Tagesblick – 8.12.2025 Montag

Views: 0

FAZIT DES TAGES ULTRAKURZ – oder: Nachrichten aus dem irrwitzigen Weltzirkus

  • ISRAEL-HAMAS-HISBOLLA-KRIEG: Bundeskanzler Merz auf Antrittsbesuch in Israel: Zwei-Staaten-Lösung sine qua non, aber sonst dicke Freundschaft und Verpflichtung Israel gegenüber.
    Netanjahu: never ever eine Zwei-Staaten-Lösung.
    Netanjahu sieht in Waffengeschäft mit Deutschland eine „historische Wende“ und
    lobt gute Beziehung zu Deutschland.
    Nach Monaten: Israel und Qatar reden wieder miteinander.
    Jordaniens König und deutscher Bundeskanzler engagiert für Zwei-Staaten-Lösung
    Netanjahu: Israel bleibt in Pufferzone im Süden Syriens
    Generalstabschef Israels legt neue Grenze in Gaza fest.
  • UKRAINE-KRIEG: Gebietsgewinne und -verluste für Russland.
    Ohne Strom: Russland attackiert Energieinfrastruktur der Ukraine, Reparaturen werden andauern.
    Kräftige Nadelstiche der Ukraine (Ölraffinerie u.a.).
    Neuerlich unterschiedliche Signale der USA Richtung Deutschland und Europa.
  • USA: Musk zürnt der EU wegen deren X-Strafe.
    Gefahr durch Maha: USA wird durch Impfskeptiker und Influencer kränker.
  • BRASILIEN: Youtube-Klickfarm aufgedeckt, sorgte für höhere Werbeeinahmen und kurbelte Verkauf von Waren an.
  • BENIN: Putsch vereitelt.
  • Weitere COMMENTS vorhanden

MÄRKTE – Aufwärts (Freitagsschluss) – NEU: Hauptversammlungskalender für österreichische Aktiengesellschaften (Link)

RELEVANTES ZU MARKT, WIRTSCHAFT & GESELLSCHAFT – Weihnachtskäufe gedämpft: kein Geld in der Tasche lässt auf Erspartes zurückgreifen; KI nimmt Social-Media in Beschlag; Ukrainekrise: Goldkäufe signalisieren neue Geldordnung;

REPORT – Deutschland und Europa auf dem Weg in den Niedergang

SENTIX – Deutliche Warnzeichen auf vielen Märkten, insbesondere an den Rentenmärkten (Anleihen): es könnte für Anleihen und Aktien im Sauseschritt nach Süden gehen, aber ordentlich: abwarten und Tee trinken. Könnte, könnte, könnte … die Bereinigung mit Geldvernichtung ist überfällig.

THEMENREIGEN – RELIGION: Was bedeutet eigentlich das Hochfest „Mariä Empfängnis“ – UMWELT: Riesenwelle auf Teneriffa tötet drei Menschen. MENSCHEN: „Malcolm mittendrin“-Stars heute.

Viel Stoff – Nutze die Suchfunktion!

Apropos Weltzirkus: Zirkus ist was für Kinder und Junggebliebene, Staunen und Lachen über die Clowns! Im Weltzirkus tummeln sich viele Zauberkünstler und Clowns. Lachen wir also, Lachen ist die beste Medizin gegen Depressionen. 

EMPFEHLUNG

INFORADIO als Nachrichtensender am laufenden Band ist mit einem DAB-fähigen Radio zu empfangen. Es wird betrieben von RTR – KommAustria.

Das INFORADIO ist eine wertvolle Ergänzung zu anderen Agenturmeldungen und zum ORF.

Dazu allerdings ca. 15 bis 20 Minuten Zeit für konzentriertes Zuhören einplanen.

###############

Was denkt „das Volk“? Wer über gute Nerven und über argumentativ gefestigte Einstellungen verfügt sowie sich darüber informieren möchte, was die Hirne und Herzen der Menschen bewegt, der schaue auf X(Twitter) und Bluesky. Sehr aufschlussreich, aber bitte: Warm anziehen und Brechschale vulgo Speibeimer bereithalten!

MÄRKTE

DJI – BAHA *** DJI – KGV *** Rendite 10-jg. US-Anleihen

DAX Deutsche Börse *** DAX – KGV *** Rendite 10-jg. Bundesanl. *** Euro-Bund Futures

COMMENT: Die Zinshoffnungen blühen, das ersehnte Billiggeld lockt …

Kaum davon entfernt: die Hoffnung auf die Santa-Claus-Rally, schon ist sie da als sich selbst erfüllende Prophezeiung, die Jahresendrally rückt in greifbare Nähe. Die Hoffnung auf ein Kriegsende in der Ukraine entzünden Wiederaufbaugewinn-Phantasien (oder Phantastereien), dazu kommen Lichtschimmer-Daten für die europäische und deutsche Wirtschaft. Na denn, aufwärts, negative Charttechnik der letzten Tage: adé!

COMMENT zum COMMENT: an der Börse fliegen die schwarzen Schwäne tief.

09:27EUREX/DAX-Future im frühen Handel niedriger235Dow Jones News
09:27EUREX/Bund-Future im Frühhandel niedriger243Dow Jones News
09:21MÄRKTE ASIEN/Keine klare Richtung vor Fed-Zinsentscheidung285Dow Jones News

RELEVANTES ZU MARKT, WIRTSCHAFT & GESELLSCHAFT – Deutsche Wirtschafts-Nachrichten, 8.12.2025

Höhere Preise drücken auf viele Haushalte: Gut ein Drittel muss für Weihnachtsgeschenke an die Rücklagen gehen.

Die sozialen Netzwerke verändern sich rasant, während persönliche Beiträge seltener werden und KI-Inhalte die Feeds bestimmen.

Der Ukraine-Krieg löst eine neue Geldordnung aus. Während der Krieg in der Ukraine weiter tobt, sichern sich Zentralbanken weltweit mit Gold ab – aus Furcht vor Sanktionen, Währungsrisiken und geopolitischen Machtverschiebungen. Was als Reaktion auf Russlands eingefrorene Devisen begann, ist längst zu einem globalen Vertrauensbruch im Finanzsystem geworden. Gold ersetzt Anleihen, politische Sicherheit schlägt Rendite – ein Signal, das auch Deutschland nicht ignorieren kann.

AKTUALISIERT – GESELLSCHAFTSSEISMOGRAPH BÖRSEN

findet sich am Ende des Tagesblicks und wurde aktualisiert am

HELLMEYER-REPORT (Märkte u.a.m.)

  • Märkte: Verhalten risikofreundlich
  • Frankreich: Katalysator für Krise
  • Deutschland: Abgabenquote erreicht Rekordwert
  • Deutschland: Umsatz im Dienstleistungssektor im September schwächer

Hier den Hellmeyer Report lesen!

SENTIX

Überhitztes Sentiment, fallender Bias – sentix Survey Essentials (49-2025)

An den Aktienmärkten herrscht weiter hoher Optimismus. Gleichzeitig erodiert der Strategische Bias – insbesondere für die europäischen Märkte. Folglich schießen die Salden aus Sentiment und Bias nach oben: Die TD-Indizes geben reihenweise Verkaufssignale. Weiteres Ungemach deutet sich auch am Bondmarkt an: Rückläufige Bond-Kurse erzeugen keinerlei Gegenwehr. Beim Silber ist immer noch eine hohe Overconfidence zu verdauen, obwohl die TD-Indizes stützend wirken.

Weitere Ergebnisse

  • Bonds: Keine Gegenwehr
  • Silber: Immer noch hohe Overconfidence
  • sentix Konjunkturindex: Montag, 08.12.2025 um 10:30h MEZ

Bund-Future

Die Renditen steigen bei Langläufern weltweit. Das hat auch Auswirkungen auf den Bund-Future. Doch fallende Kurse erzeugen keine Wertwahrnehmung. Vielmehr fehlt jegliche Gegenwehr, der Bias fällt alleine diese Woche um 5 Prozentpunkte.

COMMENT: Wehe, wehe, wehe, wenn die ozeangleichen Rentenmärkte (Anleihen) ins Rutschen kommen, dann aber: ab nach Süden im Sauseschritt auch für die kleinen Pfützen, genannt Aktienmärkte. Schauen wir mal.

ZENTRALBANKEN

WIRTSCHAFTSMELDUNGEN IM ÜBERBLICK

ISRAEL-IRAN-HAMAS-HISBOLLAH-KRIEG

Netanjahu antwortet Al-Scharaa: Israel will Pufferzone im Süden Syriens nicht verlassen

Obwohl US-Präsident Trump ihn zur Zurückhaltung in Syrien anhält, besteht Netanjahu auf der Präsenz israelischer Truppen im Süden des Landes. Er erwarte eine Pufferzone von Damaskus bis zu den Golan-Höhen, erklärt Israels Regierungschef.  8.12.2025

Schutz gegen Hamas-Terroristen: Israelischer Armeechef verkündet neue Grenze zum Gazastreifen

Die israelische Armee hat sich im Rahmen einer Waffenruhe aus Teilen des Gazastreifens zurückgezogen. Doch das Militär hält weiterhin ein großes Gebiet besetzt. Der Generalstabschef definiert daher nun eine neue Grenze. 07.12.2025

Gedenkstätte Yad VashemMerz sieht dauerhafte deutsche Verantwortung für Israel

Der Antrittsbesuch des Bundeskanzlers in Israel kommt in schwierigen Zeiten. Beim anstehenden Treffen mit Ministerpräsident Netanjahu soll es auch um die Lage der Palästinenser gehen. In der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem äußert sich Merz ganz klar. – 07.12.2025

Antrittsbesuch in NahostMerz: Gaza-Krieg hat Deutschland „vor einige Dilemmata gestellt“

Merz bekräftigt bei seinem Israel-Besuch die enge Partnerschaft und hofft auf konkrete Fortschritte bei Trumps Gaza-Plan. Auch Schwierigkeiten mit Blick auf Israels Vorgehen im Krieg spricht er an. 06.12.2025

ISRAEL-IRAN-KRIEG im n-tv Liveticker

ISRAEL – NAHOST-KONFLIKT im n-tv Liveticker

ISRAEL – NAHOST-KONFLIKT im FAZ-Liveblog

Chronologisch absteigend, jüngste Meldungen zuoberst:

Montag, 8. Dezember 2025

Treffen in New York: Israel und Quatar wieder im Austausch miteinander

Israel und Qatar reden wieder auf hoher Ebene miteinander. Drei Monate nach dem israelischen Luftangriff in dem Golfstaat haben sich Vertreter beider Länder sowie der USA einem Bericht zufolge in New York getroffen. Das Treffen sei vom US-Sondergesandten Steve Witkoff geleitet worden, berichtete das Nachrichtenportal „Axios“. Für Israel habe der Chef des Auslandsgeheimdienstes Mossad, David Barnea, teilgenommen. Qatar habe einen hochrangigen Regierungsvertreter nach New York geschickt. Das Weiße Haus bestätigte das Treffen zunächst nicht. 

Qatar und Ägypten hatten gemeinsam mit den USA die Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas vermittelt Anfang September hatte die israelische Armee Luftangriffe auf Ziele in Qatars Hauptstadt Doha geflogen, die sich nach Armeeangaben gegen die Führungsebene der Hamas richteten. Sechs Menschen wurden getötet, allerdings niemand aus der obersten Hamas-Führungsriege. 

Donald Trump hatte den Verbündeten Israel danach außergewöhnlich scharf kritisiert. Auf Druck des US-Präsidenten bat der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei einem Empfang im Weißen Haus Qatars Regierungschef Mohammed bin Abdulrahman al-Thani telefonisch um Entschuldigung für den Luftangriff.

Sonntag, 7. Dezember 2025

Israels Generalstabschef legt neue Grenze im Gazastreifen fest

Israels Generalstabschef Eyal Zamir hat die Rückzugslinie der Truppen im Gazastreifen zu einer neuen Grenze erklärt. Zamir sagte nach Armeeangaben während eines Truppenbesuchs im nördlichen Gazastreifen, die sogenannte „gelbe Linie“ sei eine neue Grenze, eine vordere Verteidigungslinie für die israelischen Grenzgemeinden und zugleich eine Angriffslinie. Israel werde nicht zulassen, dass sich die islamistische Hamas im Gazastreifen wieder etabliere. „Wir werden auf jeden Versuch, unsere Streitkräfte zu bedrohen, mit aller Härte reagieren“, sagte er. 

Die israelische Armee hat sich im Rahmen einer vereinbarten Waffenruhe mit der Hamas hinter die „gelbe Linie“ zurückgezogen. Sie ragt zwischen 1,5 und 6,5 Kilometer in den Küstenstreifen hinein. Nach unterschiedlichen Angaben kontrolliert Israel damit etwas mehr als die Hälfte des Gazastreifens. In dem Küstengebiet leben mehr als zwei Millionen Palästinenser. Die „gelbe Linie“ erhielt ihren Namen, weil die israelische Armee die Rückzugslinie mit gelb markierten Betonelementen und Schildern kennzeichnet. Die „gelbe Linie“ stellt damit auch eine neue Gebietsaufteilung im Gazastreifen dar. 

Gemeinsame Reise nach Jordanien von US-Botschafter bei der UN und EU-Außenbeauftragter Kallas

Der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Mike Waltz, und die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sind zu Gesprächen über die Lage im Gazastreifen nach Jordanien gereist. Er sei in der jordanischen Hauptstadt Amman, um über beschleunigte Lieferungen von humanitärer Hilfe für das palästinensische Küstengebiet zu sprechen, erklärte Waltz im Onlinedienst X. 

Wie der jordanische Königspalast bekannt gab, traf die EU-Außenbeauftragte mit König Abdullah II. zu Gesprächen über die Waffenruhe im Gazastreifen zusammen. Abdullah II. habe dabei die Notwendigkeit bekräftigt, die Bedingungen der Waffenruhe einzuhalten, um den Krieg im Gazastreifen zu beenden und die Versorgung mit Hilfsgütern sicherzustellen, hieß es in der Erklärung des Königspalasts weiter.

Israel-Besuch: Bundeskanzler Merz hält an Zwei-Staaten-Lösung fest, Netanjahu kontert energisch

Trotz der klaren Ablehnung eines eigenen Staats für die Palästinenser durch die israelische Regierung hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) während seines Antrittsbesuchs in Israel sein Plädoyer für eine Zweistaatenlösung bekräftigt. 

Die Gründung eines Palästinenserstaats an der Seite Israels eröffne vermutlich die „beste Aussicht“ für eine Zukunft im Nahen Osten, in der Israelis, Palästinenser und arabische Nachbarn „dauerhaft im Frieden“ leben, sagte Merz am Sonntag bei einer Pressekonferenz mit Israels Präsident Benjamin Netanjahu in Jerusalem. 

Der Kanzler bekräftige zugleich die Haltung der Bundesregierung, einen Palästinenserstaat im Unterschied zu vielen anderen Ländern – auch westlichen Partnern – nicht schon jetzt anzuerkennen. Die Bundesregierung bleibe bei ihrer Auffassung, dass die Anerkennung eines palästinensischen Staates „am Ende und nicht am Anfang eines Verhandlungsprozesses“ zu erfolgen habe.

Die Zweistaatenlösung werde sich nur durch Verhandlungen verwirklichen lassen, „und sie wird am Ende dieser Verhandlungen stehen“, sagte Merz bei der Pressekonferenz vor Journalisten in Jerusalem. Allerdings wisse niemand, was bei diesen Verhandlungen herauskommen werde: „Wichtig ist, dass es einen Weg gibt, der den Staat Israel in Sicherheit, in Frieden leben lässt“, betonte Merz.

Netanjahu bezog an der Seite des Bundeskanzlers energisch Stellung gegen die Gründung eines Palästinenserstaats. „In der Frage von zwei Staaten haben wir offenkundig eine unterschiedliche Sichtweise“, sagte er. Ein künftiger Palästinenserstaat hätte das Ziel, Israel als den „einzigen jüdischen Staat zu vernichten“, sagte der israelische Regierungschef. Es dürfe kein neuer Staat auf der „Türschwelle“ Israel gegründet werden, „der sich unserer Vernichtung verschreibt“, sagte Netanjahu. Er hob auch hervor, dass eine große Mehrheit im israelischen Parlament quer durch die politischen Lager einen Palästinenserstaat ablehne.

Netanjahu äußerte bei der Pressekonferenz mit Merz die Erwartung, dass nun „sehr bald“ die zweite Phase des Waffenruhe-Abkommens beginnen werde. Diese Phase werde „schwieriger“ werden. In der zweiten Phase sind die Einrichtung einer Übergangsverwaltung für den Gazastreifen, die Schaffung einer internationalen Stabilisierungstruppe und die Entwaffnung der Hamas vorgesehen. 

Merz nannte die „vollständige Entwaffnung“ der Hamas den wichtigsten Schritt: „Es kann in Gaza keine Rolle für die Hamas geben.“ Von dem Palästinensergebiet dürfe keine Gefahr mehr für Israel ausgehen. 

Kanzler Merz: derzeit keine Einladung an Netanjahu nach Deutschland

Eine Einladung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu nach Deutschland ist nach den Worten von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) derzeit kein Thema. Er sagte nach einem Treffen der beiden in Jerusalem, über die Frage einer möglichen Reise von Netanjahu nach Deutschland sei nicht gesprochen worden. „Dafür gibt es im Augenblick auch keine Veranlassung, darüber zu sprechen. Wenn es die Zeit erlaubt, dann würde ich gegebenenfalls eine solche Einladung aussprechen, aber das ist zum jetzigen Zeitpunkt für uns beide kein Thema.“


Gegen Netanjahu liegt seit November 2024 ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) wegen Kriegsverbrechen im Gazastreifen vor. Netanjahu weist die Vorwürfe entschieden zurück. Israel erkennt das Gericht nicht an und fordert eine Aufhebung der Haftbefehle.

Netanjahu sagte, natürlich würde er sich freuen, Deutschland wieder zu besuchen und dort mit dem Bundeskanzler zu sprechen. Er verwies aber auf den Haftbefehl, den er abermals scharf kritisierte.

Netanjahu: „historischer Wandel“ der Beziehung mit Deutschland – Raketenabwehrsystem Arrow 3 in Deutschland

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat mit Blick auf die Rüstungskooperation von einem „historischen Wandel“ in den Beziehungen zu Deutschland gesprochen. Nach einem Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in Jerusalem sagte Netanjahu, Israel sei seit der Gründung des jüdischen Staates in der Lage gewesen, „unsere Feinde abzuwehren“. Das Land habe Fähigkeiten entwickelt, mit denen es nun anderen helfen könne, sagte er mit Blick auf die Stationierung des Raketenabwehrsystems Arrow 3 in Deutschland.

„Nicht nur Deutschland arbeitet für die Verteidigung Israels, sondern Israel, der jüdische Staat, arbeitet 80 Jahre nach dem Holocaust für die Verteidigung Deutschlands“, sagte Netanjahu. „Und das ist ein historischer Wandel, der in einer Zeit großer internationaler Turbulenzen und Veränderungen stattfindet.“ Man bespreche jetzt, „auf welche Weise wir diese Verteidigungszusammenarbeit in einer sich verändernden Welt fortsetzen können“. 

Es gehe aber auch um Zusammenarbeit in technologischen Bereichen, sagte Netanjahu. „Israel und Deutschland gehören zu den fortschrittlichsten Volkswirtschaften der Welt. Wir haben außergewöhnliche Menschen, außerordentlich begabte Menschen.“ Die Bereiche Hochtechnologie, Deep Tech, Künstliche Intelligenz und Quantenforschung würden „das Gesicht dieses Planeten und die Zukunft der Menschheit verändern“, sagte der Regierungschef. Durch Zusammenarbeit könnten beide Länder nicht nur das Leben ihrer Bürger verbessern, „sondern auch die Welt und unsere unmittelbare Nachbarschaft, den Nahen Osten“.

Deutschland hatte Rüstungsexporte nach Israel wegen des Vorgehens der israelischen Armee im Gazakrieg vorübergehend eingeschränkt, dies aber inzwischen wieder zurückgenommen. „Trotz dieser Entscheidung, die auf einen besonderen Sachverhalt ausgerichtet war, hat sich vorher und nachher an unserer sehr grundsätzlichen Haltung zu Israel und zur Sicherheit Israels, zur Unterstützung Israels, auch zur militärischen Unterstützung Israels, nichts geändert“, sagte Bundeskanzler Merz.

Merz in Yad Vashem: Gedenken an 6 Millionen ermordete Juden

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat bei seinem Antrittsbesuch in Israel in der zentralen Gedenkstätte Yad Vashem der während der nationalsozialitischen Diktatur ermordeten sechs Millionen Juden gedacht.

„Wir werden die Erinnerung lebendig halten an das furchtbare Verbrechen der Schoa, das Deutsche am jüdischen Volk begangen haben“, schrieb er in das Gästebuch. „Hier, in Yad Vashem ist mit Händen zu greifen, welche bleibende historische Verantwortung Deutschland trägt: Deutschland muss für die Existenz und die Sicherheit Israels einstehen. Das gehört zum unveränderlichen Wesenskern unserer Beziehungen, und zwar für immer.“

Yad Vashem ist die größte Holocaustgedenkstätte der Welt. Sie wurde 1953 gegründet und dient der Erinnerung, Forschung, Dokumentation und Bildungsarbeit über den Holocaust. Millionen von Dokumenten über den Völkermord der Nazis sind dort archiviert.

Israels Präsident lehnt Begnadigung trotz Trump-Bitte Netanjahus ab

Israels Staatspräsident Izchak Herzog weist die Forderung von US-Präsident Donald Trump nach Begnadigung des wegen Korruption angeklagten Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zurück. „Ich respektiere die Freundschaft und die Meinung von Präsident Trump“, sagte Herzog dem US-Nachrichtenportal „Politico“ und verwies auf Trumps Verdienst um die Rückholung der Geiseln aus dem Gazastreifen. „Aber Israel ist natürlich ein souveränes Land, und wir respektieren das israelische Rechtssystem und seine Anforderungen in vollem Umfang“, betonte Herzog.

Gegen Regierungschef Netanjahu läuft seit mehr als fünf Jahren ein Korruptionsprozess. Er ist wegen Betrugs, Untreue und Bestechlichkeit angeklagt. Trump hatte Herzog wiederholt dazu aufgefordert, Netanjahu zu begnadigen. Er respektiere die Unabhängigkeit der israelischen Justiz, glaube aber, dass die Anklage gegen Netanjahu politisch motiviert und nicht gerechtfertigt sei, hieß es in einem von Trump unterschriebenen Brief an Israels Präsidenten, den Herzogs Büro zuletzt veröffentlicht hatte. Auch bei einem Besuch in Israels Parlament im Oktober hatte Trump die Forderung geäußert.

Samstag, 6. Dezember 2025

Friedensplan für Gazastreifen: Quatar und Ägypten drängen auf nächste Schritte

Die Vermittlerstaaten Qatar und Ägypten haben die Umsetzung der nächsten Schritte des Friedensplans für den Gazastreifen gefordert. Die seit Oktober geltende Waffenruhe sei nicht vollständig ohne den kompletten Abzug der israelischen Truppen und eine Stabilisierung der Lage im Gazastreifen, sagte Qatars Regierungschef Scheich Mohammed Bin Abdulrahman Al Thani bei der diplomatischen Konferenz Doha Forum.

Der ägyptische Außenminister Badr Abdelatty betonte bei der Konferenz, es müsse so schnell wie möglich eine internationale Stabilisierungstruppe in der Region stationiert werden, weil Israel „jeden Tag“ gegen die Waffenruhe verstoße.

Deutscher Bundeskanzler Merz: Deutschland steht unverbrüchlich an der Seite Israels

Zum Auftakt seines ersten Israel-Besuchs als Bundeskanzler hat Friedrich Merz Deutschlands fortwährende Verpflichtung gegenüber dem jüdischen Staat bekräftigt. „Ich komme zu einem Zeitpunkt nach Israel, der komplizierter kaum sein könnte“, sagte Merz in Jerusalem bei einem Treffen mit dem israelischen Staatspräsident Izchak Herzog. Deutschland stehe bis heute fest an der Seite Israels, „insbesondere nach dem schrecklichen Massaker (der Hamas) am 7. Oktober 2023“. Deutschland werde „immer an der Seite dieses Landes stehen“.

Gleichzeitig sagte Merz, das Vorgehen der israelischen Armee im Gazakrieg habe Deutschland „vor einige Dilemmata gestellt“. Darauf habe man reagiert, sagte er offenbar mit Blick auf die vorübergehende Einschränkung von Waffenlieferungen nach Israel. „Wir haben aber auch gesehen, dass wir bis heute im Grundsatz keinerlei Differenzen haben“, sagte Merz. „Israel hat das Recht, sich selbst zu verteidigen.“

Mit Blick auf den Gazaplan des US-Präsidenten Donald Trump sagte Merz: „Wir hoffen nun, dass dieser Friedensprozess in die nächste Phase eintreten kann und insbesondere, dass es gelingt, die Hamas zu entwaffnen, denn dieser Krieg geht ausschließlich von der Hamas aus.“ Wenn die islamistische Terrororganisation Hamas ihre Waffen niederlege, „dann gibt es eine Zukunft für die Region, gibt es eine Zukunft auch für Gaza“. Er bekräftigte das Ziel einer Zweistaatenlösung in Nahost. Damit ist gemeint, dass Israel und ein unabhängiger Palästinenserstaat friedlich Seite an Seite existieren.

Sieben Monate später: Deutscher Bundeskanzler trifft zu Antrittsbesuch in Israel ein

Sieben Monate nach Amtsantritt ist Bundeskanzler Friedrich Merz zu seinem Antrittsbesuch in Israel eingetroffen. Der israelische Außenminister Gideon Saar begrüßte den Kanzler am Flughafen von Tel Aviv. Für den späteren Abend steht ein Empfang durch Präsident Isaac Herzog in Jerusalem auf dem Programm. Ein Treffen mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist für Sonntag geplant.

Bei dem Treffen will Merz nach eigenen Angaben für eine Umsetzung der Zweistaatenlösung werben, also für die Errichtung eines eigenen Palästinenserstaats an der Seite Israels. Zudem will er Israel auffordern, eine bessere humanitäre Versorgung der Menschen im Gazastreifen zu ermöglichen. Auch die angespannte Lage im Westjordanland will der Kanzler zur Sprache bringen.

Deutscher Bundeskanzler und jordanischer König bekräftigen Engagement für eine Zwei-Staaten-Lösung

Friedrich Merz hat nach seinem Treffen mit dem jordanischen König Abdullah II. das gemeinsame Engagement beider Länder für eine Zweistaatenlösung hervorgehoben. „Wir wollen helfen, ein Fundament zu legen, für eine neue Ordnung“ im Nahen Osten, sagte Merz in der jordanischen Hafenstadt Akaba. Dies müsse eine Ordnung sein, in der Israelis, Palästinenser und die arabischen Nachbarn „wirklich dauerhaft in Frieden, Freiheit, Sicherheit und Würde leben können“.

Er sei sich mit dem jordanischen König einig gewesen, „dass dieses Ziel am besten erreicht wird durch die Gründung eines palästinensischen Staates an der Seite Israels“. Diese Zweistaatenlösung werde sich „nur durch Verhandlungen verwirklichen lassen“, betonte der Kanzler: „Wir wollen, dass diese Verhandlungen bald beginnen.“ Darüber werde er am Sonntag mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in Jerusalem sprechen, kündigte Merz vor seiner Weiterreise nach Israel an.

Auf dem Weg zu einem Palästinenserstaat dürfe es „keine Aggressionsschritte im Westjordanland geben“, mahnte der Kanzler – „keine formellen, aber auch keine politischen, baulichen, faktischen oder sonstigen Maßnahmen, die in ihrer Wirkung auf eine Annexion eines palästinensischen Staates, einer Annexion der Regierung hinauslaufen“. Auch darüber sei er sich mit König Abdullah II. „sehr einig“ gewesen.

Bundeskanzler Friedrich Merz ist in Jordanien eingetroffen. Der jordanische König Abdullah II. empfängt den Kanzler in seiner privaten Residenz in der Hafenstadt Akaba am Roten Meer zu einem Gespräch unter vier Augen. Später soll ein Abendessen in größerem Kreis folgen. Deutschland und Jordanien pflegen seit Jahrzehnten freundschaftliche Kontakte. Die Bundesregierung betrachtet das Königreich als Stabilitätsanker in der unruhigen Nahost-Region. Jordaniens König Abdullah II. sieht sie als wichtigen Fürsprecher palästinensischer Interessen. Mehr als die Hälfte der jordanischen Bevölkerung hat palästinensische Wurzeln. 

COMMENT: No comment. – Oder: Gewährleistet Realitätsverweigerung eine sinnvolle Politik?

WEITERE ISRAEL-MELDUNGEN

06:29Netanjahu: Israel bleibt in Pufferzone im Süden Syriens98dpa-AFX
SoNetanjahu spricht von ‚Gelegenheiten für Frieden‘ in Nahost527dpa-AFX
SoNetanjahu sieht ‚historischen Wandel‘ in Rüstungskooperation mit Deutschland543dpa-AFX
SoMerz warnt Netanjahu vor Annexionsschritten im Westjordanland549dts Nachrichtenagentur
SoIsraels Generalstabschef erklärt neue Grenze zum Gazastreifen409dpa-AFX
SoDeutliche Worte in Israel für einen deutschen Regierungschef451news aktuell
SoROUNDUP/Merz: Deutschland steht immer an der Seite Israels459dpa-AFX
SoMerz in Israel: Hoffnung auf nächste Phase im Gaza-Plan277dpa-AFX

Netanjahu: Israel bleibt in Pufferzone im Süden Syriens – 8.12.2025

TEL AVIV (dpa-AFX) – Israel beabsichtigt nach den Worten von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, in einer Pufferzone im Süden Syriens zu bleiben. Israel hoffe sehr, ein Abkommen zur Entmilitarisierung Südsyriens zu erreichen, wolle aber in diesen Gebieten bleiben, sagte Netanjahu nach übereinstimmenden israelischen Medienberichten bei einem Treffen mit israelischen Botschaftern.

Zuvor hatte der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa am Samstag in Doha Israel vorgeworfen, Krisen in andere Länder zu exportieren und „Geister zu bekämpfen“, wie der US-Fernsehsender CNN berichtete. Al-Scharaa bezog sich auf fortwährende Übergriffe und Luftangriffe israelischer Streitkräfte in Südsyrien. Al-Scharaa forderte erneut, das Deeskalationsabkommen von 1974 wieder in Kraft zu setzen. Dieses Abkommen regelte die Trennung israelischer und syrischer Streitkräfte nach dem Jom-Kippur-Krieg von 1973.

Netanjahu hatte bereits am Dienstag erklärt, dass er von Syrien die Einrichtung einer „entmilitarisierte Pufferzone“ erwarte, die von der Hauptstadt Damaskus bis zu den von Israel annektierten Golanhöhen reichen soll.

Nach dem Sturz des früheren Langzeitherrschers Baschar al-Assad hatte Israel Soldaten in die von den UN kontrollierte Pufferzone zwischen den von Israel annektierten Golanhöhen und syrisch kontrolliertem Gebiet verlegt, darunter auch auf die syrische Seite des Bergs Hermon.

Laut Netanjahu ist die Präsenz der israelischen Armee in der Region notwendig, um die Sicherheit der israelischen Bevölkerung zu gewährleisten und Angriffe aus grenznahen Gebieten zu verhindern. Zudem wolle Israel die religiöse Minderheit der Drusen in Syrien schützen, die als Verbündete Israels gelten./da/DP/zb

© 2025 dpa-AFX

URAINE-KRIEG im n-tv Liveticker

Chronologisch absteigend, jüngste Meldungen zuoberst:

Detaillierte Meldungsübersicht. Daraus eine Auswahl:

Montag, 8. Dezember 2025

+++ 09:44 Trump: Russland würde wohl lieber die ganze Ukraine haben +++

Laut US-Präsident Donald Trump ist Russland mit einem Abkommen für die Ukraine einverstanden. Zugleich allerdings sagt er auch: „Wenn man darüber nachdenkt, würde Russland, glaube ich, wohl lieber das ganze Land haben.“ Was die westlichen Länder dagegen tun können, dass sich Russland irgendwann die gesamte Ukraine einverleibt, sagt Trump nicht. Schon jetzt beharrt Russland darauf, bei einem Abkommen auch Teile der Ukraine zugesprochen zu bekommen, die es gar nicht erobert hat.

+++ 09:15 Sieben EU-Staaten fordern Nutzung eingefrorener russischer Vermögen +++

Sieben EU-Staaten dringen auf eine rasche Umsetzung des Vorschlags, mit eingefrorenen russischen Vermögen ein Darlehen für die Ukraine zu finanzieren. Die Unterstützung der Ukraine in ihrem Kampf für Freiheit und Unabhängigkeit sei nicht nur eine moralische Verpflichtung, sondern liege auch im eigenen Interesse, heißt es in einem Brief der Staats- und Regierungschefs an EU-Ratspräsident Antonio Costa und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Zu den Unterzeichnern gehören Estland, Finnland, Irland, Lettland, Litauen, Polen und Schweden.

COMMENT: No comment. – Oder: … denn sie wissen nicht was sie tun.

+++ 08:46 „Ziemlich despektierlich, was Trump da äußert“ +++

Die Ukraine verhandelt über ihr eigenes Schicksal – ohne am Tisch zu sitzen. In London sucht Selenskyj nun den engen Austausch mit europäischen Partnern. Und aus Washington kommen irritierende Töne, wie ntv-Reporter Jürgen Weichert aus Kiew einordnet.

Kiew in prekärer Lage gegängelt“Ziemlich despektierlich, was Trump da äußert“

+++ 08:23 Russen töten Mann in Dnipropetrowsk +++

Bei neuen russischen Drohnenangriffen wird in der Ukraine mindestens ein Mann getötet und zwölf weitere Menschen werden verletzt. Im Gebiet Dnipropetrowsk sei der 51-Jährige an seinen Verletzungen gestorben, teilen die Behörden mit. Fünf Menschen seien verletzt worden, darunter ein 13 Jahre altes Mädchen und ein 14-jähriger Junge. Im Gebiet Sumy wurde werden Behördenangaben zufolge sieben Zivilisten verletzt (siehe Eintrag von 07:54).

+++ 07:54 Russische Drohne trifft auf Wohnblock in Sumy +++

Bei einem russischen Drohnenangriff auf einen Wohnblock in der nordostukrainischen Stadt Ochtyrka sind nach Angaben des Gouverneurs der Region Sumy, Oleh Hryhorow, mindestens sieben Menschen verletzt worden. Das Gebäude sei schwer beschädigt worden. Die Region Sumy wird seit Beginn der russischen Invasion Anfang 2022 fast täglich angegriffen.

+++ 07:24 Wadephul hofft auf chinesischen Einfluss im Ukraine-Krieg +++

Der Ukraine-Krieg wird auch Thema beim Besuch von Außenminister Johann Wadephul in Peking sein. Der CDU-Politiker will die chinesische Führung drängen, in den Gesprächen über einen Waffenstillstand den Druck auf Moskau zu erhöhen. „Kein anderes Land hat so viel Einfluss auf Russland wie China und kann sein Gewicht so sehr dafür einzusetzen, dass Russland endlich zu ernsthaften Verhandlungen bereit ist, die die Souveränität der Ukraine achten“, sagt Wadephul vor Abflug. Zwar betont Peking öffentlich, dass China in dem Krieg eine neutrale Rolle einnehme – im Westen wird der Volksrepublik allerdings vorgeworfen, Moskau zu unterstützen.

+++ 06:53 CDU-Außenpolitiker warnt vor Selbstaufgabe Europas +++

In der Debatte um die Verwendung der eingefrorenen russischen Vermögen für ein Darlehen an die Ukraine warnt der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen vor einer Selbstaufgabe Europas. „Wir sind in einer absolut entscheidenden Situation für Europa. Es ist ein Schicksalsmoment“, sagt der Vizechef der Unionsfraktion dem „Stern“. „Wenn wir es nicht schaffen, die russischen Vermögen für die Hilfe der Ukraine zu mobilisieren, hieße das, dass wir zu unserer Selbstbehauptung, zur Verteidigung unserer eigenen Souveränität nicht bereit wären“, so Röttgen. Das hätte verheerende Konsequenzen für die EU, aber selbstverständlich auch für die Ukraine.“ Die EU hatte nach der russischen Vollinvasion der Ukraine vor fast vier Jahren russische Vermögenswerte im Wert von mehr als 200 Milliarden Euro eingefroren. Seit Monaten diskutieren die Mitgliedstaaten darüber, die zum größten Teil in Belgien von der Gesellschaft Euroclear verwalteten russischen Gelder für ein Reparationsdarlehen an die Ukraine zu nutzen.

+++ 06:28 Moskau berichtet von Dutzenden Drohnen über russischem Gebiet +++

Russische Luftabwehreinheiten zerstören Angaben aus Moskau zufolge über Nacht 67 ukrainische Drohnen. Dies berichtet die Nachrichtenagentur RIA unter Berufung auf Angaben des russischen Verteidigungsministeriums.

+++ 06:01 Selenskyj trifft heute Merz in London +++

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird heute zu Gesprächen mit den westlichen Partnern um Bundeskanzler Friedrich Merz in London erwartet. An den Beratungen über den aktuellen Stand des US-Friedensplans zur Beendigung des russischen Angriffskrieges in der Ukraine werden auch der britische Premierminister Keir Starmer und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron teilnehmen. „Die Europäer werden notwendigerweise eine tragende Säule der gerechten und dauerhaften Lösung sein, die wir gemeinsam aufbauen“, schreibt Macron vorab auf der Plattform X.

+++ 05:41 Pro-EU-Regierung gestärkt: Liberaler gewinnt überraschend Bürgermeisterwahl in Bukarest +++

Bei der Bürgermeisterwahl in der rumänischen Hauptstadt Bukarest gewinnt überraschend der liberale Kandidat. Der Wahlausgang stärkt Ministerpräsident Ilie Bolojan mit seiner fragilen pro-europäischen Regierungskoalition. Umfragen hatten zuvor eine rechtspopulistische Politikerin als Siegerin gesehen. Hätte sie sich durchgesetzt, wäre Bukarest die erste von einer rechtsextremen Bürgermeisterin geführte Hauptstadt der Europäischen Union geworden. Stattdessen liegt nach Auszählung von 90 Prozent der Stimmen Ciprian Ciucu vorn, ein enger Verbündeter Bolojans. Er liegt bei 35,4 Prozent der Stimmen. Die Rechtspopulistin Anca Alexandrescu, die von der oppositionellen Allianz für die Vereinigung der Rumänen (AUR) unterstützt wurde, erreicht mit 22,35 Prozent Platz 2.

+++ 04:47 Selenskyj telefoniert mit Meloni +++

In einem Telefonat mit der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bedankt sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj für die Unterstützung Italiens. „Ich hatte ein sehr substanzielles Gespräch mit Giorgia Meloni. Ich bin dankbar für die intensive Auseinandersetzung mit den diplomatischen Bemühungen und für die Unterstützung unserer Energieinfrastruktur mit Ausrüstung, die Italien in den kommenden Tagen liefern wird“, schreibt Selenskyj auf Telegram. Selenskyj und Meloni erörterten laut Ukrinform die Ergebnisse der Friedensgespräche mit der US-amerikanischen Seite. „Es bleibt noch viel zu tun, um sicherzustellen, dass Russland sich ernsthaft zur Beendigung des Krieges bekennt. Italien unterstützt eindeutig die Notwendigkeit echter Sicherheit und die Verhinderung erneuter Kriegsausbrüche“, betont Selenskyj.

+++ 03:43 Baerbock: Kein Gebietsverzicht für Frieden in der Ukraine +++

Die Ukraine darf nach Worten der Präsidentin der UN-Vollversammlung, Annalena Baerbock, nicht zu Gebietsabtretungen als Teil einer Friedenslösung gezwungen werden. „Man ächtet einen Angriffskrieg und belohnt ihn nicht noch. Wer Aggression prämiert, wird statt Frieden weitere Kriege ernten“, sagt sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Es käme einem Freifahrtschein gleich, „würden wir es akzeptieren, dass ein Mitglied des Sicherheitsrats die wichtigste Regel der Vereinten Nationen bricht“, betont die frühere deutsche Außenministerin mit Blick auf das Gewaltverbot in der UN-Charta.

+++ 02:47 Trump „ein wenig enttäuscht“: Selenskyj hat Ukraine-Plan noch nicht gelesen +++

US-Präsident Donald Trump wirft dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj vor, sich nicht mit dem Ukraine-Plan der USA vertraut gemacht zu haben. „Ich muss sagen, dass ich ein wenig enttäuscht bin, dass Präsident Selenskyj den Vorschlag noch nicht gelesen hat“, sagt Trump am Rande einer Gala im Kennedy Center. Die USA hatten vor fast drei Wochen einen Plan zur Beendigung des russischen Angriffskriegs in der Ukraine vorgelegt. Er dient als Grundlage für die diplomatischen Bemühungen um eine Friedenslösung. Der erste sehr Moskau-freundliche Entwurf war auf Drängen der Ukraine und ihrer europäischen Verbündeten in zentralen Punkten überarbeitet worden.

„Hat Friedensplan nicht gelesen“: Trump beschwert sich über Selenskyj

+++ 01:46 Selenskyj: Friedensgespräche mit USA sind „konstruktiv, aber nicht einfach“ +++

Die Gespräche mit US-Vertretern über einen Friedensplan für die Ukraine sind nach Aussagen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zwar konstruktiv, aber nicht einfach. „Die US-Vertreter kennen die grundlegenden ukrainischen Positionen“, sagt er in seiner abendlichen Videoansprache. Selenskyj hatte zuvor mit dem Sondergesandten von US-Präsident Donald Trump, Steve Witkoff, und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner telefoniert.

Am Montag wird er in London mit führenden Politikern aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland zusammentreffen. Weitere Gespräche soll es danach in Brüssel geben. Die europäischen Staats- und Regierungschefs sprechen sich für einen schrittweisen diplomatischen Prozess für die Ukraine aus, der mit langfristigen Sicherheitsgarantien und anhaltender Militärhilfe verbunden ist.

+++ 00:49 Röttgen: Neue US-Strategie bedeutet zweite Zeitenwende +++

US-Präsident Donald Trump bedroht nach Einschätzung des CDU-Außenpolitikers Norbert Röttgen mit seiner neuen Sicherheitsstrategie die Existenz der EU. „Die neue außenpolitische Positionierung der USA ist eine zweite Zeitenwende“, sagt der Unionsfraktionsvize dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die erste Zeitenwende hatte der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz 2022 nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine ausgerufen und eine massive Aufrüstung der Bundeswehr angekündigt. „Erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs stehen die USA nicht mehr an der Seite der Europäer“, betont Röttgen.

Sonntag, 7. Dezember 2025

+++ 23:36 Meloni verspricht Selenskyj weitere Unterstützung +++

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sichert dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj weitere Unterstützung gegen Russlands Angriffskrieg zu. In einem Telefonat vor einem Treffen Selenskyjs mit weiteren europäischen Partnern in London hält die rechte Regierungschefin nach Angaben ihres Büros Moskau eine „neue Serie wahlloser Angriffe auf zivile Ziele“ in der Ukraine vor. Ihr Land werde weitere Güter zur Unterstützung der dortigen Energieinfrastruktur und Bevölkerung liefern, auch Generatoren. Ziel bleibe ein dauerhafter und gerechter Frieden.

+++ 22:16 Ukrainischer Militärsprecher: Russen rücken bei Huljaipole vor +++

In Richtung Saporischschja versuchen russische Invasoren, ihre Offensive fortzusetzen, indem sie ukrainische Stellungen umgehen und Infiltrationstaktiken anwenden. Die größte Bedrohung bestehe weiterhin im Raum Huljaipole, erklärt Oleksij Swynarenko, Sprecher der ukrainischen Angriffseinheiten, gegenüber Kyiv24. „Die größte Bedrohung für Saporischschja geht heute nicht von Süden, nicht aus dem Gebiet um Orichiv und nicht aus dem Gebiet um Stepnohirsk aus – denn dort könnte der Feind entlang eines bestimmten Abschnitts vorrücken, sich verschanzen und die Stadt dann mit Drohnen terrorisieren. Die größte Gefahr besteht im Gebiet um Huljaipole, da der Feind parallel zu unseren Verteidigungslinien vorrückt. Wir haben befestigte Linien für einen Angriff aus dem Süden errichtet, aber der Feind rückt nun von Osten nach Westen vor“, sagt Swynarenko.

+++ 21:02 Ukrainische Einsatzgruppe „Ost“ startet Such- und Angriffseinsätze in Pokrowsk +++

Die ukrainischen Verteidigungskräfte führen Such- und Angriffsoperationen in Pokrowsk durch und kämpfen in städtischen Gebieten, teilt die Einsatzgruppe „Ost“ mit. In Myrnohrad halten ukrainische Streitkräfte Verteidigungsstellungen und vernichten frussische Einheiten an den Zufahrtsstraßen zur Stadt. Um die ununterbrochene Unterstützung der ukrainischen Einheiten zu gewährleisten, werden zusätzliche Nachschubwege nach Pokrowsk und Myrnohrad eingerichtet. Im Laufe des vergangenen Tages wehrten die Verteidigungskräfte im Verantwortungsbereich der Ostgruppe 82 russische Angriffe ab. In Richtung Pokrowsk vereitelten ukrainische Einheiten 45 Angriffsversuche auf Nowy Schachtarskyj, Nowopawliwka sowie auf die Gebiete Hryschyne, Tscherwonyj Lyman, Rodynske, Myrnohrad, Kotlyne, Udachne, Molodetske und Dachne.

+++ 19:48 Ukrainische Soldaten sprengen Staudamm, um russischen Vormarsch zu stoppen +++

Ukrainische Verteidiger sprengten einen Damm am Fluss Wassijukiwka, um den Vormarsch russischer Streitkräfte zu stoppen, wie aus einem Video hervorgeht, das die 30. Separate Mechanisierte Brigade auf ihrem Telegram-Kanal veröffentlicht. „Wir sprengen den Damm! Der Feind wird nicht durchkommen! Gemeinsam zum Sieg“, lautet die kurze Bildunterschrift eines Videos. Dem Analyseprojekt DeepState zufolge ereignete sich die Explosion in Pryvillia, Oblast Donezk. „Der Fluss Wassiukivka mündet in die Bachmutka. Die Wasserentnahme des Stausees dürfte keine großen Auswirkungen darauf haben, aber was entlang der Linie Pryvillia-Bondarne-Wasiukivka geschieht, bleibt eine offene Frage“, kommentierten Analysten das Filmmaterial.

+++ 18:52 Bericht: Ukraine friert Vermögenswerte des führenden Oligarchen in Transnistrien ein +++

Die Ukraine hat einen Teil des Vermögens von Viktor Gushan, dem führenden Oligarchen Transnistriens und Mitbegründer der Sheriff-Holding, eingefroren. Das berichtet das unabhängige moldauische Portal Zona de Securitate. Das Einfrieren der Vermögenswerte wurde beschlossen, nachdem die Staatsanwaltschaft festgestellt hatte, dass mit Gushan verbundene Unternehmen Produkte und Dienstleistungen für den russischen militärisch-industriellen Komplex lieferten. Das Portal Zona de Securitate beruft sich hierbei auf ein ukrainisches Gerichtsurteil, aus dem hervorgeht, dass Unternehmen mit der russischen Militärproduktion in Verbindung stehen, unter anderem über das Moldavizolit-Werk in Transnistrien, der von Russland unterstützten abtrünnigen Region am linken Ufer des Dnister.

+++ 17:47 Tschechiens Präsident fordert stärkere Antwort auf Moskaus Provokation gegen Europa +++

Der tschechische Präsident Petr Pavel hat nicht ausgeschlossen, dass Europa künftig auf russische Provokationen energischer reagieren könnte, einschließlich des möglichen Abschusses einer russischen Drohne oder eines Flugzeugs. Pavel sagt in einem Interview mit der „Sunday Times“, dass die Unentschlossenheit der westlichen Staats- und Regierungschefs deutlich zutage trete, insbesondere in ihrer unzureichenden Reaktion auf russische Drohnen und Flugzeuge, die den europäischen Luftraum verletzten. Er fügt hinzu, dass Moskau diese Sicherheitslücken in Europa beobachte und ausnutze. „Ich glaube, es wird einen Moment geben, wenn diese Verletzungen anhalten, in dem wir zu schärferen Maßnahmen greifen müssen, einschließlich des möglichen Abschusses eines russischen Flugzeugs oder einer Drohne. Russland würde wiederholte Verletzungen seines Luftraums nicht dulden. Und wir müssen genauso handeln“, so Pavel.

+++ 16:58 Kiews Geheimdienstchef: Können hochrangige russische Beamte abhören +++

Der Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes, Kyrylo Budanow, sagt der Nachrichtenagentur RBC-Ukraine, dass seine Kollegen in der Lage seien, Gespräche hochrangiger russischer Beamter abzuhören. „Ja, das können wir. Dafür werden wir bezahlt“, sagte Budanow. Seine Äußerung erfolgt inmitten von Berichten westlicher Medien, die nahelegen, dass die Ukraine möglicherweise die Quelle der Aufnahmen von Gesprächen zwischen Juri Uschakow, einem Berater des russischen Diktators, und dem Kreml-Gesandten Kirill Dmitrijew sei. Der Telegraph berichtet, dass der ukrainische Geheimdienst häufig abgehörte Gespräche von russischem Militärpersonal veröffentlicht, darunter auch Telefongespräche von russischen Generälen, die während des Kampfes Mobiltelefone anstelle von sicheren Funkgeräten benutzten.

+++ 16:14 Moskaus Raketen treffen Damm – Nachschubroute in drei Frontabschnitten blockiert +++

Russische Raketen haben in der Ostukraine einen Staudamm mit einer wichtigen Nachschubroute für die ukrainische Armee beschädigt. Die Straße über den Staudamm von Petschenihy sei gesperrt, teilt der Bürgermeister des Ortes, Olexander Gussarow, auf Telegram mit. Bei dem Dorf im Gebiet Charkiw wird der Fluss Siwerskyj Donez gestaut. Die Fernstraße führt zu drei Frontabschnitten Woltschansk, Welykyj Burluk und Kupjansk, an denen die ukrainischen Verteidiger unter schwerem Druck der russischen Armee stehen. Nach Berichten ukrainischer Telegramkanäle wurde auch eine weitere Brücke über den Stausee bei dem Dorf Staryj Saltiw zerstört.

+++ 15:27 ntv-Reporter vor Ort: „In der ganzen Ukraine ist Strom knapp“ +++

ntv-Reporter Jürgen Weichert erlebt in der Gegend Kiew hautnah mit, wie die russischen Angriffe vielerorts Strom- und Wasserausfälle verursachen. Umso größer werden die Hoffnungen auf die aktuellen Friedensgespräche, die bald fortgesetzt werden.

Auch Wasserversorgung kritisch: „In der ganzen Ukraine ist Strom knapp“

 +++ 14:56 Russische Anwohner berichten von Explosionen nahe Flugplatz und Öldepot +++

In der Nacht zum 7. Dezember haben unbekannte Drohnen die russischen Gebiete Rostow und Saratow angegriffen. Der ukrainische Telegram-Kanal Exilenova Plus berichtet von Explosionen in der Nähe eines Flugfelds und eines Öldepots in Engels (Gebiet Saratow). Lokale und militärische Behörden geben bekannt, dass die Luftabwehr mehrere Drohnen über den Regionen abgeschossen habe. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurden in der Nacht 77 ukrainische Drohnen über Russland von der Luftabwehr abgeschossen, darunter 43 über dem Gebiet Saratow und 12 über dem Gebiet Rostow. Anwohner in den betroffenen Regionen berichteten laut dem russischen Telegram-Kanal ASTRA von mehreren Explosionen.

+++ 14:30 Bericht: Europäer drängen Selenskyj, Abzug aus Donbass abzulehnen +++

Europäische Staats- und Regierungschefs drängen den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, keinem möglichen Abkommen über einen Abzug ukrainischer Truppen aus der Donbass-Region zuzustimmen, solange es keine klaren und verlässlichen Sicherheitsgarantien der Vereinigten Staaten enthält, berichtet Bloomberg unter Berufung auf europäische Beamte.

Laut diesen Beamten würde ein solcher Schritt keinen gerechten Frieden darstellen und lediglich „einen umfassenderen Krieg mit Russland in der Zukunft provozieren“.

Vertreter mehrerer europäischer Länder werden voraussichtlich in den kommenden Tagen nach Washington reisen, um diese Bedenken gegenüber der Regierung von US-Präsident Donald Trump zu äußern.

+++ 14:02 Putin möchte Drohnen auch in Indien produzieren lassen +++

Der Kreml verlässt sich zunehmend auf Indien, um seinen Arbeitskräftemangel im Inland zu beheben, und verhandelt laut einem Bericht des US-Institute for the Study of War (ISW) über Produktion russischer Drohnen, darunter auch der Lancet, in Indien.

Einen Tag zuvor hatte der russische Diktator Wladimir Putin gegenüber India Today erklärt, dass Russland nicht nur Waffen an Indien verkauft, sondern auch Technologien für den Schiffbau, die Raketenproduktion und die Luftfahrt transferiert. Putin behauptete, dass Indien russische Su-57-Kampfflugzeuge betreibt, T-90-Panzer herstellt und gemeinsam entwickelte Raketen auf seinem Territorium einsetzt.

+++ 13:31 Kreml fordert „radikale“ Änderungen an Friedensplan +++

Russland fordert tiefgreifende Änderungen an dem Friedensplan für die Ukraine. Die US-Regierung müsse ihren Vorschlagstext „ernsthaft, ich würde sagen, radikal ändern“, sagt der außenpolitische Berater von Präsident Wladimir Putin, Juri Uschakow, russischen Medienberichten zufolge. Einzelheiten werden nicht genannt, eine Stellungnahme der Ukraine oder der USA liegt zunächst nicht vor. Die Äußerungen folgen auf ein Treffen Putins mit US-Vertretern in der vergangenen Woche.

+++ 13:10 BSW fordert Stopp der Ukraine-Hilfe +++

Mit sehr großer Mehrheit haben die Delegierten beim Parteitag des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) gestern den Leitantrag beschlossen. Darin fordert die Partei ein Ende der militärischen Unterstützung für die Ukraine und den Bezug von Gas aus Russland. Dies betonte auch BSW-Chefin Mohamed Ali in ihrer Rede: „Natürlich müssen wir unsere Energie da kaufen, wo sie am billigsten ist – und das ist nun mal Russland.“

Zudem kritisiert die Partei die Bundesregierung für eine „wahnwitzige Hochrüstung“ und ihre Wehrdienst-Pläne.

+++ 12:40 Selenskyj bittet um mehr Flugabwehrwaffen +++

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hofft nach massiven Luftangriffen Moskaus auf schnellere Unterstützung für sein Land. Die Ukraine arbeite weiter mit ihren Partnern zusammen, um auf die Angriffe zu reagieren, schrieb er in sozialen Medien. Die klare Priorität seien mehr Flugabwehrsysteme und -raketen sowie mehr Unterstützung für die ukrainischen Verteidiger. Jede Vereinbarung müsse schneller umgesetzt werden.

+++ 12:02 Luftschläge der Russen töten zwei Menschen +++

In der vergangenen Nacht wurden durch russische Luftschläge zwei Menschen in Slowjansk im Osten des Landes und Tschernihiw im Norden getötet. Schäden gab es in sieben Regionen laut Aussage des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Moskaus Militär habe mit mehr als 240 Drohnen und fünf ballistischen Raketen angegriffen, schrieb er. In dieser Woche setzten die russischen Streitkräfte demnach mehr als 1600 Angriffsdrohnen, etwa 1200 Gleitbomben und fast 70 Raketen und Marschflugkörper ein.

+++ 11:52 Russen legen Bahnhof in Trümmern +++

Im dritten Kriegswinter greifen die russischen Streitkräfte noch gezielter und massiver als in den vergangenen Jahren Energieanlagen und zivile Infrastruktur in der Ukraine an.

Der Bahnhof in Fastiw nahe der Hauptstadt Kiew liegt nach einem nächtlichen Angriff in Trümmern.

Zivile Infrastruktur im Visier: Russland beschießt Eisenbahnknotenpunkt in Fasti

+++ 11:26 Ukrainische Brigade befreit Dorf von Russen +++

Eine ukrainische Panzer-Brigade hat ein Dorf in der Oblast Dnipropetrowsk von russischen Truppen befreit. Das meldet die Agentur Ukrinform und beruft sich auf die Facebook-Seite der Brigade. Am 21. November hatten die Russen die Siedlungen Tykhe und Vidradne eingenommen. Den Ukrainern gelang es nun, den Feind aus Tykhe wieder zu vertreiben und das Dorf von der Besatzung zu befreien.

+++ 11:11 Massive Luftschläge gegen Zentralukraine +++

Ungeachtet der Gespräche über eine Friedenslösung hat Russland die Ukraine auch in der vergangenen Nacht mit massiven Angriffen aus der Luft überzogen. In der Zentralukraine wurden mehrere Unternehmen des Energiesektors bei einem kombinierten Angriff mit Drohnen und Raketen attackiert. Direkte Treffer und herabstürzende Trümmer lösten lokalen Behörden zufolge Brände aus, technische Anlagen wurden beschädigt, Wärme- und Wasserversorgung fielen aus. Der Luftwaffe zufolge setzte Russland 241 Kampfdrohnen, drei Hyperschallraketen vom Typ Kinschal und zwei ballistische Raketen ein. Es seien 65 Drohnentreffer an 14 Orten in der Ukraine festgestellt worden. Abgewehrt wurden demnach 175 Drohnen, zwei Kinschal-Raketen und zwei ballistische Raketen.

+++ 10:18 Ohne Strom – aber Kiew gibt nicht auf +++

Der ukrainische Stromversorger Ukrenergo warnt vor längeren Stromausfällen. Russland greift immer massiver die kritische Infrastruktur an und will das Leben im Winter in der Ukraine unmöglich machen. Die Bürger Kiews planen ihren Alltag um die stundenlangen Stromabschaltungen herum, anders geht es nicht.

„Normal, was nicht normal ist“: Kiew muss um Stromausfälle herum leben

+++ 09:55 Vilnius musste erneut Flughafen schließen +++

Bereits zum dritten Mal in der laufenden Woche hat Litauen gestern Abend den Flughafen Vilnius kurzzeitig geschlossen, nachdem unbekannte Objekte – vermutlich belarussische Ballons – im umliegenden Luftraum entdeckt worden waren. Europäische Flughäfen haben zunehmend mit Luftraumwarnungen zu kämpfen, die Drohnen oder unbekannte Objekte betreffen und auch schon zu vorübergehenden Schließungen etwa in Kopenhagen und Brüssel führten. Litauen führt viele dieser Vorfälle auf Wetterballons zurück, die von Schmugglern verwendet werden, um illegale Zigaretten über die Grenze aus Weißrussland zu transportieren. Die litauische Regierung wirft dem weißrussischen Diktator Alexander Lukaschenko vor, diese Praxis zuzulassen und sogar als Waffe einzusetzen in einem umfassenderen „hybriden Angriff“ auf den baltischen Staat.

+++ 09:13 Ukraine: 1080 russische Verluste seit gestern +++

In den vergangenen 24 Stunden hat die russische Armee laut Bilanz des ukrainischen Generalstabs 1080 Soldaten verloren. Zudem zählt er auf der feindlichen Seite 98 Fahrzeuge und Tankfahrzeuge, 33 Artilleriesysteme, zwei Mehrfachraketenwerfer und 540 unbemannte Systeme. Daten zu eigenen Gefallenen und Verwundeten geben die Ukrainer, ebenso wie die Russen, nicht heraus.

+++ 08:40 Ukrenergo: Stromausfälle bis zu 16 Stunden +++

Laut dem ukrainischen Energieversorger Ukrenergo könnte es Wochen dauern, bis sich die Stromversorgungssituation nach dem russischen Angriff in der vorletzten Nacht verbessert. Das berichtet Radio Svoboda laut der Agentur Ukrinform. „Leider dauern die Stromausfälle in den meisten Regionen derzeit nicht mehr 8 Stunden, sondern wahrscheinlich 12 bis 16 Stunden“, sagte der CEO des Unternehmens. Teams von Energieingenieuren arbeiten demnach daran, die schwierige Lage zu verbessern, doch Ukrenergo dämpft die Erwartungen: „In naher Zukunft sprechen wir nicht mehr von Tagen, sondern von Wochen, bis die Wiederherstellung abgeschlossen sein wird.“

+++ 08:02 Kellogg: Einigung zur Ukraine kurz vor Abschluss +++

Nach Aussage des scheidenden US-Sondergesandten für den Ukrainekrieg, Keith Kellogg, steht eine Einigung zur Ukraine mit Russland kurz vor dem Abschluss. Nur zwei Punkte blockierten ein Friedensabkommen, sagte Kellogg laut Meldung der ukrainischen Agentur Nexta in den USA. Die ungelösten Fragen beträfen den Status des Kernkraftwerks Saporischschja und der Region Donezk. „Die letzten zehn Meter bis zur Ziellinie sind die schwierigsten. Ich glaube, wenn wir diese beiden Probleme lösen, wird sich alles andere von selbst regeln“, sagte Trumps Sondergesandter beim Nationalen Verteidigungsforum im Reagan Center.

+++ 07:18 Blogger melden russische Luftschläge auf Donezk +++

Ukrainische Militärblogger melden aus der Nacht Angriffe mehrerer russischer Geran-2-Drohnen gegen noch unbekannte Ziele im von der Ukraine kontrollierten Gebiet Donezk. Die Stadt Slowjansk wurde demnach am stärksten getroffen, aber auch in Kramatorsk und in der nahe gelegenen Stadt Mykolajiwka, wo sich das Wärmekraftwerk Slowjansk befindet, wurden Einschläge registriert.

Russland hat nach eigenen Angaben in der Nacht zum Sonntag 77 ukrainische Drohnen abgeschossen. Dies teilt das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Eine ukrainische Stellungnahme liegt noch nicht vor.

+++ 06:24 China und Russland halten gemeinsame Raketenabwehr-Manöver ab +++

China und Russland haben Anfang Dezember auf russischem Territorium ihr drittes gemeinsames Manöver zur Raketenabwehr abgehalten. Dies teilte die chinesische Regierung gestern Abend mit. Die gemeinsamen Militärübungen richteten sich nicht gegen Dritte und seien auch keine Reaktion auf die aktuelle internationale Lage, heißt es. Russland und China hatten im vergangenen Monat Gespräche über Raketenabwehr und strategische Stabilität geführt. Im August veranstalteten sie gemeinsame Artillerie- und U-Boot-Abwehrübungen im Japanischen Meer. Der Kreml und China hatten kurz vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 eine „unbegrenzte“ strategische Partnerschaft geschlossen und regelmäßige Militärübungen vereinbart.

+++ 05:43 Tass: Russisches Präsidialamt begrüßt neue US-Sicherheitsstrategie +++

Das russische Präsidialamt begrüßt die Entscheidung der Regierung von US-Präsident Donald Trump, Russland in ihrer nationalen Sicherheitsstrategie nicht mehr als „direkte Bedrohung“ zu bezeichnen. Laut einem Bericht der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass sagt Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow, das aktualisierte US-Dokument verzichte auf die Formulierung, die Russland als direkte Bedrohung beschreibe. Stattdessen werde zur Zusammenarbeit mit Moskau in Fragen der strategischen Stabilität aufgerufen. „Wir betrachten dies als einen positiven Schritt“, sagt Peskow dem Bericht zufolge.

+++ 04:46 Vorbereitung auf Kriegsende: Orban entsendet Wirtschaftsdelegation nach Russland +++

Der ungarische Regierungschef Viktor Orban bereitet sein Land nach eigenen Angaben wirtschaftlich bereits auf die Zeit nach dem Ukraine-Krieg vor. Bei einer Wahlkampfkundgebung in der zentralungarischen Stadt Kecskemet kündigte Orban am Samstag die Entsendung einer Wirtschaftsdelegation nach Moskau an. Die Delegierten würden sich auf wirtschaftliche Zusammenarbeit vorbereiten, ihre Reise sei Teil des Bestrebens, „jetzt schon über die Welt nach dem Krieg und nach den Sanktionen nachzudenken“.

+++ 03:43 Luftangriff auf ukrainische Industriestadt – Kein Strom und Wasser mehr +++

Russische Drohnen und Raketen greifen die Infrastruktur der zentralukrainischen Industriestadt Krementschuk in der Region Poltawa an. Dies teilt der Bürgermeister der Stadt, Witalij Malezkyj, in den sozialen Medien mit. Strom und Wasser seien ausgefallen. Die Stadtverwaltung arbeite daran, die Versorgung wiederherzustellen. In der Stadt befindet sich eine der größten Ölraffinerien der Ukraine. Ein von Malezkyj veröffentlichtes Foto zeigt einen großen Brand in einem Industriegebäude. Berichte über Opfer oder das Ausmaß der Schäden liegen demnach noch nicht vor. Die ukrainische Luftwaffe hatte in der Nacht mehrfach vor russischen Drohnen- und Raketenangriffen auf die Stadt gewarnt. Laut Angaben der ukrainischen Luftwaffe wurde die Stadt von Dutzenden Drohnen und Hyperschallraketen vom Typ Kinschal attackiert, wie unter anderem die Nachrichtenagentur RBK-Ukraine meldet.

+++ 02:45 Ukrainischer Oberbefehlshaber: Gebietsabtretungen „inakzeptabel“ +++

Der ukrainische Oberbefehlshaber, General Oleksandr Syrskyj, nennt es „inakzeptabel“, wenn Kiew im Rahmen eines Friedensabkommens mit Russland Gebiete abtrete. Der General warnt davor, dass Moskau die laufenden diplomatischen Gespräche als „Vorwand“ nutze, um mit Gewalt weiteres Land zu erobern. In dem Interview mit Sky News an einem nicht genannten Ort in der Ostukraine, sagt Syrskyj, ein „gerechter Frieden“ könne nur mit einem Waffenstillstand entlang der aktuellen Kontaktlinie und anschließenden Verhandlungen beginnen.

Treffen in London Europäer wollen Ukraine-Plan gemeinsam ausformulieren

+++ 01:40 Netzbetreiber aus Moldau meldet Notstand nach russischen Angriffen +++

Der moldauische Netzbetreiber Moldelectrica meldet einen Notstand aufgrund russischer Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur. Das Unternehmen bestätigt, dass aufgrund von Angriffen auf das ukrainische Energiesystem ein wichtiges Kraftwerk abgeschaltet wurde und die Verbindungsleitungen unter Volllast laufen. „Moldelectrica hat vorsorglich für die nächsten Stunden Notfallhilfe aus Rumänien angefordert. Dies gewährleistet den sicheren Betrieb des Stromnetzes und beugt möglichen Überlastungen vor“, heißt es in der Erklärung.

+++ 00:25 Ukrainische Friedensnobelpreisträgerin fordert Taurus von Deutschland +++

Die ukrainische Friedensnobelpreisträgerin Oleksandra Matwijtschuk hat Deutschland dazu aufgerufen, seine Fehler im Umgang mit Russland stärker aufzuarbeiten. Zudem appelliert sie an die Bundesregierung, die Ukraine mit Taurus-Marschflugkörpern zu unterstützen. „Wir leben in Zeiten, die uns alle auf wahre Führung, wahren Mut und wahre Verantwortung prüfen“, sagt Matwijtschuk dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) mit Blick auf die nicht erfolgte Lieferung des Taurus. „Ich hoffe, dass Deutschland seine Haltung überdenkt“, sagt Majwijtschuk mit indirektem Appell an Bundeskanzler Friedrich Merz. Der hatte als Oppositionschef stets die Taurus-Lieferungen gefordert.

Samstag, 6. Dezember 2025

+++ 23:23 Bis zu 16 Stunden Stromsperre für Menschen in der Ukraine +++

Die Reparaturen am Energienetz der Ukraine nach einem massiven russischen Luftangriff werden dem Versorger Ukrenerho zufolge mehrere Wochen dauern. „Die Lage ist ziemlich schwierig. Wir sprechen tatsächlich nicht über Tage, sondern über Wochen, die eine Wiederherstellung braucht“, sagt der Chef des Staatsunternehmens, Witalyj Sajtschenko, in der Dauernachrichtensendung des ukrainischen Fernsehens. Für die Menschen bedeute dies, dass die Stromsperren statt 4 bis 8 Stunden nun 12 bis 16 Stunden dauerten. Dies betreffe die meisten Landesteile, sagt Sajtschenko. Die Abschaltungen bedeuten meistens auch, dass es in den Wohnungen kein Wasser gibt.

+++ 22:20 Russischer Öltanker Kairos läuft nach ukrainischer Attacke auf Grund +++

Der Tanker Kairos, der zur sogenannten Schattenflotte Russlands gehört und letzte Woche von unbemannten Booten des ukrainischen Sicherheitsdienstes angegriffen wurde, ist in bulgarischen Hoheitsgewässern in der Nähe der Stadt Ahtopol auf Grund gelaufen, wie der bulgarische Dienst von Radio Free Europe/Radio Liberty berichtet. „Der Tanker ist in China registriert, gehört aber zur sogenannten russischen Schattenflotte, die für den illegalen Ölhandel eingesetzt wird. Zehn Personen befinden sich an Bord und können aufgrund des schlechten Wetters und des rauen Seegangs noch nicht evakuiert werden“, sagt Anton Zlatanov, Direktor der bulgarischen Grenzpolizei.

+++ 21:38 Kiews Geheimdienst attackiert russisches Buk-M3-Boden-Luft-Raketensystem +++

Die Spezialeinheit Prymary („Phantome“) des ukrainischen Verteidigungsnachrichtendienstes (DIU) hat ein russisches Buk-M3-Boden-Luft-Raketensystem in der Nähe der besetzten Siedlung Swjatotroizke im Gebiet Saporischschja getroffen. „Am 6. Dezember 2025 spürten erfahrene Einsatzkräfte der Spezialeinheit Prymary der DIU ein feindliches Buk-M3-Boden-Luft-Raketensystem auf und führten einen erfolgreichen Angriff durch, um den Tag der Streitkräfte der Ukraine zu begehen“, schreibt der Nachrichtendienst auf Telegram. Ein weiteres teures Luftverteidigungssystem, das von russischen Invasoren betrieben wurde, ist in der Nähe der Siedlung Swjatotroizke im vorübergehend besetzten Gebiet der Oblast Saporischschja niedergebrannt worden.

+++ 21:12 Russischer Gouverneur meldet Stromausfall in Belgorod +++

Durch eine Explosion ist in Teilen der grenznahen russischen Großstadt Belgorod der Strom ausgefallen. Ein Geschoss unbekannter Herkunft habe den Ausfall verursacht, schreibt der Gouverneur der Region, Wjatscheslaw Gladkow, auf Telegram. Ein Mann sei verletzt worden. Auch außerhalb der Stadt gebe es Probleme mit der Stromversorgung. Ein örtlicher Telegramkanal berichtet, wahrscheinlich sei eine fehlgeleitete russische Gleitbombe an einem Umspannwerk eingeschlagen. Zur Zeit der Explosion habe in der Stadt kein Raketenalarm geherrscht.

+++ 20:37 Bericht: Kiews Geheimdienst grüßt nach Cyberangriff ukrainische Armee auf russischer Website +++

Der ukrainische Militärgeheimdienst hat in Abstimmung mit der Cyber-Einheit BO Team in den frühen Morgenstunden einen Cyberangriff auf die Informations- und Kommunikationssysteme von Eltrans+, einem der größten Logistikunternehmen Russlands, gestartet, wie ein mit der Operation vertrauter Informant gegenüber dem Portal New Voices of Ukraine mitteilt. Der Angriff soll mehr als 700 Computer und Server lahmgelegt, über 1000 Benutzerkonten gelöscht und 165 Terabytes an kritischen Unternehmensdaten entweder zerstört oder verschlüsselt haben. Zugangskontrollsysteme, Videoüberwachung, Datenspeicherung und Datensicherungssysteme wurden ebenfalls kompromittiert. Die Netzwerkhardware und die zentrale Rechenzentrumsinfrastruktur des Unternehmens wurden lahmgelegt, Zollanmeldungen für sämtliche Waren gelöscht und jede Eltrans+-Website mit einem Banner verunstaltet, das russischen Nutzern einen schönen Tag der Streitkräfte der Ukraine wünschte.

+++ 19:57 Insider: Merz und Macron beraten über Kampfjet-Projekt FCAS +++

Bundeskanzler Friedrich Merz und der französische Präsident Emmanuel Macron wollen einem Insider zufolge in der Woche ab dem 15. Dezember über das vom Scheitern bedrohte europäische Kampfjet-Projekt FCAS beraten. Ein deutscher Regierungssprecher lehnt eine Stellungnahme ab, die französische Regierung war zu dem Thema zunächst nicht zu erreichen. Reuters hatte gemeldet, dass bereits am 11. Dezember ein Treffen der Verteidigungsminister der beteiligten Länder Deutschland, Frankreich und Spanien geplant ist.

+++ 19:22 Selenskyj lobt „substanzielles und konstruktives“ Telefonat mit Witkoff +++

Vor einer dritten Runde der Gespräche zwischen Unterhändlern aus der Ukraine und den USA haben der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und seine Verhandlungsführer nach Selenskyjs Angaben ein „sehr substanzielles und konstruktives“ Telefonat mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff geführt. Die Ukraine sei entschlossen, „weiterhin ehrlich mit der US-Seite zusammenzuarbeiten, um echten Frieden zu schaffen“, erklärt Selenskyj auf Telegram. „Wir waren uns über die nächsten Schritte und das Format der Gespräche mit den USA einig“, fügt er hinzu.

+++ 18:41 Schwedens Marine-Chef stößt fast wöchentlich auf russische U-Boote in der Ostsee +++

Der schwedische Marine-Chef für Operationen, Marko Petkovic, sagt dem „Guardian“, dass er und seine Kameraden in der Ostsee „fast wöchentlich“ auf russische U-Boote stoßen. Petkovic sagt, Moskau verstärke seine Präsenz in der Region „kontinuierlich“ und die Überwachung russischer Schiffe sei für die schwedische Flotte zur Routine geworden. Russland baue seine Kapazitäten aus und produziere jährlich ein U-Boot der Kilo-Klasse in Sankt Petersburg und der Exklave Kaliningrad. Russland verfolge ein „bewusstes und kontinuierliches Modernisierungsprogramm“ seiner Flotte, sagt Petkovic.

+++ 17:59 Ex-US-Gesandter: Pentagon war schon bereit für Tomahawk-Lieferung an die Ukraine +++

Laut dem ehemaligen US-Botschafter in der Ukraine, William Taylor, war das US-Verteidigungsministerium darauf vorbereitet, Tomahawk-Raketen mit großer Reichweite an die Ukraine zu liefern. Demnach scheitere die Lieferung daran, dass US-Präsident Präsident Donald Trump die Genehmigung für den Transfer bisher verweigert.

Während einer Veranstaltung der East Europe Foundation erklärte Taylor laut dem Portal The New Voice of Ukraine, dass das Pentagon die Planung für die Tomahawk-Lieferungen bereits abgeschlossen habe. „Ich sage Ihnen Folgendes: Das Pentagon, unser Verteidigungsministerium, war bereit für eine Entscheidung des Präsidenten, Tomahawk-Raketen an die Ukraine zu liefern. Sie waren bereit“, sagte Taylor. Obwohl Trump die Lieferung letztendlich nicht genehmigte, merkte Taylor an, dass diese Option weiterhin bestehe. „Ich denke, es wäre wichtig – nicht spielentscheidend, aber ein wichtiger Baustein, um Druck auf Putin auszuüben“, fügte er hinzu.

COMMENT: n-tv hatte vor Wochen über die Pentagon-Bereitschaft berichtet.

+++ 17:18 Macron und Merz reisen zu Treffen mit Selenskyj nach London +++

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigt für Montag ein Treffen in London mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Bundeskanzler Friedrich Merz und dem britischen Premierminister Keir Starmer an. Dabei solle es um die Lage in der Ukraine und die laufenden Verhandlungen unter US-Vermittlung gehen, teilt Macron mit. „Die Ukraine kann auf unsere unerschütterliche Unterstützung zählen“, schreibt er auf der Plattform X. Man werde die Bemühungen fortsetzen, um der Ukraine Sicherheitsgarantien zu geben. Ohne diese könne es keinen robusten und dauerhaften Frieden geben.

+++ 16:40 Selenskyj unterrichtet Rutte über Treffen zwischen der Ukraine und den USA +++

Präsident Wolodymyr Selenskyj hat mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte über ein kürzlich stattgefundenes Treffen zwischen ukrainischen und amerikanischen Unterhändlern gesprochen und zugestimmt, weitere Treffen abzuhalten. Das schreibt Selenskyj auf den sozialen Netzwerken. Während des Gesprächs gratulierte Rutte Selnskyj demnach zum Tag der Streitkräfte der Ukraine. Die beiden tauschten außerdem Einschätzungen zur diplomatischen Lage aus – und beschlossen, ihre ihre Konsultationen fort zu führen. „Wir haben uns auf weitere Kontakte geeinigt“, so Selenskyj.

+++ 16:09 Bericht: Ukrainische F-16 können Kamikaze-Drohne billiger abschießen +++

Laut einem Bericht von „Defense Express“ haben ukrainische F-16-Kampfjets damit begonnen, kostengünstige APKWS II- Lenkraketen zum Abschuss russischer Shahed-Kamikaze-Drohnen einzusetzen. Das APKWS (Advanced Precision Kill Weapon System) ist ein Umrüstsatz, der Hydra-70-Raketen zu relativ geringen Kosten – geschätzt 22.000 US-Dollar pro Einheit – in lasergelenkte Präzisionsmunition verwandelt. Analysten sagen, die Modernisierung sei „eine sehr gute Nachricht für die ukrainische Luftwaffe“, da sie eine kostengünstige Lösung zur Abwehr von unbemannten Flugzeugen biete, die teure Raketen einsparen werde.

+++ 15:37 Selenskyj wird am Montag in London erwartet +++

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird am Montag in London erwartet, um mit dem britischen Premierminister Keir Starmer über das weitere Vorgehen im Ukraine-Krieg zu beraten. Thema soll der Stand der Verhandlungen über einen Friedensplan sein, wie die Nachrichtenagentur PA berichtet. Die USA und die Ukraine wollen ihre Gespräche über eine Lösung heute fortsetzen. Diese hatten am Donnerstag im US-Bundesstaat Florida begonnen. Beide Seiten waren sich US-Angaben zufolge einig, dass ein Ende des Kriegs von Russlands Bereitschaft zu Frieden abhängt.

+++ 15:05 Sicherheitsexperte: Moskau will Ukrainer mit verstärkten Angriffen besonders mürbe machen +++

Laut Sicherheitsexperten Frank Umbach ist bei den russischen Angriffen auf die kritische Infrastruktur der Ukraine ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Die ukrainische Bevölkerung solle – so trotz laufender Friedensgespräche – besonders mürbe gemacht werden.

„Bis zu 800 am Tag“Umbach: Angriffe auf die Ukraine sind stark gestiegen

+++ 14:39 Ukraine attackiert Ölraffinerie und Fabrik für Granathülsen in Luhansk +++

Die Ukraine hat nach eigenen Angaben eine Ölraffinerie und eine Fabrik für Granathülsen in der von Russland besetzten Region Luhansk angegriffen. Die Attacken auf die Anlagen in der Stadt Altschewsk hätten in der Nacht stattgefunden, teilt das Militär mit. Weitere Einzelheiten werden nicht genannt. Eine russische Stellungnahme liegt bislang nicht vor.

+++ 14:13 Selenskyj spricht von russischen Attacken mit mehr als 650 Drohnen +++

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wirft Moskau erneut Angriffe auf zivile Infrastruktur der Ukraine vor. Nach Attacken mit mehr als 650 Drohnen sowie 51 Raketen und Marschflugkörpern gebe es Verletzte und Zerstörungen, schreibt er in sozialen Medien. Das Hauptziel sei einmal mehr die Energieinfrastruktur des Landes gewesen. Russland wolle Millionen Ukrainern schaden und feuere am Nikolaustag Raketen auf friedliche Städte, sagte Selenskyj. Er forderte erneut Druck auf Russland. Das Hauptgebäude des Bahnhofs von Fastiw im Kiewer Umland sei niedergebrannt. „Aus militärischer Sicht war dieser Angriff sinnlos“, so Selenskyj. In der Region Kiew seien Unternehmen und Wohnhäuser angegriffen worden. Außerdem gab es demnach Attacken in den Gebieten Dnipropetrowsk im Osten, Tschernihiw im Norden, Saporischschja, Odessa und Mykolajiw im Süden sowie in den an Polen grenzenden Regionen Wolhynien und Lwiw (Lemberg).

WEITERE UKRAINE-MELDUNGEN

08:06Toter und Verletzte in der Ukraine nach russischen Angriffen80dpa-AFX
06:33Baerbock: Kein Gebietsverzicht für Frieden in der Ukraine284dpa-AFX
01:06Baerbock warnt vor Gebietsabtretungen in der Ukraine840dts Nachrichtenagentur
SoWadephul fordert von Peking: Druck auf Moskau wegen Ukraine erhöhen536dpa-AFX
SoTreffer auf Staudamm in Ukraine unterbricht Nachschubroute614dpa-AFX
SoRussland attackiert Ukraine weiter325dpa-AFX
SoUkraine greift erneut Ölraffinerie in Russland an351dpa-AFX
SoUSA: Ende des Ukraine-Krieges hängt von Russland ab2.531dpa-AFX
SoBis zu 16 Stunden Stromsperre für Menschen in der Ukraine348dpa-AFX
SaIschinger ruft Europa zu Engagement für Waffenruhe in Ukraine auf1.244dts Nachrichtenagentur
FrBerichte: USA und Ukraine sprechen noch einmal über Friedensplan341dpa-AFX

Selenskyj trifft Starmer, Macron und Merz in London – APA, 8.12.2025, 7:38

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj trifft am Montag in London Großbritanniens Premier Keir Starmer, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Deutschlands Kanzler Friedrich Merz. Gesprächsthema ist der aktuelle Stand des US-Friedensplans für ein Ende des russischen Angriffs auf die Ukraine. Washington und Kiew hatten bis Samstag drei Tage lang dazu verhandelt. Selenskyj schaltete sich nach eigenen Angaben gegen Ende zu und nannte die Konferenz danach „konstruktiv“.

Die entscheidenden, noch zu klärenden Punkte scheinen die Territorialfragen und Sicherheitsgarantien der USA für die Ukraine zu sein. Wie sich der vor etwa drei Wochen publik gewordene US-Friedensplan mit ursprünglich 28 Punkten seitdem gewandelt hat, ist öffentlich nicht bekannt. „Die Europäer werden notwendigerweise eine tragende Säule der gerechten und dauerhaften Lösung sein, die wir gemeinsam aufbauen“, schrieb Macron vor dem auf der Plattform X.

US-Präsident Donald Trump ist sich nach eigenen Angaben nicht sicher, ob Selenskyj mit einem neuen Vorschlag für ein Ende des russischen Angriffskriegs einverstanden ist. Die USA hätten mit Kremlchef Wladimir Putin gesprochen und mit ukrainischen Vertretern, darunter Selenskyj, sagte Trump Sonntagabend (Ortszeit) in Washington. „Und ich muss sagen, dass ich ein wenig enttäuscht bin, dass Präsident Selenskyj den Vorschlag noch nicht gelesen hat“, schob der US-Präsident hinterher. Das sei der Stand von vor ein paar Stunden gewesen.

Russland würde wohl lieber das ganze Land haben, dennoch glaube er, dass Moskau mit dem Vorschlag einverstanden sei. „Aber ich bin mir nicht sicher, ob Selenskyj damit einverstanden ist“, sagte Trump. „Seine Leute lieben ihn (den Vorschlag)“, schob er nach.

Nach Aussagen Selenskyjs sind die Gespräche mit US-Vertretern über einen Friedensplan zwar konstruktiv, aber nicht einfach. „Die US-Vertreter kennen die grundlegenden ukrainischen Positionen“, sagte er am Samstag in seiner abendlichen Videoansprache. Selenskyj hatte zuvor mit dem Trump-Sondergesandten, Steve Witkoff, und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner telefoniert.

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sicherte Selenskyj unterdessen weitere Unterstützung zu. In einem Telefonat vor dem Treffen in London hielt die rechte Regierungschefin nach Angaben ihres Büros Moskau eine „neue Serie wahlloser Angriffe auf zivile Ziele“ in der Ukraine vor. Ziel bleibe ein dauerhafter und gerechter Frieden. Ihr Land werde weitere Güter zur Unterstützung der dortigen Energieinfrastruktur und Bevölkerung liefern, auch Generatoren, versicherte die Regierungschefin. Meloni wird am Montag in London nicht dabei sein.

US-Vorschlag nicht gelesen: Trump „ein wenig enttäuscht“ von Selenskyj – dpa / GMX, 8.12.2025, 5:59

Die Bemühungen um einen Friedensplan für den Ukraine-Krieg laufen. Die USA spielen dabei eine Hauptrolle. Nun äußert sich Präsident Trump „ein wenig enttäuscht“ über eine Schlüsselfigur.

US-Präsident Donald Trump ist sich nach eigenen Angaben nicht sicher, ob der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit einem neuen Vorschlag für ein Ende des russischen Angriffskriegs einverstanden ist. Die USA hätten mit Kremlchef Wladimir Putin gesprochen und mit ukrainischen Vertretern, darunter Selenskyj, sagte Trump am Sonntagabend (Ortszeit) in Washington. „Und ich muss sagen, dass ich ein wenig enttäuscht bin, dass Präsident Selenskyj den Vorschlag noch nicht gelesen hat“, schob der US-Präsident hinterher. Das sei der Stand von vor ein paar Stunden gewesen.

Russland würde wohl lieber das ganze Land haben, dennoch glaube er, dass Moskau mit dem Vorschlag einverstanden sei. „Aber ich bin mir nicht sicher, ob Selenskyj damit einverstanden ist“, sagte Trump. „Seine Leute lieben ihn (den Vorschlag)“, schob er nach.

Was der aktuelle Stand der Verhandlungen ist

Im US-Bundesstaat Florida hatten Trumps Sondergesandter Steve Witkoff und der Schwiegersohn des Präsidenten, Jared Kushner , seit Donnerstag mehrere Tage lang mit den Ukrainern gesprochen. Aufseiten der ukrainischen Delegation führten Ex-Verteidigungsminister Rustem Umjerow und Generalstabschef Andrij Hnatow die Verhandlungen. Vorher hatten Witkoff und Kushner in Moskau fünf Stunden lang mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gesprochen.

Zum Ende der amerikanisch-ukrainischen Verhandlungen in Florida schaltete sich Selenskyj nach eigenen Angaben am Samstag telefonisch dazu. Er nannte den Austausch konzentriert und konstruktiv. Als nächsten Schritt erwarte er Umjerow und Hnatow zum persönlichen Bericht, erklärte er.

Die entscheidenden ungeklärten Punkte scheinen die Territorialfragen und Sicherheitsgarantien der USA für die Ukraine zu sein. Wie sich der vor etwa drei Wochen publik gewordene US-Friedensplan mit ursprünglich 28 Punkten seitdem gewandelt hat, ist öffentlich nicht bekannt. Aus Trumps Aussagen ging auch nicht hervor, ob es seit dem Austausch der US-Vertreter mit Putin am Dienstag noch einmal Kontakt mit Moskau gab.

Selenskyj wird an diesem Montag zu Gesprächen mit den westlichen Partnern um Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in London erwartet, um über den aktuellen Stand des Friedensplans zu sprechen. An den Beratungen über den aktuellen Stand des US-Friedensplans zur Beendigung des russischen Angriffskrieges in der Ukraine werden auch der britische Premierminister Keir Starmer und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron teilnehmen. (dpa/bearbeitet von ng)

Empfehlungen der Redaktion

Neue US-Sicherheitsstrategie: USA erhöhen Druck auf Europa – Russland applaudiert – dpa / GMX, 7.12.2025, 17:34

Mit ihrer neuen Sicherheitsstrategie macht die US-Regierung klar, dass künftig nur noch Verbündete mit hohen Verteidigungsausgaben auf Washingtons Unterstützung zählen können. Europa reagiert empört, Russland jubelt.

Mit ihrer neuen Sicherheitsstrategie hat die US-Regierung ihren Kurs gegenüber Europa verschärft und den Druck auf ihre Verbündeten erhöht. Frühere Strategien hätten die nationalen Kerninteressen der USA nicht berücksichtigt und die Verteidigung anderer Länder auf die Schultern der US-Bevölkerung abgeladen, heißt es in dem Dokument, in dem die USA ihre außen- und sicherheitspolitischen Leitlinien festlegen. Nun gelte „America First“ – die USA zuerst.

Was diese neue Linie der USA für deren Partner bedeutet, machte Pentagon-Chef Pete Hegseth am Samstag mit Blick auf die nationalen Verteidigungsausgaben deutlich. „Vorbildliche Verbündete, die aufstocken, wie Israel, Südkorea, Polen, zunehmend Deutschland, die baltischen Staaten und andere werden unsere besondere Gunst erhalten“, betonte er beim Reagan National Defense Forum im US-Bundesstaat Kalifornien.

Jene, die immer noch nicht ihren Teil zur kollektiven Verteidigung beitrügen, müssten mit Konsequenzen rechnen, sagte der US-Verteidigungsminister, der sich inzwischen Kriegsminister nennt. US-Präsident Donald Trump helfe gerne Ländern, die sich selbst helfen würden, sagte Hegseth.

US-Kritik an Europa sorgt für Spannungen

Die USA zeichnen in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Strategiepapier ein düsteres Bild der Lage in Europa. Zu Europas Problemen zählen nach Ansicht der US-Regierung unter anderem die Einwanderungspolitik, die „Zensur der freien Meinungsäußerung und die Unterdrückung der politischen Opposition, abstürzende Geburtenraten sowie der Verlust nationaler Identitäten und des Selbstvertrauens“. Eine Kurskorrektur sei notwendig, hieß es in dem Dokument. Aus europäischen Staaten kam umgehend Kritik.

Der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) sagte zu den kritischen Äußerungen zur Meinungsfreiheit, er glaube „nicht, dass irgendjemand uns dazu Ratschläge geben muss“. Auch die EU-Kommission von Ursula von der Leyen wies die Vorwürfe gegen die EU zurück.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas bemühte sich am Samstag, die Wogen zu glätten. „Die USA sind immer noch unser größter Verbündeter“, sagte Kallas beim Doha Forum, einer jährlich stattfindenden diplomatischen Konferenz in Katar. Trotz Differenzen bei verschiedenen Themen zwischen den USA und Europa gelte das „allgemeine Prinzip“ weiterhin: „Wir sind die engsten Verbündeten und sollten zusammenhalten.“

USA werfen Europa Doppelmoral vor

Doch die Angriffe aus Washington rissen am Wochenende nicht ab. In einem Beitrag auf der Plattform X warf Vize-Außenminister Christopher Landau insbesondere jenen Staaten Doppelmoral vor, die sowohl der Nato als auch der EU angehörten. Hätten diese Staaten ihren „Nato-Hut“ auf, pochten sie auf die Bedeutung der transatlantischen Zusammenarbeit, schrieb Landau. Mit ihrem „EU-Hut“ verfolgten sie gleichzeitig aber politische Agenden, „die oft den Interessen und der Sicherheit der USA völlig zuwiderlaufen“.

Die USA könnten diesen Widerspruch nicht länger ignorieren, schrieb Landau weiter. „Wir können nicht so tun, als wären wir Partner, während diese Nationen zulassen, dass die ungewählte, undemokratische und nicht repräsentative Bürokratie der EU in Brüssel eine Politik des zivilisatorischen Selbstmords verfolgt.“

Russland applaudiert

Lob für die neue Sicherheitsstrategie der USA kam hingegen aus Russland. „Die Änderung der nationalen Sicherheitsstrategie der USA durch die Regierung von Präsident Donald Trump, in der Russland nicht mehr als direkte Bedrohung erwähnt wird, ist ein positiver Schritt“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass. Die Botschaft der Trump-Regierung für die russisch-amerikanischen Beziehungen unterscheide sich von den Ansätzen früherer Regierungen. Der Kreml werde die aktualisierte US-Strategie genau prüfen.

Obwohl die US-Regierung in dem Strategiepapier ein Ende des Kriegs in der Ukraine als zentrales Interesse bezeichnet, finden sich kaum kritische Worte für Russland. Ein Ende der Feindseligkeiten sei notwendig, „um die europäischen Volkswirtschaften zu stabilisieren und eine unbeabsichtigte Eskalation oder Ausweitung des Kriegs zu verhindern“. Mit Russland müsse eine „strategische Stabilität“ hergestellt werden. (dpa/bearbeitet von phs)

Empfehlungen der Redaktion

Lob aus den USA: Hegseth nennt Deutschland „vorbildlichen Verbündeten“ – AP / Euronews, 7.12.2025, 16:49

Von Sonja Issel

Nachdem die USA Europa vor kurzem eine düstere Zukunft prognostiziert und deutliche Kritik an der europäischen Politik geäußert hatten, kommt nun aus dem Pentagon Lob für Deutschland.

Beim „Reagan National Defense Forum“ in Kalifornien hat US-Verteidigungsminister Pete Hegseth Deutschland überraschend als „vorbildlichen Verbündeten“ bezeichnet – und der Bundesrepublik besondere Untersützung in Aussicht gestellt.

Länder, die ihre militärischen Kapazitäten ausbauten – „wie Israel, Südkorea, Polen, zunehmend Deutschland sowie die baltischen Staaten“ – würden besondere Unterstützung erhalten, erklärte er in Simi Valley.

Hegseth, der sich selbst als „Kriegsminister“ bezeichnete, verband seine Anerkennung mit einer scharfen Warnung: Staaten innerhalb der NATO, die ihren Beitrag zur gemeinsamen Verteidigung nicht leisten, müssten mit Konsequenzen rechnen. Präsident Trump bevorzuge klar jene Partner, die eigene sicherheitspolitische Anstrengungen vorweisen könnten, betonte er.

Sein Lob für Deutschland bezieht sich auf die jüngste NATO-Vereinbarung zur massiven Erhöhung der Verteidigungsausgaben. Unter dem Eindruck des Kriegs in der Ukraine hatten die Mitgliedstaaten beschlossen, künftig mindestens 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung bereitzustellen, ergänzt um weitere 1,5 Prozent für sicherheitsrelevante Infrastruktur. Die Bundesregierung hat sich diesem Ziel bereits verpflichtet.

Die positiven Signale Richtung Berlin stehen in deutlichem Gegensatz zu den jüngsten, kritischeren Tönen aus der von Präsident Donald Trump geführten US-Regierung. Diese erreichten mit der veröffentlichten neuen Sicherheitsstrategie ihren bisherigen Höhepunkt.

In dem offiziellen Papier wird Europa als „Kontinent im Niedergang“ beschrieben. Die Trump-Administration warnt vor einer „zivilisatorischen Krise“ in Europa, die auf eine zu liberale Migrationspolitik zurückzuführen sei.

Reaktionen auf Sicherheitsstrategie gemischt

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas reagierte auf die US-Äußerungen jedoch gelassen. Im Interview mit Euronews erklärte sie, die USA blieben trotz der Kritik am aktuellen Kurs der EU weiterhin Europas wichtigster Verbündeter. Sie rief dazu auf, den Fokus auf Einheit zu legen. Europa und die USA sollten „zusammenhalten“, betonte Kallas.

Deutsche Außenpolitiker aus den Regierungsparteien äußerten sich hingegen alarmiert. Nach der Veröffentlichung der Strategie forderten mehrere Abgeordnete die Bundesregierung dazu auf, deutlicher auf Distanz zu den USA zu gehen.

So warnte der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Adis Ahmetovic, dem Tagesspiegel: „Präsident Trump und sein Stab möchten – wie auch in den USA – im Eiltempo ein autoritäres System auf unserem Kontinent etablieren.“

Auch aus der CDU kam scharfe Kritik. „Europa wird herabwürdigend beschrieben und zum Objekt US-amerikanischer Machtpolitik“, sagte CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter. Die USA seien damit kein Wertepartner mehr, sondern ein Akteur, der die bisherige regelbasierte Ordnung infrage stelle.“„Europa läuft Gefahr, Gegenstand trumpistischer Einflussinteressen zu werden“, sagte er.

Zum selben Thema

WEITERE MELDUNGEN AUS ALLER WELT

ORF MELDUNGBÜNDEL WELT

Ukraine-Krieg

Russischer Treffer auf Staudamm unterbricht ukrainische Nachschubroute

Ausland

Grenzkonflikt: Thailand fliegt Luftangriffe

UNO drängt Taliban, Frauen Zugang zu ihren Büros zu gewähren

100 in Nigeria entführte Schulkinder wieder frei

Regierung: Putschversuch in Benin vereitelt

Netanjahu: Israel bleibt in Pufferzone im Süden Syriens

Hongkong-Wahl endet mit niedriger Beteiligung

EU

X lässt EU-Kommission keine Anzeigen mehr schalten

Drei Tote durch Riesenwelle auf Teneriffa

Wirtschaft

Trump mischt sich in Netflix-Warner-Deal ein

Chinas Exporte nach Minus deutlich gestiegen

Second Hand wird zunehmend erste Wahl

BAHA-NEWS

Chronologisch absteigend, jüngste Meldungen zuoberst:

USA

EU-Strafe: Strafe gegen X: Musk will EU abschaffen – dpa / GMX, 6.12.2025

Die EU verhängt ein Bußgeld von 120 Millionen Euro – und Musk eskaliert. Auf X fordert er nicht nur das Ende der EU, sondern auch US-Sanktionen.

Der US-Milliardär Elon Musk hat verärgert auf die Millionenstrafe der EU gegen seinen Kurznachrichtendienst X reagiert. „Die EU sollte abgeschafft werden“, schrieb Musk in einem Post auf der Online-Plattform. Wegen Transparenzmängeln hatte die EU-Kommission in Brüssel gegen X eine Strafzahlung von 120 Millionen Euro verhängt. Als Grund nannte die Behörde unter anderem, dass die Authentifizierung von Nutzerkonten durch Verifizierungshaken irreführend sei.

Ob er gegen die EU-Entscheidung vorgehen wird, teilte Musk in seinen neuen Posts nicht mit. Er heftete seine Forderung nach einer Abschaffung der EU auf seinem X-Profil oben an, so dass sie nicht von neuen Posts aus dem Blickfeld verschoben werden kann. Er griff die EU auch in einer Reihe weiterer Posts und Reposts an, warf ihr dabei Zensur vor und unterstützte eine Forderung nach US-Sanktionen gegen Brüssel.

Musk war zeitweise ein enger Mitarbeiter des US-Präsidenten Donald Trump und hatte im letzten Bundestagswahlkampf Werbung für die AfD gemacht. Die europäische Strafe gegen X hatte auch US-Außenminister Marco Rubio verärgert. Er sprach von einer „Attacke auf alle amerikanischen Tech-Plattformen und das amerikanische Volk durch ausländische Regierungen“. (dpa/bearbeitet von amb)

Empfehlungen der Redaktion

ANALYSE – Die Gefahr durch MAHA: Wie Impfskeptiker und Influencer die USA krank machen – GMX, 6.12.2025

von Dominik Bardow

Die „MAHA“-Bewegung vereint Elemente aus Wellness-Marketing, Verschwörungserzählungen und stellt Medizin und Wissenschaft infrage. Angeführt wird sie von US-Gesundheitsminister Robert Kennedy Jr. Doch die Bewegung steckt voller Widersprüche. Was treibt sie an?

Mitte November fand in Washington D.C. ein mehrtägiger, geschlossener Gesundheitsgipfel statt. Politiker, Investoren und Influencer tagten dort über alternative Medizin, Wellness und Ernährung. Auch Regierungsvertreter kamen dabei zu Wort. „Die MAHA-Bewegung war ein unglaublicher Teil unseres Erfolges in Washington“, lobte etwa Vizepräsident J.D. Vance .

„MAHA“ steht für „Make America Healthy Again“. In Anlehnung an die „Make Amerika Great Again“-Bewegung (MAGA) wollen die MAHA-Anhänger die USA „wieder gesund“ machen. Zu ihnen gehört auch US-Gesundheitsminister Robert Kennedy jr..“Vieles in öffentlicher Gesundheit ist Bullshit“, erklärte der bei dem Gipfel.

Doch seine Kritiker treibt eher die Sorge um, dass Kennedy und die MAHA-Bewegung die USA am Ende kranker machen könnten.

MAHA spricht im Prinzip wichtige Probleme an

Ein Teil der MAHA-Botschaft ist nicht falsch: Übergewicht durch Fett- und Zuckerkonsum, Bewegungsmangel, Arzneimittel- und Drogenmissbrauch – die USA leiden unter vielen gesundheitlichen Problemen.

Doch dass die Bewegung und RFK Jr., wie Gesundheitsminister Kennedy oft abgekürzt wird, die Zustände verbessern, das bezweifeln Experten. Einer von ihnen ist Jonathan Jarry. Der Wissenschaftskommunikator arbeitet für die McGill University in Kanada und hat sich auf den Kampf gegen medizinische Desinformation spezialisiert.

„Oberflächlich lautet die Botschaft: Die Amerikaner sind krank und brauchen bessere Politik“, sagt der Jarry im Gespräch mit unserer Redaktion mit Blick auf die MAHA-Bewegung. „Doch dahinter steckt Pseudowissenschaft.“

RFK Jr. gilt unter Experten mindestens als umstritten – vielen sogar als völlige Fehlbesetzung. Denn immer wieder verbreitete er in der Vergangenheit medizinische Desinformationen und verwies auf unwissenschaftliche Therapien. So behauptete er Anfang des Jahres etwa, dass Lebertran bei einer Maserninfektion helfe. Beweise dafür blieb er schuldig.

Laut Jarry würden Kennedy Jr. und die MAHA-Bewegung vor allem „nach einfachen Sündenböcken wie Farbstoffen oder Pestiziden“ für die gesundheitlichen Probleme der Amerikaner suchen, „statt systemische Ursachen anzugehen“. Dass sie dafür auf unwissenschaftliche Lehren zurückgreifen, könnte auch der Gesundheit weltweit schaden, befürchtet der Experte.

Influencer leiten das Geld in die eigenen Taschen

MAHA habe Beteiligte von alternativen Gesundheitsnetzwerken zusammengeführt und dadurch ihre Reichweite vergrößert. Darunter seien auch viele Influencer wie die Bloggerin Vani Hari alias „The Food Babe“, sagt Jarry.

Hari führe Kampagnen gegen Zusatzstoffe in Produkten. So bekam sie die Fastfood-Kette Subway dazu, eine ungefährliche Chemikalie aus deren Sandwiches zu verbannen. Doch laut Jarry nähre sie damit vor allem Ängste, eine Art Chemophobie.

Gleichzeit verkaufen viele MAHA-Influencer Nahrungsergänzungen ohne erwiesene Wirksamkeit. „Die Bewegung hat die Fassade, gegen große Firmen zu sein, praktisch fließt Geld nun in die Wellness- statt in die Pharmaindustrie“, sagt Experte Jarry.

Die Wellness-Bewegung der USA, die früher als links galt, sei nach rechts gewandert und inzwischen mit Verschwörungsideen durchsetzt, so Jarry. Öffentliche Programme würden als Freiheitseingriffe gesehen.

Wellness ist nun rechts und Trump braucht RFK Jr.

Mit Minister Kennedy Jr. hat die MAHA-Strömung, die schon vor seinem Amtsantritt existierte, jetzt einen Unterstützer in den obersten Reihen. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Der Neffe des Präsidenten John F. Kennedy war schließlich die meiste Zeit seines Lebens Mitglied der Demokraten und kandierte einst gegen Trump bei den Präsidentschaftswahlen.

„Ich vermute, dass er die Partnerschaft mit Trump als Chance auf Macht gesehen hat, um seine seit Jahrzehnten bekannten Ziele voranzutreiben – vor allem Ablehnung von Impfstoffen“, sagt Jarry.

Der frühere Anwalt ist einer der prominentesten Kritiker der US-Impfpolitik. Immer wieder behauptete, ohne jeglichen Beweis, Impfstoffe könnten Autismus verursachen. Selbst seine ungewöhnliche raue Stimme führt er auf Impfwirkungen zurück. Und widerspricht indirekt Trump, der Corona-Impferfolge seiner ersten Amtszeit preist.

Doch die Bewegung ignoriert Widersprüche. Trump gilt als ideologisch flexibel und braucht die MAHA-Massen.

Ein Impfskeptiker als Minister ist eine weltweite Bedrohung

Seit Amtsantritt hat der Kennedy Jr. seine Behörde groß umstrukturiert, tausende Stellen abgebaut, Impfempfehlungen und Förderprioritäten verschoben und Reports vorgelegt, die voller Fehler waren. Der Effekt eines Impfskeptikers als Gesundheitsminister werde bald auch die Bevölkerung treffen, glaubt Jarry.

„Die Leute werden spüren, wenn Impfstoffe nicht verfügbar, teurer sind, Menschen krank werden.“ Die fast ausgerotteten Masern erlebten zuletzt wieder Ausbrüche in den USA. RFK Jr. reagierte abwägend und verharmlosend. Dasselbe gilt für die die Vogelgrippe und andere Viren, die in den USA auf dem Vormarsch sind.

Das könne weltweit Folgen haben. Insbesondere, wenn in den USA einige Therapien kaum mehr erforscht werden. „Krankheiten stoppen nicht an Grenzen“, sagt Jarry.

Eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit ist auch, dass sich Ideen der MAHA-Bewegung immer weiter verbreiten. Etwa absurde Methoden wie Psychedelika, Gehirnimplantate, Anti-Aging-Therapien und Biohacking. „All diese Bewegungen lehnen den Mainstream ab, misstrauen etablierter Wissenschaft“, sagt Jarry.

Erste Brüche in der radikalen Bewegung

Gleichzeitig zeigen sich in der Bewegung die ersten Risse. Manchen ist RFK Jr. nicht radikal genug. Einigen der MAHA-Anhängern geht er auch viele Kompromisse mit als „böse“ gesehenen Konzernen ein. „Es gibt definitiv wachsende Spannungen in der Bewegung, weil Leute unterschiedliche Extreme vertreten“, sagt Jarry.

Doch ob die MAHA-Bewegung daran zerbricht, dass die Regierung nicht alle ihre Ansichten gleichzeitig aufgreifen kann? Und ob solch ein Riss auch negative Auswirkungen für Trump mit sich bringen würde? Das lässt sich derzeit noch nicht abschätzen.

Dabei bräuchten die USA dringend bessere Gesundheitspolitik, findet Jarry. „Das amerikanische Gesundheitssystem selbst ist krank.“ Viele Amerikaner kann schon eine einfache Behandlung finanziell ruinieren. Nichts von dem, was RFK Jr. derzeit tut, werde diese Situation verbessern.

Über den Gesprächspartner

  • Jonathan Jarry ist Wissenschaftskommunikator am Office for Science and Society der McGill University und spezialisiert auf die Entlarvung medizinischer Desinformation.

Verwendete Quellen

Empfehlungen der Redaktion

SÜDAMERIKA

Polizei entdeckt YouTube-Klickfarm in Brasilien – GMX, 6.12.2025 (KURZVIDEO)

Brasilianische Behörden haben Anfang Dezember eine gewaltige Klickfarm im Bundesstaat Rio de Janeiro ausgehoben. Mit hunderten synchronisierten Smartphones trieben die Betreiber Klickzahlen auf YouTube in die Höhe. Die Einrichtung könnte Teil eines größeren Betrugsnetzwerks sein.

COMMENT: Betrug aller Orten. Sinn du Zweck des Treibens war die Erhöhung von Werbeeinnahmen und die Steigerung von Verkaufszahlen für was auch immer.

AFRIKA

Soll Lage stabilisieren: Eingreiftruppe nach Putschversuch in Benin – dpa / GMX, 8.12.2025

Ein Putschversuch im westafrikanischen Benin wurde Präsident Talon zufolge erfolgreich vereitelt. Die Regionalmacht Nigeria schickt Kampfflugzeuge und Bodentruppen ins Nachbarland.

Unmittelbar nach einem vereitelten Putschversuch in Benin hat die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas die Entsendung einer militärischen Eingreiftruppe beschlossen, um die Lage zu stabilisieren. Die Soldaten, unter anderem aus dem Nachbarland Nigeria, sollen die Regierung unterstützen und die verfassungsmäßige Ordnung des Landes schützen, wie Ecowas mitteilte.

Der Präsident der Regionalmacht Nigeria, Bola Ahmed Tinubu, erklärte, die nigerianische Luftwaffe sei auf Bitten Benins im Einsatz, um den Luftraum zu kontrollieren und schnelle Einsätze in Koordination mit dem Nachbarland durchzuführen. Die Streitkräfte hätten im Rahmen des Ecowas-Mandats gehandelt und damit die verfassungsmäßige Ordnung in Benin verteidigt. Zudem habe das kleine westafrikanische Land Bodentruppen angefordert, um die Regierung zu schützen und bewaffneten Gruppen zu begegnen. Nigerianische Bodentruppen seien nun bereits in Benin.

Benins Präsident gibt Entwarnung

Nigerianische Kampfflugzeuge hätten dabei geholfen, die Putschisten vom Sitz des staatlichen Fernsehens und aus einem Militärstützpunkt zu vertreiben, hieß es weiter. In Medienberichten war die Rede von Explosionen nach mutmaßlichen Luftangriffen in der Hafenstadt Cotonou, dem Regierungssitz.

Benins Präsident Patrice Talon sagte am Sonntagabend übereinstimmenden Medienberichten zufolge, die Lage sei inzwischen vollständig unter Kontrolle. Er dankte den Streitkräften und der Militärführung, die dem Land und der Verfassung treu geblieben seien. Der Putschversuch werde nicht ungestraft bleiben, sagte er demnach im staatlichen Fernsehen.

Putschisten mit Ankündigung im staatlichen Fernsehen

Zuvor waren in der Nähe des Präsidentenpalasts Schüsse gefallen. Eine Gruppe Militärs besetzte den Sitz des staatlichen Fernsehsenders und erklärte Talon für abgesetzt. Die Grenzen des Landes seien geschlossen, Oberstleutnant Pascal Tigri sei zum Präsidenten eines „Militärischen Wiederaufbaukomitees“ ernannt worden, hieß es. Innenminister Alassane Seydou teilte später mit, das Eingreifen der Streitkräfte habe es ermöglicht, den Putschversuch zu vereiteln. Es soll sich demnach nur um eine kleine Gruppe meuternder Soldaten gehandelt haben.

Ob es bei dem Umsturzversuch und dem Einsatz gegen die Putschisten auch Opfer gab, war zunächst unklar. Auch über mögliche Festnahmen wurde zunächst nichts bekannt.

An der Ecowas-Eingreiftruppe für Benin sollen sich neben Nigeria auch Sierra Leone, Ghana und die Elfenbeinküste beteiligen. Es war zunächst offen, wie viele Soldaten und welches Gerät die Truppe umfassen würde.

Benin zählte bislang zu stabileren Demokratien

Benin, ein landwirtschaftlich geprägter Staat mit rund 15 Millionen Einwohnern und viel Baumwolle-Produktion, gehört zu den ärmsten Staaten der Welt. Die frühere französische Kolonie zählte bislang zu den stabileren Demokratien des Kontinents. Benin gelang 1991 ein friedlicher Wechsel von der Diktatur zu einer demokratischen Regierung. Als Quelle möglicher Instabilität wurden zuletzt eher die im Norden angrenzenden Länder Burkina Faso und Niger betrachtet, in denen es große Probleme mit islamistisch motiviertem Terrorismus gibt. (dpa/bearbeitet von ng)

Empfehlungen der Redaktion

NAHER OSTEN – MENA WATCH (Mena-Watch auf Wikipedia)

DEUTSCHLAND – WAHLUMFRAGEN

UMFRAGEN

11:14Umfrage des BFS: Breite KI-Nutzung und steigende Desinformation prägen 2025 die Schweiz1Netzwoche
11:03VM-Umfrage zum Pendeln: Auto dominiert, gerne elektrisch – ein Viertel Radler1VISION mobility
10:53Health-Studie 2026: Wir fragen, wie’s euch geht – macht bei unserer Umfrage mit!2Golem.de
10:15Umfrage: Cyber-Sicherheit für viele Nebensache2Versicherungsmagazin
08:33Kitco-Umfrage: Wall Street geteilt, Main Street weiterhin bullisch1GoldSeiten.de
07:45Neue Umfrage zeigt: Mehr als die Hälfte der Deutschen wünscht sich in der Vorweihnachtszeit bewusste Momente der Entschleunigung283news aktuell
So10-Millionen-Einwohner-Limit für Schweiz hat laut Umfrage gute Chancen – die Sonntagsnews2watson
SaUmfrage Dezember 2025: Smartwatch, Fitnesstracker oder klassische Uhr – was tragt ihr am Handgelenk?1Caschys Blog
SaUmfrageergebnisse aus dem November 2025: Leser glauben an Arbeitsplatzverluste durch KI3Caschys Blog

ÖSTERREICH – WAHLUMFRAGENAPA-WAHLTREND

WIRTSCHAFTS-NACHRICHTEN für Österreich

ÖSTERREICHISCHES PARLAMENT

ORF-MELDUNGSBÜNDEL ÖSTERREICH

Inland

Proteste in Graz für mehr Schulassistenz

Sporrer will gegen Überbelegung im Gefängnis vorgehen

Misstrauensantrag gegen Ärztekammer-Vize Mayer

Science

Rekord an US-Studierenden in Wien

Gesundheit

Studie zu Wurst von FH Wr. Neustadt: Weniger Salz, gleicher Geschmack

Wirtschaft

Run auf Salzburger Weihnachtsmärkte ungebrochen

Second Hand wird zunehmend erste Wahl

ORF – Meldungen für die slowenische Volksgruppe (deutsch)

ORF – Meldungen für die slowenische Volksgruppe (slowenisch)

ORF – Meldungen für Volksgruppen in Österreich

RELIGION

Mariä Empfängnis: Ein missverstandenes Hochfest

UMWELT

Erneutes Unglück: Drei Tote durch Riesenwelle auf Teneriffa – dpa / afp / GMX, 8.12.2025

Im Herbst und Winter treffen immer wieder Riesenwellen auf die Kanarischen Inseln im Atlantik. Wer nicht aufpasst, kann ins Meer gerissen werden. Genau das ist jetzt wieder passiert.

Auf Teneriffa hat es durch eine Riesenwelle drei Tote und drei Verletzte gegeben. Bei dem Zwischenfall an einem Naturschwimmbecken im Westen der spanischen Urlauberinsel wurden mehrere Menschen ins Meer gerissen, wie der Notdienst der Kanarischen Inseln mitteilte. Eine als vermisst gemeldete Person werde außerdem gesucht.

Bei den bestätigten Todesopfern handelt es sich den Behördenangaben zufolge um zwei Männer und eine Frau. Einer der Männer sei 35 Jahre alt gewesen, die Frau 55. Das Alter des dritten Opfers ist bislang nicht bekannt. Nähere Details zu den Identitäten wurden vorerst nicht genannt.

Die Behörden hatten gewarnt

Eine Frau habe bei dem Vorfall an den Klippen von Los Gigantes in der Region Santiago del Teide einen Herzstillstand erlitten. Sie sei aber von Sanitätern gerettet und per Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht worden.

Laut Medien konnten mehrere Personen, die von den Wassermassen mitgerissen worden waren, aus eigener Kraft wieder an Land gelangen. Der staatliche Fernseh-Sender RTVE berichtete, die Behörden der Kanaren hätten am Sonntag rechtzeitig vor hohen Wellen gewarnt.

Laut der Website der kanarischen Regionalregierung ist der Natur-Pool von Isla Cangrejo „ein natürliches Schwimmbecken in einer schönen Ecke der Küste“, das dank einer Betonmauer vor Wellen geschützt sei und „einen ruhigen Ort zum Schwimmen und Sonnenbaden für die ganze Familie“ bietet. Gleichzeitig heißt es auf der Website, „Flut und starkem Wellengang muss man besonders vorsichtig sein“.

Erst vor etwa einem Monat, am 8. November, hatten mehrere Riesenwellen auf Teneriffa zahlreiche Menschen ins Meer gespült – darunter auch viele Touristen, vor allem aus Frankreich. Bei den verschiedenen Zwischenfällen an den Küsten kamen damals drei Menschen ums Leben. Insgesamt 15 wurden verletzt. (dpa/afp/bearbeitet von fra/ng)

Empfehlungen der Redaktion

MENSCHEN

So sehen die Stars von „Malcolm mittendrin“ heute aus – GMX Bilderstrecke

Die Kultserie „Malcolm mittendrin“ kehrt 2026 zurück. Vier neue Folgen sollen auf Disney+ erscheinen. Hauptdarsteller Frankie Muniz, der am 5. Dezember seinen 40. Geburtstag feiert, ist ebenfalls wieder mit dabei. Doch wie haben sich die Stars der beliebten Sitcom seit damals verändert?

UNTERNEHMEN

GESELLSCHAFTSSEISMOGRAPH BÖRSEN

*** zuletzt aktualisiert am 8.12.2025 ***
(neu: Hauptversammlungskalender für osterr. AGs)

Interessensverband der Anleger bietet Mitgliedschaften an

HINWEIS: Dieser Verband vertritt Anlegerinteressen in Österreich, eine Mitgliedschaft ist zwar grundsätzlich empfehlenswert, muss aber nicht sein; sie lohnt sich erst bei entsprechend großem Depot.

IVA Interessenverband für Anleger
Feldmühlgasse 22, A-1130 Wien
Tel: 01 876 33 43
Webpage: www.iva.or.at
anlegerschutz@iva.or.at

Hauptversammlungen für österreichische Aktiengesellschaften

Die 4 größten Gefahren für Ihr Vermögen – Edelmetalle -Kettner

AMLA, Beweislastumkehr und digitaler Euro arbeiten Hand in Hand für totale Kontrolle, lückenlose Überwachung und direkte Enteignung.

1. Digitaler Euro – Totale Geldkontrolle

Lagarde: „Der digitale Euro kommt bald.“ Das perfekte Werkzeug zur Vermögenskonfiszierung per Knopfdruck.

  • Geld mit Ablaufdatum (Art. 13)
  • Haltelimits – Vermögensaufbau verboten (Art. 15+16)
  • Programmierbar – Käufe blockierbar (Art. 24+37)
  • Bargeld wird überflüssig (Art. 23)

2. AMLA – Das Vermögensregister ist da

====> [siehe dazu AMLA (
EU), AMLA (Treuhand Liechtenstein (10-Seiten-PDF)] <====

Ab 1. Juli 2025 überwacht die zentrale AMLA-Datenbank in Frankfurt das komplette Vermögen von 450 Millionen EU-Bürgern in Echtzeit.
[das ist so offenbar noch nicht zutreffend, läuft aber in Zukunft darauf hinaus;
die folgenden Punkte dürften stimmen:]

  • Alle Bankkonten und Transaktionen erfasst
  • Immobilienregister zeigt jeden Eigentümer
  • Krypto-Wallets komplett transparent
  • Behördenzugriff ohne richterlichen Beschluss

3. Beweislastumkehr – Schuldig bis zur Unschuld

Innenminister Dobrindt hat es angekündigt: Sie müssen beweisen, dass Ihr Vermögen legal ist. Der Staat muss nichts beweisen.

  • Beschlagnahme ohne Gerichtsbeschluss (VVBG)
  • Kein Nachweis = Vermögen weg
  • Unschuldsvermutung außer Kraft gesetzt

4. Der Teufelskreis – Kein Ausweg

Steigende Schulden → Höhere Zinsen → Höhere Steuern → Einbrechende Wirtschaft → Noch mehr Schulden. Der Kreislauf dreht sich immer schneller.

  • 20 Billionen € Gesamtschulden (inkl. implizit)
  • Zinsen verdoppeln sich bis 2029 auf 66,5 Mrd. €
  • Merz will 10% Ihrer Sparguthaben „mobilisieren“

Das EU-Vermögensregister 2025: Ein Schritt in Richtung Enteignung? – Edelmetalle-Kettner, [~2024]

COMMENT: die folgenden Ausführungen sind PFLICHTLEKTÜRE! Sie sind zum größten Teil korrekt und haben als Quelle zumindest die EU-Webseite AMLA (EU) zur Grundlage.

Nebstbei enthüllt die Vorgangsweise der Europäischen Union deren Charakter, der sich daran orientiert, die Bürger zu entrechten und vollkommen überstaatlichem Zugriff zugänglich zu machen. Die Empörung über „Social Points“ in China relativiert sich angesichts des EU-Projekts AMLA, die Einführung von „Social Points“-ähnlichen Konstrukten EU-weit ist nur eine Frage der Zeit.

Nachdem die EU-Kommission schon 2021 die ersten Pläne vorgestellt hatte, soll nun ab 2025 aller Voraussicht nach ein europaweites Vermögensregister eingerichtet werden. Um dessen Bedeutung und Funktionsweise verstehen zu können, schauen wir uns zunächst zwei weitere Bausteine der EU-Systems der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorfinanzierung an, in die das Vermögensregister 2025 eingebettet ist.

==> [siehe dazu AMLA (EU), AMLA (Treuhand Liechtenstein (10-Seiten-PDF,2024)] <==

Was ist das EU-Vermögensregister?

Das EU-Vermögensregister ist ein ab 2025 bei der EU-Behörde AMLA angesiedeltes Register, welches alle Vermögenswerte über 200.000 € umfassen soll, einschließlich Auslandsvermögen, Bargeld, Immobilien, Edelmetalle und mehr. Es bietet Behörden und berechtigten Personen umfassenden Zugriff auf Finanz- und Vermögensdaten der Bürger.

Das war eine kürzere Erklärung. Im Detail bedeutet das:

Ab 2025 wird nun also ein europaweites Vermögensregister eingerichtet, das bei der AMLA angesiedelt sein wird. Entscheidend ist das wirtschaftliche Eigentum. Wer Vermögenswerte von mehr als 200.000 € besitzt, muss alle Vermögensgegenstände offengelegen, auch Auslandsvermögen. Die Betonung liegt auf alle: Bargeld, Sparguthaben, Unternehmensanteile, Aktien, Kryptovermögen, Immobilien im In- und Ausland, Edelmetalle, aber auch Wertgegenstände wie Segelboote und Yachten, wertvolle Autos, Kunstgegenstände und ähnliche Werte. Auch Schließfächer oder Zollfreilager z.B. in der Schweiz oder Liechtenstein sind davon betroffen. 

Die Grenze von 200.000 EUR kann – analog zur Bargeldgrenze oder der Grenze für Tafelgeschäfte beim Edelmetallkauf – jederzeit weiter herabgesetzt werden. 

Die aktuelle Meldeschwelle soll bei Gesellschaften, Stiftungen, Trusts etc. von derzeit 25 Prozent plus einer Stimme im Zusammenhang mit dem EU-Vermögensregister auf 15 Prozent plus eine Stimme gesenkt werden, bei manchen Branchen sogar auf nur noch fünf Prozent.

Dieses komplexe und machtvolle Kontroll- und Überwachungsinstrument bietet den Behörden der EU-Mitgliedsländer eine nie zuvor dagewesene Möglichkeit, auf die aggregierten Finanz- und Vermögensdaten ihrer Bürger zuzugreifen

Aber nicht nur die Behörden werden Zugriff erhalten, sondern auch Personen mit “berechtigtem Interesse”. Darunter sollen z. B. “bestimmte” Journalisten, Berichterstatter, andere Medien, Finanzämter und andere NGO wie Organisationen der Zivilgesellschaft und Hochschuleinrichtungen fallen. Hier werden schon die Türen für zukünftigen Missbrauch geöffnet. Wie in diesem Zusammenhang dem Datenschutz Rechnung getragen werden soll, ist noch nicht geklärt. Denn hier würde das Register klar in die Privatsphäre eindringen. Doch gibt es auch weitere Folgen, die das Vermögensregister 2025 mit sich bringen wird? Dazu gleich mehr.

Der Griff nach dem Vermögen der Bürger ist keineswegs neu

Immer wieder gab es in unserer Geschichte staatliche Maßnahmen, die zu Enteignungen führten. Dies passierte in verschiedenen Formen: Das Goldverbot in Deutschland zwischen 1923 und 1931 sowie der Lastenausgleich nach dem Zweiten Weltkrieg sind zwei Beispiele. Jene, die Gold hielten und es auch nicht abgegeben haben, gehörten zu den Gewinnern. Denn es kamen immer wieder neue Zeiten, in denen diese Enteignungen nicht mehr griffen. Goldmünzen, wie beispielsweise der südafrikanische Krügerrand oder der kanadische Maple Leaf sind eine perfekte Form der Vermögenssicherung über solche Szenarien hinweg:

Vermögensregister 2025 und die AMLA: Die Rolle der neuen EU-Behörde

Um Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung besser kontrollieren zu können, wird 2024 eine neue europäische Behörde gegründet: die supranationale  AMLA. Die Abkürzung steht für Anti-Money-Laundering and Countering the Financing of Terrorism Authority, und ihr Sitz wird in Frankfurt am Main sein.

Die AMLA solle folgende Hauptaufgaben wahrnehmen:

  1. die direkte Überwachung von Finanzinstituten mit erhöhten Risiken wie z.B. Anbieter von Krypto-Vermögensgegenständen, die in mindestens sechs Mitgliedstaaten vertreten sind. Es sollen bis zu 40 solche Organisationen überwacht werden, wobei die AMLA auch Befugnisse für Sanktionen hat, um ihre Anforderungen durchzusetzen. Alle drei Jahre soll die Liste der zu überwachenden Organisationen überprüft werden.
  2. Außerdem soll die AMLA die Beaufsichtigung und Koordination aller nationalen FIUs übernehmen. Die Financial Intelligence Units (später mehr dazu) existieren bereits auf Ebene der EU-Nationalstaaten. In Deutschland ist sie beim Zoll angesiedelt.
  3. Bearbeitung aller Geldwäschemeldungen des Finanzsektors und Whistleblower-Berichte, die auf Grundlage der Whistleblower Direktive (EU) 2019/1937 erstattet werden.

Des Weiteren wird die AMLA für die zentrale PlattformFIU.net zuständig sein, in die die nationalen FIUs Daten einpflegen. Dadurch sollen diese Informationen länderübergreifend genutzt werden können.

Da die Behörde sich noch im Aufbau befindet und erst im Sommer 2025 die volle Geschäftstätigkeit aufnehmen soll, umfassen ihre vorläufigen Aufgaben:

  1. Der Entwicklung von Regelungen und deren technische Umsetzung
  2. Aufbau von Überwachungsstrukturen unter Berücksichtigung der schon vorhanden Einheiten im Bereich Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung und der Aufbau einer entsprechenden Datenbank 
  3. Verbesserung der Kommunikationswege aller beteiligten Behörden
  4. Entwicklung von bewährten Praktiken für die Themen Geldwäsche und Terrorfinanzierung und Innovationen zur Verbesserung der Effizienz

Wer hier noch von Zufälligkeiten spricht, verkennt den langfristig angelegten Plan, der sich wie ein roter Faden durch alle Einzelmaßnahmen zieht. 

Für ihre Tätigkeit erhält die Behörde umfassende Befugnisse. Sie kann Unterlagen herausfordern, einzelne Überweisungen oder Konten sperren und auch andere nationale Behörden auffordern, Untersuchungen anzustellen. Ebenso kann sie bei Gerichten Durchsuchungsbefehle erwirken.

Um ihrem Handeln Wirkkraft zu geben, kann sie drakonische Strafen verhängen. Vorgesehen sind Strafen in zweifacher Höhe des Gewinns, der aufgrund eines Verstoßes erwirtschaftet wurde, mindestens aber eine Million Euro. Für Kreditinstitute sollen sogar Mindeststrafen von 10 Millionen oder 10 Prozent des Jahresumsatzes entsprechend dem letzten Jahresabschluss fällig werden. Dieses wohl für die meisten Unternehmen existenzgefährdende Strafmaß zeigt die Entschlossenheit der EU-Kommission, die neuen Regelungen durchzusetzen. 

Die AMLA soll Zugang zu allen zentralen Meldestellen erhalten und dadurch in der Lage sein, alle bislang in getrennten Systemen gesammelten Daten in einer Datenbank zu vereinen und auszuwerten. Angefangen von den Kontodaten inklusive elektronischem Zahlungsverkehr, Darlehen und deren Sicherheiten, Immobilienbesitz, dessen Belastungen im Grundbuch, Melderegister zu Staatsangehörigkeit und Wohnsitz, Sozialversicherungsdatenbanken, allgemeine Finanzdaten über Steuerdaten, Zolldaten, Datenbanken für grenzüberschreitenden Reiseverkehr und Kraftfahrzeugregister bis hin zu Waffenregistern.

Nicht zu vergessen das ab 2025 neu eingeführte Vermögensregister, in dem jeder Bürger mit einem Vermögen von über 200.000 EUR sämtliche Vermögensgegenstände eintragen muss. „Big Brother“ hätte dann einen umfassenden Überblick über das gesamte wirtschaftliche Leben der EU-Bürger.

Schon im Sommer 2024 startet die AMLA Behörde in Frankfurt am Main, das auch Sitz der Europäischen Zentralbank ist und wo außerdem viele große in- und ausländische Finanzinstitute angesiedelt sind. Angestrebt werden 430 Mitarbeiter bis 2027. Davon werden rund 200 direkt mit der Überwachung von Finanzinstituten beschäftigt sein.

FIU: EU-Behörden auf nationaler Ebene wachen über das Vermögensregister 2025

Bei den Financial Intelligence Units geht es um staatliche Behörden, die für die Geldwäscheprävention im Nichtbankensektor zuständig sind. Nach dem Geldwäschegesetz hat jedes Unternehmen, jeder Selbständige die zentrale Verpflichtung zu wissen, mit wem sie Geschäfte machen. Im Rahmen des wohl jedem schon bekannten KYC (“Know your customer”, also “Kenne Deinen Kunden”) müssen Kunden nicht nur identifiziert und deren wirtschaftliches Eigentum geklärt werden, sondern auch geprüft werden, ob die von ihm gemachten Angaben stimmen.

Sobald es Anhaltspunkte dafür gibt, dass Vermögenswerte illegale Herkunft haben oder im Zusammenhang mit Terrorismusfinanzierung stehen könnten, besteht die Pflicht, diesen Vorgang sofort an die zuständige Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen, die sogenannte FIU, zu melden

Bei Nichterfüllung drohen empfindliche Geldbußen von bis zu 100.000 EUR in leichteren und bis zu fünf Mio. in schwereren Fällen. Außerdem wird die Bußgeldentscheidung unter Nennung des Namens auf der Internetseite der FIU für fünf Jahre veröffentlicht – also eine Art digitaler Pranger.

Betroffen von diesen Verpflichtungen sind u.a. Finanzdienstleistungsunternehmen aller Art, Versicherungsunternehmen, Kapitalverwaltungsgesellschaften, Freiberufliche der rechts- und wirtschaftsberatenden Berufe wie Rechtsanwälte, Notare und Steuerberater, Immobilienmakler und Güterhändler. Bei letzteren geht es vor allem um Händler von Luxusgütern, wie Edelmetallen und Edelsteinen, Juweliere und Goldschmiede sowie von Luxusautos, Flugzeugen und Jachten und Kunstwerke. Aber auch Profifußballvereine und -agenten gehören zum Kreis der Meldepflichtigen.

Außerdem müssen die Unternehmen ein Risikomanagementsystem installieren, das die Ernennung eines Geldwäschebeauftragten, die Zuverlässigkeitsüberprüfungen von Mitarbeitern und vieles mehr umfassen kann.

Das Vermögensregister 2025 als Teil eines großen Bildes

Dass der Plan des Vermögensregisters 2025 konträr zu sämtlichen bürgerlichen Grundrechten wie Schutz des Eigentums, Schutz der Privatsphäre und dem Prinzip der Rechtsstaatlichkeit sowie dem Datenschutz stehen, scheint mehr als offensichtlich. Dafür braucht man kein Jurist zu sein. Es genügt vollkommen, über das natürliche Rechtsempfinden eines anständigen Menschen zu verfügen. 

==> [siehe dazu AMLA (EU), AMLA (Treuhand Liechtenstein (10-Seiten-PDF,2024)] <==

Da ist es schon zynisch, solche geballte Überwachung und Kriminalisierung von rund 450 Millionen EU-Bürgern mit dem Argument der Geldwäsche oder Terrorfinanzierung zu begründen. Aber was steht denn dann hinter diesem Frontalangriff gegen die Bürgerrechte, vor allem unsere Privatsphäre?

Es hilft, einen Schritt zurückzutreten und sich einen Überblick über sämtliche Regelungen in diesem Bereich zu verschaffen. Dann ergibt sich bald ein schlüssiges Bild.

Überwachung sämtlicher Finanztransaktionen der EU-Bürger

Zunächst schauen wir auf die bereits implementierten und geplanten Vorhaben in Sachen Finanztransaktionen der EU-Bürger:

Erfassung der Vermögensverhältnisse der EU-Bürger

Der logisch folgende Schritt besteht in der Erfassung der Vermögensverhältnisse:

  1. Gebäude- und Wohnungszensus 2022
  2. Neubewertung aller Grundstücke in Deutschland im Rahmen der neuen Grundsteuerregelung
  3. europäisches Vermögensregister 2025
  4. VVBG Vermögensverschleierungsbekämpfungsgesetz (liegt derzeit als Referentenentwurf vor) mit Einziehungsrechten

Mögliche Einziehung eines Teils des Vermögens der EU-Bürger

Können Finanztransaktionen überwacht werden und sind alle Vermögenswerte erfasst, dann können spielend leicht Instrumente eingeführt werden, mithilfe derer sich Teile des Vermögens entzogen werden können.

  1. Lastenausgleichsgesetz Aktualisierung 2019, eventuell Zwangshypotheken
  2. Diskussion: Vermögensabgabe, Reichensteuer
  3. Mögliche Enteignung auf Bankbestände im Zusammenhang mit der Einführung einer CBDC [= digtialen Währung]
  4. Verschärfung der Erbschaftsteuer
  5. Wegzug ins EU-Ausland erschweren: Wegzugsbesteuerung

Sichern Sie sich vor Enteignung ab – unser Ratgeber hilft Ihnen

Wie Sie sehen, kann die Enteignung von Vermögenswerten durch die Einführung des Vermögensregisters deutlich vereinfacht werden. Um für dieses Szenario gewappnet zu sein, müssen Sie vorsorgen. Unser kostenloser Ratgeber nimmt Sie an die Hand und zeigt Ihnen, wie Sie Ihr Vermögen vor Enteignung weitestgehend schützen können.

Fazit: Die EU macht ernst und nimmt unser Vermögen ins Visier

Die exorbitante Verschuldung und die Aufblähung des Finanzsystems mit FIAT-Geld muss einen Abfluss finden. Entweder indem die Vermögenswerte der Bevölkerung über Lastenausgleich oder ähnlich sozial klingende Konzepte konfisziert werden oder eben über einen scharfen Währungsschnitt, also eine Enteignung, im Rahmen der Einführung des digitalen Euros.

Dafür ist es zwingend notwendig, den genauen Überblick und den Zugriff auf die Vermögenswerte der Bevölkerung zu erhalten sowie Ausweichmanöver unterbinden zu können. 

Und genau dies wird Schritt für Schritt vorbereitet. Auch die Art und Weise, wie dies geschieht, ist beunruhigend. Die Privatsphäre des Bürgers soll schrittweise ausgehöhlt werden, der gläserne Bürger ist die Folge. Nachdem z.B. die Idee eines EU-weiten Vermögensregisters 2021 vorgestellt wurde und nicht gerade auf viel Gegenliebe stieß, wurde es ruhig um das Projekt. Bis es nun plötzlich beschlossene Sache ist.

Im unserem verlinkten Beitrag zu CBDCs lesen mehr zu diesem Thema.

Da kommt einem doch das berühmte Zitat von Jean-Claude Juncker im Spiegel-Interview 1999 in den Sinn, in dem er erklärte, wie die Staats- und Regierungschefs in der EU mit einem “Trick” auch unbeliebte Projekte voran bringen:

„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

Hoffentlich erkennt die EU-Bevölkerung noch rechtzeitig, was hier vorbereitet wird und setzt auf demokratischem Wege durch, dass die Brüsseler EU-Kommission nicht über ihre Köpfe hinweg alles beschließen kann, was die EU-Bürokraten sich als Schicksal für die Bevölkerung ausgedacht haben. Auch ist jeder einzelne aufgerufen, Eigenverantwortung für seine Daten und Finanzen zu übernehmen und rechtzeitig zu handeln, um nicht einer sich gerade bildenden EU-Datenkrake hilflos ausgeliefert zu sein.

Mehr zum Thema Vermögensregister 2025 sehen Sie in unseren Videos

Auf dem YouTube-Kanal von Kettner Edelmetalle finden Sie auch spannende Videos zu Gold und Silber, aber auch zu aktuellen Themen aus Wirtschaft und Politik – abonnieren Sie uns gerne und teilen Sie unsere Inhalte mit Ihren Liebsten. Im folgenden Video sehen Sie Dominik Kettner im Gespräch mit Gerald Grosz.

COMMENT: Offenbar sucht die Europäische Union noch Mitarbeiter in der AMLA; siehe dazu die EPSO-Seite der EU (Stand: 5.12.2025).

Meldepflicht der Banken für Kapitalabflüsse von privaten Konten über € 50.000,–  – FIDAS Steuerberatung, 29.5.2017

Begleitend zur Einführung des Kontenregisters (wir haben bereits in der Fidas Ausgabe 2 vom Juni 2016 darüber berichtet) sind Banken auch verpflichtet, Meldungen über Kapitalabflüsse von privaten Konten über € 50.000,– an das Bundesministerium für Finanzen (BMF) durchzuführen. Festgelegt wurde dies im Kapitalabfluss-Meldegesetz (vom 14.8.2015) und dazu ergangener Durchführungsverordnung (vom 26.4.2016). Das Gesetz beinhaltet neben Meldungen von Kapitalzuflüssen (aus der Schweiz und Liechtenstein im Zeitraum 1.7.2011 bis 31.12.2013) auch Meldungen oben genannter Abflüsse von privaten Konten in Österreich. Dazu nun im Detail:

Wer meldet?

Zur Durchführung der Meldung sind Kredit- und Zahlungsinstitute sowie die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (ÖBFA) verpflichtet.

Was wird gemeldet?

Als Kapitalabfluss i.S. des Gesetzes gilt:

  • die Auszahlung und Überweisung von Spareinlagen (auch Sicht- und Termineinlagen)
  • die Auszahlung und Überweisung aufgrund von Zahlungsdiensten oder z.B. der Verkauf von Bundesschätzen
  • Depotübertragungen (auch Schenkungen) im Inland außer bei Eigenübertragungen
  • Übertragung von Wertpapieren auf ausländische Depots

Gibt es Grenzen?

Dabei sind erstens Abflüsse von einzelnen Beträgen von über € 50.000,– relevant, die von privaten Konten oder Depots natürlicher Personen abfließen. Aber auch außerbetriebliche Konten von Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GesbRs) oder vermögensverwaltenden Personengesellschaften sind davon betroffen. Weiters die Umwidmung von einem Privatkonto in ein Geschäftskonto. In einem zweiten Schritt wird laut der „Anti-Missbrauchs-Regel“ auch überprüft, ob es offenkundig verbundene Zahlungen auf Konten gibt. Gemeint sind dabei Zahlungen, die in einem einzelnen Vorgang hätten abgewickelt werden können und trotzdem getrennt durchgeführt worden sind. Bei der Überprüfung des Vorliegens einer Meldeverpflichtung werden dabei die, in drei Kategorien eingeteilte, Kapitalabflüsse zusammengerechnet und zwar wie folgt:

  1. Überweisungen zwischen € 10.000,– und € 49.999,99 zugunsten eines Empfängerkontos
  2. Barabhebungen zwischen € 10.000,– und € 49.999,99
  3. und auch Überträge von Depots auf ein anders Depot von € 10.000,– bis € 49.999,99

Sollte bei der Zusammenrechnung von einer Kategorie der Betrag von € 130.000,– erreicht werden, muss die Meldung des Gesamtbetrages am Ende des Folgemonats das dem Quartal folgt, durchgeführt werden.

Was ist nicht betroffen?

Von der Meldepflicht nicht betroffen sind Abflüsse von Geschäftskonten und Anderkonten von Rechtsanwälten, Wirtschaftstreuhändern oder Notaren. Auch Eigenüberträge sind nicht meldepflichtig, wenn die Übertragungen vom Eigentümer auf ein anderes eigenes Konto bei derselben Bank erfolgen. Sollten die Übertragungen jedoch auf eine andere Bank (jedoch gleicher Eigentümer) oder von einem Privatkonto auf ein Geschäftskonto desselben Eigentümers durchgeführt werden, besteht Meldepflicht!

Meldefristen

Die Meldungen der Jahre 2015 und 2016 sind durch die Bank bereits erfolgt. Ab 1.1.2017 sind die Banken verpflichtet, monatlich (Ende des Folgemonats) die Meldungen an das BMF zu machen.

Was wird gemeldet?

Es wird ein verschlüsseltes, bereichsspezifisches Personenkennzeichen für Steuern und Abgaben, die Konto- bzw. Depotnummer und der Betrag des Kapitalabflusses gemeldet.

Wozu dienen die Daten?

Beim Bundesministerium für Finanzen werden diese Daten wie Kontrollmitteilungen in elektronischer Form beim Steuerpflichtigen gespeichert und können bei Außenprüfungen und Nachschauen oder allgemeine Aufsichtsmaßnahmen zum Einsatz

Tickende Zeitbombe am Anleihenmarkt: In den USA und in Europa wird die Staatsverschuldung zum Problem – Catherine Bosley, NZZ, 30.9.2025

Die Risikoprämien für langfristige Obligationen sind trotz geldpolitischer Lockerung in Grossbritannien, Frankreich und den USA gestiegen. Washington genoss bislang ein «exorbitantes Privileg». Dieses ist nicht in Stein gemeisselt.

Die Reaktion der Anleiheninvestoren auf die jüngste Zinssenkung der amerikanischen Notenbank Federal Reserve erscheint zunächst widersprüchlich. Obwohl das Gremium um Jerome Powell den Leitzins um 25 Basispunkte herabsetzte, legten die Renditen zehn- und dreissigjähriger amerikanischer Staatsanleihen zu.

Doch es gibt eine plausible Erklärung – und sie ist für die USA ein schlechtes Omen. Ein schwindelerregender Schuldenberg und Handelszölle, die die Inflation anheizen, lassen erwarten, dass die Finanzierungskosten der weltgrössten Volkswirtschaft langfristig steigen werden. Hinzu kommt der Druck aus dem Weissen Haus, das die Unabhängigkeit der Notenbank infrage stellt. Das könnte die Inflationserwartungen befeuern.

Doch das Phänomen ausufernder Staatsdefizite, welche die Kapitalmärkte in Unruhe versetzen, beschränkt sich keineswegs auf die USA. Obwohl die Notenbanken auf beiden Seiten des Atlantiks die Leitzinsen gesenkt haben, ist die von Anlegern geforderte Risikoprämie für das Halten lang laufender Anleihen von staatlichen Emittenten wie Frankreich, Deutschland oder Grossbritannien im vergangenen Jahr gestiegen. Dies ist ein Indiz dafür, dass Investoren zunehmend an der Tragfähigkeit der Staatsverschuldung zweifeln.

Zum Beispiel muss Frankreich für neue Kredite noch tiefer in die Tasche greifen als das hoch verschuldete Italien oder Griechenland. Und der Zins auf Staatsschulden war zeitweise höher als der auf den Wertpapieren grosser französischer Unternehmen. Der klägliche Zustand des gallischen Staatshaushalts trug auch massgeblich zum Zusammenbruch der Regierung unter François Bayrou im September bei.

Währenddessen prognostiziert in den USA das Yale Budget Lab, dass aufgrund der höheren Staatsverschuldung durch Donald Trumps Big Beautiful Bill die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe – zurzeit bei etwa 4,15 Prozent – bis 2030 um etwa einen halben Prozentpunkt steigen werde.

«Nicht nachhaltig» sei die Entwicklung der amerikanischen Staatsverschuldung, hatte Powell im Mai erklärt, noch bevor Trumps Gesetz angenommen wurde. Dieses stockt die Mittel für das Militär und den Grenzschutz auf und senkt gleichzeitig die Steuern.

Bislang profitieren die USA von der Rolle des Dollars

Über Jahrzehnte profitierten die USA vom Status des Dollars als internationale Leitwährung. Unter anderem bedeutete dies, dass die hohe ausländische Nachfrage nach sicheren, liquiden amerikanischen Obligationen die Finanzierungskosten Washingtons in Schach hielt. Diesen Sonderstatus bezeichnete der französische Schatzmeister Valéry Giscard d’Estaing einst als «exorbitantes Privileg».

Im Zuge der immer höheren Zölle aus Washington dieses Jahr kamen seitens der Investoren allerdings Zweifel über die Vorreiterrolle des Dollars und die Glaubwürdigkeit der amerikanischen Wirtschaftspolitik auf. Der Greenback sackte im April bis zu 7 Prozent gegenüber dem Euro und sogar fast 9 Prozent gegenüber dem Franken ab, während die Renditen auf US-Treasuries stiegen. Im Gegensatz zu seinen Amtsvorgängern tritt Trump nicht für eine starke Währung ein.

Das Fed senkte am 17. September den Leitzins mit Verweis auf den Arbeitsmarkt, wo es eine beginnende Schwäche erkannte. Dabei entschieden sich die Geldhüter dafür, über die aus ihrer Sicht etwas erhöhte Teuerung hinwegzuschauen.

Noch sind die Auswirkungen der Zölle auf die amerikanische Wirtschaft nicht vollständig zu spüren. Die höheren Einfuhrabgaben beginnen laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) erst jetzt, die Konsumentenpreise zu beeinflussen. Es gibt so gut wie keine Anzeichen dafür, dass die Importeure die Zölle absorbieren, anstatt sie an die Kunden weiterzureichen. Die OECD hat vor diesem Hintergrund ihre Inflationsprognose für die USA für das Jahr 2026 auf 3 Prozent angehoben.

Auch nach Meinung der Deutschen Bank deuten Finanzmarktindikatoren darauf hin, dass die Teuerung in den USA in den kommenden Jahren über dem Zwei-Prozent-Zielband des Fed bleiben wird. Tatsächlich verharrt die in fünf Jahren erwartete Inflationsrate – die im Fachjargon Break-even-Rate genannt wird und aus dem Vergleich der Renditen von inflationsindexierten und nominalen Wertpapieren berechnet wird – seit Anfang dieses Jahres bei rund 2,5 Prozent.

Noch sind Treasuries bei Investoren begehrt

Experten erwarten, dass das Finanzministerium unter Scott Bessent die Politik seiner Vorgängerin Janet Yellen weiterführt und für die Neuverschuldung überwiegend auf Schuldtitel mit Laufzeiten von unter einem Jahr – sogenannte Bills – setzt. So kann das Treasury von den geringeren Finanzierungskosten auf kurzfristigen Obligationen profitieren.

Stephen Miran, jüngst von Trump in den Vorstand des Fed berufen, hatte 2024 mit dem New Yorker Ökonomen Nouriel Roubini die Ausrichtung auf kurzfristige Anleihen untersucht. Sie kamen zu dem Schluss, dass die Strategie – ähnlich wie die quantitative Lockerung einer Notenbank – die Renditen am Markt senkt und auch in Zukunft Anwendung finden dürfte.

Die Taktik funktioniert natürlich nur unter dem Vorbehalt, dass es stets genug Käufer für amerikanische Wertpapiere gibt.

Noch erfreuen sich amerikanische Staatsanleihen reger Beliebtheit. Deswegen sind die amerikanischen Anleihenmärkte wahrscheinlich trotz Zollhammer von Turbulenzen wie an den Kapitalmärkten Frankreichs und Grossbritanniens dieses Jahr verschont geblieben. Nach der vom «Liberation Day» ausgelösten Volatilität im April stieg der von ausländischen Investoren gehaltene Bestand im Juli auf ein Rekordniveau von 9,16 Billionen Dollar. Wer liquide Wertpapiere mit einer attraktiven Rendite kaufen möchte, kommt derzeit kaum am weltgrössten Markt vorbei.

Doch Verkaufswellen wegen Washingtons Handelspolitik, Trumps Druck auf die Notenbank oder die anhaltend hohe Teuerung könnten die Lage umkehren. Sollten Anleger längerfristig an der Glaubwürdigkeit des amerikanischen Fiskus zweifeln, würden die Wertpapiere ihren Status als sicheren Hafen verlieren.

«Wir sind zunehmend der Ansicht, dass die USA auf einige altbewährte Taktiken hoch verschuldeter Staaten zurückgreifen werden», wie zum Beispiel Interventionen am Anleihenmarkt, um die Kosten der laschen Haushaltpolitik zu verschleiern, schrieb Atul Bhatia, ein Stratege von RBC Wealth Management. Das Setzen auf kurzfristige Schuldverschreibungen «birgt grössere Risiken für die amerikanischen Staatsfinanzen, da die Finanzierungskosten dann nicht so berechenbar sind».

Wirtschaftswachstum ist das beste Mittel

Das Phänomen der ausufernden Staatsverschuldung betrifft sowohl die USA als auch die grossen Industrieländer Europas und Asiens. Um die gigantischen Summen in den Griff zu bekommen, gibt es zwei unterschiedliche Pfade: Entweder wird das Wachstum beschleunigt oder aber die Schuldenlast wird auf Kosten der Gläubiger verringert.

Ein beleben der Konjunktur lässt das Ausmass der Schulden im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung eines Staates schrumpfen. Dies erfordert jedoch einen Produktivitätsschub – etwa durch künstliche Intelligenz – oder schmerzhafte Strukturreformen.

Wie jüngst in Frankreich, als der Premierminister aufgrund seines vorgeschlagenen Sparprogramms den Hut nehmen musste, stossen staatliche Ausgabenkürzungen bei Wählern oft auf Ablehnung.

Die andere Möglichkeit ist finanzielle Repression, also wenn der Staat die Anleger faktisch zum Halten von unattraktiven Staatsschulden zwingt. Ein beabsichtigtes Anheizen der Teuerung kann den realen Wert dieser Schulden weginflationieren, solange diese nicht teuerungsgeschützt sind. Oder aber es kommt sogar zu eigentlichen Schuldensanierungen mit kostspieligen Schuldenschnitten wie derjenige von Griechenland 2012.

Die Unsummen der Verbindlichkeiten sind auf beiden Seiten des Atlantiks eine tickende Zeitbombe. Ob und in welcher Form diese losgeht, bleibt abzuwarten.

Schulden wie nach dem Weltkrieg Warum der Welt der Finanzkollaps droht – n-tv, Daniel Schütte, 27.9.2025

Frankreichs Haushalt ist nur noch ein Torso. Die Staatsverschuldung der USA hat astronomische Dimensionen erreicht – die Europäer folgen dem Trend. Inzwischen sagen selbst seriöse Ökonomen und Investoren einen Crash und Panik an den Finanzmärkten voraus. Sie haben recht: Die Schuldenbombe tickt.

Der Schuldenberg der westlichen Staaten ist heute wieder ungefähr so hoch wie in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Gerade noch neun Länder erhalten von allen drei großen Ratingagenturen die höchste Bonitätsstufe, das dreifache A. Selbst starke Wirtschaftsnationen wie Frankreich verlieren die Kontrolle über ihre Haushaltsdefizite. Müsste Frankreich auf die Rettungsmechanismen zurückgreifen, die im Zuge der Eurokrise aufgebaut worden sind, dann hätte das dramatische Folgen auch für die Bundesrepublik. Dreistellige Milliardenbeträge stünden auf dem Spiel.

Regierungen und Wähler haben sich im Laufe der Jahre an solche Summen gewöhnt. Weil am Ende – zumindest für Deutschland – immer alles gut gegangen ist, erscheinen Warnungen nur abstrakt und hypothetisch. Doch die bisherige Verschuldungspolitik wird so nicht weitergehen können. Der aufgebaute Sprengstoff ist hochexplosiv, die Schuldenbombe tickt.

Die USA, der größte Staatsschuldner der Welt, sind nach Ansicht der meisten Ökonomen und Investoren auf fiskalischem Crashkurs. Drastische Warnungen häufen sich. Jamie Dimon etwa, der Chef der weltgrößten privaten Bank J.P. Morgan und Doyen der Wall Street, sprach schon vor der Wahl 2024 von einer drohenden „Rebellion“ der Finanzmärkte, weil die Haushaltsfinanzierung auf ein „Kliff“ zusteuerten. Im Mai prognostizierte er ein Fiasko, weil es zu einem „Riss“ am Bondmarkt kommen werde: „Das wird passieren.“ Seinen Bankenaufsehern sage er: „Ihr werdet in Panik geraten.“

Kernschmelze des Finanzsystems könnte von den USA ausgehen

Die US-Staatsschuldenquote wächst seit Jahren ungebremst, laut Internationalem Währungsfonds (IWF) liegt sie derzeit bei 123 Prozent. Tendenz: immer weiter steigend. Diese Schuldenlawine betrifft die gesamte Welt, denn die USA sind mit Abstand der führende Finanzplatz und der von ihnen geschöpfte Dollar ist die Welt-Reservewährung. Probleme des Schuldners USA könnten deshalb bis zu einer Kernschmelze des Weltfinanzsystems führen. China und andere Herausforderer der USA arbeiten ohnehin daran, die Dominanz des Dollarsystems zu brechen.

Zur hohen Schuldenlast Amerikas, das sein Triple-A längst verloren hat, kommt inzwischen noch die unberechenbare Politik des Präsidenten: Donald Trumps Zölle schaden dem Wirtschaftswachstum, seine Steuersenkungen haben neue Haushaltslöcher gerissen. Obendrein untergräbt Trump mit brachialen Mitteln die Unabhängigkeit der US-Zentralbank Fed, die der Garant eines stabilen Dollar und der Finanzmarktstabilität sein müsste.

Trump will die Notenbankerin Lisa Cook wegen angeblicher privater Verfehlungen feuern. Um mehr Einfluss zu gewinnen, beförderte er auch seinen Chefökonomen Stephen Miran in die Zentralbank, der sofort eine neue Angriffsfront eröffnet hat. Nach dem Gesetz soll die Fed bisher einerseits für stabile Preise, andererseits für möglichst hohe Beschäftigung sorgen. Miran grub eine Passage in den Statuten aus, nach der die Fed zusätzlich auch für moderate Langfristzinsen sorgen müsse.

Mit diesem neuen Rechtsverständnis könnte die Notenbank künftig die Aufgabe übernehmen, dem Präsidenten und seiner Regierung den Rücken finanziell freizuhalten. Denn deren Schuldenpolitik lässt sich nur fortsetzen, wenn die Zinsen im Zaum gehalten werden. Wo der billige Kredit zum permanenten Ziel der Geldpolitik wird, wächst allerdings das Inflationsrisiko erheblich.

Nicht nur die Stabilität des Dollar ist dadurch bedroht. In fast allen Industrieländern gefährdet die wachsende Last der Schulden am Ende das Geldsystem. Die Europäer stehen nur auf den ersten Blick etwas besser da. Die Staatsschuldenquote der Eurozone liegt zwar zusammengerechnet deutlich unter 100 Prozent. Die Währungsunion besteht aber aus zwei fiskalisch sehr verschiedenen Blöcken: Die sechs am höchsten verschuldeten Länder Italien, Frankreich, Spanien, Griechenland, Belgien und Portugal haben – in Relation zum Wirtschaftswachstum – zusammen einen fast genauso hohen Schuldenstand wie die USA.

Abrupte Schuldenwende in Deutschland

Das Gegengewicht bildet im Wesentlichen Deutschland, das seine Schuldenquote in den 2010er Jahren wieder in die Nähe von 60 Prozent gesenkt hatte, und das als der Stabilitätsanker des Euro gilt. Mit der abrupten Schuldenwende im Frühjahr haben die Deutschen ihren Kurs nun grundlegend verändert: Der im Vergleich noch große Kreditspielraum soll zügig genutzt werden. Zugleich verschlechtert sich die Lage beim wichtigsten Partner Frankreich drastisch: Das Land ist tief gespalten, immer neue Regierungen scheiterten zuletzt daran, die ständig steigende Verschuldung zu bremsen. Am Kapitalmarkt ist der Zins der französischen Staatsanleihen deshalb auf das Niveau des notorischen Schuldenpatienten Italien gesprungen. In der Währungsunion zahlen heute die beiden nach Deutschland größten Volkswirtschaften die höchsten Risikoaufschläge gegenüber den Bundesanleihen.

Eine Finanzpolitik, die ihre Schulden nicht mehr im Griff hat, wird zum Sprengstoff für die Finanzmärkte. Denn die Staatsschulden müssen zwar nie restlos zurückgezahlt, aber doch immer wieder neu finanziert werden. Nach einer langen Phase von Mini- und teils sogar Negativzinsen sind die Kreditkosten zuletzt wieder spürbar gestiegen. Verlieren die Investoren einmal abrupt das Vertrauen in die vermeintlich völlig sicheren Papiere, dann drohen massive Erschütterungen: Crashende Bondkurse bringen Banken und Versicherungen ins Wanken, hochschießende Zinsen verschärfen die Haushaltsnot noch weiter. Als letzter Retter in der Krise bleibt dann nur noch die Notenbank, die unbegrenzt Geld schöpfen kann – „whatever it takes“.

Zuletzt hat Großbritannien 2022 einen solchen Schock erlebt. Damals stürzte die neue Premierministerin Liz Truss schon nach wenigen Wochen, weil der Bondmarkt angesichts ihrer Schuldenpläne crashte. Erst ihr Rücktritt und die Interventionen der Bank of England beruhigten die Lage. Der „Truss-Moment“ ist seither der Albtraum vieler Regierungen weltweit.

Schon vor Monaten forderte die vor kurzem ausgeschiedene IWF-Vizechefin Gita Gopinath einen „strategischen Schwenk“. Sie nannte die fiskalische Lage der Welt „schlimmer, als Sie denken“. Höheres Wachstum wäre der Königsweg aus der Schuldenfalle. Die Zügelung von Ausgaben ist vor allem dort unvermeidlich, wo die Steuerlast schon sehr hoch ist. Aktuell zeigt sich aber vor allem, dass der Druck auf die Notenbanken wächst. Die Politik hat sich an das leichte Geld gewöhnt, das die Währungshüter in den großen Krisen der vergangenen anderthalb Jahrzehnte zur Verfügung gestellt haben. Das Risiko einer etwas höheren Inflation erscheint vielen vertretbar – zumal die schleichende Entwertung des Geldes auch die reale Last der Staatsschulden aushöhlen kann.

Der jüngste Vorstoß des Trump-Loyalisten Miran mag Europäern bizarr erscheinen. Die Europäische Zentralbank hat formal ein viel engeres Mandat als die amerikanische Fed. Der klare Auftrag heißt hier: stabile Preise. Faktisch stabilisiert aber auch die EZB schon seit Jahren die Zinsen für Krisenkandidaten wie Italien. Im Fall Frankreich wird sie nicht anders handeln können.

Quelle: ntv.de

Reset wie 1948: Droht die große Enteignung – rtl+, 14.8.2025

Zwangshypotheken, entwertete Konten, 90 Prozent Verlust beim Geldvermögen – die Währungsreform von 1948 zeigt, wie radikal ein Reset ablaufen kann. Und er könnte wiederkommen.

Raimund und Etienne sprechen in dieser Podcast-Folge darüber, wie solche Eingriffe in der Vergangenheit aussahen und warum die Reset-Gefahr auch in der Gegenwart nicht gebannt ist. Könnten sogar die USA im Zentrum eines neuen Resets stehen? Was passiert dann mit Geld, Schulden, Immobilien und Aktien? Und wie schützen Sie Ihr Vermögen am besten? Fragen und Anregungen bitte an brichtaundbell@ntv.de

Währungsreform von 1948 Das sind die wichtigsten Fragen zum „Reset-Szenario“ – n-tv, ab 31.7.2025

Zwangshypotheken, entwertete Konten, 90 Prozent Verlust beim Geldvermögen – die Währungsreform von 1948 zeigt, wie radikal ein Reset ablaufen kann. Dieses Szenario haben Raimund Brichta und Etienne Bell in der vorherigen Folge „Brichta und Bell – Wirtschaft einfach und schnell“ vorgestellt und selten so viel Feedback erhalten. In dieser Woche klären sie weitere wichtige Fragen: von den Auswirkungen auf Gold über Kryptos hin zu KI.

AKTIENEMPFEHLUNGEN – BUY & SELL

Aktuell (—): 
Aktien um 10 Euro je Stück sind FETT hervorgehoben.

Die erwarteten stolzen Kursgewinne sind dem Übermut der tollen Analystenzunft zu verdanken! Hirn selbst einschalten und kritisch bewerten. MERKE: Klappern gehört zum Geschäft. Es geht letztlich nicht so sehr um die Beratung der Anleger, sondern um die spekulativ selbst gehaltenen Aktien der Häuser (Banken, Fonds, Anlagegesellschaften etc.), für die die Analysten tätig sind: wenn viele kaufen, steigen die Kurse, und 5% Plus sind zwar weniger als 15% oder 35%, aber besser als 5% Minus. Zudem lassen sich schnell noch eigentlich „schlechte“ Aktien im Portfolio des Hauses (Banken, Fonds, Anlagegesellschaft etc.) verkaufen, für die der Analyst tätig ist, sofern die werten privaten Anleger den Kaufempfehlungen folgen. So schaut’s aus im Schneckenhaus! Nochmals: Hirn selbst einschalten. Die Finanzbranche lebt vom Trübe-Machen des Wassers!

NICHT ZULETZT: Verkaufsempfehlungen werden ungern gegeben, da sie auf das Portfolio der Häuser (Banken, Fonds, Anlagegesellschaft etc.) rückschließen lassen, zu denen die Analysten gehören. Verkaufsempfehlungen werden aus zwei Gründen gegeben: a) es ist tatsächlich Feuer am Dach des analysierten Unternehmens, b) das Haus möchte die Aktien des zum Verkauf empfohlenen Unternehmens billiger zurückkaufen, sofern den Verkaufsempfehlungen gefolgt wird. Letztlich agieren an der Börse die Optimisten, und die wollen positive Nachrichten hören, also werden sie von den Häusern und ihren Analysten entsprechend bedient.

UND ZU ALLERLETZT: die Analysten bespiegeln sich untereinander: wer hat was empfohlen oder nicht empfohlen, es kommt zu herdenpsychologischen Erscheinungen derart: der Leithammel hat empfohlen, also machen wir das auch. Die jeweiligen Analysen werden entsprechend (um)formuliert. Das zweite Moment: die Konkurrenz, die u.U. zu skurrilen Interpretationen des analysierten Unternehmens führt.

FAZIT: was die Analystenzunft von sich gibt, kann aufschlussreich sein, muss es aber nicht, vermittelt einen zusätzlichen Eindruck zu einzelnen Aktiengesellschaften. Wichtig ist der Blick auf zweierlei: a) entscheidend: auf die volkswirtschaftliche Situation des Landes, der Welt; b) sekundär (!) auf das Unternehmen und seine Branche: Charakter des Managements, klare, gut durchschaubare Produktpalette, Langlebigkeit des Unternehmens und seine Stetigkeit im Gebaren.

Renten- und Aktienmärkte

Man halte sich vor Augen: Aktienmärkte sind die Pfützen in der Welt der Veranlagungsmöglichkeiten. Anleihenmärkte (Rentenmärkte, Kapitalmärkte) sind die großen Ozeane ebendort. Daher sind Aktienmärkte volatil und reagieren auf den leisesten Windhauch mit u.U. kräftigen Ausschlägen. Die Seelen der Anleger sind sehr verletzlich: Angst und Gier bestimmen hier jegliches Handeln, die vernünftige Veranlagungsentscheidung steht an zweiter Stelle. Das verursacht in den kleinen Geldpfützen der Aktienmärkte hohe Wellen. Aber dort stehen nach erster Erschütterung später die rationalen Kaufs- und Verkaufsentscheidungen felsenfest – bis zur nächsten Seelenerschütterung.

Anleiheanleger sind cooler und gezügelter im Gemüt. Hier geht es eher um Langfristperspektiven. Alles dreht sich um den Zins und wie er sich weiterentwickelt. Wer an der Zinsschraube dreht, dreht am Schicksal ganzer Volkswirtschaften. Da ist das aufgeregte Gegackere an den Aktienmärkten geradezu uninteressant.

Aber kommen Anleihemärkte einmal ins Rutschen – nach oben oder nach unten – dann ist Feuer am Dach. Schon 0,5 oder gar 1 Prozent Veränderung in einem Anleihenindex sind eine „Weltbewegung“ im Milliarden- oder Billionengeldmeere der Anleiheozeane.

Dazu kommt: Die Anleiherenditen konkurrenzieren mit den Aktienrenditen. Eine hohe Anleiherendite jenseits der 3 Prozent wirkt umso „giftiger“ auf die Aktienkursentwicklungen, je höher sie ist. Liegt sie unter 3 Prozent, begünstigt sie die Aktienkäufe, Je deutlicher sie unter 3 Prozent liegt, umso eher. Das ist die Regel. Die Ausnahme – so, wie wir sie gerade sehen – bestätigt diese Regel. Früher oder später wird sie ihre dominante Stellung als Regel wieder einnehmen.

Diese Verhältnisse sind es, die im Tagesblick in der Regel die Berichte zu den Anleihemärkten wiedergeben lassen, dass aufgeregte Geflattere und Gegackere an den Aktienmärkten im Detail interessiert in der Regel nicht die Bohne.

Zur Renditebestimmung bei Anleihen: notiert die Anleihe zu 100 Prozent, dann stimmen Anleihezinssatz (der Couponzins) und Anleiherendite überein. Sinkt der Anleihekurs unter 100 Prozent, steigt die Rendite, umgekehrt gilt: steigt der Anleihekurs, so sinkt die Rendite. So einfach ist das. Und so weltbewegend in der Tat.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Allgemeine Empfehlungen: Es geht vornehmlich um die Zukunft der Energiegewinnung und die Energielieferanten. Renner bleiben Telekommunikations-Unternehmen, deren Dienstleistungen in einer digitalisierten Wirtschaft und Gesellschaft unabkömmlich sind. Unter den Logistik-Aktien sind in der Regel die Post-Aktien interessant. Diese Branchen sind weniger konjunkturabhängig als z.B. Konsumaktien, darunter die Post-Aktien noch am ehesten.

Hinzu kommt, dass die klassischen erdölverarbeitenden Energielieferanten (Up- und Downstream) mehr oder weniger energisch in großem Stil auf Alternativenergien umstellen. Es bleibt ihnen angesichts des Klimawandels, der öffentlichen Meinung und der in absehbarer Zeit erschöpften Welt-Erdölreserven auch nichts anderes übrig. Über das Kapital für den weltlebensnotwendigen Umbau verfügen sie dank ihrer Aktionäre. Es geht aus Sicht der Unternehmen um zukunftsträchtige Geschäftsmodelle in einer überschaubaren Branche – Energie – und aus Sicht der Aktionäre um steigende Unternehmenswerte / Aktienkurse als Inflationsschutz und sichere, möglichst stabil wachsende Dividenden, ebenfalls hinsichtlich des Inflationsschutzes.

Anti-Nachhaltigkeits-Bewegung in den USA als 180-Grad-Wendung in der Veranlagungsgebarung

Der aktuelle politische Druck in den USA zwingt eine Reihe großer Vermögensverwalter, darunter die weltgrößten wie Blackwater und Vanguard (verwaltetes Vermögen: 20 Billionen US-Dollar), nachhaltige Unternehmen potentiellen Anlegern nicht mehr zu empfehlen. Sie selbst verkaufen solche Unternehmen aus ihren Portfolios. Es gibt sogar seitens republikanisch regierter Bundesstaaten wie insbesondere Texas Kaufverbote für staatliche Pensions- u.a. Fonds.

Ausgestiegen sind bereits US-amerikanische Großbanken wie JP Morgan, Goldman Sachs, Wells Fargo, Bank of America, Citigroup (verwaltetes Vermögen: 9 Billionen). Ähnliches betrifft die Kreditvergabe. Offen bleibt, wie private und Unternehmensanleger (nicht-staatliche Fonds) künftig disponieren werden.

Unter den angebotenen Finanzanlagen kursieren seit geraumer Zeit besondere Nachhaltigkeitsprodukte in Form sog. ESG-Fonds (mehr dazu hier), die hohe Renditen versprachen und daher recht starken Zulauf hatten; die Renditen wurde seit Erhöhung der Kreditzinsen gebremst, da dadurch kreditfinanzierte Nachhaltigkeitsprojekte (Windparks, Solaranlagen etc.) weniger rentabel wurden.

In der Europäischen Union will man sich weiter an entsprechende Nachhaltigkeitsauflagen festhalten. Bislang wurden in europäische ESG-Fonds 9 Billionen Euro investiert, was 61 Prozent des gesamten Fondmarktvolumens entspricht. Der Zufluss hat sich 2024 allerdings um die Hälfte auf 37 Milliarden Euro reduziert. Zudem wurden mehr ESG-Fonds geschlossen als eröffnet. Nicht nur die hohen Zinsen, die die ESG-Fonds-Renditen beeinträchtigten, führten dazu, sondern auch „grüne Schönfärberei“: es stellte sich da und dort heraus, dass die versprochene Nachhaltigkeit mehr auf dem Papier als in der Wirklichkeit bestand. (Quelle: Wirtschaft vor Acht, ARD, 10.1.2025 (KURZVIDEO, bis 17.1.2025 verfügbar))

FAZIT: Es bleibt abzuwarten, was das für den Klimaschutz in den USA und weltweit künftig bedeutet. Für Österreich stellt sich die Frage, wie eine künftige Regierung sich in Sachen Klimaschutz verhalten wird.

Aktienkauf – der Erwerb einer Unternehmensbeteiligung – bedeutet Übernahme eines Risikos in Hinblick auf das künftige Unternehmensschicksal. Die Dividende stellt eine Risikoprämie dar.

Aktienanalytischer Blick auf Aktien im Euroraum und speziell Österreich (Stand: 24.2.2025):

ACHTUNG – STEUERVERÄNDERUNGEN ANTE PORTAS:
Ins Gerede kommen in absehbarer Zeit auf EU-Ebene und auf Österreich-Ebene vermutlich Aktienbesteuerung (Verkaufsgewinne, Dividenden) ebenso wie Vermögens- und Erbschaftssteuer. Diese Steuern sind in Veranlagungsüberlegungen mit einzubeziehen.

Im Folgenden sind Aktien um 10 Euro je Stück und darunter FETT hervorgehoben.
Neu aufgenommene Aktien werden mit ### gekennzeichnet.

Beobachtenswert ist der Umweltschutz- und Wasserwirtschaftswert Veolia

Ein Kaufsignal liefern weiterhin ENI, UNICREDIT und TOTAL ENERGIES, im Vergleich zum 3.2.2025 stabile Bewertung mit jeweils fünf Sternen bewertet.

Ein Kaufsignal liefern ENEL, PORR, SHELL, VERBUND, ### VIENNA INSURANCE GROUP mit jeweils vier Sternen bewertet.
Im Vergleich zum 3.2.2025 erweiterte stabile Bewertung mit jeweils vier Sternen bewertet.

Ein niedriges KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) zeichnet aus:
RWE, TOTAL ENERGIES, ### UNICREDIT SPA, PORR, OMV, ### UNIQA, EVN, ENEL, TELECOM AUSTRIA, ### STRABAG, WIENERBERGER, SHELL, PALFINGER.

Aufsteigende Reihenfolge: die erste Aktie RWE ist die mit dem niedrigsten KGV = 4,8, PALFINGER die mit dem höchsten KGV = 9,3.
Im Vergleich zum 3.2.2025 erweiterte stabile Bewertung.

Ein niedriges dynamisches KGV (PEG, Price-Earning-to-Growth) weisen u.a. auf:

ENI, UNICREDIT, ### KONTRON AG, OMV, SHELL, PORR, WIENERBERGER, PALFINGER,

Nicht mehr dazu gehören: VIENNA INSURANCE GROUP, TELECOM AUSTRIA.
Aufsteigende Reihenfolge: die erste Aktien ENI = 0,5 ist die mit dem niedrigsten, PALFINGER die mit dem höchsten PEG = 1,4.
Im Vergleich zum 3.2. 2025 ist die Auswahl verändert, einzelne Aktien kamen dazu, andere fehlen nun!

Als Aktien mit langfristigem Kurspotential werden u.a. gesehen:
TOTAL ENERGIES, ENI, VERBUND, E.ON.SE, EVN, RWE.

Aufsteigende Reihenfolge: am Anfang der Reihe steht jene mit der größten Langfristchance.
Im Vergleich zum 3.2.2025 bleibt die Auswahl stabil, die Reihenfolge hat sich geändert.

Als Aktien mit hoher Sicherheit werden u.a. bewertet VIENNA INSURANCE GROUP, VERBUND; die Bewertungen bleiben unverändert zum 3.2.2025.
Aufsteigende Reihenfolge: am Anfang der Reihe steht jene Aktie mit der größten Sicherheit.

Aktien mit hoher Dividendenrendite sind:
OMV, ORANGE, TELEFONICA, ENI, UNIQA, ENEL.


Aktien mit der größten Dividendenrendite stehen am Anfang der Reihe: OMV 12,6%, am Ende die mit der niedrigsten: Enel 6,7%, jeweils vor Steuer.
Im Vergleich zum 3.2.2025 bleibt die Auswahl gleich, die Reihenfolge hat sich geändert.

KAUFKRITERIEN neben den aktienanalytischen Kennzeichnungen sind der Reihe nach: WER? – Qualität und Charakter (Psychologie!) des Managements, Häufigkeit des Managementwechsels, Unternehmenskultur; WAS? – Produkteinfachheit: „einfach gestrickte“, leicht zu durchschauende/transparente Produkte oder Dienstleistungen, eher kleine Produktpalette bzw. enger umschriebenes Dienstleistungsangebot, Konstanz der Nachfrage; WIE? – Sicherheit, Widerstandsfähigkeit gegenüber wirtschaftlichen Wechselfällen, finanzielle Stabilität des Unternehmens, Konkurrenzsituation; WO? – geographische und „politische“ Lage möglichst fern von Krisengebieten inkl. solchen mit politischer Unruhe oder in Ländern mit totalitären Systemen oder deutlich defekten Demokratien (illiberale Demokratien); WANN? – Lebensdauer bzw. Überlebensdauer (Weltkriege etc.) des Unternehmens bisher, Stetigkeit der Dividendenzahlungen.

FAZIT: vor dem Kauf einer Unternehmensbeteiligung sich zur Aktiengesellschaft schlau machen: WER, WAS, WIE, WO, WANN.

ZWEI DINGE sind zusätzlich zu beachten:

# Langfristanlage durch Erwerb von Defensiv-Aktien (u.a. Energie, Telekom),

# Verbleib in einem Währungsraum, das ist der Euroraum. Daher werden die allseits seit Jahren gehypten US-Aktien hier mit Absicht außen vor gelassen, um das Währungsrisiko klein zu halten. Gleiches gilt für den Erwerb von Schweizer Aktien, wie die Vergangenheit mit Blick auf das sehr wechselhafte Wechselkursverhältnis Schweizer Franken / Euro gezeigt hat. 

Die Europäischen Union als Veranlagungsrisiko?

Das Staatssystem der Europäischen Union kommt einer defekten Demokratie gleich und erstreckt sich in den Währungsraum (Euroland), in dem gehandelt wird. Man spricht auch von einem Demokratie-Defizit der Europäischen Union. Risiken dieser defekten Demokratie, um einige zu nennen, sind: Regelungen „von oben herab“ auf nicht sehr transparente Weise und Steuervorgaben, die sich durch Negieren realer Alltagserfordernisse auszeichnen, Überwachungsbestrebungen, hoher Bürokratieaufwand für Unternehmen und Bürger. All dies markiert Abgehobenheit und Bürgerferne der EU-Politik.

Kennzeichnend für das Gebaren (Governance) der EU ist ein Ineinandergreifen von EU-Exekutive (Kommission mit ihren Kommissariaten) und einem nicht gut überschaubaren Geflecht zahlreicher, der EU nahestehenden und von ihr geförderten Institutionen, Organisationen und Einrichtungen, die auf vielen Ebenen EU-Kommissionsvorgaben umsetzen helfen. Sie helfen insbesondere dabei, die von EU-Rat- und EU-Kommission angedachten, aber für Bürger und Unternehmen noch nicht „akzeptablen“ Vorgaben „schmackhaft“ zu machen, um so zu einer ausreichend hohen Akzeptanz in der Bevölkerung zu führen, die eine politische Umsetzung ermöglicht.

Junker sagte 1999 dazu sehr verkürzt und sinngemäß: was wir heute als EU nicht durchsetzen, das werden wir dann schon später durchsetzen. Dem Lobbyismus Richtung EU-Exekutive (insbesondere seitens der Unternehmen) steht ein „Lobbyismus“ seitens der EU in Richtung auf die Einrichtungen der Mitgliedsländer sowie auf die Unternehmen und die Bevölkerung gegenüber, dessen Räderwerk für den Normalbürger praktisch nicht durchschaubar ist. Inwieweit kommt dies einem autokratischen Verhalten von der Maschek-Seite gleich?

Hauptziel der EU-Bestrebungen ist die Etablierung der Vereinigten Staaten von Europa, die den derzeit bestehenden Verbund der Mitgliedsstaaten ersetzen soll. Das deutet auch der Wechsel der Namensgebungen im Zeitverlauf an:

# Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS, umgangssprachlich auch Montanunion, 1951)

# Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG, 1957 inklusive EURATOM)

# Europäische Gemeinschaften (EG, 1965 ff., Fusion von EWG, EURATOM und einzelnen EG-Organen, Fusions- und Folgeverträge)

# Europäische Gemeinschaft (EG, seit 1993 ff., Maastricht- und Folgeverträge)

# Europäische Union (EU, 2007, Lissabon- und Folgeverträge)

1948
1948
Brüsseler
Pakt
1951
1952
Paris
1954
1955
Pariser
Verträge
1957
1958
Rom
1965
1967
Fusions-
vertrag
1986
1987
Einheitliche
Europäische Akte
1992
1993
Maastricht
1997
1999
Amsterdam
2001
2003
Nizza
2007
2009
Lissabon
Europäische GemeinschaftenDrei Säulen der Europäischen Union
Europäische Atomgemeinschaft (Euratom)
Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS)Vertrag 2002 ausgelaufenEuropäische Union (EU)
Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG)Europäische Gemeinschaft (EG)
Justiz und Inneres (JI)
Polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen (PJZS)
Europäische Politische Zusammenarbeit (EPZ)Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP)
Westunion (WU)Westeuropäische Union (WEU)
aufgelöst zum 1. Juli 2011

Problematisch bleibt dabei: je größer die Zentralisation von Staatsmacht, umso größer die Machtfülle, die mit „eiserner Harke“ über berechtigte (!) Einzelinteressen der Mitgliedsstaaten und damit der Bürger drüberfährt. Das Prinzip der Subsidiarität bleibt dabei auf der Strecke, so wie dieses Prinzip z.B. Österreich 1994 anlässlich der Vorabstimmungskampagnen versprochen wurde. Wurde das Versprechen eingelöst?

Beispiele der Machtfülle durch Zentralisierung liefern alle großen Staaten, u.a. Russland und China, die geradezu Musterbeispiele dafür darstellen.

Ein Problem des Staates an sich ist das Machtmonopol, das bei ihm liegt und liegen muss, will er Gesellschaft – das Staatsvolk – und die Abläufe darin mit Erfolg, also: durchsetzungskräftig organisieren. Das Problem ergibt sich aus dem Spannungsfeld zwischen unbeschränkter Freiheit des Individuums (Libertarismus) und unbeschränkter Freiheit des Staates (Totalitarismus).

Wie dieses Machtmonopol ausgestaltet wird, unterliegt in Demokratien dem Willen des Wahlvolkes, in nicht-demokratischen Staaten dem Willen des autoritären, totalitären oder autokratischen Machthabers. In defekten Demokratien ist die Mitbestimmung des Volkes eingeschränkt. Defekte Demokratien existieren in einer Grauzone, deren Konstituenten und ihre gegenseitige Einflussnahme nicht leicht zu bestimmen sind. Somit ist auch der Defektheitsgrad einer defekten Demokratie nicht leicht zu bestimmen und unterliegt, je nach politischer resp. ideologischer Perspektive, unterschiedlichen Wertungen.

Die idealtypische Dreiteilung der Regierungsformen existiert in der Wirklichkeit nicht: keine Demokratie der Welt entspricht der idealen Form, weist also im Ansatz Eigenschaften einer defekten Demokratie auf, kein totalitärer Staat schränkt die individuellen Freiheiten vollständig ein, es verbleibt den Bürgern dort ein mehr oder weniger großer Freiheitsraum.

Hinsichtlich des staatlichen Machtmonopols, das zudem bei anwachsender  Zentralisation der Staatsgewalt zur Zunahme neigt, ergibt sich die Erkenntnis: so wenig Staat wie möglich, so viel Staat wie nötig als einer Einrichtung, die mit einem mit Rechtsgewalt in das Leben seiner Bürger eingreifenden Machtmonopol versehen ist, das für das „Funktionieren“ einer Gesellschaft unaufgebbar ist.

Die dafür notwendigen rechtlichen Verregelungen des Alltagslebens durch Allgemeines Gesetzbuch, Strafgesetzbuch, Angestelltengesetz etc.etc. sind zahllos und gelten bei ausnahmslos jeder Handlung, werden aber – ebenso regelhaft – dem Bürger erst dann bewusst, wenn es zu schwerwiegenden Regelverstößen oder Regelbruch-Sanktionierungen kommt. 

Rechtliche Verregelungen sind Ausdruck der jeweiligen Ausprägungen eines Rechtsstaates; dieser wird in einer idealen Demokratie nicht durch Willküreinwirkungen korrumpiert: das ist ein wesentliches Kennzeichen demokratischer Rechtsstaatlichkeit. Auf Rechtsstaatlichkeit pflegen sich auch autoritäre, totalitäre oder autokratische, kurz: diktatorische Systeme zu berufen, doch wird der Rechtsstaat dort durch Willküreingriffe korrumpiert: Rechtsbiegung als Kennzeichen von Autokratien etc. In einer defekten Demokratie wird die Rechtsstaatlichkeit (leicht) eingeschränkt, womit das Risiko entsteht, in eine Autokratie abzugleiten.

Nur in formalrechtlicher Hinsicht war zum Beispiel auch der NS-Staat ein Rechtsstaat, besaß er doch gemäß der NS-Grundsätze umgearbeitete Gesetze aus der Weimarer Republik und neue Gesetze im Sinne der NS-Ideologie, auf die er sich in der Rechtsprechung berief und von denen viele in einem „normalen“, d.h. hier NS-konformen Rechtssetzungsprozess entwickelt wurden. Daran ändert nichts die Gepflogenheit, den NS-Staat in inhaltlich-ethischer Hinsicht als Unrechtsstaat zu bezeichnen. Ein krasses Beispiel für einen NS-Rechtserlass im autokratischen Sinn ist unter diesem Link einsehbar.

Kennzeichnend für die Biegsamkeit des Rechts je nach Staatsraison ist die Tatsache, dass Juristen nach einem Regimewechsel ihre Posten in der Regel nicht verloren, sondern im neuen Regime weiter im Dienst des Rechts ihre berufliche Tätigkeit frei oder im öffentlichen Dienst ausübten. So wurden Juristen und Richter nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes ohne weiteres in den öffentlichen Dienst der entstehenden Bundesrepublik Deutschland übernommen. Vergleichbares geschah nach dem Fall der UdSSR oder DDR.

Das „Funktionieren“ einer Gesellschaft dank dafür sorgender Rechtsstaatlichkeit bedeutet in einer Demokratie das Herstellen eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen einerseits den rechtsstaatlich gesicherten Freiheitsbedürfnissen des Individuums unter für ihn zureichenden wirtschaftlichen Gegebenheiten und andererseits den „Freiheitsbestrebungen“, somit Machtbestrebungen des Staates, mit dem Ziel, ein Höchstmaß an Gemeinwohl resp. Sozialfrieden in Freiheit herzustellen. Als Garant dafür dient die Gewaltenteilung und ein entsprechend stark regulierter und damit gewaltgebändigter Polizei- und Geheimdienstapparat sowie als vierte Gewalt die Sicherstellung einer freien Presse. MOTTO: Nimm Freiheitsbeschränkungen mit Blick auf das Gemeinwohl aus Überzeugung an, wir helfen dir dabei durch politische Aufklärung und sachliche Bildungsarbeit!

Das „Funktionieren“ einer Gesellschaft dank dafür sorgender Rechtsstaatlichkeit bedeutet in einer Autokratie, im Autoritarismus und vor allem im Totalitarismus Ausgesetztheit vor rechtsbeugenden willkürlichen Staatseingriffen auf die ohnehin reduzierten Freiheitsmöglichkeiten des Individuums unter nicht selten unzureichenden wirtschaftlichen Gegebenheiten zu Gunsten der Machtbestrebungen des Staates mit dem Ziel, ein Höchstmaß an „Gemeinwohl“ resp. „sozialem Frieden“ in Unfreiheit zu erzwingen. Als Garant dafür dient die Einschränkung, womöglich Aufhebung der Gewaltenteilung sowie ein entsprechend stark ausgeprägter und mit gering regulierter Gewalt ausgestatteter Polizei- und Geheimdienstapparat sowie eine allgegenwärtige Brachial-Propaganda unter Ausschaltung der Pressefreiheit. MOTTO: Kusch, sonst trifft dich der Polizeiknüppel und du landest im Gulag, folgst du nicht den Propaganda-vermittelten Staatszielen!

Das „Funktionieren“ einer Gesellschaft dank dafür sorgender Rechtsstaatlichkeit in einer defekten Demokratie gibt in (noch) geringem Ausmaß jene Prinzipien auf, die eine Demokratie hervorheben. Als Garant dafür dient eine Einschränkung der Gewaltenteilung und ein nicht allzu gestärkter und nicht allzu sehr mit herabgesetzter regulierter Gewalt ausgestatteter Polizei- und Geheimdienstapparat sowie eine verhältnismäßig subtil eingesetzte Propaganda und Beeinflussungsmaschinerie. MOTTO: Folge der politischen Verführung und glaube, es sei deine Entscheidung, sonst zwiebeln wir dich mit Exekutivmaßnahmen!

Eine solche Beeinflussungsmaschinerie hat die exekutiv im Grunde genommen schwach aufgestellte EU entwickelt, was zu eben der Ausbildung dieser „Schattenexekutive“ geführt hat. Sie trägt damit – nicht so ohne weiteres sichtbar für den Normalbürger – ein Kennzeichen einer defekten Demokratie. Damit steht die Gefahr im Raum, weiter an demokratischen Eigenschaften einzubüßen und zu einem politischen und wirtschaftlichen Risiko heranzureifen. In der Tat bemüht sich die EU um Stärkung ihrer Polizeigewalt (Frontex, 2004, weiterer Ausbau) und damit um Ausbildung eines weiteren Kennzeichens defekter Demokratien insofern der Vorwurf stimmte, dass Frontex auch innerhalb der EU eingesetzt werden könnte.

Was die Beeinflussungsmaschinerie der EU betrifft, hat 2011 der deutsche Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger (1929-2022) die Europäische Union als “sanftes Monster Brüssel“ bezeichnet und von der „Entmündigung Europas“ gesprochen. Er anerkennt segensreiche Folgen ihres Wirkens, macht aber zugleich auf die strukturellen Defizite dieser überstaatlichen Einrichtung aufmerksam, die durch massive Öffentlichkeitsarbeit, um nicht zu sagen: Propaganda – geschickt durch das vorbeschriebene Geflecht an Organisationen, Instituten, Einrichtungen etc. vermittelt –, übertüncht werden. Bezeichnend ist sein Ausspruch: „Je dünner die Legitimität [ihres politischen Handelns], umso dicker der Glibber der PR.“

Die geschilderte Gefahr liegt nicht darin, sich im Euro-Währungsraum zu bewegen. Sie liegt darin, dass infolge mangelnder demokratischer Kontrolle politisch einer Gesinnungsethik und nicht einer Verantwortungsethik gefolgt wird. Damit einher ginge eine Abgehobenheit von den Realitäten des täglichen Lebens der Bürger und Unternehmen. Das führte kurz über lang zu einer Schwächung des Euros im Währungskonzert. Ein Risiko erwüchse dann eher daraus, dass es nicht sicher ist, ob der Währungsraum „Euro“ eines Tages zerbricht, zum Beispiel dadurch, dass im Konzert mit anderen Währungen die derzeit ohnehin angekratzte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Europäischen Union noch weiter geschwächt würde und der Euro fortgesetzt an Wert verlöre. Letzteres erleichterte das Auseinanderbrechen der Europäischen Union, die Eigeninteressen der Mitgliedsländer träten wieder stärker hervor.

Dieses Auseinanderbrechen der Europäischen Union ist derzeit unwahrscheinlich, aber denkmöglich als Folge von: fortgesetzter Wirtschaftsschwäche; weiter zunehmender Unzufriedenheit der Bevölkerung mit Zunahme nationalkonservativer bis rechtsextremer Haltungen; fortgesetztem „Rütteln an den Ketten“ seitens ehemaliger UdSSR-Bruderstaaten; fortgesetzter Aufnahme neuer Mitgliedsländer speziell aus dem Balkan und dem ehemaligem UdSSR-Einflussbereich (Serbien, Ukraine); gravierenden, von den Bevölkerungen der Mitgliedsstaaten nicht mitgetragenen außen- und innenpolitischen Entscheidungen. 

Bräche die EU, so bräche spätestens dann auch der Euro; im Übrigen weist die Geschichte der Währungsunionen auf deren Brüchigkeit hin: sie halten in der Regel nicht lange. Den Anleger zwingt unter anderem auch dies beizeiten zu überlegen, in welcher Währung er außerhalb des Euroraumes investieren soll. Angesichts des unsicheren Status des US-Dollars als Weltwährung ist dies eine herausfordernde Frage. Sie stellt sich glücklicherweise derzeit nicht, sondern taucht nur schemenhaft als Denkmöglichkeit am Horizont einer eher ferneren Zukunft auf. Aber: sie taucht auf und kann blitzesschnell elefantengroß im Raum stehen.  

FAZIT: die Europäische Union birgt für den Anleger derzeit nur am Zukunftshorizont sich abzeichnende Risiken. Sie entspringen u.a. daraus, dass die EU weniger aus der Position der Stärke als eher aus der der Schwäche handelt. Im Vergleich zur Situation des Kalten Krieges und damit zur Gründerzeit der EU-Vorläufereinrichtungen, in der es nur einen wirtschaftsmächtigen geopolitischen Spieler und gleichzeitigen Verbündeten – die USA – gab, steht die Europäische Union heute zwischen zwei Wirtschaftsblöcken: dem des USA-geführten Westens und dem des sog. globalen Südens. Das erzeugt Druck, allzumal Zeitdruck, treibt die EU an und lässt sie, will sie nicht aufgerieben werden, nach Machtvergrößerung durch Zentralisierung streben – ein Demokratierisiko ersten Ranges, damit in der weiteren Folge ein Wirtschafts- und letztlich Veranlagungsrisiko. 

Grundsätzliches zur Währungsspekulation

Währungs-Spekulation ist ein äußerst schwieriges, glitschiges, hochriskantes Geschäft, bedarf langjähriger Erfahrung, tagtäglicher Marktbeobachtung und eines guten Magens: Schocks und erratische Marktbewegungen müssen ausgehalten werden – psychisch und finanziell. Einer der bekanntesten und erfolgreichsten Währungsspekulanten im deutschsprachigen Raum ist Folker Hellmeyer (Hellmeyer-Website, Hellmeyer-Kurzportrait (Goldseiten), Hellmeyer auf Netfonds usf.).

Zweck der Währungsspekulation?

Wie bei den Warenoptionsmärkten dient auch der Währungsoptionsmarkt dazu, sehr starke Schwankungen im Wert einer Währung (Devise) zu verhindern: sehr starken Verteuerungen oder Verbilligungen einer Währung im Devisenmarkt (Währungs- oder FOREX-Markt) wird so gegengesteuert. Dafür sorgen die vielen Marktteilnehmer, von denen ein Teil den künftigen Wert einer Währung (Devise) höher, der andere diesen Wert tiefer einschätzt. Dies führt dazu, dass sich eine Art mittlerer Wert für diese Währung einstellt. Währungsoptionsmärkte sind rund um den Globus nahezu 24/7, also nahezu täglich rund um die Uhr, offen (Warenoptionsmarkt, Optionen im Freihandel).

Anders ausgedrückt: Die Spekulanten sichern sich mit ihrem Engagement gegen das Risiko eines Währungsverfalls oder eines Währungsanstiegs ab. Währungsanstiege sind ein Risiko für Käufer auf Warenmärkten, Währungsabwertungen sind ein Risiko für Verkäufer auf Warenmärkten. Gleiches gilt selbstverständlich auch für Dienstleistungen im internationalen Dienstleistungsaustausch. Die gegenläufigen Interessen auf dem Währungsoptionsmarkt „mitteln“ sich aus.

Allgemein gesprochen handelt es sich bei den Geschäften auf Optionsmärkten um Absicherungsgeschäfte oder Hedging.

Nochmals anders ausgedrückt: Auf aggregiertem Niveau (Makroebene) sorgt der Währungsoptionsmarkt für die Stabilität einer bestimmten Währung im Konzert der anderen Währungen im Devisen- resp. Währungsmarkt (Kassa- oder Spot-Markt, das Pendant zum Optionsmarkt).

Eine stabile Währung ist für die Volkswirtschaft, in deren Bereich diese Währung als Zahlungsmittel dient, eine Lebensnotwendigkeit für das optimale Funktionieren der volkswirtschaftlichen Grundvorgänge Kauf und Verkauf von Waren und Dienstleistungen. Erratische Schwankungen im Währungs- oder Devisenmarkt erschweren auf der Ebene der Unternehmen (Mikroebene) innerhalb und außerhalb einer Volkswirtschaft erheblich Kalkulationen mit Sicht auf künftig geplante Käufe und Verkäufe. Erratische Schwankungen einer Währung schwächen die Wirtschaftsleistung der zugehörigen Volkswirtschaft, eine stabile Währung fördert sie. Dies gilt auch für Volkswirtschaften außerhalb des entsprechenden Währungsraumes, sofern sie mit dieser Volkswirtschaft handelnd in Verbindung stehen.

FAZIT: Währungsoptionsmärkte sind für das Wirtschaftsgeschehen im Konzert der verschiedenen Volkswirtschaften überlebenswichtig.

Die heilige Trias

Diese Zusammenhänge bleiben in der Regel für Otto Normalverbraucher genauso verborgen wie die Bedeutung der nicht-demokratisch agierenden Zentralbanken, die mit ihren Zinsentscheidungen tief in das Wirtschaftsleben und somit in das Alltagsgeschehen der Menschen eingreifen. Warenmärkte, Währungsmärkte und Zentralbanken sind in einem fortlaufenden Marktgeschehen untrennbar und maßgeblich untereinander verbunden. Dabei modulieren und moderieren die Zentralbanken über den Zinssatz die Abläufe in Waren- und Währungsmärkten und den zugehörigen Optionsmärkten.

Für Otto Normalverbraucher sind Spekulanten auf diesen Märkten in aller Regel ganz, ganz böse Subjekte, die sich mit ihren Spekulationsgewinnen die Taschen vollstopfen.

Wer sind diese Subjekte auf Währungsoptionsmärkten?

Auf Währungs- und Währungsoptionsmärkten agieren in großer Zahl Staatsstellen, staatliche und private Pensionsfonds, multinationale und andere Unternehmen, Finanzinstitute (Banken u.a.), Hedgefonds u.a.

Otto Normalverbraucher verkennt in aller Regel den Sinn dieser Märkte und die Rolle der Spekulanten dort; denn:

Die Währungsoptionsmärkte zeichnen für das Wohl und Wehe im höchstpersönlichen Alltagsleben des kleinen Mannes auf der Straße verantwortlich, indem sie für relative Währungsstabilität sorgen. Doch Märkte sind keine Subjekte. Somit sind präzise gesprochen nicht „die Märkte“, sondern die Teilnehmer an Währungsoptionsmärkten – also die risikoübernehmenden Spekulanten – für das Wohl und Wehe von Otto Normalverbrauchers alltäglichem Leben verantwortlich.

Daher lässt sich interpretieren: In der Erhaltung der Währungsstabilität liegt der soziale Sinn der Spekulation. Dabei dient der Spekulationsgewinn als Entgelt für die risikobehaftete Sorge um eine stabile Währung.

Es kommt zu einem „paradoxen“ Effekt: die Befriedung der Einzelinteressen der Subjekte, den Spekulanten, trägt vermittels des Marktgeschehens zur Optimierung des Gemeinwohls bei.

Die Umsätze in Devisen- und Währungsoptionsmärkten sind die größten weltweit und erreichen täglich Milliarden bis Billionen von Währungseinheiten. Im Jahr 2022 wurden allein im Devisenmarkt täglich durchschnittliche Umsätze in Höhe von 7,5 Billionen US-Dollar gehandelt. Zu beachten ist, dass dabei immer Währungspaare gehandelt werden und zudem die Umsätze „doppelt“ anfallen: als Verkaufs- und als Kaufpreis in Summe. Das plustert das tägliche Handelsvolumen ordentlich auf.

Was für die Währungsoptionsmärkte gilt, gilt ebenso für die Warenoptionsmärkte: es geht um die Stabilisierung von in großen Mengen gehandelten Waren wie Weizen, Schweinehälften Orangensaft, Kaffee und vieles andere mehr. Die aufgezählten Waren stehen für solche, die für die Bevölkerungen hohe Bedeutung haben.

Wozu Optionsmärkte gut sind

Aber es gibt doch nach wie vor Preissprünge auf den Warenmärkten, von erratischen Ausschlägen an den Devisenmärkten war auch schon die Rede: wie passt das ins Bild?

Ohne die Terminbörsen wären die Ausschläge um einiges stärker, die Preise höher.

Drei Beispiele dazu:

#1 Hitler verbot die große Bremer Kaffeebörse. Daraufhin sicherte sich der Großhandel gegen Preisanstiege bei Kaffee ab, indem er von Haus aus deutlich höhere Preise für den Handel, die Geschäfte, einforderte. Resultat war der berühmt-berüchtigte Blümchenkaffee: die Konsumenten sparten am Kaffee, indem sie möglichst wenig davon zum Aufbrühen verwandten, also sah man durch den dünnen Kaffee das Blümchen am Grund der Kaffeetasse.

# 2 Waren, die nicht abgesichert werden können, weisen größere Preissprünge und höhere Preise auf; bremsend auf den Warenpreis (Aktienpreis, Devisenkurs) wirkt allein die Konkurrenz oder eine schwache Nachfrage oder ein überreichliches Angebot.

# 3 Die erste Warenoptionsbörse wurde 1848 in Chicago gegründet. Hintergrund war der bereits gewachsene Welthandel mit Waren, die großteils noch mit Segelschiffen über die Weltmeere transportiert wurden. Zwar befuhren die ersten Dampfschiffe Ende der 1830er Jahre den Atlantik, doch die eigentliche Verdrängung des Segelschiffs als Transportmittel setzte erst ab den 1870er Jahren ein.

Die Notwendigkeit, sich gegen den Verlust der Waren infolge Schiffuntergangs zu schützen oder sich überhaupt vor unerwarteten Preisveränderungen während der langen Schiffsfuhren abzusichern, führte zur Einrichtung der Chicagoer Warenbörse (Chicago Board of Trade), 1848 zunächst als Kassen- oder Spotmarkt, 1864 dann als Warenterminmarkt. Fortan konnten Käufer und Verkäufer Warenpreise vereinbaren für Warenlieferungen in ein, zwei, drei, sechs Monaten, was die Sicherheit der unternehmerischen Kalkulation erheblich erhöhte, da nun die Preisrisiken nicht von den Warenverkäufern und -käufern selbst, sondern von den Spekulanten übernommen wurden. Es entstand eine hochspezialisierte Zunft von Spekulanten, darunter viele Versicherungen.

Die Spekulanten hatten die Zeit und die Informationsmittel, sich über Warenpreisänderungen am Warenursprungsort und über Transportverzögerungen oder Schiffsunfälle zu informieren. Schlechte Kaffee- oder Kakao-Ernten, transportverzögernde Windflauten oder Schiffsunglücke blieben für sie kein Geheimnis, entsprechend diesen Informationen disponierten sie am Warenterminmarkt ihre Preisvorstellungen, doch in der Vergangenheit geschlossene Warenpreise für eine bestimmte Ware zu einem bestimmten Termin blieben davon unberührt.