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FAZIT DES TAGES ULTRAKURZ – oder: Nachrichten aus dem irrwitzigen Weltzirkus
- ISRAEL-HAMAS-HISBOLLA-KRIEG: weitere diplomatische Benmühungen um Erhalt der ersten Phase des Waffenstillstandes.
Netanjahu sucht um Begnadigung beim israelischen Präsidenten an
Trump warnt Israel vor weiterem militärischen Vorgehen in Syrien
Papst Leo XIV. auf Friedensmission im Libanon.
Arabische Israeli positiv gestimmt für ein Zusammenleben mit Juden in Israel. - UKRAINE-KRIEG: Putin behauptet, Pokrowsk sei in die Hände Russlands gefallen; Kiew dementiert.
Reisner verweist auf prekäre Situation für Ukraine – ANALYSE - USA dementiert Völkerrechtsbruch durch Kriegsminister in der Karibik.
- ÖSTERREICH: Arbeitslosigkeit steigt an.
Nächste Nationalratswahl: Stocker will weiter Kanzler bleiben.
Mordverdacht: Messerattacke in Wien. - Weitere COMMENTS vorhanden
MÄRKTE – Abwärts, nun mit charttechnisch ungünstigem Vorzeichen für den DAX
WIRTSCHAFTSMELDUNGEN IM ÜBERBLICK – Deutlich bewölkte Aussichten jenseits und diesseits des Atlantiks
THEMENREIGEN – MEDIZIN: Polyphenole in Tee, Kaffee, Beeren etc. gut für die Herzgesundheit. MENSCHEN: Gottschalk kämpft mit seltenem Krebs – COMMENT
Viel Stoff – Nutze die Suchfunktion!
Apropos Weltzirkus: Zirkus ist was für Kinder und Junggebliebene, Staunen und Lachen über die Clowns! Im Weltzirkus tummeln sich viele Zauberkünstler und Clowns. Lachen wir also, Lachen ist die beste Medizin gegen Depressionen.
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MÄRKTE
DJI – BAHA *** DJI – KGV *** Rendite 10-jg. US-Anleihen
DAX Deutsche Börse *** DAX – KGV *** Rendite 10-jg. Bundesanl. *** Euro-Bund Futures
COMMENT: Nach dem Aufwärts der letzten Tage nun wieder abwärts.
Für den DAX sieht es charttechnisch schlechter aus, er prallte punktgenau am gleitenden Durchschnitt für 50 Tage (blaue Linie) nach unten ab.
Chartanalytiker werten dies als Auftakt zu einer weiteren Talfahrt des Index.
Noch ist die untere Unterstützungslinie der aus dem Frühsommer stammenden Widerstandszone weit entfernt und liegt knapp über der psychologischen wichtigen Marke von 23.000 Punkten im DAX.
Die Anlegerschaft ist zwischen Zweifeln und Hoffnungen hin- und hergerissen. Die Hoffnungen dürften letztlich die Oberhand gewinnen.
GESELLSCHAFTSSEISMOGRAPH BÖRSEN
findet sich am Ende des Tagesblicks und wurde am 1.10.2025 aktualisiert.
HELLMEYER-REPORT (Märkte u.a.m.)
entgegen der Ankündigung nicht eingelangt
ZENTRALBANKEN
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WIRTSCHAFTSMELDUNGEN IM ÜBERBLICK
ISRAEL-IRAN-HAMAS-HISBOLLAH-KRIEG
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ISRAEL-IRAN-KRIEG im n-tv Liveticker
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ISRAEL – NAHOST-KONFLIKT im n-tv Liveticker
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ISRAEL – NAHOST-KONFLIKT im FAZ-Liveblog
Chronologisch absteigend, jüngste Meldungen zuoberst:
Montag, 1. Dezember 2025
Trump unf Netanjahu treffen einander „in naher Zukunft“
US-Präsident Donald Trump hat den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu nach Washington eingeladen. Der Besuch werde „in naher Zukunft“ stattfinden, teilt Netanjahus Büro mit. Es wäre sein fünfter Besuch seit Trumps Amtsantritt im Januar. Beide haben öffentlich ein enges Verhältnis zueinander bekundet.
Trump hatte zuvor erklärt, es sei sehr wichtig, dass Israel einen „echten Dialog“ mit dem Nachbarn Syrien führe und dass sich Syrien zu einem wohlhabenden Staat entwickele. Der amerikanische Präsident ist bemüht, einen Nichtangriffspakt zwischen beiden Ländern zu vermitteln. Er unterstützt den neuen syrischen Staatschef Ahmed al-Sharaa, während Israel auf Sharaas frühere Verbindungen zu militanten Islamisten verweist.
Papst Leo XIV. auf Friedensmission im Libanon
Papst Leo XIV. hat sich für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen in Libanon starkgemacht. In der Liebe habe jeder etwas zu geben und zu empfangen, so das katholische Kirchenoberhaupt am Montagvormittag im Marienheiligtum von Harissa. Gegenseitige Hingabe bereichere alle und führe näher zu Gott. Nur durch die einigende Kraft der Liebe werde Hoffnung in die Zukunft wieder möglich, „auch wenn es hart ist angesichts der schwierig zu bewältigenden Gegenwart“.
An seinem zweiten Besuchstag im Libanon traf Leo XIV. in der populären Pilgerstätte nahe Beirut vor allem mit katholischen Seelsorgern des Landes zusammen. Vor zahlreichen Bischöfen, Priestern und Ordensleuten betonte er in einer auf Französisch vorgetragenenen Ansprache die Bedeutung des Gebets als unsichtbare Brücke, die die Herzen verbinde. Es gebe die Kraft, weiter zu hoffen und zu arbeiten, „auch wenn um uns herum der Lärm der Waffen dröhnt und selbst die Anforderungen des täglichen Lebens zu einer Herausforderung werden“.
Der Papst erinnerte die Teilnehmenden an ihre Verantwortung für die Jugend. „Es ist wichtig, ihre Präsenz auch in den kirchlichen Strukturen zu fördern, ihren innovativen Beitrag wertzuschätzen und ihnen Raum zu geben“, betonte Leo XIV. „Und es ist nötig, ihnen – auch inmitten der Trümmer einer Welt, in der es schmerzhafte Niederlagen gibt – mit Blick auf die Zukunft konkrete und realisierbare Perspektiven zu Neuanfang und Wachstum zu bieten.“ Er ermutigte die Kirche in Libanon, sich weiter für Bildung einzusetzen. Besonders wichtig seien Angebote für Notleidende, Mittellose und Menschen in Extremsituationen. Diese sollten geprägt sein von großzügiger Nächstenliebe, damit die Bildung des Verstandes stets mit einer Erziehung des Herzens einhergehen. Nach seiner Ansprache übergab Leo XIV. dem Marienheiligtum die „Goldene Rose“. Dieses Ehrengeschenk soll die besondere Verehrung der Päpste für die Jungfrau Maria zum Ausdruck bringen. Es handelt sich um einen goldenen Rosenzweig in einer silbernen Vase, die mit dem jeweiligen Papstwappen versehen ist.
Sonntag, 30. November 2025
Israelische Kritik an Netanjahus Gnadengesuch
Aus der israelischen Opposition kommt Kritik an Netanjahus Gnadengesuch. „Sie können Netanjahu keine Begnadigung gewähren, ohne dass er sich schuldig bekannt, Reue gezeigt und sich sofort aus dem politischen Leben zurückgezogen hat“, sagte Oppositionsführer Jair Lapid in einem Video im Onlinedienst X. Dieser Forderung schloss sich der linksgerichtete Chef der Partei „Die Demokraten“, Jair Golan, an: „Nur Schuldige bitten um Begnadigung“, schrieb er ebenfalls auf X. Der einzige zur Debatte stehende Kompromiss sei, „dass Netanjahu Verantwortung übernimmt, seine Schuld eingesteht, sich aus der Politik zurückzieht und das Volk und den Staat befreit – nur dann kann Einheit in der Nation erreicht werden“.
Aus seiner Regierungskoalition erhielt Netanjahu dagegen Unterstützung. Verteidigungsminister Israel Katz drängte Herzog, die Begnadigung zu gewähren, um „die tiefe Spaltung“ im Land zu beenden. Der rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich nutzte die Gelegenheit für einen Angriff auf das „korrupte Justizsystem“, das politische Fälle gegen Netanjahu „konstruiert“ habe. Netanjahu ist Israels am längsten amtierender Ministerpräsident. Seit 1996 hatte er dieses Amt insgesamt 18 Jahre lang dreimal inne. Auch bei den nächsten Wahlen 2026 will er nach eigenen Angaben wieder kandidieren.
Papst Leo XIV. besucht den Libanon
Papst Leo XIV. setzt seine sechstägige Nahostreise heute einem Besuch in Libanon fort. Am frühen Sonntagnachmittag flog er von der türkischen Metropole Istanbul in Richtung Beirut ab. Am Tag zuvor musste der vom Vatikan gecharterte Airbus 320 der Fluglinie ITA wegen Softwareproblemen an allen Maschinen dieses Typs außerplanmäßig gewartet werden.
Nach vielen ökumenischen und interreligiösen Begegnungen in der Türkei stehen zum Auftakt der Papstreise nach Libanon vor allem politische Gespräche auf dem Programm. Er wolle eine Botschaft des Friedens in die immer wieder von Kriegen heimgesuchte Region bringen, hatte der Papst vorab erklärt. Das benachbarte Israel bekämpft unterdessen weiterhin militärisch die islamistischen Milizen im Südlibanon und im Gazastreifen.
In der libanesischen Hauptstadt führt der Papst am Sonntagnachmittag Gespräche mit den politischen Repräsentanten der drei größten Religionsgemeinschaften. So trifft er Staatspräsident Joseph Aoun, einen Christen, den schiitschen Parlamentspräsidenten Nabih Berri und den sunnitischen Regierungschef Nawaf Salam. Am Abend will der Papst im Präsidentenpalast eine mit Spannung erwartete Rede vor Repräsentanten aller politisch-konfessionellen Fraktionen des Landes halten.
Arabische Israeli zuversichtlich betreffend Zusammenleben von Juden und Arabern in Israel
Zwei Drittel der arabischen Israelis (66 Prozent) glauben laut einer aktuellen Umfrage an eine politische Zusammenarbeit zwischen Arabern und Juden – aber nur 40 Prozent sind der Meinung, dass es in der jüdischen Bevölkerung dafür auch tatsächlich Unterstützung gibt. Das geht aus einer Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung in Israel hervor, die der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) exklusiv vorliegt.
Damit eine arabisch-jüdische politische Partnerschaft gelingen könne, halten die Befragten neben Kriminalitätsbekämpfung in der arabischen Gesellschaft vor allem eine Änderung von Gesetzen für notwendig, die arabische Bürger diskriminieren – besonders das Nationalstaatsgesetz von 2018, das einzig dem jüdischen Volk das Recht auf nationale Selbstbestimmung zuspricht und die völkerrechtswidrige Siedlungspolitik befürwortet.
Für solche Gesetzesänderungen sprachen sich 22 Prozent aus; knapp 27 Prozent nannten den Kampf gegen Kriminalität ausschlaggebend für eine erfolgreiche Partnerschaft mit Juden, 14 Prozent eine Verbesserung der sozioökonomischen Lage in arabischen Städten und zehn Prozent eine Stärkung arabisch-israelischer Bürger im öffentlichen Raum.
Drei von zehn Befragten erklärten, sie sähen sich derzeit durch keinen Politiker oder eine andere Person des öffentlichen Lebens vertreten. Was die Frage des Selbstbildes anging, stand für die Befragten die arabische Identität mit 36 Prozent an erster Stelle, noch vor der israelischen Staatsbürgerschaft (30 Prozent) und der Religionszugehörigkeit (24 Prozent). Weniger als zehn Prozent bezeichneten das Palästinenser-Sein als erste Komponente.
Für das Meinungsbild wurden den Angaben zufolge unter einer repräsentativen Stichprobe der arabischen Bevölkerung in Israel 500 Personen vom Stat-Net Research Institute telefonisch befragt. Die Erhebung fand im November statt. Bei den Befragten handelte es sich um israelische Staatsbürger, nicht um Palästinenser aus den besetzten Gebieten.
Nach Trump-Vorstoß: Netanjahu bittet Israels Präsidenten Herzog formell um Begnadigung
Benjamin Netanjahu hat den israelischen Staatspräsidenten Izchak Herzog formal darum gebeten, ihn zu begnadigen. In einem am Sonntag veröffentlichten Brief argumentiert der Ministerpräsident, sein Korruptionsprozess sei zum Kristallisationspunkt der zunehmenden Spannungen in der israelischen Gesellschaft geworden. Trotz seines „persönlichen Interesses an der Durchführung des Prozesses und dem Beweis meiner Unschuld“ habe er die Verantwortung, das Volk zu versöhnen. Ein Ende des Prozesses trüge dazu bei, so Netanjahu.
Der 76 Jahre alte Politiker steht seit 2020 vor Gericht, ihm wird in drei Fällen Korruption vorgeworfen. Ihm und seiner Frau Sara wird zur Last gelegt, Geschenke – darunter Schmuck, Champagner und Zigarren – im Wert von mehr als 260.000 Dollar (rund 223.000 Euro) von Milliardären für politische Gefälligkeiten angenommen zu haben. In zwei weiteren Fällen soll er versucht haben, eine günstigere Berichterstattung mit israelischen Medien auszuhandeln.
Kürzlich hatte der amerikanische Präsident Donald Trump sich mehrmals für eine Begnadigung Netanjahus ausgesprochen, unter anderem in einem Brief an Herzog. Darauf nahm nun auch Netanjahus Anwalt in dem mehr als 100 Seiten langen Brief Bezug. Herzog solle Netanjahu „aus nationaler Verantwortung und mit Blick auf das Wohl des Volkes und des Staates“ begnadigen, heißt es in dem 111-seitigen Schreiben.
Während Angehörige der Regierungskoalition den Schritt lobten, riefen Oppositionspolitiker Herzog dazu auf, das Gesuch zurückzuweisen. Das Präsidialamt teilte mit, man sei sich dessen bewusst, dass es sich um eine „außergewöhnliche Anfrage“ handelt, und werde sie eingehend prüfen.
WEITERE ISRAEL-MELDUNGEN
| So | Netanjahu bittet Israels Präsidenten um Begnadigung | 286 | dpa-AFX | |
| So | Netanjahu bittet um Begnadigung durch israelischen Präsidenten | 720 | dts Nachrichtenagentur |
Trump fordert von Israel Zurückhaltung gegenüber Syrien – 30.11.2025
WASHINGTON (dpa-AFX) – US-Präsident Donald Trump hat Israel gegenüber Syrien zu Zurückhaltung aufgerufen. Die USA seien sehr zufrieden mit der Entwicklung in Syrien unter der Führung von Präsident Ahmed al-Scharaa, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Deshalb sei es sehr wichtig, dass Israel einen starken und ehrlichen Dialog mit Syrien aufrechterhalte und „nichts geschieht, was Syriens Entwicklung zu einem prosperierenden Staat behindern könnte“, schrieb Trump an die Adresse Israels.
Israel hatte nach dem Sturz von Machthaber Baschar al-Assad und der Übernahme der Regierung durch al-Scharaa wiederholt Angriffe im Nachbarland geflogen. So griff Israel während Auseinandersetzungen im Süden des Landes zwischen sunnitischen Beduinenverbänden und Drusen mit Luftschlägen zeitweise aufseiten der Drusen ein. Unter anderem wurden das Verteidigungsministerium und das Militärhauptquartier in Damaskus bombardiert.
Im November hatte Trump al-Scharaa als ersten syrischen Staatschef seit der Unabhängigkeit des arabischen Landes 1946 im Weißen Haus empfangen. „Wir wollen, dass Syrien ein sehr erfolgreiches Land wird. Und ich glaube, dieser Anführer kann das schaffen“, sagte Trump damals./tm/DP/nas
© 2025 dpa-AFX
Nach Aufforderung Trumps: Netanjahu bittet Israels Präsidenten um Begnadigung – dpa / GMX, 30.11.2025
US-Präsident Donald Trump hat eine Begnadigung des wegen Korruption angeklagten israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu gefordert. Nun schreibt Netanjahu selbst ein Gnadengesuch.
Der wegen Korruption angeklagte israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat den Staatspräsidenten seines Landes offiziell um Begnadigung gebeten. Das Büro des Präsidenten Izchak Herzog teilte mit, dieser habe ein formelles Gnadengesuch von Netanjahu erhalten. Es handele sich dabei um einen Brief Netanjahus und einen Brief seines Anwalts.
In dem Brief Netanjahus hieß es, der Prozess gegen ihn sei zu einem „Brennpunkt heftiger Auseinandersetzungen“ in Israel geworden. Er habe keinen Zweifel daran, „dass ein Abschluss des Prozesses dazu beitragen wird, die Intensität der entstandenen Auseinandersetzungen zu verringern“. Der Regierungschef verwies dabei auch auf die „sicherheitspolitischen Herausforderungen und politischen Chancen, denen der Staat Israel derzeit gegenübersteht“. In einer Video-Botschaft sprach Netanjahu zudem von einer „unmöglichen Forderung“ der Richter, dass er dreimal in der Woche aussagen müsse.
„Außergewöhnliches Gesuch mit weitreichenden Konsequenzen“
Das Gesuch werde nun an eine zuständige Abteilung des Justizministeriums weitergeleitet, die die Meinungen aller relevanten Behörden dazu einholen werde, hieß es in der Mitteilung des Präsidenten. Auf der Basis werde das juristische Beratungsteam im Büro des Präsidenten dann eine weitere Meinung formulieren.
„Das Büro des Präsidenten ist sich bewusst, dass es sich um ein außergewöhnliches Gesuch mit weitreichenden Konsequenzen handelt“, hieß es weiter in der Mitteilung. „Nachdem alle relevanten Stellungnahmen eingegangen sind, wird der Präsident das Gesuch verantwortungsvoll und gewissenhaft prüfen.“
Trump hatte Netanjahus Begnadigung gefordert
US-Präsident Donald Trump hatte Herzog dazu aufgefordert, Netanjahu zu begnadigen. Er respektiere die Unabhängigkeit der israelischen Justiz, glaube aber, dass die Anklage gegen Netanjahu politisch motiviert und nicht gerechtfertigt sei, hieß es einem von Trump unterschrieben Brief an Israels Präsidenten, den Herzogs Büro zuletzt veröffentlicht hatte. Auch bei einem Besuch in Israels Parlament im Oktober hatte Trump die Forderung geäußert.
Trump schrieb, Netanjahu sei ein „beeindruckender und entschlossener Kriegsministerpräsident“ gewesen und führe Israel nun in eine Zeit des Friedens. „Seine Aufmerksamkeit darf nicht unnötig abgelenkt werden“, argumentierte der US-Präsident.
Jahrelanger Korruptionsprozess und politische Verwerfungen
Gegen den Regierungschef läuft seit mehr als fünf Jahren ein Korruptionsprozess. Er ist wegen Betrugs, Untreue und Bestechlichkeit angeklagt. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, als Kommunikationsminister dem Telekom-Riesen Bezeq Vergünstigungen gewährt zu haben. Außerdem soll er Luxusgeschenke im Wert von umgerechnet rund 174.000 Euro von befreundeten Milliardären angenommen haben – Schmuck, Zigarren und rosa Champagner. Netanjahu beteuert seine Unschuld und hat immer wieder von einer „Hexenjagd“ gesprochen.
In Israel hatte es vor dem Hintergrund der schweren politischen Verwerfungen im Land immer wieder Debatten um eine Begnadigung Netanjahus gegeben. Herzog hatte in der Vergangenheit gesagt, kein Mensch stehe über dem Gesetz, er behalte sich aber vor, in der Frage nach seinem Gewissen zu handeln.
Scharfe Kritik der Opposition
Der israelische Oppositionsführer Jair Lapid rief den Präsidenten dazu auf, Netanjahu nicht ohne ein Schuldeingeständnis, den Ausdruck der Reue sowie eine sofortige Beendigung seiner politischen Karriere zu begnadigen. Auch der Vorsitzende der Oppositionspartei Die Demokraten, Jair Golan, sprach sich für ein Ausscheiden Netanjahus aus der Politik aus. „Nur ein Schuldiger fordert seine Begnadigung“, schrieb er bei X
Der Oppositionspolitiker und Ex-Generalstabschef Gadi Eisenkot schrieb bei X: „Netanjahu, Israel ist ein Rechtsstaat. Es gibt kein Gesetzeswerk für den einfachen Bürger und ein anderes für dich.“ Netanjahu sei selbst der Hauptverursacher der Spaltung in Israel. Diese könne daher „nicht als Vorwand für seinen Antrag dienen, sich dem noch laufenden Strafverfahren zu entziehen“.
Die israelische Bewegung für Regierungsqualität schrieb in einem Post auf der Plattform X: „Präsident Herzog muss Nein zur Begnadigung Netanjahus sagen!“ Eine Begnadigung mitten im Prozess bedeute den „Tod der Demokratie“, hieß es in der Mitteilung. „Herzog darf die Gleichheit vor dem Gesetz nicht verletzen!“
Umstrittene Schwächung der Justiz durch Netanjahus Regierung
Netanjahus rechtsreligiöse Regierung treibt seit fast drei Jahren einen höchst umstrittenen Justizumbau voran, der eine Schwächung der Justiz bedeutet und gegen den es heftige Proteste gegeben hatte. Kritiker stuften das Vorgehen der Regierung als Gefahr für Israels Demokratie ein. Netanjahus Regierung argumentierte dagegen, das Gericht sei in Israel zu mächtig, man wolle lediglich ein Gleichgewicht wiederherstellen.
Viele sahen die heftigen internen Streitigkeiten als einen Grund dafür, dass Israel am 7. Oktober 2023 von dem verheerenden Angriff der islamistischen Hamas im Grenzgebiet so überrascht werden konnte. (dpa/bearbeitet von mbo)
Empfehlungen der Redaktion
Für zügige Palästina-Anerkennung: Grüne machen ihren Frieden mit Nahostkonflikt – vorerst – n-tv, 30.11.2025
Die Debatte über den Krieg Israels gegen die Hamas in Gaza hat den Grünen zugesetzt. Ganze Wählergruppen kamen abhanden, während es intern krachte. Auf dem Parteitag findet ein seit Monaten laufender Befriedungsprozess ein versöhnliches Ende.
URAINE-KRIEG im n-tv Liveticker
Chronologisch absteigend, jüngste Meldungen zuoberst:
Detaillierte Meldungsübersicht. Daraus eine Auswahl:
Dienstag, 2. Dezember 2025
+++ 08:39 Fritz zu Kreml-Treffen: Witkoff hat Lockmittel im Gepäck +++
Der US-Sondergesandte Steve Witkoff reist zu einem Treffen mit Putin nach Moskau. Laut ntv-USA-Korrespondent Gordian Fritz erwartet das Weiße Haus von den Gesprächen keine unterschriftsreifen Ergebnisse. Für den nächsten Schritt habe Witkoff allerdings ein verlockendes Zugeständnis im Gepäck.
„Strittige Punkte“ im Friedensplan Fritz zu Kreml-Treffen: Witkoff hat Lockmittel im Gepäck
+++ 08:13 EZB lehnt offenbar EU-Plan für Ukraine-Kredit aus russischen Geldern ab +++
Die Europäische Zentralbank (EZB) stellt sich einem Zeitungsbericht zufolge gegen einen EU-Plan zur Zahlung von 140 Milliarden Euro aus eingefrorenem russischem Vermögen an die Ukraine. Die EZB weigere sich, die Zahlung abzusichern, berichtet die „Financial Times“ unter Berufung auf mehrere Verantwortliche. Die EZB sei zu dem Schluss gekommen, dass der Vorschlag der EU-Kommission gegen ihr Mandat verstoße. Dies erschwere es der Europäischen Union, einen „Reparationskredit“ aufzunehmen, der durch bei dem belgischen Wertpapierverwahrer Euroclear eingefrorenen russischen Vermögenswerte der russischen Zentralbank gedeckt werden sollte. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte den Bericht nicht sofort verifizieren.
COMMENT: Zwei nicht unwesentliche Gründe: 1) Die Inanspruchnahme von Eigentum öffnete die Türe für Beschlagnahmungen von Eigentum je nach politischer Laune. 2) Der Verschuldungsgrad der EU ist schon jetzt beängstigend hoch – eine Last für künftige Generationen – und eine Gefahr, die in der Erschütterung der Finanzstabilität liegt. Deren Hüter ist die EZB.
Moskaus Milliarden für Kiew Von der Leyen will letzten Trumpf für die Ukraine ausspielen
+++ 07:41 Nach Drohnenangriff: Energieanlagen in russischer Region Orjol in Brand +++
Bei einem Drohnenangriff in der zentralrussischen Region Orjol geraten in der Nacht nach Angaben der örtlichen Behörden Anlagen der Treibstoff- und Energieversorgung in Brand. Verletzt wurde dabei niemand, wie der Gouverneur der Region, Andrej Klytschkow, auf Telegram mitteilt. Löschkräfte seien vor Ort im Einsatz.
+++ 07:09 Russland und China beraten über militärische Zusammenarbeit +++
Russland und China setzen ihre nach Beginn des Krieges in der Ukraine betriebene Annäherung fort. Der Sekretär des russischen Sicherheitsrates, Sergej Schoigu, will heute in Moskau den chinesischen Außenminister Wang Yi zu Beratungen über strategische Sicherheit treffen. Dies meldet die Nachrichtenagentur Interfax. Weitere Themen sollen die Lage im asiatisch-pazifischen Raum sowie die militärische Zusammenarbeit zwischen Moskau und Peking sein. Erst im September hatten die Präsidenten Xi Jinping und Wladimir Putin bei der gemeinsamen Abnahme einer riesigen Militärparade einen Schulterschluss demonstriert.
Kein Wort zur Ukraine Putin und Xi loben Verhältnis – und schließen 20 Abkommen
+++ 06:37 Trumps Gesandte beraten mit Putin über Ende des Ukraine-Kriegs +++
Der Sondergesandte von US-Präsident Donald Trump, Steve Witkoff, und dessen Schwiegersohn Jared Kushner wollen heute in Moskau den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu weiteren Gesprächen über ein Ende des Ukraine-Krieges treffen. US-Angaben zufolge geht es dabei insbesondere um den von den USA vorgelegten Ukraine-Plan. Nach den jüngsten Verhandlungen zwischen ukrainischen und US-Vertretern im US-Bundesstaat Florida bezeichnete Trump die Chancen auf ein Abkommen zwischen Russland und der Ukraine als „gut“.
+++ 06:02 Niederlande und Ukraine wollen gemeinsam Drohnen produzieren +++
Die Niederlande und die Ukraine unterzeichnen ein Abkommen zur gemeinsamen Produktion von Drohnen. Dies teilt die niederländische Regierung mit. „Diese Zusammenarbeit erhöht nicht nur unsere Produktionskapazität, sondern stärkt auch unsere gemeinsame Sicherheit, Widerstandsfähigkeit und Innovation“, sagt der niederländische Verteidigungsminister Ruben Brekelmans.
+++ 05:33 Meloni lobt „konstruktiven Ansatz“ des ukrainischen Präsidenten +++
Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, die für sich ein besonders gutes Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump in Anspruch nimmt, spricht sich für ein gemeinsames Vorgehen von Europa und den USA bei den Friedensbemühungen aus. Nach Gesprächen mit europäischen Staats- und Regierungschefs und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj lobt sie zudem dessen „durchweg konstruktiven Ansatz“. Sie hoffe, dass auch Russland einen konkreten Beitrag zu einer Einigung leisten werde, heißt es in einer von ihrem Büro veröffentlichten Erklärung.
+++ 04:47 Rubio fährt wohl nicht zu Nato-Treffen in Brüssel +++
Trotz der laufenden Verhandlungen über eine Friedenslösung im Ukraine-Krieg hält die US-Regierung eine Teilnahme von Außenminister Marco Rubio an einem lange geplanten Nato-Treffen nicht für nötig. „Es wäre völlig unrealistisch, ihn bei jedem Treffen zu erwarten“, entgegnet ein Sprecher des Außenministeriums auf die Frage, warum Rubio nicht zu dem Termin in Brüssel anreise. Der Minister habe bereits an Dutzenden Treffen mit Nato-Verbündeten teilgenommen, heißt es aus Washington.
Zuvor hatte der stellvertretende US-Außenminister Christopher Landau mitgeteilt, er werde an den Beratungen in der belgischen Hauptstadt teilnehmen und sei auf dem Weg dorthin. Bei der Zusammenkunft soll es am Mittwoch unter anderem um die weitere Unterstützung der Ukraine gehen.
Rubio hingegen nimmt nach Angaben seines Ministeriums am Dienstag an – nicht näher erläuterten – Treffen im Weißen Haus teil.
+++ 03:18 General: Aufbau der Litauen-Brigade verläuft planmäßig +++
Der Kommandeur der Bundeswehr-Brigade in Litauen sieht die Aufstellung seines Gefechtsverbandes in dem baltischen Nato-Land auf einem guten Weg. „Der Aufbau der Brigade läuft planmäßig – unverändert“, sagt General Christoph Huber in der litauischen Hauptstadt Vilnius. Die Zahl an Bundeswehrangehörigen vor Ort sei inzwischen auf 500 angewachsen und solle 2026 weiter steigen .Die Bundeswehr baut in Litauen die Panzerbrigade 45 auf, die zum verstärkten Schutz der Nato-Ostflanke dienen soll.
+++ 01:40 Macron pocht bei Trump auf Sicherheitsgarantien für die Ukraine +++
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron betont in einem Telefonat mit dem US-Präsidenten Donald Trump die überragende Bedeutung von Sicherheitsgarantien. Das teilt das Präsidialamt in Paris mit. Die Ukraine pocht bei einem möglichen Friedensvertrag mit Russland auf Sicherheiten des Westens, die eine erneute russische Invasion verhindern sollen.
+++ 00:42 Selenskyj fordert Gespräche mit Trump über noch zu klärende „Schlüsselthemen“ +++
Nach neuen Verhandlungen zwischen Unterhändlern der Ukraine und der USA fordert der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Gespräche mit US-Präsident Donald Trump über noch zu klärende „Schlüsselthemen“. Russland dürfe am Ende nicht den Eindruck bekommen, „für den Krieg belohnt zu werden“, sagt Selenskyj bei einem Besuch in Paris. Der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umerow äußerte sich positiv über die Gespräche in Florida, auch die US-Regierung zeigte sich „sehr optimistisch“.
Montag, 1. Dezember 2025
+++ 23:20 Putin: Einnahme von Pokrowsk öffnet Weg für weitere Offensiven +++
Der russische Präsident Wladimir Putin bezeichnet die zumindest vom Kreml verkündete Einnahme der Stadt Pokrowsk als wichtigen Erfolg für die weiteren Offensiven in der Ukraine. Dies sei eine wichtige Entwicklung, wird der Präsident von russischen Nachrichtenagenturen zitiert. Die russischen Streitkräfte hielten das Heft des Handelns und rückten praktisch in alle Richtungen vor. Die Ukraine sei nicht in der Lage, die russischen Vorstöße zurückzuschlagen.
+++ 22:16 „Keine Entscheidung über die Ukraine und Europa ohne Ukrainer und ohne Europäer“ +++
Die westlichen Unterstützer der Ukraine stärken dem von Russland angegriffenen Land vor der Fortsetzung von Beratungen über ein Kriegsende in Moskau den Rücken. Bundeskanzler Friedrich Merz betont die Einigkeit europäischer Partner bei den Ukraine-Verhandlungen. „Vor uns liegen jetzt wichtige Tage und Wochen für die Ukraine, in die wir eng abgestimmt miteinander gehen“, sagt Merz nach einem Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron, dem britischen Premier Keir Starmer und anderen europäischen Partnern. „Wir haben dabei einen klaren Kurs: Keine Entscheidung über die Ukraine und Europa ohne Ukrainer und ohne Europäer. Kein Diktatfrieden über die Köpfe der Ukraine hinweg. Keine Schwächung oder Spaltung der Europäischen Union und der Nato“, sagt Merz. Zu den strategischen Zielen gehöre es, alles in der Macht Stehende zu tun, um Kiew gegenüber dem russischen Aggressor beizustehen.
+++ 21:43 Erdogan sauer wegen ukrainischen Angriffen auf Tanker der Schattenflotte im Schwarzen Meer +++
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnet Angriffe auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer als inakzeptabel. Er warne „alle beteiligten Seiten“, sagt Erdogan vor Reportern. Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine bedrohe die Sicherheit der Schifffahrt im Schwarzen Meer. Der Angriff auf Schiffe in der türkischen Wirtschaftszone am Freitag sei eine besorgniserregende Eskalation. Vertreter der ukrainischen Regierung erklärten am Samstag, Marinedrohnen hätten zwei mit Sanktionen belegte Tanker im Schwarzen Meer getroffen. Die Schiffe seien auf dem Weg zu einem russischen Hafen gewesen, um dort Öl für ausländische Märkte zu laden.
Gehören zur Kreml-Schattenflotte Aufnahmen zeigen Feuer auf russischen Öltankern
+++ 21:06 Kreml-Manöver vor Gespräch mit Witkoff? Russland erklärt Pokrowsk für erobert +++
Das russische Militär soll angeblich die seit etwa einem Jahr umkämpfte ukrainische Bergarbeiterstadt Pokrowsk im Gebiet Donezk vollständig eingenommen haben. Dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sei die Eroberung von Pokrowsk gemeldet worden, sagt Kremlsprecher Dmitri Peskow russischen Journalisten.
Sowohl die ukrainische Truppengruppierung Ost als auch das 7. Korps der Luftlandetruppen und der dem ukrainischen Militär nahestehende Kanal Deepstate haben heute noch von Kämpfen um Pokrowsk gesprochen (siehe Einträge von 20:33 Uhr und 14:54 Uhr).
Die Lage dort soll aber kritisch sein. „Die russischen Streitkräfte kommen weiterhin nur langsam voran und haben es trotz einer mehr als 120-tägigen Besetzung von Stellungen innerhalb der Stadt nicht geschafft, Pokrowsk vollständig einzunehmen“, schrieb das Institut für Kriegsstudien (ISW) gestern Abend in einer Analyse.
Russland hatte vor einigen Wochen behauptet, Pokrowsk umzingelt zu haben, was sich als falsch erwies. Auch der Einnahme der Stadt Kupjansk widersprach die Ukraine heute (Eintrag von 20:03 Uhr). Morgen finden Gespräche zwischen den USA und Russland im Kreml statt. Der US-Sondergesandte Witkoff reist nach Moskau.
+++ 20:33 Lage in Pokrowsk weiter kritisch – Russland schmeißt unaufhörlich Infanteristen ins Gefecht +++
Der dem ukrainischen Militär nahestehende Kanal Deepstate berichtet von einer weiterhin kritischen Lage in der Stadt Pokrowsk und im benachbarten Myrnohrad. „Der Feind verteilt sich weiterhin über Pokrowsk und seine Umgebung und versucht, die physische Kontrolle über das Gebiet zu erlangen.“ Die Verteidigungskräfte der Ukraine würden weiterhin versuchen, einzelne Gebiete zu säubern, aber die Hauptarbeit werde von Drohnenpiloten geleistet, die ununterbrochen versuchen würden, die russischen Angreifer aufzuspüren und zu vernichten. Nach der Säuberung eines Gebietes durch die Ukrainer würden die Russen neue Infanteristen dorthin schicken, heißt es von Deepstate.
+++ 20:03 Selenskyj: Ukrainische Armee hat fast alle russischen Invasoren aus Kupjansk vertrieben +++
Dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zufolge haben die Streitkräfte die wichtige Stadt Kupjansk fast vollständig von russischen Invasoren befreit. Man sei dort erfolgreich. „Obwohl Russland behauptet, Kupjansk eingenommen zu haben, haben wir, um ehrlich zu sein, fast alle aus dieser Stadt vertrieben“, sagt Selenskyj laut der Nachrichtenagentur Unian bei einer Pressekonferenz. Zu den Kämpfen an der Front allgemein teilt er mit: „Natürlich gibt es Fortschritte auf russischer Seite, es gibt mehrere Offensivaktionen und mehrere Operationen. Keine dieser Operationen war erfolgreich. Aber natürlich finden in Pokrowsk und anderen Gebieten schwierige Kämpfe statt.“ Er fügt hinzu, dass man die Lage an der Front objektiv betrachten müsse, denn es gebe zwar viele russische Angreifer, aber die größten Verluste habe es im Oktober und November gegeben. Im Oktober seien 25.500 russische Soldaten getötet worden.
„Schauen Sie auf die Karte!“ Putin redet von Krieg in einer Stadt, die es nicht gibt
+++ 19:31 Spatenstich: Nahe der deutschen Grenze entsteht eine Rüstungsfabrik für die Ukraine +++
Nicht weit von der Grenze zu Schleswig-Holstein entsteht in Dänemark eine erste ukrainische Rüstungsfabrik zur Produktion von Raketentreibstoff. Den ersten Spatenstich zum symbolischen Beginn des Baus in der süddänischen Gemeinde Hadersleben (dänisch: Haderslev) setzen Dänemarks Wirtschaftsminister Morten Bødskov, der lokale Bürgermeister Mads Skau und der Dänemark-Direktor des ukrainischen Waffenproduzenten Fire Point, Wjatscheslaw Bondartschuk. Fire Point will in der Fabrik neben dem dänischen Luftwaffenstützpunkt Skrydstrup unter anderem festen Raketentreibstoff produzieren, der dann bei der ukrainischen Verteidigung gegen Russland zum Einsatz kommen soll. Damit soll unter anderem gewährleistet werden, dass die Produktion nicht durch russische Angriffe auf Anlagen innerhalb der Ukraine lahmgelegt werden kann. Gerechnet wird damit, dass der Werksbetrieb in der dänischen Kleinstadt Vojens im Laufe des kommenden Jahres aufgenommen werden kann.
COMMENT: Was macht man als bedrohter Fast-Nachbarstaat? Gegenseitige Eskalationen werden kaum zum Waffenstillstand, geschweige denn zum Frieden führen. Die berühmte Frage, wer zuerst da war, das Huhn oder das Ei, wurde im Tagesblick hinreichend beantwortet.
Premiere auf Nato-Boden Ukrainer bauen Rüstungsfabrik nahe deutscher Grenze
+++ 19:00 Jilge: Gespräche brandgefährlich – „Putin wird sich gegenüber den USA smart verhalten“ +++
Friedenspläne aus Washington, Drohgebärden aus Moskau und wachsender Druck auf Kiew: Wilfried Jilge blickt mit Skepsis auf die Verhandlungen. Im Interview erklärt der Osteuropa-Experte, warum ein „schneller Frieden“ gefährlich sein kann – und welche rote Linie Europa nicht überschreiten darf:
Jilge: Gespräche brandgefährlich „Putin wird sich gegenüber den USA smart verhalten“
+++ 18:36 Macron: Kampf gegen Korruption funktioniert in der Ukraine – und in Russland nicht +++
Der französische Präsident Emmanuel Macron will eine Möglichkeit finden, eingefrorene russische Vermögenswerte zu nutzen. Es sei nicht die Aufgabe Frankreichs, der Ukraine Lektionen über Korruption zu erteilen, sagt Macron zudem nach einem Treffen mit Präsident Wolodymyr Selenskyj in Paris. Der Kampf gegen die Korruption in der Ukraine funktioniere. In Russland habe er solche Schritte gegen Korruption nicht gesehen, da dort eine echte Diktatur herrsche.
COMMENT: das mag richtig sein, aber noch gilt die Ukraine als hochkorrupt. Russland als Quasi-Diktatur wird sich, wie alle Diktaturen,
+++ 18:17 Selenskyj pocht auf Souveränität: Russland nicht für Krieg belohnen +++
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nennt die Wahrung der Souveränität und starke Sicherheitsgarantien als Prioritäten für Friedensgespräche. Russland dürfe nicht für den von ihm begonnenen Krieg belohnt werden, sagt Selenskyj bei einem Besuch in Paris. Er hoffe zudem auf Gespräche mit US-Präsident Donald Trump, nachdem dessen Sondergesandter Steve Witkoff Russland besucht habe.
„Schändliches Dokument“ Russische Nationalisten erwarten Ablehnung des Ukraine-Plans
+++ 17:54 Ukraine: „Bedeutender Fortschritt“ in Gesprächen mit USA – aber immer noch offene Fragen +++
Nach den Gesprächen zwischen Unterhändlern der Ukraine und der USA über ein mögliches Abkommen zur Beendigung des russischen Angriffskriegs äußert sich der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umerow positiv. „Wir haben bedeutenden Fortschritt erreicht, einige Fragen bedürfen jedoch weiterer Feinabstimmung“, erklärt er in Online-Netzwerken. Umerow, der den nationalen Sicherheitsrat der Ukraine leitet und bis Juli Verteidigungsminister des Landes war, hatte den ersten Teil der Gespräche am Sonntag als „produktiv und erfolgreich“ bezeichnet. In ukrainischen Verhandlungskreisen war zuvor von „nicht einfachen“ Verhandlungen die Rede gewesen. Kompliziert seien insbesondere Formulierungen „in Bezug auf Gebiete“.
+++ 17:18 Reisner: Trump macht Geschäfte, Ukraine geht leer aus +++
Zum ersten Mal gibt es – angestoßen von US-Präsident Trump – von westlicher Seite angeführte Gespräche über ein Kriegsende in der Ukraine unter Beteiligung Russlands. Oberst Reisner erklärt, wie groß das US-Interesse an einem Frieden ist – und was die treibende Kraft hinter den Bemühungen sein könnte:
Oberst äußert bösen Verdacht: Reisner: Trump macht Geschäfte, Ukraine geht leer aus (KURZVIDEO)
COMMENT: siehe dazu den COMMENT im Tagesblick vom 20.11.225, S. 26
+++ 16:36 Neue Gefahr: Russen montieren jetzt Raketen auf Shahed-Drohnen +++
Ukrainischen Angaben zufolge haben die russischen Streitkräfte damit begonnen, Luft-Luft-Raketen auf Shahed-Drohnen zu montieren, die bereits seit Jahren fast täglich auf die Ukraine abgefeuert werden. Der Militärexperte Sergej Beskrestnow schreibt zu der neuen Modifikation mit R-60-Raketen auf seinem Telegram-Kanal: „Diese Kombination ist für die Zerstörung von Hubschraubern und Flugzeugen bestimmt, die Shaheds jagen.“ Aktuell kursieren Bilder, die den Abschuss einer Drohne mit aufmontierter R-60 zeigen sollen:
+++ 16:11 Gespräche über Kriegsende: Kallas befürchtet „gesamten Druck auf die Opfer“ +++
Angesichts der aktuellen Gespräche um ein Ende des russischen Angriffskriegs in der Ukraine hat die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas vor einseitigen Verhandlungen gewarnt. „Ich befürchte, dass der gesamte Druck auf die Opfer ausgeübt wird“ und „dass die Ukraine Zugeständnisse machen und Verpflichtungen eingehen muss“, sagt Kallas nach einem Treffend er EU-Verteidigungsminister. „Wenn wir wollen, dass dieser Krieg aufhört, damit er nicht in ein paar Jahren weitergeht, wenn wir wollen, dass dieser Krieg sich nicht ausweitet, dann sollten wir den gesamten Druck auf denjenigen ausüben, der die Aggression betreibt, nämlich Russland“, verdeutlichte die Außenbeauftragte. Eine Kapitulation der Ukraine sei „der einfachere Weg“, den Krieg zu beenden, sagt Kallas. Das liege aber „weder im Interesse der Ukraine, noch im Interesse der Europäischen Union, noch im Interesse der globalen Sicherheit insgesamt“.
+++ 15:29 Höllischer Stau an der russisch-kasachischen Grenze +++
Ein Kilometer langer Lkw-Stau an der Grenze von Kasachstan zu Russland bringt den Warenverkehr zwischen beiden Ländern monatelang zum Erliegen. Der kasachische Zoll schaut plötzlich ganz genau hin. Lokale Medien berichten von zeitweise bis zu 10.000 Lkw, die an der Grenze nicht mehr weitergekommen sind. Teils sei es zu Chaos und Tumulten gekommen, es habe auch Schlägereien zwischen frustrierten Lkw-Fahrern gegeben. Warum? Das weiß keiner so genau. Manche lokale Medien berichten, Kasachstan versuche mittlerweile, die westlichen Sanktionen gegenüber Russland stärker zu überprüfen. Daher seien die Kontrollen ausgeweitet worden.
„Ich bin skeptisch“, sagt Zentralasien-Experte Hannes Meissner im ntv-Podcast „Wieder was gelernt“. Eine stärkere Abwendung von Russland sei nicht zu erwarten. Kasachstan habe schon immer eine Art „Schaukelpolitik“ betrieben. Das größte Binnenland der Welt will allen gefallen, dem Westen, China und Russland. Mehr zum Thema lesen Sie gleich auf ntv.de.
+++ 14:54 Ukrainische Armee über Kämpfe in Pokrowsk: Russland „hat Plan verfehlt“ +++
Die Truppengruppierung Ost der Ukraine äußert sich in einer Mitteilung zur „schwierigen Lage“ im Raum Pokrowsk. Dort sind die ukrainischen Streitkräte weiter aktiv. „Unsere Soldaten bereiten sich auf die Erfüllung ihrer Aufgaben im Winter vor. Wir befestigen und rüsten unsere Stellungen entsprechend aus. So hat der Feind im vergangenen Monat erneut seinen Plan zur Besetzung des Ballungsraums Pokrowsk verfehlt“, schreibt die Truppengruppierung. „Wir erinnern daran, dass die militärisch-politische Führung bereits im Oktober die sogenannte Einkreisung der Gruppe angekündigt hatte. Stattdessen erleiden die Besatzer weiterhin Verluste, da sie in den Kämpfen in der Stadt feststecken.“ Im November hätten die ukrainischen Soldaten im Raum Pokrowsk 1221 russische Invasoren getötet und weitere 545 verwundet. Die Logistikwege seien anfällig für russischen Beschuss, räumen die Ukrainer ein. „Es gibt vereinzelte Fälle, in denen der Feind in der Nähe von Logistikkorridoren auftaucht. Das ukrainische Militär entdeckt und bekämpft jedoch den Feind, um die Logistik sicherzustellen.“ Es gebe zudem Haupt- als auch Alternativrouten, um Soldaten zu rotieren. „Vor einigen Tagen hat das ukrainische Militär einen Personalwechsel durchgeführt“, heißt es.
Weichert zur Lage in der Ukraine „Russland zahlt in Pokrowsk einen hohen Blutzoll“
+++ 14:32 140 Milliarden Euro für Ukraine: Deutschland trotz Widerstand aus Belgien zuversichtlich +++
Trotz des Widerstands Belgiens setzt die Bundesregierung darauf, dass die EU die eingefrorenen russischen Staatsvermögen für einen Kredit von 140 Milliarden Euro an die Ukraine nutzen kann. Man setze auf die Gespräche der EU-Kommission mit Belgien, das Garantien gegen mögliche Klagen fordert. Auf die Frage nach einem Plan B sagt der Regierungssprecher: „Die Bundesregierung ist vom Plan A so überzeugt, dass sie zunächst daran weiterarbeitet.“
+++ 13:58 „Russland hat bisher keine Anzeichen gegeben, von Maximalforderungen abzurücken“ +++
Die laufenden Verhandlungen mit Russland stehen vor entscheidenden Hürden. Der Hauptknackpunkt sind die Gebietsabtretungen, die auch bislang unbesetzte Regionen betreffen. Laut ntv-Reporter Jürgen Weichert sind Menschen und Politik in der Ukraine kompromissbereit, doch Trumps Absichten bereiten ihnen Sorgen.
Weichert zu Ukraine-Verhandlungen „Chancen eines Abkommens sind groß“ – mit einem Haken
+++ 13:34 Russland: Nato-Äußerungen zu Präventivschlag verantwortungslos +++
Russland kritisiert Äußerungen des ranghöchsten Nato-Militärs über einen möglichen „Präventivschlag“ als verantwortungslos und Versuch einer Eskalation. Dies sei „ein extrem unverantwortlicher Schritt, der die Bereitschaft des Bündnisses zu einer weiteren Eskalation zeige“, sagt die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa. „Wir sehen darin einen bewussten Versuch, die Bemühungen zur Überwindung der Ukraine-Krise zu untergraben.“ Diejenigen, die solche Äußerungen machten, sollten sich der Risiken und möglicher Konsequenzen bewusst sein, auch für die Mitglieder des Bündnisses selbst. Admiral Giuseppe Cavo Dragone hatte der „Financial Times“ gesagt, die Nato prüfe eine Verschärfung ihrer Reaktion auf die hybride Kriegsführung Moskaus. In diesem Zusammenhang könne ein „Präventivschlag“ als „Verteidigungsmaßnahme“ betrachtet werden.
+++ 13:08 Russische Nationalisten erwarten Ablehnung des Ukraine-Plans +++
In der russischen Öffentlichkeit geht man offenbar davon aus, dass Moskau einen Waffenstillstand oder jede Variante des von den USA vorgeschlagenen Friedensplans wahrscheinlich ablehnen wird. Der Kreml würde demnach diese Bemühungen als belanglos und als Hindernis für die russischen Ziele betrachten, schreibt das Institute for the Study of War. Ein prominenter russischer Milblogger argumentiert so, Kremlchef Wladimir Putin habe „deutlich“ zum Ausdruck gebracht, dass er bereit sei, die Kriegsziele Russlands mit militärischen Mitteln zu erreichen. Daher seien alle Friedensverhandlungen „nicht praktikabel“. Der inhaftierte Ultranationalist Igor Girkin kommt ebenfalls zum Schluss, dass der Kreml keine Vereinbarungen auf der Grundlage des 28-Punkte-Friedensvorschlags unterzeichnen wird und spricht von einem „schändlichen Dokument“. Der Kreml betrachte diesen Friedensvorschlag als schädlich für seine Ziele in der Ukraine und weltweit. Der Krieg in der Ukraine werde weitergehen. Laut Girkin ist das Abkommen inakzeptabel, da es einen Verlust der russischen Souveränität bedeuten würde. Der Kolumnist der russischen Nachrichtenagentur Rossija Segodnija erklärt, dass Russland den Friedensvorschlag der USA weder ernst nehme noch davon ausgehe, dass der Plan in irgendeiner Form funktionieren werde. Letztlich sei Moskau darauf aus, einen Vertrag abzuschließen, der Russland einen Sieg auf dem Schlachtfeld verschaffe.
Weitreichende Forderungen ISW: Kreml stimmt Russen offenbar auf „vollständigen Sieg“ ein
+++ 12:40 „Russland versteckt Gelder in vielen Schattenhaushalten“ +++
Neue Zahlen zeigen, wie stark Europa bei seiner Aufrüstung zulegt. Wie hoch die Ausgaben in Russland sind, ist unklar und schwer vergleichbar, sagt Sicherheitsexperte Joachim Weber. Das könnte ein Problem für den Westen darstellen. Derweil stünden die Verhandlungen um ein Kriegsende vor Schwierigkeiten.
Experte Weber zu Waffenimporten „Russland versteckt Gelder in vielen Schattenhaushalten“
+++ 12:16 Niederlande stellen Ukraine 250 Millionen Euro für Waffenkauf zur Verfügung +++
Niederlande stellen weitere 250 Millionen Euro für den Kauf von Waffen für die Ukraine zur Verfügung. Dies solle im Rahmen der Nato-Initiative erfolgen, sagt Verteidigungsminister Ruben Brekelmans. „Wir erleben täglich schwere Luftangriffe in der Ukraine. Die einzige Möglichkeit, ihnen kurzfristig zu helfen, besteht darin, Hilfsgüter aus amerikanischen Beständen zu liefern. Deshalb kündige ich jetzt an, dass die Niederlande weitere 250 Millionen Euro beisteuern werden“, sagt Brekelmans vor einem Treffen mit seinen EU-Kollegen in Brüssel.
+++ 11:58 Tote bei russischem Raketenangriff auf Dnipro +++
Bei einem russischen Raketenangriff auf die ukrainische Stadt Dnipro sind nach Behördenangaben mindestens vier Menschen getötet und weitere 22 verletzt worden. Der Rettungseinsatz laufe, teilt der kommissarische Gouverneur der Region Dnipropetrowsk, Wladyslaw Gaiwanenko, auf Telegram mit. Eine Tankstelle und ein Unternehmen seien beschädigt worden.
+++ 11:28 „Deutschland ist in einem Aufwach-Stadium +++
Europa rüstet auf, das zeigt der Sipri-Bericht. Doch die Trendwende kommt spät und der Westen läuft noch der veränderten Sicherheitslage hinterher, sagt Militärexperte Ralph Thiele. Was die Zeitenwende bewirkt und warum kleine Lösungen nicht mehr funktionieren.
Gefährliche Abhängigkeiten Thiele: „Deutschland ist in einem Aufwach-Stadium“
+++ 10:59 BBC nennt Mindestzahl getöteter russischer Soldaten +++
Seit der Vollinvasion der Ukraine sind mehr als 150.000 getötete russische Soldaten namentlich bekannt. Die BBC und das Portal Mediazona stützen sich dabei auf öffentlich bekannt gewordene Todesfälle etwa durch Traueranzeigen – die tatsächlichen Opferzahlen in der russischen Armee dürften deutlich höher liegen. Laut dem Bericht stammen 67 Prozent der ermittelten Toten aus ländlichen Gebieten und Kleinstädten mit weniger als 100.000 Einwohnern, obwohl laut Statistik weniger als die Hälfte dort lebt. In Moskau war demnach die Verlustrate die niedrigste in ganz Russland: nur 5 von 10.000 Männern. In wirtschaftlich weniger wohlhabenden Regionen – beispielsweise in Burjatien und Tuwa – sind diese Zahlen 27- bzw. 33-mal höher. Der Hauptgrund für diesen Unterschied ist laut dem Demografen Alexei Raksha das unterschiedliche Niveau der wirtschaftlichen Entwicklung, der Löhne und der Bildung. „Der Militärdienst zieht vor allem Menschen aus Regionen an, in denen es Probleme bei der Arbeitssuche gibt, insbesondere bei der Suche nach hochbezahlten Jobs. Dies führt dazu, dass der Anteil der Angehörigen armer Regionen und ethnischer Minderheiten in der Armee und unter den Gefallenen oft höher ist als ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung“, heißt es in dem Bericht.
+++ 10:28 „Putin hat nochmal eine Schippe draufgelegt“ +++
Nach weiteren Ukraine-Verhandlungen in Florida reist der US-Sondergesandte Witkoff nach Moskau weiter. Dabei „scheint er nichts im Gepäck zu haben, dem Putin zustimmen kann“, so ntv-Korrespondent Rainer Munz. Der Kreml-Chef lasse sich seine Forderungen nicht abkaufen. „Hier in Moskau wird man nicht zustimmen, den Krieg an der Frontlinie jetzt einzufrieren“, so Munz.
Munz zu Treffen mit Witkoff „Putin hat nochmal eine Schippe draufgelegt“
+++ 09:56 Kallas: „Könnte eine entscheidende Woche für die Diplomatie sein“ +++
Angesichts der jüngsten diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs hebt die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas die Bedeutung der nächsten Tage hervor. „Es könnte eine entscheidende Woche für die Diplomatie sein“, sagt Kallas vor einem Treffen der EU-Verteidigungsminister in Brüssel. „Wir haben gestern gehört, dass die Gespräche in Amerika schwierig, aber produktiv waren“, fügt sie hinzu.
+++ 09:28 Kleim: Ukraine muss zu Gebietsabtretungen bereit sein +++
Die Gespräche zwischen den USA und der Ukraine bleiben ergebnislos. Themen waren Gebietsabtretungen und mögliche Wahlen – ein „wichtiger Punkt von Trump und Putin“, da beide Wolodymyr Selenskyj loswerden wollen, berichtet ntv-Reporter Peter Kleim. Nun reist Donald Trumps Sondergesandter nach Moskau, um direkt mit Kremlchef Wladimir Putin zu verhandeln.
Gespräche geraten ins Stocken Kleim: Ukraine muss zu Gebietsabtretungen bereit sein
+++ 09:08 CDU-Außenpolitiker Hardt hält ukrainischen Gebietsverlust für denkbar +++
Der außenpolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Jürgen Hardt, hält es für möglich, dass die Ukraine Gebiet an Russland abtreten wird, um zu einem Waffenstillstand zu kommen. „Wenn es einen umfassenden Frieden geben würde, und das der entscheidende Punkt wäre, könnte ich mir vorstellen, dass man auch seitens der Ukraine darauf eingeht“, so der CDU-Politiker im Frühstart von ntv. Derzeit sei man aber weit davon entfernt, dass die Ukraine Zugeständnisse machen müsse. „Solange Putin diesen Kampf fortsetzt, wird es auch keine Verhandlungen über irgendeine Art von Gebietsregulierungen zwischen der Ukraine und Russland geben.“ Die amerikanisch-ukrainischen Gespräche in Florida hätten offensichtlich Zuversicht bei beiden Gesprächspartnern gebracht, sagt Hardt. „Ob das am Ende etwas ist, was Putin in Moskau für zustimmungsfähig hält, ist ja noch eine andere Frage.“ Hardt betont, letztendlich müsse die Ukraine entscheiden, ob sie einen Friedensschluss annehme. „Für den Fall, dass die Ukraine sagt, wir können auf einen Deal zwischen Trump und Putin nicht eingehen, muss die Ukraine wissen, dass die Europäer sie weiter massiv unterstützen.“
Rote Linien, mögliche Ergebnisse Bringen die Ukraine-Gespräche das Kriegsende?
+++ 08:41 Russland soll Zahlungen an Militärangehörige und deren Verwandte kürzen +++
Familienangehörige von Opfern der russischen Invasion in der Ukraine haben zunehmend Schwierigkeiten, Entschädigungszahlungen für den Tod eines Soldaten zu erhalten. Dies berichtet Radio Svoboda. Darüber hinaus verzögerten regionale Behörden Zahlungen für Verletzungen und kürzen Einmalzahlungen für Verträge mit dem russischen Verteidigungsministerium massiv. Laut dem Bericht gaben die Behörden von Jakutien in der vergangenen Woche bekannt, dass sie gezwungen seien, die Höhe der Einmalzahlungen an diejenigen zu reduzieren, die Verträge mit dem russischen Verteidigungsministerium unterzeichnet haben. Wenig später stellt sich demnachheraus, dass mindestens die Hälfte der russischen Regionen ähnliche Schritte unternommen haben. Die lokalen Regierungen versuchten jedoch, diesen Rückgang zu verschleiern.
+++ 08:10 Selenskyj verkündet weitere „Sanktionen gegen russische Mörder“ +++
Die Ukraine verhängt neue Sanktionen gegen Rosneft, Lukoil und russische Personen, die an der systematischen Vernichtung von Ukrainern mit Drohnen beteiligt sind. Dies gibt Präsident Wolodymyr Selenskyj auf Telegram bekannt: „Wir setzen unsere Sanktionsarbeit fort – heute gibt es zwei neue Beschlüsse. Die Ukraine hat ihre Sanktionen mit den USA abgestimmt und Beschränkungen gegen Rosneft, seine Unternehmen sowie Unternehmen der Lukoil-Gruppe eingeführt“, sagt Selenskyj. „Derzeit entziehen die Sanktionen gegen diese Unternehmen der russischen Kriegsmaschinerie bereits spürbar Geld, und das muss fortgesetzt werden. Außerdem führt die Ukraine Sanktionen gegen russische Mörder ein, die die systematische Vernichtung von Ukrainern mit Drohnen organisieren. Wir werden diese Sanktionen gemeinsam mit unseren Partnern durchführen, damit die Welt genau so viel Druck auf den Aggressor ausübt, wie nötig ist, um die Kriegsführungsfähigkeit Russlands zu schwächen, und damit die russischen Mörder wirklich spüren, dass Druck ausgeübt wird.“
+++ 07:39 HUR: Tschetschenische Kämpfer beim Verkauf von gestohlenem Treibstoff getroffen +++
Einem Video des ukrainischen Geheimdienst HUR zufolge soll dieser bei einer Operation im russisch besetzten Teil der Region Saporischschja den Verkauf von gestohlenem Diesel durch tschetschenische Kämpfer verhindert haben. Wie der HUR auf Telegram berichtet, hat er dabei mit Partisanen in dem besetzten Gebiet gearbeitet. Diese verminten den Ort, an dem der Treibstoff verkauft werden sollte. Dabei soll es zu zwei Explosionen gekommen sein, die Zahl der Opfer wird derzeit ermittelt, teilte der ukrainische Geheimdienst mit. Die Operation fand nach Angaben des HUR bereits am 29. November statt.
+++ 07:04 Ukrainischer Militäranalyst: Brauchen nach dem Krieg nicht eine Million Soldaten +++
Es ist eine erstaunliche Logik: Anstatt nach dem russischen Überfall die Armee des Aggressors zu regulieren, sieht der ursprüngliche US-Plan zur Ukraine vor, dass diese ihre Truppenstärke reduziert. Dabei dürfte allerdings die Größe der ukrainischen Armee nach dem Krieg allein aus wirtschaftlichen Zwängen realistischerweise deutlich unter der festgelegten Obergrenze liegen, wie Experten gegenüber dem „Kyiv Independent“ sagen. Der ukrainische Militäranalyst und pensionierte Major Oleksii Hetman ist der Ansicht, dass 300.000 Soldaten ausreichen würden, allerdings nur, wenn die Truppen professionell ausgebildet und regelmäßig trainiert würden, um auf einen plötzlichen Lagewandel vorbereitet zu sein. „Wir werden nach dem Krieg nicht fast eine Million Soldaten in den Streitkräften benötigen, wie wir sie heute haben, da wir nicht einmal genügend Übungsplätze besitzen, auf denen diese Leute trainieren und die Kampfkoordination durchführen könnten.“
+++ 06:37 Macron will mit Selenskyj über Bedingungen für einen „dauerhaften Frieden“ beraten +++
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron empfängt heute den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Paris. Nach französischen Angaben wollen die beiden Staatschefs unter anderem über „die Bedingungen für einen gerechten und dauerhaften Frieden“ in der Ukraine beraten. Weitere Themen sind die Gespräche in Genf, der von den USA vorgelegte Plan für ein Ende des Krieges mit Russland und die „enge Abstimmung“ mit den europäischen Verbündeten der Ukraine.
+++ 06:09 Insider: Gunvor plant nach gescheitertem Lukoil-Geschäft Investitionen in USA +++
Der Rohstoffhändler Gunvor hat nach einem gescheiterten Russland-Geschäft Insidern zufolge offenbar eine Ausweitung seiner Energieinvestitionen in den USA im Visier. Gunvor habe dazu bereits Gespräche geführt, sagen zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Das Schweizer Unternehmen lehnt eine Stellungnahme zu den Einzelheiten bezüglich der Investitionen ab, teilt jedoch mit: „Der US-Markt bleibt ein zentraler Wachstumsbereich, und wir freuen uns auf bedeutende künftige Investitionen entlang der gesamten Energiewertschöpfungskette.“ Zuvor war Gunvor Anfang November mit dem Versuch gescheitert, Auslandsbeteiligungen des sanktionierten russischen Konzerns Lukoil zu erwerben. Das US-Finanzministerium hatte sich dem Vorhaben widersetzt und Gunvor als „Marionette des Kremls“ bezeichnet.
+++ 05:37 Chinesischer Außenminister zu Sicherheitsgesprächen in Russland +++
Chinas Außenminister Wang Yi reist heute zu Sicherheitsgesprächen nach Russland. Mit seinem zweitägigen Besuch folgt Wang nach Angaben aus Peking einer Einladung des Sekretärs des russischen Sicherheitsrats, Sergej Schoigu, sich über „internationale und regionale Fragen von gemeinsamem Interesse auszutauschen“. Zudem soll die Kommunikation und Koordination beider Länder bei „strategischen Sicherheitsinteressen“ besprochen werden.
+++ 04:44 Wadephul zu russischen Vermögenswerten: Finanzielles Risiko gemeinsam tragen +++
COMMENT: Finanzielles Risiko sollen Unternehmen samt Bevölkerung tragen – das ist die Botschaft.
In der Diskussion um die Nutzung von eingefrorenem russischem Vermögen für die Ukraine spricht sich Bundesaußenminister Johann Wadephul dafür aus, das finanzielle Risiko in der EU gemeinsam zu tragen. Um die russischen Vermögenswerte nutzen zu können, sei es wichtig, die „belgischen Interessen“ zu wahren, sagt Wadephul am Abend in der ARD. Die Belgier bräuchten „Absicherungen“, das müsse „gemeinsam getragen werden in der europäischen Familie.“ Wadephul kündigt weitere Gespräche dazu in der kommenden Woche an, unter anderem auch am Rande des Nato-Außenministertreffens am Mittwoch.
+++ 03:48 EU-Verteidigungsminister beraten über neue Militärhilfen für Kiew +++
In Brüssel treffen sich im Laufe des Tages die Verteidigungsminister der EU, um über weitere Militärhilfen für die Ukraine zu beraten. Dabei soll es sowohl um künftige Finanzierungsmöglichkeiten als auch um konkrete Bedarfe etwa bei Artilleriemunition oder Drohnen gehen. Der ukrainische Verteidigungsminister Denys Schmyhal wird ebenfalls an dem Treffen teilnehmen. Ein weiteres Thema ist das Vorgehen gegen die sogenannte russische Schattenflotte, mit der Russland das im Zuge des Ukraine-Krieges verhängte Öl-Embargo umgeht und mutmaßlich auch Unterseekabel in Nord- und Ostsee beschädigt.
+++ 02:51 Trump: „Gute Chance“ auf Abkommen +++
Nach den jüngsten Gesprächen zwischen ukrainischen und US-Unterhändlern im US-Bundesstaat Florida stehen die Chancen auf ein Abkommen im Ukraine-Krieg nach der Auffassung von US-Präsident Donald Trump gut. „Ich denke, es gibt eine gute Chance, dass wir einen Deal machen können“, sagt Trump an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One vor Journalisten. Zugleich kritisiert Trump den derzeit die Ukraine erschütternden Korruptionsskandal um den zurückgetretenen Präsidialamtschef Andrij Jermak. „Die Ukraine hat ein paar schwierige, kleine Probleme“, sagt der US-Präsident. „Es herrscht Korruption, was nicht gerade hilfreich ist.“
Witkoff bald wieder im Kreml Trump: Gute Chance für „Deal“ bei Ukraine-Gesprächen
+++ 01:48 US-Regierungskreise: Witkoff reist heute nach Moskau +++
Der US-Sondergesandte Steve Witkoff wird nach Angaben aus US-Regierungskreisen am heutigen Montag nach Moskau reisen, um die Verhandlungen über einen von den USA vorgelegten Plan zur Beendigung des Ukraine-Krieges fortzusetzen. Ein hochrangiger Regierungsvertreter sagt, am Dienstag werde der Gesandte von US-Präsident Donald Trump in Moskau dann Kreml-Chef Wladimir Putin treffen.
+++ 00:32 Deutsche Rüstungskonzerne profitieren besonders stark von Aufrüstung +++
Vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges haben europäische und insbesondere deutsche Rüstungskonzerne im vergangenen Jahr besonders stark von der internationalen Aufrüstung profitiert. Laut dem Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri zu den 100 größten Rüstungsfirmen der Welt wuchsen die Einnahmen der 26 größten europäischen Unternehmen mit Ausnahme Russlands um durchschnittlich 13 Prozent auf insgesamt rund 130 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr. Überdurchschnittlich stark legten demnach die Umsätze der deutschen Rüstungskonzerne zu: Rheinmetall, Diehl, ThyssenKrupp Marine Systems und Hensoldt steigerten ihre Einnahmen aus Waffengeschäften um 36 Prozent auf 12,9 Milliarden Euro. Als Grund wird die stärkere Nachfrage nach Luftabwehr-Systemen, Munition und gepanzerten Fahrzeugen wegen der russischen Bedrohung angegeben.
Montag, 1. Dezember 2025
+++ 23:04 Flughafen in Vilnius erneut lahmgelegt +++
Wegen Ballons hat der litauische Flughafen Vilnius den Flugverkehr an diesem Sonntag erneut zeitweise eingestellt. Das teilt der Betreiber des Airports mit. Der Flughafen wurde seit Oktober mindestens zehnmal wegen Gefährdung des Luftraums geschlossen. Litauen wirft Belarus vor, zuzulassen, dass Schmuggler Wetterballons für den Transport von Zigaretten nutzen. Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko führe damit eine Art des „hybriden Angriffs“ gegen Litauen. Litauen hatte deswegen beide Grenzübergänge zu Belarus geschlossen, öffnete sie jedoch letzte Woche wieder. Lukaschenko bezeichnet die Grenzschließung als „verrückte Masche“ und beschuldigt den Westen, einen hybriden Krieg gegen sein Land und Russland zu führen.
+++ 22:04 Sieben Zivilisten in Cherson verletzt +++
Sieben Bewohner der Region Cherson seien im Laufe des Tages durch russische Angriffe mit Drohnen und Artillerie verletzt worden, schreibt die Staatsanwaltschaft in Cherson. Durch den Beschuss seien auch Wohnhäuser und Fahrzeuge beschädigt worden.
+++ 21:30 Ukraine-Verhandlungen beendet +++
Die Ukraine-Verhandlungen in Florida sind beendet. US-Außenminister Marco Rubio und der ukrainische Verhandlungsführer Rustem Umerow sprechen vor Reportern von produktiven Verhandlungen. Umerow nennt die Gespräche zudem erfolgreich. Die Unterhändler hätten jedoch keine Fragen beantwortet und kaum Details preisgegeben, berichtet die „New York Times“.
Besonders „in Bezug auf Gebiete“ Ukraine-Verhandler berichten von zähen Friedensgesprächen
+++ 21:13 Rubio sieht weiteren Verhandlungsbedarf +++
US-Außenminister Marco Rubio zieht eine positive Zwischenbilanz der Gespräche mit ukrainischen Unterhändlern in Florida. Diese seien „sehr produktiv“ gewesen. Es bleibe jedoch noch Arbeit, um den Krieg Russlands in der Ukraine zu beenden, sagt er vor Journalisten. Es gebe viele Unwägbarkeiten. Zudem müsse Russland einbezogen werden. Die Gespräche würden im Laufe der Woche fortgesetzt, wenn der US-Unterhändler Steve Witkoff nach Moskau reise. Man sei bereits mit der russischen Seite in Kontakt und habe ein „ziemlich gutes Verständnis“ von deren Ansichten.
+++ 20:54 Kreise: US-Unterhändler sehen sich „ausschließlich als Vermittler“ +++
Die Friedensgespräche von ukrainischen und US-Vertretern sind nach Angaben aus dem Umfeld des Kiewer Verhandlungsteams kompliziert. „Der Prozess ist nicht einfach, da die Suche nach Formulierungen und Lösungen weitergeht“, heißt es. Alle Teilnehmer seien aber „an einem praktischen Ergebnis interessiert“, damit es „einen Gegenstand für weitere Verhandlungen zwischen den USA und Russland gibt“. Ein weiterer mit dem Verhandlungsverlauf vertrauter Vertreter sagt, die US-Unterhändler wollten „unbedingt, dass die letzten Punkte vereinbart werden, damit sie nach Moskau reisen können“. Kompliziert seien einzelne Formulierungen, „insbesondere in Bezug auf Gebiete“. Die US-Unterhändler sähen sich „ausschließlich als Vermittler und nicht als Partei, die die Ukraine unterstützt“, heißt es weiter. Die US-Vertreter übten einen gewissen Druck auf, alle versuchten aber „konstruktiv zu sein und eine Lösung zu finden“.
+++ 20:20 Bericht: Witkoff und Kushner reisen Montag nach Moskau +++
Noch verhandeln der US-Sondergesandte Steve Witkoff und der Schwiegersohn von Präsident Donald Trump, Jared Kushner, in Florida mit dem Team der Ukraine, aber bereits Stunden später soll es nach Moskau gehen. Geplant sei, dass sie am Montag für weitere Verhandlungen nach Russland reisen, sagt ein hochrangiger US-Offizieller dem „Wall Street Journal“. Der Kreml hat den genauen Termin für das Treffen von Präsident Wladimir Putin und Witkoff noch nicht bekanntgegeben. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagt bisher nur, Putin werde Whitkoff in der ersten Hälfte der Woche treffen, wie die russische Nachrichtenagentur Tass meldet. Am Donnerstag beginnt Putins Indien-Besuch.
+++ 20:06 Wadephul sieht Ukraine vor entscheidender Woche +++
„Wir gehen jetzt in eine entscheidende Woche“, sagt Bundesaußenminister Johann Wadephul angesichts der laufendenden Friedensbemühungen zum Ukraine-Krieg. „Ich bin vorsichtig optimistisch, dass jetzt wirklich die Chance besteht, dass es einen Waffenstillstand gibt und dass es Verhandlungen auf Augenhöhe geben kann“, sagt in der ARD mit Blick auf die Gespräche zwischen der US-Regierung und der Ukraine sowie amerikanisch-russischen Gesprächen in den kommenden Tagen. Bisher zeige Kremlchef Wladimir Putin aber keine Bereitschaft, an den Verhandlungstisch zu kommen. „Der schießt und der bombardiert weiter.“
+++ 19:32 Selenskyj telefoniert mit Rutte und von der Leyen: „Dies sind wichtige Tage“ +++
Während in den USA über einen möglichen Friedensdeal verhandelt wird, hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj jeweils mit Nato-Chef Mark Rutte und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen telefoniert. „Dies sind wichtige Tage, und vieles kann sich ändern“, schreibt Selenskyj in sozialen Medien. Die Ukraine und ihre Partner führten enge Koordinierungen durch, „und es sind unsere gemeinsamen Maßnahmen und geteilten Positionen, die sich als effektive erweisen werden“.
+++ 19:10 Militärblog: Dorf in Dnipropetrowsk befreit, doch Russen rücken in Donezk vor +++
Laut dem ukrainischen Militärblog Deep State haben ukrainische Truppen in der Region Dnipropetrowsk das Dorf Ivanivka befreit. Die russischen Truppen hingegen rückten in der Nähe von Myrnograd in der Region Donezk vor.
+++ 18:35 Kiew-Delegation lobt warme Atmosphäre +++
Die Gespräche zwischen den USA und der Ukraine über ein Ende des Krieges mit Russland sind nach Angaben aus Kiew gut angelaufen. Es sei ein guter Start in einer warmen Atmosphäre, schreibt der erste stellvertretende Außenminister der Ukraine, Serhij Kyslyzja, auf X. Die Gespräche seien bislang konstruktiv. Kyslyzja lobt zudem die „großartige Führung“ von US-Außenminister Marco Rubio.
+++ 18:20 Russische Drohnen sollen Streumunition nahe Kiew abgeworfen haben +++
Bei einem Drohnenangriff auf die Stadt Wyschhorod nahe Kiew soll das russische Militär Streumunition eingesetzt haben. Drei Drohnen hätten gestern Streumunition über der Stadt abgeworfen und danach Häuser angegriffen, erklärt Sergej „Flash“ Beskrestnov, Experte für elektronische Kriegsführung und Kommunikation, wie die ukrainischen Streitkräfte in sozialen Medien mitteilen. Nach Angaben des Gouverneurs der Region Kiew, Mykola Kalaschnyk, wurde bei dem Angriff auf Wyschhorod ein 47-jähriger Mann getötet. 19 Weitere Menschen seien verletzt worden, darunter vier Kinder.
+++ 17:37 Bericht: Indien will Putin Waffengeschäfte vorschlagen +++
Indien plant, während des Besuchs von Präsident Wladimir Putin in der kommenden Woche Gespräche über den Kauf russischer Kampfflugzeuge und eines Raketenabwehrschildes aufzunehmen, berichtet Bloomberg News unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Demnach geht es dabei um den Kauf von Su-57-Kampfflugzeugen und einer weiterentwickelten Version des Raketenabwehrschilds S-500.
+++ 17:00 Umjerow: „Wir haben klare Richtlinien“ +++
Die Ukraine strebt laut ihrem Chefunterhändler Rustem Umjerow einen echten Frieden an. Sein Land wolle sich zudem verlässliche und langfristige Sicherheitsgarantien sichern, schreibt der Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrats zu Beginn der Gespräche in Florida auf der Plattform X. „Wir haben klare Richtlinien und Prioritäten: die Wahrung ukrainischer Interessen, die Sicherstellung eines substanziellen Dialogs und das Vorankommen auf der Grundlage der in Genf erzielten Fortschritte.“
+++ 16:46 Gespräche in Florida gestartet – Rubio erwartet Fortschritte +++
In Hallandale Beach im US-Bundesstaat Florida laufen die Gespräche zwischen Vertretern der Ukraine und der USA. Nach offiziell unbestätigten Berichten von US-Medien wurde der Golfklub Shell Bay als Tagungsort gewählt. Beteiligt sind US-Außenminister Marco Rubio, der Sondergesandte Steve Witkoff, sowie Jared Kushner, Schwiegersohn und Berater von US-Präsident Donald Trump. Die ukranische Delegation wird vom Chef des Sicherheitsrats, Rustem Umerow, geleitet, der bis Juli Verteidigungsminister war. Rubio erklärt in Florida, er rechne mit Fortschritten bei den Gesprächen mit der Ukraine hin zu einem möglichen Ende des Krieges. „Es geht nicht nur um Friedensabkommen. Es geht darum, einen Weg zu ebnen, der für die Ukraine Souveränität, Unabhängigkeit und Wohlstand bedeutet und deshalb erwarten wir, heute weitere Fortschritte zu erzielen.“
+++ 16:28 Kiew dankt Warschau für Absage an Orban +++
Der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha bedankt sich bei Polens Präsident Karol Nawrocki dafür, dass dieser ein Treffen mit dem ungarischen Premier Victor Orban abgesagt hat. „Das ist in der Tat eine gute Entscheidung“, schreibt Sybiha in sozialen Medien. „Dies zeigt Polens prinzipienfeste Haltung und seinen starken Solidaritätssinn und bekräftigt sein Engagement für die europäische Einheit und Sicherheit in einem entscheidenden Moment.“ Warschau begründete die Absage damit, dass Orban sich am Freitag im Moskau mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin getroffen hatte. Ein Thema dabei waren russische Energielieferungen an Ungarn.
Land soll „Pufferstaat“ werden „Orbáns Vorschlag sorgt für Wut in der Ukraine“
+++ 15:53 Drohnenwrack mit Sprengkörper im Wald gefunden +++
Gefährlicher Munitionsfund in einem Waldstück in Kiew: Die Polizei erklärt, es seien die Trümmer einer Drohne mit einem Sprengkörper gefunden worden. Der Sprengkörper solle vor Ort durch Experten gesprengt werden. Die Explosion werde für die Bevölkerung keine Gefahr darstellen. Die Polizei warnt davor, sich Gegenständen wie auf dem Foto zu nähern, da sie jederzeit detonieren könnten.
+++ 15:09 Nawrocki cancelt Treffen mit Orban +++
Der polnische Präsident Karol Nawrocki cancelt ein für kommende Woche geplantes Treffen mit Ungarns Premierminister Viktor Orban wegen dessen kürzlicher Moskau-Reise. Nawrocki werde das Programm seines Besuchs in Ungarn auf den Gipfel der Präsidenten der Visegrád-Gruppe in Esztergom beschränken, erklärt Marcin Przydacz, Leiter des Büros für internationale Politik im Präsidialamt, in sozialen Medien. Die Präsidenten der zur Visegrád-Gruppe gehörenden Staaten Polen, Ungarn, Tschechien und Slowakei würden über Sicherheit und Zusammenarbeit in der mitteleuropäischen Region sprechen. Laut Medienberichten sollte auf den Gipfel am Mittwoch ein Gespräch mit Orban am Donnerstag in Budapest folgen. Zur Begründung für die Änderung wird Orbans Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin in Moskau am vergangenen Freitag genannt, bei dem es auch um russische Öl- und Gaslieferungen an Ungarn ging. Zudem verweist Warschau darauf, dass Europas Sicherheit auch von Solidarität im Energiebereich abhänge.
Wahres Anliegen kein Geheimnis Orban lässt sich in Moskau von Putin loben
+++ 14:31 Frühere Botschafterin soll Selenskyj bei Wiederaufbau beraten +++
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die frühere Botschafterin in den USA, Oksana Markarowa, zu seiner Beraterin für den Wiederaufbau ernannt. „Ab heute wird Oksana Markarowa unseren Staat als meine Beraterin für Wiederaufbau und Investitionen unterstützen“, schreibt Selenskyj auf X. Über das grundlegende Ziel der Verteidigung der Unabhängigkeit und die Sicherung des Überlebens hinaus habe die Ukraine das langfristige Ziel, das Land nach einem Ende des Krieges wiederaufzubauen und sich wirtschaftlich wieder normal zu entwickeln.
+++ 13:54 Russland: Angriffe auf Ölterminal sind Terror +++
Bei ukrainischen Angriffen auf Öltanker und die Infrastruktur des internationalen Kaspischen Pipeline-Konsortiums (CPC) im Schwarzen Meer handelt es sich Russland zufolge um Terror. Sie bedrohten die freie Schifffahrt in der Region, teilt das russische Außenministerium mit. Bei den angegriffenen Anlagen handele es sich um zivile Energieinfrastrukturen, die eine wichtige Rolle bei der Gewährleistung der globalen Energiesicherheit spielten und noch nie internationalen Beschränkungen oder Einschränkungen unterlegen hätten.
Angriffe im Schwarzen Meer Ukrainischer Geheimdienst bekennt sich zu Attacken auf Öltanker
+++ 13:17 Ukrainischer Generalstab meldet 76 Pokrowsk-Offensiven an einem Tag +++
Der ukrainische Generalstab meldet neue russische Verluste an der Front: Binnen eines Tages sind demnach 1160 russische Soldaten getötet oder verwundet worden. Insgesamt beziffert Kiew die russischen Personalverluste seit Beginn des Angriffskriegs damit auf 1.172.860. Auch die Region Pokrowsk findet Erwähnung: Dort habe es binnen eines Tages 76 versuchte Angriffe der russischen Armee gegeben.
+++ 12:11 „In halber Ukraine gab es in der Nacht Fliegeralarm“ +++
Russische Streitkräfte greifen aktuell gezielt ukrainische Infrastruktur und zivile Gebäude an – wie auch in den vorherigen Kriegswintern. Wie ntv-Reporter Jürgen Weichert vor Ort in Kiew erfährt, wächst im Land die Sorge vor Gebietsabtretungen.
Hoffnung auf Friedensgespräche „In der halben Ukraine gab es in der Nacht Fliegeralarm“
+++ 11:31 Ukraine und Norwegen wollen ab 2026 gemeinsam Drohnen produzieren +++
Die Ukraine und Norwegen haben eine Vereinbarung zur gemeinsamen Produktion von Drohnen getroffen. Eine erste Pilotfertigung soll 2026 starten, wie der ukrainische Verteidigungsminister Denys Schmyhal nach der Unterzeichnung mit seinem norwegischen Amtskollegen Tore O. Sandvik erklärt. Die Zusammenarbeit vertieft die sicherheitspolitischen Beziehungen beider Länder und unterstützt den Ausbau der ukrainischen Verteidigungsindustrie – ein wichtiges Ziel, angesichts des russischen Angriffskriegs und sinkender US-Militärhilfe. Parallel verhandelt Kiew mit Großbritannien über die Produktion tausender Abfang- und Langstreckendrohnen.
+++ 10:36 Treffen in Florida: Experte warnt vor „Worst-Case-Szenario“ +++
Vor dem Treffen der US-Delegation und dem ukrainischen Verhandlungsteam in Florida warnt ein Experte gegenüber der Kyiv Post vor dem „Worst-Case-Szenario“. „Sollte Washington Kiew heute unter Druck setzen, und etwa einen Militärabbau oder einen Verzicht auf eine Nato-Mitgliedschaft fordern, könnte die Ukraine die Friedensplan-Bedingungen ablehnen“, sagt Yuriy Boyechko, Vorstand der humanitären Hilfsorganisation Hope For Ukraine. Dies hätte den Entzug lebenswichtiger US-Militärhilfe zur Folge, so Boyechko.
WEITERE UKRAINE-MELDUNGEN
Selenskyj fordert Gespräche mit Trump über Schlüsselthemen – APA, 1.12.2025, 22:52
Nach neuen Verhandlungen zwischen Unterhändlern der Ukraine und der USA hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Gespräche mit US-Präsident Donald Trump über noch zu klärende „Schlüsselthemen“ gefordert. Russland dürfe am Ende nicht den Eindruck bekommen, „für den Krieg belohnt zu werden“, sagte Selenskyj am Montag in Paris. Unterdessen erklärte der Kreml, dass die seit rund einem Jahr umkämpfte ukrainische Stadt Pokrowsk vollständig eingenommen worden sei.
Dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sei die Eroberung der Bergarbeiterstadt im Gebiet Donezk gemeldet worden, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow russischen Journalisten. Aus Kiew gab es zunächst keine Bestätigung dafür. Die Stadt, in der einmal rund 60.000 Menschen gelebt haben, gilt als ein Symbol für den ukrainischen Widerstand gegen den seit mehr als dreieinhalb Jahren andauernden russischen Angriffskrieg. Mittlerweile ist sie stark zerstört.
Außerdem soll die Stadt Wowtschansk in der benachbarten Region Charkiw von den Russen eingenommen worden. Unabhängig lassen sich die Angaben nicht prüfen, allerdings hatte auch Selenskyj bei seinem Besuch in Paris gesagt, dass die Intensität der Kämpfe um Pokrowsk und auch im Charkiwer Gebiet hoch sei.
Selenskyj wurde am Montag von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Paris empfangen. Macron bekräftigte bei einer Pressekonferenz mit Selenskyj die Forderung nach einer europäischen Beteiligung an den Verhandlungen über einen Ukraine-Plan. „Ein solcher Plan kann nur beschlossen werden, wenn die Europäer mit am Tisch sitzen“, sagte Macron. Er bedankte sich zugleich bei den USA für ihren Einsatz als Vermittler.
Selenskyj warf Kreml-Chef Putin vor, die Angriffe auf die Ukraine zu verstärken, um die ukrainische Bevölkerung durch psychologischen und physischen Druck „zu brechen“. „Der Angreifer muss für seine Aggression bezahlen“, forderte er.
Macron und Selenskyj hatten zuvor mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff und dem ukrainischen Unterhändler Umerow telefoniert, die in Florida über den US-Plan für die Ukraine beraten hatten. Anschließend telefonierten sie mit mehreren europäischen Staats- und Regierungschefs.
Macron telefonierte nach dem Treffen mit Selenskyj auch mit Trump. Nach französischen Angaben sprachen sie über die „nächsten Schritte der Vermittlungsbemühungen“. Macron habe unter anderem auf die für die Ukraine wichtigen Sicherheitsgarantien gepocht.
Seit Sonntag hatten Witkoff und Umerow im US-Staat Florida mit ihren Verhandlungsteams über eine Beendigung des russischen Angriffskriegs verhandelt. Witkoff will am Dienstag in Moskau Kreml-Chef Putin treffen.
Der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umerow sprach am Montag von „bedeutenden Fortschritten“. Einige Fragen bedürften jedoch „weiterer Feinabstimmung“, erklärte Umerow in Onlinediensten. Am Dienstag wird er nach Angaben aus ukrainischen Regierungskreisen am Rande eines Besuchs in Irland mit Selenskyj über die Ergebnisse der Verhandlungen sprechen.
Umerow war bis Juli Verteidigungsminister der Ukraine und ersetzt den bisherigen Chefunterhändler, den wegen eines Korruptionsskandals zurückgetretenen Präsidialamtschef Andrij Jermak. Auf Seiten der USA hatten auch Außenminister Marco Rubio und Trumps Schwiegersohn und Berater Jared Kushner an den Gesprächen teilgenommen. Trump sprach anschließend von einer „guten Chance, dass wir einen Deal machen können“.
Am Montag sagte Trumps Sprecherin Karoline Leavitt, die US-Regierung sei „sehr optimistisch“. Trump und sein Team hätten viel Arbeit in die Vermittlungsbemühungen gesteckt „und sie wollen alle wirklich, dass dieser Krieg zu Ende geht“.
Grundlage der Verhandlungen war der vor eineinhalb Wochen vorgestellte US-Plan für ein Ende des Ukraine-Kriegs. Dieser war in seiner ursprünglichen Fassung weithin als äußerst vorteilhaft für Russland beurteilt worden. Später wurde er dann bei Gesprächen in Genf unter Beteiligung europäischer Vertreter zugunsten der Ukraine überarbeitet.
Die Ukraine steht auch auf dem Schlachtfeld unter großem Druck. Die russischen Truppen erzielten im November so große Geländegewinne wie in keinem anderen Monat in diesem Jahr. Sie eroberten im vergangenen Monat weitere 701 Quadratkilometer an ukrainischem Gebiet, wie aus AFP-Berechnungen auf Basis von Zahlen des Instituts für Kriegsstudien (ISW) hervorgeht. Ende November besetzte die russische Armee demnach insgesamt 19,3 Prozent des Staatsgebiets der Ukraine.
Ukraine-Krieg: Moskau erklärt Pokrowsk für erobert – dpa / GMX, 1.12.2025, 21:27
Die Bergbaustadt Pokrowsk gilt als ein Symbol des ukrainischen Widerstands gegen Moskaus Angriffskrieg. Nun ist sie nach Angaben aus dem Kreml gefallen.
Das russische Militär hat dem Kreml zufolge die seit etwa einem Jahr umkämpfte ukrainische Bergarbeiterstadt Pokrowsk im Donezker Gebiet vollständig eingenommen. Dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sei die Eroberung von Pokrowsk gemeldet worden, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow russischen Journalisten. Ebenso sei die Stadt Wowtschansk in der benachbarten Region Charkiw eingenommen worden.
Aus Kiew gab es zunächst keine Bestätigung.
Unabhängig lassen sich die Angaben nicht prüfen, allerdings hatte auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei seinem Besuch in Paris gesagt, dass die Intensität der Kämpfe um Pokrowsk und auch im Charkiwer Gebiet hoch sei.
US-Sondergesandter Witkoff in Moskau erwartet
Beobachter verbinden die russische Erfolgsmeldung mit dem am Dienstag erwarteten Besuch des US-Sondergesandten Steve Witkoff in Moskau. Der Kreml wolle so dem Unterhändler aus Washington vor Gesprächen über einen Friedensplan militärische Fortschritte präsentieren.
Vorher hatte Kremlchef Wladimir Putin bereits mehrfach angegeben, dass die ukrainischen Truppen in Pokrowsk eingekreist seien. Der ukrainische Präsident und der Generalstab wiesen dies wiederholt zurück. Allerdings wurde Selenskyj vorgeworfen, ähnlich wie bei den bereits vorher verlorenen Städten Bachmut und Awdijiwka den Rückzug aus politischen Gründen zu lange hinauszuzögern.
Warum Pokrowsk wichtig ist
Die Stadt, in der einmal rund 60.000 Menschen gelebt haben, gilt als ein Symbol für den ukrainischen Widerstand gegen den seit mehr als dreieinhalb Jahren andauernden russischen Angriffskrieg. Mittlerweile ist sie stark zerstört.
Westlich von Pokrowsk gibt es keine großen Siedlungen, was die weitere Verteidigung für die ukrainischen Streitkräfte erschwert. Russland kommt mit einer Einnahme seinem Kriegsziel näher, das Industriegebiet Donbass vollständig zu erobern. Allerdings ist es bis zur vollständigen Besetzung des Gebiets Donezk noch ein weiter und verlustreicher Weg für Russland.
Moskaus Truppen könnten sich nun auf die Städte Kramatorsk und Slowjansk im Nordosten konzentrieren, die eine wichtige, über Jahre aufgebaute Verteidigungslinie bilden.
Dazu könnte der Kreml den Erfolg auch in Richtung des Gebietes Dnipropetrowsk und dem nur 90 Kilometer entfernten Verkehrsknotenpunkt Pawlohrad weiter entwickeln. Der Nachschub der um Kramatorsk und Slowjansk verbliebenen ukrainischen Truppen verläuft zu großen Teilen über Pawlohrad. Im Gegensatz zum dicht besiedelten Bergbaugebiet Donezk finden sich in der agrarisch geprägten Steppenlandschaft nur wenig natürliche Hindernisse.
Kritiker: Ukraine hat zu lange an Pokrowsk festgehalten
Die Eroberung von Pokrowsk gilt als größte militärische Niederlage seit dem Fall von Awdijiwka im Februar 2024 – auch für Präsident Selenskyj. Kiew wollte den USA und den Europäern zeigen, dass die milliardenschweren Waffenlieferungen dem Land helfen, sein Gebiet zu verteidigen. Dagegen bemängeln Kritiker schon lange, die Ukraine habe zu große Verluste riskiert, um Pokrowsk möglichst lange zu halten – statt mit den Ressourcen andere Verteidigungslinien zu verstärken.
COMMENT: Es helfen die Steuergelder der steuerzahlenden Unternehmen. Sie fehlen für andere Projekte, z.B. für Soziales und Infrastrukturmaßnahmen. Sie verführen zu Schuldenaufnahmen der „helfenden“, somit kriegsverlängernden Staaten und erhöhen so deren Verschuldungsgrad.
Diese Sichtweise ist den Mainstream-Medien praktisch fremd. Grund: das ist nicht Staatsräson. Und mit der will man sich nicht anlegen. Soviel zur Unabhängigkeit der Presse.
Wer anderes äußert, wird ausgebuht und muss sich bald fürchten, mit der Zwangsjacke in die Psychiatrie eingeliefert zu werden. Auch das gab es schon vor nicht allzu langer Zeit in Deutschland. Allerdings zu einem anderen Thema, dass gewisse Kreise nicht thematisiert haben wollten.
In Österreich gab es zwei Keulen zum Schlag in die Magengrube jener, die unliebsame Meinungen vertraten: der Vertreter ist homosexuell, der Vertreter ist psychisch krank und gehört auf die Psychiatrie.
In diesem Sinne wurde gemobbt und mundtot gemacht.
Heute funktioniert das mit dem Verweis auf Homosexualität nicht mehr so wunderbar, bis weit in die 1970er Jahre und darüber hinaus schon. Erst 1971 wurde unter Kreiskys Justizminister Christian Broda Homosexualität entkriminalisiert, der Meinungsumschwung in der Bevölkerung nahm darüber hinausgehend längere Zeit in Anspruch. Nach und nach folgten weitere Entkriminalisierungen.
Zu Moskaus Kriegszielen gehört die Einnahme der ukrainischen Regionen, Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson, die Russland neben der bereits 2014 annektierten Krim zu seinen Gebieten erklärt hat. Allerdings kontrolliert das russische Militär bis heute keines dieser Gebiete vollständig.
Neue Taktik russischer Truppen
Kiews Truppen stehen an mehreren Frontabschnitten im Süden und im Osten massiv unter Druck. Probleme bereiten der Ukraine der Soldatenmangel wegen Schwierigkeiten bei der Rekrutierung und verbreiteter Fahnenflucht.
Moskaus Streitkräfte sind an der Front im Osten seit Herbst 2023 langsam und unter hohen Verlusten auf dem Vormarsch. Nach Pokrowsk drangen sie mit einer neuen Taktik in mehreren kleineren Infanteriegruppen ein und umgingen die ukrainischen Linien. Sie verzichteten auf Angriffe größerer Einheiten und den Einsatz gepanzerter Technik, die ein leichtes Ziel für ukrainische Drohnen sind.
Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR hatte noch über eine Operation seiner Spezialeinsatzkräfte berichtet, die den Fall von Pokrowsk aufhalten sollten. Das Blatt für die Ukraine wenden konnten sie nun augenscheinlich nicht mehr.
Aber auch nach einem Fall von Pokrowsk sind keine plötzlichen Änderungen im Kriegsverlauf zu erwarten. Beide Seiten setzen in dem Abnutzungskrieg auf eine Erschöpfung des Gegners. Doch stehen die ukrainischen Chancen für einen Erfolg ungleich schlechter als die der russischen Seite. (dpa/bearbeitet von cgo)
ANALYSE – Reisners Blick auf die Front: „Moskau will nächstes Jahr 143 Milliarden Euro in den Krieg investieren“ – n-tv, 1.12.2025, 18:30 (inkl. Kurzvideo)
In den Friedensgesprächen lockten die Russen US-Präsident Trump durch die Aussicht auf Profit, sagt Oberst Reisner. Falls ein Waffenstillstand scheitert, habe der Kreml aber schon andere Pläne in der Schublade. Derweil würden Moskaus Truppen langsam, aber stetig voranschreiten.
ntv.de: US-Präsident Donald Trump spricht von guten Chancen für einen Deal bei den Gesprächen über die Zukunft der Ukraine. Wie ist denn die strategische Lage der Ukraine an der Front?
Markus Reisner: Die Ukraine versucht auf der strategischen Ebene positive Schlagzeilen zu produzieren. Ukrainische unbemannte Drohnen haben in einem spektakulären Manöver Tanker der russischen Schattenflotte angegriffen. Dabei ist von insgesamt drei Tankern die Rede.
Einer soll sogar im Atlantik vor Dakar, der Hauptstadt des Senegal, getroffen worden sein, zwei weitere vor der türkischen Küste im Schwarzen Meer. Der Angriff vor Dakar ist aber aus meiner Sicht nicht eindeutig zuordenbar.
Hinzu kommt auch ein erfolgreicher Drohnenangriff auf den Hafen der russischen Stadt Noworossiysk. Offensichtlich ist es die Absicht der Ukraine wieder die Initiative ergreifen, da sie gerade an mehreren Fronten in einer ungünstigen Lage ist.
Was unternimmt Russland auf der strategischen Ebene?
Am Samstag gab es einen neuerlichen schweren russischen Luftangriff. Es war die fünfte Attacke dieser Größenordnung im November. Russland griff am Samstag mit 632 Drohnen, Marschflugkörpern und Raketen an. Und Moskau will den Druck weiter erhöhen. Außerdem hat sich der Kreml vorgenommen, für das kommende Jahr 166 Milliarden Dollar, umgerechnet knapp 143 Milliarden Euro, in den Angriffskrieg zu investieren. Das ist ein Drittel der Gesamtausgaben des Landes und das höchste Militärbudget Russlands seit den Tagen der Sowjetunion. Russland ist also bereit, diesen Krieg weiterzuführen, wenn es nicht zu einer Einigung kommt.
Werden die Gespräche denn scheitern?
Trump will eine Einigung erreichen, auf Kosten der Ukraine. Es scheint so, als ob die Vereinigten Staaten bereit sind, die Kontrolle Russlands über die Krim und andere besetzte ukrainische Gebiete anzuerkennen, um ein Abkommen zu erreichen. Es soll konkrete Absprachen zwischen den Russen und den Amerikanern geben, vorbei an den Europäern und den Ukrainern.
Trump geht es um den eigenen wirtschaftlichen Nutzen, um russisch-amerikanische Projekte für den Wiederaufbau und Zugriff auf Ressourcen wie das eingefrorene russische Zentralbank-Vermögen in Belgien.
Die Ukraine stimmt den Plänen jedenfalls bislang nicht zu. Warum?
Die Ukraine möchte als ein souveräner Staat bestehen bleiben. Die Ukraine möchte auch entscheiden können über einen möglichen Nato- oder EU-Beitritt. Sie möchte kein Territorium abgeben, das Russland noch gar nicht erobert hat, vor allem nicht im Donbass. Sie möchte die Truppenstärke ihrer Streitkräfte selbst bestimmen können und weitreichende Waffen besitzen. Und sie möchte Sicherheitsgarantien, vorrangig von den USA. Das alles steht höchstwahrscheinlich im Widerspruch zu dem, was die USA mit Russland vorhaben.
In ukrainischen Verhandlungskreisen ist von „nicht einfachen“ Verhandlungen die Rede gewesen. Kompliziert sind demnach insbesondere Formulierungen „in Bezug auf Gebiete“. Geht es dabei vor allem um den Donbass?
Das ist eine Mutmaßung, aber stellen wir uns vor, die Ukraine hätte bereits versucht, die USA einzukaufen. Ein Angebot könnte gewesen sein, den Vereinigten Staaten Rechte zur Ausbeutung von Bodenschätzen im Donbass einzuräumen, falls sich diese Gebiete unter ukrainischer Kontrolle befinden. Die Russen könnten jetzt das Gleiche versuchen – und der US-Regierung sagen: Wir haben diese Gebiete größtenteils erobert und werden gemeinsam mit euch die Bodenschätze dort ausbeuten. Das wird bei den Gesprächen zumindest im Hintergrund mitschwingen. Die Ukraine könnte leer ausgehen, wenn sie keinerlei Kontrolle mehr über die relevanten Gebiete hat, weil der gesamte Donbass den Russen zugeschlagen wird.
COMMENT: siehe dazu den COMMENT im Tagesblick vom 20.11.2025, S. 26.
Ist ein weiterer Knackpunkt die Aufgabe der ukrainischen Verteidigungslinien im Donbass?
Laut dem letzten US-Entwurf des 28-Punkte-Plans dürfen russische Truppen nicht bis zur Grenze des Donbass vormarschieren, aber die ukrainischen müssen sich zurückziehen. Das heißt, es gäbe eine demilitarisierte Zone, die überwacht wird, von wem auch immer. Truppen aus den Ländern des globalen Südens könnten eingesetzt werden, etwa aus Indien oder China. Den Einsatz von Nato-Truppen lehnt Russland ab.
Nun beharrt die Ukraine auf Schutz durch die Nato und westliche Truppen. Doch auch dieses Schutzversprechen wäre fragil, oder?
Das ist der Grund, warum die Ukraine darauf besteht, starke eigene Streitkräfte zu haben, die zumindest in einem gewissen Maße abschreckungsfähig sind. Für ein Mindestmaß an Abschreckung müssen diese Streitkräfte nicht unbedingt nuklear bewaffnet sein. Aber sie müssen so stark sein, dass den Verantwortlichen in Moskau klar ist: Wenn Russland erneut angreifen würde, müsste es sich wieder in diesen elenden, langsamen Kampf verstricken lassen mit hunderttausenden Toten.
Die Ukrainer selbst könnten dann mehr erreichen als verbündete Truppen aus Europa?
Ohne die USA ist die Nato nur eingeschränkt handlungsfähig. Im vierten Jahr des Krieges sind die Europäer noch immer nicht bereit, sich einzugestehen, dass man ernsthaft etwas tun müsste, um nicht nur als Wirtschaftsraum relevant zu sein, sondern auch als sicherheitspolitischer Akteur.
In den Verhandlungen müssen die Europäer darum betteln, gehört zu werden. Sie haben einen Plan auf den Tisch gelegt als Gegenvorschlag, der nicht einmal besprochen wird.
Die schwache Position Europas gefährdet eine nachhaltige Lösung, die verhindert, dass wir in den nächsten Konflikt hineintreiben.
Wird die Ukraine denn jetzt einknicken?
Der fünfte schwere russische Luftangriff in diesem Monat hatte jedenfalls enorme Auswirkungen. Gestern gab es Bilder von Kiew im Dunkeln. Zudem macht der Mangel an Soldaten sich an der Front immer stärker bemerkbar.
Das heißt, die Ukraine verteidigt oft nicht mehr, sie verzögert nur noch den Vormarsch der Russen. Dazu kommen Korruptionsskandale in den Kreisen um den ukrainischen Präsidenten. Das alles führt zu einer Grundstimmung, die sich immer mehr gegen die Ukraine wendet.
COMMENT: Spät, sehr spät, aber vielleicht doch. Das europäische Abenteuer, angefangen von den Sanktionspolitiken bis zum jetzigen Geheul um Gehör, erfolgte und erfolgt:
- ohne finanzielle Ressourcen
- daher durch Schuldaufnahmen ansehnlicher – um nicht zusagen: ungeheurer – Größe
- ohne militärische Ressourcen, die nun – dank ansehnlicher Schulden – erst aufgebaut werden müssen.
Es war seit dem 24.2.2022 nach wenigen Tagen klar, dass die Europäer und die EU einen Weg eingeschlagen haben, der äußerst problematisch war und ist.
Man hat die Realitäten verkannt und sich via der hochkorrupten Ukraine einem starken Gegner – Russland – geradezu „an die Brust geworfen“. David gegen Goliath. Es ist sehr die Frage, wie dieser Kampf ausgehen wird. Die nächsten Tage werden zeigen, wohin der Hase läuft.
Nicht ausgeschlossen ist, dass Russland – sofern es Pokrowsk gestern tatsächlich eingenommen hat – nun neu ermuntert den Krieg vorantreiben wird und Friedensbedingungen im Sinne Europas resp. der EU und der Ukraine nicht annehmen wird.
Drastischer ausgedrückt: das ist die wahrscheinliche Reaktion Russlands.
Welche Gebiete sind momentan am heftigsten umkämpft?
Die russische Winteroffensive ist in vollem Gange. Das Schwergewicht liegt weiter im Raum Pokrowsk. Südlich von Pokrowsk haben die Russen es geschafft, in Richtung Saporischschja auf 35 Kilometer Breite bis zu 15 Kilometer in die Tiefe vorzustoßen. Hier, im sogenannten Südabschnitt haben russische Truppen Huljajpole und Dobropillia im Zangengriff.
Im Nordabschnitt, bei Sumy und Charkiw, sind den Russen bei Woltschansk kleinere Gewinne gelungen.
Im Mittelabschnitt ist Kupjansk heftig umkämpft und nahezu eingenommen. Zudem ist Siwersk äußerst exponiert und von beiden Seiten nahezu umschlossen. Die Stadt könnte als nächste fallen. Und Siwersk spielt eine wichtige Rolle: Sie ist der Angelpunkt im Mittelabschnitt zwischen dem Nord- und dem Südbereich der Front.
Mit Markus Reisner sprach Lea Verstl
Markus Reisner ist Historiker und Rechtswissenschaftler, Oberst des Generalstabs im Österreichischen Bundesheer und Leiter des Institutes für Offiziersgrundausbildung an der Theresianischen Militärakademie. Wissenschaftlich arbeitet er unter anderem zum Einsatz von Drohnen in der modernen Kriegsführung. Jeden Montag bewertet er für ntv.de die Lage an der Ukraine-Front.
Quelle: ntv.de
Ende des Ukraine-Krieges? Gespräche gehen in eine neue Phase – dpa / GMX, 1.12.2025, 9:40
Die Fronten sind verhärtet, die Erwartungen gedämpft: In Moskau sollen erstmals offizielle Gespräche über ein Ende des Ukraine-Krieges beginnen. Doch die Positionen liegen weit auseinander.
Die Gespräche für eine Beendigung des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine gehen in eine neue Phase. Der erste 28-Punkte-Plan der USA geriet schnell als „russische Wunschliste“ und „Kapitulationsurkunde“ für die Ukraine in die Kritik. Kiew und führende Politiker aus der EU, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), ließen das Papier gemäß ukrainischen und europäischen Sicherheitsinteressen nachverhandeln und konnten Änderungen erreichen. Nun sind auch erstmals offizielle Gespräche mit Russland geplant. Zu den Erfolgsaussichten einige Fragen und Antworten:
Wie ist der Stand bei den Gesprächen?
In den USA arbeiteten ukrainische und amerikanische Unterhändler am Sonntag an offenen Fragen eines möglichen Friedensplans. US-Außenminister Marco Rubio sprach anschließend von „weiteren Fortschritten“, betonte aber auch, es bleibe noch viel zu tun. Präsident Donald Trump gab sich optimistisch und sagte: „Ich denke, es gibt eine gute Chance, dass wir einen Deal machen können.“
Der vorläufige 28-Punkte-Plan der USA war vorletzte Woche durch Medienberichte bekanntgeworden. Führende europäische Staaten, EU-Vertreter und die ukrainische Delegation drangen daraufhin vor gut einer Woche bei einem Treffen mit US-Unterhändlern in Genf auf Anpassungen. Danach war die Rede von einem abgeänderten Papier.
Beide Versionen – die ursprüngliche und die Genfer Neufassung – liegen nach Angaben des Kreml auch Russland vor. Die ersten offiziellen Gespräche mit US-Vertretern dazu sind nun in der ersten Wochenhälfte in Moskau geplant, wie Präsident Wladimir Putin selbst mitteilte. Der russische Staatschef hatte den ersten US-Plan als Grundlage für mögliche Friedensverhandlungen gelobt.
Wer verhandelt mit wem?
Auf ukrainischer Seite führt der Sekretär des Nationalen Rates für Sicherheit und Verteidigung, Rustem Umjerow, das neunköpfige Verhandlungsteam. Er hat in diesem Jahr bereits bei den ersten direkten Verhandlungen seit 2022 mit der russischen Seite in Istanbul gesprochen. Moskaus Chefunterhändler Wladimir Medinski, der mit Umjerow erfolgreich Austausche von Gefangenen und getöteten Soldaten aushandelte, ist weiter Putins erster Mann für die Gespräche.
In Moskau erwarten die russischen Vertreter diese Woche den Sonderbeauftragten von US-Präsident Donald Trump zu Gesprächen. Steve Witkoff hat nicht nur Putin wiederholt getroffen, er pflegt auch zu dessen Wirtschaftsexperten Kirill Dmitrijew enge Kontakte, der mehrfach zu Gesprächen über eine mögliche Beendigung des Krieges in den USA war. Dmitrijew lockt mit Wirtschaftskontakten, sollten die Kampfhandlungen enden und die Sanktionen fallen. Während er Anweisungen von Putins außenpolitischem Berater Juri Uschakow befolgt, steht Witkoff in der Kritik, weil er sich von den Russen die Bedingungen für einen Waffenstillstand diktiert haben lassen soll.
Nicht direkt beteiligt an den Verhandlungen sind die Europäer, die sich angesichts des folgenschweren Krieges direkt vor ihrer Haustür aber dennoch immer wieder zu Wort melden. Die EU betont, dass die beiden Großmächte USA und Russland nicht allein über das Schicksal der Ukraine und auch nicht über europäische Sicherheitsinteressen entscheiden könnten. Sie versuchen, Einfluss geltend zu machen und nicht auf die Rolle als Zuschauer reduziert zu werden.
Worum geht es bei den Gesprächen?
Beide Seiten bekunden die Bereitschaft zu Friedensverhandlungen. Aber sie wollen unterschiedliche Wege gehen. Die Ukraine strebt einen bedingungslosen Waffenstillstand an und will danach alles andere verhandeln. Russland hingegen will zuerst eine grundsätzliche Regelung des Konflikts.
Moskau dürfte einem Waffenstillstand nur zustimmen, wenn dafür bestimmte Bedingungen erfüllt sind – allen voran ein Ende der Waffenlieferungen an die Ukraine und ein Stopp der Mobilmachung für den Krieg. Unerschütterlich scheint dabei die Position Russlands, das auf einem Rückzug ukrainischer Truppen aus dem Donbass besteht – also jenen Teilen der Gebiete Donezk und Luhansk, die Moskau nicht kontrolliert.
Sowohl Russland als auch die Ukraine versuchen jeweils, sich Trump gegenüber friedensbereit zu zeigen und ihn damit wohlwollend zu stimmen. Zugleich sind sie vorsorglich bemüht, dem Kriegsgegner die Schuld anzulasten, sollten die Gespräche scheitern. Trump scheint vor allem daran interessiert, das für ihn leidige Kriegsthema durch einen Kompromiss zu beenden und wieder zu Geschäften vor allem mit der Rohstoffgroßmacht Russland zu kommen.
Kritiker werfen den USA vor, nur dieses Ziel im Blick zu haben und darüber den konkreten Inhalt eines Deals zur Beendigung des Krieges zu vernachlässigen. US-Außenminister Rubio hingegen sagte vor den Gesprächen mit den Ukrainern in den USA, seinem Land gehe es nicht nur um das bloße Kriegsende an sich, sondern um eine Garantie, dass die Ukraine souverän, unabhängig und wohlhabend sein werde und keinen Krieg mehr erleben müsse.
Wo sind rote Linien?
Eine Kapitulation lehnt die Ukraine ab. Für Kiew sind mindestens drei Punkte nach bisherigem Stand nicht verhandelbar: Gebietsabtretungen in jeglicher Form gelten als ebenso indiskutabel wie der von Moskau geforderte Verzicht auf das Recht eines Nato-Beitritts und von Russland diktierte Beschränkungen der Truppenstärke und Waffengattungen des ukrainischen Militärs. Da es sich dabei um russische Maximalforderungen handelt, geht es auch um die Frage, wer zuerst seine roten Linien aufgibt.
Für Russland wäre es schon ein Erfolg, wenn zumindest die USA die bereits 2014 einverleibte ukrainische Schwarzmeer-Halbinsel Krim und den 2022 annektierten Donbass zwar nicht hochoffiziell, aber doch wenigstens faktisch als russisches Gebiet anerkennen.
Was können die Ergebnisse sein?
Bisher deutet wenig darauf hin, dass es schon bald zu einem tragfähigen Friedensplan kommt, weil die Positionen der Kriegsgegner sehr weit auseinanderliegen. Sollte sich die in die Defensive gedrängte Ukraine auf Russlands Maximalforderungen einlassen, wird in Kiew und in der EU eine Art Kapitulationseffekt befürchtet. Washington und Moskau dagegen betonen die Chancen eines Kriegsendes. Druckmittel der USA haben vor allem die ukrainischen Verteidiger zu befürchten, für die es ein schwerer Schlag wäre, sollten die Amerikaner die Weitergabe von Waffen und von Aufklärungsdaten für Angriffe im russischen Hinterland stoppen.
Doch selbst nach einem Komplettstopp jeglicher US-Hilfe könnte die Ukraine bei fortgesetzter oder sogar verstärkter Unterstützung aus Europa den Kampf fortsetzen. Denkbar wäre dann, dass Kiew darauf setzt, bis zum Herbst 2026 durchzuhalten und dann bei einer Niederlage von Trumps Republikanern bei den Kongresswahlen mit Hilfe der Demokraten wieder neue Unterstützung aus den USA zu erhalten. Jedoch verschlechtert sich die ukrainische Position an der Front vor allem aufgrund des chronischen Soldatenmangels zusehends, das würde auch ein Stimmungsumschwung in den USA nicht ändern.
Wie lang ist der Weg zum Frieden?
Der Weg zu einem Kriegsende wäre selbst bei einer Einigung auf einen Friedensvertrag sehr lang – auch weil Kremlchef Putin einen Waffenstillstand selbst verfügen kann, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Bedingungen für einen Frieden hingegen absegnen lassen muss und dafür auch die Unterstützung des Parlaments braucht. Gemäß Verfassung müssten die
Auch ein Abbruch der Gespräche mit einer Wiederaufnahme im Frühjahr ist nicht unwahrscheinlich. Die grundlegenden Entscheidungen werden derzeit eher auf dem Schlachtfeld getroffen als am Verhandlungstisch. In der jetzigen Situation dürfte sich selbst bei einem unwahrscheinlichen Abgang Selenskyjs kein seriöser ukrainischer Politiker finden, der an seiner Stelle sich und seine Karriere opfert, indem er die russischen Bedingungen für ein Kriegsende akzeptiert.
Gleichzeitig fehlen der ukrainischen Seite die Hebel, Russland zum Nachgeben vor allem in den Gebietsfragen zu zwingen. Und Moskau hat auch nach Einschätzung westlicher Militärexperten derzeit die Initiative auf dem Schlachtfeld und erobert immer neue Gebiete. Die Kämpfe könnten also mindestens bis zur vollständigen Eroberung der Gebiete Donezk und Luhansk durch russische Truppen weitergehen.
Wie wahrscheinlich ist eine Fortsetzung des Krieges?
Eine Fortsetzung des Krieges ist nach aktuellem Stand sehr wahrscheinlich, auch wenn Russland nicht zuletzt infolge der Sanktionen zunehmend wirtschaftliche Probleme hat. Vermutet wird, dass der russische Machtapparat den Krieg noch Jahre führen kann, ohne dass das Land kollabiert. Für die Ukraine besteht somit das Risiko, die Kontrolle über ihr Staatsgebiet immer weiter zu verlieren.
Die Ukraine ist ebenfalls bereit, den Kampf fortzusetzen. Die Mehrheit der EU-Staaten will zudem Milliarden aus eingefrorenem russischen Staatsvermögen und anderen Quellen mobilisieren, um die Ukraine in ihrem Abwehrkampf zu unterstützen. Parallel dazu können zwar weiterhin Gespräche geführt werden. Doch ist ohne Klärung der beiden Hauptkonfliktpunkte des Nato-Beitritts und der Gebietsfragen kein schnelles Kriegsende zu erwarten. (Andreas Stein, Ulf Mauder und Franziska Spiecker, dpa/bearbeitet von amb)
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Selenskyj telefoniert mit Rutte und von der Leyen – 30.11.2025, 19:03
KIEW (dpa-AFX) – Mit Blick auf die aktuellen Bemühungen um eine Friedenslösung für die Ukraine hat deren Präsident Wolodymyr Selenskyj mit den Spitzen der EU-Kommission und der Nato gesprochen. „Ich habe mit Mark Rutte telefoniert, und wir werden unser Gespräch in den kommenden Tagen fortsetzen“, berichtete Selenskyj auf der Plattform X von seiner Unterredung mit dem Nato-Generalsekretär. „Dies sind wichtige Tage, und vieles kann sich ändern.“ Die Ukraine und ihre Partner führten enge Koordinierungen durch, „und es sind unsere gemeinsamen Maßnahmen und geteilten Positionen, die sich als effektive erweisen werden“.
Mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erörterte Selenskyj die aktuelle diplomatische Lage. „Wir arbeiten weiterhin eng mit der Europäischen Kommission zusammen, und ich bin dankbar für die Unterstützung“, schrieb Selenskyj. Neben der Einigkeit in wichtigen Fragen hob Selenskyj auch von der Leyens Verständnis für die Notwendigkeit hervor, die Widerstandsfähigkeit der Ukraine angesichts der ständigen russischen Angriffe auf Infrastruktur und Energieversorgung zu stärken.
Russland hat die Ukraine am 24. Februar 2022 überfallen. Seither verteidigt sich das Land mit Hilfe westlicher Unterstützer. Aktuell verhandelt Kiew mit Washington über einen Friedensplan. In den nächsten Tagen werden US-Vertreter dann zu Verhandlungen in Moskau erwartet./cha/DP/he
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US-Angriff in der Karibik: Völkerrechtsbruch? Weißes Haus stärkt Hegseth den Rücken – dpa / GMX, 1.12.2025
Berichte über einen möglichen Verstoß gegen das Völkerrecht sorgen für öffentlichen Druck auf Pentagon-Chef Pete Hegseth. Im Weißen Haus pocht man auf die Rechtmäßigkeit der Operation in der Karibik.
In der Debatte um einen möglicherweise völkerrechtswidrigen US-Angriff auf ein Boot in der Karibik stellt sich das Weiße Haus hinter Pentagon-Chef Pete Hegseth . Der Minister habe die Operation autorisiert, räumte Sprecherin Karoline Leavitt ein. Zugleich wies sie aber Darstellungen zurück, wonach Hegseth einen zweiten Schlag auf dasselbe Boot persönlich angeordnet habe.
Hintergrund sind Berichte des Senders CNN und der „Washington Post“ aus der vergangenen Woche, wonach das US-Militär am 2. September ein mutmaßliches Drogenschmugglerboot in der Karibik zunächst mit einem Schlag angegriffen und zwei überlebende Männer anschließend durch einen zweiten Schlag getötet haben soll. Der zweite Angriff könnte laut Experten gegen das Völkerrecht verstoßen haben – die Männer hatten sich der „Washington Post“ zufolge an das schwelende Wrack geklammert und stellten keine unmittelbare Bedrohung dar.
Berichte: Hegseth ordnete an, „alle zu töten“
Beide Medien berichteten, Hegseth habe zuvor selbst die Anweisung gegeben, „alle zu töten“. Laut CNN ist aber unklar, ob der Minister vor dem zweiten Angriff von den Überlebenden wusste. Nach Informationen der „Washington Post“ wurde der zweite Schlag angeordnet, nachdem die Überlebenden gesichtet worden waren, um Hegseths Anweisung zu erfüllen.
Seit Wochen greift das US-Militär Boote mit angeblichen Drogenschmugglern in der Karibik und im Pazifik an. Die rechtliche Grundlage der Operationen ist allgemein umstritten. Bei dem Schlag am 2. September – es war der erste bekannte dieser Art – wurden nach Angaben der US-Regierung elf Menschen getötet. Insgesamt wurden demnach seit Beginn der Angriffe rund 80 Menschen getötet.
Hegseth spricht von „fabrizierten“ Berichten
Hegseth hat die Vorwürfe im Kontext der Schläge am 2. September zurückgewiesen. Auf der Plattform X sprach er von „fabrizierten“ Medienberichten, die darauf abzielten, das US-Militär zu diskreditieren. Präsident Donald Trump stellte sich hinter seinen Minister. Auf die Frage, ob ein solcher Befehl akzeptabel wäre, sagte der Republikaner über Hegseth: „Er sagt, er hat es nicht getan, also muss ich diese Entscheidung nicht treffen.“
In der Pressekonferenz im Weißen Haus am Montag hakten dann mehrere Reporter hartnäckig bei Sprecherin Leavitt nach, wer den zweiten Schlag angeordnet habe und ob bewusst keine Überlebenden zurückgelassen wurden. Leavitt erklärte, Hegeseth habe den zuständigen Admiral autorisiert, die Schläge auszuführen. Sie sagte nicht, dass Hegseth den zweiten Schlag direkt angeordnet habe und betonte stattdessen, der Admiral habe „innerhalb seiner Befugnisse und des Gesetzes gehandelt“.
Demokrat nennt Hegseth „unqualifiziert“
Auf die Frage, welches Recht es erlaube, Überlebende gezielt zu töten, erklärte die Sprecherin, der Angriff sei „zur Selbstverteidigung“ erfolgt und „im Einklang mit dem Recht bewaffneter Konflikte“ durchgeführt worden.
Der demokratische Senator Mark Kelly zeigte sich besorgt. Angehörige des US-Militärs müssten die Gesetzeslage kennen, sagte er und forderte eine Untersuchung des Vorfalls. Ein „unqualifizierter Verteidigungsminister“ habe aber dafür wichtiges Personal entlassen. Hegseth laufe herum und rede von „Kriegermentalität und darüber, Menschen zu töten“, kritisierte Kelly – das sei „nicht die Botschaft, die vom Verteidigungsminister kommen sollte“. (dpa/bearbeitet von cgo)
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NAHER OSTEN – MENA WATCH (Mena-Watch auf Wikipedia)
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DEUTSCHLAND – WAHLUMFRAGEN
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ÖSTERREICH – WAHLUMFRAGEN – APA-WAHLTREND
AMS-Zahlen: Arbeitslosigkeit steigt weiter – 32 Monate ohne Entspannung – APA / GMX, 1.12.2025
Mehr als 399.000 Menschen sind derzeit ohne Job oder in Schulung. Die Entwicklung setzt einen Trend fort, der schon seit April 2023 anhält.
Auch der November hat keine Entspannung der Lage am Arbeitsmarkt gebracht. Ende des Monats waren 399.199 Personen arbeitslos oder befanden sich in Schulung, um 4,0 Prozent bzw. um 15.236 Personen mehr als im Vorjahr, teilte das Arbeitsmarktservice (AMS) am Montag in einer Aussendung mit.
Damit stieg die Zahl der Arbeitslosen das 32. Mal in Serie – seit April 2023 gab es keinen Rückgang mehr. Die Arbeitslosenquote kletterte im November um 0,3 Prozentpunkte auf 7,5 Prozent.
Eine rasche Besserung ist nicht in Sicht: „Erste Hinweise auf die angekündigte Erholung im Jahr 2026, etwa die leicht rückläufige Arbeitslosigkeit in der Arbeitskräfteüberlassung, sind zwar (mit viel gutem Willen und der Lupe) bereits erkennbar, aber noch so gering, dass sie eher auf eine überschaubare Belebung als auf kräftiges Wirtschaftswachstum im neuen Jahr hindeuten“, kommentierte AMS-Vorstand Johannes Kopf.
Niederösterreich und Steiermark stärker betroffen
Besonders betroffen vom neuerlichen Anstieg waren die Bundesländer Niederösterreich (plus 6,9 Prozent) und die Steiermark (5,7 Prozent), wo zuletzt Unternehmen wie die voestalpine oder Wollsdorf Leder den Abbau von Stellen ankündigten. Relativ stark stiegen die Zahlen auch im Burgenland (plus 4,9 Prozent) und Tirol (plus 4 Prozent), weniger in Oberösterreich (plus 3,9 Prozent), Salzburg (plus 3,7 Prozent), Vorarlberg (plus 3,3 Prozent) und Wien (plus 3 Prozent). Positiv stach wie schon im Vormonat Kärnten hervor, wo es nur einen Anstieg von 0,7 Prozent – das sind 144 Personen – gab.
Nach Branchen meldete das AMS die kräftigsten Zuwächse im Gesundheits- und Sozialwesen mit plus 16,8 Prozent, im Handel mit 7,4 Prozent, bei Verkehr und Lagerei mit plus 6,7 Prozent, sowie in der Gütererzeugung bzw. der Industrie mit 5,2 Prozent. Neuerlich stark gestiegen ist die Arbeitslosigkeit unter Frauen, die Steigerung fiel mit plus 6,2 Prozent merklich höher als jene für Männer (plus 2,1 Prozent) aus.
„Wir wissen, dass die Arbeitsmarktsituation für Frauen in einigen Bereichen besonders schwierig ist. Genau deshalb braucht es zielgerichtete Maßnahmen und echte Unterstützung. Das AMS stellt dafür jedes Jahr rund 670 Millionen Euro bereit“, sagte Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) dazu laut Ministeriumsmitteilung.
Ein Trend setzte sich auch bei der Zahl der gemeldeten offenen Stellen fort, die Ende November gegenüber dem Vorjahr um 13,2 Prozent auf 71.933 sanken. Eine ähnliche Entwicklung ist bei den Lehrstellen zu beobachten, deren Zahl sich gegenüber dem Vorjahr sogar um 17,3 Prozent verringerte.
Winter dürfte Arbeitslosigkeit im Tourismus verringern
Zum Ausblick hieß es seitens des AMS, dass der Winter zwar wie üblich die Arbeitslosigkeit im Tourismus verringern, am Bau und in der Landwirtschaft aber erhöhen und damit die Gesamtarbeitslosigkeit anheizen wird. Danach dürften die beim AMS vorgemerkten Arbeitssuchenden aber wieder zurückgehen. Der frühe Ostertermin werde sich aber wohl zumindest positiv auf die März-Arbeitslosenzahlen auswirken, merkte Kopf an. (APA/bearbeitet von amb)
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Ansage zur Nationalratswahl: Kanzler Stocker will bei nächster Nationalratswahl antreten – APA / GMX, 30.11.2024
Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) will weiter im Amt bleiben und erst nach der nächsten Nationalratswahl über seine Nachfolge nachdenken. Das sagte er der „Kronen Zeitung“.
Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) möchte sein Amt noch länger ausüben. Mit seiner Nachfolge werde er sich erst „nach der nächsten Nationalratswahl beschäftigen“, sagte er im Interview mit der „Kronen Zeitung“ (Sonntag). Folglich werde er bei dieser als Spitzenkandidat für die ÖVP antreten und einstweilen „natürlich“ Kanzler bleiben, so Stocker: „Mich erfüllt diese Aufgabe mit viel Freude.“ Nach seiner Rückenoperation ist er „vollkommen schmerzfrei“.
Mit der Regierung will der Kanzler einen „Schritt nach vorne“ machen. „Ich habe den Willen, dieses Land zu gestalten und will mit meinen Mitbürgern in einem schlankeren, effizienteren Staat leben, mit einem soliden Haushalt, mehr Wirtschaftswachstum, weniger Inflation und hoffentlich mehr Zufriedenheit.“ Eine etwaige Führungsdiskussion in der Volkspartei während seiner Abwesenheit verbannte Stocker in die „Gerüchteküche“. Auch an den ständigen Spekulationen um eine Rückkehr von Ex-Kanzler Sebastian Kurz sei nichts dran.
Vertrauen in Regierung sinkt
„Sicher kein Anlass zur Freude“ seien die aktuellen Umfragen, in denen die Regierungsparteien ÖVP, SPÖ und NEOS zugunsten der FPÖ verlieren. „Was in der Wirtschaftskammer passiert ist, geht natürlich auch an der Volkspartei nicht spurlos vorüber“, so Stocker. Sinkendes Vertrauen in die Regierung sei für ihn in Krisenzeiten nichts Ungewöhnliches. Freilich wolle er nun das Land „mit den richtigen Entscheidungen durch diese Zeit führen“.
Der ÖVP-Obmann war in der Vorwoche nach einer Rückenoperation ins Büro zurückgekehrt. Aufgrund einer Verengung bei der Wirbelsäule habe er zuvor ein Jahr lang starke Schmerzen gehabt, sagte Stocker. In den vier Wochen der Rekonvaleszenz sei es ihm „mit jedem Tag besser gegangen“, jetzt habe er ein „ganz neues Lebensgefühl“. Auch von zuhause habe der Kanzler gearbeitet, Telefonate geführt und Mitarbeitende empfangen. Nun pendle er wieder täglich zwischen Wiener Neustadt und Wien.
FPÖ sieht „panisches Ablenkungsmanöver“
Die FPÖ würde einfache Lösungen versprechen und die Gesellschaft spalten, sagte Stocker. Deren Parteichef Herbert Kickls Bilanz als Innenminister sei „desaströs“. Ein „panisches Ablenkungsmanöver vom eigenen Totalversagen“ sah hingegen der freiheitliche Generalsekretär Michael Schnedlitz in einer Aussendung: „Statt die Teuerungs- und Asylkrise zu bekämpfen, verbreitet der Kanzler Märchen und Lügen über den einzigen Politiker, der die Interessen der Österreicher vertritt.“ (apa/bearbeitet von sbi)
Mordverdacht: Messerattacke in Wien endet tödlich – APA / GMX, 1.12.2025
Aus einem Gespräch wird ein tödlicher Konflikt: In einer Wiener Wohnung eskaliert ein Streit zwischen zwei Männern. Einer von ihnen überlebt die Auseinandersetzung nicht.
COMMENT: Die Anzahl schwerer Verbrechen hat in Wien im Verlauf der Jahrzehnte und letzten Jahre deutlich zugenommen. Es vergeht keine Woche, ja, fast keinen Tag, ohne dass eine entsprechende Meldung erfolgt. Der migrantische Hintergrund spielt eine, allerdings nicht überragende, Rolle. Die allgemeine Verunsicherung der Bevölkerung schon, nicht zuletzt in Folge der Spannung zwischen den einzelnen Ethnien, also zwischen bodenständiger österreichische Bevölkerung und nicht-österreichischer Bevölkerung.
Politische Meinungsverschiedenheiten dürften am Samstagabend zu den tödlichen Messerstichen in der Schreygasse in Wien-Leopoldstadt geführt haben. Ein 56-Jähriger habe gestanden, das 49-jährige Opfer erstochen zu haben, berichtete die Polizei am Montag. Als Hintergrund gab er an, dass er im Verlauf eines Streitgesprächs die Nerven verloren habe. Die Tat ereignete sich in der Wohnung einer 46-Jährigen, die mit dem Beschuldigten befreundet und mit dem Opfer bekannt war.
Die Frau war am Sonntag ebenso wie der mutmaßliche Täter festgenommen worden. Sie gab an, den Streit mitbekommen zu haben, die Messerstiche jedoch nicht. Nach ihrer Einvernahme kam sie wieder auf freien Fuß. Die drei Personen hatten sich am Sonntagabend in der Wohnung der Frau getroffen. Sowohl die Wohnungsbesitzerin als auch der Beschuldigte dürften alkoholisiert gewesen sein. Laut Polizeisprecherin Irina Steirer hatte der 56-Jährige mehr als zwei Promille.
Bei dem Opfer handelt es sich nach jüngsten Erkenntnissen der Polizei um einen 49 Jahre alten Serben. Der 56-jährige Beschuldigte, ein Kroate, hatte nach der Tat selbst den Notruf gewählt. Die Polizei fand den leblosen Mann und die zwei weiteren Personen in der Wohnung vor. Der 56-Jährige zeigte sich bei seiner Einvernahme geständig. (APA/bearbeitet von amb) © APA
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WIRTSCHAFTS-NACHRICHTEN für Österreich
ÖSTERREICHISCHES PARLAMENT
ORF-MELDUNGSBÜNDEL ÖSTERREICH
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ORF – Meldungen für die slowenische Volksgruppe (deutsch)
ORF – Meldungen für die slowenische Volksgruppe (slowenisch)
ORF – Meldungen für Volksgruppen in Österreich
MEDIZIN
Polyphenole im Essen gut für Herzgesundheit – Tee, Kaffee, Beeren, Kakao und Nüsse sind laut Erhebung des King’s College London vorteilhaft – Pressetext, 28.11.2025
London (pte025/28.11.2025/11:30) – Menschen, die regelmäßig Lebensmittel und Getränke mit einem reichen Anteil an Polyphenolen konsumieren, verfügen langfristig über eine bessere Herzgesundheit. Das zeigt eine Studie unter der Leitung des King’s College London. Vorteile versprechen Tee, Kaffee, Beeren, Kakao, Nüsse, Vollkornprodukte und Olivenöl.
Blutdruckwerte bessern sich
Bei Polyphenolen handelt es sich um natürliche Bestandteile von Pflanzen, die mit verschiedenen Gesundheitsvorteilen in Zusammenhang gebracht werden. Sie wirken sich auf die Gesundheit des Herzens, Gehirns und des Darms aus.
Für die aktuelle Studie haben die Experten 3.100 Erwachsene der „TwinsUK“-Kohorte zehn Jahre lang beobachtet. Ergebnis: Eine Ernährung reich an spezifischen Gruppen von Polyphenolen steht mit einem gesünderen Blutdruck und besseren Cholesterin-Profilen in Zusammenhang.
Metaboliten im Urin erforscht
Erstmals hat das Team auch eine große Anzahl von Metaboliten im Urin analysiert. Sie werden produziert, wenn der Körper die Polyphenole abbaut. Diese Biomarker bestätigen, dass Menschen mit höheren Werten dieser Metaboliten über niedrigere Risikobewertungen im Herz-Kreislauf-Bereich verfügen.
Vor allem Metaboliten, vor allem jene von bestimmten Gruppen von Polyphenolen wie Flavonoiden und Phenolsäuren, wirken sich positiv aus. Diese Teilnehmer verfügten auch über erhöhte Werte des HDL-Cholesterins, das als „gesundes“ Cholesterin gilt.
Im Rahmen der Studie haben die Experten den neu entwickelten „Polyphenol Dietary Score“ eingesetzt, um die Aufnahme von 20 entscheidenden Lebensmitteln zu erfassen. Sie sind reich an Polyphenolen und werden in Großbritannien häufig konsumiert.
Diese Punktezahl zeigt stärkere Zusammenhänge mit der Herz-Kreislauf-Gesundheit als die Schätzungen der Gesamtaufnahme von Polyphenolen. Dafür ist wahrscheinlich verantwortlich, dass alle Ernährungsgewohnheiten erfasst werden und nicht individuelle Bestandteile.
Gesamte Ernährung wichtig
Die Forschungsergebnisse legen nahe, dass die Berücksichtigung der gesamten Ernährung ein besseres Bild liefert. So wird klar, wie polyphenolreiche Nahrungsmittel zusammenarbeiten, um die langfristige Herzgesundheit zu unterstützen.
Seniorautorin Ana Rodriguez-Mateos zufolge lässt sich mit zunehmendem Alter über die Ernährung der Anstieg des Herz-Kreislauf-Risikos deutlich verlangsamen. „Bereits kleine, anhaltende Veränderungen können das Herz im Laufe der Zeit schützen“, so die Wissenschaftlerin. Die aktuellen Forschungsergebnisse sind in „BMC Medicine“ veröffentlicht.
(Ende)
MENSCHEN
Seltener Tumor: Thomas Gottschalk: „Mein Krebs gilt leider als besonders aggressiv“ – GMX, 1.12.2025
Thomas Gottschalk hat Krebs: Mit dieser Nachricht ging er am Sonntagabend an die Öffentlichkeit. Im Gespräch mit der „Bild“ gab er weitere Einblicke in seine Erkrankung und seine Operationen.Moderator Thomas Gottschalk hat seine schwere Erkrankung öffentlich gemacht. „Ich glaube, es wird Zeit, dass wir die Karten auf den Tisch legen. Ich habe Krebs“, sagte er in einem „Bild“-Interview, das er gemeinsam mit seiner Ehefrau Karina gab und das am Sonntagabend veröffentlicht wurde.
Karina Mroß erklärte in dem Gespräch, dass der 75-Jährige vor knapp vier Monaten eine komplizierte Krebsoperation gehabt habe. Die Diagnose: Epitheloides Angiosarkom, ein seltener, bösartiger Tumor, der von den Zellen der Blutgefäße ausgeht. Bei der OP habe sowohl ein Teil des Harnleiters als auch von der Blase entfernt werden müssen. „Diese erste Operation dauerte sieben Stunden.“ Dann sei ein zweiter Eingriff erfolgt, „alle Nähte wurden erneut geöffnet. Diese OP dauerte sechs Stunden“.
Thomas Gottschalk: „Mein Krebs gilt leider als besonders aggressiv“
Der Entertainer ergänzte: „Bei der zweiten OP haben sie mir zum Becken hin noch große Teile des Weichgewebes entfernt. Mein Krebs gilt leider als besonders aggressiv.“ Karina Mroß sei die ganze Zeit an seiner Seite gewesen. „Es war Wahnsinn. Thomas gönnte sich keine Ruhe. Wir fuhren heimlich jeden Tag in die Klinik. Thomas bekam 33 Bestrahlungen. Es war eine Tortur“, sagte sie. Vierzehn Tage habe er im Krankenhaus gelegen. „Ich bin vor Sorge und Angst um Thomas fast durchgedreht.“
Gottschalk habe weitergemacht wie immer, für seine Frau sei es „die Hölle“ gewesen, die Kritiken und Tuscheleien nach seinen Auftritten beim Bambi und bei der Romy-Verleihung zu ertragen. Nun können sich beide auf das Wesentliche konzentrieren, doch die Aussichten seien nicht besonders gut, wie Mroß erklärte. „Ich darf den Gedanken gar nicht zulassen, wie schlecht die Heilungschancen bei dieser Krebsform sind. Sonst würde ich verrückt werden.“ (vit)
COMMENT: Häufige Krankheiten sind häufig, seltene sind selten. Klingt banal, ist es im ärztlichen Alltag nicht. Für die Allerwelts-Krebsformen Mamma-, Prostata-, Lungen-, Darm-, Magen-, Nieren-, Bauchspeicheldrüsen-Krebs u.a.m. gibt es reichlich Erfahrung, wie Therapien gestaltet sein sollten – und entsprechend gute, wenn auch unterschiedliche Heilungsaussichten. Selten Krebsarten bedingen geringe Erfahrungen, Zentren gibt es dafür, wenn überhaupt, wenige. Zentren für häufige Krebsekrankungen gibt es allerdings für die häufigen Krebsarten, z.B. das Mammzentrum in Klagenfurt. Sarkome sind in aller Regel besonders aggressiv, die Aussichten auf Heilung eingeschränkt.
Das Mammazentrum in Klagenfurt – korrekter Name: Brustgesundheitszentrum der KABEG – wurde mehrfach ausgezeichnet. Es ist Teil des Onkologischen Zentrums der KABEG am Klinikum Klagenfurt.
Andere Krankenhäuser der KABEG wie z.B. das Krankenhaus Wolfsberg haben zwar auch unterschiedliche Abteilungen, darunter die Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, aber der Eintrag, welche Schwerbpunkte dort angeboten werden, bleibt relativ dünn. Es gibt dort kein spezielles Krebszentrum im Bereich Frauenheilkunde.
In der Regel werden nicht sehr aussichtsreiche Fälle an die „kleinen“ Krankenhäuser (z.B. Krankenhaus Wolfsberg), geistliche Spitäler und Hospize „abgeschoben“, die aussichtsreichen Fälle verbleiben in den Zentren. Regel heißt hier, dass die Ausnahmen die Regel bestätigen!
UNTERNEHMEN
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GESELLSCHAFTSSEISMOGRAPH BÖRSEN
*** zuletzt aktualisiert am 19.11.2025***
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Tickende Zeitbombe am Anleihenmarkt: In den USA und in Europa wird die Staatsverschuldung zum Problem – Catherine Bosley, NZZ, 30.9.2025
Die Risikoprämien für langfristige Obligationen sind trotz geldpolitischer Lockerung in Grossbritannien, Frankreich und den USA gestiegen. Washington genoss bislang ein «exorbitantes Privileg». Dieses ist nicht in Stein gemeisselt.
Die Reaktion der Anleiheninvestoren auf die jüngste Zinssenkung der amerikanischen Notenbank Federal Reserve erscheint zunächst widersprüchlich. Obwohl das Gremium um Jerome Powell den Leitzins um 25 Basispunkte herabsetzte, legten die Renditen zehn- und dreissigjähriger amerikanischer Staatsanleihen zu.
Doch es gibt eine plausible Erklärung – und sie ist für die USA ein schlechtes Omen. Ein schwindelerregender Schuldenberg und Handelszölle, die die Inflation anheizen, lassen erwarten, dass die Finanzierungskosten der weltgrössten Volkswirtschaft langfristig steigen werden. Hinzu kommt der Druck aus dem Weissen Haus, das die Unabhängigkeit der Notenbank infrage stellt. Das könnte die Inflationserwartungen befeuern.
Doch das Phänomen ausufernder Staatsdefizite, welche die Kapitalmärkte in Unruhe versetzen, beschränkt sich keineswegs auf die USA. Obwohl die Notenbanken auf beiden Seiten des Atlantiks die Leitzinsen gesenkt haben, ist die von Anlegern geforderte Risikoprämie für das Halten lang laufender Anleihen von staatlichen Emittenten wie Frankreich, Deutschland oder Grossbritannien im vergangenen Jahr gestiegen. Dies ist ein Indiz dafür, dass Investoren zunehmend an der Tragfähigkeit der Staatsverschuldung zweifeln.
Zum Beispiel muss Frankreich für neue Kredite noch tiefer in die Tasche greifen als das hoch verschuldete Italien oder Griechenland. Und der Zins auf Staatsschulden war zeitweise höher als der auf den Wertpapieren grosser französischer Unternehmen. Der klägliche Zustand des gallischen Staatshaushalts trug auch massgeblich zum Zusammenbruch der Regierung unter François Bayrou im September bei.
Währenddessen prognostiziert in den USA das Yale Budget Lab, dass aufgrund der höheren Staatsverschuldung durch Donald Trumps Big Beautiful Bill die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe – zurzeit bei etwa 4,15 Prozent – bis 2030 um etwa einen halben Prozentpunkt steigen werde.
«Nicht nachhaltig» sei die Entwicklung der amerikanischen Staatsverschuldung, hatte Powell im Mai erklärt, noch bevor Trumps Gesetz angenommen wurde. Dieses stockt die Mittel für das Militär und den Grenzschutz auf und senkt gleichzeitig die Steuern.
Bislang profitieren die USA von der Rolle des Dollars
Über Jahrzehnte profitierten die USA vom Status des Dollars als internationale Leitwährung. Unter anderem bedeutete dies, dass die hohe ausländische Nachfrage nach sicheren, liquiden amerikanischen Obligationen die Finanzierungskosten Washingtons in Schach hielt. Diesen Sonderstatus bezeichnete der französische Schatzmeister Valéry Giscard d’Estaing einst als «exorbitantes Privileg».
Im Zuge der immer höheren Zölle aus Washington dieses Jahr kamen seitens der Investoren allerdings Zweifel über die Vorreiterrolle des Dollars und die Glaubwürdigkeit der amerikanischen Wirtschaftspolitik auf. Der Greenback sackte im April bis zu 7 Prozent gegenüber dem Euro und sogar fast 9 Prozent gegenüber dem Franken ab, während die Renditen auf US-Treasuries stiegen. Im Gegensatz zu seinen Amtsvorgängern tritt Trump nicht für eine starke Währung ein.
Das Fed senkte am 17. September den Leitzins mit Verweis auf den Arbeitsmarkt, wo es eine beginnende Schwäche erkannte. Dabei entschieden sich die Geldhüter dafür, über die aus ihrer Sicht etwas erhöhte Teuerung hinwegzuschauen.
Noch sind die Auswirkungen der Zölle auf die amerikanische Wirtschaft nicht vollständig zu spüren. Die höheren Einfuhrabgaben beginnen laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) erst jetzt, die Konsumentenpreise zu beeinflussen. Es gibt so gut wie keine Anzeichen dafür, dass die Importeure die Zölle absorbieren, anstatt sie an die Kunden weiterzureichen. Die OECD hat vor diesem Hintergrund ihre Inflationsprognose für die USA für das Jahr 2026 auf 3 Prozent angehoben.
Auch nach Meinung der Deutschen Bank deuten Finanzmarktindikatoren darauf hin, dass die Teuerung in den USA in den kommenden Jahren über dem Zwei-Prozent-Zielband des Fed bleiben wird. Tatsächlich verharrt die in fünf Jahren erwartete Inflationsrate – die im Fachjargon Break-even-Rate genannt wird und aus dem Vergleich der Renditen von inflationsindexierten und nominalen Wertpapieren berechnet wird – seit Anfang dieses Jahres bei rund 2,5 Prozent.
Noch sind Treasuries bei Investoren begehrt
Experten erwarten, dass das Finanzministerium unter Scott Bessent die Politik seiner Vorgängerin Janet Yellen weiterführt und für die Neuverschuldung überwiegend auf Schuldtitel mit Laufzeiten von unter einem Jahr – sogenannte Bills – setzt. So kann das Treasury von den geringeren Finanzierungskosten auf kurzfristigen Obligationen profitieren.
Stephen Miran, jüngst von Trump in den Vorstand des Fed berufen, hatte 2024 mit dem New Yorker Ökonomen Nouriel Roubini die Ausrichtung auf kurzfristige Anleihen untersucht. Sie kamen zu dem Schluss, dass die Strategie – ähnlich wie die quantitative Lockerung einer Notenbank – die Renditen am Markt senkt und auch in Zukunft Anwendung finden dürfte.
Die Taktik funktioniert natürlich nur unter dem Vorbehalt, dass es stets genug Käufer für amerikanische Wertpapiere gibt.
Noch erfreuen sich amerikanische Staatsanleihen reger Beliebtheit. Deswegen sind die amerikanischen Anleihenmärkte wahrscheinlich trotz Zollhammer von Turbulenzen wie an den Kapitalmärkten Frankreichs und Grossbritanniens dieses Jahr verschont geblieben. Nach der vom «Liberation Day» ausgelösten Volatilität im April stieg der von ausländischen Investoren gehaltene Bestand im Juli auf ein Rekordniveau von 9,16 Billionen Dollar. Wer liquide Wertpapiere mit einer attraktiven Rendite kaufen möchte, kommt derzeit kaum am weltgrössten Markt vorbei.
Doch Verkaufswellen wegen Washingtons Handelspolitik, Trumps Druck auf die Notenbank oder die anhaltend hohe Teuerung könnten die Lage umkehren. Sollten Anleger längerfristig an der Glaubwürdigkeit des amerikanischen Fiskus zweifeln, würden die Wertpapiere ihren Status als sicheren Hafen verlieren.
«Wir sind zunehmend der Ansicht, dass die USA auf einige altbewährte Taktiken hoch verschuldeter Staaten zurückgreifen werden», wie zum Beispiel Interventionen am Anleihenmarkt, um die Kosten der laschen Haushaltpolitik zu verschleiern, schrieb Atul Bhatia, ein Stratege von RBC Wealth Management. Das Setzen auf kurzfristige Schuldverschreibungen «birgt grössere Risiken für die amerikanischen Staatsfinanzen, da die Finanzierungskosten dann nicht so berechenbar sind».
Wirtschaftswachstum ist das beste Mittel
Das Phänomen der ausufernden Staatsverschuldung betrifft sowohl die USA als auch die grossen Industrieländer Europas und Asiens. Um die gigantischen Summen in den Griff zu bekommen, gibt es zwei unterschiedliche Pfade: Entweder wird das Wachstum beschleunigt oder aber die Schuldenlast wird auf Kosten der Gläubiger verringert.
Ein beleben der Konjunktur lässt das Ausmass der Schulden im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung eines Staates schrumpfen. Dies erfordert jedoch einen Produktivitätsschub – etwa durch künstliche Intelligenz – oder schmerzhafte Strukturreformen.
Wie jüngst in Frankreich, als der Premierminister aufgrund seines vorgeschlagenen Sparprogramms den Hut nehmen musste, stossen staatliche Ausgabenkürzungen bei Wählern oft auf Ablehnung.
Die andere Möglichkeit ist finanzielle Repression, also wenn der Staat die Anleger faktisch zum Halten von unattraktiven Staatsschulden zwingt. Ein beabsichtigtes Anheizen der Teuerung kann den realen Wert dieser Schulden weginflationieren, solange diese nicht teuerungsgeschützt sind. Oder aber es kommt sogar zu eigentlichen Schuldensanierungen mit kostspieligen Schuldenschnitten wie derjenige von Griechenland 2012.
Die Unsummen der Verbindlichkeiten sind auf beiden Seiten des Atlantiks eine tickende Zeitbombe. Ob und in welcher Form diese losgeht, bleibt abzuwarten.
Schulden wie nach dem Weltkrieg Warum der Welt der Finanzkollaps droht – n-tv, Daniel Schütte, 27.9.2025
Frankreichs Haushalt ist nur noch ein Torso. Die Staatsverschuldung der USA hat astronomische Dimensionen erreicht – die Europäer folgen dem Trend. Inzwischen sagen selbst seriöse Ökonomen und Investoren einen Crash und Panik an den Finanzmärkten voraus. Sie haben recht: Die Schuldenbombe tickt.
Der Schuldenberg der westlichen Staaten ist heute wieder ungefähr so hoch wie in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Gerade noch neun Länder erhalten von allen drei großen Ratingagenturen die höchste Bonitätsstufe, das dreifache A. Selbst starke Wirtschaftsnationen wie Frankreich verlieren die Kontrolle über ihre Haushaltsdefizite. Müsste Frankreich auf die Rettungsmechanismen zurückgreifen, die im Zuge der Eurokrise aufgebaut worden sind, dann hätte das dramatische Folgen auch für die Bundesrepublik. Dreistellige Milliardenbeträge stünden auf dem Spiel.
Regierungen und Wähler haben sich im Laufe der Jahre an solche Summen gewöhnt. Weil am Ende – zumindest für Deutschland – immer alles gut gegangen ist, erscheinen Warnungen nur abstrakt und hypothetisch. Doch die bisherige Verschuldungspolitik wird so nicht weitergehen können. Der aufgebaute Sprengstoff ist hochexplosiv, die Schuldenbombe tickt.
Die USA, der größte Staatsschuldner der Welt, sind nach Ansicht der meisten Ökonomen und Investoren auf fiskalischem Crashkurs. Drastische Warnungen häufen sich. Jamie Dimon etwa, der Chef der weltgrößten privaten Bank J.P. Morgan und Doyen der Wall Street, sprach schon vor der Wahl 2024 von einer drohenden „Rebellion“ der Finanzmärkte, weil die Haushaltsfinanzierung auf ein „Kliff“ zusteuerten. Im Mai prognostizierte er ein Fiasko, weil es zu einem „Riss“ am Bondmarkt kommen werde: „Das wird passieren.“ Seinen Bankenaufsehern sage er: „Ihr werdet in Panik geraten.“
Kernschmelze des Finanzsystems könnte von den USA ausgehen
Die US-Staatsschuldenquote wächst seit Jahren ungebremst, laut Internationalem Währungsfonds (IWF) liegt sie derzeit bei 123 Prozent. Tendenz: immer weiter steigend. Diese Schuldenlawine betrifft die gesamte Welt, denn die USA sind mit Abstand der führende Finanzplatz und der von ihnen geschöpfte Dollar ist die Welt-Reservewährung. Probleme des Schuldners USA könnten deshalb bis zu einer Kernschmelze des Weltfinanzsystems führen. China und andere Herausforderer der USA arbeiten ohnehin daran, die Dominanz des Dollarsystems zu brechen.
Zur hohen Schuldenlast Amerikas, das sein Triple-A längst verloren hat, kommt inzwischen noch die unberechenbare Politik des Präsidenten: Donald Trumps Zölle schaden dem Wirtschaftswachstum, seine Steuersenkungen haben neue Haushaltslöcher gerissen. Obendrein untergräbt Trump mit brachialen Mitteln die Unabhängigkeit der US-Zentralbank Fed, die der Garant eines stabilen Dollar und der Finanzmarktstabilität sein müsste.
Trump will die Notenbankerin Lisa Cook wegen angeblicher privater Verfehlungen feuern. Um mehr Einfluss zu gewinnen, beförderte er auch seinen Chefökonomen Stephen Miran in die Zentralbank, der sofort eine neue Angriffsfront eröffnet hat. Nach dem Gesetz soll die Fed bisher einerseits für stabile Preise, andererseits für möglichst hohe Beschäftigung sorgen. Miran grub eine Passage in den Statuten aus, nach der die Fed zusätzlich auch für moderate Langfristzinsen sorgen müsse.
Mit diesem neuen Rechtsverständnis könnte die Notenbank künftig die Aufgabe übernehmen, dem Präsidenten und seiner Regierung den Rücken finanziell freizuhalten. Denn deren Schuldenpolitik lässt sich nur fortsetzen, wenn die Zinsen im Zaum gehalten werden. Wo der billige Kredit zum permanenten Ziel der Geldpolitik wird, wächst allerdings das Inflationsrisiko erheblich.
Nicht nur die Stabilität des Dollar ist dadurch bedroht. In fast allen Industrieländern gefährdet die wachsende Last der Schulden am Ende das Geldsystem. Die Europäer stehen nur auf den ersten Blick etwas besser da. Die Staatsschuldenquote der Eurozone liegt zwar zusammengerechnet deutlich unter 100 Prozent. Die Währungsunion besteht aber aus zwei fiskalisch sehr verschiedenen Blöcken: Die sechs am höchsten verschuldeten Länder Italien, Frankreich, Spanien, Griechenland, Belgien und Portugal haben – in Relation zum Wirtschaftswachstum – zusammen einen fast genauso hohen Schuldenstand wie die USA.
Abrupte Schuldenwende in Deutschland
Das Gegengewicht bildet im Wesentlichen Deutschland, das seine Schuldenquote in den 2010er Jahren wieder in die Nähe von 60 Prozent gesenkt hatte, und das als der Stabilitätsanker des Euro gilt. Mit der abrupten Schuldenwende im Frühjahr haben die Deutschen ihren Kurs nun grundlegend verändert: Der im Vergleich noch große Kreditspielraum soll zügig genutzt werden. Zugleich verschlechtert sich die Lage beim wichtigsten Partner Frankreich drastisch: Das Land ist tief gespalten, immer neue Regierungen scheiterten zuletzt daran, die ständig steigende Verschuldung zu bremsen. Am Kapitalmarkt ist der Zins der französischen Staatsanleihen deshalb auf das Niveau des notorischen Schuldenpatienten Italien gesprungen. In der Währungsunion zahlen heute die beiden nach Deutschland größten Volkswirtschaften die höchsten Risikoaufschläge gegenüber den Bundesanleihen.
Eine Finanzpolitik, die ihre Schulden nicht mehr im Griff hat, wird zum Sprengstoff für die Finanzmärkte. Denn die Staatsschulden müssen zwar nie restlos zurückgezahlt, aber doch immer wieder neu finanziert werden. Nach einer langen Phase von Mini- und teils sogar Negativzinsen sind die Kreditkosten zuletzt wieder spürbar gestiegen. Verlieren die Investoren einmal abrupt das Vertrauen in die vermeintlich völlig sicheren Papiere, dann drohen massive Erschütterungen: Crashende Bondkurse bringen Banken und Versicherungen ins Wanken, hochschießende Zinsen verschärfen die Haushaltsnot noch weiter. Als letzter Retter in der Krise bleibt dann nur noch die Notenbank, die unbegrenzt Geld schöpfen kann – „whatever it takes“.
Zuletzt hat Großbritannien 2022 einen solchen Schock erlebt. Damals stürzte die neue Premierministerin Liz Truss schon nach wenigen Wochen, weil der Bondmarkt angesichts ihrer Schuldenpläne crashte. Erst ihr Rücktritt und die Interventionen der Bank of England beruhigten die Lage. Der „Truss-Moment“ ist seither der Albtraum vieler Regierungen weltweit.
Schon vor Monaten forderte die vor kurzem ausgeschiedene IWF-Vizechefin Gita Gopinath einen „strategischen Schwenk“. Sie nannte die fiskalische Lage der Welt „schlimmer, als Sie denken“. Höheres Wachstum wäre der Königsweg aus der Schuldenfalle. Die Zügelung von Ausgaben ist vor allem dort unvermeidlich, wo die Steuerlast schon sehr hoch ist. Aktuell zeigt sich aber vor allem, dass der Druck auf die Notenbanken wächst. Die Politik hat sich an das leichte Geld gewöhnt, das die Währungshüter in den großen Krisen der vergangenen anderthalb Jahrzehnte zur Verfügung gestellt haben. Das Risiko einer etwas höheren Inflation erscheint vielen vertretbar – zumal die schleichende Entwertung des Geldes auch die reale Last der Staatsschulden aushöhlen kann.
Der jüngste Vorstoß des Trump-Loyalisten Miran mag Europäern bizarr erscheinen. Die Europäische Zentralbank hat formal ein viel engeres Mandat als die amerikanische Fed. Der klare Auftrag heißt hier: stabile Preise. Faktisch stabilisiert aber auch die EZB schon seit Jahren die Zinsen für Krisenkandidaten wie Italien. Im Fall Frankreich wird sie nicht anders handeln können.
Quelle: ntv.de
Reset wie 1948: Droht die große Enteignung – rtl+, 14.8.2025
Zwangshypotheken, entwertete Konten, 90 Prozent Verlust beim Geldvermögen – die Währungsreform von 1948 zeigt, wie radikal ein Reset ablaufen kann. Und er könnte wiederkommen.
Raimund und Etienne sprechen in dieser Podcast-Folge darüber, wie solche Eingriffe in der Vergangenheit aussahen und warum die Reset-Gefahr auch in der Gegenwart nicht gebannt ist. Könnten sogar die USA im Zentrum eines neuen Resets stehen? Was passiert dann mit Geld, Schulden, Immobilien und Aktien? Und wie schützen Sie Ihr Vermögen am besten? Fragen und Anregungen bitte an brichtaundbell@ntv.de
Währungsreform von 1948 Das sind die wichtigsten Fragen zum „Reset-Szenario“ – n-tv, ab 31.7.2025
Zwangshypotheken, entwertete Konten, 90 Prozent Verlust beim Geldvermögen – die Währungsreform von 1948 zeigt, wie radikal ein Reset ablaufen kann. Dieses Szenario haben Raimund Brichta und Etienne Bell in der vorherigen Folge „Brichta und Bell – Wirtschaft einfach und schnell“ vorgestellt und selten so viel Feedback erhalten. In dieser Woche klären sie weitere wichtige Fragen: von den Auswirkungen auf Gold über Kryptos hin zu KI.
AKTIENEMPFEHLUNGEN – BUY & SELL
Aktuell (—):
Aktien um 10 Euro je Stück sind FETT hervorgehoben.
Die erwarteten stolzen Kursgewinne sind dem Übermut der tollen Analystenzunft zu verdanken! Hirn selbst einschalten und kritisch bewerten. MERKE: Klappern gehört zum Geschäft. Es geht letztlich nicht so sehr um die Beratung der Anleger, sondern um die spekulativ selbst gehaltenen Aktien der Häuser (Banken, Fonds, Anlagegesellschaften etc.), für die die Analysten tätig sind: wenn viele kaufen, steigen die Kurse, und 5% Plus sind zwar weniger als 15% oder 35%, aber besser als 5% Minus. Zudem lassen sich schnell noch eigentlich „schlechte“ Aktien im Portfolio des Hauses (Banken, Fonds, Anlagegesellschaft etc.) verkaufen, für die der Analyst tätig ist, sofern die werten privaten Anleger den Kaufempfehlungen folgen. So schaut’s aus im Schneckenhaus! Nochmals: Hirn selbst einschalten. Die Finanzbranche lebt vom Trübe-Machen des Wassers!
NICHT ZULETZT: Verkaufsempfehlungen werden ungern gegeben, da sie auf das Portfolio der Häuser (Banken, Fonds, Anlagegesellschaft etc.) rückschließen lassen, zu denen die Analysten gehören. Verkaufsempfehlungen werden aus zwei Gründen gegeben: a) es ist tatsächlich Feuer am Dach des analysierten Unternehmens, b) das Haus möchte die Aktien des zum Verkauf empfohlenen Unternehmens billiger zurückkaufen, sofern den Verkaufsempfehlungen gefolgt wird. Letztlich agieren an der Börse die Optimisten, und die wollen positive Nachrichten hören, also werden sie von den Häusern und ihren Analysten entsprechend bedient.
UND ZU ALLERLETZT: die Analysten bespiegeln sich untereinander: wer hat was empfohlen oder nicht empfohlen, es kommt zu herdenpsychologischen Erscheinungen derart: der Leithammel hat empfohlen, also machen wir das auch. Die jeweiligen Analysen werden entsprechend (um)formuliert. Das zweite Moment: die Konkurrenz, die u.U. zu skurrilen Interpretationen des analysierten Unternehmens führt.
FAZIT: was die Analystenzunft von sich gibt, kann aufschlussreich sein, muss es aber nicht, vermittelt einen zusätzlichen Eindruck zu einzelnen Aktiengesellschaften. Wichtig ist der Blick auf zweierlei: a) entscheidend: auf die volkswirtschaftliche Situation des Landes, der Welt; b) sekundär (!) auf das Unternehmen und seine Branche: Charakter des Managements, klare, gut durchschaubare Produktpalette, Langlebigkeit des Unternehmens und seine Stetigkeit im Gebaren.
Renten- und Aktienmärkte
Man halte sich vor Augen: Aktienmärkte sind die Pfützen in der Welt der Veranlagungsmöglichkeiten. Anleihenmärkte (Rentenmärkte, Kapitalmärkte) sind die großen Ozeane ebendort. Daher sind Aktienmärkte volatil und reagieren auf den leisesten Windhauch mit u.U. kräftigen Ausschlägen. Die Seelen der Anleger sind sehr verletzlich: Angst und Gier bestimmen hier jegliches Handeln, die vernünftige Veranlagungsentscheidung steht an zweiter Stelle. Das verursacht in den kleinen Geldpfützen der Aktienmärkte hohe Wellen. Aber dort stehen nach erster Erschütterung später die rationalen Kaufs- und Verkaufsentscheidungen felsenfest – bis zur nächsten Seelenerschütterung.
Anleiheanleger sind cooler und gezügelter im Gemüt. Hier geht es eher um Langfristperspektiven. Alles dreht sich um den Zins und wie er sich weiterentwickelt. Wer an der Zinsschraube dreht, dreht am Schicksal ganzer Volkswirtschaften. Da ist das aufgeregte Gegackere an den Aktienmärkten geradezu uninteressant.
Aber kommen Anleihemärkte einmal ins Rutschen – nach oben oder nach unten – dann ist Feuer am Dach. Schon 0,5 oder gar 1 Prozent Veränderung in einem Anleihenindex sind eine „Weltbewegung“ im Milliarden- oder Billionengeldmeere der Anleiheozeane.
Dazu kommt: Die Anleiherenditen konkurrenzieren mit den Aktienrenditen. Eine hohe Anleiherendite jenseits der 3 Prozent wirkt umso „giftiger“ auf die Aktienkursentwicklungen, je höher sie ist. Liegt sie unter 3 Prozent, begünstigt sie die Aktienkäufe, Je deutlicher sie unter 3 Prozent liegt, umso eher. Das ist die Regel. Die Ausnahme – so, wie wir sie gerade sehen – bestätigt diese Regel. Früher oder später wird sie ihre dominante Stellung als Regel wieder einnehmen.
Diese Verhältnisse sind es, die im Tagesblick in der Regel die Berichte zu den Anleihemärkten wiedergeben lassen, dass aufgeregte Geflattere und Gegackere an den Aktienmärkten im Detail interessiert in der Regel nicht die Bohne.
Zur Renditebestimmung bei Anleihen: notiert die Anleihe zu 100 Prozent, dann stimmen Anleihezinssatz (der Couponzins) und Anleiherendite überein. Sinkt der Anleihekurs unter 100 Prozent, steigt die Rendite, umgekehrt gilt: steigt der Anleihekurs, so sinkt die Rendite. So einfach ist das. Und so weltbewegend in der Tat.
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Allgemeine Empfehlungen: Es geht vornehmlich um die Zukunft der Energiegewinnung und die Energielieferanten. Renner bleiben Telekommunikations-Unternehmen, deren Dienstleistungen in einer digitalisierten Wirtschaft und Gesellschaft unabkömmlich sind. Unter den Logistik-Aktien sind in der Regel die Post-Aktien interessant. Diese Branchen sind weniger konjunkturabhängig als z.B. Konsumaktien, darunter die Post-Aktien noch am ehesten.
Hinzu kommt, dass die klassischen erdölverarbeitenden Energielieferanten (Up- und Downstream) mehr oder weniger energisch in großem Stil auf Alternativenergien umstellen. Es bleibt ihnen angesichts des Klimawandels, der öffentlichen Meinung und der in absehbarer Zeit erschöpften Welt-Erdölreserven auch nichts anderes übrig. Über das Kapital für den weltlebensnotwendigen Umbau verfügen sie dank ihrer Aktionäre. Es geht aus Sicht der Unternehmen um zukunftsträchtige Geschäftsmodelle in einer überschaubaren Branche – Energie – und aus Sicht der Aktionäre um steigende Unternehmenswerte / Aktienkurse als Inflationsschutz und sichere, möglichst stabil wachsende Dividenden, ebenfalls hinsichtlich des Inflationsschutzes.
Anti-Nachhaltigkeits-Bewegung in den USA als 180-Grad-Wendung in der Veranlagungsgebarung
Der aktuelle politische Druck in den USA zwingt eine Reihe großer Vermögensverwalter, darunter die weltgrößten wie Blackwater und Vanguard (verwaltetes Vermögen: 20 Billionen US-Dollar), nachhaltige Unternehmen potentiellen Anlegern nicht mehr zu empfehlen. Sie selbst verkaufen solche Unternehmen aus ihren Portfolios. Es gibt sogar seitens republikanisch regierter Bundesstaaten wie insbesondere Texas Kaufverbote für staatliche Pensions- u.a. Fonds.
Ausgestiegen sind bereits US-amerikanische Großbanken wie JP Morgan, Goldman Sachs, Wells Fargo, Bank of America, Citigroup (verwaltetes Vermögen: 9 Billionen). Ähnliches betrifft die Kreditvergabe. Offen bleibt, wie private und Unternehmensanleger (nicht-staatliche Fonds) künftig disponieren werden.
Unter den angebotenen Finanzanlagen kursieren seit geraumer Zeit besondere Nachhaltigkeitsprodukte in Form sog. ESG-Fonds (mehr dazu hier), die hohe Renditen versprachen und daher recht starken Zulauf hatten; die Renditen wurde seit Erhöhung der Kreditzinsen gebremst, da dadurch kreditfinanzierte Nachhaltigkeitsprojekte (Windparks, Solaranlagen etc.) weniger rentabel wurden.
In der Europäischen Union will man sich weiter an entsprechende Nachhaltigkeitsauflagen festhalten. Bislang wurden in europäische ESG-Fonds 9 Billionen Euro investiert, was 61 Prozent des gesamten Fondmarktvolumens entspricht. Der Zufluss hat sich 2024 allerdings um die Hälfte auf 37 Milliarden Euro reduziert. Zudem wurden mehr ESG-Fonds geschlossen als eröffnet. Nicht nur die hohen Zinsen, die die ESG-Fonds-Renditen beeinträchtigten, führten dazu, sondern auch „grüne Schönfärberei“: es stellte sich da und dort heraus, dass die versprochene Nachhaltigkeit mehr auf dem Papier als in der Wirklichkeit bestand. (Quelle: Wirtschaft vor Acht, ARD, 10.1.2025 (KURZVIDEO, bis 17.1.2025 verfügbar))
FAZIT: Es bleibt abzuwarten, was das für den Klimaschutz in den USA und weltweit künftig bedeutet. Für Österreich stellt sich die Frage, wie eine künftige Regierung sich in Sachen Klimaschutz verhalten wird.
Aktienkauf – der Erwerb einer Unternehmensbeteiligung – bedeutet Übernahme eines Risikos in Hinblick auf das künftige Unternehmensschicksal. Die Dividende stellt eine Risikoprämie dar.
Aktienanalytischer Blick auf Aktien im Euroraum und speziell Österreich (Stand: 24.2.2025):
ACHTUNG – STEUERVERÄNDERUNGEN ANTE PORTAS:
Ins Gerede kommen in absehbarer Zeit auf EU-Ebene und auf Österreich-Ebene vermutlich Aktienbesteuerung (Verkaufsgewinne, Dividenden) ebenso wie Vermögens- und Erbschaftssteuer. Diese Steuern sind in Veranlagungsüberlegungen mit einzubeziehen.
Im Folgenden sind Aktien um 10 Euro je Stück und darunter FETT hervorgehoben.
Neu aufgenommene Aktien werden mit ### gekennzeichnet.
Beobachtenswert ist der Umweltschutz- und Wasserwirtschaftswert Veolia
Ein Kaufsignal liefern weiterhin ENI, UNICREDIT und TOTAL ENERGIES, im Vergleich zum 3.2.2025 stabile Bewertung mit jeweils fünf Sternen bewertet.
Ein Kaufsignal liefern ENEL, PORR, SHELL, VERBUND, ### VIENNA INSURANCE GROUP mit jeweils vier Sternen bewertet.
Im Vergleich zum 3.2.2025 erweiterte stabile Bewertung mit jeweils vier Sternen bewertet.
Ein niedriges KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) zeichnet aus:
RWE, TOTAL ENERGIES, ### UNICREDIT SPA, PORR, OMV, ### UNIQA, EVN, ENEL, TELECOM AUSTRIA, ### STRABAG, WIENERBERGER, SHELL, PALFINGER.
Aufsteigende Reihenfolge: die erste Aktie RWE ist die mit dem niedrigsten KGV = 4,8, PALFINGER die mit dem höchsten KGV = 9,3.
Im Vergleich zum 3.2.2025 erweiterte stabile Bewertung.
Ein niedriges dynamisches KGV (PEG, Price-Earning-to-Growth) weisen u.a. auf:
ENI, UNICREDIT, ### KONTRON AG, OMV, SHELL, PORR, WIENERBERGER, PALFINGER,
Nicht mehr dazu gehören: VIENNA INSURANCE GROUP, TELECOM AUSTRIA.
Aufsteigende Reihenfolge: die erste Aktien ENI = 0,5 ist die mit dem niedrigsten, PALFINGER die mit dem höchsten PEG = 1,4.
Im Vergleich zum 3.2. 2025 ist die Auswahl verändert, einzelne Aktien kamen dazu, andere fehlen nun!
Als Aktien mit langfristigem Kurspotential werden u.a. gesehen:
TOTAL ENERGIES, ENI, VERBUND, E.ON.SE, EVN, RWE.
Aufsteigende Reihenfolge: am Anfang der Reihe steht jene mit der größten Langfristchance.
Im Vergleich zum 3.2.2025 bleibt die Auswahl stabil, die Reihenfolge hat sich geändert.
Als Aktien mit hoher Sicherheit werden u.a. bewertet VIENNA INSURANCE GROUP, VERBUND; die Bewertungen bleiben unverändert zum 3.2.2025.
Aufsteigende Reihenfolge: am Anfang der Reihe steht jene Aktie mit der größten Sicherheit.
Aktien mit hoher Dividendenrendite sind:
OMV, ORANGE, TELEFONICA, ENI, UNIQA, ENEL.
Aktien mit der größten Dividendenrendite stehen am Anfang der Reihe: OMV 12,6%, am Ende die mit der niedrigsten: Enel 6,7%, jeweils vor Steuer.
Im Vergleich zum 3.2.2025 bleibt die Auswahl gleich, die Reihenfolge hat sich geändert.
KAUFKRITERIEN neben den aktienanalytischen Kennzeichnungen sind der Reihe nach: WER? – Qualität und Charakter (Psychologie!) des Managements, Häufigkeit des Managementwechsels, Unternehmenskultur; WAS? – Produkteinfachheit: „einfach gestrickte“, leicht zu durchschauende/transparente Produkte oder Dienstleistungen, eher kleine Produktpalette bzw. enger umschriebenes Dienstleistungsangebot, Konstanz der Nachfrage; WIE? – Sicherheit, Widerstandsfähigkeit gegenüber wirtschaftlichen Wechselfällen, finanzielle Stabilität des Unternehmens, Konkurrenzsituation; WO? – geographische und „politische“ Lage möglichst fern von Krisengebieten inkl. solchen mit politischer Unruhe oder in Ländern mit totalitären Systemen oder deutlich defekten Demokratien (illiberale Demokratien); WANN? – Lebensdauer bzw. Überlebensdauer (Weltkriege etc.) des Unternehmens bisher, Stetigkeit der Dividendenzahlungen.
FAZIT: vor dem Kauf einer Unternehmensbeteiligung sich zur Aktiengesellschaft schlau machen: WER, WAS, WIE, WO, WANN.
ZWEI DINGE sind zusätzlich zu beachten:
# Langfristanlage durch Erwerb von Defensiv-Aktien (u.a. Energie, Telekom),
# Verbleib in einem Währungsraum, das ist der Euroraum. Daher werden die allseits seit Jahren gehypten US-Aktien hier mit Absicht außen vor gelassen, um das Währungsrisiko klein zu halten. Gleiches gilt für den Erwerb von Schweizer Aktien, wie die Vergangenheit mit Blick auf das sehr wechselhafte Wechselkursverhältnis Schweizer Franken / Euro gezeigt hat.
Die Europäischen Union als Veranlagungsrisiko?
Das Staatssystem der Europäischen Union kommt einer defekten Demokratie gleich und erstreckt sich in den Währungsraum (Euroland), in dem gehandelt wird. Man spricht auch von einem Demokratie-Defizit der Europäischen Union. Risiken dieser defekten Demokratie, um einige zu nennen, sind: Regelungen „von oben herab“ auf nicht sehr transparente Weise und Steuervorgaben, die sich durch Negieren realer Alltagserfordernisse auszeichnen, Überwachungsbestrebungen, hoher Bürokratieaufwand für Unternehmen und Bürger. All dies markiert Abgehobenheit und Bürgerferne der EU-Politik.
Kennzeichnend für das Gebaren (Governance) der EU ist ein Ineinandergreifen von EU-Exekutive (Kommission mit ihren Kommissariaten) und einem nicht gut überschaubaren Geflecht zahlreicher, der EU nahestehenden und von ihr geförderten Institutionen, Organisationen und Einrichtungen, die auf vielen Ebenen EU-Kommissionsvorgaben umsetzen helfen. Sie helfen insbesondere dabei, die von EU-Rat- und EU-Kommission angedachten, aber für Bürger und Unternehmen noch nicht „akzeptablen“ Vorgaben „schmackhaft“ zu machen, um so zu einer ausreichend hohen Akzeptanz in der Bevölkerung zu führen, die eine politische Umsetzung ermöglicht.
Junker sagte 1999 dazu sehr verkürzt und sinngemäß: was wir heute als EU nicht durchsetzen, das werden wir dann schon später durchsetzen. Dem Lobbyismus Richtung EU-Exekutive (insbesondere seitens der Unternehmen) steht ein „Lobbyismus“ seitens der EU in Richtung auf die Einrichtungen der Mitgliedsländer sowie auf die Unternehmen und die Bevölkerung gegenüber, dessen Räderwerk für den Normalbürger praktisch nicht durchschaubar ist. Inwieweit kommt dies einem autokratischen Verhalten von der Maschek-Seite gleich?
Hauptziel der EU-Bestrebungen ist die Etablierung der Vereinigten Staaten von Europa, die den derzeit bestehenden Verbund der Mitgliedsstaaten ersetzen soll. Das deutet auch der Wechsel der Namensgebungen im Zeitverlauf an:
# Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS, umgangssprachlich auch Montanunion, 1951)
# Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG, 1957 inklusive EURATOM)
# Europäische Gemeinschaften (EG, 1965 ff., Fusion von EWG, EURATOM und einzelnen EG-Organen, Fusions- und Folgeverträge)
# Europäische Gemeinschaft (EG, seit 1993 ff., Maastricht- und Folgeverträge)
# Europäische Union (EU, 2007, Lissabon- und Folgeverträge)
| 1948 1948 Brüsseler Pakt | 1951 1952 Paris | 1954 1955 Pariser Verträge | 1957 1958 Rom | 1965 1967 Fusions- vertrag | 1986 1987 Einheitliche Europäische Akte | 1992 1993 Maastricht | 1997 1999 Amsterdam | 2001 2003 Nizza | 2007 2009 Lissabon | ||||||||||||||||||||||
| Europäische Gemeinschaften | Drei Säulen der Europäischen Union | ||||||||||||||||||||||||||||||
| Europäische Atomgemeinschaft (Euratom) | → | ← | |||||||||||||||||||||||||||||
| Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) | Vertrag 2002 ausgelaufen | Europäische Union (EU) | |||||||||||||||||||||||||||||
| Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) | Europäische Gemeinschaft (EG) | ||||||||||||||||||||||||||||||
| → | Justiz und Inneres (JI) | ||||||||||||||||||||||||||||||
| Polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen (PJZS) | ← | ||||||||||||||||||||||||||||||
| Europäische Politische Zusammenarbeit (EPZ) | → | Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) | ← | ||||||||||||||||||||||||||||
| Westunion (WU) | Westeuropäische Union (WEU) | ||||||||||||||||||||||||||||||
| aufgelöst zum 1. Juli 2011 | |||||||||||||||||||||||||||||||
Problematisch bleibt dabei: je größer die Zentralisation von Staatsmacht, umso größer die Machtfülle, die mit „eiserner Harke“ über berechtigte (!) Einzelinteressen der Mitgliedsstaaten und damit der Bürger drüberfährt. Das Prinzip der Subsidiarität bleibt dabei auf der Strecke, so wie dieses Prinzip z.B. Österreich 1994 anlässlich der Vorabstimmungskampagnen versprochen wurde. Wurde das Versprechen eingelöst?
Beispiele der Machtfülle durch Zentralisierung liefern alle großen Staaten, u.a. Russland und China, die geradezu Musterbeispiele dafür darstellen.
Ein Problem des Staates an sich ist das Machtmonopol, das bei ihm liegt und liegen muss, will er Gesellschaft – das Staatsvolk – und die Abläufe darin mit Erfolg, also: durchsetzungskräftig organisieren. Das Problem ergibt sich aus dem Spannungsfeld zwischen unbeschränkter Freiheit des Individuums (Libertarismus) und unbeschränkter Freiheit des Staates (Totalitarismus).
Wie dieses Machtmonopol ausgestaltet wird, unterliegt in Demokratien dem Willen des Wahlvolkes, in nicht-demokratischen Staaten dem Willen des autoritären, totalitären oder autokratischen Machthabers. In defekten Demokratien ist die Mitbestimmung des Volkes eingeschränkt. Defekte Demokratien existieren in einer Grauzone, deren Konstituenten und ihre gegenseitige Einflussnahme nicht leicht zu bestimmen sind. Somit ist auch der Defektheitsgrad einer defekten Demokratie nicht leicht zu bestimmen und unterliegt, je nach politischer resp. ideologischer Perspektive, unterschiedlichen Wertungen.
Die idealtypische Dreiteilung der Regierungsformen existiert in der Wirklichkeit nicht: keine Demokratie der Welt entspricht der idealen Form, weist also im Ansatz Eigenschaften einer defekten Demokratie auf, kein totalitärer Staat schränkt die individuellen Freiheiten vollständig ein, es verbleibt den Bürgern dort ein mehr oder weniger großer Freiheitsraum.
Hinsichtlich des staatlichen Machtmonopols, das zudem bei anwachsender Zentralisation der Staatsgewalt zur Zunahme neigt, ergibt sich die Erkenntnis: so wenig Staat wie möglich, so viel Staat wie nötig als einer Einrichtung, die mit einem mit Rechtsgewalt in das Leben seiner Bürger eingreifenden Machtmonopol versehen ist, das für das „Funktionieren“ einer Gesellschaft unaufgebbar ist.
Die dafür notwendigen rechtlichen Verregelungen des Alltagslebens durch Allgemeines Gesetzbuch, Strafgesetzbuch, Angestelltengesetz etc.etc. sind zahllos und gelten bei ausnahmslos jeder Handlung, werden aber – ebenso regelhaft – dem Bürger erst dann bewusst, wenn es zu schwerwiegenden Regelverstößen oder Regelbruch-Sanktionierungen kommt.
Rechtliche Verregelungen sind Ausdruck der jeweiligen Ausprägungen eines Rechtsstaates; dieser wird in einer idealen Demokratie nicht durch Willküreinwirkungen korrumpiert: das ist ein wesentliches Kennzeichen demokratischer Rechtsstaatlichkeit. Auf Rechtsstaatlichkeit pflegen sich auch autoritäre, totalitäre oder autokratische, kurz: diktatorische Systeme zu berufen, doch wird der Rechtsstaat dort durch Willküreingriffe korrumpiert: Rechtsbiegung als Kennzeichen von Autokratien etc. In einer defekten Demokratie wird die Rechtsstaatlichkeit (leicht) eingeschränkt, womit das Risiko entsteht, in eine Autokratie abzugleiten.
Nur in formalrechtlicher Hinsicht war zum Beispiel auch der NS-Staat ein Rechtsstaat, besaß er doch gemäß der NS-Grundsätze umgearbeitete Gesetze aus der Weimarer Republik und neue Gesetze im Sinne der NS-Ideologie, auf die er sich in der Rechtsprechung berief und von denen viele in einem „normalen“, d.h. hier NS-konformen Rechtssetzungsprozess entwickelt wurden. Daran ändert nichts die Gepflogenheit, den NS-Staat in inhaltlich-ethischer Hinsicht als Unrechtsstaat zu bezeichnen. Ein krasses Beispiel für einen NS-Rechtserlass im autokratischen Sinn ist unter diesem Link einsehbar.
Kennzeichnend für die Biegsamkeit des Rechts je nach Staatsraison ist die Tatsache, dass Juristen nach einem Regimewechsel ihre Posten in der Regel nicht verloren, sondern im neuen Regime weiter im Dienst des Rechts ihre berufliche Tätigkeit frei oder im öffentlichen Dienst ausübten. So wurden Juristen und Richter nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes ohne weiteres in den öffentlichen Dienst der entstehenden Bundesrepublik Deutschland übernommen. Vergleichbares geschah nach dem Fall der UdSSR oder DDR.
Das „Funktionieren“ einer Gesellschaft dank dafür sorgender Rechtsstaatlichkeit bedeutet in einer Demokratie das Herstellen eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen einerseits den rechtsstaatlich gesicherten Freiheitsbedürfnissen des Individuums unter für ihn zureichenden wirtschaftlichen Gegebenheiten und andererseits den „Freiheitsbestrebungen“, somit Machtbestrebungen des Staates, mit dem Ziel, ein Höchstmaß an Gemeinwohl resp. Sozialfrieden in Freiheit herzustellen. Als Garant dafür dient die Gewaltenteilung und ein entsprechend stark regulierter und damit gewaltgebändigter Polizei- und Geheimdienstapparat sowie als vierte Gewalt die Sicherstellung einer freien Presse. MOTTO: Nimm Freiheitsbeschränkungen mit Blick auf das Gemeinwohl aus Überzeugung an, wir helfen dir dabei durch politische Aufklärung und sachliche Bildungsarbeit!
Das „Funktionieren“ einer Gesellschaft dank dafür sorgender Rechtsstaatlichkeit bedeutet in einer Autokratie, im Autoritarismus und vor allem im Totalitarismus Ausgesetztheit vor rechtsbeugenden willkürlichen Staatseingriffen auf die ohnehin reduzierten Freiheitsmöglichkeiten des Individuums unter nicht selten unzureichenden wirtschaftlichen Gegebenheiten zu Gunsten der Machtbestrebungen des Staates mit dem Ziel, ein Höchstmaß an „Gemeinwohl“ resp. „sozialem Frieden“ in Unfreiheit zu erzwingen. Als Garant dafür dient die Einschränkung, womöglich Aufhebung der Gewaltenteilung sowie ein entsprechend stark ausgeprägter und mit gering regulierter Gewalt ausgestatteter Polizei- und Geheimdienstapparat sowie eine allgegenwärtige Brachial-Propaganda unter Ausschaltung der Pressefreiheit. MOTTO: Kusch, sonst trifft dich der Polizeiknüppel und du landest im Gulag, folgst du nicht den Propaganda-vermittelten Staatszielen!
Das „Funktionieren“ einer Gesellschaft dank dafür sorgender Rechtsstaatlichkeit in einer defekten Demokratie gibt in (noch) geringem Ausmaß jene Prinzipien auf, die eine Demokratie hervorheben. Als Garant dafür dient eine Einschränkung der Gewaltenteilung und ein nicht allzu gestärkter und nicht allzu sehr mit herabgesetzter regulierter Gewalt ausgestatteter Polizei- und Geheimdienstapparat sowie eine verhältnismäßig subtil eingesetzte Propaganda und Beeinflussungsmaschinerie. MOTTO: Folge der politischen Verführung und glaube, es sei deine Entscheidung, sonst zwiebeln wir dich mit Exekutivmaßnahmen!
Eine solche Beeinflussungsmaschinerie hat die exekutiv im Grunde genommen schwach aufgestellte EU entwickelt, was zu eben der Ausbildung dieser „Schattenexekutive“ geführt hat. Sie trägt damit – nicht so ohne weiteres sichtbar für den Normalbürger – ein Kennzeichen einer defekten Demokratie. Damit steht die Gefahr im Raum, weiter an demokratischen Eigenschaften einzubüßen und zu einem politischen und wirtschaftlichen Risiko heranzureifen. In der Tat bemüht sich die EU um Stärkung ihrer Polizeigewalt (Frontex, 2004, weiterer Ausbau) und damit um Ausbildung eines weiteren Kennzeichens defekter Demokratien insofern der Vorwurf stimmte, dass Frontex auch innerhalb der EU eingesetzt werden könnte.
Was die Beeinflussungsmaschinerie der EU betrifft, hat 2011 der deutsche Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger (1929-2022) die Europäische Union als “sanftes Monster Brüssel“ bezeichnet und von der „Entmündigung Europas“ gesprochen. Er anerkennt segensreiche Folgen ihres Wirkens, macht aber zugleich auf die strukturellen Defizite dieser überstaatlichen Einrichtung aufmerksam, die durch massive Öffentlichkeitsarbeit, um nicht zu sagen: Propaganda – geschickt durch das vorbeschriebene Geflecht an Organisationen, Instituten, Einrichtungen etc. vermittelt –, übertüncht werden. Bezeichnend ist sein Ausspruch: „Je dünner die Legitimität [ihres politischen Handelns], umso dicker der Glibber der PR.“
Die geschilderte Gefahr liegt nicht darin, sich im Euro-Währungsraum zu bewegen. Sie liegt darin, dass infolge mangelnder demokratischer Kontrolle politisch einer Gesinnungsethik und nicht einer Verantwortungsethik gefolgt wird. Damit einher ginge eine Abgehobenheit von den Realitäten des täglichen Lebens der Bürger und Unternehmen. Das führte kurz über lang zu einer Schwächung des Euros im Währungskonzert. Ein Risiko erwüchse dann eher daraus, dass es nicht sicher ist, ob der Währungsraum „Euro“ eines Tages zerbricht, zum Beispiel dadurch, dass im Konzert mit anderen Währungen die derzeit ohnehin angekratzte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Europäischen Union noch weiter geschwächt würde und der Euro fortgesetzt an Wert verlöre. Letzteres erleichterte das Auseinanderbrechen der Europäischen Union, die Eigeninteressen der Mitgliedsländer träten wieder stärker hervor.
Dieses Auseinanderbrechen der Europäischen Union ist derzeit unwahrscheinlich, aber denkmöglich als Folge von: fortgesetzter Wirtschaftsschwäche; weiter zunehmender Unzufriedenheit der Bevölkerung mit Zunahme nationalkonservativer bis rechtsextremer Haltungen; fortgesetztem „Rütteln an den Ketten“ seitens ehemaliger UdSSR-Bruderstaaten; fortgesetzter Aufnahme neuer Mitgliedsländer speziell aus dem Balkan und dem ehemaligem UdSSR-Einflussbereich (Serbien, Ukraine); gravierenden, von den Bevölkerungen der Mitgliedsstaaten nicht mitgetragenen außen- und innenpolitischen Entscheidungen.
Bräche die EU, so bräche spätestens dann auch der Euro; im Übrigen weist die Geschichte der Währungsunionen auf deren Brüchigkeit hin: sie halten in der Regel nicht lange. Den Anleger zwingt unter anderem auch dies beizeiten zu überlegen, in welcher Währung er außerhalb des Euroraumes investieren soll. Angesichts des unsicheren Status des US-Dollars als Weltwährung ist dies eine herausfordernde Frage. Sie stellt sich glücklicherweise derzeit nicht, sondern taucht nur schemenhaft als Denkmöglichkeit am Horizont einer eher ferneren Zukunft auf. Aber: sie taucht auf und kann blitzesschnell elefantengroß im Raum stehen.
FAZIT: die Europäische Union birgt für den Anleger derzeit nur am Zukunftshorizont sich abzeichnende Risiken. Sie entspringen u.a. daraus, dass die EU weniger aus der Position der Stärke als eher aus der der Schwäche handelt. Im Vergleich zur Situation des Kalten Krieges und damit zur Gründerzeit der EU-Vorläufereinrichtungen, in der es nur einen wirtschaftsmächtigen geopolitischen Spieler und gleichzeitigen Verbündeten – die USA – gab, steht die Europäische Union heute zwischen zwei Wirtschaftsblöcken: dem des USA-geführten Westens und dem des sog. globalen Südens. Das erzeugt Druck, allzumal Zeitdruck, treibt die EU an und lässt sie, will sie nicht aufgerieben werden, nach Machtvergrößerung durch Zentralisierung streben – ein Demokratierisiko ersten Ranges, damit in der weiteren Folge ein Wirtschafts- und letztlich Veranlagungsrisiko.
Grundsätzliches zur Währungsspekulation
Währungs-Spekulation ist ein äußerst schwieriges, glitschiges, hochriskantes Geschäft, bedarf langjähriger Erfahrung, tagtäglicher Marktbeobachtung und eines guten Magens: Schocks und erratische Marktbewegungen müssen ausgehalten werden – psychisch und finanziell. Einer der bekanntesten und erfolgreichsten Währungsspekulanten im deutschsprachigen Raum ist Folker Hellmeyer (Hellmeyer-Website, Hellmeyer-Kurzportrait (Goldseiten), Hellmeyer auf Netfonds usf.).
Zweck der Währungsspekulation?
Wie bei den Warenoptionsmärkten dient auch der Währungsoptionsmarkt dazu, sehr starke Schwankungen im Wert einer Währung (Devise) zu verhindern: sehr starken Verteuerungen oder Verbilligungen einer Währung im Devisenmarkt (Währungs- oder FOREX-Markt) wird so gegengesteuert. Dafür sorgen die vielen Marktteilnehmer, von denen ein Teil den künftigen Wert einer Währung (Devise) höher, der andere diesen Wert tiefer einschätzt. Dies führt dazu, dass sich eine Art mittlerer Wert für diese Währung einstellt. Währungsoptionsmärkte sind rund um den Globus nahezu 24/7, also nahezu täglich rund um die Uhr, offen (Warenoptionsmarkt, Optionen im Freihandel).
Anders ausgedrückt: Die Spekulanten sichern sich mit ihrem Engagement gegen das Risiko eines Währungsverfalls oder eines Währungsanstiegs ab. Währungsanstiege sind ein Risiko für Käufer auf Warenmärkten, Währungsabwertungen sind ein Risiko für Verkäufer auf Warenmärkten. Gleiches gilt selbstverständlich auch für Dienstleistungen im internationalen Dienstleistungsaustausch. Die gegenläufigen Interessen auf dem Währungsoptionsmarkt „mitteln“ sich aus.
Allgemein gesprochen handelt es sich bei den Geschäften auf Optionsmärkten um Absicherungsgeschäfte oder Hedging.
Nochmals anders ausgedrückt: Auf aggregiertem Niveau (Makroebene) sorgt der Währungsoptionsmarkt für die Stabilität einer bestimmten Währung im Konzert der anderen Währungen im Devisen- resp. Währungsmarkt (Kassa- oder Spot-Markt, das Pendant zum Optionsmarkt).
Eine stabile Währung ist für die Volkswirtschaft, in deren Bereich diese Währung als Zahlungsmittel dient, eine Lebensnotwendigkeit für das optimale Funktionieren der volkswirtschaftlichen Grundvorgänge Kauf und Verkauf von Waren und Dienstleistungen. Erratische Schwankungen im Währungs- oder Devisenmarkt erschweren auf der Ebene der Unternehmen (Mikroebene) innerhalb und außerhalb einer Volkswirtschaft erheblich Kalkulationen mit Sicht auf künftig geplante Käufe und Verkäufe. Erratische Schwankungen einer Währung schwächen die Wirtschaftsleistung der zugehörigen Volkswirtschaft, eine stabile Währung fördert sie. Dies gilt auch für Volkswirtschaften außerhalb des entsprechenden Währungsraumes, sofern sie mit dieser Volkswirtschaft handelnd in Verbindung stehen.
FAZIT: Währungsoptionsmärkte sind für das Wirtschaftsgeschehen im Konzert der verschiedenen Volkswirtschaften überlebenswichtig.
Die heilige Trias
Diese Zusammenhänge bleiben in der Regel für Otto Normalverbraucher genauso verborgen wie die Bedeutung der nicht-demokratisch agierenden Zentralbanken, die mit ihren Zinsentscheidungen tief in das Wirtschaftsleben und somit in das Alltagsgeschehen der Menschen eingreifen. Warenmärkte, Währungsmärkte und Zentralbanken sind in einem fortlaufenden Marktgeschehen untrennbar und maßgeblich untereinander verbunden. Dabei modulieren und moderieren die Zentralbanken über den Zinssatz die Abläufe in Waren- und Währungsmärkten und den zugehörigen Optionsmärkten.
Für Otto Normalverbraucher sind Spekulanten auf diesen Märkten in aller Regel ganz, ganz böse Subjekte, die sich mit ihren Spekulationsgewinnen die Taschen vollstopfen.
Wer sind diese Subjekte auf Währungsoptionsmärkten?
Auf Währungs- und Währungsoptionsmärkten agieren in großer Zahl Staatsstellen, staatliche und private Pensionsfonds, multinationale und andere Unternehmen, Finanzinstitute (Banken u.a.), Hedgefonds u.a.
Otto Normalverbraucher verkennt in aller Regel den Sinn dieser Märkte und die Rolle der Spekulanten dort; denn:
Die Währungsoptionsmärkte zeichnen für das Wohl und Wehe im höchstpersönlichen Alltagsleben des kleinen Mannes auf der Straße verantwortlich, indem sie für relative Währungsstabilität sorgen. Doch Märkte sind keine Subjekte. Somit sind präzise gesprochen nicht „die Märkte“, sondern die Teilnehmer an Währungsoptionsmärkten – also die risikoübernehmenden Spekulanten – für das Wohl und Wehe von Otto Normalverbrauchers alltäglichem Leben verantwortlich.
Daher lässt sich interpretieren: In der Erhaltung der Währungsstabilität liegt der soziale Sinn der Spekulation. Dabei dient der Spekulationsgewinn als Entgelt für die risikobehaftete Sorge um eine stabile Währung.
Es kommt zu einem „paradoxen“ Effekt: die Befriedung der Einzelinteressen der Subjekte, den Spekulanten, trägt vermittels des Marktgeschehens zur Optimierung des Gemeinwohls bei.
Die Umsätze in Devisen- und Währungsoptionsmärkten sind die größten weltweit und erreichen täglich Milliarden bis Billionen von Währungseinheiten. Im Jahr 2022 wurden allein im Devisenmarkt täglich durchschnittliche Umsätze in Höhe von 7,5 Billionen US-Dollar gehandelt. Zu beachten ist, dass dabei immer Währungspaare gehandelt werden und zudem die Umsätze „doppelt“ anfallen: als Verkaufs- und als Kaufpreis in Summe. Das plustert das tägliche Handelsvolumen ordentlich auf.
Was für die Währungsoptionsmärkte gilt, gilt ebenso für die Warenoptionsmärkte: es geht um die Stabilisierung von in großen Mengen gehandelten Waren wie Weizen, Schweinehälften Orangensaft, Kaffee und vieles andere mehr. Die aufgezählten Waren stehen für solche, die für die Bevölkerungen hohe Bedeutung haben.
Wozu Optionsmärkte gut sind
Aber es gibt doch nach wie vor Preissprünge auf den Warenmärkten, von erratischen Ausschlägen an den Devisenmärkten war auch schon die Rede: wie passt das ins Bild?
Ohne die Terminbörsen wären die Ausschläge um einiges stärker, die Preise höher.
Drei Beispiele dazu:
#1 Hitler verbot die große Bremer Kaffeebörse. Daraufhin sicherte sich der Großhandel gegen Preisanstiege bei Kaffee ab, indem er von Haus aus deutlich höhere Preise für den Handel, die Geschäfte, einforderte. Resultat war der berühmt-berüchtigte Blümchenkaffee: die Konsumenten sparten am Kaffee, indem sie möglichst wenig davon zum Aufbrühen verwandten, also sah man durch den dünnen Kaffee das Blümchen am Grund der Kaffeetasse.
# 2 Waren, die nicht abgesichert werden können, weisen größere Preissprünge und höhere Preise auf; bremsend auf den Warenpreis (Aktienpreis, Devisenkurs) wirkt allein die Konkurrenz oder eine schwache Nachfrage oder ein überreichliches Angebot.
# 3 Die erste Warenoptionsbörse wurde 1848 in Chicago gegründet. Hintergrund war der bereits gewachsene Welthandel mit Waren, die großteils noch mit Segelschiffen über die Weltmeere transportiert wurden. Zwar befuhren die ersten Dampfschiffe Ende der 1830er Jahre den Atlantik, doch die eigentliche Verdrängung des Segelschiffs als Transportmittel setzte erst ab den 1870er Jahren ein.
Die Notwendigkeit, sich gegen den Verlust der Waren infolge Schiffuntergangs zu schützen oder sich überhaupt vor unerwarteten Preisveränderungen während der langen Schiffsfuhren abzusichern, führte zur Einrichtung der Chicagoer Warenbörse (Chicago Board of Trade), 1848 zunächst als Kassen- oder Spotmarkt, 1864 dann als Warenterminmarkt. Fortan konnten Käufer und Verkäufer Warenpreise vereinbaren für Warenlieferungen in ein, zwei, drei, sechs Monaten, was die Sicherheit der unternehmerischen Kalkulation erheblich erhöhte, da nun die Preisrisiken nicht von den Warenverkäufern und -käufern selbst, sondern von den Spekulanten übernommen wurden. Es entstand eine hochspezialisierte Zunft von Spekulanten, darunter viele Versicherungen.
Die Spekulanten hatten die Zeit und die Informationsmittel, sich über Warenpreisänderungen am Warenursprungsort und über Transportverzögerungen oder Schiffsunfälle zu informieren. Schlechte Kaffee- oder Kakao-Ernten, transportverzögernde Windflauten oder Schiffsunglücke blieben für sie kein Geheimnis, entsprechend diesen Informationen disponierten sie am Warenterminmarkt ihre Preisvorstellungen, doch in der Vergangenheit geschlossene Warenpreise für eine bestimmte Ware zu einem bestimmten Termin blieben davon unberührt.