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SONDERTHEMEN
- DEMENZ
- INTERNATIONAL: Zahl der Demenzkranken steigt rasant, WHO lobt deutsche Strategie
MENINGOKOKKEN - KONGO: Tote durch Meningitis-Epidemie
ÜBERSICHT – VON TAG ZU TAG
- EPIDEMIOLOGIE: SARS-CoV-2
- Wie eine schlechte Belüftung das Infektionsrisiko in Innenräumen erhöht
MEDIZIN - Long COVID: Zweifachimpfung halbiert Risiko – King’s College London: Krankenhausaufenthalte sind um 73 Prozent weniger wahrscheinlich – Ein Drittel weniger akute Symptome – Gebrechlichkeit erhöht Infektionsrisiko
- Post COVID: Ältere Patienten können dauerhafte Nierenschäden erleiden
- Long COVID: Viele Teenager haben nach 3 Monaten noch Symptome
- Delta verursacht keine schwereren Verläufe bei Kindern – Unterschiede statistisch nicht signifikant
- SARS-CoV-2: Durchbruchinfektionen verlaufen meistens milde und seltener mit Long COVID
- SARS-CoV-2: Astrazeneca-Impfstoff zeigt Lücken bei Dialyse-Patienten
- Baricitinib senkt COVID-19-Sterberisiko in Phase-3-Studie
- Warum Diabetiker schwerer an COVID-19 erkranken
PSYCHOLOGIE - Studie: Pandemie traf Mütter psychisch härter als Väter
FORSCHUNG - Genetischen Risikofaktor für schwere Covid-Verläufe entdeckt
WISSEN - APA-Faktencheck: Impfdurchbrüche gab es schon vor der Covid-Impfung
INTERNATIONAL - Bericht: Verheerende Auswirkung von Covid-19 auf andere Krankheiten
- WHO listet neue Corona-Variante Mu als „von Interesse“ – Antikörpter gegen Mu-Variante möglicherweise geringer wirksam
USA - Delta: Klinik in Kalifornien beklagt deutlichen Anstieg von Infektionen beim geimpften Personal
- Mehr als 40 Millionen Coronainfektionen in den USA
- Auffrischungsimpfungen gegen Corona: Verzögerungen in USA möglich
- USA: Seit März mehr als 15 Millionen Coronaimpfdosen weggeworfen
USA – EUROPA - COVID-19: Moderna beantragt allgemeine Zulassung für die dritte Dosis
KUBA - Corona: Kuba startet Impfkampagne für Kinder ab zwei Jahren
VENEZUELA - Venezuela erhält Coronaimpfstoffe von Covax-Initiative
BRASILIEN - Coronawirbel: Brasiliens Gesundheitsbehörde sorgt für Spielabbruch
AUSTRALIEN – NEUSEELAND - Zwei Inseln, eine Corona-Strategie: Ist „Zero Covid“ noch machbar?
AUSTRALIEN – GROSSBRITANNIEN - Corona: Großbritannien und Australien tauschen Impfdosen
NEUSEELAND - Neuseeland hebt Lockdown nach drei Wochen auf
JAPAN - Moderna-Ampullen in Japan mit Edelstahlpartikeln verunreinigt
NORDKOREA - Unicef: Nordkorea lehnt Spende von chinesischem Coronaimpfstoff ab
ISRAEL - Strengreligiöse Juden in Israel stärker von COVID-19 betroffen
- SARS-CoV-2: mRNA-Impfstoff schützt Schwangere in Israel
GROSSBRITANNIEN - Menschen im Norden Englands härter von Coronapandemie betroffen
- Britische Impfkommission wegen begrenzter Impfempfehlung für 12- bis 15-Jährige in der Kritik
- Brexit und Pandemie beeinträchtigen britische Impfkampagne gegen Grippe – Mangel an LKW-Fahrern
NORWEGEN - Norwegen bietet Coronaimpfungen für 12- bis 15-Jährige
EUROPÄISCHE UNION - Coronaimpfstoff: EU schickt Dosen zurück nach Afrika
SCHWEDEN - Corona: Schweden hebt fast alle Einschränkungen auf
SPANIEN - Mallorca lockert Coronaregeln: Nächtliche Partys wieder erlaubt
FRANKREICH - Frankreich: Weiter Proteste gegen den Gesundheitspass
SLOWENIEN - Coronaleugner stürmen slowenisches Staatsfernsehen
DEUTSCHLAND - Impfmüdigkeit begünstigt vierte Welle
- Umfrage: Mehrheit für strengere Coronaregeln für Ungeimpfte
- Coronakrise: Deutsche sehen sich besonders eingeschränkt
- Virologe Streeck: 2G weder sozial noch medizinisch sinnvoll
- Weniger Frühgeburten verzeichnet
- COVID-19-Zahlen in Uni-Klinik Essen steigen deutlich
- Angriff auf Coronaimpfteam in Gera, KV erwägt verschärften Schutz
- Hessen weist Coronainzidenz künftig nach Geimpften und Ungeimpften aus
- Große Koalition einigt sich auf Abfrage von Coronaimpfstatus in sensiblen Bereichen
ÖSTERREICH - Corona – Anteil der Impfdurchbrüche in Österreich liegt bei 4,05 Prozent
- Verschärfungen in Österreich für Ungeimpfte – Deutlich unbequemere Bestimmungen
- Neue CoV-Regeln – Geteiltes Echo und offene Fragen
- Österreich: Kurz schließt Lockdown für alle Bürger aus
- Corona – Gartlehner: „Ursachenbekämpfungen“ fehlt in „Stufenplan“
- Intensivmediziner sieht Gefahr für vierten Lockdown – „Alle sind ungeimpft und alle unter 60 Jahren“ – Ärzte und Pflegekräfte frustriert über Impfunwillige
- Popper: „Eine Million Menschen müssten zeitnah geimpft werden“ – In den nächsten Monaten könnten die Spitäler überlastet werden, wenn sich nicht mehr Menschen impfen lassen – Prognose-Konsortium empfiehlt Maßnahmen
- Corona – Leute brauchen verständliche Erklärungen ohne Kampfrhetorik – Meinungen zu Restrisiko „äußerst divers“ – Menschen über die richtigen Kanäle ansprechen –
- Fast Hälfte der Bevölkerung informiert sich nicht täglich zu Corona – Vermeidung von Corona-Nachrichten – „Großer Auftrag an Medienhäuser“ – Vom optimalen Bespielen der Kanäle
- An Hochschulen laut Experten 1G, 2G und 3G möglich – Distanzbetrieb nur als Ausnahme – Privatunis können selbst entscheiden
- Klimek: Coronatests in Schulen wohl länger nötig – Eingangsphase sehr sinnvoll – Quarantäne macht Probleme
- Kinderklinikchef und Epidemiologe für Schul-Quarantäneregeln – Nach fünf Tagen Möglichkeit zum „Freitesten“ – „Frühwarnsystem“ über „Wächter“-Schulen gut – Risiko-Nutzen-Abwägung fällt für Impfung aus
- Fragen und Antworten zu Corona-Maßnahmen im neuen Schuljahr
- Regeln für Schulabmeldungen sollen verschärft werden – Keine Schul-, sondern Unterrichtspflicht – „Prüfungstourismus“ im Visier – Schülerunion: Recht auf Bildung verletzt
- 82 Prozent der Lehrer gegen Covid-19 geimpft – Burgenland mit höchster Impfquote – Monatliche Aktualisierung der Impfraten
- COVID-19-Impfstatus: Zum Schulbeginn sind 82% der Lehrerinnen und Lehrer immunisiert – Größte Impfbereitschaft im Osten Österreichs – Unterschiede zwischen Schultypen – Männer und ältere Lehrende häufiger vollimmunisiert als Frauen und jüngere – Regionale Unterschiede im Impfstatus der Lehrenden wie in der Gesamtbevölkerung
Corona – „Technische Anlaufschwierigkeiten“ bei PCR-Schultestungen – SPÖ ortete „Skandal erster Güte“ - Wien will Bewilligungspflicht für Schulabmeldungen – Lernstand bereits nach erstem Semester erheben
- Schulabmeldungen – Faßmann gegen Bewilligungspflicht – Ausweichen in „Lerngruppen“ mit gesetzlichen Grenzen – Kritik von SPÖ
- Rund 135 neue Lehrer-Planstellen durch Laptop- und Tabletklassen – Lehrer werden via MOOC eingeschult – NEOS: zu wenige Lehrer*innen nahmen teil
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CORONAVIRUS: Epidemiologie-Links inkl. Verweis auf den NDR-CORONAVIRUS-UPDATE von jedem Dienstag mit Prof. Dr. Christian DROSTEN und Prof.in Sandra CIESEK
siehe dazu auch auf diesem Blog die Coronavirus: Epidemiologie-Links
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Impfdashboard des Gesundheitsministeriums – Ausführliche, stets aktualisierte Information zur Impfungssituation in Österreich (u.a. Schaubilder)
Bezogen auf die Gesamtbevölkerung von rund 9 Mio Einwohner*innen waren am 8. September 2021, 23:59 Uhr, 5.562.206 Menschen oder 62,27% (Vorwoche: 5.506.238 Menschen oder 61,64%) erstgeimpft und 5.263.774 Menschen oder 58,93% ( 5.206.024 , 58,28%) zweitgeimpft und damit derzeit vollimmunisiert.
Im Schnitt wird alle 7,8 (6,7) Sekunden in Österreich eine Impfung verabreicht. Errechnet anhand der eingetragenen Impfungen der letzten sieben Tage (Mittelwert über 24 Stunden). …
Weitere Informationen zu Impfdosenlieferungen, geimpfte Personen nach Wohnort (Erst-Impfungen, Zweit-Impfungen), Impfungen je Tag im Zeitverlauf (absolut und kumuliert), Durchimpfungsrate je Altersklasse und Geschlecht.
Der Bezug zur “impfbaren Bevölkerung” wird nicht mehr angeführt!
QUELLE: https://info.gesundheitsministerium.at/
Die Durchimpfungsrate in Deutschland bezogen auf die Gesamtbevölkerung von 83 Mio Einwohner*innen gemäß ZDF – Corona-Impfstatistik als 7-Tages-Schnitt setzt sich am 9. September 2021, 8:00 Uhr wie folgt zusammen:
- Mind. erstgeimpft: 55.039.872 (66,2%) – Vorwoche: 54.297.654 (65,3%)
- Vollständig geimpft: 51.328.733 (61,7%) – Vorwoche: 50.431.730 (60,6%)
Weitere Übersichten siehe unter Coronavirus: Epidemiologie-Links
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SONDERTHEMEN
DEMENZ
INTERNATIONAL: Zahl der Demenzkranken steigt rasant, WHO lobt deutsche Strategie – Deutsches Ärzteblatt, 2.9.2021
Die Zahl der Demenzkranken wird nach einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rasant steigen. Bis 2030 dürften rund 40 Prozent mehr Menschen weltweit mit Demenz leben als heute. Betroffen waren 2019 nach Schätzungen weltweit etwa 55 Millionen Menschen, wie die WHO heute in Genf berichtete.
In Deutschland leben nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums etwa 1,6 Millionen Menschen mit Demenz. Die positive Botschaft: Viele Menschen könnten ihr Risiko, an Demenz zu erkranken, deutlich reduzieren, etwa durch einen gesünderen Lebensstil, gute Schulbildung und intakte Sozialkontakte.
„Schulbildung baut Hirnreserven auf“, sagte WHO-Expertin Katrin Seeher in Genf. Als Risikofaktoren für Demenz nannte sie Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, Depressionen und soziale Isolation. Rauchen und Alkohol trinken gehören nach WHO-Angaben ebenfalls dazu. Auch ein Schutz des Gehirns, etwa bei bestimmten Aktivitäten Helmen tragen, dämme das Risiko von Demenz ein, sagte Seeher.
Einer der Hauptgründe für die steigenden Zahlen ist die Tatsache, dass Menschen dank besserer Lebensbedingungen deutlich älter werden als frühere Generationen. Mit dem Alter steigt generell das Risiko nicht übertragbarer Krankheiten, darunter Demenz.
„Demenz raubt Millionen Menschen das Gedächtnis, die Unabhängigkeit und die Würde, aber sie raubt uns anderen auch die Menschen, die wir kennen und lieben“, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus.
Die meisten Länder seien auf die wachsende Zahl von Demenzkranken nicht genügend vorbereitet, so die WHO. „Die Welt lässt Menschen mit Demenz im Stich“, sagte Tedros. Es müsse mehr getan werden, um Betroffene bei einem Leben in Würde zu unterstützen und Betreuer nicht allein zu lassen.
„Menschen mit Demenz sowie ihre Familien und Betreuerinnen und Betreuer erleben Diskriminierung aufgrund des Alters, Stigma und soziale Ausgrenzung. Das darf in unseren Gesellschaften keinen Platz haben“, so die WHO.
Die WHO stellt die seit 2019 in Deutschland entwickelte nationale Demenzstrategie als gutes Beispiel vor. Sie soll dafür sorgen, dass Menschen mit Demenz „in der Mitte der Gesellschaft“ bleiben, wie es darin heißt. Sie lobt auch die regionalen Alzheimer-Gesellschaften für ihren Einsatz während der Pandemie. Sie hätten Informationsmaterial, Podcasts und Videos erstellt, um Menschen mit Demenz und ihre Betreuer in der Zeit zu unterstützen.
Das Interesse an der Erforschung von Medikamenten gegen Demenz sei nach vielen enttäuschenden klinischen Studien gesunken, schreibt die WHO. Allerdings hätten die USA beispielsweise ihre jährlichen Investitionen in die Alzheimer-Forschung von 631 Millionen Dollar 2015 auf 2,8 Milliarden Dollar (rund 2,4 Mrd Euro) 2020 ausgeweitet.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126934/Zahl-der-Demenzkranken-steigt-rasant-WHO-lobt-deutsche-Strategie
MENINGOKOKKEN
KONGO: Tote durch Meningitis-Epidemie – Deutsches Ärzteblatt, 8.9.2021
Durch eine Meningitis-Epidemie sind in der Demokratischen Republik Kongo 129 Menschen gestorben. Insgesamt seien im Nordosten des zentralafrikanischen Landes bisher 261 Verdachtsfälle gemeldet worden, teilte das Regionalbüro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Afrika mit. Die Sterblichkeit sei sehr hoch.
Verursacht wurden die Infektionen, die bisher vor allem in Banalia in der Provinz Tshopo auftraten, den Angaben zufolge durch Meningokokken. Die Bakterien werden durch Tröpfcheninfektionen übertragen und können zu einer schweren Meningitis oder Sepsis führen.
Um die Epidemie so schnell wie möglich unter Kontrolle zu bringen, haben die kongolesischen Gesundheitsbehörden nach Angaben der WHO bereits ein Notfallteam nach Tshopo geschickt. Die WHO will rasch mit weiteren Experten und Medikamenten helfen, wie die WHO-Regionaldirektorin für Afrika, Matshidiso Moeti, erklärte.
Eine bakterielle Meningitis lässt sich mit Antibiotika behandeln, nach WHO-Angaben gibt es zudem seit mehr als 40 Jahren vorbeugende Impfstoffe. 2016 wurden in Tshopo mehr als 1,6 Millionen Menschen unter 30 Jahren geimpft. 2009 waren bei einer Epidemie in der Provinzhauptstadt Kisangani 15 Menschen gestorben, insgesamt wurden damals 214 Fälle verzeichnet.
Die Demokratische Republik Kongo liegt im sogenannten Meningitis-Gürtel, einem Gebiet mit erhöhter Infektionsgefahr vom Senegal im Westen Afrikas bis nach Äthiopien im Nordosten.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/127113/Kongo-Tote-durch-Meningitis-Epidemie
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8.9.2021, Mittwoch
MEDIZIN: Warum Diabetiker schwerer an COVID-19 erkranken – Deutsches Ärzteblatt, 8.9.2021
Ein Mangel an einem Enzym, der bereits mit einer gestörten Wundheilung in Verbindung gebracht wurde, könnte erklären, warum eine Infektion mit SARS-CoV-2 bei Typ-2-Diabetikern häufig einen tödlichen Zytokinsturm auslöst.
Die in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2021; 118: e2101071118) vorgestellten Ergebnisse würden eine gute Wirkung von Interferonen bei der Erkrankung erklären, die jedoch bisher nicht belegt werden konnte.
Adipositas und Typ-2-Diabetes gehören zu den wichtigsten und in westlichen Ländern häufigsten Risikofaktoren für einen schweren Verlauf von COVID-19. Für den Tod der Patienten wird ein Zytokinsturm verantwortlich gemacht. Als Initiator gelten die Makrophagen, die als ein zentraler Akteur der angeborenen Immunabwehr die Zytokine freisetzen.
Ein Team um Katherine Gallagher von der Universität von Michigan in Ann Arbor hat die Rolle von Makrophagen an Mäusen untersucht. Bei den Mäusen kann durch eine Infektion mit dem murinen Hepatitis-Virus A59 (MHV-A59), das zu den Coronaviren gehört, ein Zytokinsturm ausgelöst werden.
Die Viren erreichen dies, indem sie die Bildung des Enzyms SETDB2 senken. SETDB2 gehört zu den Histon-Methyltransferasen, die durch Anhängen von Methylgruppen das Ablesen bestimmter Gene verhindern.
Interessanterweise ist die Aktivität von SETDB2 bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ohnehin vermindert. In einer früheren Studie hatte Gallagher dies in schwer verheilenden Wunden zeigen können, die zu den häufigen Komplikationen des Typ-2-Diabetes gehören.
Die Forscherin ist überzeugt, dass die verminderte Produktion von SETDB2 in den Makrophagen für die Wundheilungsstörungen verantwortlich ist (Immunity 2019; 51: 258-271). Eine Infektion mit SARS-CoV-2 könnte die durch den Typ-2-Diabetes verminderte SETDB2-Produktion weiter senken. Gallagher spricht von einem Doppelschlag („double hit“).
Ihre aktuellen Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Produktion von SETDB2 durch den JAK-STAT-Signalweg aktiviert wird. Falls dies zutreffen sollte, könnten Interferone ein wirksames Mittel sein, um einen Zytokinsturm bei COVID-19 zu verhindern.
Der JAK-STAT-Signalweg wird in den Zellen nämlich durch Interferone gestartet. Interferone gehören zu den Signalstoffen der angeborenen Immunantwort. Ihr Nutzen in der Behandlung von COVID-19 wird derzeit in klinischen Studien untersucht.
Die bisher publizierten Ergebnisse, etwa in der Solidarity-Studie der Weltgesundheitsorganisation, konnten jedoch nicht überzeugen, so dass Interferone derzeit nicht zu den empfohlenen Wirkstoffen gehören.
Dies schließt allerdings nicht aus, dass die Behandlung beim richtigen Patienten (etwa Typ-2-Diabetes) zum richtigen Zeitpunkt (etwa dem Beginn des Zytokinsturms) wirksam sein könnte, was allerdings noch in klinischen Studien belegt werden müsste.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/127093/Warum-Diabetiker-schwerer-an-COVID-19-erkranken
PSYCHOLOGIE: Studie: Pandemie traf Mütter psychisch härter als Väter – dts/Deutsches Ärzteblatt, 8.9.2021
Berlin – Mütter haben während der Pandemie deutlich häufiger unter depressiven Verstimmungen gelitten als Väter und sich häufiger überfordert gefühlt. Das ist das Ergebnis einer Datenanalyse des RBB basierend auf bundesweiten Erhebungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB).
Laut der Untersuchung war die Mehrarbeit wie etwa durch Schul- und Kita-Schließungen vergleichsweise fair zwischen den Geschlechtern verteilt. Mütter mit Partner übernahmen im Schnitt etwa drei Stunden mehr Sorgearbeit und kümmerten sich um Kinder und den Haushalt. Väter mit Partnerin investierten in etwa zweieinhalb Stunden mehr an sogenannter Care-Arbeit.
Im Detail: Während vor der Pandemie 29 Prozent der Mütter in Beziehung und 21 Prozent der alleinerziehenden Mütter angaben, sich manchmal oder häufiger niedergeschlagen und hoffnungslos zu fühlen, waren es in der Pandemie 64 Prozent der Mütter in Beziehungen und 74 Prozent der Single-Mütter. Zum Vergleich: Bei Vätern stieg der Anteil derjenigen mit depressiven Verstimmungen von 33 Prozent auf 48 Prozent. Die Mehrarbeit wie zum Beispiel durch Schul- und Kita-Schließungen wurde vergleichsweise fair zwischen den Geschlechtern verteilt. Mütter mit Partner übernahmen im Schnitt etwa drei Stunden mehr Sorgearbeit und kümmerten sich um Kinder und den Haushalt.
Der entscheidende Punkt ist aber nach Meinung einiger Wissenschaftlern, wie viel Care-Arbeit Mütter und Väter jeweils vor der Pandemie leisteten. Während Väter vor der Coronakrise in etwa drei Stunden Care-Arbeit pro Tag übernahmen, waren es bei Frauen sechs bis sieben Stunden. Bei Müttern mit Partner erhöhte sich so die Sorgearbeit in der Pandemie von gut sieben auf mehr als zehn Stunden pro Tag.
Dies führte nach Einschätzung der Sozialpsychologin Theresa Entringer vom DIW zu mehr Erschöpfung und Überforderung. „Wenn ich die achte, neunte oder zehnte Stunde den Haushalt schmeiße, ist das nicht dasselbe, wie wenn ich fünf bis sechs Stunden mithelfe statt zwei oder drei Stunden“, so Entringer.
Sozialpsychologin Theresa Entringer fordert deshalb, das Psychotherapieangebot speziell für Frauen auszubauen. Für einen klar begrenzten Zeitraum sollten auch Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die keine Kassenzulassung haben, ihre Dienste bei Krankenkassen regulär abrechnen dürfen.
Entringer und andere Forscherinnen warnen zudem ausdrücklich davor, dass für die Schulen und Kitas im Herbst und Winter andere Lösungen als Homeschooling gefunden werden müssten als letztes Jahr. Sonst drohe einer ganzen Generation von Müttern der Burnout.
QUELLEN:
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2021-09/53881727-studie-pandemie-traf-muetter-psychisch-haerter-als-vaeter-003.htm
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/127066/Coronapandemie-traf-Muetter-laut-Studie-psychisch-haerter-als-Vaeter
INTERNATIONAL: Bericht: Verheerende Auswirkung von Covid-19 auf andere Krankheiten – dpa-AFX, 8.9.2021
Die Covid-19-Pandemie wirkt sich katastrophal auf den Kampf gegen andere tödliche Krankheiten aus. Das berichtete der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria am Mittwoch in Genf. Betroffen seien vor allem Tuberkulose- und Aids-Patienten – bei beiden Krankheiten sei die Zahl der Behandlungen und Tests infolge der Pandemie deutlich gesunken. „Die Covid-19-Pandemie hatte verheerende Auswirkungen auf den Kampf gegen Aids, Tuberkulose und Malaria im Jahr 2020.“
Die 2002 gegründete und zuvor von der G8 gebilligte internationale Organisation mobilisiert und investiert eigenen Angaben zufolge jährlich mehr als vier Milliarden US-Dollar zur Unterstützung von Programmen, die von lokalen Experten in mehr als 100 Ländern durchgeführt werden. Bis August 2021 seien bereits 3,3 Milliarden US-Dollar für Aids-, Tuberkulose- und Malariaprogramme bewilligt worden, im vergangenen Jahr 4,2 Milliarden US-Dollar (3,55 Milliarden Euro). Zusätzlich habe man 980 Millionen US-Dollar genehmigt, um auf Covid-19 zu reagieren.
Dem Bericht zufolge sank im Jahr 2020 die Zahl der gegen arzneimittelresistenten Tuberkulose behandelten Menschen in den Ländern, in die der Fonds investiere, um 19 Prozent. Auch die Zahl der Menschen, die mit Aids-Präventionspogrammen erreicht worden seien, sei im Vergleich zu 2019 um 11 Prozent zurückgegangen. Die Zahl der HIV-Tests sei um 22 Prozent zurückgegangen, was den Beginn einer Behandlung in den meisten Ländern verzögert habe. Der Kampf gegen Malaria sei durch Covid-19 nicht ganz so stark betroffen gewesen, hieß es weiter. Allerdings sei die Zahl der getesteten Malariaverdachtsfälle um 4,3 Prozent zurückgegangen.
Der Globale Fonds wirbt weltweit Gelder ein, verwaltet und investiert sie. Die Zahl der durch Aids, Tuberkulose und Malaria verursachten Todesfälle ging in den Ländern, in die der Globale Fonds investiert, eigenen Angaben zufolge um 46 Prozent zurück.
QUELLE: https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2021-09/53881425-bericht-verheerende-auswirkung-von-covid-19-auf-andere-krankheiten-016.htm
VENEZUELA: Venezuela erhält Coronaimpfstoffe von Covax-Initiative – Deutsches Ärzteblatt, 8.9.2021
Venezuela hat nach monatelangen Kontroversen eine erste Lieferung Coronaimpfstoffe von der internationalen Impfinitiative Covax erhalten. Die Panamerikanische Gesundheitsorganisation (Paho) bestätigte gestern die Lieferung der fast 700.000 Impfdosen des chinesischen Herstellers Sinovac.
Insgesamt soll das Land zwölf Millionen Dosen via Covax erhalten. Zuvor hatte es Streitigkeiten um die Bezahlung der Lieferungen gegeben.
Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro hatte Sanktionen der USA für Verzögerungen bei der Zahlung der 120 Millionen Dollar (100 Millionen Euro) verantwortlich gemacht. Im Juli stellte Maduro der zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehörenden Paho sogar ein Ultimatum: „Entweder ihr schickt uns die Impfstoffe oder gebt uns das Geld zurück.“
Nach Angaben der Paho hat Venezuela bislang die Impfung von 3,2 Millionen Menschen mithilfe russischer und chinesischer Impfstoffe abgeschlossen. Das Land hat rund 30 Millionen Einwohner. Trotz seines Ölreichtums steckt Venezuela seit Jahren in einer tiefen Wirtschafts- und Versorgungskrise. Als Folge verließen rund fünf Millionen Venezolaner ihr Land.
Maduro und seinen Vertrauten wird vorgeworfen, sich an der Krise bereichert zu haben. Getern bestätigte der Verfassungsgerichtshof von Kap Verde, dass ein Maduro-Vertrauter in die USA ausgeliefert werden darf. Die USA werfen dem kolumbianischen Geschäftsmann Alex Saab Geldwäsche vor.
Er soll Maduro und seinen Verbündeten geholfen haben, aus Lebensmittelhilfen für die notleidende Bevölkerung Venezuelas hunderte Millionen Dollar Profite geschlagen und ins Ausland geschafft zu haben. Saab war bei der Zwischenlandung seines Flugzeugs in dem westafrikanischen Land festgenommen worden.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/127078/Venezuela-erhaelt-Coronaimpfstoffe-von-Covax-Initiative
AUSTRALIEN – NEUSEELAND: Zwei Inseln, eine Corona-Strategie: Ist „Zero Covid“ noch machbar? – Parole: Impfen, impfen, impfen – 18 Monate Normalität – Harter Lockdown verhinderte Schlimmeres – Science-APA, 8.9.2021
Es war ein schöner Traum, den Australien und Neuseeland seit Beginn der Corona-Pandemie verfolgten. Das Virus nicht ins Land lassen, ausrotten und so normal wie möglich weiterleben – so das Modell der Inselstaaten. Der Preis für die Null-Covid-Strategie: Komplette Abschottung, geschlossene Grenzen, strengste Quarantäneregeln für die wenigen Einreisenden und immer neue, kurzfristig angeordnete Lockdowns für ganze Landesteile bei weniger als einer Handvoll Neuinfektionen.
Im Gegenzug verfügten die Bürger viele Monate lang über beneidenswerte Freiheiten. Mit der Ausbreitung der Delta-Variante muss zumindest Australien nun seine Taktik überdenken. „Es ist unmöglich, Delta zu eliminieren“, räumte Gladys Berejiklian, Regional-Premierministerin des besonders gebeutelten Bundesstaates New South Wales, vergangene Woche ein. Bisher sei die Region mit der Metropole Sydney erfolgreich darin gewesen, andere Mutanten unter Kontrolle zu bringen. „Aber die Delta-Variante ist ein Wendepunkt – und jeder Bundesstaat in Australien wird früher oder später damit leben müssen.“
Bundesstaaten wie Queensland oder Western Australia, die bisher glimpflicher durch die jüngsten Wellen gekommen sind, warnte Berejiklian: „Die denken noch, dass sie in einer Fantasie leben können, im Zero-Covid-Land, aber das geht nicht.“ Es sei wichtig, die Realität so schnell wie möglich zu akzeptieren. Auch ihr Amtskollege Daniel Andrews aus dem Bundesstaat Victoria gab zu, Null-Covid sei „nicht mehr länger eine realistische Strategie“.
Sein Bundesstaat mit der Millionenstadt Melbourne hatte mehr als jeder andere mit vielen kleineren Ausbrüchen zu kämpfen und befindet sich bereits zum sechsten Mal im Lockdown. Die Fallzahlen bewegen sich dennoch weiter auf einem – für australische Verhältnisse – hohen Niveau. Auch New South Wales, seit zehn Wochen im strikten Lockdown, hat den Höhepunkt der jüngsten Welle noch nicht erreicht.
*** Parole: Impfen, impfen, impfen ***
Die Parole lautet nun: Impfen, impfen, impfen. Gleichzeitig wollen die Behörden die Corona-Zahlen so niedrig wie irgend möglich halten. „So können wir Zeit gewinnen, bis genug Menschen geimpft sind“, sagte Andrews. Ziel ist eine Herdenimmunität, da auch Australien langsam dämmert, dass die Grenzen nicht für immer dicht bleiben können.
Einige Regionalpremiers wehren sich noch, überhaupt an eine Öffnung zu denken. Berejiklian betonte, das sei realitätsfern. „Ich weiß nicht, wie lange sich Bürger in anderen Bundesstaaten das Leben in einer solchen „bubble“ (Blase) noch gefallen lassen. Nicht für immer“, warnte sie. Mehrmals kam es bereits zu Protesten gegen die Corona-Politik mit Dutzenden Festnahmen.
Die Impfkampagne stand zunächst nicht hoch auf der Prioritätenliste der Regierung – zu sicher war man sich, das Virus auch ohne Vakzine eine Zeit lang in Schach halten zu können. Impfstoffe wurden erst spät und nicht in genügendem Umfang besorgt. Hinzu kam eine chaotische Kommunikation speziell im Hinblick auf den Astrazeneca-Impfstoff und mögliche Nebenwirkungen. Nach dem Auftreten von Blutgerinnseln bei jüngeren Bürgern darf das Vakzin jetzt nur noch über 60-Jährigen gespritzt werden.
Trotz allem: Ein starkes Argument für die Null-Fall-Strategie ist, dass sie vielen das Leben gerettet und schwere Krankheitsverläufe und Long-Covid-Symptome verhindert hat. Australien (25 Millionen Einwohner) hat bis heute nur etwa 65.000 Fälle und 1.000 Todesfälle verzeichnet. Das kleine Neuseeland mit fünf Millionen Bürgern registrierte weniger als 4.000 Infektionen und nicht einmal 30 Tote.
*** 18 Monate Normalität ***
Nach einem längeren Lockdown zu Beginn der Pandemie war Neuseeland 18 Monate lang zu einer beneidenswerten Normalität zurückgekehrt – samt voller Stadien und Konzerten mit Zehntausenden maskenlosen Besuchern. Nach der Bestätigung eines einzigen lokal übertragenen Falls in der Großstadt Auckland rief Ministerpräsidentin Jacinda Ardern am 18. August umgehend einen landesweiten Lockdown aus. Innerhalb weniger Stunden waren die Straßen von Dunedin bis Whangarei wie leer gefegt, Geschäfte und Cafes geschlossen und die Kinder im Homeschooling.
Die Zahlen stiegen dennoch zunächst, zeitweise lagen sie bei mehr als 80 Neuinfektionen pro Tag. Mittlerweile sind sie aber wieder auf etwa 20 tägliche Fälle gesunken, so dass die Regeln am Mittwoch weitgehend gelockert wurden. Lediglich die Millionenmetropole Auckland, das Epizentrum des jüngsten Ausbruchs, bleibt vorerst im Lockdown. Mit dem Impfen hat sich aber auch Neuseeland Zeit gelassen: Bisher sind nur etwa 25 Prozent der Einwohner vollständig immunisiert.
*** Harter Lockdown verhinderte Schlimmeres ***
Experten sind überzeugt, dass gerade der extrem schnell ausgerufene, harte Lockdown ein weiteres Mal Schlimmeres verhindert hat. Die Bürger wünschen sich laut einer in der Zeitung „New Zealand Herald“ veröffentlichten Umfrage von Ende August auch weiterhin mit großer Mehrheit eine Null-Covid-Strategie.
„Der Abwärtstrend bei den Fallzahlen ist vielversprechend. Wenn wir so weitermachen, wie wir es derzeit tun, haben wir ausgezeichnete Chancen, diesen Ausbruch zu eliminieren“, sagte Michael Plank, Statistiker an der Universität von Canterbury in Christchurch. „Aber es gibt noch viel zu tun: Wie die Erfahrung in Australien zeigt, wird sich die Delta-Variante die ganze Hand schnappen, wenn wir ihr den kleinen Finger reichen.“
QUELLE: https://science.apa.at/power-search/1879229692920765845
GROSSBRITANNIEN: Menschen im Norden Englands härter von Coronapandemie betroffen – Deutsches Ärzteblatt, 8.9.2021
Die Menschen im Norden Englands sind einer Untersuchung zufolge bislang härter von der Coronapandemie betroffen als der Rest ihrer Landsleute. Sie verbrachten im Schnitt rund anderthalb Monate mehr in Lockdowns, hatten mehr psychische Leiden sowie ein größeres Risiko, an COVID-19 zu sterben, wie aus einer heute veröffentlichten Auswertung der Northern Health Science Alliance hervorgeht.
Die Sterberate an COVID-19 lag im Norden demnach 17 Prozent höher als im Rest des größten britischen Landesteils, in Pflegeheimen sogar 26 Prozent höher. Da die Coronalockdowns in England zeitweise abhängig von der regionalen Infektionslage verhängt wurden, verbrachten die Menschen im Norden Englands durchschnittlich 41 Tage länger unter harten Beschränkungen.
Die Studienautoren führen die Unterschiede zu großen Teilen auf eine größere Armut in der Region sowie einen schlechteren Gesundheitszustand der Bürgerinnen und Bürger bereits vor dem Ausbruch der Coronapandemie zurück.
„Die Pandemie hat uns alle auf verschiedene Weise hart getroffen, aber unser Bericht zeigt, dass Menschen im Norden mit deutlich größerer Wahrscheinlichkeit zu den am härtesten getroffenen gehören, sowohl in Bezug auf Gesundheit als auch auf Wohlstand“, sagte der Forscher Luke Munford von der Universität Manchester.
Die Tatsache, dass über die Hälfte der erhöhten COVID-19-Sterblichkeit und zwei Drittel der Gesamtmortalität potenziell vermeidbar waren, müsse ein echter Weckruf sein, so Munford. Deshalb seien dringend umfangreiche Investitionen in die Gesundheitsversorgung der Region notwendig.
Zudem müssten, so die Autoren des Reports, spezielle, auf die lokalen Gegebenheiten angepassten, Coronaimpfprogramme für gefährdete Bevölkerungsgruppen im Norden Englands aufgelegt werden. Grundsätzlich sollten gesundheitliche Ungleichheiten verringert werden – etwa durch eine nationale Aktionsstrategie mit dem Schwerpunkt auf den Kindern.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/127085/Menschen-im-Norden-Englands-haerter-von-Coronapandemie-betroffen
SCHWEDEN: Corona: Schweden hebt fast alle Einschränkungen auf – Deutsches Ärzteblatt, 8.9.2021
Schweden hebt Ende September so gut wie alle Einschränkungen in der Coronakrise auf. „Unser Ziel war es immer, die Beschränkungen so bald wie möglich aufzuheben“, sagte Gesundheitsministerin Lena Hallengren gestern vor Journalisten.
Sie berief sich dabei auf die Fortschritte der schwedischen Impfkampagne und die gute epidemiologische Lage im Land.
Ab dem 29. September gelten in Schweden nur noch Empfehlungen, etwa für Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln im öffentlichen Raum. Für Großereignisse erwägt die Regierung, einen Gesundheitspass einzuführen, wie er bereits in zahlreichen anderen Ländern genutzt wird.
Die schwedische Regierung hatte in der Coronakrise keine Lockdowns verhängt. Stattdessen empfahl Stockholm, Möglichkeiten zum Homeoffice zu nutzen und begrenzte die Teilnehmerzahl bei Versammlungen. Für Restaurants und Cafés galten Beschränkungen der Öffnungszeiten, die zum Teil noch in Kraft sind.
Die jüngste Aufhebung der Beschränkungen ist Teil eines im Mai veröffentlichten Plans mit fünf Etappen. Die vierte Etappe wird Ende September erreicht.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/127082/Corona-Schweden-hebt-fast-alle-Einschraenkungen-auf
DEUTSCHLAND: Weniger Frühgeburten verzeichnet – Deutsches Ärzteblatt, 8.9.2021
Die Techniker Krankenkasse (TK) verzeichnet für das Coronajahr 2020 einen Rückgang bei der Zahl der Frühgeburten um zehn Prozent. 2019 habe der Anteil zu früh geborener Kinder bei der TK noch bei 6,4 Prozent gelegen, 2020 seien es 5,8 Prozent gewesen, teilte die Kasse mit.
Nun müsse geschaut werden, „ob der Trend anhält und was eventuelle Gründe dafür sein könnten“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Jens Baas. Für 2018 hatte die TK einen Anteil von 6,6 Prozent Frühgeburten verzeichnet. Zu früh geborene Kinder haben demnach ein höheres Erkrankungsrisiko.
Die Krankenkasse zitierte Harald Abele vom Universitätsklinikum Tübingen mit dem Hinweis, sobald eine Statistik mit Zahlen für ganz Deutschland vorliege, lasse sich einordnen, ob sich tatsächlich eine Trendwende abzeichne.
Abele verwies darauf, dass Anfang 2019 die Leitlinie „Prävention und Therapie der Frühgeburt“ in Kraft getreten sei, die auf Fachkongressen viel diskutiert worden sei. Möglicherweise habe auch diese Standardisierung in der Diagnostik und Therapie zur Verbesserung der Zahlen beigetragen.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/127108/Weniger-Fruehgeburten-verzeichnet
ÖSTERREICH: Verschärfungen in Österreich für Ungeimpfte – Deutlich unbequemere Bestimmungen – Deutsches Ärzteblatt, 8.9.2021
In Österreich wird das Leben für Menschen, die nicht gegen Corona geimpft oder von einer Erkrankung genesen sind, deutlich unbequemer. Die Regierung hat heute angesichts der steigenden Zahl der Neuinfektionen einen Stufenplan beschlossen, der bei starker Belastung der Kliniken den Zugang zu Veranstaltungen und in Gaststätten nur noch mit PCR-Tests oder Impfung ermöglicht.
In einer ersten Phase ab 15. September müssen ungeimpfte Menschen unter anderem beim Einkaufen wieder eine FFP2-Maske tragen, für Geimpfte gilt eine dringende Empfehlung. Außerdem wird die Gültigkeitsdauer von Corona-Antigentests von 48 auf 24 Stunden verringert.
„Die Impfung ist die Antwort und nicht der Lockdown“, beschrieb Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) den Kurs. Vorbild sei Dänemark, wo es dank einer Impfrate von 86 Prozent keinerlei Einschränkungen mehr gebe.
Die Regeln sollen unter anderem den für Österreich so wichtigen Wintertourismus vor Schaden bewahren. „Die kommende Wintersaison wird stattfinden“, sagte Tirols Landeschef Günther Platter (ÖVP).
Binnen 24 Stunden wurden heute in Österreich mit seinen rund neun Millionen Einwohnern 2.268 weitere Infektionen gezählt. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag bei rund 130. Auch müssen immer mehr Patienten in den Krankenhäusern betreut werden.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/127110/Verschaerfungen-in-Oesterreich-fuer-Ungeimpfte
ÖSTERREICH: Neue CoV-Regeln – Geteiltes Echo und offene Fragen – ORF, 8.9.2021
Die von der Regierung am Mittwoch angekündigten neuen CoV-Regeln rufen ein geteiltes Echo hervor. Zustimmung kam neben Wirtschaftskammer und Industrie von den Landeshauptleuten. Letztere hatten ja bis zuletzt mit der Regierung über die Details des Dreistufenplans gefeilscht. Während Wiens Bürgermeister Michael Ludwig ein „Einschwenken auf den Wiener Weg“ ortete, kam von der Opposition im Bund teils herbe Kritik. Auch gibt es offene Fragen.
Unter anderem wird ab 15. September die FFP2-Maske wieder den Mund-Nasen-Schutz ersetzen. Zudem werden Ungeimpfte verpflichtet, auch im Handel, der nicht dem täglichen Bedarf dient, also beispielsweise in Modegeschäften, FFP2-Maske zu tragen. Für Geimpfte wird das Tragen der Masken empfohlen. Steigen die Zahlen an den Intensivstationen weiter, könnten weitere Verschärfungen kommen.
Doch schon die anstehende Maskenregelung ließ Fragen aufkommen: Der Einkaufszentrenverband ACSP begrüßte zwar „den verantwortungsvollen und vorausschauenden Umgang“, den man unterstützen werde, um einen weiteren Lockdown zu verhindern. Doch sei „nicht klar, ob und für wen eine Maskenpflicht in unseren Malls gilt“. Generell könne man die Maßnahmen in den etwa 150 überdachten Einkaufszentren nicht überprüfen, erklärten die Betreiber.
*** Verweis auf „persönliche Verantwortung“ ***
Zur FFP2-Pflicht für Ungeimpfte im Handel hieß es von Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne), man empfehle auch den Geimpften „ausdrücklich“, dort auf diese Maßnahme zu setzen. Kontrolliert werden soll das „stichprobenartig“ durch die Polizei, doch wurde von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Mittwoch auch auf eine „persönliche Verantwortung“ verwiesen.
Die Landeshauptleute äußerten sich zu den Regeln zustimmend: Stellvertretend betonte Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) das Einvernehmen mit allen Ländern und Gemeinden. „Die Beschlüsse werden mitgetragen, es wird an einem Strang gezogen. Den Paradigmenwechsel „von der 7-Tage-Inzidenz hin zur Intensivbettenbelegung“ begrüße man. … [Es folgen eine Reihe von Stellungnahmen von Experten und Parteien.]
QUELLE: https://orf.at/stories/3227856/
ÖSTERREICH: Corona – Gartlehner: „Ursachenbekämpfungen“ fehlt in „Stufenplan“ – „Unsägliche Wohnzimmertests“ als Risiko – Science-APA, 8.9.2021
Dem Epidemiologen Gerald Gartlehner fehlt in dem am Mittwoch vorgestellten „Stufenplan“ der Regierung, „dass eigentlich nichts dabei ist, das die Ursache des Problems behandelt – nämlich, wie wir die Impfrate erhöhen“. Man müsse sich vor Augen halten, dass die sich zuspitzende Covid-19-Situation „völlig vermeidbar“ ist, wenn sich mehr Leute impfen lassen würden. Dass der Fokus nun auf den Krankenhauskapazitäten liegt, findet Gartlehner „gut“.
Leider handle es sich bei dem Paket um „Symptombekämpfung“, die noch dazu nicht unmittelbar einsetzen soll. Warum Maßnahmenverschärfungen nämlich nach dem Erreichen von bestimmten Grenzwerten bei der Belegung der Intensivstationen erst sieben Tage später in Kraft treten, „kann ich überhaupt nicht nachvollziehen“, so der Experte für Evidenzbasierte Medizin von der Donau-Universität Krems zur APA: „Es sieht ja jeder in welche Richtung es geht und worauf man sich vorbereiten muss.“
„Stufe 2“ des Plans sieht etwa sieben Tage nach Überschreitung einer Intensivstations-Auslastung von 15 Prozent (300 Betten) u.a. die 2G-Regel in der Nachtgastronomie und bei Veranstaltungen ohne zugewiesene Sitzplätze mit mehr als 500 Personen vor. Diesen Schwellenwert sieht Gartlehner „eigentlich schon ums Eck“.
*** „Unsägliche Wohnzimmertests“ als Risiko ***
Außerdem werden dann Antigentests mit Selbstabnahme („Wohnzimmertests“) nicht mehr als Nachweis für Bereiche mit 3G-Einstrittsregel gültig sein. Dass „diese unsäglichen Wohnzimmertests“ nicht sofort abgeschafft werden, kritisiert der Epidemiologe. Deren Einsatz sei vor einem halben Jahr noch vertretbar gewesen, nun sei dem aber nicht mehr so. Immerhin ungefähr 50 Prozent der asymptomatisch Infizierten würden nämlich übersehen. „Da leisten wir uns schon ein großes Risiko.“
Die breitere Rückkehr der FFP2-Maske bewertet Gartlehner als positiv. Zumindest parallel zu den heute umrissenen Verschärfungen sollten deutlich mehr Impfkampagnen gefahren oder der Druck auf Ungeimpfte erhöht werden. Da habe sich im Sommer nicht viel getan, obwohl die Regierung „ja nicht gerade ungeübt“ im Fahren von Kampagnen sei, so Gartlehner. Außerdem sei es in Österreich „fast noch ein bisschen zu bequem, ungeimpft zu sein“. So könnte man Testgültigkeiten weiter verkürzen oder „finanzielle Beiträge“ bei Testen einheben.
QUELLE: https://science.apa.at/power-search/1038437858788425908
ÖSTERREICH: Fast Hälfte der Bevölkerung informiert sich nicht täglich zu Corona – Vermeidung von Corona-Nachrichten – „Großer Auftrag an Medienhäuser“ – Vom optimalen Bespielen der Kanäle – Science-APA, 9.9.2021
Die Dauer der Corona-Pandemie hinterlässt ihre Spuren. Fast die Hälfte der österreichischen Bevölkerung (45 Prozent) informierte sich im August laut einer Befragung nicht täglich über Covid-19. Der Anteil stieg gegenüber April um mehr als das Doppelte an, wie am Mittwoch präsentierte Daten des Gallup-Instituts in Kooperation mit dem Medienhaus Wien zeigen. Nicht impfbereite Personen lehnen zudem zu großen Teilen Regierungskampagnen zum Thema Corona ab.
Das Institut erhebt seit Ausbruch der Pandemie im März 2020 regelmäßig die Stimmungslage sowie die Mediennutzung in der Coronakrise. Für die aktuelle Umfrage – mittlerweile die 8. – wurden 1.000 Personen zwischen 11. und 13. August befragt. Sie ist repräsentativ für die webaktive Bevölkerung ab 16 Jahren. Im Zentrum standen diesmal Fragen rund um die Corona-Impfung als auch erstmals den Klimawandel.
74 Prozent der Bevölkerung fühlen sich sehr gut oder gut über die Coronapandemie informiert und damit rund fünf Prozent weniger als bei den beiden vorangegangenen Erhebungen. Bei nicht impfbereiten Personen ist der gefühlte Informationsstand schlechter: 60 Prozent meinen, sie seien sehr gut oder gut im Bilde. Hinsichtlich Informationen zur Impfung fühlen sich Impfverweigerer zu 52 Prozent sehr gut oder gut informiert.
*** Vermeidung von Corona-Nachrichten ***
Dabei zeigt sich, dass nicht impfbereite Personen besonders oft vermeiden, aktiv Corona-Nachrichten zu rezipieren. 62 Prozent verzichten sehr häufig oder häufig bewusst auf diese. Bei bereits geimpften oder impfbereiten Personen sind es 31 Prozent. Als Ursache führt Andrea Fronaschütz, Leiterin des Gallup-Instituts, den Faktor Vertrauen bei einer Onlinepressekonferenz ins Treffen. Rund die Hälfte der Impfverweigerer vertraut den Medien nicht und erachtet Nachrichten als einseitig und oberflächlich. „Verweigerer meinen, sie hätten keine vertrauenswürdige Quelle“, so Fronaschütz.
Die Informationskampagne der Bundesregierung zum Thema erreicht zwar auch nicht impfbereite Personen (62 Prozent), stößt aber auf wenig Gegenliebe. Nur 25 Prozent halten die Kampagne für sinnvoll, 15 Prozent für nützlich. Für 63 Prozent der Impfverweigerer stellt sie eine Verschwendung von Steuergeldern dar. „Bei Impfverweigerern kommt man auf diesem Weg praktisch nicht mehr an“, konstatierte Medienhaus-Wien-Geschäftsführer Andy Kaltenbrunner. Teils seien die Inserate auch kontraproduktiv, da sie einen Abwehrreflex hervorrufen. Kaltenbrunner empfiehlt, bei den Kommunikationsmitteln auf neue Wege zu setzen. Jedoch seien Einschaltungen für Menschen, die nur verunsichert sind, weiterhin „sicher noch sinnvoll“.
*** „Großer Auftrag an Medienhäuser“ ***
Erstmals erhob das Gallup-Institut Daten über das Interesse am Klimawandel und die diesbezügliche Mediennutzung. Dabei zeigt sich, dass 23 Prozent der Befragten ein sehr großes und 47 Prozent ein eher großes Interesse am Thema haben. Sehr gut informiert fühlen sich jedoch nur 15 Prozent, 38 Prozent eher gut. Dass sich somit knapp die Hälfte der Bevölkerung mittelmäßig bis gar nicht gut über den Klimawandel informiert fühlt, sei ein „großer Auftrag an Medienhäuser“, so Fronaschütz. Quer durch die Bevölkerung herrsche hohe Nachfrage nach besserer Information.
Dass heimische Medien zu wenig über den Klimawandel berichten, sehen 37 Prozent der Befragten so. Überdurchschnittlich sind hier jüngere Personen, Personen mit hohem Bildungsabschluss, Sympathisanten der Grünen und Frauen vertreten. 36 Prozent meinen, es passt, wie es ist, 18 Prozent wollen weniger Berichterstattung zum Thema. Dabei stechen vor allem FPÖ-Sympathisanten hervor.
*** Vom optimalen Bespielen der Kanäle ***
Als Informationsquelle zum Thema Klimawandel nutzen die Befragten zu zwei Drittel ihre Fernsehgeräte, knapp die Hälfte setzt auf Zeitungen (gedruckt und online), ein Drittel vertraut auf Radio. 23 Prozent nutzen sozialen Medien zur Informationsbeschaffung. „Für Menschen unter 30 Jahren sind soziale Medien aber mittlerweile die wichtigste Quelle“, sagte Kaltenbrunner, wobei natürlich auch Auftritte herkömmlicher Medienhäuser auf Social Media hierzu zählen. Einmal mehr dränge sich damit die Zukunftsfrage auf, wie diese Kanäle optimal bespielt und somit junges Publikum erreicht werden könne, so der Medienhaus-Wien-Geschäftsführer.
Abstand habe man bei dieser „Nullmessung“ davon genommen, einzelne Medientitel miteinander zu vergleichen. Man brauche „robustere Fallzahlen“, so Fronaschütz. Sobald diese vorliegen, sollen etwaige Unterschiede in der Klimawandelkommunikation aber aufgezeigt werden. „Sehr allgemein gesagt, sehen wir aber schon eine Differenzierung zwischen Qualitätsmedien und Boulevardmedien im weiteren Sinne“, verriet Kaltenbrunner. So dürften etwa öffentlich-rechtliche Medien auf mehr Zuspruch und Glaubwürdigkeit beim Thema Klimawandel kommen.
QUELLE: https://science.apa.at/power-search/15990803482756326877
SIEHE DAZU:
=> Teile der Gallup-Studie
QUELLE: https://www.gallup.at/de/unternehmen/studien/
ÖSTERREICH: 82 Prozent der Lehrer gegen Covid-19 geimpft – Burgenland mit höchster Impfquote – Monatliche Aktualisierung der Impfraten – Science-APA, 8.9.2021 (aktualisierte Meldung)
GRAPHIK: https://secure-psas.apa.at/apascience/?F3oRCVP12n2wDAeJAeu6p3kb37DKxDKo6fWhJu-5a9T0Q7_j5dPcGeksrSYfC-x5WRrZBVQ7fSW58t97-L9cd8VK_XqLai3pI2_tn-bwP_QeiTqOZK4=
82 Prozent der Lehrer an den österreichischen Schulen sind gegen Covid-19 geimpft. Die Impfquote unterscheidet sich dabei leicht im Vergleich zwischen den einzelnen Schultypen und Bundesländern, gaben Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) sowie Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas bei einer Pressekonferenz am Mittwoch bekannt. Volksschullehrkräfte sind zu 77 Prozent vollimmunisiert, an den AHS sind es 88 Prozent. Im Osten ist die Impfquote höher.
Damit sind in dieser Berufsgruppe in der jeweiligen Altersstufe (20 bis 64 Jahre) deutlich mehr Personen vollimmunisiert als in der Gesamtbevölkerung (65 Prozent). Würden sich die übrigen Bevölkerungsgruppen auch in diesem Ausmaß impfen lassen, bräuchte es an den Schulen keine Corona-Maßnahmen mehr, so Faßmann. Erhoben wurden die Daten zum 31. August, also kurz vor Schulbeginn.
*** Burgenland mit höchster Impfquote ***
Auf die höchste Impfquote nach Bundesländern kommt das Burgenland (87 Prozent), gefolgt von Wien (85 Prozent), Niederösterreich, der Steiermark (je 83 Prozent), Vorarlberg (82 Prozent), Tirol (80 Prozent), Kärnten (79 Prozent), Oberösterreich (78 Prozent) und Salzburg (77 Prozent). Nach Schultypen sind am häufigsten die AHS-Lehrer (88 Prozent) vollimmunisiert, gefolgt von den Lehrkräften an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) mit 84 Prozent bzw. jenen an Mittelschulen und sonstigen Schulen (je 81 Prozent). Am geringsten ist die Impfquote an den Volksschulen (77 Prozent).
Einen kleinen Unterschied gibt es nach Geschlechtern: Männliche Lehrkräfte sind zu 85 Prozent vollimmunisiert, weibliche zu 81 Prozent. Größer ist der Unterschied in den einzelnen Altersgruppen: Lehrkräfte ab 55 Jahren sind zu 87 Prozent geimpft, jene unter 35 Jahren zu 77 Prozent.
Die Einführung einer 1G-Regelung für Lehrkräfte lehnte Faßmann ab – abgesehen davon, dass es dann eine 2G-Regelung sein müsste, die auch Genesene umfasst. Wer in einer Schule unterrichte, müsse täglich seine „epidemiologische Unbedenklichkeit“ nachweisen können, also zumindest getestet sein. Der Test sei ein Äquivalent zur Impfung.
*** Monatliche Aktualisierung der Impfraten ***
Die Impfraten sollen künftig monatlich aktualisiert werden. Geplant ist auch eine Ausweitung auf Schüler ab zwölf Jahren. Gewonnen wurden die Daten aus einer Verknüpfung der Impfstatistik mit der Lehrerstatistik, der registerbasierten Erwerbsverläufe sowie der Abgestimmten Erwerbsstatistik. Laut Thomas wäre es auch kein Problem, die Impfquote bei anderen Berufsgruppen wie den Gesundheitsberufen zu erheben. Dafür brauche man aber einen Auftrag der zuständigen Ressorts.
Faßmann hielte eine gezielte Datenverknüpfung generell für sinnvoll. Dann könnte man auch zielgruppenorientierter kommunizieren. „Haben etwa Migrationshintergrund oder höchster Schulabschluss einen Einfluss oder nicht?“ Thomas betonte die datenschutzkonforme Auswertung: Man kenne nicht die einzelnen Namen oder Sozialversicherungsnummern. Generell habe man in Österreich in Sachen Datensituation „Luft nach oben“: Es gebe zwar zahlreiche Datenproduzenten – deren Qualität sei aber auf unterschiedlichem Niveau. Viele Daten seien etwa nicht verknüpfbar.
Voraussichtlich keine Änderungen wird es aufgrund der heutigen Beratungen von Bund und Ländern im Schulbereich geben, meinte Faßmann. „Ich glaube, dass unsere Maßnahmen ausreichend sind“, verwies er etwa auf die regelmäßigen Corona-Tests. Eventuell könnte aber die Methode bei der Ermittlung der Risikostufen für die Schulmaßnahmen angepasst werden, indem die Auslastung der Intensivstationen stärker gewichtet wird. Das werde aber noch mit dem Gesundheitsministerium diskutiert.
QUELLE: https://science.apa.at/power-search/6530288329568802647
ÖSTERREICH: COVID-19-Impfstatus: Zum Schulbeginn sind 82% der Lehrerinnen und Lehrer immunisiert – Größte Impfbereitschaft im Osten Österreichs – Unterschiede zwischen Schultypen – Männer und ältere Lehrende häufiger vollimmunisiert als Frauen und jüngere – Regionale Unterschiede im Impfstatus der Lehrenden wie in der Gesamtbevölkerung – Statistik Austria, 8.9.2021
Mehr als vier von fünf der 122.000 Lehrerinnen und Lehrer in Österreich haben am Beginn des aktuellen Schuljahres einen aufrechten Impfschutz gegen COVID-19. Als „vollimmunisiert“ gelten Personen, die alle für eine Vollimmunisierung notwendigen Impfdosen erhalten haben, sowie Genesene mit zumindest einer Impfung. Die Ergebnisse zum Impfstatus von Lehrkräften hat Statistik Austria erstmals im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung ermittelt. Grundlage sind Daten der Lehrerstatistik, der registerbasierten Erwerbsverläufe und Daten der Abgestimmten Erwerbsstatistik von Statistik Austria sowie des Nationalen Impfregisters Österreich zum 31.8.2021. Letztere standen erstmals für statistische Auswertungen zur Verfügung. Für das laufende Schuljahr 2021/22 ist eine monatliche Aktualisierung der Ergebnisse geplant.
„Die Corona-Impfbereitschaft der Lehrerinnen und Lehrer hierzulande ist hoch: Österreichweit sind 82% der Lehrpersonen im Alter von 20 bis 64 Jahren mittlerweile vollständig geimpft. Damit liegt der Impfschutz unter Lehrerinnen und Lehrern deutlich höher als in der gleichaltrigen Gesamtbevölkerung mit einer Impfquote von 65%. Dass die Impfquoten nun anonymisiert für eine Berufsgruppe statistisch ausgewertet werden können, ist ein weiterer Schritt zur Verbesserung der Informationslage und der Grundlage für evidenzbasierte Politikgestaltung in Österreich“, so Tobias Thomas, Generaldirektor von Statistik Austria.
*** Größte Impfbereitschaft im Osten Österreichs ***
Die größte Impfbereitschaft bei Lehrpersonen zeigt sich im Osten Österreichs: Rund 87% (3.000) der Lehrerinnen und Lehrer an Schulen im Burgenland haben bereits den vollständigen Impfschutz erhalten. Darauf folgen Schulen in Wien mit 85% (22.000) und Niederösterreich mit 83% (18.000). An Schulen in der Steiermark sind ebenfalls knapp 83% (13.000) der Lehrerinnen und Lehrer vollimmunisiert, in Vorarlberg sind es 82% (5.000) und in Tirol 80% (9.000). Die geringsten Anteile an vollimmunisierten Lehrerinnen und Lehrern finden sich an Schulen in Kärnten (79%; 6.000), Oberösterreich (78%; 17.000) und Salzburg (77%; 7.000).
*** Unterschiede zwischen Schultypen ***
Deutliche Unterschiede zeigen sich im Impfstatus der Lehrpersonen zwischen den verschiedenen Schultypen. Mit 88% ist der Anteil der vollimmunisierten Lehrenden an allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) bundesweit am höchsten. Ebenfalls über 80% liegen diese Anteile auch unter Lehrpersonen an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMS/BHS: 84%) sowie an neuen Mittelschulen und Hauptschulen (NMS/Hauptschule: 81%) und an anderen Schultypen (81%). Unter den Lehrerinnen und Lehrern an Volksschulen ist der Anteil der Vollimmunisierten mit 77% am geringsten. Auch hier machen sich Unterschiede zwischen den Bundesländern bemerkbar: Unter den AHS-Lehrenden schwankt der Anteil jener Personen, die schon eine volle Immunität haben, zwischen 91% an Schulen in Vorarlberg und 82% in Salzburg; unter den Volkschullehrerinnen und -lehrern zwischen 85% im Burgenland und 72% in Oberösterreich und Salzburg.
*** Männer und ältere Lehrende häufiger vollimmunisiert als Frauen und jüngere ***
85% der lehrenden Männer und 81% der lehrenden Frauen sind gegen COVID-19 vollimmunisiert. Ein höherer Anteil unter den Männern findet sich in allen Bundesländern, allerdings ist der Geschlechterunterschied mit 2 Prozentpunkten in Wien am geringsten (Frauen: 85%, Männer: 87%) und in Tirol mit 7 Prozentpunkten am höchsten (Frauen: 78%, Männer: 85%). Zudem bestehen Altersunterschiede: So sind nur 77% der Lehrenden unter 35 Jahren vollimmunisiert, aber 87% der Lehrenden ab 55 Jahren.
*** Regionale Unterschiede im Impfstatus der Lehrenden wie in der Gesamtbevölkerung ***
Der Anteil der 20- bis 64-jährigen Lehrkräfte mit vollständigem Impfschutz liegt mit 82% deutlich höher als in der gleichaltrigen Gesamtbevölkerung (65%). Die 20- bis 64-jährige Wohnbevölkerung des Burgenlands ist zu 73% vollimmunisiert und hat damit den höchsten Impfschutz unter den Bundesländern. Die im Burgenland wohnenden Lehrerinnen und Lehrer sind zu 87% vollständig immunisiert. Der niedrigste Anteil der vollimmunisierten Wohnbevölkerung im entsprechenden Altersbereich ist mit je 60% in Oberösterreich und Kärnten zu finden; in Oberösterreich lebende Lehrende haben ebenso wie jene in Salzburg mit jeweils 78% auch den geringsten Anteil der Vollimmunisierten. Die Betrachtung nach Altersgruppen zeigt für Lehrerinnen und Lehrer ebenso wie für die Bevölkerung insgesamt, dass jüngere Personen in geringerem Ausmaß vollimmunisiert sind als ältere. So haben in der Gesamtbevölkerung nur 56% der 20- bis 34-Jährigen einen vollen Impfschutz, bei Lehrpersonen beträgt dieser Wert 77%. Dieser Anteil steigt mit dem Alter: Die Gruppe der Personen zwischen 55 und unter 65 Jahren ist bereits zu 75% vollimmunisiert, bei Lehrenden derselben Altersgruppe sind dies bereits 87%. Unter allen 20- bis 64-jährigen Personen sind sowohl bei Männern als auch bei Frauen 65% vollimmunisiert, bei den Lehrenden in diesem Altersbereich 81% der Frauen und 85% der Männer.
QUELLE: http://www.statistik.at/web_de/presse/126663.html
ÖSTERREICH: Corona – „Technische Anlaufschwierigkeiten“ bei PCR-Schultestungen – SPÖ ortete „Skandal erster Güte“ – Science-APA, 8.9.2021
Am Montag hat in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland für rund 490.000 Kinder und Jugendliche das neue Schuljahr mit einer dreiwöchigen „Sicherheitsphase“ begonnen. In dieser Zeit muss verpflichtend dreimal pro Woche ein Covid-Test absolviert werden, mindestens einmal davon mit einem aussagekräftigeren PCR-Tests. In Wien und Niederösterreich gab es zum Auftakt fallweise Probleme, laut der zuständigen Firma wurden fünf Prozent der Proben erst mit Verspätung ausgewertet.
In der Wiener Bildungsdirektion bestätigte man auf APA-Anfrage die Probleme, diese seien allerdings nur „sehr vereinzelt“ aufgetreten und man sei optimistisch, dass sich das neue System einspielen werde. Es sei auch erwartbar gewesen, dass es beim Start fallweise zu Pannen kommen könnte, nachdem es keine Pilotphase gegeben habe. Schüler, die nun nicht rechtzeitig das Ergebnis ihres PCR-Tests erhalten, können stattdessen einen Antigentest in der Schule durchführen. Die Standorte seien mit ausreichend Testkits ausgestattet, betonte man im Bildungsministerium gegenüber der APA.
*** „Technische Anlaufschwierigkeiten“ ***
Boris Fahrnberger, Geschäftsführer der Covid Fighters, hat am Mittwoch per Aussendung „technische Anlaufschwierigkeiten“ bei den PCR-Schultestungen eingeräumt. Die Abholungen hätten bei 95 Prozent der Schulen „gut funktioniert“, bei fünf Prozent habe es „leider Probleme“ gegeben. Insgesamt hätten die PCR-Massentestungen jedoch die „Feuertaufe bestanden“.
Er bedauere die verspätete Auswertung der Schultestungen, so Fahrnberger. „Die PCR-Testergebnisse werden heute im Laufe des Tages nachgeliefert.“ Für das im VAZ St. Pölten eingerichtete Großlabor seien neueste Geräte angekauft worden. „Leider ist uns ein zentraler Roboter ausgefallen. Da wir Qualität vor Schnelligkeit stellen, mussten wir die Proben manuell pipettieren und haben daher viel Zeit verloren.“
Insgesamt funktioniere das Großlabor und das gesamte Testsystem gut, sagte Fahrnberger weiter. Vorwürfe, dass dem nicht so sei, „weise ich scharf zurück“. „Man darf nicht vergessen, dass die Auswertung von mehr als 100.000 PCR-Tests in hoher Qualität und in so kurzer Zeit eine neue Herausforderung ist“, betonte der Geschäftsführer der Covid Fighters. In der Einrichtung im VAZ St. Pölten könnten bis zu 300.000 Schultests täglich ausgewertet werden, hatte Fahrnberger am Montag mitgeteilt. Analysiert werden laut einer Aussendung die Mundspültests aller Schulen in Nieder- und Oberösterreich sowie die Tests der Volks- und Sonderschulen in Wien.
*** SPÖ ortete „Skandal erster Güte“ ***
Zuvor hatte die SPÖ Niederösterreich im Zusammenhang mit den PCR-Tests an Schulen einen „Skandal erster Güte“ geortet. Landesparteivorsitzender LHStv. Franz Schnabl, LAbg. Elvira Schmidt und Landesgeschäftsführer Bürgermeister Wolfgang Kocevar wiesen am Mittwoch darauf hin, dass allein aus der Volksschule und der Neuen Mittelschule Ebreichsdorf (Bezirk Baden) etwa 700 ausgeführte PCR-Tests nicht abgeholt worden seien und somit auch nicht ausgewertet vorlägen. Das „Schulchaos setzt sich fort“, hielten die SPÖ-Politiker fest. Möglicherweise seien sogar Tausende PCR-Tests nicht abgeholt bzw. unausgewertet. Im Mittelpunkt der Kritik stand Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP), der „nicht mehr tragbar“ sei.
Die niederösterreichischen Grünen hatten wiederum Berichte erhalten, wonach mehrere Schulen im Bundesland – etwa die HTL Mödling oder das BG/BRG Klosterneuburg – „gar keine oder nicht genügend PCR-Tests erhalten“ hätten. Sie wollten daher von der NÖ Landesregierung bzw. Bildungsdirektion „wissen, ob alle Schulen rechtzeitig mit den Test-Kits ausgestattet wurden und wo die Probleme bei der Verteilung der Tests liegen“, so LAbg. Georg Ecker. Er stelle dazu eine Anfrage an Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP).
QUELLE: https://science.apa.at/power-search/9269871288470564568
ÖSTERREICH: Schulabmeldungen – Faßmann gegen Bewilligungspflicht – Ausweichen in „Lerngruppen“ mit gesetzlichen Grenzen – Kritik von SPÖ – Science-APA, 8.9.2021 (aktualisierte Meldung)
Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) lehnt eine vom Wiener Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (NEOS) vorgeschlagene Bewilligungspflicht für die Abmeldung zum häuslichen Unterricht derzeit ab. Dazu würde es einer Verfassungsänderung bedürfen, meinte der Minister bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. „Schauen wir uns das nächstes Jahr noch einmal an. Das ist eine Welle, die kommt und geht.“
Heuer hat sich die Zahl der Schulabmeldungen stark erhöht, in einzelnen Bundesländern – unter anderem in Wien – wurde mehr als eine Verdoppelung registriert. Dafür ist derzeit nur eine Meldung nötig. Am Ende des Jahres muss außerdem eine Externistenprüfung absolviert werden.
Das Recht auf häusliche Bildung sei im Staatsgrundgesetz von 1867 festgeschrieben, so Faßmann. „Das war die liberale Antwort auf den Obrigkeitsstaat. Es ist interessant, dass das von einem neoliberalen bzw. NEOS-Politiker in Frage gestellt wird.“ Man werde aber schon in diesem Schuljahr etwa eine zweite Externistenprüfung zum Semesterende einführen, auch um den Eltern eine Rückmeldung zum Lernstand zu geben.
*** Ausweichen in „Lerngruppen“ mit gesetzlichen Grenzen ***
Das Ausweichen von abgemeldeten Schülern in „Lerngruppen“ findet laut Faßmann seine Grenze im Privatschulgesetz. Niemand verbiete Kindern auch im häuslichen Unterricht soziale Kontakte, wenn man miteinander lernen wolle. Wenn aber daraus eine schulähnliche Einrichtung werden solle, greife das Privatschulgesetz.
Die Errichtung einer Privatschule muss etwa drei Monate vor der beabsichtigten Eröffnung angezeigt werden und kann von der Schulbehörde auch untersagt werden. Unter anderem müssen die Lehrer eine Lehrbefähigung aufweisen und über bestimmte Sprachkenntnisse verfügen.
*** Kritik von SPÖ ***
Kritik an Faßmann kommt von der Opposition: SPÖ-Bildungssprecherin Petra Vorderwinkler nannte es in einer Aussendung „höchst verantwortungslos“, die steigende Zahl der Schulabmeldungen als“ „Welle, die kommt und geht“ zu bezeichnen. Sie verlangte eine Gesamtreform des Systems: Wenn es dafür eine Verfassungsänderung brauche und dementsprechende Vorschläge auf dem Tisch liegen, wäre die SPÖ jedenfalls gesprächsbereit. Ihr FPÖ-Pendant Hermann Brückl fordert für jene Kinder, die daheim unterrichtet werden, das gleiche Unterrichtsmaterial und die gleichen Schulbücher. Der Bildungsminister müsse eine Plattform einrichten, auf der die Lerninhalte samt Beispielen und Hausübungen jederzeit für Schüler und Eltern abrufbar sind.
QUELLE: https://science.apa.at/power-search/18243091032303115130
7.9.2021, Dienstag
EPIDEMIOLOGIE: SARS-CoV-2: Wie eine schlechte Belüftung das Infektionsrisiko in Innenräumen erhöht – Deutsches Ärzteblatt, 7.9.2021
Eine schlechte Belüftung fördert die Übertragung von SARS-CoV-2 in Innenräumen, in denen viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des vermutlich ersten Super-Spreader-Ereignisses in Deutschland in medRxiv (2021; DOI: 10.1101/2021.09.01.21262540). Eine experimentelle Studie in Research Square (2021; DOI: 10.21203/rs.3.rs-861942/v1) bestätigt, dass häufiges Lüften die Viruskonzentration in der Luft senken kann.
Im Februar des vergangenen Jahres hatten etwa 450 Menschen der Gemeinde Gangelt im nordrhein-westfälischen Kreis Heinsberg unbekümmert ihre jährliche Karnevalssitzung gefeiert. Niemand ahnte, dass sich unter den Feiernden mindestens 1 Person befand, die mit SARS-CoV-2 infiziert war und das Coronavirus vermutlich in größerer Menge in den 320 m2 kleinen Saal verteilte, wo die Gäste eng gedrängt an 43 Tischen (1,4 Personen/m2) saßen.
An einer Stirnseite des Raums befand sich die Bühne, an der anderen eine Bar. Es wurde viel Alkohol ausgeschenkt und vermutlich ausgiebig geschunkelt. Die fünfstündige Sitzung wurde nur einmal durch eine Pause unterbrochen.
Für „frische“ Luft sorgte eine Klimaanlage, die allerdings nur 25 % der Luft durch Außenluft ersetzte. Die restlichen 75 % wurden bei jedem Durchgang wieder in den Saal geleitet. Die Filter der Lüftung waren technisch nicht in der Lage, Viren abzuhalten. Aus Lärmschutzgründen waren die Fenster geschlossen geblieben.
In den Wochen nach der Sitzung stieg die Inzidenz in Gangelt an. Der Kreis Heinsberg wurde zu einem der ersten Hotspots in Deutschland. Ein Team um Hendrik Streeck von der Universität Bonn hat alle Teilnehmer 51 Tage nach der Feier zu einer Untersuchung eingeladen, an der 411 (91,3 %) teilnahmen.
Von den 404 Personen, bei denen Blutproben entnommen wurden, hatten 186 IgG-Antikörper im Blut. Damit hatte sich fast die Hälfte auf der Karnevalsveranstaltung (oder auch in den Tagen danach) mit SARS-CoV-2 infiziert.
Die Bonner Virologen haben das Superspreaderereignis, über das in den Monaten danach ausführlich in den Medien berichtet wurde, jetzt noch einmal genauer unter die Lupe genommen, um zu ermitteln, welche Faktoren das Infektionsrisiko der einzelnen Personen gefördert haben könnte.
Das Geschlecht hatte keinen Einfluss auf das Infektionsrisiko (Odds Ratio 1,01; 95-%-Konfidenzintervall 0,65 bis 1,58). Ein höheres Körpergewicht könnte das Infektionsrisiko dagegen gefördert haben: Der Body-Mass-Index der Infizierten lag im Durchschnitt bei 26,2 kg/m2 gegenüber 24,3 kg/m2 bei nicht infizierten Personen. Eine Komorbidität, die nachweislich das Risiko einer schweren Erkrankung erhöht, hatte dagegen keinen Einfluss auf das Infektionsrisiko.
Für das Alter war ein Einfluss nachweisbar: Kinder erkranken mit einer Odds Ratio von 0,31 (0,14 bis 0,69) seltener als ältere Erwachsene (40 bis 65 Jahre). Ein protektiver Trend war auch für jüngere Erwachsene (18-25 Jahre) (Odds Ratio 0,53; 0,26 bis 1,09), sowie für Erwachsene zwischen 25 und 40 Jahren (Odds Ratio 0,48; 0,28 bis 0,85) nachweisbar. Senioren ab 65 Jahren infizierten sich tendenziell häufiger (1,1; 0,31 bis 3,97).
Die räumliche Analyse ergab, dass die meisten Infektionen an den Tischen in der Nähe der Bar aufgetreten waren, sowie auf der Bühne. Auf der Bühne infizierten sich 18 von 24 Personen. Bezüglich der Raumlüftung ließ sich ein erhöhtes Risiko an den Stellen nachweisen, in denen die Luft in den Saal gepustet wurde (Odds Ratio 1,39; 0,86 bis 2,25). Ein leicht erhöhtes Risiko an den Ansaugstellen (Odds Ratio 1,17; 0,72 bis 1,89) konnte auf andere Faktoren zurückgeführt werden.
Ein vermindertes Risiko war dagegen für Personen nachweisbar, die die Pause genutzt hatten, um sich an die frische Luft zu begeben (Odds Ratio 0,55; 0,33 bis 0,91). Interessanterweise hatten auch Raucher ein niedrigeres Risiko (Odds Ratio 0,32; 0,12 bis 0,81), das teilweise, aber nicht vollständig auf die „Raucherpausen“ im Freien zurückzuführen war. Die Forscher betonen, dass Rauchen keine sichere Schutzmaßnahme gegen SARS-CoV-2 ist.
Ein Einfluss des Alkoholkonsums auf das Infektionsrisiko war übrigens nicht nachweisbar, auch wenn die Zahl der Infektionen in der Nähe der Bar am höchsten war. Die Luftzufuhr aus der Klimaanlage könnte hier eine Rolle gespielt haben, vermutet Streeck. Der Virologe schließt aus den Ergebnissen, dass die mangelnde Belüftung des Saales, in dem sich viele Personen auf engstem Raum über einen längeren Zeitraum aufhielten, ein wichtiger Grund für die hohe Zahl der Infektionen war.
Die Bedeutung eines Luftaustausches wird auch von einem Team um Kevin van den Wymelenberg von der Universität von Oregon in Eugene betont, das 35 infizierte Studenten bei ihrer 10-tätigen Quarantäne begleitete.
Während dieser Zeit wurde die Viruskonzentration in der Luft und auf verschiedenen Gegenständen, etwa dem Handy oder dem Computer, sowie im Bad auf dem Fußboden und am Lüftungsgitter untersucht. Es zeigte sich, dass überall Viren nachweisbar waren und dass deren Konzentration mit der Virusmenge im Abstrich der infizierten Studenten mit der Zeit abnahm.
Der wichtigste äußere Einfluss neben der Luftmenge, die über das Lüftungsgitter im Bad entwich, war die Häufigkeit, mit der die Studenten während der Quarantäne zum Lüften das Fenster geöffnet hatten. Bei Studenten, die ihre Zimmer selten lüfteten, wurden doppelt so hohe Viruskonzentrationen in der Luft und auf den Gegenständen gefunden.
Auch van den Wymelenberg kommt zu dem Schluss, dass ein regelmäßiges Lüften zu den Maßnahmen gehört, die die Viruskonzentration in den Räumen und damit das Infektionsrisiko wesentlich senken könnte.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/127045/SARS-CoV-2-Wie-eine-schlechte-Belueftung-das-Infektionsrisiko-in-Innenraeumen-erhoeht
USA: Mehr als 40 Millionen Coronainfektionen in den USA – Deutsches Ärzteblatt, 7.9.2021
Seit Beginn der Coronapandemie ist die Zahl der nachgewiesenen Infektionen mit SARS-CoV-2 in den USA auf mehr als 40 Millionen gestiegen. Bislang wurden 40.018.326 Fälle registriert, wie aus aktuellen Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) in Baltimore hervorgeht. Damit lagen die USA in absoluten Zahlen weltweit an erster Stelle vor Indien und Brasilien.
Rund 649.000 Menschen starben laut JHU bisher in den Vereinigten Staaten in Zusammenhang mit dem Coronavirus. Im Durchschnitt der vergangenen Woche infizierten sich nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC landesweit pro Tag etwa 150.000 Bürger in den USA mit SARS-CoV-2.
Der Immunologe Anthony Fauci, der zu den Beratern von US-Präsident Joe Biden zählt, warnte angesichts der Coronaausbreitung vor einem Krankenhaus-Notstand in einigen Regionen. Mediziner könnten sich gezwungen sehen zu entscheiden, wer zuerst ein Bett auf der Intensivstation erhalte.
„Wir sind gefährlich nah dran“, sagte Fauci dem Sender CNN. Er rief deshalb erneut dazu auf, sich impfen zu lassen und Masken zu tragen. Laut CDC sind in dem rund 330 Millionen Einwohner zählenden Land bislang 53 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft.
Die Johns-Hopkins-Webseite wird regelmäßig aktualisiert und zeigt daher einen höheren Stand als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder der CDC. In manchen Fällen werden die Zahlen – unter anderem die der Neuinfektionen binnen 24 Stunden, aber auch die der Toten – nachträglich aktualisiert.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/127062/Mehr-als-40-Millionen-Coronainfektionen-in-den-USA
ISRAEL: SARS-CoV-2: mRNA-Impfstoff schützt Schwangere in Israel – Deutsches Ärzteblatt, 7.9.2021
Eine Impfung gegen SARS-CoV-2 schützt Schwangere vermutlich genauso gut vor COVID-19 wie andere Bevölkerungsgruppen. Eine Analyse des größten Krankenversicherers aus Israel ermittelt in Nature Medicine (2021; DOI: 10.1038/s41591-021-01490-8) für den im Land eingesetzten mRNA-Impfstoff BNT162b2 eine Schutzwirkung von 96 %.
Schwangere waren aus Sicherheitsgründen von der Teilnahme an den klinischen Studien ausgeschlossen, in denen die Wirksamkeit der Impfstoffe gegen COVID-19 untersucht wurden.
In vielen Ländern zögerten die Impfkommissionen zunächst vor einer Impfempfehlung, obwohl Schwangere ein erhöhtes Risiko auf einen schweren Verlauf von COVID-19 haben. Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) hat bisher keine Impfempfehlung für alle Schwangeren abgegeben. Diese ist aber in Arbeit.
In Israel, wo die Impfkampagne bereits am 20. Dezember begann, wurden bis zum 3. Juni allein unter den Versicherten von Clalit Health Services (CHS), der größten Krankenkasse des Landes, 38.836 Schwangere mit BNT162b2 geimpft. Ein Team um den Chefepidemiologen Ran Balicer vom Clalit Research Institute in Tel Aviv hat 10.861 geimpfte Schwangere einer gleichen Anzahl von nicht geimpften Schwangeren gegenübergestellt.
Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 77 Tagen kam es in der Impfgruppe zu 131 Infektionen, davon 128 in den ersten 28 Tagen, in denen sich der Immunschutz entwickelt. In der Kontrollgruppe kam es zu 235 Infektionen.
Die Forscher ermitteln eine Schutzwirkung von 96 % (95-%-Konfidenzintervall 89 bis 100 %) ab dem 28. Tag (7 Tage nach der 2. Dosis). Die Häufigkeit von symptomatischen Infektionen wurde um 97 % (91 % bis 100 %) gesenkt. Hospitalisierungen waren zu 89 % seltener (43 % bis 100 %).
Der Einfluss auf schwere Infektionen ließ sich nicht beurteilen, da nur eine Schwangere in der Kontrollgruppe schwer erkrankte. Todesfälle traten nicht auf. Die Ergebnisse gelten für die Alpha-Variante von SARS-CoV-2, die im Untersuchungszeitraum das Infektionsgeschehen in Israel bestimmte.
Eine gute Impfstoffwirkung bei Schwangeren war erwartet worden, da auch andere Impfungen bei Schwangeren in der Regel gut wirksam sind. Eine Garantie gab es nicht. Es ist bekannt, dass das Immunsystem während der Schwangerschaft zum Schutz des Kindes vermindert ist.
Die Konzentrationen von CD4- und CD8-Lymphozyten nehmen ab, ebenso die Konzentrationen einiger entzündlicher Zytokine. Da die mRNA-basierten Impfstoffe eine neue Technologie sind, war es aus Sicht von Balicer berechtigt, die Frage in einer Studie zu untersuchen.
Der Hersteller lässt die Impfstoffwirkung von BNT162b2 derzeit in einer randomisierten Studie prüfen. Der Schwerpunkt der Studie liegt auf der Verträglichkeit und Sicherheit von BNT162b2. Ergebnisse werden erst im nächsten Jahr vorliegen.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/127060/SARS-CoV-2-mRNA-Impfstoff-schuetzt-Schwangere-in-Israel
ÖSTERREICH: Corona – Anteil der Impfdurchbrüche in Österreich liegt bei 4,05 Prozent – Science-APA, 7.9.2021
Von den 252.976 seit Anfang Februar in Österreich laborbestätigten Corona-Fällen bei den Über-Zwölfjährigen – das entspricht der impfbaren Bevölkerung – waren 6.793 Betroffene vollständig geimpft. Damit liegt der Anteil der sogenannten Impfdurchbrüche – das sind vollständig Geimpfte mit symptomatischer Infektion – mittlerweile bei 4,05 Prozent (Stichtag: 7. September). Bei 215 Personen oder nur 0,13 Prozent führte ein Impfdurchbruch zu einer stationären Aufnahme im Spital.
In Prozentanteilen gerechnet sind der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) zufolge die Impfdurchbrüche mit 4,43 Prozent in der Altersgruppe der Über-60-Jährigen am Höchsten. Das ist insofern wenig verwunderlich, als die Impfquote bei den Senioren am höchsten ist. Der Anteil von bestätigten SARS-CoV-2-Infektionen mit Krankenhausaufnahme lag bei vollständig immunisierten Über-60-Jährigen bei 0,51 Prozent.
Bei den 18- bis 59-Jährigen machten die Impfdurchbrüche 3,22 Prozent aus, zu Krankenhausaufenthalten führte das in 0,02 Prozent der Fälle. In absoluten Zahlen waren das 30 Betroffene. Fast keine Impfdurchbrüche zeigen sich bisher bei den Zwölf- bis 17-Jährigen, wo allerdings auch die Impfbereitschaft am Geringsten ist. 49 vollständig geimpfte Jugendliche infizierten sich neuerlich, in keinem Fall war aber eine Überstellung in ein Krankenhaus erforderlich.
Was die Impfeffektivität betrifft, lag diese laut AGES im Zeitraum Anfang Februar bis Anfang September in der Altersgruppe der 40- bis 59-Jährigen bei 88,43 Prozent und bei den Über-60-Jährigen bei 89,97 Prozent. Das bedeutet, dass eine Infektion bei den vollständig Geimpften im Vergleich zu den nicht vollständig Geimpften für den Beobachtungszeitraum um fast 90 Prozent reduziert war, betonten Experten. Nach Berechnungen der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) wurden in den Monaten Februar bis August 2021 österreichweit 9.484 Krankenhausaufenthalte, 2.524 Aufenthalte in Intensivstationen und 2.849 Todesfälle vermieden.
QUELLE: https://science.apa.at/power-search/17704080298636915980
ÖSTERREICH: Österreich: Kurz schließt Lockdown für alle Bürger aus – Deutsches Ärzteblatt, 7.9.2021
Österreich hat die höchste Zahl an Coronatodesfälle seit Ende Juni verzeichnet. Innerhalb von 24 Stunden seien acht Menschen an den Folgen der Viruserkrankung gestorben, teilte die Regierung gestern laut einem Bericht der Nachrichtenagentur APA mit.
Außerdem gebe es eine starke Zunahme der COVID-19-Patienten auf Intensivstationen. Es seien derzeit 170 Schwerkranke, die dort behandelt würden. Dies sei ein Anstieg um 120 Prozent innerhalb von zwei Wochen.
Innen- und Gesundheitsministerium in Wien meldeten den Angaben zufolge zudem mehr als 1.400 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden – das ist der höchste Montagswert seit Ende April. In der Alpenrepublik sind seit Pandemiebeginn mehr als 10.800 Menschen an den Folgen der Infektion gestorben.
Unterdessen schloss Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) im ORF-Sommergespräch Lockdowns für alle Bürger nach bisherigem Muster aus. „Es wird sicherlich keine Lockdowns mehr geben für geimpfte Menschen“, so Kurz.
Im Fall der Überlastung des Gesundheitssystems werde nur für Ungeimpfte der Zugang zum Beispiel zur Nachtgastronomie und Großveranstaltungen gesperrt. In der Frage der nachlassenden Impfbereitschaft zeigte sich der Kanzler eher gelassen. „Wir werden es nicht schaffen, alle Ängste zu nehmen.“ Es sei klar, dass sich jeder Ungeimpfte früher oder später mit dem Coronavirus anstecken werde.
Die sich abzeichnende vierte Welle werde bei weitem nicht die letzte sein, so Kurz. „Das Virus wird es in zehn Jahren noch geben.“ Es sei generell schwierig, den weiteren Verlauf der Pandemie vorherzusagen.
„Was mich aus dem Gleichgewicht bringen würde, wäre, wenn es eine Variante gäbe, die von der Impfung nicht abgedeckt ist. Oder wenn wir erleben würden, dass es massenhaft Impfdurchbrüche gäbe.“
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/127010/Oesterreich-Kurz-schliesst-Lockdown-fuer-alle-Buerger-aus
ÖSTERREICH: Wien will Bewilligungspflicht für Schulabmeldungen – Lernstand bereits nach erstem Semester erheben – Science-APA, 7.9.2021
Wien will die Abmeldungen von der Schule zum häuslichen Unterricht bewilligungspflichtig machen. Eltern müssten dann zunächst ein Konzept einreichen, so Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (NEOS) vor Journalisten. „Darin sollte erläutert sein, wie sie den häuslichen Unterricht machen und umsetzen wollen.“ In Wien wurden heuer 870 Schüler abgemeldet, bisher waren es rund 350 pro Jahr.
Dieser starke Anstieg sei erst kurz vor den Ferien erfolgt. Bis vor rund zwei Wochen habe es noch so ausgesehen, dass man wieder bei rund 350 landen werde, so Wiederkehr. Derzeit ist eine Abmeldung nur anzeigepflichtig – theoretisch können auch Eltern ohne Schulabschluss ihre Kinder daheim unterrichten.
*** Lernstand bereits nach erstem Semester erheben ***
Erst in der Vorwoche hatte das Bildungsministerium Änderungen bei den Schulabmeldungen angekündigt. Zusätzlich zur Externistenprüfung am Jahresende soll künftig schon nach dem ersten Semester der Lernstand der Kinder erhoben werden und Eltern sollen nicht mehr entscheiden können, wo die Externistenprüfung stattfindet. Letzterer Punkt ist in Wien bereits umgesetzt. Die Bewilligungspflicht würde über diese Pläne noch hinausgehen – nötig dafür wären bundesgesetzliche Änderungen, so Wiederkehr.
Bei der im Frühling umstrittenen Reform der Planstellenzuteilung habe man neben den schon damals zugesagten zusätzlichen 2.200 Lehrerstunden (das sind 100 Posten) noch über den Sommer versucht, Härtefälle abzufedern, so Wiederkehr. Das neue System sieht für Schulen ein Basiskontingent vor, für das die Zahl aller Schüler durch die (fiktive) Klassenschüleranzahl 25 dividiert wird.
Für größere Klassen bekommt eine Schule damit mehr Posten. Außerdem gibt es Mittel für von Experten der Bildungsdirektion definierte pädagogische Projekte, etwa Schulschwimmen oder muttersprachlichen Unterricht sowie vom Bund vorgegebene Mittel (etwa für Deutschförderklassen). Durch einen „Mini-Sozialindex“ sollen außerdem jene Schulen, an denen es besonders viele Schüler mit Förderbedarf gibt, mehr bekommen. Problem: Umgekehrt ergibt sich dadurch für einen Teil der Schulen Einbußen.
Bildungsdirektor Heinrich Himmer kündigte außerdem an, bis Dezember alle Schulen von ihrem jeweiligen Schulqualitätsmanager begleiten zu lassen, um zu erheben, welche Projekte dort überhaupt angeboten werden und wie diese funktionieren. „Wir wollen dann auch über mehrere Jahre die Zusage geben können, dass ein Projekt weitergeführt werden kann.“ Derzeit sei dies schwierig, weil erst jeweils im April der Bund die Verteilung der Planstellen an die Bundesländer übermittle. Besonders gute und erfolgreiche Projekte sollen dann auch auf andere Schulen ausgerollt werden können.
*** Schulqualitätsmanager sollen Entscheidungshilfe bieten ***
Die Schulqualitätsmanager sollen den Schulstandorten aber auch dabei helfen, mit den zusätzlichen bzw. weniger Ressourcen klarzukommen. „Wenn man sieht, die Ressourcen reichen nicht für alles, also für kleinere Klassen und zusätzlich viele Projekte und zusätzlich viele unverbindliche Übungen – dann soll der Schulqualitätsmanager helfen, der Schule festzustellen: Was ist mir wichtiger?“, so Himmer.
Wiederkehr verlangt außerdem vom Bund, die im vergangenen Semester und auch heuer eingesetzten Corona-Förderstunden mittelfristig zu verlängern. Es sei nicht davon auszugehen, dass die Bildungsrückstände der vergangenen eineinhalb Jahre in so kurzer Zeit aufgeholt werden könnten. Außerdem sollte die Sonderbetreuungszeit für Eltern wieder eingeführt werden: „Zu glauben, dass Sonderfreistellungen heuer nicht nötig wären, wäre naiv.“
QUELLE: https://science.apa.at/power-search/4411244609113524106
ÖSTERREICH: Rund 135 neue Lehrer-Planstellen durch Laptop- und Tabletklassen – Lehrer werden via MOOC eingeschult – NEOS: zu wenige Lehrer*innen nahmen teil – Science-APA, 7.9.2021
Rund 135 neue Lehrer-Planstellen entstehen durch die Ausstattung von rund 150.000 Schülern der fünften und sechsten Schulstufe mit Laptops und Tablets. Das geht aus der Beantwortung zweier parlamentarischer Anfragen von SPÖ bzw. NEOS durch Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) hervor. Mindestens rund 22.000 Lehrer erhalten ebenfalls ein digitales Endgerät zur Verfügung gestellt.
Die zusätzlichen Planstellen ergeben sich rechnerisch durch die Einrechnung der Tätigkeit in der IT-Betreuung in die Lehrverpflichtung. Pädagogen, die im sogenannten „Mobile Device Management“ einer Schule tätig sind, müssen demnach je nach Größe der Schule ein bis zwei Stunden weniger unterrichten. Die dadurch entstehenden Lücken müssen wiederum durch andere Lehrer übernommen werden – entweder durch Überstunden oder neue Lehrer.
Insgesamt unterrichten rund 48.000 Lehrer in Laptop- bzw. Tabletklassen dieser beiden Schulstufen. Laut Beantwortung werden für diese Pädagogen mindestens 22.000 Laptops bzw. Tablets zur Verfügung gestellt, wobei sowohl Bund als auch manche Länder zusätzliche Geräte anschaffen und den Lehrern geben.
*** Lehrer werden via MOOC eingeschult ***
Zur Schulung der Pädagogen für den Einsatz in diesen Klassen wurden sogenannte MOOCs (Massive Open Online Courses) entwickelt. Am „Distance Learning MOOC“, der die Grundlagen für die Gestaltung von Unterricht mit digitalen Technologien vermitteln soll, nahmen bis Mitte August 25.000 Lehrer teil, am „digi.konzept MOOC“ zur Unterstützung bei der Entwicklung von Digitalisierungskonzepten knapp 7.000 Schulleiter und Lehrkräfte.
Für die NEOS ist die Teilnahmequote der Lehrerinnen und Lehrer an den Fortbildungen zu gering. „Das ist ein Problem, denn gerade die Coronapandemie hat gezeigt, wie notwendig ein Digitalisierungsschub an unseren Schulen ist“, so Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre in einer Aussendung. Daher sollten die Lehrkräfte zur Fortbildung verpflichtet werden können. Umgekehrt hält sie es für „absurd dass die Bundesregierung von einer Digitalisierungsoffensive für die Schulen spricht und gleichzeitig müssen sich Lehrende Laptops teilen“.
QUELLE: https://science.apa.at/power-search/12724667460612813583
6.9.2021, Montag
MEDIZIN: Delta verursacht keine schwereren Verläufe bei Kindern – Unterschiede statistisch nicht signifikant – Science-APA, 6.9.2021
Die Deltavariante des Coronavirus führt ersten Erkenntnissen zufolge nicht zu schwereren Verläufen von Covid-19 bei Kindern. Wie eine Studie der US-Gesundheitsbehörde CDC zeigt, unterscheidet sich der Anteil der schweren Krankheitsverläufe bei Kindern aktuell nicht wesentlich von dem im Jänner, als in den USA die Alpha-Variante des Coronavirus vorherrschte. Außerdem deuten die Daten auf eine hohe Wirksamkeit des Impfschutzes bei Jugendlichen hin.
Die Rate der Corona-bedingten Krankenhauseinweisungen bei Kindern und Jugendlichen im Alter bis 17 Jahren war in den USA zuletzt wieder stark gestiegen und lag Mitte August bei 1,4 pro 100.000. Die Forscher verglichen daraufhin rund 3.100 Krankenhaus-Fälle vom Jänner mit 164 aus der aktuellen Delta-Welle und stellten kaum Unterschiede bei der Stärke der Verläufe fest.
*** Unterschiede statistisch nicht signifikant ***
Der Anteil der Patienten, die auf eine Intensivstation verlegt werden mussten, lag im Jänner vor Auftreten der Deltavariante bei 26,5 Prozent, nun liegt er bei 23,3 Prozent. Vor Delta brauchten 6,1 Prozent der erfassten Patienten Beatmung, mit Delta waren es 9,8 Prozent. Diese Unterschiede sind statistisch nicht signifikant. Für belastbarere Ergebnisse werden nach Aussage der Wissenschaftler jedoch weitere Daten benötigt.
Die Studie zeigt deutlich die Wirksamkeit der Corona-Impfung auch gegen die Deltavariante bei Jugendlichen. In den USA ist eine Impfung ab zwölf Jahren möglich. Zwischen dem 20. Juni und dem 31. Juli waren von 68 ins Krankenhaus eingelieferten Jugendlichen 59 nicht geimpft, fünf einmal und vier doppelt geimpft. Damit ist eine Krankenhausbehandlung bei ungeimpften Jugendlichen im Falle einer Corona-Infektion rund zehnmal so wahrscheinlich wie bei geimpften.
QUELLE: https://science.apa.at/power-search/10094416787835214789
MEDIZIN: SARS-CoV-2: Astrazeneca-Impfstoff zeigt Lücken bei Dialyse-Patienten – Deutsches Ärzteblatt, 6.9.2021
Die zweifache Gabe des Vektor-basierten Impfstoffs AZD1222 von Astrazeneca schützt Dialyse-Patienten möglicherweise nur unzureichend vor einer Infektion mit SARS-CoV-2. Darauf deuten ausführliche Labortests am Francis Crick Institute im Lancet (2021; DOI: 10.1016/S0140-6736(21)01854-7) hin.
Patienten, die mit der mRNA-Vakzine von Biontech-Pfizer geimpft wurden, zeigten dagegen eine Antikörper-Antwort wie bei gesunden Probanden. Dialyse-Patienten werden als besonders schutzbedürftig eingestuft, da COVID-19 bei ihnen häufig tödlich verläuft. Gleichzeitig ist ihr Infektionsrisiko hoch, da sie mehrmals die Woche ein Dialysezentrum aufsuchen müssen.
In der ersten Welle der Pandemie hatten sich in Großbritannien nicht weniger als 4.666 Dialyse-Patienten mit SARS-CoV-2 infiziert, von denen 1.373 an COVID-19 starben, was eine ungewöhnlich hohe Case-Fatality Rate von 29 % bedeutet.
Dialyse-Patienten gehörten deshalb zu den ersten, die ab Dezember zunächst mit BNT162b2 von Biontech-Pfizer und später mit AZD1222 von Astrazeneca geimpft wurden. Von anderen Impfstoffen ist bekannt, dass die Schutzwirkung bei Dialyse-Patienten schwächer ausfällt. Die Hepatitis B-Impfung erfolgt deshalb in einer höheren Dosierung.
In einer laufenden Studie wird die Impfstoffreaktion der beiden in England zuerst zugelassenen Impfstoffe an etwa 1.000 Patienten überprüft. Zum Einsatz kommt ein spezieller Neutralisationstest des Francis Crick Institute in London, der eine rasche Testung ermöglicht. Die Ergebnisse an den ersten 178 Patienten zeigen, dass der Impfstoff AZD1222 nur eine schwache Wirksamkeit gegen die derzeit vorherrschende Delta-Variante erzielt.
Wie ein Team um Rupert Beale vom Francis Crick Institute mitteilt, war die neutralisierende Wirkung der Antikörper nach der 2. Dosis von AZD1222 6-fach geringer als nach einer Impfung mit BNT162b2. Die Wirkung gegen die Alpha-Variante war 4-fach und die Reaktion gegen die Beta-Variante 3-fach schwächer.
Die zweifache Impfung mit BNT162b2 erzielte nach Ansicht von Beale eine vergleichbare Schutzwirkung wie bei gesunden Kontrollen. Etwas günstiger waren die Ergebnisse bei Dialyse-Patienten, die bereits eine Infektion mit SARS-CoV-2 überstanden hatten. Bei diesen Patienten erzielte auch AZD1222 (nach der 2. Dosis) eine ausreichende Schutzwirkung. Für alle Patienten ohne vorherige Infektion rät Beale zu einer dritten Dosis.
In vielen Ländern wird derzeit über eine 3. Dosis bei immungeschwächten Patienten nachgedacht, zu denen auch Dialyse-Patienten gehören. In Frankreich wird dies vielerorts bereits praktiziert. Die Erfahrungen sind positiv. Didier Ducloux vom Centre Hospitalier-Universitaire Besançon berichtete Ende Juni in Kidney International (2021; 10.1016/j.kint.2021.06.025), dass die Antikörper der Patienten nach der 3. Dosis deutlich ansteigen, obwohl in der Klinik 80 % bereits nach der 2. Dosis von BNT162b2 hohe Titer erreicht hatten.
An der Paul Sabatier Universität in Toulouse wird die 3. Dosis auf Patienten beschränkt, die nach 2 Dosen BNT162b2 noch keine ausreichende Antikörper-Antwort erzielt haben (Nephrology Dialysis Transplantation 2021 36: 1704-1709). Eine Analyse des französischen „Epidemiology and Information Network“ (REIN) ergab, dass Infektionen mit SARS-CoV-2 bei vollständig geimpften Personen in der Regel milder verlaufen. Die Case-Fatality Rate war jedoch mit 11 % immer noch zu hoch (medRxiv 2021; 10.1101/2021.07.02.21259913).
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126975/SARS-CoV-2-Astrazeneca-Impfstoff-zeigt-Luecken-bei-Dialyse-Patienten
FORSCHUNG: Genetischen Risikofaktor für schwere Covid-Verläufe entdeckt – Science-APA, 6.9.2021
Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung des Schweizer Kantonsspitals Baden (KSB) hat eine genetische Prädisposition entdeckt, die mit einem schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung zusammenhängt. Die Forscher fanden heraus, dass das sogenannte Humane Leukozytenantigen-System (HLA-System) eine Rolle spielt, wie eine Erkrankung verläuft. Die Ergebnisse der multizentrischen Studie erschienen im Fachmagazin „EClinicalMedicine“.
Eine Coronavirus-Infektion trifft nicht alle Patientinnen und Patienten gleich schwer. Die genetische Veranlagung scheint dabei eine Rolle zu spielen. Das internationale Team unter Leitung der Charité Berlin fokussierte sich auf das Humane Leukozytenantigen-System (HLA-System). Dabei handle es sich um eine Gruppe menschlicher Gene, die für die Funktion des Immunsystems zentral seien, teilte das KSB mit.
Die Studie schloss 435 Patientinnen und Patienten über 18 Jahren aus Deutschland, Spanien, der Schweiz und den USA ein, von denen manche mild, andere schwer erkrankt waren. Die Wissenschafter fanden Hinweise darauf, dass der HLA-Subtyp namens HLA-C*04:01 mit einem schweren klinischen Verlauf von Covid-19 einhergeht. Träger dieser Genvariante hatten demnach ein doppelt so hohes Risiko, maschinell beatmet werden zu müssen.
Laut dem KSB bietet die Erkenntnis die Möglichkeit, Patientengruppen mit erhöhtem Risiko für schwere Krankheitsverläufe zu identifizieren.
QUELLE: https://science.apa.at/power-search/9076816405418622386
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QUELLE: https://doi.org/10.1016/j.eclinm.2021.101099
USA: Auffrischungsimpfungen gegen Corona: Verzögerungen in USA möglich – Deutsches Ärzteblatt, 6.9.2021
In den USA kann die Vergabe von Coronaauffrischungsimpfungen womöglich nicht wie ursprünglich geplant anlaufen.
Der Immunologe und Berater von US-Präsident Joe Biden, Anthony Fauci, sagte dem Fernsehsender CBS gestern, es sei möglich, dass bis zum angepeilten Starttermin am 20. September nur Auffrischungsimpfungen eines Herstellers von der Arzneimittelbehörde FDA zugelassen seien – und nicht, wie erhofft, die Präparate sowohl von Pfizer/Biontech als auch von Moderna.
Ursprünglich sei das Ziel gewesen, ab dem 20. September Auffrischungsimpfungen mit beiden Präparaten anzubieten. Fauci betonte aber, vermutlich könne man zu dem Zeitpunkt zumindest mit einem Präparat starten, und mit dem anderen Präparat dann ein paar Wochen später.
Der Stabschef von US-Präsident Joe Biden, Ron Klain, sagte dem Fernsehsender CNN, man habe die Hoffnung, dass die Zulassung für eines der beiden Präparate bis zum 20. September vorliege. Er versicherte, niemand werde eine Auffrischungsimpfung mit einem Impfstoff bekommen, sofern dies nicht von der FDA zugelassen sei.
Die US-Regierung hatte Mitte August Pläne vorgestellt, wonach die amerikanische Bevölkerung ab dem 20. September mit Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus versorgt werden soll.
Erwachsene Amerikaner sollen demnach acht Monate nach Abschluss ihrer ersten beiden Impfungen mit den Präparaten von Moderna oder Pfizer/Biontech eine dritte Dosis bekommen können.
Die Regierung hatte jedoch bereits bei der Vorstellung der Pläne betont, diese stünden noch unter Vorbehalt von Prüfungen der FDA zur Effektivität und Sicherheit der Auffrischungsimpfungen mit beiden Präparaten.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126980/Auffrischungsimpfungen-gegen-Corona-Verzoegerungen-in-USA-moeglich
USA – EUROPA: COVID-19: Moderna beantragt allgemeine Zulassung für die dritte Dosis – Deutsches Ärzteblatt, 6.9.2021
Der US-Hersteller Moderna hat bei den Zulassungsbehörden in Europa – der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) – und den USA (U.S. Food and Drug Administration, FDA) – die Zulassung für eine 3. Dosis seines Coronaimpfstoffes mRNA-1273 beantragt. Grundlage sind die Ergebnisse einer Phase-2-Studie, in der laut Moderna die Antikörper-Reaktion auch bei Senioren deutlich gesteigert werden konnte.
An der Studie nahmen 344 gesunde Probanden aus einer früheren Studie teil, bei denen die Titer der neutralisierenden Antikörper 6 bis 8 Monate nach der 2. Dosis von mRNA-1273 zwar abgefallen waren, aber noch über der Nachweisgrenze lagen. Alle Teilnehmer erhielten eine dritte Dosis von mRNA-1273 in der Dosierung von 50 µg. Das ist die Hälfte der derzeit verimpften Dosierung.
In einem Pseudovirus-Neutralisationstest war 14 Tage nach der 3. Dosis ein deutlicher Anstieg des GMT („geometric mean titers“) nachweisbar, der auch die besorgniserregenden Varianten umfasst. Die GMT betrugen für Beta 864, für Gamma 1.308 und für Delta 1.268.
Sie waren damit deutlich niedriger als gegen den Wildtyp (4.588), für den der Impfstoff ursprünglich konzipiert wurde. Gegenüber den Werten, die 6 bis 8 Monate nach der 2. Dosis ermittelt wurden, stiegen die GMT jedoch um den Faktor 3 (Beta), 43,6 (Gamma) und 42,3 (Delta) an. Eine ähnlich gute Wirkung soll auch bei Probanden im Alter ab 65 Jahren aufgetreten sein.
Die Titer lagen nach dem Booster signifikant über dem Phase-3-Benchmark, teilt der Hersteller mit. Eine Publikation der Studie steht jedoch noch aus. Moderna lässt in einer weiteren Studie auch eine Boosterung mit der Dosis von 100 µg prüfen, deren Ergebnisse in Kürze erwartet werden.
Die FDA hatte am 13. August eine 3. Dosis von mRNA-1273 bereits für Patienten mit schweren Immunschwächen (etwa nach Organtransplantationen) zugelassen, die häufig nach den ersten beiden Dosierungen keine Antikörper-Antwort erreichen. Die Zulassung beruht auf den Ergebnissen einer Doppelblindstudie an 120 Organtransplantierten. Die 3. Dosis von mRNA-1273 war von den Patienten gut vertragen worden und es war zu einer Verbesserung der Immunantwort gekommen.
Moderna lässt derzeit auch zwei auf die Varianten zugeschnittene Booster (mRNA-1273.351 und mRNA-1273.617) sowie zwei multivalente Impfstoffe (mRNA1273.211 und mRNA-1273.213) prüfen.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/127018/COVID-19-Moderna-beantragt-allgemeine-Zulassung-fuer-die-dritte-Dosis
KUBA: Corona: Kuba startet Impfkampagne für Kinder ab zwei Jahren – Deutsches Ärzteblatt, 6.9.2021
Kuba hat mit einer Coronaimpfkampagne bei Kindern im Alter zwischen zwei und 18 Jahren begonnen. Zunächst sollen Kinder ab zwölf Jahren die in Kuba entwickelten Coronaimpfstoffe Abdala und Soberana erhalten, ab dem 15. September sind die jüngeren Kinder an der Reihe.
Die kommunistische Regierung des Karibikstaates sieht in der Impfkampagne eine Voraussetzung für die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts. Wegen der Pandemie waren Kubas Schulen seit März 2020 die meiste Zeit geschlossen. Die Kinder und Jugendlichen wurden via Fernsehen unterrichtet.
Wenn heute das neue Schuljahr in Kuba beginnt, sollen alle Schüler solange Fernunterricht bekommen, bis alle für eine Coronaimpfung in Frage kommenden Kinder und Jugendliche die Impfspritzen erhalten haben. Die Behörden planen, die Schulen ab Oktober schrittweise wieder zu öffnen.
Die Ausbreitung der hochansteckenden Delta-Variante des Coronavirus hat Kubas Gesundheitssystem an die Belastungsgrenze gebracht. Von den rund 5.300 Todesfällen durch die Pandemie in dem Inselstaat wurden fast die Hälfte allein im August registriert.
Von den rund 673.000 nachgewiesenen Coronainfektionen in Kuba entfielen rund 95.000 auf Minderjährige. Sieben Kinder starben infolge der Infektionen.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126989/Corona-Kuba-startet-Impfkampagne-fuer-Kinder-ab-zwei-Jahren
BRASILIEN: Coronawirbel: Brasiliens Gesundheitsbehörde sorgt für Spielabbruch – Deutsches Ärzteblatt, 6.9.2021
Coronawirbel bei Neymar, Lionel Messi und Co.: In einer Hauruckaktion hat Brasiliens Gesundheitsbehörde Anvisa das WM-Qualifikationsspiel zwischen Brasilien und Argentinien gestern Abendwegen Verstößen gegen Coronabestimmungen unterbrochen.
Sechs Minuten nach dem Anpfiff der Partie in São Paulo gingen vier Mitarbeiter der Behörde auf den Platz und holten die drei argentinischen England-Profis Emiliano Martínez, Cristian Romero und Giovanni Lo Celso vom Feld. Danach verließen auch die anderen argentinischen Spieler den Platz, während die Brasilianer blieben.
Anschließend wurde die Partie abgebrochen. „Auf Beschluss des Schiedsrichters wird das von der FIFA organisierte Spiel zwischen Brasilien und Argentinien für die WM-Qualifikation ausgesetzt“, teilte Südamerikas Fußballverband Conmebol auf Twitter mit.
Der Weltverband FIFA würde eine Entscheidung treffen, nachdem seine Disziplinarkommission einen Bericht des Schiedsrichters und des Spielkommissars erhalten habe. Informationen über einen neuen Spieltermin oder den möglichen Punktverlust für eine der Mannschaften gab es zunächst nicht.
„Was heute passiert ist, ist bedauerlich für den Fußball“, schrieb der argentinische Verbandspräsident Claudio Tapia auf Twitter. „Wir wollten das Spiel spielen, die brasilianischen Fußballer auch. Es hätte ein Fest für alle sein sollen, um die besten Spieler der Welt zu genießen“, sagte Argentiniens Auswahltrainer Lionel Scaloni, der das Team zur Copa America geführt hatte.
Wenige Stunden vor dem Spiel hatte die Anvisa Quarantäne für die vier argentinischen Nationalspieler Martínez und Emiliano Buendía (beide Aston Villa) sowie Lo Celso und Romero (beide Tottenham Hotspur) angeordnet. Martínez, Romero und Lo Celso standen in der Startelf. Nur Buendía fehlte im Aufgebot.
Das Quartett war mit der argentinischen Nationalmannschaft aus Caracas nach Brasilien gekommen. Bei der Einreise gaben die England-Profis laut der Anvisa nicht an, dass sie in den vergangenen 14 Tagen im Vereinigten Königreich, Nordirland, Südafrika oder Indien gewesen sind. Ausländische Reisende, die in diesem Zeitraum dort waren, dürfen wegen der Coronabeschränkungen nicht nach Brasilien einreisen.
„Die Anvisa hält die Situation für ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko und hat daher den örtlichen Gesundheitsbehörden geraten, die sofortige Quarantäne der Spieler zu verhängen, denen die Teilnahme an jeglichen Aktivitäten untersagt ist“, hieß es in einer Mitteilung der Behörde.
Zudem sollten die Spieler nicht weiter auf brasilianischem Gebiet bleiben dürfen. Es gebe Gesundheitsgesetze, nach denen alle südamerikanischen Turniere gespielt würden, erklärte Tapia. „Die Gesundheitsbehörden jedes Landes haben ein Protokoll genehmigt, das wir in vollem Umfang eingehalten haben“, betonte der Verbandschef.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126997/Coronawirbel-Brasiliens-Gesundheitsbehoerde-sorgt-fuer-Spielabbruch
NEUSEELAND: Neuseeland hebt Lockdown nach drei Wochen auf – Deutsches Ärzteblatt, 6.9.2021
Neuseeland hebt den landesweiten Coronalockdown nach drei Wochen weitgehend wieder auf. Die Beschränkungen würden ab dem kommenden Mittwoch gelockert, sagte Ministerpräsidentin Jacinda Ardern heute. Lediglich in der Großstadt Auckland auf der Nordinsel, dem Zentrum des derzeitigen Ausbruchs, würden die Regeln zunächst weiter gelten, so Ardern.
Die Regierung in dem Inselstaat hatte am 18. August nach der Entdeckung eines einzigen Coronafalls einen landesweiten Lockdown verhängt. Ende August wurden zeitweise mehr als 80 Fälle am Tag verzeichnet. Mittlerweile ist die Zahl aber auf etwa 20 gesunken.
Einige Regeln sollen dennoch weiter bestehen bleiben. So müssen die Bürger jetzt in Innenräumen Masken tragen. Zudem dürfen sich in geschlossenen Räumen nur noch maximal 50 Personen versammeln, im Freien bis zu 100 Personen.
Neuseeland hat lange eine Null-COVID-Strategie verfolgt, so dass die Menschen weitgehend normal leben konnten – monatelang auch ohne obligatorische Masken. Die hochansteckende Delta-Variante habe „das Spiel aber verändert“, betonte Ardern. „Um das Virus zu schlagen, müssen wir jetzt auch unseren Spielplan ändern.“
Das Land im Südpazifik hat sich seit März 2020 weitgehend von der Außenwelt abgeschottet. Nur noch Staatsbürger und Menschen mit Wohnsitz im Land dürfen einreisen. Neuseeland gilt weltweit als Vorzeigestaat im Kampf gegen die Pandemie. Bislang wurden nur rund 3.700 Infektionen bestätigt, 27 Menschen sind in Verbindung mit COVID-19 gestorben. 1,3 Millionen der fünf Millionen Einwohner sind mittlerweile vollständig geimpft.
Erst vor wenigen Tagen hatte es erstmals seit mehr als sechs Monaten in Neuseeland einen Todesfall nach einer Infektion mit dem Coronavirus gegeben. In einem Krankenhaus in Auckland sei eine um die 90 Jahre alte Frau gestorben, teilte das Gesundheitsministerium mit.
Sie litt demnach noch an anderen Erkrankungen. Zuletzt hatte es in dem Pazifikstaat Mitte Februar einen Coronatoten gegeben. Insgesamt wurden bislang 27 Todesfälle nach einer Coronaansteckung registriert.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126984/Neuseeland-hebt-Lockdown-nach-drei-Wochen-auf
GROSSBRITANNIEN: Brexit beeinträchtigt britische Impfkampagne gegen Grippe – Mangel an LKW-Fahrern – Deutsches Ärzteblatt, 6.9.2021
Die Folgen des Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) beeinträchtigen die diesjährige britische Impfkampagne gegen die Grippe.
Der wichtigste Lieferant von Grippe-Impfstoff, der Konzern Seqirus, kündigte am vergangenen Samstag bedeutende Lieferengpässe wegen „unvorhergesehener Schwierigkeiten im Zusammenhang mit Verzögerungen im Straßengüterverkehr“ an. In England und Wales mussten Impftermine deshalb bereits um bis zu zwei Wochen verschoben werden.
Großbritannien sieht sich seit Wochen mit einem Mangel an Fernfahrern konfrontiert. Viele ausländische Arbeitskräfte insbesondere aus östlichen EU-Staaten hatten infolge des Brexit und wegen der Pandemie das Land verlassen. Dies führte bereits zu Problemen bei der Belieferung von Supermärkten und Gastronomiebetrieben. Dem Gesundheitssektor fehlen außerdem Materialien wie Reagenzgläser, was zur Absage von Blutuntersuchungen führte.
Dass nun auch Engpässe bei Grippeimpfstoff auf diese Problematik zurückzuführen seien, „ist äußerst beunruhigend“, sagte Richard Vautrey vom Ärzteverband British Medical Association. „Wir müssen die Regierung fragen, was sie genau unternimmt, um dieses Problem rasch zu lösen.“
London hatte erst kürzlich eine Rekordkampagne zur massenhaften Impfung gegen die Wintergrippe angekündigt. In den kommenden Wochen sollen demnach mehr als 35 Millionen Menschen geimpft werden.
Hintergrund ist, dass eine größere Grippe-Epidemie im vergangenen Winter wegen der Einschränkungen ausgeblieben war. „Wir wissen, dass wir bei geringer Grippeverbreitung im Vorjahr im darauffolgenden Jahr oft hohe Infektionsraten haben“, sagte Anthony Harnden vom wissenschaftlichen Ausschuss für öffentliche Impfkampagnen der BBC.
„Es ist also sehr wichtig, sich gegen Grippe impfen zu lassen, und zwar so früh wie möglich“, sagte der Mediziner. Die Verzögerungen bei den Impfstofflieferungen seien „besorgniserregend“.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126986/Brexit-beeintraechtigt-britische-Impfkampagne-gegen-Grippe
GROSSBRITANNIEN: Britische Impfkommission wegen begrenzter Impfempfehlung für 12- bis 15-Jährige in der Kritik – Deutsches Ärzteblatt, 6.9.2021
Die Entscheidung des „Joint Committee on Vaccination and Immunisation“ (JCVI), das sich gegen eine generelle Coronaimpfung von 12- bis 15-Jährigen ausgesprochen hat, ist bei britischen Experten auf Kritik gestoßen. Dem JCVI wird vorgehalten, die Gefährdung der Jugendlichen durch ein Long-COVID-Syndrom zu ignorieren und die Rolle der Kinder als Überträger zu unterschätzen.
Auch in anderen Ländern sind Impfkommissionen für Überraschungen gut. Die meisten Experten hatten erwartet, dass das JCVI, das die Gesundheitsminister im Vereinigten Königreich berät, am vergangenen Freitag ihre Impfempfehlung gegen SARS-CoV-2 auf alle Jugendlichen im Alter von 12 bis 15 Jahren ausweitet.
Stattdessen bleiben die unabhängigen Berater bei ihrem Standpunkt, dass in der Altersgruppe nur jene Gruppen geimpft werden sollten, die ein erhöhtes Risiko haben, im Fall einer Infektion schwer zu erkranken.
Das JCVI hat diese Gruppe allerdings erweitert. Bisher war nur zur Impfung von Kindern mit schweren neurologischen Behinderungen, von Kindern mit Down-Syndrom, bei schweren Abwehrschwächen und von Kindern mit tiefgreifenden Lernbehinderungen geraten worden. Jetzt sind Kinder mit hämatologischen Krebserkrankungen, Sichelzellanämie, Typ 1-Diabetes und angeborenen Herzfehlern hinzugekommen (die in der Pressemitteilung detailliert aufgezählt werden).
Eine allgemeine Impfempfehlung aller 12- bis 15-Jährigen wird mit dem Hinweis auf potenzielle myokardiale Schäden abgelehnt. Eine Myokarditis sei zwar ein äußerst seltenes unerwünschtes Ereignis. Die mittel- bis langfristigen Auswirkungen seien jedoch unbekannt. Diesem Risiko steht aus Sicht des JCVI ein sehr geringer Nutzen durch den Impfschutz gegenüber. Denn das Risiko, im Fall einer Infektion mit SARS-CoV-2 an COVID-19 zu erkranken, sei für 12- bis 15-Jährige sehr gering.
Nathalie MacDermott vom King’s College London kritisiert mit Blick auf die CLoCK-Studie, dass das JCVI das Risiko eines Long COVID bei den Kindern nicht bedacht habe. Während nur schätzungsweise 1 von 20.000 geimpften Jugendlichen eine Myokarditis entwickele, würden 1 von 7 Patienten nach einer akuten Erkrankung an einem Long COVID leiden. Hospitalisierung und Tod seien nicht die einzigen Kriterien, die bei der Abschätzung der Risiken bedacht werden sollten, findet MacDermott.
Simon Clarke von der University of Reading weist darauf hin, dass Kinder nicht nur zum Schutz ihrer eigenen Gesundheit geimpft werden. So könnten Kinder ab einem Alter von 4 Jahren gegen Grippe geimpft werden. Dies geschehe in erster Linie, um eine Übertragung und damit Krankheiten und Todesfälle bei Erwachsenen zu verhindern.
Kinder würden in erster Linie gegen Röteln geimpft, um eine Infektion von schwangeren Frauen zu verhindern, da das Virus eine Fehlgeburt auslösen könne oder die Kinder mit Seh- oder Hörproblemen sowie Hirn- oder Herzschäden geboren würden. Jungen würden heute vor allem gegen humane Papillomaviren geimpft, um ihre späteren Sexualpartnerinnen vor einem Zervixkarzinom zu schützen.
Der Impfstoffexperte Peter English aus Horsham/England findet, dass Kinder indirekt von einer Impfung profitieren, wenn diese die Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen früher beende. Die Impfung von Kindern würde sekundäre Erkrankungen bei Lehrern, Eltern oder Betreuern verhindern und die Auswirkungen minimieren, die der Ausfall des Schulunterrichts auf die Entwicklung der Kinder haben könne.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126991/Britische-Impfkommission-wegen-begrenzter-Impfempfehlung-fuer-12-bis-15-Jaehrige-in-der-Kritik
SPANIEN: Mallorca lockert Coronaregeln: Nächtliche Partys wieder erlaubt – Deutsches Ärzteblatt, 6.9.2021
Angesichts fallender Coronazahlen werden die Coronarestriktionen auf Mallorca weiter gelockert. Seit heute dürfen wieder Personen aus verschiedenen Haushalten zu nächtlichen Partys zusammenkommen, teilte die Regionalregierung der zu Spanien gehörenden Mittelmeerinsel gestern mit. Seit Ende Juli waren solche Treffen zunächst zwischen 1 Uhr und 6 Uhr verboten, später ab 2 Uhr.
In Gaststätten dürfen im Innenbereich künftig zudem wieder bis zu acht Personen an einem Tisch bewirtet werden, im Außenbereich bis zu zwölf Personen, wie aus dem regionalen Amtsblatt hervorgeht. Auf Ibiza mit etwas höheren Coronazahlen, das wie Mallorca, Formentera und Menorca zu den Balearen gehört, bleibt das Party-Verbot vorerst in Kraft.
Die Sieben-Tage-Inzidenz auf den Balearen beträgt nach neuen Zahlen des spanischen Gesundheitsministeriums von Freitagabend bei fallender Tendenz 88 und liegt damit in etwa genauso hoch wie in Deutschland.
Rund 17 Prozent der Betten auf Intensivstationen der Inseln sind mit Corona-Patienten belegt. Bei der Impfrate liegt Spanien vor Deutschland. Landesweit sind 71,5 Prozent vollständig geimpft und 77 Prozent haben mindestens eine Impfdosis erhalten. Für die Balearen liegen diese Werte bei 67 Prozent beziehungsweise 70 Prozent.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/127017/Mallorca-lockert-Coronaregeln-Naechtliche-Partys-wieder-erlaubt
FRANKREICH: Frankreich: Weiter Proteste gegen den Gesundheitspass – Zwei Drittel der Franzosen befürworten Impfpass – Deutsches Ärzteblatt, 6.9.2021
Bei Protesten gegen den Gesundheitspass sind am Wochenende in mehreren französischen Städten rund 140.000 Menschen auf die Straßen gegangen. In der Hauptstadt Paris beteiligten sich nach Angaben des Innenministeriums am vergangenen Samstag rund 18.500 Menschen an den Demonstrationen, landesweit gab es 215 Protestaktionen.
Die Menschen protestierten gegen eine Regelung, die für die Teilnahme am öffentlichen Leben eine Coronaimpfung, -Genesung oder einen negativen Test vorschreibt. Zuletzt waren die Teilnehmerzahlen bei den Protesten jedoch rückläufig.
In Paris zogen die Menschen – größtenteils ohne Mund-Nase-Bedeckung – in mehreren Demonstrationszügen durch die Stadt. „Am Ende wird dieser Gesundheitspass gekippt“ sagte der Organisator der Proteste in der Hauptstadt, Florian Philippot, und kündigte an, „notfalls bis zum Generalstreik“ zu gehen.
Mehrere Demonstranten drangen in das Pariser Einkaufszentrum Les Halles ein, wodurch ein Polizeieinsatz ausgelöst wurde. Landesweit wurden bei den Protesten laut Polizei 21 Menschen festgenommen, darunter drei in Paris. Ein Polizist erlitt leichte Verletzungen.
In Marseille versammelten sich etwa 2.500 Demonstranten und zogen bei strahlendem Sonnenschein mit Fahnen und Bannern durch die Straßen. „Nein zur Diskriminierung. Nein zur Einschüchterung: Freiheit“, stand auf einem der Schilder. Aus Montpellier wurden etwa 7000 Demonstranten gemeldet, in Lyon waren es etwa 3.700.
Seit Mitte Juli gehen samstags landesweit zehntausende Menschen gegen die verschärften Coronaregeln in Frankreich auf die Straße. Zuletzt waren die Teilnehmerzahlen jedoch rückläufig: Am vergangenen Wochenende zählten die Behörden knapp 160.000 Demonstranten, vor drei Wochen waren es noch fast 215.000.
Laut einer aktuellen Umfrage des Unternehmens Odoxa Backbone, die von der Zeitung Le Figaro veröffentlicht wurde, befürworten 67 Prozent der Franzosen den Gesundheitspass. Eine mögliche Verlängerung der strikteren Corona-Regeln in Zusammenhang mit dem Pass steht am 15. November an.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126981/Frankreich-Weiter-Proteste-gegen-den-Gesundheitspass
SLOWENIEN: Coronaleugner stürmen slowenisches Staatsfernsehen – Deutsches Ärzteblatt, 6.9.2021
Eine Gruppe von Coronaleugnern und Impfgegnern ist am späten Freitagabend in das Gebäude des slowenischen Staatsfernsehens RTVS eingedrungen. Sie verlangten, dass der Sender ihre Meinung zu diesem Thema darstelle. Die Polizei beendete den Angriff umgehend und nahm 20 Eindringlinge im Nachrichtenstudio des Senders fest. wie die slowenische Nachrichtenagentur STA vorgestern berichtete.
„Dies ist ein inakzeptabler Angriff auf die Medien, den Journalismus und die Demokratie„, sagte die Nachrichtenredakteurin des Senders, Manica Janezic Ambrozic. Sloweniens Journalistenverband DNS erklärte, der Vorfall sei nur „die Spitze des Eisbergs“ in der „Hasskampagne“, die die Regierung von Ministerpräsident Janez Jansa gegen die Medien führe.
Jansa verurteilte den Vorfall. Er schrieb am Samstag bei Twitter: „Dies ist Gewalt gegen die Freiheit.“ Alles müsse getan werden „um jede Art willkürlicher und gewaltsamer Aneignung des öffentlichen Raums (…) sowie Drohungen zu verurteilen und zu bestrafen“.
Der Fernsehintendant Andrej Grah Whatmough bezeichnete den Vorfall als „schlimmen Angriff auf unser Medienunternehmen“ und kündigte erhöhte Sicherheitsmaßnahmen an.
Die Coronaleugner protestieren seit vier Monaten immer wieder vor dem Fernsehgebäude und belästigen dort dessen Angestellte. Das Problem sei, dass das Gelände vor dem Fernsehgebäude öffentlicher Grund und Boden sei, so dass die Protestierer berechtigt seien, sich dort zu versammeln, sagte Whatmough weiter.
Hinter dem Vorfall stehe eine Bewegung, die vom früheren Armeeoffizier Ladislav Troha geleitet werde, einem Veteranen des slowenischen Unabhägigkeitskriegs von 1991, berichtete STA weiter.
In Slowenien betrug die Inzidenz der Coronaneuansteckungen in den vergangenen 14 Tagen 257,3 pro 100l000 Einwohner. 50,8 Prozent der Slowenen haben den vollen Impfschutz.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126982/Coronaleugner-stuermen-slowenisches-Staatsfernsehen
DEUTSCHLAND: Umfrage: Mehrheit für strengere Coronaregeln für Ungeimpfte – Deutsches Ärzteblatt, 6.9.2021
Mögliche striktere Coronabeschränkungen für Ungeimpfte als für Geimpfte etwa beim Zugang zu Veranstaltungen in Innenräumen treffen laut einer Umfrage mehrheitlich auf Zustimmung.
In der Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov befürworteten es 58 Prozent, wenn für Ungeimpfte strengere Regeln gelten würden – 28 Prozent halten dagegen gleiche Regeln wie für Geimpfte und Genesene für richtig. Weitere neun Prozent der Befragten gaben an, alle Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronapandemie abzulehnen.
Mit Blick auf Herbst und Winter gilt für bestimmte Innenräume wie Veranstaltungen und die Gastronomie bundesweit die so genannte 3G-Regel: Zugang nur mit Nachweis als Geimpfter, Genesener oder negativ Getesteter. Im Gespräch ist aber auch die teils schon angewandte 2G-Regel, also Zugang nur für Geimpfte oder Genesene.
Die Zustimmung hierzu steigt laut der Umfrage mit dem Alter. Demnach befürworten 71 Prozent der Befragten ab 60 Jahre strengere Regeln für Ungeimpfte bei 18- bis 29-Jährigen sind es 36 Prozent.
Dabei sind unter Älteren auch mehr Menschen bereits geimpft. Gleiche Regeln für Geimpfte, Genesene und Ungeimpfte treffen bei jüngeren Leuten bis 29 Jahre auf die höchste Zustimmung (49 Prozent). Unter Älteren ab 60 Jahren befürworten dies weniger als 20 Prozent.
Unterschiede gibt es laut der Umfrage auch regional: Strengere Regeln für Ungeimpfte unterstützen im Westen Deutschlands 60 Prozent der Befragten, im Osten 49 Prozent. Bei den Impfquoten liegen die meisten ostdeutschen Länder im Bundesvergleich hinten.
Für die Umfrage wurden den Angaben zufolge 2022 Menschen ab 18 Jahren zwischen dem 27. und 31. August befragt.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/127001/Umfrage-Mehrheit-fuer-strengere-Coronaregeln-fuer-Ungeimpfte
DEUTSCHLAND: COVID-19-Zahlen in Uni-Klinik Essen steigen deutlich – Deutsches Ärzteblatt, 6.9.2021
In der Universitätsklinik Essen, die bundesweit zu den größten Coronabehandlungszentren zählt, sind die COVID-19-Zahlen im Juli und August deutlich angestiegen.
Drei Viertel der 142 COVID-19-Patienten aus diesem Zeitraum seien dabei ungeimpft gewesen, sagte der Vorstandsvorsitzende des Klinikums, Jochen A. Werner,. „Die vierte Welle nimmt Fahrt auf. Diese Welle wird eine der besonderen Art, sie wird eine Welle der Ungeimpften“, sagte der Klinikchef.
Er gehe von weiter steigenden Zahlen aus – mit Folgen für den gesamten Klinikbetrieb. „Wenn die stationär zu behandelnden COVID-19 Erkrankten stärker zunehmen, ist eine Auswirkung auf die Versorgung von Patienten mit allen anderen Krankheitsbildern nicht mehr lange auszuschließen“, sagte der Klinikchef.
Am 1. September seien in der Klinik 32 COVID-19-Patienten stationär behandelt worden, davon 18 auf Intensivstationen. Am 3. Septmeber waren es bereits 40 Patienten, davon 23 auf der Intensivstation. Im Juni seien es noch zwischen vier und sechs COVID-Patienten gewesen, am 20. August bereits 21 Patienten, davon neun auf der Intensivstation.
„Die eindeutige Zunahme an Infektionen bei Ungeimpften spricht für sich. Den Menschen muss klar sein: Wer nicht geimpft ist, wird irgendwann sich infizieren und in einem Teil der Fälle erkranken, mitunter lebensgefährlich“, warnte Werner. Dann drohten auch Folgeschäden, deren Ausmaß heute definitiv noch nicht abzuschätzen seien.
Unter den Patienten vom Juli und August seien etwa 15 Prozent über 70 Jahre alt gewesen. Die Hälfte war jünger als 50 Jahre. Neben den 75 Prozent nicht geimpften Menschen waren laut den Angaben elf Prozent unvollständig und 13 Prozent vollständig geimpft.
Werner fordert zur Debatte um weitere Einschränkungen für nicht Geimpfte klare bundesweite geltende Vorgaben der Politik. Die Entscheidung über 2G oder 3G dürfe nicht einzelnen Gastwirten überlassen werden.
Außerdem müsse die Ständige Impfkommission (STIKO) sich schnell zur Planung der dritten Impfung äußern, damit „ohne weitere Verunsicherung“ festgelegt werden könne, wer die Impfung wann bekomme.
Krankenhausverantwortliche müssten darüber informiert sein, welche Mitarbeiter nicht geimpft sind und demzufolge ein potenzielles Risiko für Patienten beispielsweise mit einer verringerten Immunabwehr darstellten, forderte Werner.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126999/COVID-19-Zahlen-in-Uni-Klinik-Essen-steigen-deutlich
DEUTSCHLAND: Angriff auf Coronaimpfteam in Gera, KV erwägt verschärften Schutz – Deutsches Ärzteblatt, 6.9.2021
Nach einem Angriff auf ein mobiles Coronaimpfteam in Thüringen erwägt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) verschärfte Schutzvorkehrungen für das Impfpersonal. „Wahrscheinlich werden wir künftig Security dazu buchen“, sagte der KV-Pandemiestabsleiter Jörg Mertz.
Dies solle gemeinsam mit den Impfteams besprochen werden. Bislang seien die mobilen Impfteams nicht von Sicherheitspersonal begleitet worden. „Das brauchten wir bisher auch nicht.“ Der Angriff eines Mannes am vergangenen Samstag in Gera sei der erste auf Impfpersonal in Thüringen seit Beginn der Immunisierungskampagne gewesen.
Bei dem Angriff in Gera waren laut KV zwei medizinische Fachangestellte verletzt worden. Nach ihren Angaben hatte der Mann am Nachmittag im Einkaufszentrum Gera Arcaden eine Impfbescheinigung verlangt, wollte sich aber nicht impfen lassen. Als die Mitarbeiter ihm die Bescheinigung verweigerten, schlug er auf sie ein. Sie wurden in einem Krankenhaus behandelt. Mertz zufolge konnten sie aber bereits am vergangenen Samstag wieder entlassen werden.
Die Daten des Mannes waren laut KV bekannt, da er sich bei der Impfaktion habe registrieren lassen. Der Mann sei bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten, sagte ein Polizeisprecher. Polizisten hatten ihn in einem Parkhaus gestellt, gegen ihn laufe eine Anzeige. Er sei auf freiem Fuß. Auch er soll im Einkaufszentrum leicht verletzt worden sein, hieß es von der Polizei. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass er bei der Tat eine Waffe benutzt habe.
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und Gesundheitsministerin Heike Werner (beide Linke) verurteilten die Tat. „Eine unfassbare Schande“, schrieb Ramelow im Kurznachrichtendienst Twitter. Menschen, die sich für „unsere Gesundheit“ einsetzten, würden täglich angegriffen.
„Aus der Hetze der Impfgegner werden Taten“, erklärte Werner. „Das können wir als Gesellschaft nicht akzeptieren. Unsere Impfteams sind unterwegs, damit sich Menschen vor der Infektion mit dem heimtückischen Virus schützen können.“ Dass diese Arbeit bedroht und gewalttätig attackiert werde, mache sie „sehr wütend“.
Auch die KV-Vorsitzende Annette Rommel verurteilte den Angriff „auf das Schärfste“, wie sie gestern Abend mitteilte. „Es ist unfassbar, dass Menschen, die die Coronapandemie hochgradig engagiert in vorderster Front bekämpfen, angegriffen werden.“
Geras Oberbürgermeister, Julian Vonarb (parteilos), sprach von einer deutlichen Grenzüberschreitung. „Ich bin schockiert über die Gewaltbereitschaft von einzelnen Menschen in unserer Gesellschaft“, sagte er laut Mitteilung. Er hoffe, dass der Täter schnell deutliche Konsequenzen erfahre.
Die Impfaktion in Gera wurde nach der Tat abgebrochen, bis zum Vorfall waren 120 Menschen geimpft worden. Die Aktion soll der KV zufolge wiederholt werden. Landesweit boten am Wochenende auch alle regionalen Impfstellen und das Impfzentrum auf der Erfurter Messe neben Immunisierungen mit Termin auch spontane Impfungen an. Allein am Samstag wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums mehr als 4.100 Menschen gegen COVID-19 gespritzt.
Heute starten in Thüringen auch die Auffrischungsimpfungen in den Pflegeheimen. Dafür wurde die Zahl der mobilen Teams von bislang 15 auf 25 aufgestockt. Ein erstes Team ist in einem Pflegeheim in Eisenach im Einsatz.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126978/Angriff-auf-Coronaimpfteam-in-Gera-KV-erwaegt-verschaerften-Schutz
ÖSTERREICH: Intensivmediziner sieht Gefahr für vierten Lockdown – „Alle sind ungeimpft und alle unter 60 Jahren“ – Ärzte und Pflegekräfte frustriert über Impfunwillige – Science-APA, 6.9.2021
Der Intensivmediziner Walter Hasibeder sieht „durchaus die Gefahr, dass man in einen vierten Lockdown geht“, wenn die Durchimpfungsrate weiterhin bei rund 60 Prozent bleibt. Auch ohne eine Überlastung der Intensivstationen könnten zudem „in großem Maß Planoperationen wieder abgesagt werden müssen“, warnte der Präsident der Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) gegenüber der APA. Derzeit sei eher die Belegung der Normalbetten ein Problem.
„Das kann sicher bald der Fall sein“, sagte Hasibeder dazu, dass etwa orthopädische oder unfallchirurgische Operationen verschoben werden müssten. In den heimischen Krankenhäusern lagen am Freitag 543 Patienten mit Covid-19. Davon benötigten 149 Menschen eine Intensivbetreuung, ein Anstieg von 45 Patienten innerhalb einer Woche. „Wir nähern uns der 200er-Marke“, sagte Hasibeder. Bei etwas mehr als 2.000 Intensivbetten in Österreich wären das zehn Prozent Auslastung mit Infizierten. „Gefährlich wird es dann, wenn man zehn bis 30 Prozent der Betten mit Covid-Patienten auffüllt“.
„Im Moment viel interessanter“ als nur die Auslastung der Intensivstationen sei aber die Zahl der Hospitalisierungen insgesamt – „und wenn die steil nach oben geht, muss man Maßnahmen verschärfen, das ist gar keine Frage“, meinte Hasibeder im Gespräch mit der APA. Zu überlegen sei wieder eine Maskenpflicht in geschlossenen Räumen. „Klar wird man weiter viel testen müssen“, forderte Hasibeder. Er riet dazu, dass man die Testungen, „wenn man schon keine Impfpflicht machen will, kostenpflichtig macht“.
*** „Alle sind ungeimpft und alle unter 60 Jahren“ ***
Nachdem die ältere, vulnerable Bevölkerung zum Großteil geschützt ist und jüngere oft weniger schwer erkranken, habe sich in anderen Ländern bereits gezeigt, dass zunächst Normalstationen überfüllt waren, erläuterte der Ärztliche Leiter der Anästhesie und Operativen Intensivmedizin am Tiroler Krankenhaus St. Vinzenz in Zams. Die Krise habe sich auf eine „Pandemie der Ungeimpften“ reduziert. In seinem Spital würden aktuell fünf SARS-CoV-2-Infizierte auf der Normalstation und ein Covid-Patient intensiv behandelt, „alle sind ungeimpft und alle unter 60 Jahren“, betonte Hasibeder.
Der Arzt warnte jedoch auch die Jüngeren vor der ansteckenderen und häufig schwerer verlaufenden Delta-Variante und generell vor einer Infektion. Die ersten Wochen nach einer Covid-19-Erkrankung bestehe etwa ein höheres Risiko für einen Herzinfarkt und für mehrere Monate auch an neuaufgetretener Diabetes zu erkranken, berichtete Hasibeder. Zudem hätten auch 16- bis 30-Jährige laut einer norwegischen Studie zu über 50 Prozent ein halbes Jahr nach der Erkrankung immer noch Symptome wie Geruchs- und Geschmacksstörungen, gefolgt von Erschöpfung und – am dritthäufigsten – Konzentrationsstörungen.
*** Ärzte und Pflegekräfte frustriert über Impfunwillige ***
Der ÖGARI-Präsident hat „kein Verständnis dafür“, dass sich viele Menschen nicht impfen lassen. „Was man sieht, ist ein gewisser Frust beim Pflegepersonal“, berichtete er auch von Kollegen. Dieses beschäftige die Frage, warum sich Menschen nicht impfen lassen, warum sie schwer erkranken und im Krankenhaus behandelt werden müssen. Das sei eine Belastung für Pflegekräfte, die nun wieder in voller Schutzausrüstung arbeiten, sagte Hasibeder. „Bitte lassen Sie sich impfen. Es ist keine harmlose Erkrankung, sondern unter Umständen eine sehr, sehr schwere Erkrankung, die einem möglicherweise lange bleibt, wenn man sie überlebt.“
Ob die Grippesaison wie im Vorjahr ausbleibt oder diesen Winter eine zusätzliche Belastung für die Spitäler werden könnte, ist laut Hasibeder davon abhängig, welche Influenza-Stämme vorherrschend sein werden und ob diese hoch ansteckend sind. Eine möglicherweise erneut verschärfte Maskenpflicht sei jedenfalls auch „eine der besten Schutzmaßnahmen gegen die Influenza“.
QUELLE: https://science.apa.at/power-search/17618900065250507809
ÖSTERREICH: Kinderklinikchef und Epidemiologe für Schul-Quarantäneregeln – Nach fünf Tagen Möglichkeit zum „Freitesten“ – „Frühwarnsystem“ über „Wächter“-Schulen gut – Risiko-Nutzen-Abwägung fällt für Impfung aus – Science-APA, 6.9.2021
Was bei einem Corona-Fall im Klassenzimmer zu tun ist – also wer und wie viele Kinder und Jugendliche dann wie lange zu Hause bleiben müssen – entscheidet im anlaufenden neuen Schuljahr die lokale Gesundheitsbehörde. Der Direktor der Innsbrucker Kinderklinik Thomas Müller sowie der Epidemiologe Peter Willeit von der Medizinischen Universität Innsbruck pochen aber im APA-Interview auf einheitliche Regeln und plädieren dafür, dass nicht die gesamte Klasse in Quarantäne muss.
Vielmehr sehen sie die Lösung in regelmäßigen PCR-Tests und dem Tragen von FFP2-Masken von nicht geimpften K1-Schülern, während gesunde Geimpfte ohne PCR-Tests weiter den Unterricht besuchen. Die beiden Forscher waren auch an der Durchführung der Schul-Antigenstudie beteiligt. Hier wurde beobachtet, dass häufige Cluster in Klassen eher die Ausnahme bildeten. Inwieweit die ansteckendere Delta-Variante diese Erkenntnis revidieren wird, sei aber noch offen, gaben sie zu bedenken.
Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) begrüßte in einer Aussendung den Vorschlag, bei einem positiven Test nicht die ganze Klasse in Quarantäne zu schicken: „Unsere Gurgelstudie hat gezeigt, dass Cluster in Klassen die Ausnahme bilden. Wir haben mit flächendeckenden PCR-Tests an allen Schulen, mit dem Abwasser-Frühwarnsystem und zahlreichen Impfangeboten ein umfangreiches und europaweit einzigartiges Sicherheitskonzept geschaffen.“
*** Nach fünf Tagen Möglichkeit zum „Freitesten“ ***
Müller fehle aber aus kinderärztlicher Sicht eine einheitliche Quarantäneregelung, sagte er. Er schlug daher vor: Bei einem positiven Fall in einer Klasse sollen alle Kinder eine Maske aufsetzen und bis Unterrichtsende dort bleiben. Immerhin müssen die Kinder ja betreut werden und Eltern können nicht immer sofort den Arbeitsplatz verlassen. Anschließend werden PCR-Tests durchgeführt, die negativ getesteten Kinder dürfen mit einer FFP2-Maske in den Unterricht zurückkehren. Gesunde und geimpfte bzw. genesene Kinder können ohne PCR-Test weiter in der Klasse bleiben. Bis zu zehn Tage könne dann ein PCR-Test-Intervall von 48 Stunden durchgezogen werden. Sollten aber etwa drei Schüler positiv getestet werden – unter der Annahme von einer Klassengröße von 25 Kindern – dann müssen alle Kinder in eine „Kurzquarantäne“. Diese wurde kürzlich wieder vom deutschen SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach ins Spiel gebracht. Nach fünf Tagen soll es dann die Möglichkeit zum „Freitesten“ geben.
Für Müller war klar: „Wir werden nicht jede Infektion in den Schulen vermeiden können. Sonst müssen wir die Schulen zulassen und das will niemand“. Wenn man ein Testprogramm in den Schulen habe, sei das sehr sinnvoll. „Aber man muss die Konsequenzen durchdenken, das müssen wir im medizinischen Alltag auch machen“, kritisierte er fehlende Vorgaben von Bildungs- und Gesundheitsministerium.
Wie aus der Schul-Gurgelstudie – bei der die Aussagekraft von „Nasenbohrer“-Antigentests mittels PCR-Tests kontrolliert wurde – hervorging, wurden bei den Selbsttests nur etwa zehn bis 30 Prozent der infizierten Schüler entdeckt, bei Lehrern lag der Anteil mit 25 bis 60 Prozent höher. „PCR-Tests sind der Goldstandard“, merkte Willeit an, der aber auf organisatorische Herausforderungen bei dieser Testmethode verwies. Mit regelmäßigen Antigen-Selbsttest könne man aber einen Teil der Infektionsketten erfolgreich erkennen und durchbrechen, sagte der Epidemiologe.
*** „Frühwarnsystem“ über „Wächter“-Schulen gut ***
Willeit beurteilte das „Frühwarnsystem“ über die „Wächter“-Schulen, bei denen das Infektionsgeschehen beobachtet werde, als grundsätzlich gut. Dadurch erhalte man eine repräsentative Stichprobe, man könne dadurch „gewisse Trends“ erkennen. Allerdings konnte er mit der Maßnahmenverschärfung, die mit einer risikoadjustierten Sieben-Tage-Inzidenz von 100 einhergeht, wenig anfangen. Diese sei „relativ schwierig zu interpretieren“. Viel aussagekräftiger wäre es, auf die altersspezifischen Inzidenzen – also jene der Kinder und Jugendlichen – zu schauen. Eine Gruppe, die bisher mangels Zulassung der Impfstoffe für Unter-12-Jährige, mehrheitlich noch nicht geimpft ist.
Für alle Kinder über zwölf Jahren sprach Müller eine eindeutige Empfehlung aus, sich impfen zu lassen. Man habe mittlerweile „zigmillionenfache Erfahrungen aus Kanada, den USA und Europa“. „Schwere Nebenwirkungen hat es nicht gegeben“. Sollte in sehr seltenen Fällen eine milde Herzmuskelentzündung auftreten, könne diese „in wenigen Tagen gut ausheilen“, informierte er.
*** Risiko-Nutzen-Abwägung fällt für Impfung aus ***
Die Risiko-Nutzen-Abwägung falle eindeutig für die Impfung aus, denn neben der akuten Infektion – in den USA wird vermehrt von schweren aktuen Verläufen bei Kindern berichtet – spielen auch das Hyperinflammationssyndrom und Long Covid bei Kindern und Jugendlichen eine Rolle. In welchem Ausmaß Letzteres auftrete, sei allerdings noch schwer zu sagen – auch weil die Symptome nicht immer eindeutig auf eine durchgemachte Corona-Infektion zurückzuführen seien.
Durch den Anstieg der Corona-Infektionen in den vergangenen Wochen sei es bis heute zu keiner Häufung von stationären Aufnahmen aufgrund von Infektionen bei Kindern gekommen, berichtete Müller. Er ging auch nicht davon aus, dass dies noch bevorstehe – man müsse dies aber österreichweit genau beobachten. „Wir haben in der starken zweiten Welle vergangenen November zwar eine Zunahme der Hospitalisierungen gesehen, aber das war in Summe sehr wenig“. Man verzeichne an der Innsbrucker Kinderklinik seit Monaten fast keine Aufnahmen mehr aufgrund einer Covid-19-Infektion.
QUELLE: https://science.apa.at/power-search/11205874811027080433
5.9.2021, Sonntag
4.9.2021, Samstag
3.9.2021, Freitag
WISSEN: APA-Faktencheck: Impfdurchbrüche gab es schon vor der Covid-Impfung – Science-APA, 3.9.2021
Begriffe wie „asymptomatische Infektion“ oder „Impfdurchbruch“ sind durch die aktuelle Corona-Pandemie in aller Munde. In Fachkreisen waren sie allerdings schon seit Jahrzehnten Gesprächsthema und Forschungsgebiet. Genau dies stellen derzeit zahlreiche Corona-Skeptiker und Impfkritiker infrage.
„Medizinisches Wunder!!!! Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit kann man eine Krankheit, die man nicht hat, an jemanden übertragen, der dagegen geimpft ist“, heißt es in einem viralen Sharepic. Diese Behauptung wurde in den vergangenen Tagen Tausende Male geteilt, wie Social Media-Postings belegen (1).
Einschätzung: Covid-19 ist nicht die erste Krankheit, die auch dagegen geimpfte Personen bekommen können. Auch das Risiko von Übertragungen durch asymptomatisch Infizierte ist von anderen Krankheiten bekannt.
*** Überprüfung ***
Der geteilte Text beinhaltet zwei Faktenbehauptungen. Zum einen soll es nun erstmals der Fall sein, dass eine Krankheit auch an Geimpfte übertragen werden kann. Zum anderen soll man nun erstmals eine Krankheit übertragen können, die man „nicht hat“.
*** Asymptomatische und präsymptomatische Infektionen ***
Doch auch Nicht-Erkrankte können den Erreger übertragen. Das liegt daran, dass es zwischen „nicht infiziert“ und „erkrankt“ mehrere Zwischenstufen gibt. Wenn man nicht symptomatisch infiziert ist, heißt das nicht, dass man nicht infiziert ist. Ein Mensch kann auch asymptomatisch infiziert sein und keine sichtbare Reaktion auf das Virus entwickeln. Er könnte auch präsymptomatisch infiziert sein und noch vor seiner Erkrankung das Virus ausscheiden (2).
Daher lassen sich auch Krankheitserreger übertragen, die bei anderen Menschen zu Erkrankungen führen könnten, obwohl man selbst nicht erkrankt ist. Dies ist nicht erst seit SARS-CoV-2 so, sondern auch bei anderen Krankheitserregern der Fall.
*** Bei Grippe, RSV und HIV ***
Eine im Jahr 2014 publizierte Studie wertete sechs Influenza-Saisonen in England aus und kam zu dem Ergebnis, dass rund dreiviertel aller Infektionen asymptomatisch verlaufen (3). Auf die Frage, inwiefern diese asymptomatischen Fälle zum Infektionsgeschehen beitragen, meint Peter William Hornby, Infektiologe an der Universität Oxford, in einem Kommentar zu der Studie (4), dass selbst bei milden oder asymptomatischen Infektionen ein großer Anteil an Nicht-Erkrankten einen erheblichen Beitrag zur Übertragung beisteuern könnte.
Asymptomatische Übertragungen spielen laut Robert-Koch-Institut (RKI) auch bei Respiratorischen Synzytial-Viren (RSV) eine Rolle (5). Bei HIV bildet eine monate- oder sogar jahrelange asymptomatische Infektionsphase bei Infizierten laut Infektiologikum Frankfurt die Basis für weitere Neuinfektionen und ist einer der Gründe, warum die Zahl der HIV-Infizierten nicht sinkt (6).
Das Fachwörterbuch für Infektionsschutz und Infektionsepidemiologie des RKI (7) spricht in diesen Fällen von Ausscheidern bzw. Keimausscheidern. Darunter verstehe man eine „Person, die mit einem bestimmten Infektionserreger infiziert, aber nicht erkrankt ist, und die diesen Erreger z. B. über den Magen-Darm-Trakt oder den oberen Respirationstrakt nach außen abgibt („ausscheidet“), sodass sie bei normalen sozialen Kontakten oder durch praktisch mögliche Übertragungsvorgänge zu einer Infektionsquelle für andere bzw. für die Allgemeinheit werden kann.“
*** Impfdurchbrüche bei mehreren Krankheiten ***
Bei Impfdurchbrüchen, also vor allem symptomatische Infektionen trotz Impfung gegen den Krankheitserreger, handelt es sich ebenfalls um kein neues Phänomen. So ist etwa auf der Webseite des RKI ein Hinweis zu lesen, dass es sogenannte „Impfversager“ auch bei der Influenza-Impfung gäbe. Häufig verliefen diese allerdings mit milden Krankheitssymptomen oder sogar unbemerkt (8).
Impfdurchbrüche treten auch etwa bei der Masern-Impfung (9), der Keuchhusten-Impfung (10), der Hepatitis-Impfung (11), der Windpocken-Impfung (12) oder der FSME-Impfung (13) auf. Impfungen bieten einen guten Schutz vor Erkrankungen, können aber nicht zu hundert Prozent schützen. Zur Wirksamkeit der Covid-Impfung wurden bereits einige APA-Faktenchecks (14) publiziert.
QUELLE: https://science.apa.at/power-search/18242420622548784717
MEDIZIN: Long COVID: Viele Teenager haben nach 3 Monaten noch Symptome – Deutsches Ärzteblatt, 3.9.2021
In einer landesweiten Befragung der Gesundheitsbehörde Public Health London gaben Jugendliche 3 Monate nach einem positiven PCR-Test auf SARS-CoV-2 zu 14 % häufiger 3 oder mehr gesundheitliche Beschwerden an als eine Kontrollgruppe, bei denen der Test negativ ausgefallen war. Die häufigsten möglichen Post-COVID-Symptome waren laut dem Preprint Müdigkeit, Kurzatmigkeit und Kopfschmerzen.
Infektionen mit SARS-CoV-2 verlaufen bei Kindern und Jugendlichen meistens milde. Das bedeutet allerdings nicht, dass es niemals Symptome gibt. Von den 3.065 positiv getesteten Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahren, die einen Fragebogen von Public Health London zurückschickten, erinnerten sich 35,4 % daran, zum Zeitpunkt der Infektion mindestens 1 Symptom gehabt zu haben, insgesamt 30,6 % gaben 3 oder mehr Symptome an. In einer Kontrollgruppe von 3.739 negativ getesteten Kindern waren es 8,3 % und 6,2 % (die Ursache dürften andere Erkrankungen oder eine in diesem Alter nicht ungewöhnliche Empfindsamkeit sein).
Die Jugendlichen hatten den Fragebogen im Rahmen der „CLoCk“-Studie („Children and young people with Long COVID“) 3 Monate nach dem Test zugeschickt bekommen. Public Health London hatte ihn an alle 234.803 11- bis 17-Jährigen verschickt, bei denen zwischen September 2020 und März 2021 ein Test auf SARS-CoV-2 durchgeführt worden war. Die Rücklaufquote betrug damit 13,4 %.
Insgesamt 66,5 % der Test-Positiven und 53,4 % der Test-Negativen klagten über mindestens 1 Symptom, und 30,3 % der Test-Positiven und 16,2 % der Test-Negativen gaben mindestens 3 Symptome an.
Die Differenz könnte der Anteil der Kinder sein, die nach einer Infektion an Long COVID erkranken. Terence Stephenson vom Great Ormond Street Institute und Mitarbeiter legen ihrer Definition mindestens 3 Symptome zugrunde und kommen auf 14 % der Teenager, die nach SARS-CoV-2 an Long-Covid erkrankt wären.
Die häufigsten Symptome waren Müdigkeit, Kurzatmigkeit und Kopfschmerzen und, über die nach 3 Monaten 36,6 %, 21,6 % und 21,5 % der Test-Positiven klagten gegenüber 22,9 %, 9,9 % und 13,4 % der Test-Negativen. Bei den Zahlen ist zu bedenken, dass es sich um subjektive Angaben der Befragten handelt. Der Kurzatmigkeit muss (vor allem bei den Test-Negativen) nicht unbedingt eine objektive Störung der Lungenfunktion zugrunde liegen.
Die Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden waren offenbar gering. In 2 Standardfragebögen („Strengths and Diffulties Questionnaire“ und „Warwick Edinburgh Mental Wellbeing Scale“) erzielten die Test-Positiven nach 3 Monaten keine schlechteren Ergebnisse als die Test-Negativen.
Auch im „Chalder Fatigue Questionnaire“, der die Abgeschlagenheit misst, gab es keine größeren Unterschiede. Auffallend ist, dass in einem Fragebogen auch 40 % der Test-Negativen angaben, sich besorgt, traurig oder unglücklich zu fühlen. Auch wenn die Pubertät und Jugend häufig eine psychisch belastende Lebensphase ist, ist dies ein hoher Anteil, der darauf hindeutet, dass die Pandemie die Lebensqualität aller Jugendlichen stark beeinträchtigt.
Ein wichtiger Einwand gegen die Zahlen ergibt sich aus der niedrigen Rücklaufquote von 13,4 %. Es ist möglich, dass bevorzugt Teenager geantwortet haben, die unter Residualsymptomen von SARS-CoV-2 leiden. Im Extremfall – wenn nur symptomatische Teenager geantwortet hätten – würden nur etwa 1,2 % (13,4 % von 14 %) unter einem Long COVID leiden. Die echte Prävalenz dürfte zwischen den beiden Zahlen liegen.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126972/Long-COVID-Viele-Teenager-haben-nach-3-Monaten-noch-Symptome
MEDIZIN: Baricitinib senkt COVID-19-Sterberisiko in Phase-3-Studie – Deutsches Ärzteblatt, 3.9.2021
Der Jak-Inhibitor Baricitinib, der in Deutschland derzeit nicht zur Behandlung von COVID-19 empfohlen wird, hat in der Phase-3-Studie COV-BARRIER zwar im primären Endpunkt, dem Fortschreiten zur Sauerstoffbehandlung („high-flow“ oder Beatmung), keine signifikante Verbesserung erzielt. Es kam jedoch zu einem deutlichen Rückgang der Sterblichkeit auch bei Patienten, die bereits mit Steroiden behandelt wurden. Die im April als Pressemitteilung kommunizierten Ergebnisse wurden jetzt in Lancet Respiratory Medicine (2021; DOI: 10.1016/S2213-2600(21)00331-3) publiziert.
Baricitinib wurde 2017 zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis zugelassen. Der Jak-Inhibitor verhindert, dass Zytokine wie IL-6 eine Immunreaktion auslösen, die bei schweren COVID-19-Erkrankungen dem Körper eher schaden als nutzen. Baricitinib ist neben Tocilizumab, das den Rezeptor von IL-6 blockiert, zur Behandlung des Zytokinsturms in der Diskussion. Doch die Ergebnisse zu Baricitinib waren bisher nicht eindeutig.
In der ACTT-2-Studie hatte Baricitinib zwar bei hospitalisierten Patienten, die zusätzlich mit Remdesivir behandelt wurden, die mediane Zeit bis zur Erholung, dem primären Endpunkt der Studie, signifikant von 8 auf 7 Tage verkürzt (gegenüber Patienten, die mit Remdesivir plus Placebo behandelt wurden). Der Rückgang der 28-Tage-Mortalität, einem sekundären Endpunkt der Studie, von 7,8 % auf 5,1 % war jedoch nicht signifikant (Hazard Ratio 0,65; 95-%-Konfidenzintervall 0,39 bis 1,09).
In der Studie COV-BARRIER waren die Ergebnisse umgekehrt. Baricitinib erzielte im primären Endpunkt, einem Fortschreiten der Erkrankung zur High-Flow-Sauerstoffbehandlung, Beatmung oder zum Tod, keine sichere Wirkung, während im sekundären Endpunkt, dem Sterberisiko in den ersten 28 Tagen, ein eindeutiger Vorteil erkennbar war.
*** Zulassung in USA bereits erfolgt ***
In den USA ist Baricitinib aufgrund der Studienlage zur Behandlung vom COVID-19-Patienten, die eine Sauerstoffbehandlung benötigen, zugelassen, mittlerweile auch ohne die Kombination mit Remdesivir (das in den fortgeschrittenen Stadien von COVID-19 nicht mehr eingesetzt wird). In Europa ist Baricitinib bisher nicht zur Behandlung von COVID-19-Patienten zugelassen. Die STAKOB am Robert Koch-Institut, die in Deutschland für die Behandlungsempfehlungen zuständig ist, hält die Datenlage für eine breite Anwendung von Baricitinib bisher nicht für ausreichend, was mit den Ergebnissen der COV-BARRIER-Studie begründet wird, deren Ergebnisse jetzt publiziert wurden.
In der Studie hatten an 101 Zentren in 12 Ländern (mit deutscher Beteiligung) 1.525 Patienten teilgenommen, die wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt wurden. Die meisten benötigten bereits Sauerstoff (64 % mit NIAID-OS-Score 5), den einige auch über eine High-Flow-Nasensonde oder über eine nicht-invasige Beatmung (24 % mit NIAID-OS-Score 6) erhielten. Kein Patient wurde jedoch bereits maschinell beatmet (NIAID-OS-Score 7). Primärer Endpunkt war ein Fortschreiten der Erkrankung zum NIAID-OS-Score 6, 7 oder 8 (letzterer beschreibt den Tod des Patienten). Die Patienten wurden auf die einmal tägliche Gabe von Baricitinib oder Placebo für bis zu 14 Tage randomisiert.
Wie Vincent Marconi von der Emory University School of Medicine in Atlanta und Mitarbeiter berichten, trat der primäre Endpunkt in der Baricitinib-Gruppe bei 27,8 % der Patienten auf gegenüber 30,5 % in der Placebo-Gruppe. Die Odds Ratio von 0,85 deutet zwar auf einen Vorteil von Baricitinib hin, der jedoch mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,67 bis 1,08 nicht signifikant war. Dies traf auch auf die absolute Risikodifferenz von 2,7 %-Punkten zu (minus 1,9 bis 7,3 %-Punkte).
In der Gesamtmortalität war dagegen ein deutlicher und signifikanter Vorteil vorhanden. In der Baricitinib-Gruppe waren in den ersten 28 Tagen 62 Patienten (8 %) gestorben gegenüber 100 Patienten (13 %) in der Placebo-Gruppe. Die Hazard Ratio von 0,57 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,41 bis 0,78 signifikant. Der absolute Unterschied von 5 %-Punkten bedeutet, dass auf 20 Patienten, die mit Baricitinib behandelt wurden, 1 zusätzlicher Überlebender kommt.
Diese „Number Needed to Treat“ (NNT) war damit niedriger (und damit besser) als in der RECOVERY-Studie für Dexamethason (absolute Reduktion 2,8 %-Punkte, NNT 36) oder für Tocilizumab (absolute Reduktion 4 %-Punkte, NNT von 25) ermittelt wurde. Hinzu kommt, dass die COV-BARRIER-Studie im Unterschied zur offenen RECOVERY-Studie eine Placebo-kontrollierte Studie war. Für den Editorialisten Andre Kalil vom University of Nebraska Medical Center in Omaha ist Baricitinib deshalb das erste immunmodulatorische Medikament, für das eine Wirkung auf der höchsten evidenzbasierten Stufe nachgewiesen wurde.
Allerdings wird für eine evidenzbasierte Empfehlung in der Regel ein signifikanter Vorteil im primären Endpunkt verlangt, den die Studie nicht zeigen konnte. Es bleibt deshalb abzuwarten, ob es zu einer Empfehlung kommen wird. Einiges dürfte davon abhängen, ob die europäische Arzneimittel-Agentur EMA der US-amerikanischen FDA folgt und Baricitinib für die Behandlung von COVID-19-Patienten zulässt.
Die neben der Wirksamkeit für die Zulassung notwendige Voraussetzung einer guten Verträglichkeit dürfte gegeben sein. Die Häufigkeit schwerwiegender unerwünschter Ereignisse war mit 15 % in der Baricitinib-Gruppe gegenüber 18 % nicht erhöht. Schwerwiegende Infektionen (64 versus 74 Fälle) und venöse thromboembolische Ereignisse (20 versus 19 Fälle) waren in den beiden Gruppen gleich.
Die STAKOB will zunächst die Ergebnisse der doppelt verblindeten ACTT-4-Studie abwarten, die derzeit ausgewertet wird. Die Studie verglich an 1.010 Patienten eine Kombination aus Baricitinib plus Remdesivir mit einer Kombination aus Dexamethason plus Remdesivir.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126945/Baricitinib-senkt-COVID-19-Sterberisiko-in-Phase-3-Studie
USA: Delta: Klinik in Kalifornien beklagt deutlichen Anstieg von Infektionen beim geimpften Personal – Deutsches Ärzteblatt, 3.9.2021
Die Universitätskliniken von San Diego haben ihr Personal frühzeitig gegen SARS-CoV-2 geimpft. Ein halbes Jahr später sind die Infektionszahlen deutlich angestiegen. Die Forscher machen dafür im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMc2112981) die Delta-Variante und die Aufhebung der Maskenpflicht verantwortlich.
Die Variante B.1.617.2 (Delta) hat sich auch in Kalifornien rasch durchgesetzt. Die ersten Viren wurden dort Mitte April nachgewiesen. Bis Juli war der Anteil auf über 95 % gestiegen. Delta ist nicht nur ansteckender als andere Varianten, auch die Impfstoffwirkung ist herabgesetzt. Hinzu kommt, dass die Universitätsklinik in San Diego schon Mitte Dezember mit den Impfungen des Personals begann.
Bis Mitte März waren 76 % vollständig geimpft. Die Impfstoffwirkung lässt auch bei den beiden mRNA-Impfstoffen von Moderna und Biontech-Pfizer mit der Zeit langsam nach, so dass viele Mitarbeiter nach Ansicht von Jocelyn Keehner von UC San Diego Health keinen ausreichenden Impfschutz mehr haben. Gleichzeitig sind in der Stadt die Infektionszahlen gestiegen, seit die Regierung am 15. Juni die Maskenpflicht für vollständig Geimpfte aufgehoben hat.
Die Folge war ein deutlicher Anstieg der SARS-CoV-2-Infektionen beim Personal. Waren in den Monaten März bis Juni maximal 5 Personen infiziert, so waren es im Juli auf einmal 94 Personen. Die Befallsrate („attack rate“) stieg innerhalb eines Monats von 0,3 auf 5,7 pro 1.000 Personen an.
Unter der Minderheit der nicht geimpften Personen sind die Infektionen zwischen Juni und Juli ebenfalls von 10 auf 31 sprunghaft angestiegen. Die Befallsrate stieg von 4,9 auf 16,4 pro 1.000 Personen.
Keehner hält es aufgrund der Entwicklung für nötig, die Maskenpflicht wieder einzuführen und das Personal intensiv zu testen. Außerdem sollte über eine Auffrischung der Impfung beim Personal nachgedacht werden.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126963/Delta-Klinik-in-Kalifornien-beklagt-deutlichen-Anstieg-von-Infektionen-beim-geimpften-Personal
AUSTRALIEN – GROSSBRITANNIEN: Corona: Großbritannien und Australien tauschen Impfdosen – Deutsches Ärzteblatt, 3.9.2021
Um den Kampf gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 anzukurbeln, haben Großbritannien und Australien einen Impfstoffdeal vereinbart. Zunächst schickt die britische Regierung vier Millionen Dosen Impfstoff nach Australien, das wiederum noch vor Jahresende dieselbe Menge zurücksenden soll.
Eine ähnliche Abmachung hat Australien bereits mit dem südostasiatischen Stadtstaat Singapur getroffen, der eine halbe Million Dosen schickt und später dieselbe Zahl zurück erhält. Die australische Regierung steht in der Kritik, sie habe lange nicht genug getan, um sich Impfstoff zu besorgen.
Nun hat die hoch ansteckende Delta-Variante für die bisher größte Welle in dem Land mit 25 Millionen Einwohnern gesorgt. Der australische Hochkommissar im Vereinigten Königreich, George Brandis, twitterte: „Vier Millionen Dosen der Hoffnung.“
Das australische Impfprogramm ist eines der langsamsten unter den reicheren Ländern. Bisher ist erst gut ein Drittel (36 Prozent) der Erwachsenen vollständig geimpft. Der britische Gesundheitsminister Sajid Javid sagte, der Deal komme zur richtigen Zeit, um die Impfprogramme beider Länder zu stärken.
Australien könne die Impfstoffausgabe beschleunigen, „und wir erhalten rechtzeitig neue Vorräte für unseren künftigen Bedarf“, twitterte Javid. Großbritannien plant noch im September den Start eines Auffrischungsprogramms mit einer dritten Impfung für über 60-Jährige. Außerdem wird erwartet, dass schon bald Impfungen für 12- bis 15-Jährige erlaubt werden.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126967/Corona-Grossbritannien-und-Australien-tauschen-Impfdosen
NORWEGEN: Norwegen bietet Coronaimpfungen für 12- bis 15-Jährige – Deutsches Ärzteblatt, 3.9.2021
Angesichts eines enormen Anstiegs von Coronafällen bei Jugendlichen will Norwegen 12- bis 15-Jährigen nun Impfungen anbieten. „Die Situation ist jetzt unberechenbar“, sagte Regierungschefin Erna Solberg gestern auf einer Pressekonferenz in Oslo, wie unter anderem die Zeitung Verdens Gang berichtete.
Wegen Infektionen oder Selbstisolation nach Coronakontakt müssten viele Schüler dem Unterricht derzeit fernbleiben. Das müsse sich ändern, betonte Solberg. Der Anstieg der Coronafälle war in der vergangenen Woche in der Altersgruppe der 13- bis 19-Jährigen am höchsten ist – die Zahl der Neuinfektionen stieg hier um 174 Prozent.
Zugleich kündigte Solberg an, geplante Lockerungen der Coronaregeln zu verschieben, bis der Anteil der vollständig Geimpften höher ist. Dann sollen aber alle Einschränkungen aufgehoben werden. Bisher haben 57 Prozent der Erwachsenen beide Dosen erhalten.
„Eine weitere Öffnung birgt nun das Risiko einer weiteren Infektion“, sagte die Regierungschefin. „Wir werden dieses Risiko nicht eingehen.“ Wenn mehr Menschen vollständig geimpft sind, könne das Land dann mit erhöhter Wachsamkeit in einen normalen Alltag übergehen.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126938/Norwegen-bietet-Coronaimpfungen-fuer-12-bis-15-Jaehrige
EUROPÄISCHE UNION: Coronaimpfstoff: EU schickt Dosen zurück nach Afrika – Deutsches Ärzteblatt, 3.9.2021
Angesichts zunehmender Kritik an der ungerechten Verteilung von Coronaimpfstoffen schickt die Europäische Union (EU) Millionen in Südafrika produzierte Impfdosen des US-Herstellers Johnson & Johnson auf den Kontinent zurück.
Zudem werde die Unternehmen Aspen Pharmacare, die das Coronavakzin als Lizenznehmer von J&J in Südafrika herstellt, keine weiteren Dosen nach Europa schicken, teilte der zuständige Gesandte der Afrikanischen Union (AU), Strive Masiyiwa, gestern bei einer Online-Pressekonferenz mit.
„Alle bei Aspen produzierten Impfstoffe werden in Afrika bleiben und an Afrika verteilt werden“, sagte Masiyiwa. Die Vereinbarung des Unternehmens, Coronaimpfdosen an Europa zu liefern, sei „ausgesetzt“ worden. Damit sei die Angelegenheit „in einer sehr positiven Weise korrigiert“ worden.
Die ersten Lieferungen der J&J-Impfdosen sollen dem AU-Gesandten zufolge noch in diesem Monat erfolgen. Aus der EU sollten der Vereinbarung gemäß bis Ende Dezember 200 Millionen Impfdosen nach Afrika zurückgeschickt werden. Der Ankündigung war ein Treffen von Südafrikas Staatschef Cyril Ramaphosa mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Berlin vorangegangen.
Wie der Leiter der Afrikanischen Zentren für Seuchenkontrolle und -vorbeugung, John Nkengasong, bei der Pressekonferenz sagte, sind in Afrika nur 2,93 Prozent der Bevölkerung vollständig gegen das Coronavirurs geimpft.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte zuvor gewarnt, voraussichtlich würden 42 von 54 afrikanischen Ländern das Ziel verfehlen, bis Ende dieses Monats die am stärksten gefährdeten zehn Prozent ihrer Bevölkerung gegen Corona zu impfen.
„Das Horten von Impfstoffen hat Afrika zurückgeworfen und wir brauchen dringend mehr Impfstoffe“, sagte die WHO-Regionaldirektorin für Afrika, Matshidiso Moeti, an die Adresse der reichen Industriestaaten.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126950/Coronaimpfstoff-EU-schickt-Dosen-zurueck-nach-Afrika
DEUTSCHLAND: Große Koalition einigt sich auf Abfrage von Coronaimpfstatus in sensiblen Bereichen – Deutsches Ärzteblatt, 3.9.2021
Arbeitgeber sollen von Beschäftigten in Kitas, Schulen und Pflegeheimen künftig Auskunft über eine Coronaimpfung oder eine überstandene COVID-19-Erkrankung verlangen können. Darauf haben sich Union und SPD nach stundenlangen Beratungen in der Regierungskoalition am späten Abend geeinigt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bestätigte entsprechende Informationen.
Im Entwurf eines entsprechenden Änderungsantrags der Fraktionen der CDU/CSU und SPD heißt es: „Der Arbeitgeber kann (…) vom Beschäftigten Auskunft oder die Vorlage eines Nachweises über das Bestehen eines Impfschutzes oder das Bestehen einer natürlichen Immunität in Bezug auf die Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID19) verlangen.“
Gerade in Kita, Schule und Heim könne es „im Interesse des Infektionsschutzes“ nötig sein, Beschäftigte hinsichtlich ihres Coronaimpf- und Serostatus, der über Antikörper Aufschluss gibt, „unterschiedlich einzusetzen oder von einer Beschäftigung ungeimpfter Personen (in bestimmten Bereichen) abzusehen“.
Der Minister hob hervor, bei Krankenhäusern gelte seit vielen Jahren „aus gutem Grund“, dass ein Arbeitgeber seine Beschäftigten im Patientenkontakt fragen dürfe, ob sie gegen Infektionskrankheiten geimpft seien. „Wir wollen in dieser Pandemie dieses Auskunftsrecht auch auf andere Bereiche ausdehnen“, sagte Spahn. Konkret nannte der Gesundheitsminister Pflegeheime, Kitas oder Schulen.
In diesen Bereichen seien den Beschäftigten Menschen anvertraut, die einen besonderen Schutz bräuchten, argumentierte Spahn. „Wie wollen Sie einem Angehörigen erklären, dass die Mutter an COVID-19 gestorben ist, weil der Pfleger nicht geimpft war?“, sagte er dem Spiegel.
Die Möglichkeit, den Impfstatus abzufragen, soll nur während der festgestellten epidemischen Lage von nationaler Tragweite gelten, die der Bundestag vergangene Woche für weitere drei Monate verlängert hatte. Eine weiter gefasste Auskunftspflicht, etwa um auch das Arbeiten im Großraumbüro zu ermöglichen, soll es jedoch nicht geben. „Sinn würde es machen. Aber dafür sehe ich aktuell keine Mehrheit im Parlament“, sagte Spahn.
Begründet wird das Vorhaben in dem Antrag damit, dass in den betroffenen Einrichtungen „besonders vulnerable Personengruppen betreut werden oder untergebracht sind beziehungsweise aufgrund der räumlichen Nähe zahlreiche Menschen einem Infektionsrisiko ausgesetzt sind“.
Arbeitgeber könnten durch die Informationen die Arbeitsorganisation so ausgestalten, „dass ein sachgerechter Einsatz des Personals möglich ist und gegebenenfalls entsprechende Hygienemaßnahmen treffen“. Die Daten sollen direkt beim Beschäftigten zu erheben sein. „Die Freiwilligkeit der Entscheidung über die Inanspruchnahme von Impfschutz bleibt unberührt“, stellt der Entwurf klar.
Spahn hatte am vergangenen Montag in einer ARD-Talkshow die Debatte über die Offenlegungspflicht des Coronaimpfstatus für Beschäftigte befeuert. Er tendiere dazu, dass Arbeitgeber zumindest für die nächsten Monate danach fragen dürften, hatte er gesagt. Einer Impfpflicht auch für bestimmte Berufsgruppen wie den Pflegeberufen hatte Spahn erneut eine Absage erteilt.
Der Arbeitgeberverband BDA hatte den Bundestag aufgerufen, die Basis für eine Impfauskunftspflicht im Betrieb zu schaffen. Die Gewerkschaften hatten sich gegen eine entsprechende Auskunftspflicht gestemmt. Die Neuregelung soll am Dienstag im Bundestag beschlossen werden.
Der Bundesgesundheitsminister sprach sich außerdem für eine Lockerung der Coronaquarantäneregeln für Schüler aus. Nötig sei eine „alltagstaugliche Lösung“ und eine „einheitliche Vorgabe für die Quarantäne in Schulen. Darauf sollten sich die Gesundheitsminister der Länder endlich einigen“, sagte Spahn. Wenn die Schüler im Unterricht Masken getragen hätten, müsse nicht die ganze Klasse in Quarantäne geschickt werden, wenn ein positiver Fall auftrete.
„Pragmatisch wäre, dass nur die Sitznachbarn für fünf Tage in Quarantäne gehen und sich dann freitesten können“, so Spahn. Eine ganze Schulklasse wie jetzt in Quarantäne zu schicken führe dazu, dass irgendwann hunderttausende Schüler für zwei Wochen nicht am Unterricht teilnehmen könnten, obwohl sie gar nicht infiziert seien.
Bislang gibt es in den Ländern höchst unterschiedliche Quarantäneregeln. Spahn sprach sich überdies für den Einsatz von PCR-Tests an Schulen aus. „Am besten bundesweit“ sollten vor dem Unterricht Lolli-PCR-Tests vorgenommen werden. Dafür plädierte zuletzt vehement auch die Bundesärztekammer.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126948/Grosse-Koalition-einigt-sich-auf-Abfrage-von-Coronaimpfstatus-in-sensiblen-Bereichen
DEUTSCHLAND: Hessen weist Coronainzidenz künftig nach Geimpften und Ungeimpften aus – Deutsches Ärzteblatt, 3.9.2021
Hessen will die landesweite Inzidenz künftig getrennt nach geimpften und ungeimpften Menschen ausweisen. „Die Differenz ist groß“, erklärte heute Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) in Wiesbaden.
Bezogen auf die Altersgruppe ab zwölf Jahren liege die Sieben-Tage-Inzidenz in der Gruppe der Ungeimpften derzeit bei 262,3 pro 100.000 Einwohner, so Klose. Bei den vollständig geimpften Menschen betrage der Wert 12,7 pro 100.000 Einwohner.
Zu den Ungeimpften werden nach Angaben des Ministers Nichtgeimpfte, Teilgeimpfte und Personen gezählt, bei denen Angaben zum Impfstatus fehlen.
„Diese Zahlen belegen eindrücklich, wie wirksam die Impfung ist“, betonte Klose. „Es infizieren sich weit überwiegend Ungeimpfte.“ Eine Coronaimpfung sei der wichtigste Beitrag zum Selbstschutz, zum Schutz der Nächsten und zum Gemeinschaftsschutz, den jeder Menschen erbringen könne.
Kinder, die noch nicht geimpft werden können, würden am besten durch die Impfung der Erwachsenen und Jugendlichen in ihrem Umfeld geschützt, so Klose.
Die Sieben-Tage-Inzidenz ist in Hessen auf einen Wert über 100 gestiegen. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts von heute lag die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen bei 103,7. Am Vortag lag der Wert noch bei 95,2.
In insgesamt elf Kommunen ist die Inzidenz landesweit mittlerweile wieder über den Wert von 100 gestiegen. Am höchsten war sie den Angaben zufolge in der Stadt Offenbach mit 172,7.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126970/Hessen-weist-Coronainzidenz-kuenftig-nach-Geimpften-und-Ungeimpften-aus
DEUTSCHLAND: Impfmüdigkeit begünstigt vierte Welle – Deutsches Ärzteblatt, 3.9.2021
Die vierte Welle in der Coronapandemie nimmt durch Infektionen unter jungen Erwachsenen weiter an Fahrt auf. Sie breite sich zunehmend auch in den mittleren Altersgruppen aus, heißt es im jüngsten Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) von gestern Abend.
Gleichzeitig macht sich zusehends Impfmüdigkeit breit. Der Anteil der vollständig immunisierten Bundesbürger stieg laut Bericht mit rund 61 Prozent im Vergleich zur Vorwoche (59 Prozent) erneut nur langsam an.
Von Ende Juli bis Ende August legte die Impfquote in Deutschland nur noch um rund zehn Prozent zu. Das war bisher das geringste Wachstum in den Sommermonaten. Regional klaffen die Werte dabei weit auseinander.
Die Spanne bei vollständig geimpften Menschen reichte Anfang September von 52 Prozent in Sachsen bis zu 71 Prozent in Bremen, wie es in dem RKI-Bericht. Am besten durchgeimpft ist nach den jüngsten Daten der Nordwesten der Republik, am wenigsten Zuspruch finden die Angebote neben Sachsen in Brandeburg (55,2) und Thüringen (56 Prozent).
Insgesamt kommt die Impfquote damit längst nicht an die Werte heran, die das RKI im Juli als wünschenswert erachtete. Nach der damals entworfenen Modellierung müssen mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der Senioren ab 60 Jahren vollständig geimpft sein, damit eine ausgeprägte vierte Welle mit vollen Intensivstationen im Herbst und Winter unwahrscheinlich wird.
Für den Charité-Virologen Christian Drosten reichen die derzeitigen Impfraten schlicht nicht aus. „Mit dieser Quote können wir nicht in den Herbst gehen“, sagte er gestern dem Deutschlandfunk. Generell könne man sich aus der Pandemie aber herausimpfen.
Hohe Sieben-Tages-Inzidenzen bei den registrierten Infektionen beobachtet das RKI derzeit in der Altersgruppe der 5- bis 44-Jährigen. Spitzenwerte gibt es dabei mit Werten zwischen 172 und 182 Fällen pro 100.000 Einwohner bei den 10- bis 19-Jährigen. Die Zahl der übermittelten Ausbrüche in Kitas und Schulen liegt laut Bericht aber weiterhin auf einem niedrigen Niveau.
Eine Coronaimpfung ist im Moment ab zwölf Jahren zugelassen. Von der Ständigen Impfkommission (STIKO) wird sie in der Breite erst seit Mitte August empfohlen.
Auch durch die anfängliche Priorisierung der stark gefährdeten hochbetagten Bundesbürger zu Beginn der Impfkampagne kurz nach Weihnachten gibt es noch große Unterschiede bei den Impfquoten in den Altersgruppen.
So haben dem Bericht zufolge in der Bevölkerung über 60 Jahre bereits 83 Prozent den vollen Schutz. Bei den Erwachsenen zwischen 18 und 60 Jahren liegt die Quote bei 65 Prozent. Bei Kindern und Jugendlichen von zwölf bis 17 Jahren ist erst gut ein Fünftel zweimal geimpft (21 Prozent).
Mit einer COVID-19-Infektion ins Krankenhaus kommen nun überwiegend Erwachsene zwischen 35 und 59 Jahren. Die Mehrheit von ihnen ist nicht geimpft. Die Hospitalisierungsrate liegt laut Bericht momentan bei sechs Prozent aller registrierten Infektionen.
Nachmeldungen seien nicht ausgeschlossen. Der zuletzt abnehmende Trend der Klinikeinweisungen setze sich zurzeit nicht fort, heißt es im Bericht. Mehr als 1.000 Menschen liegen bereits wieder auf Intensivstationen. Auch die Todesfallzahlen nehmen seit Anfang August wieder leicht zu.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126952/Impfmuedigkeit-beguenstigt-vierte-Welle
ÖSTERREICH: Corona – Leute brauchen verständliche Erklärungen ohne Kampfrhetorik – Meinungen zu Restrisiko „äußerst divers“ – Menschen über die richtigen Kanäle ansprechen – Science-APA, 3.9.2021
Die Bevölkerung in Österreich ist stark gespalten, welches Restrisiko durch die Covid-19 Pandemie für sie akzeptabel ist, und wie vehement die Maßnahmen dagegen sein sollten, sagten Experten gegenüber der APA. Sie appellieren an die Politik, vorausschauender und strukturierter über verschiedenste Kanäle zu kommunizieren, und Kampfrhetorik zu vermeiden.
Ein Team um Anna Fassl und Elisabeth Klager vom Ludwig Boltzmann Institute Digital Health and Patient Safety (LBI DHPS) in Wien befragte 522 in Österreich lebende Menschen von 16 bis 80 Jahren, vor welchen Covid-19 Schäden sie sich fürchten, die sie und ihre Freunde heimsuchen könnten, wie sie mit dem Risiko einer Ansteckung umgehen und was sie von den Einschränkungen in verschiedenen Lebensbereichen halten.
„Außer für die Schule, die eine große Mehrheit offen lassen würde, gab es sehr unterschiedliche, extrem auseinandergehende Meinungen“, berichtete Klager: „Manche Leute würden am liebsten alles geschlossen sehen, andere wollen sich trotz der Pandemie ausleben“. „Dieses Ergebnis zeigt deutlich die Spannungen in der Gesellschaft, und die Gefahr, dass sie weiter gespalten wird“, erklärte Brigitte Ettl von der Österreichischen Plattform Patientensicherheit in Wien.
*** Meinungen zu Restrisiko „äußerst divers“ ***
Dies macht es schwierig zu definieren, welches Restrisiko die Gesellschaft in Österreich bei der Covid-19 Pandemie als angemessen akzeptiert, sagte Harald Willschke von der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie der Medizinischen Universität Wien: „Die Meinungen dazu sind äußerst divers“.
Die Befragten gaben explizit an, dass sie Angst vor einer weiteren Spaltung der Gesellschaft und zum Beispiel privaten Konflikten zwischen geimpften Familienmitgliedern und Impfgegnern haben, so Klager. Außerdem fürchteten sie sich oft vor gesundheitlichen Schäden durch „Long Covid“, und dass sie oder Angehörige auf der Intensivstation landen oder sterben. Sie äußerten Ängste vor psychischer Belastungen, besonders bei Kindern und Jugendlichen durch soziale Isolation, und vor Depressionen. Dazu kamen Ängste um die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie, wie Arbeitsplatzverlust.
Experten etwa aus der Medizin, Soziologie und Ethik erstellten aus den Ergebnissen der Befragung Empfehlungen für die Politik, wie man mit Covid-19 und anderen Herausforderungen im Gesundheitsbereich besser umgehen und größere Akzeptanz für die Maßnahmen dagegen erreichen könnte. Sie ergingen an die zuständigen Ministerien im Lande.
*** Menschen über die richtigen Kanäle ansprechen ***
„Entscheidend wäre vor allem eine vorausschauende, strukturierte Kommunikation“, sagte Ettl. Man sollte sich intensiv damit beschäftigen, alle Menschen in einer für sie verständlichen Sprache und über die richtigen Kanäle anzusprechen. „Für manche sind das die klassischen Print- und TV-Medien, für andere sind wohl sozialen Medien im Internet zielführender“, meint sie.
„Eine Kampfrhetorik ist jedenfalls nicht hilfreich“, so Fassl. Man sollte komplexe Themen freilich klar kommunizieren, aber dies unbedingt neutral und sachlich tun. „Die Krise ist wie ein Brennglas, das bestimmte Probleme deutlich gemacht hat“, erklärte sie. Unter Lücken in der Medienkompetenz und Wissenschaftsvermittlung in Österreich. Diese könnte man nur recht langfristig durch Bildung schließen.
QUELLE: https://science.apa.at/power-search/10306881177769262654
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QUELLE: https://coronarisiko.lbg.ac.at/
ÖSTERREICH: Klimek: Coronatests in Schulen wohl länger nötig – Eingangsphase sehr sinnvoll – Quarantäne macht Probleme – Science-APA, 3.9.2021
Komplexitätsforscher Peter Klimek rechnet damit, dass auch nach der dreiwöchigen Sicherheitsphase zum Schulstart Coronatests zum Schulalltag gehören und Masken womöglich in vielen Innenräumen wieder notwendig sein werden. Schon jetzt sei zudem klar, dass die Delta-Welle in zahlreichen Bereichen mit der 3G-Regel – getestet, genesen oder geimpft – nicht zu kontrollieren sei, sagte er im Ö1 Morgenjournal.
Neben dem Schulstart – in der Ostregion schon diesen Montag – kämen weitere Komponenten hinzu, die die Coronalage verschärfen werden, so Klimek. Er führte den saisonalen Umschwung, die Rückkehr der Menschen an ihre Arbeitsplätze sowie aus Urlaubsländern an und meinte: „Die Zeit geht uns aus.“ Je früher gegengesteuert wird, „desto sanfter kann man noch für eine Kurskorrektur sorgen“. Wenn man hingegen die Neuinfektionen „über Wochen hinweg noch weiter ansteigen lässt, muss man dann umso stärker gegensteuern“, Eile sei daher geboten.
*** Eingangsphase sehr sinnvoll ***
Der Schulbeginn sei auf jeden Fall eine herausfordernde Situation, einige Startvoraussetzungen aber anders als im vergangenen Jahr. Die Eingangsphase mit häufigen Coronatests sei sehr sinnvoll, denn im Schulsetting könnten immer wieder größere Cluster entstehen, vor allem ohne flankierende Schutzmaßnahmen wie eine gute Lüftung, eine Teststrategie sowie durch nicht geimpftes Lehrpersonal.
Klimek rechnet aber damit, dass Fälle aus Schulen diesmal „weniger in Infektionsfälle in den Haushalten übersetzt“ werden, „weil da schon mehr Leute geimpft sind“. Die Impfung ändere hier die Grundvoraussetzung, liefere allerdings für die Schulen selbst einen geringeren Schutz, weil sie vielen jüngeren Schülerinnen und Schülern noch gar nicht zur Verfügung steht.
*** Quarantäne macht Probleme ***
Als Hauptproblem im Zusammenhang mit den Schulen sieht Klimek, dass positiven Fällen unter den Kindern Isolation- und Quarantänemaßnahmen folgen und Jüngere von den Eltern betreut und beaufsichtigt werden müssen. Das werde bei hohen Fallzahlen mehr und mehr Thema werden.
Generell müssten die wieder stark steigenden Neuinfektionen in Relation zu schweren Verläufen betrachtet werden, wobei sich seiner Meinung nach neue Fälle relativ rasch auch in die Spitalsaufnahmen übersetzen. Aktuell gehe man wieder auf die Zehn-Prozent-Auslastungsgrenze auf den Intensivstationen zu, was bedeute, dass die Spitäler teilweise bereits in jenen Modus switchen, wo sie intern Dienstpläne umstellen müssen und Covidpatienten nicht mehr im Normalbetrieb versorgen können. Zum Thema stagnierende Impfzahlen betonte Klimek, man müsse sich anschauen, welche Personengruppen sich aus welchen Motiven nicht impfen lassen wollen.
QUELLE: https://science.apa.at/power-search/17604303439467619580
ÖSTERREICH: Regeln für Schulabmeldungen sollen verschärft werden – Keine Schul-, sondern Unterrichtspflicht – „Prüfungstourismus“ im Visier – Schülerunion: Recht auf Bildung verletzt – Science-APA, 3.9.2021 (aktualisierte Meldung)
Mit der Corona-Pandemie ist die Zahl der Schulabmeldungen gestiegen, das Bildungsministerium will deshalb die Regeln für häuslichen Unterricht verschärfen: Zusätzlich zur Externistenprüfung am Jahresende soll künftig schon nach dem ersten Semester der Lernstand der Kinder erhoben werden und Eltern sollen nicht mehr entscheiden können, wo die Externistenprüfung stattfindet. Außerdem sollen den Eltern in Aufklärungsgesprächen die Konsequenzen der Abmeldung verdeutlicht werden.
Laut derzeitigem, nicht endgültigem Stand sind die Spitzenreiter bei den Schulabmeldungen laut Ö1-„Morgenjournal“ heuer Niederösterreich mit 1.400 Abmeldungen und die Steiermark und Oberösterreich mit mehr als 1.000 Abmeldungen. Die Zahl der Abmeldungen in Oberösterreich hat sich im Vergleich zum Herbst 2019, also vor Ausbruch der Corona-Pandemie, mehr als verfünffacht. Auch in Salzburg hat sich die Zahl seither mehr als vervierfacht und liegt jetzt bei über 380 Abmeldungen. In Wien wird mit rund 500 Abmeldungen eine Situation wie in den Vorjahren erwartet. Die Kinder- und Jugendanwaltschaften sehen die Entwicklung sehr kritisch, meinte die Salzburger Kinder- und Jugendanwältin Andrea Holz-Dahrenstaedt. Die Kinder hätten schon genug unter den Schulschließungen gelitten.
*** Keine Schul-, sondern Unterrichtspflicht ***
In Österreich gilt keine Schul-, sondern lediglich eine Unterrichtspflicht. Kinder können also auch häuslichen Unterricht oder eine Privatschule ohne Öffentlichkeitsrecht (diese haben nicht das Recht zur Vergabe von Schulzeugnissen) besuchen. Das muss der jeweiligen Bildungsdirektion bis zum Beginn des jeweiligen Schuljahrs angezeigt werden. Diese kann die Abmeldung nur untersagen, „wenn mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass die …. Gleichwertigkeit des Unterrichtes nicht gegeben ist“.
Das Bildungsministerium möchte künftig sicherstellen, dass den Eltern auch bewusst ist, was diese Abmeldung in der Praxis bedeutet. So sind etwa Lerngruppen aus mehreren Kindern im häuslichen Unterricht nicht erlaubt, die Schule als sozialer Ort fällt damit für die Kinder weg. Es gibt auch im Gegensatz zum Fernunterricht des vergangenen Schuljahres keine Unterstützung der Lehrkräfte beim Unterricht daheim.
*** „Prüfungstourismus“ im Visier ***
Wird ein Kind zum häuslichen Unterricht angemeldet, muss es außerdem am Ende des Schuljahrs an einer „normalen“ Schule eine Externistenprüfung über den Unterrichtsstoff ablegen. Schafft man diese nicht, darf man sich im darauffolgenden Schuljahr nicht mehr abmelden, sondern muss die Schulstufe an einer Schule mit Öffentlichkeitsrecht wiederholen. An welcher Schule die Externistenprüfung stattfindet, sollen künftig in allen Bundesländern die Bildungsdirektionen festlegen. Damit will das Bildungsministerium „Prüfungstourismus“ abstellen.
Bereits mit Anfang 2022 soll zusätzlich zur Externistenprüfung außerdem schon nach dem Wintersemester überprüft werden, welche Lernfortschritte die abgemeldeten Schüler erzielen. So solle man bei Problemen frühzeitig gegensteuern können, wie es aus dem Bildungsministerium heißt. Rechtliche Konsequenzen wie ein früheres Zurückholen in den Regelunterricht ergeben sich daraus allerdings nicht, schließlich sind auch etwa an die Schulnachricht am Ende des ersten Semesters keine Konsequenzen geknüpft. Für die Umsetzung dieser Pläne sind laut Bildungsministerium allerdings noch einige rechtliche Fragen zu klären.
*** Schülerunion: Recht auf Bildung verletzt ***
Bundesschulsprecherin Alexandra Bosek von der VP-nahen Schülerunion sieht in unbegründeten Schulabmeldungen aus Protest gegen Corona-Maßnahmen das Recht auf Bildung verletzt. „Die Kinder dürfen nicht der Meinung der Eltern zum Opfer fallen“, so Bosek in einer Aussendung. Die vom Ministerium präsentierten Vorhaben seien „richtig und wichtig“. Zwar müsse die Möglichkeit auf Heimunterricht unbedingt bestehen bleiben, „aber kontrolliert und mit gutem Grund“. Nötig sei außerdem eine Auswertung der Schulabmeldungen nach Schulstufen und Regionen sowie daran angepasste spezifische Maßnahmen wie verpflichtende Elterngespräche und Elternabende.
Auch die SPÖ zeigte sich nicht glücklich mit den vielen Abmeldungen, diese seien ein „eindeutiger Ausdruck des Schulchaos der letzten eineinhalb Jahre.“ Bildungssprecherin Petra Vorderwinkler meinte, man solle versuchen, Vertrauen wiederzugewinnen. Für die NEOS wäre es das Beste, möglichst alle Kinder und Jugendliche an der Schule zu unterrichten. Diese sei ein „ein Ort der Begegnungen und des gegenseitigen Miteinanders“, hieß es in einer Aussendung. Die FPÖ reagierte „zutiefst empört“. Bildungssprecher Hermann Brückl sieht eine Drangsalierung der Eltern. Man habe nicht Sorge um die Kinder, es gehe nur ums Testen, Impfen und Strafen.
QUELLE: https://science.apa.at/power-search/5540442988111108369
ÖSTERREICH: Fragen und Antworten zu Corona-Maßnahmen im neuen Schuljahr – Science-APA, 3.9.2021
Am Montag startet in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland das neue Schuljahr. Eine Woche darauf geht es dann auch in den anderen Bundesländern los. Im Anschluss einige Fragen und Antworten zu den Corona-Regeln im Herbst.
Muss mein Kind einen Corona-Test machen, um am Präsenzunterricht teilnehmen zu können?
In den ersten drei Wochen auf jeden Fall. In dieser „Sicherheitsphase“ müssen alle Kinder dreimal wöchentlich testen – unabhängig davon, ob sie geimpft sind. Ein Test pro Woche muss davon ein aussagekräftigerer PCR-Test sein. Im Regelfall wird am Montag ein Antigen- und ein PCR-Test gemacht – der erste für die unmittelbare Teilnahme am Unterricht, das Ergebnis des letzteren sollte dann am Dienstag vorliegen. Am Donnerstag folgt ein weiterer Antigentest („Nasenbohrertest“). Regional kann auch höherwertiger getestet werden – Wien hat etwa angekündigt, zweimal wöchentlich mit der PCR-Methode zu testen. Alternativ zum Test an der Schule kann auch ein für den jeweiligen Zeitraum gültiger externer Test einer befugten Teststelle vorgezeigt werden.
*** Wie geht es nach der Sicherheitsphase weiter? ***
Da hängen die Regeln von der jeweiligen Risikostufe ab: Diese wird bundesländerweise auf Basis der Empfehlungen der Corona-Kommission festgelegt und orientiert sich an der risikoadjustierten 7-Tage-Inzidenz (einbezogen werden neben den Infektionszahlen auch die Zahl der Tests, die Aufklärungsrate, die Symptomatik und Dynamik des Infektionsgeschehens). Bei einer Inzidenz unter 100 (geringes Risiko) gibt es keine Testpflicht für Schüler, sie können aber freiwillig testen. Bei einer Inzidenz zwischen 100 und 199 (mittleres Risiko) müssen ungeimpfte Schüler dreimal wöchentlich zum Test, wobei einer ein PCR-Test sein muss. Geimpfte müssen dagegen nicht testen. Auch hier gilt: Der Test an der Schule kann auch durch einen externen Test einer befugten Stelle ersetzt werden. Zur Einordnung: In der Kalenderwoche 34 (23.-29.8.) lag die risikoadjustierte 7-Tage-Inzidenz zwischen 60,8 im Burgenland und 146,5 in Wien, auch in Oberösterreich und Salzburg lag der Wert über 100. In Wien geht man schon jetzt davon aus, dass die Regelungen der Sicherheitsphase angesichts des Infektionsgeschehens auch danach weiter gelten werden.
*** Gibt es wieder einen Ninja-Pass? ***
Ja. In diesen werden die Tests eingetragen. Der Pass berechtigt wie schon im Sommersemester zum Eintritt etwa in die Gastronomie – Antigentests gelten dabei 48 Stunden und PCR-Tests 72 Stunden. Ausnahme ist Wien: Dort sind für Gastro und Co ab einem Alter von zwölf Jahren Antigentests nur 24 Stunden und PCR-Tests nur 48 Stunden gültig. Für den Schulbesuch bleibt es bei der längeren Gültigkeitsdauer.
Wie sieht es mit der Maskenpflicht aus?
In der Sicherheitsphase müssen Schüler außerhalb der Klasse einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Danach hängt es wieder von der Risikostufe ab: Bei geringem Risiko braucht man keine Maske, bei mittlerem Risiko gilt wieder eine Maskenpflicht außerhalb der Klasse, ab hohem Risiko (Inzidenz ab 200) müssen Schüler ab der neunten Schulstufe auch im Unterricht einen Mund-Nasen-Schutz auf haben. Unterschiede je nach Impfstatus gibt es nicht.
*** Was gilt für Lehrer? ***
In der Sicherheitsphase testen auch sie unabhängig vom Impfstatus dreimal: Allerdings reichen bei geimpften Pädagogen drei Antigentests pro Woche, ungeimpfte brauchen neben zwei Antigen- auch einen PCR-Test. Antigentests können in der Schule absolviert werden, PCR-Tests müssen extern sein. Nach der Sicherheitsphase müssen geimpfte Pädagogen nicht mehr testen, für ungeimpfte bleibt es bei den drei Tests pro Woche (einer davon ein externer PCR-Test).
*** Sind schärfere Regeln möglich? ***
Ja. Direktoren dürfen auf eine Woche befristet und mit Zustimmung der Bildungsdirektion eine weitergehende Maskenpflicht bzw. zusätzliche Tests anordnen. Das kann etwa einzelne Räume wie einen engen Computersaal betreffen und muss nach einer Woche erneut beantragt und genehmigt werden.
*** Darf ich mein Kind an seinem ersten Schultag in die Schule begleiten? ***
Ja, das ist grundsätzlich möglich. Eltern brauchen dafür allerdings einen gültigen 3G-Nachweis und müssen im gesamten Schulgebäude einen Mund-Nasen-Schutz tragen.
*** Was ist mit Musik und Sport? ***
Beides findet statt: Ab mittlerer Risikolage ist Singen und Musizieren mit Blasinstrumenten aber nach Möglichkeit im Freien zu absolvieren. Sollte das nicht möglich sein, braucht es im Schulgebäude einen Sicherheitsabstand von mindestens zwei Metern (Musik) bzw. einen Meter (Sport). Bei hohem Risiko ist das Musizieren mit Blasinstrumenten nur noch im Freien möglich.
*** Wie sieht es mit Zusatzangeboten, etwa von Vereinen, oder Lesepaten aus? ***
Das hängt wieder vom Risikostatus ab: Diese sind bei geringem und mittlerem Risiko erlaubt, bei hohem verboten. Wie für Eltern gilt auch für andere schulexterne Personen aber: Sie brauchen einen 3G-Nachweis für das Betreten des Schulgebäudes und müssen durchgehend einen Mund-Nasen-Schutz tragen.
*** Wer muss bei einem Corona-Fall in Quarantäne? ***
Das kommt auf den konkreten Fall an. Laut einer Vorgabe des Gesundheitsministeriums gelten Geimpfte grundsätzlich als K2-Personen und können daher trotz Infektionsfalls in der Klasse weiter in die Schule gehen. Die konkrete Entscheidung trifft aber die jeweilige Gesundheitsbehörde. Sollte eine größere Anzahl von Kindern in der Klasse infiziert sein, wäre dann auch eine Quarantäne für Geimpfte möglich.
*** Sind Schulschließungen, Distance Learning bzw. Schichtbetrieb möglich? ***
Grundsätzlich schon – in der neuen Covid-19-Schulverordnung sind die Bedingungen dafür aufgelistet. Diese sind recht unkonkret gefasst, im Endeffekt laufen sie darauf hinaus, dass das Infektionsgeschehen in der Gesellschaft, in der Region oder am Schulstandort nicht anders in den Griff zu bekommen ist. Erklärtes Ziel der Regierung ist es aber, dies zu vermeiden.
QUELLE: https://science.apa.at/power-search/13021535935709860113
2.9.2021, Donnerstag
MEDIZIN: SARS-CoV-2: Durchbruchinfektionen verlaufen meistens milde und seltener mit Long COVID – Deutsches Ärzteblatt, 2.9.2021
Unter den seltenen Durchbruchinfektionen, die britische Nutzer einer Corona-App angaben, überwogen milde und asymptomatische Verläufe. Der Anteil der Patienten, bei denen es zum Long COVID kam, war laut der Publikation in Lancet Infectious Diseases (2021; DOI: 10.1016/S1473-3099) nur halb so hoch wie bei einer Erkrankung von Nichtgeimpften.
Keiner der zugelassenen Impfstoffe erzielte in den klinischen Studien eine hundertprozentige Schutzwirkung. Es musste deshalb mit Durchbruchinfektionen gerechnet werden.
Von den 1,24 Mio. Nutzern der Corona-App, die das King’s College London zusammen mit der Firma Zoe entwickelt hat, gaben 6.030 (0,5 %) an, sich trotz einer ersten Dosis der in Großbritannien zugelassenen Impfstoffe (BNT162b2 von Biontech/Pfizer, mRNA-1273 von Moderna und ChAdOx1 von AstraZeneca/Oxford) mit SARS-CoV-2 infiziert zu haben.
Unter den 0,98 Mio. Usern, die auch die 2. Dosis erhalten hatten, gab es 2.370 Durchbruchinfektionen (0,2 %). Die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen, da BNT162b2 und mRNA-1273 eine Impfstoffwirksamkeit von 95 % erreichen, bei ChAdOx1 betrug sie nur etwa 70 %.
Die User waren gebeten worden, im Fall einer Erkrankung möglichst täglich ihre Symptome in die App einzugeben. Ein Team um Claire Steves vom King’s College London konnte deshalb den Schweregrad der Erkrankung bei Durchbruchinfektionen und bei ungeimpften Personen vergleichen.
Die Analyse ergab, dass Durchbruchinfektionen deutlich häufiger asymptomatisch verlaufen (Odds Ratio 1,63 nach der ersten und 1,94 nach der zweiten Dosis), wobei Senioren (über 60 Jahre) häufiger von Symptomen frei blieben (Odds Ratio 2,06 nach der ersten und 2,34 nach der zweiten Dosis) als jüngere Erwachsene (Odds Ratio 1,36 nach der ersten und 1,49 nach der zweiten Dosis).
Auch die Zahl der schweren Verläufe, die zu einer Hospitalisierung führten, waren seltener. Die Odds Ratios für die 1. und 2. Impfung betrugen 0,31 und 0,27, also ein um 69 % beziehungsweise 73 % vermindertes Risiko gegenüber einer Infektion bei Ungeimpften. Auch hier fiel die Schutzwirkung bei Senioren (Odds Ratios 0,24 und 0,15) deutlicher aus als bei den Jüngeren (Odds Ratios 0,43 und 0,57).
Die Forscher haben auch den Einfluss auf Post-Covid-Symptome untersucht. Der Anteil der Personen, die auch 28 Tage nach dem positiven PCR-Test noch über Symptome klagten, war nach der 2. Dosis um etwa die Hälfte niedriger (Odds Ratio insgesamt 0,51, bei den Senioren 0,56 und bei den Jüngeren 0,37).
Die User hatten bei der Anmeldung einige Informationen zur Person (Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Gewicht, Größe und Beschäftigung im Gesundheitswesen), zum Wohnort und zu gesundheitlichen Risikofaktoren einschließlich Komorbiditäten, Lebensstil, Gebrechlichkeit, Krankenhausbesuche und Einhaltung des Maskentragens eingegeben. Die Forscher haben untersucht, welcher dieser Faktoren das Risiko auf eine Durchbruchinfektion erhöht.
Für die Senioren bestand ein erhöhtes Risiko auf eine Infektion, wenn sie nur 1 Dosis erhalten hatten und unter Nierenerkrankungen (Odds Ratio 1,95), Herzerkrankungen (Odds Ratio 1,30) oder Lungenerkrankungen (Odds Ratio 1,27) litten. Die Ergebnisse sollten nach Ansicht von Steves mit Vorsicht interpretiert werden, weil relativ wenige Menschen mit chronischen Erkrankungen die Zoe-App benutzten.
Bei einer Gebrechlichkeit war das Risiko ebenfalls erhöht, allerdings ebenfalls nur nach der 1. Dosis (Odds Ratio 1,93). Das erhöhte Risiko könnte laut Steves auf den vermehrten Kontakt mit Betreuern oder auf eine Immunseneszenz zurückzuführen sein.
Ein Body-Mass-Index von unter 30 kg/m2 hatte eine gewisse Schutzwirkung (Odds Ratio 0,84; 0,75 bis 0,94): Die Abwesenheit einer Adipositas senkt das Risiko auf eine Durchbruchinfektion um 16 %. Ein erhöhtes Risiko bestand auch in ärmeren Wohngegenden (Odds Ratio 1,11). Hier könnte eine höhere Wohndichte und eine höherer Anteil ethnischen Minderheiten eine Rolle gespielt haben, vermutet Steves.
Insgesamt sind die Ergebnisse der Studie ermutigend. Sie bestätigt den Eindruck aus den klinischen Studien, nach denen Erkrankungen bei Geimpften in den meisten Fällen relativ milde verlaufen, auch wenn es keine Garantie vor schweren Komplikationen gibt.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126944/SARS-CoV-2-Durchbruchinfektionen-verlaufen-meisten-milde-und-seltener-mit-Long-COVID
Moritz Bergmann: Long COVID: Zweifachimpfung halbiert Risiko – King’s College London: Krankenhausaufenthalte sind um 73 Prozent weniger wahrscheinlich – Ein Drittel weniger akute Symptome – Gebrechlichkeit erhöht Infektionsrisiko – Pressetext, 2.9.2021
Erwachsene mit einer zweimaligen Corona-Schutzimpfung leiden im Falle einer COVID-19-Infektion um 49 Prozent weniger wahrscheinlich an Long COVID, wie eine Studie des King’s College London http://kcl.ac.uk zeigt. Die Forscher haben die Daten von Personen, die ihre Symptome, Tests und Impfungen zwischen 8. Dezember 2020 und 4. Juli 2021 in die App der „UK ZOE COVID“-Symptomstudie eingaben. Dazu gehörten 1.240.009 Teilnehmer mit der ersten Impfung und 971.504 Personen, die auch die zweite Impfung erhalten hatten.
*** Ein Drittel weniger akute Symptome ***
Das Team hat bei der Auswertung der Daten eine Reihe von Faktoren wie Alter, Gebrechlichkeit und benachteiligte Regionen berücksichtigt und verglich diese Daten mit dem Infektionsgeschehen nach einer Impfung. Ergebnis: Im unwahrscheinlichen Fall einer Infektion mit COVID-19 nach einer zweimaligen Impfung war das Risiko von Long COVID fast um die Hälfte reduziert. Auch Krankenhausaufenthalte waren um 73 Prozent und die Belastung mit akuten Symptomen war um 31 Prozent weniger wahrscheinlich.
Die Art der am weitest verbreiteten Symptome war ähnlich wie bei nicht geimpften Erwachsenen. Es handelte sich dabei um den Verlust des Geruchssinns, Husten, Fieber, Kopfschmerzen und Erschöpfung. Alle diese Symptome waren leichter und wurden von geimpften Personen weniger häufig angegeben. Die Wahrscheinlichkeit, in der ersten Woche der Krankheit unter mehreren Symptomen zu leiden, war nur halb so groß. Niesen war das einzige Symptom, das von geimpften Teilnehmern häufiger angegeben wurde.
*** Gebrechlichkeit erhöht Infektionsrisiko ***
Personen, die in den am stärksten benachteiligten Gebieten lebten, verfügten nach einer einmaligen Impfung über ein höheres Infektionsrisiko. Alter an sich war kein Risikofaktor. Menschen mit Erkrankungen, die wie Gebrechlichkeit ihre Unabhängigkeit einschränken, infizierten sich bis zwei Mal so wahrscheinlich nach der Impfung und erkrankten in der Folge.
Die in „Lancet Infectious Diseases“ publizierten Ergebnisse zeigen laut den Wissenschaftlern die Notwendigkeit, konkret auf Risikogruppen abzuzielen. Es wurde bereits nachgewiesen, dass gebrechliche Erwachsene von COVID-19 überproportional betroffen sind. Die Forscher schlagen daher Strategien wie rechtzeitige Auffrischungsimpfungen, gezielte Maßnahmen zur Infektionskontrolle und mehr Forschung zur Immunreaktion dieser Personengruppe vor.
QUELLE: https://www.pressetext.com/news/20210902016
MEDIZIN: Post COVID: Ältere Patienten können dauerhafte Nierenschäden erleiden – Deutsches Ärzteblatt, 2.9.2021
Eine Infektion mit SARS-CoV-2 kann offenbar den Nieren einen dauerhaften Schaden zufügen. Eine Analyse von US-Veteranen im Journal of the American Society of Nephrology (JASN 2021; DOI: 10.1681/ASN.2021060734) ermittelt einen deutlichen Abfall der Nierenfunktion, der sich offenbar auch nach der Entlassung aus der Klinik fortsetzt.
Am stärksten betroffen waren Patienten, die auf Intensivstation behandelt worden sind und dort ein akutes Nierenversagen erlitten, aber auch Patienten mit leichterem COVID-19 könnten Nierenschäden erleiden. Ein Verlust der Nierenfunktion bleibt lange unbemerkt. Nierenschäden gehören deshalb nicht zu den bekannten Post-COVID-Symptomen.
Da sich die Nieren von einer chronischen Schädigung (im Gegensatz zum akuten Nierenversagen) nicht wieder erholen, könnten die Folgen für die betroffenen Patienten und die Gesellschaft beträchtlich sein. Und da die Nierenleistung, messbar als geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR), im Verlauf des Lebens mehr oder weniger kontinuierlich abnimmt, kann ein zunächst unbemerkter Nierenschaden bedeuten, dass die Betroffenen im Alter früher das Endstadium eines Nierenversagens erreichen und dialysepflichtig werden.
Dieses Schicksal könnte zahlreichen US-Veteranen drohen, deren Daten ein Team um Ziyad Al-Aly von der Washington University School of Medicine in St. Louis/Missouri ausgewertet hat. Die Forscher verglichen die Nierenfunktion von 89.216 Veteranen, die COVID-19 überlebt haben, mit der von 1,6 Mio. nicht infizierten Veteranen.
Bei allen Personen lagen Daten zur eGFR aus der Zeit vor der Pandemie vor. Aus den Krankenakten der COVID-19-Patienten ging auch hervor, ob sie wegen COVID-19 hospitalisiert wurden, ob sie auf Intensivstation behandelt werden mussten und ob es dort zu einem akuten Nierenversagen gekommen war.
Die Analyse ergab, dass alle 3 Gruppen einen zusätzlichen Abfall der eGFR erlitten. Die Patienten mit positivem PCR-Test, die aber nicht behandelt werden mussten, verloren im Vergleich zu den Gesunden 3,26 ml/min/1,73 m2/Jahr. Bei den hospitalisierten Patienten betrug der Rückgang 5,20 ml/min/1,73 m2/Jahr und bei den Intensivpatienten 7,69 ml/min/1,73 m2/Jahr.
Für die betagten Veteranen im Alter von im Mittel 68,5 Jahren, deren eGFR altersbedingt bereits vor COVID-19 eingeschränkt war, bedeutet dies, dass das Risiko auf einen schweren Nierenschaden (MAKE) im ersten halben Jahr (median 164 Tage) nach der COVID-19-Erkrankung um den Faktor 7,02 stieg, wenn sie auf der Intensivstation behandelt werden mussten.
MAKE war definiert als ein Rückgang des eGFR um mehr als 50 %, ein komplettes Nierenversagen oder ein Tod. Das Risiko auf ein akutes Nierenversagen (AKI) – von dem sich die Patienten in der Regel erholen, wenn auch oft mit Folgeschäden – ermittelt Al-Aly eine Hazard Ratio von 8,24 und für ein Endstadium einer Nierenerkrankung (ESKD) eine Hazard Ratio von 13,26.
Für die Patienten, die nur hospitalisiert wurden, waren die Hazard Ratios mit 3,37 (MAKE), 5,35 (AKI) und 5,72 (ESKD) geringer. Doch selbst für Patienten, die nicht im Krankenhaus behandelt werden mussten, ermittelt Al-Aly Hazard Ratios von 1,15 (MAKE), 1,30 (AKI) und 2,15 (ESKD), die sämtlich statistisch signifikant waren.
Besonders stark betroffen waren Patienten, bei denen es in der Klinik zu einem Akuten Nierenversagen gekommen war. Die Hazard Ratios betrugen 8,05 (MAKE), 11,26 (AKI) und 8,98 (ESKD). Der „excess-burden“, also die Zahl der zusätzlich Erkrankten auf 1.000 Personenjahre war in dieser Gruppe mit 82,84 (MAKE), 135,06 (AKI) und 6,39 (ESKD) beträchtlich.
Die COVID-19-Pandemie könnte deshalb in den folgenden Jahren zu einem deutlichen Anstieg der Nierenerkrankungen bei älteren Menschen nach COVID-19 führen, die sich vielleicht in der Zwischenzeit gut von den Residualsymptomen erholt haben, dann aber unter den Spätschäden leiden.
Da es keine Behandlung gibt, die die Nierenfunktion verbessern kann, könnten sich die Erkrankungen langfristig auf die Lebenserwartung auswirken. Unklar bleibt, ob es auch bei jüngeren Menschen zu Nierenschäden kommt. Ihre Folgen dürften sich aufgrund der besseren eGFR-Werte erst nach einer längeren Latenz bemerkbar machen.
Wie immer in einer retrospektiven Studie können die Zahlen den Zusammenhang nicht abschließend beweisen. Die klare Beziehung zwischen dem Ausmaß der Schäden und den Folgen deutet jedoch auf eine Kausalität hin.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126915/Post-COVID-Aeltere-Patienten-koennen-dauerhafte-Nierenschaeden-erleiden
INTERNATIONAL: WHO listet neue Corona-Variante Mu als „von Interesse“ – Antikörpter gegen Mu-Variante möglicherweise geringer wirksam – Deutsches Ärzteblatt, 2.8.2021
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine neue Coronavariante als „Variante von Interesse“ eingestuft. Es handelt sich um die Variante „Mu“, die zuerst im Januar in Kolumbien identifiziert worden ist, wie die WHO in ihrem wöchentlichen Coronabericht schrieb.
Es gebe Anzeichen, dass die Antikörper bei Genesenen oder Geimpften möglicherweise gegen die Variante „Mu“ noch weniger wirksam sind als gegen andere Virusvarianten. Dafür seien aber weitere Studien nötig.
Insgesamt gibt es damit fünf „Varianten von Interesse“, die mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt werden. Daneben gibt es vier „besorgniserregende Varianten“, darunter die auch in Europa inzwischen überwiegend verbreitete Variante Delta.
Die „Mu“-Variante sei in einigen Ländern Südamerikas und Europas nachgewiesen worden, schreibt die WHO. Aus 39 Ländern lägen genetische Untersuchungen des Virus vor.
Weltweit betrage der Anteil der Variante nach derzeitigen Schätzungen nur 0,1 Prozent. In Kolumbien liege er aber bei 38 Prozent und in Ecuador bei 13 Prozent, und der Anteil wachse. Die WHO verweist aber auf die unterschiedliche Kapazität von Ländern, Viren genetisch zu untersuchen.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126903/WHO-listet-neue-Coronavariante-von-Interesse
USA: Seit März mehr als 15 Millionen Coronaimpfdosen weggeworfen – Deutsches Ärzteblatt, 2.9.2021
In den USA sind einem Medienbericht zufolge seit März diesen Jahres mehr als 15 Millionen Coronaimpfdosen weggeworfen worden. Wie der Sender NBC gestern unter Berufung auf Daten der Gesundheitsbehörden berichtete, sind die Gründe vielfältig.
Neben zerbrochenen Ampullen, kaputten Gefrierschränken und Fehlern bei der Verdünnung des Impfstoffs kommt es demnach auch vor, dass aufbereitete Impfdosen übrig bleiben und dann nach einigen Stunden entsorgt werden müssen.
Die Zahl der weggeworfenen Impfdosen ist deutlich höher als gedacht – und die Dunkelziffer könnte sogar noch höher sein. Laut NBC wurden die Zahlen von Bundesstaaten und Apotheken gemeldet. Mindestens sieben Bundesstaaten und mehrere Bundesbehörden fehlen aber in der Statistik.
Insgesamt wurden in den USA bislang fast 444 Millionen Coronaimpfdosen ausgeliefert und 371 Millionen Dosen verabreicht. 52 Prozent der Bevölkerung sind inzwischen vollständig geimpft.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126911/USA-Seit-Maerz-mehr-als-15-Millionen-Coronaimpfdosen-weggeworfen
JAPAN: Moderna-Ampullen in Japan mit Edelstahlpartikeln verunreinigt – Deutsches Ärzteblatt, 2.9.2021
In verunreinigten Ampullen des Coronaimpfstoffs von Moderna in Japan sind nach Angaben des US-Unternehmens Edelstahlpartikel gefunden worden. Wie Moderna und sein japanischer Partner Takeda gestern mitteilten, haben Produktionsfehler in einer Fertigungsanlage in Spanien zu der Verunreinigung in einer von drei ausgemusterten Chargen geführt.
Für die Patienten entstehe durch die Stahlpartikel aber kein erhöhtes Risiko, versicherte Moderna. Auch die Nutzen-Risiko-Bewertung des Vakzins ändere sich nicht.
Moderna betonte, Edelstahl komme in der Medizin routinemäßig zum Einsatz, etwa in künstlichen Herzklappen oder Gelenken. Bei einer Injektion von kleinen Stahlpartikeln in den Muskel sei allenfalls eine Reaktion an der Einstichstelle, aber kein darüber hinausgehendes erhöhtes medizinisches Risiko zu erwarten.
Japan hatte vergangene Woche drei ganze Chargen mit gut 1,6 Millionen Dosen des Coronaimpfstoffs von Moderna aus dem Verkehr gezogen, nachdem in einigen Ampullen „Fremdstoffe“ festgestellt wurden. Das japanische Gesundheitsministerium untersucht zudem einen möglichen Zusammenhang zwischen den verunreinigten Moderna-Ampullen und dem Tod von zwei Männern.
Die beiden Männer im Alter von 30 und 38 Jahren waren aus bisher ungeklärter Ursache kurz nach ihrer zweiten Impfdosis gestorben – die Vakzine stammten aus den später zurückgezogenen Chargen. Moderna erklärte gestern, es gebe keine Hinweise auf einen Zusammenhang zu der Impfung.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126912/Moderna-Ampullen-in-Japan-mit-Edelstahlpartikeln-verunreinigt
NORDKOREA: Unicef: Nordkorea lehnt Spende von chinesischem Coronaimpfstoff ab – Deutsches Ärzteblatt, 2.9.2021
Nordkorea hat ein Angebot von drei Millionen Dosen des chinesischen Coronaimpfstoffs abgelehnt. Wie das UN-Kinderhilfswerk Unicef gestern mitteilte, begründete die Führung in Pjöngjang dies offiziell damit, dass das Vakzin zunächst Ländern zur Verfügung gestellt werden solle, die es dringender benötigten.
Nordkorea war das erste Land, das einen vollständigen Lockdown verhängte, nachdem sich das Coronavirus von China aus verbreitete. Noch heute erklärt sich das Land als virusfrei – dies wird allerdings von Fachleuten bezweifelt.
Außerdem hatte der Lockdown dramatische Auswirkungen: Im Juni räumte die Führung in Pjöngjang ein, dass es eine „Lebensmittelkrise“ gebe. Das weitgehend isolierte Land habe mitgeteilt, dass die Impfstoffe aus China anderen Ländern zur Verfügung gestellt werden könnten, erklärte Unicef.
Die Spende sollte an Nordkorea über die internationale Impfinitiative Covax abgewickelt werden. Pjöngjang erklärte laut Unicef aber seine Absicht, mit Covax in Kontakt zu bleiben, um „in den kommenden Monaten Impfstoffe zu erhalten“.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126941/Unicef-Nordkorea-lehnt-Spende-von-chinesischem-Coronaimpfstoff-ab
ISRAEL: Strengreligiöse Juden in Israel stärker von COVID-19 betroffen – Deutsches Ärzteblatt, 2.9.2021
Der Anteil strengreligiöser Juden unter den mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizierten Israelis ist in den vergangenen vier Wochen stark gestiegen. Waren vor einem Monat rund fünf Prozent der Infizierten ultraorthodox, stieg die Zahl bis Dienstag auf 20 Prozent, berichtet die Zeitung Haaretz. Sie beruft sich auf Zahlen des Gesundheitsministeriums.
Pro 10.000 ultraorthodoxen Israelis sind demnach 14,8 Personen mit dem Virus infiziert, verglichen mit 10,2 Personen im gesamtisraelischen Durchschnitt und 3,7 Personen von 10.000 arabischen Israelis. Mit 60 Prozent ebenfalls deutlich über dem Landesdurchschnitt (42 Prozent) lag der Anteil der unter 18-Jährigen unter den Infizierten.
Besser stehen die Strengreligiösen in der Statistik der schwer an COVID-19 Erkrankten. Pro eine Million Ultraorthodoxer gab es demnach gestern 4,2 Kranke in schwerem Zustand, verglichen mit zwölf Personen im Landesdurchschnitt und acht in der arabischen Bevölkerung.
Ein möglicher Grund für die überdurchschnittlich gestiegenen Infektionsraten könnte sein, dass ultraorthodoxe Schulen traditionell mit Beginn des jüdischen Monats Elul (8. August) das neue Schuljahr beginnen, einen Monat früher als die anderen Schulen in Israel.
Mehrere prominente Rabbiner hatten ihre Anhänger zuletzt aufgerufen, sich impfen zu lassen und die Coronaschutzmaßnahmen einzuhalten. Laut Bericht der Zeitung wurden zudem einige Veranstaltungen zu den bevorstehenden hohen jüdischen Feiertagen abgesagt.
Strengreligiöse Juden machen rund zwölf Prozent der israelischen Bevölkerung aus. Vor allem zu Beginn der Pandemie kam es in diesem Teil der Gesellschaft Israels regelmäßig zu Verstößen gegen behördliche Schutzmaßnahmen. Die Zahl der an COVID-19-Erkrankten lag deutlich über dem Bevölkerungsdurchschnitt; die Impfrate insbesondere bei den 12- bis 15-Jährigen ist deutlich niedriger als bei Altersgenossen aus anderen gesellschaftlichen Gruppen.
Die Zahl der Coronaneuinfektionen in Israel ist insgesamt auf den höchsten Stand seit Beginn der Pandemie gestiegen. Es seien 11.187 neue Fälle registriert worden, teilte das Gesundheitsministerium heute mit. Es ist der dritte Tag in Folge mit mehr als 10.000 neuen Fällen in Israel. Die Zahl der Schwerkranken ist gleichzeitig stetig gesunken und liegt etwa bei der Hälfte des Wertes von Januar.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126918/Strengreligioese-Juden-in-Israel-staerker-von-COVID-19-betroffen
DEUTSCHLAND: Virologe Streeck: 2G weder sozial noch medizinisch sinnvoll – dts, 2.9.2021
Der Bonner Virologe Hendrik Streeck hat sich gegen 2G-Begrenzungen ausgesprochen, also nur noch Geimpfte und Genesene bestimmte Angebote nutzen zu lassen. Getestete auszuschließen „ist weder sozial noch medizinisch sinnvoll“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstagausgabe).
2G möge in der Theorie einen Effekt haben. „Es wird aber in der Realität nicht bewirken, was man auf dem Rechenschieber sehen mag“, so der Virologe. „Es ist doch nicht so, dass Menschen, die nicht geimpft oder genesen sind, nur noch frustriert alleine zu Hause sitzen und kein soziales Leben mehr haben“, fügte der Mediziner hinzu. „Wir würden lediglich mehr unkontrollierte und unkontrollierbare Ausbrüche im privaten Bereich haben, die dann auch nicht getestet werden.“
Streeck bekräftigte seine Zweifel am Sinn einer durchgängigen dritten Impfung. „Es gibt keinen belastbaren Hinweis, dass die Wirkung von zwei Impfungen derart nachlässt, dass sie das Hauptziel des Schutzes vor einem schweren Verlauf prinzipiell nicht mehr gewährleisten.“ Nur bei Patienten mit hohem Risiko, zum Beispiel in Alten- oder Pflegeheimen, möge eine Booster-Impfung sinnvoll sein.
QUELLE: https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2021-09/53836081-virologe-streeck-2g-weder-sozial-noch-medizinisch-sinnvoll-003.htm
DEUTSCHLAND: Coronakrise: Deutsche sehen sich besonders eingeschränkt – Deutsches Ärzteblatt, 2.9.2021
In Deutschland fühlen sich die Menschen einer EU-weiten Umfrage zufolge durch die Coronapandemie besonders in ihrer Freiheit eingeschränkt. Wie aus der gestern vom Brüsseler Politikinstitut European Council on Foreign Relations (ECFR) vorgestellten Erhebung zur Wahrnehmung der Krise hervorgeht, fühlten sich lediglich elf Prozent der Befragten in Deutschland in der Gestaltung ihres Alltags „frei“.
35 Prozent fühlten sich „teilweise frei“, 49 Prozent fühlten sich „nicht frei“. Zugleich gaben 68 Prozent der Befragten in Deutschland an, sich 2019 vor der Coronapandemie frei gefühlt zu haben. Damit sahen sich die Menschen hierzulande so sehr von der Coronakrise in ihrer Freiheit eingeschränkt wie in keinem anderen der zwölf untersuchten EU-Länder.
Im europäischen Gesamtdurchschnitt gaben 22 Prozent an, sich frei zu fühlen, während 64 Prozent angaben, sich vor der Pandemie frei gefühlt zu haben.
In Deutschland gaben zugleich 65 Prozent der Befragten an, keine direkten Auswirkungen der Pandemie wie Krankheit oder wirtschaftliche Schäden erlebt zu haben. 23 Prozent gaben an, von der Pandemie durch Krankheit, Krankenhausaufenthalt oder Tod eines Angehörigen oder Freundes betroffen zu sein. 13 Prozent gaben an, wirtschaftlich durch Jobverlust oder ein geringeres Einkommen betroffen zu sein.
In Spanien und Italien, die in der Pandemie hohe Totenzahlen verzeichneten, gaben mehr Menschen an, direkt von den Folgen der Coronakrise betroffen zu sein. In Spanien sahen sich 42 Prozent der Befragten direkt von der Krankheit betroffen, in Italien waren es 28 Prozent.
Für die Befragung von 16.000 Menschen in zwölf EU-Ländern beauftragte das ECFR mehrere Institute. Die Telefon- und Online-Interviews wurden im Mai und Juni geführt.
QUELLE: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126921/Coronakrise-Deutsche-sehen-sich-besonders-eingeschraenkt
ÖSTERREICH: Gudrun Springer: Popper: „Eine Million Menschen müssten zeitnah geimpft werden“ – In den nächsten Monaten könnten die Spitäler überlastet werden, wenn sich nicht mehr Menschen impfen lassen – Prognose-Konsortium empfiehlt Maßnahmen – Der Standard, 2.9.2021
Die Prognosen für den Herbst wurden unterboten: Deutlich weniger Österreicherinnen und Österreicher gehen derzeit zur Erstimpfung gegen Covid, als im Sommer von Experten angenommen worden ist. Daher hat das Covid-Prognose-Konsortium, das die Regierung berät, Langfristszenarien erstellt, die den aktuellen Impfverlauf berücksichtigen. Die am Donnerstag veröffentlichten Annahmen zeigen sehr deutlich: Nur wenige Prozentpunkte Unterschied bei der Impfrate lassen die Kurven der daraus resultierenden Infektionen und Hospitalisierungen deutlich abflachen. Zur Erinnerung: In Österreich sind derzeit rund 58,4 Prozent vollständig immunisiert. In dem Papier heißt es, dass „die Impfgeschwindigkeit im Zuge des Sommers 2021 rapide gesunken ist und deutlich unter dem angenommenen Worst-Case-Szenario“ zu liegen gekommen sei.
Simulationsforscher Nikolas Popper, der auch Mitglied des Prognose-Konsortiums ist, sagt im STANDARD-Gespräch: „Es müssten noch eine Million Menschen zeitnah geimpft werden, um einen guten Effekt zu erzielen.“ Andernfalls werde es deutlich schärfere Maßnahmen brauchen – oder es drohe eine Überlastung der Spitalskapazitäten.
*** Mehr Maßnahmen nötig ***
Das Papier gibt denn auch an, dass „im Vergleich zum aktuellen Maßnahmenregime“ mehr Schutzmaßnahmen notwendig sein werden, „um eine Überlastung der Intensivstationen (33-Prozent-Belagsgrenze) zu verhindern“. Über weitere Maßnahmen für den Herbst wird aktuell ja innerhalb der Bundesregierung beraten.
Bei derzeitigen Durchimpfungszahlen würden wenige Prozentpunkte mehr einen großen Unterschied machen, erklärt Popper von der TU Wien, die an dem Konsortium ebenso beteiligt ist wie auch Vertreter der Medizinischen Universität Wien/Complexity Science Hub Vienna (CSH) und der Gesundheit Österreich GmbH. Die ersten zehn bis 15 Prozent Geimpfte brächten de facto noch keinen Effekt“, sagt Popper, aber ab 50 Prozent und unter 90 Prozent Durchimpfungsrate sei „die Maßnahme des Impfens mit jedem Prozentpunkt enorm effektiv“.
Bereits wenige Prozentpunkte mehr in der Durchimpfungsrate könnten „zu einem deutlich früheren Abflachen der vierten Welle führen“, heißt es auch in dem Papier der Prognose-Experten. Der Schutz vor Infektionen wird für Teilimmunisierte mit 30 Prozent und für Vollimmunisierte mit 80 Prozent angenommen. Vor einer Hospitalisierung aufgrund einer Covid-Erkrankung liege er deutlich höher.
*** Schulbeginn und Reiserückkehr ***
Weiters steht darin, dass das Infektionsgeschehen im Herbst „von mehreren Faktoren maßgeblich beeinflusst“ werde: Reiserückkehrern bzw. dem Ende der Sommerferien und der damit verbundenen Rückkehr an den Arbeitsplatz sowie die Schule. Man geht davon aus, dass „all diese Faktoren das Infektionsgeschehen gleichermaßen in einem Ausmaß verändern, wie dies auch im Herbst 2020 der Fall war“ – zusätzlich unter der Berücksichtigung der höheren Transmissibilität der Delta-Variante sowie des Impffortschrittes. Der Impfplafond (also welche Rate erreicht wird) wird diesmal mit 62 oder mit 70 Prozent angenommen. Weiters zeigen die Prognosen, wie treibende oder dämpfenden Faktoren die Entwicklung mitbeeinflussen können.
*** Limit bei 5.000 Neuinfektionen ***
Bleiben die Maßnahmen, wie sie aktuell sind (inklusive bereits Wiedereinführung von mehr Maskenpflicht indoor, wovon das Konsortium offenbar ausgeht), geht man bei einem Impfplafond von 62 Prozent von einem Höhepunkt der Infektionszahlen in etwa im Laufe des Oktobers bis Novembers aus. In dem Szenario ist auch mit einer Überlastung der Spitalskapazitäten zu rechnen. Da wäre bei rund 5.000 Neuinfektionen am Tag über eine gewisse Zeit gegeben. Die Zehn-Prozent-Hürde wäre schon mit täglichen 1.500 Neuinfektionen überschritten. Dann müssen planbare OPs verschoben werden, worauf man sich derzeit in Österreich schon teilweise vorbereitet.
*** Große Schwankungsbreite ***
Hier sei zu erwähnen, dass Popper schon derzeit von deutlich höheren Infektionszahlen als den aktuell täglich publizierten ausgeht (in etwa 4.000 bis 5.000 am Tag), da es eine gewisse Dunkelziffer gebe. Zusätzlich sei erwähnt, dass die einzelnen Szenarien laut Papier „einer großen statistischen Schwankungsbreite unterliegen“. Im Basisszenario bei einem Impfplafond von 62 Prozent sei zum Beispiel sowohl ein deutliches Unter- wie Überschreiten der 33-Prozent-Auslastungsgrenze der Spitäler mit einer Wahrscheinlichkeit von ein zu sechs möglich. Ein wichtiger Faktor ist dabei etwa, wie alt die Infizierten sind.
*** Flache Kurven ***
Bei höherem Impfschutz und mehr Maßnahmen zur Eindämmung des Virus – genannt wird etwa die Schließung der Nachtgastronomie oder eine nächtliche Ausgangssperre – flachen die Kurven, die sich aus den Infektions- und Hospitalisierungszahlen ergeben, deutlich ab.
Im Best-Case-Szenario (Impfplafond bei 70 Prozent Vollimmunisierung der Gesamtbevölkerung und Maßnahmen, die die Reproduktionszahl, also wie viele Menschen eine infizierte Person im Mittel ansteckt, um 20 Prozent verringern) „ist eine systemgefährdende Epidemiewelle bis Dezember nahezu auszuschließen“.
QUELLE: https://www.derstandard.at/story/2000129365705/popper-eine-million-menschen-muessten-zeitnah-geimpft-werden
ÖSTERREICH: An Hochschulen laut Experten 1G, 2G und 3G möglich – Distanzbetrieb nur als Ausnahme – Privatunis können selbst entscheiden – Science-APA, 2.9.2021
Während es für den Schulbetrieb in Zeiten von Corona konkrete Vorgaben des Bildungsministeriums gibt, können an den Hochschulen die Rektorate autonom über die Regeln für den Präsenzbetrieb bestimmen. Schon jetzt können öffentliche Unis, Fachhochschulen (FH) und Pädagogische Hochschulen (PH) nur Geimpften, Getesteten und Genesenen (3G) den Zutritt ermöglichen. Sie können den Zugang aber noch restriktiver regeln, waren sich Experten am Donnerstag bei einer Tagung in Wien einig.
Die Autonomie der Hochschulen auch in dieser Frage verteidigte Maximilian Richter, der im Bildungsministerium u.a. für Hochschulgovernance zuständig ist. Immerhin gebe es im Hochschulbereich die unterschiedlichsten Rahmenbedingungen, vom Eins-zu-Eins-Unterricht bis hin zu Vorlesungen mit hunderten Studierenden, so Richter bei der gemeinsam mit der Ombudsstelle für Studierende und der Sigmund Freud Privatuniversität (SFU) abgehaltenen Veranstaltung.
*** Distanzbetrieb nur als Ausnahme ***
Als Rahmen gebe es neben dem zweiten Covid-19-Hochschul-Gesetz Empfehlungen des Ministeriums und einen wöchentlichen Jour fixe. Das Ziel des Ressorts für das Wintersemester sei jedenfalls klar: „Der Distanzbetrieb soll die Ausnahme sein.“ Um dabei größtmögliche Sicherheit zu ermöglichen, können die Hochschulen die 3G-Regel anwenden, aber „auch eine engere Anwendung ist möglich“, betonte Richter. Eine weitere Einschränkung müsse allerdings gut begründet werden. Zuletzt haben etwa die Medizin-Unis in Innsbruck und Wien eine Impfpflicht für den klinischen Bereich beschlossen, an der Medizin-Uni Graz gilt weitestgehend eine G2-Regel.
Bei der Pandemiebekämpfung müssten jene Maßnahmen gewählt werden, die ein Höchstmaß an Wirksamkeit bei einem Minimum an Eingriffen in Freiheitsrechte ermöglichen, betonte Verfassungsjurist Bernd-Christian Funk das Gebot der Verhältnismäßigkeit. In der Praxis sei das aufgrund der oft ungewissen Entscheidungsgrundlagen ein komplexer Prozess. Neben der 3G-Regel kämen für ihn auch bedingte Impfpflichten in Betracht – wenn diese Maßnahme aufgrund der epidemiologischen Gefahr notwendig, verhältnismäßig und wegen der Eigenart der akademischen Veranstaltung erforderlich ist. Klar sei aber auch, dass die 1G-Regel nicht als Druckmittel verwendet werden dürfe, um die Impfquote zu steigern. Da würden bei ihm aus verfassungsrechtlicher Sicht die Alarmglocken schrillen, so Funk. Gleichzeitig betonte er die Notwendigkeit, dass auch jener kleinen Gruppe, die nicht impfbar ist, eine digitale Teilnahme an Lehrveranstaltungen ermöglicht werden müsse. Anders sehe es aus, wenn jemand aus sachlich nicht nachvollziehbaren Gründen die Impfung ablehnt, etwa weil er Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit befürchte.
*** Privatunis können selbst entscheiden ***
Bei Privathochschulen und Privatunis wäre es laut Stefan Huber von Cerha Hempel Rechtsanwälte schon jetzt möglich, eine Corona-Impfung als Voraussetzung für die Zulassung festzulegen. Bei den Fachhochschulen gebe die geltende Rechtslage eine Impfung als Voraussetzung für die Zulassung hingegen nicht her, so der Jurist. Allerdings wäre es dem Staat aufgrund des verfassungsrechtlichen Rahmens grundsätzlich sehr wohl möglich, eine Impfpflicht als Voraussetzung für die Zulassung zu erlassen, wenn dies mit dem Schutz der Allgemeinheit begründet werden kann.
Arbeitsrechtlich sei die Frage einer Impfpflicht für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angesichts etwa der Vielfalt der Dienstrechte, Berufsrechte und der notwendigen Interessensabwägungen höchst komplex, betonte Arbeitsrechtler Wolfgang Mazal. „One size fits all geht nicht in diesen Dingen.“ Hier müssten die Hochschulen anhand der konkreten Umstände in ihren Einrichtungen und auch unter Berücksichtigung der Fürsorgepflicht etwa gegenüber immunsupprimierten Mitarbeitern Vorgaben machen. Mit dem Begriff Impfpflicht hat Mazal dabei generell ein Problem, eine solche könne man als Arbeitgeber nämlich bei entsprechender Begründung zwar festlegen, allerdings nie durchsetzen. Stattdessen plädiert Mazal dafür, dass Arbeitgeber ihre Redefreiheit nutzen und Mitarbeiter danach fragen, ob sie geimpft sind. Dabei hätten sie auch ein Recht auf eine wahre Antwort, wobei das durchaus sein könne, dass der Arbeitgeber darüber keine Auskunft geben will. Dafür müssten aber auch beide Seiten die Konsequenzen tragen. Sollte ein Mitarbeiter deshalb im Unternehmen nicht einsetzbar sein, wäre dann als ultima Ration auch eine betriebsbedingte Kündigung möglich.
Für die Epidemiologin Eva Schernhammer von der Medizin-Uni Wien wäre laut schriftlicher Stellungnahme ein „halbwegs normaler Präsenzunterricht“ erst bei einer Impfquote von mehr als 95 Prozent möglich, deshalb hätten in den USA auch bereits mehrere Universitäten wie Harvard oder Stanford eine 1G-Regel auf ihrem Campus festgelegt. Zusätzlich wird dort zumindest einmal pro Woche am Campus getestet. „Aus epidemiologischer Sicht spricht auch in Österreich in Anbetracht der wieder steigenden Infektionszahlen derzeit einiges für diese Maßnahmen“, plädiert sie für eine Impfpflicht samt flankierender Maßnahmen.
QUELLE: https://science.apa.at/power-search/15829184283730598330