter 3 Prozent, begünstigt sie die Aktienkäufe, Je deutlicher sie unter 3 Prozent liegt, umso eher. Das ist die Regel. Die Ausnahme – so, wie wir sie gerade sehen – bestätigt diese Regel. Früher oder später wird sie ihre dominante Stellung als Regel wieder einnehmen.

Diese Verhältnisse sind es, die im Tagesblick in der Regel die Berichte zu den Anleihemärkten wiedergeben lassen, dass aufgeregte Geflattere und Gegackere an den Aktienmärkten im Detail interessiert in der Regel nicht die Bohne.

Zur Renditebestimmung bei Anleihen: notiert die Anleihe zu 100 Prozent, dann stimmen Anleihezinssatz (der Couponzins) und Anleiherendite überein. Sinkt der Anleihekurs unter 100 Prozent, steigt die Rendite, umgekehrt gilt: steigt der Anleihekurs, so sinkt die Rendite. So einfach ist das. Und so weltbewegend in der Tat.

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Allgemeine Empfehlungen: Es geht vornehmlich um die Zukunft der Energiegewinnung und die Energielieferanten. Renner bleiben Telekommunikations-Unternehmen, deren Dienstleistungen in einer digitalisierten Wirtschaft und Gesellschaft unabkömmlich sind. Unter den Logistik-Aktien sind in der Regel die Post-Aktien interessant. Diese Branchen sind weniger konjunkturabhängig als z.B. Konsumaktien, darunter die Post-Aktien noch am ehesten.

Hinzu kommt, dass die klassischen erdölverarbeitenden Energielieferanten (Up- und Downstream) mehr oder weniger energisch in großem Stil auf Alternativenergien umstellen. Es bleibt ihnen angesichts des Klimawandels, der öffentlichen Meinung und der in absehbarer Zeit erschöpften Welt-Erdölreserven auch nichts anderes übrig. Über das Kapital für den weltlebensnotwendigen Umbau verfügen sie dank ihrer Aktionäre. Es geht aus Sicht der Unternehmen um zukunftsträchtige Geschäftsmodelle in einer überschaubaren Branche – Energie – und aus Sicht der Aktionäre um steigende Unternehmenswerte / Aktienkurse als Inflationsschutz und sichere, möglichst stabil wachsende Dividenden, ebenfalls hinsichtlich des Inflationsschutzes.

Anti-Nachhaltigkeits-Bewegung in den USA als 180-Grad-Wendung in der Veranlagungsgebarung

Der aktuelle politische Druck in den USA zwingt eine Reihe großer Vermögensverwalter, darunter die weltgrößten wie Blackwater und Vanguard (verwaltetes Vermögen: 20 Billionen US-Dollar), nachhaltige Unternehmen potentiellen Anlegern nicht mehr zu empfehlen. Sie selbst verkaufen solche Unternehmen aus ihren Portfolios. Es gibt sogar seitens republikanisch regierter Bundesstaaten wie insbesondere Texas Kaufverbote für staatliche Pensions- u.a. Fonds.

Ausgestiegen sind bereits US-amerikanische Großbanken wie JP Morgan, Goldman Sachs, Wells Fargo, Bank of America, Citigroup (verwaltetes Vermögen: 9 Billionen). Ähnliches betrifft die Kreditvergabe. Offen bleibt, wie private und Unternehmensanleger (nicht-staatliche Fonds) künftig disponieren werden.

Unter den angebotenen Finanzanlagen kursieren seit geraumer Zeit besondere Nachhaltigkeitsprodukte in Form sog. ESG-Fonds (mehr dazu hier), die hohe Renditen versprachen und daher recht starken Zulauf hatten; die Renditen wurde seit Erhöhung der Kreditzinsen gebremst, da dadurch kreditfinanzierte Nachhaltigkeitsprojekte (Windparks, Solaranlagen etc.) weniger rentabel wurden.

In der Europäischen Union will man sich weiter an entsprechende Nachhaltigkeitsauflagen festhalten. Bislang wurden in europäische ESG-Fonds 9 Billionen Euro investiert, was 61 Prozent des gesamten Fondmarktvolumens entspricht. Der Zufluss hat sich 2024 allerdings um die Hälfte auf 37 Milliarden Euro reduziert. Zudem wurden mehr ESG-Fonds geschlossen als eröffnet. Nicht nur die hohen Zinsen, die die ESG-Fonds-Renditen beeinträchtigten, führten dazu, sondern auch „grüne Schönfärberei“: es stellte sich da und dort heraus, dass die versprochene Nachhaltigkeit mehr auf dem Papier als in der Wirklichkeit bestand. (Quelle: Wirtschaft vor Acht, ARD, 10.1.2025 (KURZVIDEO, bis 17.1.2025 verfügbar))

FAZIT: Es bleibt abzuwarten, was das für den Klimaschutz in den USA und weltweit künftig bedeutet. Für Österreich stellt sich die Frage, wie eine künftige Regierung sich in Sachen Klimaschutz verhalten wird.

Aktienkauf – der Erwerb einer Unternehmensbeteiligung – bedeutet Übernahme eines Risikos in Hinblick auf das künftige Unternehmensschicksal. Die Dividende stellt eine Risikoprämie dar.

Aktienanalytischer Blick auf Aktien im Euroraum und speziell Österreich (Stand: 24.2.2025):

ACHTUNG – STEUERVERÄNDERUNGEN ANTE PORTAS:
Ins Gerede kommen in absehbarer Zeit auf EU-Ebene und auf Österreich-Ebene vermutlich Aktienbesteuerung (Verkaufsgewinne, Dividenden) ebenso wie Vermögens- und Erbschaftssteuer. Diese Steuern sind in Veranlagungsüberlegungen mit einzubeziehen.

Im Folgenden sind Aktien um 10 Euro je Stück und darunter FETT hervorgehoben.
Neu aufgenommene Aktien werden mit ### gekennzeichnet.

Beobachtenswert ist der Umweltschutz- und Wasserwirtschaftswert Veolia

Ein Kaufsignal liefern weiterhin ENI, UNICREDIT und TOTAL ENERGIES, im Vergleich zum 3.2.2025 stabile Bewertung mit jeweils fünf Sternen bewertet.

Ein Kaufsignal liefern ENEL, PORR, SHELL, VERBUND, ### VIENNA INSURANCE GROUP mit jeweils vier Sternen bewertet.
Im Vergleich zum 3.2.2025 erweiterte stabile Bewertung mit jeweils vier Sternen bewertet.

Ein niedriges KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) zeichnet aus:
RWE, TOTAL ENERGIES, ### UNICREDIT SPA, PORR, OMV, ### UNIQA, EVN, ENEL, TELECOM AUSTRIA, ### STRABAG, WIENERBERGER, SHELL, PALFINGER.

Aufsteigende Reihenfolge: die erste Aktie RWE ist die mit dem niedrigsten KGV = 4,8, PALFINGER die mit dem höchsten KGV = 9,3.
Im Vergleich zum 3.2.2025 erweiterte stabile Bewertung.

Ein niedriges dynamisches KGV (PEG, Price-Earning-to-Growth) weisen u.a. auf:

ENI, UNICREDIT, ### KONTRON AG, OMV, SHELL, PORR, WIENERBERGER, PALFINGER,

Nicht mehr dazu gehören: VIENNA INSURANCE GROUP, TELECOM AUSTRIA.
Aufsteigende Reihenfolge: die erste Aktien ENI = 0,5 ist die mit dem niedrigsten, PALFINGER die mit dem höchsten PEG = 1,4.
Im Vergleich zum 3.2. 2025 ist die Auswahl verändert, einzelne Aktien kamen dazu, andere fehlen nun!

Als Aktien mit langfristigem Kurspotential werden u.a. gesehen:
TOTAL ENERGIES, ENI, VERBUND, E.ON.SE, EVN, RWE.

Aufsteigende Reihenfolge: am Anfang der Reihe steht jene mit der größten Langfristchance.
Im Vergleich zum 3.2.2025 bleibt die Auswahl stabil, die Reihenfolge hat sich geändert.

Als Aktien mit hoher Sicherheit werden u.a. bewertet VIENNA INSURANCE GROUP, VERBUND; die Bewertungen bleiben unverändert zum 3.2.2025.
Aufsteigende Reihenfolge: am Anfang der Reihe steht jene Aktie mit der größten Sicherheit.

Aktien mit hoher Dividendenrendite sind:
OMV, ORANGE, TELEFONICA, ENI, UNIQA, ENEL.


Aktien mit der größten Dividendenrendite stehen am Anfang der Reihe: OMV 12,6%, am Ende die mit der niedrigsten: Enel 6,7%, jeweils vor Steuer.
Im Vergleich zum 3.2.2025 bleibt die Auswahl gleich, die Reihenfolge hat sich geändert.

KAUFKRITERIEN neben den aktienanalytischen Kennzeichnungen sind der Reihe nach: WER? – Qualität und Charakter (Psychologie!) des Managements, Häufigkeit des Managementwechsels, Unternehmenskultur; WAS? – Produkteinfachheit: „einfach gestrickte“, leicht zu durchschauende/transparente Produkte oder Dienstleistungen, eher kleine Produktpalette bzw. enger umschriebenes Dienstleistungsangebot, Konstanz der Nachfrage; WIE? – Sicherheit, Widerstandsfähigkeit gegenüber wirtschaftlichen Wechselfällen, finanzielle Stabilität des Unternehmens, Konkurrenzsituation; WO? – geographische und „politische“ Lage möglichst fern von Krisengebieten inkl. solchen mit politischer Unruhe oder in Ländern mit totalitären Systemen oder deutlich defekten Demokratien (illiberale Demokratien); WANN? – Lebensdauer bzw. Überlebensdauer (Weltkriege etc.) des Unternehmens bisher, Stetigkeit der Dividendenzahlungen.

FAZIT: vor dem Kauf einer Unternehmensbeteiligung sich zur Aktiengesellschaft schlau machen: WER, WAS, WIE, WO, WANN.

ZWEI DINGE sind zusätzlich zu beachten:

# Langfristanlage durch Erwerb von Defensiv-Aktien (u.a. Energie, Telekom),

# Verbleib in einem Währungsraum, das ist der Euroraum. Daher werden die allseits seit Jahren gehypten US-Aktien hier mit Absicht außen vor gelassen, um das Währungsrisiko klein zu halten. Gleiches gilt für den Erwerb von Schweizer Aktien, wie die Vergangenheit mit Blick auf das sehr wechselhafte Wechselkursverhältnis Schweizer Franken / Euro gezeigt hat. 

Die Europäischen Union als Veranlagungsrisiko?

Das Staatssystem der Europäischen Union kommt einer defekten Demokratie gleich und erstreckt sich in den Währungsraum (Euroland), in dem gehandelt wird. Man spricht auch von einem Demokratie-Defizit der Europäischen Union. Risiken dieser defekten Demokratie, um einige zu nennen, sind: Regelungen „von oben herab“ auf nicht sehr transparente Weise und Steuervorgaben, die sich durch Negieren realer Alltagserfordernisse auszeichnen, Überwachungsbestrebungen, hoher Bürokratieaufwand für Unternehmen und Bürger. All dies markiert Abgehobenheit und Bürgerferne der EU-Politik.

Kennzeichnend für das Gebaren (Governance) der EU ist ein Ineinandergreifen von EU-Exekutive (Kommission mit ihren Kommissariaten) und einem nicht gut überschaubaren Geflecht zahlreicher, der EU nahestehenden und von ihr geförderten Institutionen, Organisationen und Einrichtungen, die auf vielen Ebenen EU-Kommissionsvorgaben umsetzen helfen. Sie helfen insbesondere dabei, die von EU-Rat- und EU-Kommission angedachten, aber für Bürger und Unternehmen noch nicht „akzeptablen“ Vorgaben „schmackhaft“ zu machen, um so zu einer ausreichend hohen Akzeptanz in der Bevölkerung zu führen, die eine politische Umsetzung ermöglicht.

Junker sagte 1999 dazu sehr verkürzt und sinngemäß: was wir heute als EU nicht durchsetzen, das werden wir dann schon später durchsetzen. Dem Lobbyismus Richtung EU-Exekutive (insbesondere seitens der Unternehmen) steht ein „Lobbyismus“ seitens der EU in Richtung auf die Einrichtungen der Mitgliedsländer sowie auf die Unternehmen und die Bevölkerung gegenüber, dessen Räderwerk für den Normalbürger praktisch nicht durchschaubar ist. Inwieweit kommt dies einem autokratischen Verhalten von der Maschek-Seite gleich?

Hauptziel der EU-Bestrebungen ist die Etablierung der Vereinigten Staaten von Europa, die den derzeit bestehenden Verbund der Mitgliedsstaaten ersetzen soll. Das deutet auch der Wechsel der Namensgebungen im Zeitverlauf an:

# Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS, umgangssprachlich auch Montanunion, 1951)

# Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG, 1957 inklusive EURATOM)

# Europäische Gemeinschaften (EG, 1965 ff., Fusion von EWG, EURATOM und einzelnen EG-Organen, Fusions- und Folgeverträge)

# Europäische Gemeinschaft (EG, seit 1993 ff., Maastricht- und Folgeverträge)

# Europäische Union (EU, 2007, Lissabon- und Folgeverträge)

1948
1948
Brüsseler
Pakt
1951
1952
Paris
1954
1955
Pariser
Verträge
1957
1958
Rom
1965
1967
Fusions-
vertrag
1986
1987
Einheitliche
Europäische Akte
1992
1993
Maastricht
1997
1999
Amsterdam
2001
2003
Nizza
2007
2009
Lissabon
Europäische GemeinschaftenDrei Säulen der Europäischen Union
Europäische Atomgemeinschaft (Euratom)
Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS)Vertrag 2002 ausgelaufenEuropäische Union (EU)
Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG)Europäische Gemeinschaft (EG)
Justiz und Inneres (JI)
Polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen (PJZS)
Europäische Politische Zusammenarbeit (EPZ)Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP)
Westunion (WU)Westeuropäische Union (WEU)
aufgelöst zum 1. Juli 2011

Problematisch bleibt dabei: je größer die Zentralisation von Staatsmacht, umso größer die Machtfülle, die mit „eiserner Harke“ über berechtigte (!) Einzelinteressen der Mitgliedsstaaten und damit der Bürger drüberfährt. Das Prinzip der Subsidiarität bleibt dabei auf der Strecke, so wie dieses Prinzip z.B. Österreich 1994 anlässlich der Vorabstimmungskampagnen versprochen wurde. Wurde das Versprechen eingelöst?

Beispiele der Machtfülle durch Zentralisierung liefern alle großen Staaten, u.a. Russland und China, die geradezu Musterbeispiele dafür darstellen.

Ein Problem des Staates an sich ist das Machtmonopol, das bei ihm liegt und liegen muss, will er Gesellschaft – das Staatsvolk – und die Abläufe darin mit Erfolg, also: durchsetzungskräftig organisieren. Das Problem ergibt sich aus dem Spannungsfeld zwischen unbeschränkter Freiheit des Individuums (Libertarismus) und unbeschränkter Freiheit des Staates (Totalitarismus).

Wie dieses Machtmonopol ausgestaltet wird, unterliegt in Demokratien dem Willen des Wahlvolkes, in nicht-demokratischen Staaten dem Willen des autoritären, totalitären oder autokratischen Machthabers. In defekten Demokratien ist die Mitbestimmung des Volkes eingeschränkt. Defekte Demokratien existieren in einer Grauzone, deren Konstituenten und ihre gegenseitige Einflussnahme nicht leicht zu bestimmen sind. Somit ist auch der Defektheitsgrad einer defekten Demokratie nicht leicht zu bestimmen und unterliegt, je nach politischer resp. ideologischer Perspektive, unterschiedlichen Wertungen.

Die idealtypische Dreiteilung der Regierungsformen existiert in der Wirklichkeit nicht: keine Demokratie der Welt entspricht der idealen Form, weist also im Ansatz Eigenschaften einer defekten Demokratie auf, kein totalitärer Staat schränkt die individuellen Freiheiten vollständig ein, es verbleibt den Bürgern dort ein mehr oder weniger großer Freiheitsraum.

Hinsichtlich des staatlichen Machtmonopols, das zudem bei anwachsender  Zentralisation der Staatsgewalt zur Zunahme neigt, ergibt sich die Erkenntnis: so wenig Staat wie möglich, so viel Staat wie nötig als einer Einrichtung, die mit einem mit Rechtsgewalt in das Leben seiner Bürger eingreifenden Machtmonopol versehen ist, das für das „Funktionieren“ einer Gesellschaft unaufgebbar ist.

Die dafür notwendigen rechtlichen Verregelungen des Alltagslebens durch Allgemeines Gesetzbuch, Strafgesetzbuch, Angestelltengesetz etc.etc. sind zahllos und gelten bei ausnahmslos jeder Handlung, werden aber – ebenso regelhaft – dem Bürger erst dann bewusst, wenn es zu schwerwiegenden Regelverstößen oder Regelbruch-Sanktionierungen kommt. 

Rechtliche Verregelungen sind Ausdruck der jeweiligen Ausprägungen eines Rechtsstaates; dieser wird in einer idealen Demokratie nicht durch Willküreinwirkungen korrumpiert: das ist ein wesentliches Kennzeichen demokratischer Rechtsstaatlichkeit. Auf Rechtsstaatlichkeit pflegen sich auch autoritäre, totalitäre oder autokratische, kurz: diktatorische Systeme zu berufen, doch wird der Rechtsstaat dort durch Willküreingriffe korrumpiert: Rechtsbiegung als Kennzeichen von Autokratien etc. In einer defekten Demokratie wird die Rechtsstaatlichkeit (leicht) eingeschränkt, womit das Risiko entsteht, in eine Autokratie abzugleiten.

Nur in formalrechtlicher Hinsicht war zum Beispiel auch der NS-Staat ein Rechtsstaat, besaß er doch gemäß der NS-Grundsätze umgearbeitete Gesetze aus der Weimarer Republik und neue Gesetze im Sinne der NS-Ideologie, auf die er sich in der Rechtsprechung berief und von denen viele in einem „normalen“, d.h. hier NS-konformen Rechtssetzungsprozess entwickelt wurden. Daran ändert nichts die Gepflogenheit, den NS-Staat in inhaltlich-ethischer Hinsicht als Unrechtsstaat zu bezeichnen. Ein krasses Beispiel für einen NS-Rechtserlass im autokratischen Sinn ist unter diesem Link einsehbar.

Kennzeichnend für die Biegsamkeit des Rechts je nach Staatsraison ist die Tatsache, dass Juristen nach einem Regimewechsel ihre Posten in der Regel nicht verloren, sondern im neuen Regime weiter im Dienst des Rechts ihre berufliche Tätigkeit frei oder im öffentlichen Dienst ausübten. So wurden Juristen und Richter nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes ohne weiteres in den öffentlichen Dienst der entstehenden Bundesrepublik Deutschland übernommen. Vergleichbares geschah nach dem Fall der UdSSR oder DDR.

Das „Funktionieren“ einer Gesellschaft dank dafür sorgender Rechtsstaatlichkeit bedeutet in einer Demokratie das Herstellen eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen einerseits den rechtsstaatlich gesicherten Freiheitsbedürfnissen des Individuums unter für ihn zureichenden wirtschaftlichen Gegebenheiten und andererseits den „Freiheitsbestrebungen“, somit Machtbestrebungen des Staates, mit dem Ziel, ein Höchstmaß an Gemeinwohl resp. Sozialfrieden in Freiheit herzustellen. Als Garant dafür dient die Gewaltenteilung und ein entsprechend stark regulierter und damit gewaltgebändigter Polizei- und Geheimdienstapparat sowie als vierte Gewalt die Sicherstellung einer freien Presse. MOTTO: Nimm Freiheitsbeschränkungen mit Blick auf das Gemeinwohl aus Überzeugung an, wir helfen dir dabei durch politische Aufklärung und sachliche Bildungsarbeit!

Das „Funktionieren“ einer Gesellschaft dank dafür sorgender Rechtsstaatlichkeit bedeutet in einer Autokratie, im Autoritarismus und vor allem im Totalitarismus Ausgesetztheit vor rechtsbeugenden willkürlichen Staatseingriffen auf die ohnehin reduzierten Freiheitsmöglichkeiten des Individuums unter nicht selten unzureichenden wirtschaftlichen Gegebenheiten zu Gunsten der Machtbestrebungen des Staates mit dem Ziel, ein Höchstmaß an „Gemeinwohl“ resp. „sozialem Frieden“ in Unfreiheit zu erzwingen. Als Garant dafür dient die Einschränkung, womöglich Aufhebung der Gewaltenteilung sowie ein entsprechend stark ausgeprägter und mit gering regulierter Gewalt ausgestatteter Polizei- und Geheimdienstapparat sowie eine allgegenwärtige Brachial-Propaganda unter Ausschaltung der Pressefreiheit. MOTTO: Kusch, sonst trifft dich der Polizeiknüppel und du landest im Gulag, folgst du nicht den Propaganda-vermittelten Staatszielen!

Das „Funktionieren“ einer Gesellschaft dank dafür sorgender Rechtsstaatlichkeit in einer defekten Demokratie gibt in (noch) geringem Ausmaß jene Prinzipien auf, die eine Demokratie hervorheben. Als Garant dafür dient eine Einschränkung der Gewaltenteilung und ein nicht allzu gestärkter und nicht allzu sehr mit herabgesetzter regulierter Gewalt ausgestatteter Polizei- und Geheimdienstapparat sowie eine verhältnismäßig subtil eingesetzte Propaganda und Beeinflussungsmaschinerie. MOTTO: Folge der politischen Verführung und glaube, es sei deine Entscheidung, sonst zwiebeln wir dich mit Exekutivmaßnahmen!

Eine solche Beeinflussungsmaschinerie hat die exekutiv im Grunde genommen schwach aufgestellte EU entwickelt, was zu eben der Ausbildung dieser „Schattenexekutive“ geführt hat. Sie trägt damit – nicht so ohne weiteres sichtbar für den Normalbürger – ein Kennzeichen einer defekten Demokratie. Damit steht die Gefahr im Raum, weiter an demokratischen Eigenschaften einzubüßen und zu einem politischen und wirtschaftlichen Risiko heranzureifen. In der Tat bemüht sich die EU um Stärkung ihrer Polizeigewalt (Frontex, 2004, weiterer Ausbau) und damit um Ausbildung eines weiteren Kennzeichens defekter Demokratien insofern der Vorwurf stimmte, dass Frontex auch innerhalb der EU eingesetzt werden könnte.

Was die Beeinflussungsmaschinerie der EU betrifft, hat 2011 der deutsche Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger (1929-2022) die Europäische Union als “sanftes Monster Brüssel“ bezeichnet und von der „Entmündigung Europas“ gesprochen. Er anerkennt segensreiche Folgen ihres Wirkens, macht aber zugleich auf die strukturellen Defizite dieser überstaatlichen Einrichtung aufmerksam, die durch massive Öffentlichkeitsarbeit, um nicht zu sagen: Propaganda – geschickt durch das vorbeschriebene Geflecht an Organisationen, Instituten, Einrichtungen etc. vermittelt –, übertüncht werden. Bezeichnend ist sein Ausspruch: „Je dünner die Legitimität [ihres politischen Handelns], umso dicker der Glibber der PR.“

Die geschilderte Gefahr liegt nicht darin, sich im Euro-Währungsraum zu bewegen. Sie liegt darin, dass infolge mangelnder demokratischer Kontrolle politisch einer Gesinnungsethik und nicht einer Verantwortungsethik gefolgt wird. Damit einher ginge eine Abgehobenheit von den Realitäten des täglichen Lebens der Bürger und Unternehmen. Das führte kurz über lang zu einer Schwächung des Euros im Währungskonzert. Ein Risiko erwüchse dann eher daraus, dass es nicht sicher ist, ob der Währungsraum „Euro“ eines Tages zerbricht, zum Beispiel dadurch, dass im Konzert mit anderen Währungen die derzeit ohnehin angekratzte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Europäischen Union noch weiter geschwächt würde und der Euro fortgesetzt an Wert verlöre. Letzteres erleichterte das Auseinanderbrechen der Europäischen Union, die Eigeninteressen der Mitgliedsländer träten wieder stärker hervor.

Dieses Auseinanderbrechen der Europäischen Union ist derzeit unwahrscheinlich, aber denkmöglich als Folge von: fortgesetzter Wirtschaftsschwäche; weiter zunehmender Unzufriedenheit der Bevölkerung mit Zunahme nationalkonservativer bis rechtsextremer Haltungen; fortgesetztem „Rütteln an den Ketten“ seitens ehemaliger UdSSR-Bruderstaaten; fortgesetzter Aufnahme neuer Mitgliedsländer speziell aus dem Balkan und dem ehemaligem UdSSR-Einflussbereich (Serbien, Ukraine); gravierenden, von den Bevölkerungen der Mitgliedsstaaten nicht mitgetragenen außen- und innenpolitischen Entscheidungen. 

Bräche die EU, so bräche spätestens dann auch der Euro; im Übrigen weist die Geschichte der Währungsunionen auf deren Brüchigkeit hin: sie halten in der Regel nicht lange. Den Anleger zwingt unter anderem auch dies beizeiten zu überlegen, in welcher Währung er außerhalb des Euroraumes investieren soll. Angesichts des unsicheren Status des US-Dollars als Weltwährung ist dies eine herausfordernde Frage. Sie stellt sich glücklicherweise derzeit nicht, sondern taucht nur schemenhaft als Denkmöglichkeit am Horizont einer eher ferneren Zukunft auf. Aber: sie taucht auf und kann blitzesschnell elefantengroß im Raum stehen.  

FAZIT: die Europäische Union birgt für den Anleger derzeit nur am Zukunftshorizont sich abzeichnende Risiken. Sie entspringen u.a. daraus, dass die EU weniger aus der Position der Stärke als eher aus der der Schwäche handelt. Im Vergleich zur Situation des Kalten Krieges und damit zur Gründerzeit der EU-Vorläufereinrichtungen, in der es nur einen wirtschaftsmächtigen geopolitischen Spieler und gleichzeitigen Verbündeten – die USA – gab, steht die Europäische Union heute zwischen zwei Wirtschaftsblöcken: dem des USA-geführten Westens und dem des sog. globalen Südens. Das erzeugt Druck, allzumal Zeitdruck, treibt die EU an und lässt sie, will sie nicht aufgerieben werden, nach Machtvergrößerung durch Zentralisierung streben – ein Demokratierisiko ersten Ranges, damit in der weiteren Folge ein Wirtschafts- und letztlich Veranlagungsrisiko. 

Grundsätzliches zur Währungsspekulation

Währungs-Spekulation ist ein äußerst schwieriges, glitschiges, hochriskantes Geschäft, bedarf langjähriger Erfahrung, tagtäglicher Marktbeobachtung und eines guten Magens: Schocks und erratische Marktbewegungen müssen ausgehalten werden – psychisch und finanziell. Einer der bekanntesten und erfolgreichsten Währungsspekulanten im deutschsprachigen Raum ist Folker Hellmeyer (Hellmeyer-Website, Hellmeyer-Kurzportrait (Goldseiten), Hellmeyer auf Netfonds usf.).

Zweck der Währungsspekulation?

Wie bei den Warenoptionsmärkten dient auch der Währungsoptionsmarkt dazu, sehr starke Schwankungen im Wert einer Währung (Devise) zu verhindern: sehr starken Verteuerungen oder Verbilligungen einer Währung im Devisenmarkt (Währungs- oder FOREX-Markt) wird so gegengesteuert. Dafür sorgen die vielen Marktteilnehmer, von denen ein Teil den künftigen Wert einer Währung (Devise) höher, der andere diesen Wert tiefer einschätzt. Dies führt dazu, dass sich eine Art mittlerer Wert für diese Währung einstellt. Währungsoptionsmärkte sind rund um den Globus nahezu 24/7, also nahezu täglich rund um die Uhr, offen (Warenoptionsmarkt, Optionen im Freihandel).

Anders ausgedrückt: Die Spekulanten sichern sich mit ihrem Engagement gegen das Risiko eines Währungsverfalls oder eines Währungsanstiegs ab. Währungsanstiege sind ein Risiko für Käufer auf Warenmärkten, Währungsabwertungen sind ein Risiko für Verkäufer auf Warenmärkten. Gleiches gilt selbstverständlich auch für Dienstleistungen im internationalen Dienstleistungsaustausch. Die gegenläufigen Interessen auf dem Währungsoptionsmarkt „mitteln“ sich aus.

Allgemein gesprochen handelt es sich bei den Geschäften auf Optionsmärkten um Absicherungsgeschäfte oder Hedging.

Nochmals anders ausgedrückt: Auf aggregiertem Niveau (Makroebene) sorgt der Währungsoptionsmarkt für die Stabilität einer bestimmten Währung im Konzert der anderen Währungen im Devisen- resp. Währungsmarkt (Kassa- oder Spot-Markt, das Pendant zum Optionsmarkt).

Eine stabile Währung ist für die Volkswirtschaft, in deren Bereich diese Währung als Zahlungsmittel dient, eine Lebensnotwendigkeit für das optimale Funktionieren der volkswirtschaftlichen Grundvorgänge Kauf und Verkauf von Waren und Dienstleistungen. Erratische Schwankungen im Währungs- oder Devisenmarkt erschweren auf der Ebene der Unternehmen (Mikroebene) innerhalb und außerhalb einer Volkswirtschaft erheblich Kalkulationen mit Sicht auf künftig geplante Käufe und Verkäufe. Erratische Schwankungen einer Währung schwächen die Wirtschaftsleistung der zugehörigen Volkswirtschaft, eine stabile Währung fördert sie. Dies gilt auch für Volkswirtschaften außerhalb des entsprechenden Währungsraumes, sofern sie mit dieser Volkswirtschaft handelnd in Verbindung stehen.

FAZIT: Währungsoptionsmärkte sind für das Wirtschaftsgeschehen im Konzert der verschiedenen Volkswirtschaften überlebenswichtig.

Die heilige Trias

Diese Zusammenhänge bleiben in der Regel für Otto Normalverbraucher genauso verborgen wie die Bedeutung der nicht-demokratisch agierenden Zentralbanken, die mit ihren Zinsentscheidungen tief in das Wirtschaftsleben und somit in das Alltagsgeschehen der Menschen eingreifen. Warenmärkte, Währungsmärkte und Zentralbanken sind in einem fortlaufenden Marktgeschehen untrennbar und maßgeblich untereinander verbunden. Dabei modulieren und moderieren die Zentralbanken über den Zinssatz die Abläufe in Waren- und Währungsmärkten und den zugehörigen Optionsmärkten.

Für Otto Normalverbraucher sind Spekulanten auf diesen Märkten in aller Regel ganz, ganz böse Subjekte, die sich mit ihren Spekulationsgewinnen die Taschen vollstopfen.

Wer sind diese Subjekte auf Währungsoptionsmärkten?

Auf Währungs- und Währungsoptionsmärkten agieren in großer Zahl Staatsstellen, staatliche und private Pensionsfonds, multinationale und andere Unternehmen, Finanzinstitute (Banken u.a.), Hedgefonds u.a.

Otto Normalverbraucher verkennt in aller Regel den Sinn dieser Märkte und die Rolle der Spekulanten dort; denn:

Die Währungsoptionsmärkte zeichnen für das Wohl und Wehe im höchstpersönlichen Alltagsleben des kleinen Mannes auf der Straße verantwortlich, indem sie für relative Währungsstabilität sorgen. Doch Märkte sind keine Subjekte. Somit sind präzise gesprochen nicht „die Märkte“, sondern die Teilnehmer an Währungsoptionsmärkten – also die risikoübernehmenden Spekulanten – für das Wohl und Wehe von Otto Normalverbrauchers alltäglichem Leben verantwortlich.

Daher lässt sich interpretieren: In der Erhaltung der Währungsstabilität liegt der soziale Sinn der Spekulation. Dabei dient der Spekulationsgewinn als Entgelt für die risikobehaftete Sorge um eine stabile Währung.

Es kommt zu einem „paradoxen“ Effekt: die Befriedung der Einzelinteressen der Subjekte, den Spekulanten, trägt vermittels des Marktgeschehens zur Optimierung des Gemeinwohls bei.

Die Umsätze in Devisen- und Währungsoptionsmärkten sind die größten weltweit und erreichen täglich Milliarden bis Billionen von Währungseinheiten. Im Jahr 2022 wurden allein im Devisenmarkt täglich durchschnittliche Umsätze in Höhe von 7,5 Billionen US-Dollar gehandelt. Zu beachten ist, dass dabei immer Währungspaare gehandelt werden und zudem die Umsätze „doppelt“ anfallen: als Verkaufs- und als Kaufpreis in Summe. Das plustert das tägliche Handelsvolumen ordentlich auf.

Was für die Währungsoptionsmärkte gilt, gilt ebenso für die Warenoptionsmärkte: es geht um die Stabilisierung von in großen Mengen gehandelten Waren wie Weizen, Schweinehälften Orangensaft, Kaffee und vieles andere mehr. Die aufgezählten Waren stehen für solche, die für die Bevölkerungen hohe Bedeutung haben.

Wozu Optionsmärkte gut sind

Aber es gibt doch nach wie vor Preissprünge auf den Warenmärkten, von erratischen Ausschlägen an den Devisenmärkten war auch schon die Rede: wie passt das ins Bild?

Ohne die Terminbörsen wären die Ausschläge um einiges stärker, die Preise höher.

Drei Beispiele dazu:

#1 Hitler verbot die große Bremer Kaffeebörse. Daraufhin sicherte sich der Großhandel gegen Preisanstiege bei Kaffee ab, indem er von Haus aus deutlich höhere Preise für den Handel, die Geschäfte, einforderte. Resultat war der berühmt-berüchtigte Blümchenkaffee: die Konsumenten sparten am Kaffee, indem sie möglichst wenig davon zum Aufbrühen verwandten, also sah man durch den dünnen Kaffee das Blümchen am Grund der Kaffeetasse.

# 2 Waren, die nicht abgesichert werden können, weisen größere Preissprünge und höhere Preise auf; bremsend auf den Warenpreis (Aktienpreis, Devisenkurs) wirkt allein die Konkurrenz oder eine schwache Nachfrage oder ein überreichliches Angebot.

# 3 Die erste Warenoptionsbörse wurde 1848 in Chicago gegründet. Hintergrund war der bereits gewachsene Welthandel mit Waren, die großteils noch mit Segelschiffen über die Weltmeere transportiert wurden. Zwar befuhren die ersten Dampfschiffe Ende der 1830er Jahre den Atlantik, doch die eigentliche Verdrängung des Segelschiffs als Transportmittel setzte erst ab den 1870er Jahren ein.

Die Notwendigkeit, sich gegen den Verlust der Waren infolge Schiffuntergangs zu schützen oder sich überhaupt vor unerwarteten Preisveränderungen während der langen Schiffsfuhren abzusichern, führte zur Einrichtung der Chicagoer Warenbörse (Chicago Board of Trade), 1848 zunächst als Kassen- oder Spotmarkt, 1864 dann als Warenterminmarkt. Fortan konnten Käufer und Verkäufer Warenpreise vereinbaren für Warenlieferungen in ein, zwei, drei, sechs Monaten, was die Sicherheit der unternehmerischen Kalkulation erheblich erhöhte, da nun die Preisrisiken nicht von den Warenverkäufern und -käufern selbst, sondern von den Spekulanten übernommen wurden. Es entstand eine hochspezialisierte Zunft von Spekulanten, darunter viele Versicherungen.

Die Spekulanten hatten die Zeit und die Informationsmittel, sich über Warenpreisänderungen am Warenursprungsort und über Transportverzögerungen oder Schiffsunfälle zu informieren. Schlechte Kaffee- oder Kakao-Ernten, transportverzögernde Windflauten oder Schiffsunglücke blieben für sie kein Geheimnis, entsprechend diesen Informationen disponierten sie am Warenterminmarkt ihre Preisvorstellungen, doch in der Vergangenheit geschlossene Warenpreise für eine bestimmte Ware zu einem bestimmten Termin blieben davon unberührt.